unglück,
n. ,
gegenstück zu glück (
s. d.),
das aber seinerseits auch schon miszgeschick heiszen und vox media (beiderlei glück Staub-Tobler 2, 621)
sein kann. mhd. ung(e)lück(e),
md. ungelucke,
mnd. un(ge)lucke,
daher an. úlukka, úlykka,
f., aschwed. olykka,
f., olykke,
n., schwed. olycka,
dän. ulykke,
engl. unluck (ill-luck, mis-luck);
mnl. ongeluc(ke),
n., nl. ongeluk,
afries. unluk, onluk,
fries. un(ge)lok, on(ge)lok, un(g)lük.
in nd. und md. maa. reichlich vertreten, in obd. z. th. mit einschränkungen (
schweiz. durch ungefäll
fast verdrängt, Staub-Tobler 1, 747;
sonst. s. ebda. 2, 622,
els. 1, 258
b;
über schwäb. glück
s. Fischer 3, 712
f.; Schmeller 1, 971; 1435).
in der schriftspr. löst u.
älteres unsälde, unheil,
unfall, ungeling(en), unglimpf
ab (
vgl. über die entsprechenden glück, sälde, heil Wunderlich
zs. d. allg. d. sprachvereins 18, 357
ff. 19, 8
ff.)
und überflügelt zahlreiche begriffsverwandte wie miszglück, fall, ungefäll, ungelegenheit, ungemach, ungeschick, miszgeschick, unsegen, unstern, widerwärtigkeit,
pech, schlamassel, schlimmassel, schwein
u. a. vgl. auch unglückbarkeit,
unglückchen,
unglücklein, unglückhaftigkeit, unglücklichkeit, unglücksame, unglückseligkeit, glücklosigkeit.
zur ableitung und zu den formerscheinungen s. glück;
von formen seien erwähnt: ung(e)lücke Arigo 574, 4 (unglucke 59, 3), Thomasius
ernsth. gedancken 1, 3, Steinbach 1, 608, Gottsched
schaubühne 1, 421, A. G. Kästner 1, 11, Kortum
Jobsiade 1, 55,
schriftsprachlich veraltet, aber noch im maa., z. b. obers. 2, 599
a, Leihener 87
b, Schambach 243
a, G. Hauptmann
weber 11; ungelück Arigo 108, 7,
nomenclator (1634) 497, Voigtländer
oden 40, 4, Günther 5, Bürger 24
a,
obers. 2, 599
a; ungluck
neben unglück Luther, unglug 34, 1, 349, 18
W.; unglick Schiltberger 97, 1, ungelick Diefenbach 181
b, unglicke iber unglicke Hauptmann
weber 11, unglig Steinhöwel
Äsop 60, unglüg
tirol. weist. 3, 358, 17, ungelüch Schmeller 1, 971; unglückt (
wie glückt),
plur. unglückter Staub-Tobler 2, 622,
niederöst. weist. 3, 425, 8, Funckelin
geburt (1553) 107
b, P. Widmann
hortulus (1627) 1, 117, Steinbach 1, 314.
der plur. lautete sonst unglück (alle u. Luther 24, 164, 16
W.; zwey ungluck 19, 133, 1
W.; drey grosze unglück Schupp
schriften 158;
am längsten im handwerkssprichwort erhalten, s. I 1)
und, wie noch heute, unglücke (unzAeliche unglucke Eberlin v. Günzburg 3, 263, unglücke Lohenstein, Butschky, A. v. Haller, Lessing, Herder, Lichtenberg, Pestalozzi, Heine
u. s. f., eisenbahn-
u. s. w. unglücke; all' unglück' P. Fleming
d. ged. 1, 105; Göthe 32, 14, 11
W. liesz Tischbeins plur. unglücke
stehen, scheint ihn aber selbst in übereinstimmung mit Adelung
gemieden zu haben; vgl. 3, 352
W.; heute kann er bei individuell gestalteter vorstellung als einwandfrei gelten, wenn auch meist unglücksfälle
u. dgl. vorgezogen wird; Wilmanns
gramm. 3, 716); unglücker (Kramer
seehelden 237,
dict. 1700, 1, 541; J. Grimm
an Dahlmann 1, 6
aus dem munde eines Frankfurters; Sanders
erg. wb. 332
a)
ist wesentlich mundartlich (
z. b. Staub-Tobler 2, 622; Follmann 519
b;
obers. 2, 599
a; Askenasy 197; Hentrich 11;
Eupen 10
b).
es lassen sich hier nur grundzüge des wortgeschichtlichen thatbestandes geben. II.
appellativisch. I@11)
mangel an gelingen, glücklosigkeit, miszlingen, miszerfolg (
vgl. ungeling, ungelingen, unfall, ungefäll): vierzehen handwerk, fünfzehen unglück Agricola
s. th. 4, 2, 425; Wander 2, 342; Fischer
schwäb. wb. 3, 1136; Leihener 87
b; Riehl
d. arbeit 45;
nl. wb. 10, 1621; das glück, das gelingen verbindet, das u. zersetzt und zerstreut Ranke 1, 121; u. im spiel, glück in der liebe Fischer
schwäb. wb. 3, 711;
lux. 316
b. einige schieben dieses theatralische u. auf das alter des dichters Gottsched
d. neueste 1, 61; kein deutscher leser wird das u. einer neuen übersetzung machen (
wohl im wortspiel mit glück machen
faire fortune, sonst doppelsinnig nach machen
th. 6, 1373, 7 b,
zu 2 a
β gehörig, oder nach machen
th. 6, 1375, 10), so wenig als noch
ein deutsches parterre jemals eine neue übersetzte komödie ausgepfiffen hat Nicolai
S. Nothanker 1, 106;
ähnlich dasz nunmehr diese überflüssige gedancken noch einmahl ihr glücke, oder dasz ich besser rede, ihr unglücke in der welt versuchen wollen Chr. Weise
überfl. gedanken 3
ndr. vgl. unglückspoet (
J. Chapelain; in solche bezeichnungen flieszt etwas von bedeutung I 2 b
und VI
ein). I@22)
unglückliche fügung, miszgeschick (
vgl.böses
u. dgl. glück), I@2@aa)
im nachdrücklicheren sinne: I@2@a@aα)
unglückliche schickung, unglücklicher zufall, umstand, unglückliches ereignis; es ist als solches meist unvorhergesehen (Chr. Wolff
von gott 545),
unvermuthet (A. G. Kästner 1, 11),
ungewollt (
mnl. wb. 5, 604;
nl. wb. 10, 1622, 4 b; Stifter 1, 85),
unverschuldet (
handelsgesetzbuch 63, 1);
bisweilen von β nicht zu trennen: ein michil ungelucke iz was, daz dîn nieman ne plach
Straszburger Alexander 3783
Kinzel; es wäre kein u., wenn wir zu einer nachträglichen sendung genöthigt würden Göthe IV 42, 89
W.; 21, 62
W.;
vgl.b; Fontane I 5, 11. das ist (weiter) kein u.,
hat nichts zu sagen; Follmann 519
b;
vgl.b; Molema 550
a; in gottes namen hebet sich alles u. an Luther 16, 463, 32; 10, 2, 119, 20; 17, 1, 363, 37; 25, 197, 16; 28, 57, 30; 144, 27, 492; 33, 401, 12
W.; Franck
diallage 154
b;
sprüchw. 2, 5
a; Wander 4, 1438, 2; glücke hat sein ungelücke, ungelücke hat sein glücke Logau 154, 70; ein u. geschieht, passiert, macht sich, ereignet sich, entsteht, tritt ein, fällt vor, trägt sich zu, geht vor, begegnet, steht bevor, widerfährt einem, stöszt zu
u. s. w.; was giebts? ein u.! G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 46; eisenbahn-, jagd-, schiffs-
u. dgl. unglück; Sanders
erg. wb. 322
a;
vgl.unfall, ungefäll, unglücksgefäll; anderer von auszenher zufälligen unglücke Hohberg
georgica 1, 18. das u. meiner geburt Bode
Thom. Jones 2, 316; der eindruck des unglücks Göthe IV 40, 141
W.; tag des unglücks Schiller 13, 342; stelle des unglücks Stifter 5, 1, 205;
vgl.unglücksfall, -tag, -stelle
u. ä. wobei uns gottes ordnung gut durch glück und unglück führen thut Spreng
Äneis 100
a.
mit präpositionen, in der regel zur umschreibung von unglücklicherweise: von u. Gottfried
Tristan 11517; Fischart
binenkorb 102
a; das nichts ... von glück und onglück ... geschicht Münster
cosm. 2
vorr.; Schröder
rechtsgeschichte5 752;
mnl. van, bij, met, te o., mijns ongheluks
wb. 5, 604;
nl. wb. 10, 1621
f. durch ungluck Fischart
binenkorb 243
a; mit u. Spreng
Ilias 62
b; zu unglück Sachs 9, 496, 36
K.; der pöbel ... gibt zum u. den ton an Schiller 2, 12; zu allem u. Agyrtas
grillenvertreiber 64; zum gröszten u. Mozart
bei O. Jahn 4, 151;
nach β übergreifend zuo seinem u. Arigo 107, 3; zum unglücke für England Archenholz
England u. Italien 1, 1, 44;
ironisch Fischart
binenkorb 161
a;
elliptisch, satzbildend: zum unglück, dasz Dianens schaar so nah mit ihren hunden war (1753 doch u.) Lessing 1, 159. I@2@a@bβ)
art, inhalt und ergebnis der fügung werden stärker betont; '
unangenehm empfindbares, übles, was durch verbindung auszer unsrer gewalt liegender umstände zukommt' Weigand
syn. 3, 863,
objectives unglück, unheil, miszgeschick u. dgl. synonyme verbindungen: unglick und gepressten Schiltberger 97, 1; trübsal und u. Arigo 102, 9; 150, 30; u., schande und laster 20, 7; nichts als schaden und u. kann er machen Lenz, 1, 25
Tieck (enen o. doen
mnl. wb. 5, 604;
schaade aan schip of aan koopwaren ebda); krig und u. Stolle
thür. chron. 30; u. oder unraht Luther 34, 2, 239, 19
W.; u. und ungnade 19, 133
W.; unfall und u.
s. sp. 525; Musculus
hosenteuffel 6
ndr.; Thurneisser
m. alchymia 3; gott ... behüte mich vor allem u. und bösen Schweinichen 26; mit vieler armer leut blut und u. Zinkgref
apophthegmata (1628) 27; creutz und u. P. Gerhardt
bei Fischer - Tümpel 3, 315
u. s. w. (Sattler
phraseologey 379);
in längeren aufzählungen Rachel 46
ndr.; Canitz
ged. 51; Gottsched
ged. 260; für diesmal schliesze ich und werde das nächste blatt einmal ganz von unheil, mord, erdbeben und u. ausfüllen Göthe IV 8, 72
W. u. dgl. zur unterscheidung: ungemach, bedrängnisz, drangsal, elend, jammer, kreuz, leiden, noth, trübsal, u., widerwärtigkeit Weigand
syn. 3, 863; unheil, u., unstern 3, 875; hierdurch entstand nun zwar kein u., aber ein lächerliches unheil Göthe 26, 321
W.; u., nicht unsegen Fontane
ges. romane und novellen (1890) 7, 63.
Sirach 11, 14; erzehlet S.
ferner glück und u. (
alle erlebnisse) Grimmelshausen 2, 7, 20
Keller; glück und u. wird gesang Göthe 1, 9
W. erläuterung durch nähere bestimmungen: das was sein ungelucke H. v. Neustadt
Apoll. 5482; das u. ierer tochter Steinhöwel
Äsop 341; des ungelúckis not R. v. Ems
weltchron. 22214; das u. der kriege Ranke 4, 17; aller art u. Storm 1, 45. es ist des unglücks (
s.γ) eigentlichstes unglück, dasz selten drin der mensch sich rein bewahrt Grillparzer 5, 161 (
Medea 2); u. an leyb und leben Sachs 2, 38, 29
K.; herzens-, liebes-, weltunglück
u. dgl. das u. von Carlsbad Göthe IV 35, 118, 19
W.; tOetlich ungelück Steinhöwel
ber. fr. 57; ordentliches, auszerordentliches Walch 2741; das künfftige (Ringwaldt
warnung B 1
a), vergangene (Göthe 25, 51
W.), gegenwärtige (Göthe IV 42, 94
W.), häusliche (Zimmermann
einsamkeit 1, 4), öffentliche (Schiller 12, 61), glückhaftige (Staub-Tobler 2, 624), glückselige (
Amadis 1, 164
K.), glückliche (Lessing 2, 415), grosze (Moscherosch
insomnis cura 4
ndr.), schwere (Zinkgref
auserl. ged. 34
ndr.), höchste (Zimmermann
einsamkeit 1, 6), tiefere (Nietzsche
Zarathustra 467
kriegsausg.), harte (Herder 26, 247), furchtbarste (Göthe 26, 41
W., erdbeben von Lissabon), entsetzliche (O. Jahn
Mozart 1, 379)
u. s. w. (Sattler
phraseologey 477).
unter den verbalen verbindungen überwiegen die mit transitiven verben, während bei α diese fast fortfallen: u. haben Luther
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 24,
allgemein; auch mit inf. oder abhängigem satz, z. b. Kortum
Jobsiade 1, 55; horen und laszen in unglig haben
mittite eum in malam rem suam Steinhöwel
Äsop 60; Luther 12, 544, 8
W. (
veraltet);
allgemein zurichten (
1. Mos. 34, 30), anrichten (Luther 24, 164, 16
W.; auch bildlich, s. th. 1, 428,
vgl. III), zufügen (Eyering
prov. copia 3, 93), stifften (Hayneccius
H. Pfriem 578), anstiften (
M. Meyr
a. d. Ries 1, 82), einem anthun (Grabbe 1, 29), machen (
th. 6, 1373, 7 b,
mit umbiegung von glück machen
faire fortune Lessing 2, 27
f.), anstellen (Brentano 5, 85,
meist in abgeschwächtem sinne, vgl. b,
th. 1, 483,
auch lärm anrichten, als ob ein groszes u.
geschehen wäre Crecelius 845), bringen (Sachs 1, 140, 17
K.), erleiden (17, 440, 23
K.), gönnen (Petri O 6
a; Thomasius
gedancken u. erinnerungen 1, 3), vorbedeuten (Lessing 8, 33, 40), prophezeien (Heine 1, 100), ertragen, erleben, verhüten
u. s. w.; ... waren ir vil u. ... uberhaben Eberlin v. Günzburg 1, 46
ndr.; dem u. ausgesetzt sein G. Keller 6, 188; an das u. denken Liebig
chem. br. 95;
nach γ weisend zuo u. bringen
Züricher bibel (1531)
Josua 6
C, zu u. kommen Sachs 17, 20, 25
G., Reuter
Schelmuffsky 8
ndr., in u. verfallen Ebner-Eschenbach 3, 3
u. s. f. concret: collectiv für die unglücklichen das asyl des unglücks;
für den urheber des unglücks Parac. (1590) 9, 112; sein unglück und sein glücke ist ihm ein jeder selbst P. Fleming 472. weil sie (
Napoleon) das u. meines vaterlandes
sind Häusser
d. geschichte 3, 546,
wie allgemein auch für das, was u.
verursacht (
vgl. nl. wb. 10, 1622, 5); der bauch ist des lebens u. Franck
sprüchw. (1541) 1, 159
a. I@2@a@gγ)
überwiegend zuständlich; vgl. unglückseligkeit,
unbeglücktheit,
unbeglückung (
gs. subjectives glück Mauthner
wb. d. philos. 1, 438
b);
oft stark gefühlsbetont als seelenzustand: als nu der mensche got wil minnen, so siht er in sich selber das er minnelos und gnodelos ist; so ... stet alles das unglúcke in ime uf das ie wart Tauler
pred. 49, 23
V.; und ist das unsAelgst unglück das, wer dengket das er sAelig was Schwarzenberg
Cicero (1535) 157
a;
vom liebesleid Scheit
Grob. 2109; kein unglück kan da dauren P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350
b;
vgl.unglücksstand, -zustand
u. dgl.; im u. trosten sich die heyden also Agricola
sprichw. (1534) B 3
a; Göthe 21, 75, 16
W. in ä. spr. rückt der begriff an verdrossenheit (Suso
d. schr. 13, 18
B.),
verdrusz (die fliegen thetten im .. me unglücks an dan sunst alwegen Pauli
schimpf 37; Scheit
Grob. 1465),
händel (wann er sich in alle u. stackt Tschudi
chron. 1, 295,
dazu Staub-Tobler 2, 599)
heran; vgl. b
und unfall II 1 b. I@2@bb)
abgeschwächt und eulogisch vgl. unfall II 2 b, pech, malheur, leiden (
th. 6, 667), schlammassel, patsche
u. dgl.: wie einer (
der pechvogel eines Rosenplütschen priamels) mocht von groszem ungluck sagen
d. texte d. m. 14, 16, 143 (
vgl. von glück sagen
th. 8, 1657); Sachs 21, 65, 22
G.; Terenz (1499) 46
a; Scheit
Grob. 3442; von u. fuoget sich ... das der windt herren C. sein hut in den graben warff
b. d. liebe 105
d;
polit. maulaffe 6; Göthe 18, 429
W.; 21, 26, 16
W.; wer u. hat, bricht den finger in der westentasche Gaudy 2, 130; Wander
nr. 435; 337
ff.; 372
ff.; 344; 366; 431
ff.; 449; 23; 103; 220; das u. mit diesen musikern ist dasselbe wie mit den dichtern Göthe IV 26, 124
W.; 1, 303, 140
W.; unser u. ist nicht der mangel, sondern der überflusz an mustern O. Ludwig 5, 52.
beliebt mit erläuterndem inf. (
wie im französischen; auch nl.; wb. 10, 1622)
oder nebensatz (
vgl. Kolmarer hs. 140, 14): hr. Lessing hatte das u. gehabt, den hrn. hauptpastor ... in einem kleinen auftrage ... nicht so prompt zu bedienen, als allerdings wohl schicklich gewesen wäre Lessing 13, 382; Heppe
lehrprinz 4; Steffens
was ich erlebte 1, 8; der herzog ... hat das u., dasz die welt gern alberne mährchen auf seine rechnung erzählt Göthe IV 9, 221
W.; im umgange mit stillen kindern aber kann es ein wahres u. werden, wenn die groszen schwätzer sich nicht anders zu helfen wissen, als mit dem gemeinplatze: stille wasser sind tief G. Keller 1, 37;
vgl. ein rechtes u.
le beau malheur, le grand mal; es ist ein u., dasz ... (
z. b. Ebner - Eschenbach 1, 13; Bauernfeld 1, 74),
vieldeutig (
es ist zu bedauern, kann böse folgen haben, schädlich sein;
schade, dasz; leider). unglück mit pech vermischt (1795) Kluge
studentenspr. 132
a.
diminutiv: ein kleines unglücklin Herberger
hertzpostille 1, 21; unglückgen Mülman 12;
nl. ongelukje; ongelokje Dijkstra 2, 290
b.
im hausdeutsch, das sich Göthe und Schiller für ihren verkehr zurechtgemacht hatten, hiesz frau Bohl, die als ableiter für zudringliche besucher (unglück)
diente, das u. aus Lobeda Schiller
briefe 6, 59, 452
oder die unglücksburgermeisterin Göthe IV 14, 131, 23
W. mer wumm mache, desz mer ousz dem menscheuoñgleock ('
gewirre und getöse') rousz kumme Pfister
nachtr. 306. I@33)
die willensbethätigung kann in ä. spr. stark hervorgehoben werden: einen unglücke an legen (
etwa strafen, foltern, miszhandeln, töten, bedrohen, ängstigen u. dgl.) Arigo 175, 27;
vgl. infortunium ferre, habere, züchtigung erfahren; th. 1, 397, 7; plage und u. anlegen
ebda; Stumpf
chron. 403
b;
für malitia
der vulgata (
Matth. 6, 34) Luther 32, 470
W.; een ongeluk aan iemand begaan
jem. miszhandeln, totschlagen nl. wb. 10, 1622, 4 c; gleich wie wyr das wort ungluck auch auff zwo weyse brauchen: eyn mal, das es schlecht ein unfall und zufelligen schaden heyst, der on sunde geschieht. zum andern mal, das es auch untugend und buben stuck heysst; als wenn wir sehen, das ein bube was böses furnympt, sprechen wir: 'der wird ein ungluck anrichten', das ist eyne untugent, dadurch andern und zuletzt yhm selber auch ungluck kommen wird Luther 19, 358
W.; das wörtlein 'hawoth' heyst unglück und hertzenleyd ... das also u. hie alles beydes begriffe, beyde die missethat und die straffe 19, 593, 10
W.; er (
Cain) hat abr ein unglück angfangen H. Sachs 1, 59, 8
K.; wo unglück kegen eltern ist, da folgen straff ohn alle frist Friedrich Wilhelm
sprichw.-register G ij
α, 183; unrecht und ungelücke, arbeid und schelmenstücke ist mitten in ihr wol bekant Ulenberg
bei Kehrein
kirchenlied 2, 180, 7 (
psalm 54, 10
ff.). '
og nidingsvœrk er ulykke' Grønbech
lykkemand og niding 178.
engl. unlucky '
boshaft, muthwillig, schadenfroh'; unluckiness '
bosheit'.
die mundart hält solche bedeutungsentwicklung in unglück(s)macher, unglück machen (Staub-Tobler 4, 51; 2, 598)
fest. vgl. noch dän. gjøre en ulykke paa sig
sich ein leides anthun. nl. iemand een ongeluk doen
ihn erschlagen. auch ἀτυχία heiszt übelthat, verbrechen. IIII.
dämonisch und persönlich vorgestellt. J. Grimm
myth. 2
4, 731; 3, 267.
vgl.unfall III, ungefäll II 2 c, unheil, unselde. II@11)
das Unglück als aufhocker, huckauf: Laszberg
liedersaal 2, 575 (155, 16
ff.);
Kolmarer hs. 139, 35, 42 (
älter die Unsælde Roethe
zu Reinmar v. Zweter 178);
überwunden wird es in einen baum eingeschlossen oder an einen pfahl gefesselt, von wo es dem wieder aufhockt, der es löst: liedersaal 155, 46
ff.; Sachs 12, 270, 34
ff. K. (
fastnachtsp. 6, 68, 201
ff. Götze), 3, 209, 19
ff. K.; Perger
pflanzensagen 296.
hier haben die vielfach verblaszten vorstellungen, dasz das unglück einem über den hals kommt, auf dem rücken oder halse liegt, ihn reitet u. dgl., einen ausgangspunkt (
auch die Unsælde
reitet einen; mhd. wb. 2, 37
b). Beheim
bei J. Grimm
myth. 3, 267; Keisersberg
bilger 299
Dacheux; sünden des munds 13
d; hettestus angerrt, u. mst dich reitten
si attigisses, ferres infortunium Boltz
Terenz 88
b;
th. 8, 777;
oben sp. 527;
els. wb. 1, 258
b; der mensch musz bieten seinen rück täglich dem unfal und unglück Petri B 1
b;
th. 8, 1352
f.; Sachs 3, 209, 27
ff. K.; wie komet mir das unglück als ains tages her auf meinen hals! H. Sachs 6, 153, 26
K.; so ist der mensch: verzagend, wenn das unglück schleichend naht; doch springt's ihm plötzlich auf den nacken, trägt er's oft mit riesenkraft Kotzebue; so lade man gewiszlich ein u. sich auf den halsz Prätorius
winterflucht 4; L. wünschete der R. alles u. auf den halsz Happel
ak. roman 265; Parthenophilus (1719) 84; Hahn
staatshistorie 2, 203;
th. 4, 2, 251
f.; das u. hat ihm der vater selbst an den hals bitten müssen
pers. rosenthal 7, 11; alles u. an den hals fluchen
grillenvertreiber (1605) 177, hexen Gottschedin
testament 291
u. dgl.; ganz verflüchtigt: sich sein lebenlang mit u. tragen Petri U 3
a; das u. lag auf ihnen Holtei
erz. schr. 2, 4; alles u. anwünschen (Lessing)
u. s. w. das u. wil gerühmet seyn Petri M 6
b. wer singen und lachen kan, der erschreckt sein u. Lehman
florilegium 1, 234; wer dem u. unter augen geht, den förcht es; der es förcht, den jagt es 1, 252; Wander 4, 1454, 393; 401; 1439, 42; dat unglück kann vor eunem ut der eren springen (
Lippe) Wander 4, 1440, 61;
unklar des unglücks yeger A. Keller
erz. aus ad. hs. 157, 15; u. in der kisten haben
th. 5, 857; er fragte, wo mich das u. gehabt hätte, dasz ich so blutig aussähe
quelle bei J. Grimm
myth. 3, 267;
man bannt es Bettine
Günderode 1, 58;
wunsch für die neuvermählten: unglük daz hause scheuch! H. v. Wittenweiler
ring 34, 22.
vgl.unglücksbär, -drache, -löwe, -wolf, -faden, -nest.
oft wohl nur bildlich zu fassen: z. b. M. Behm
bei Fischer-Tümpel 3, 44;
Amadis 1, 26
K.; Göthe 5, 33
W. (mein unglücklicher genius
th. 4, 1, 2, 3400
antikisierend). II@22)
persönlich vorgestellt. II@2@aa)
in ausgebildeter personification; an die stelle der Unsælde
tretend J. Grimm
myth. 2
4, 731;
mit Fortuna
wechselnd: Ungelucke, waz ir mir leides tût!
Straszburger Alex. 3415
Kinzel; das ungelücke (
la fortuna) seinem willen noch nicht ein genügen hat getun Arigo 110, 8;
vgl. 111, 4 das gelücke; der neid des ungelückes 249, 17. du hast verbracht den laufe deines lebens, als dir von dem unglück ist beschert gewesen Arigo 254, 32.
bei H. Sachs 3, 386, 20
K. (fraw Ungelück mich hefftig tribuliert)
erscheint frau U. in blasser abstraction (12, 270, 30
K., 3, 209, 11
K., fastnachtspiele 6, 68, 182
Götze ist u.
blosz die gabe der fraw Glück);
anschaulicher bei H. Heine: das glück ist eine leichte dirne, die weilt nicht gern an einem ort. sie drückt den kusz dir auf die stirne und lächelt sanft und flattert fort. frau Unglück hat im gegentheile dich liebewarm an's herz gedrückt, sie sagt, sie habe keine eile, setzt sich zu dir an's bett und strickt.
vgl.unglück(s)teufel
unten VII 1, 2. II@2@bb)
seit mhd. zeit ist die spr. von zahllosen ausdrücken durchsetzt, die als auf persönlicher vorstellung des unglücks (
ähnlich wie bei glück, heil, selde, unselde)
beruhend gedeutet werden können; der sprechende braucht davon im augenblick kein bewusztsein zu haben und die grenzen zwischen blosz übertragenem und personificierendem gebrauch können in jedem falle verschieden verlaufen. z. b. ouch was ir einiu drunder von Galizen lant, die hete ir ungelücke von Portugâl gesant
Gudrun 1008, 2; sît mir mîn ungelücke bî mînen friunden niht ze wesen gunde 1053, 4; es well dann ungelück walten, so komen mir auch und springen enpor
gr. Neidhartspiel, fastnachtsp. 419, 5
K.; 490, 27; das dein ungelück wald!
passionsspiele aus Tirol 13
Wackernell; th. 13, 1380;
diese fügungen hat die n. spr. veralten lassen, doch lenkt (Rückert 3, 67), führt (Göthe 22, 30, 21
W.), will
das u. (u. will mich nit lassen Hätzlerin 49
a; ein u. wil geselschafft haben Morhof
ged. 248; wenn das unglück will, wer kann dar wider!
ollapatrida 30, 8
ndr.; das unglück wollte, dasz er eben nicht zu hause war Eichendorff 2, 230; Ruckert 187, 14, 15;
nl. wb. 10, 1621, 1). u. geht und kommt J. Grimm
myth. 3
4, 267; schreitet schnell Schiller
glocke 146; Strodtmann
Osnabr. 265; frewd und leyd sind so nahe nachbawren als glück und u.; alsz wenn glück im hausz ist, so wart das u. vor der thür Lehman
florileg. 1, 233; Tappius (1545) C b
α;
hist. volkslieder 175, 7
Liliencron; Petri F 7
a;
th. 11, 460
f.; es hat gesellen (
geharnschte Venus 4
ndr.), gefolge (Mommsen
röm. gesch. 5, 129),
u. s. w., mit glück und u. musz man hausen (Fischer
schwäb. wb. 3, 1274; Staub-Tobler 2, 622; Meyr
aus d. Ries 3, 67;
vgl. ackermann a. B. 1, 4),
man braucht ihm keinen boten zu schicken, es kommt von selber (Wander 4, 1446, 191
u. a.),
ungerufen (
vgl.unsent) Wander 4, 1449, 255; 1450, 311; so acht auf eines freundes lehren und rufe selbst das unglück her Schiller 11, 232 (
ring des Polykrates). sein u. suchen Arigo 58, 13. dat ungelucke st und hôrt nouwe Tunnicius 962; Wander 4, 1440, 54; 1450, 301; schläft nicht Zedler 49, 1539; Spreng
Il. 290
a; Kern
sprichw. (1718) 51; Wander 4, 1449, 274, 278; wenn en unglücke slöpt, mot man et slâpen lâten
eine schlimme sache musz man ruhen lassen Schambach 243
a;
th. 9, 286; u. wacht
th. 13, 39, erwacht (
Neidhard Fuchs 2487),
wird erweckt (Sachs 18, 213, 4
G.)
oder erweckt selber (
th. 3, 1048); hat sehr ein breiten fusz Mathesius
bei J. Grimm
myth. 3, 267, Wander 4, 1448, 325; hat breite füsse Faber
thesaurus (1587) 477
a; Petri K k 7
b; Schottel 1113; Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 157; Wander 4, 1442, 132; hat wollen socken an Petri V v 3
a; überläufft auch einen haasen Hoffmann
polit. Jesus Syrach 44; Wander 4, 1449, 281
u. ä. gewählter und individueller sind die literarischen personificationen; z. b. da mich des unglücks hand in kummer-lauge wäscht Günther 588; die hand des unglücks liegt schwer auf mir Kotzebue 2, 69; Raabe
hungerpastor 1, 224;
vgl. unglückshand; gewöhne mich auch an des unglücks stimme Körner 130
a; wo unglück geuszet ein glocken, darf man das gsind nit lang locken Kirchof
wendunmuth 2, 321; B. Neukirch
ged. 176; J. E. Schlegel 1, 11; unglück bildet den menschen Göthe 4, 120
W.; Wander 4, 1450, 307; deine braut heiszt qual — den segen spricht das unglück über euch! Lenau 12.
wieder biblisch (
Hiob 15, 35) mit u. schwanger gehen (Schede
psalmen 29
ndr.; J. G. Neukirch
anfangsgründe 128; Wander 4, 1441, 71;
vgl.unglücksschwanger); das u. gebiert nur zwillinge Hebbel
tageb. 2, 71; kind, sohn des unglücks
th. 5, 724, Gotter 2, 367, Matthisson 4, 20, Kotzebue 8, 292, Spielhagen 1, 10;
vgl. unglückskind, -sohn. ein ungluk daz ander reyt H. v. Wittenweiler
ring 53, 24;
vgl. II 1; Wander 4, 1441, 78
ff.; Hesekiel 7, 5; es kombt allein kein ungelück, eins bringt das ander auf dem rück Sachs 17, 94, 7
G.; 6, 36, 5
K.; nun ist noch ein u. auf das geseszen Meisterlin
städtechron. 3, 97, 24; ein u. das ander thut jagen Eyering 1, 32; beut dem andern die hand Spanutius 527; ladet das andere zur kirmes Aler 2, 2091
b u. s. f. reich durchgebildet ist die vorstellung des unglücks als feind: u. geht, ficht, trabt einen an (Luther 14, 133, 14
W., W. Spangenberg
Alcestis 1959,
Hecuba 110, Petri H 3
a; ansprung der widerwerticheit oder unglückes Arigo
blumen der tugend zs. f. d. phil. 28, 462, 476, des unseligen pösen gelücke
decameron 664, 6), treibt einen um (Petri B 8
a), schlägt, überwindet einen (2
ält. katechismen 25
ndr., Knebel
chron. v. Kaisheim 109, 31), be steht einen (Waldis
Esop. 4, 80, 94, Fr. Wilhelm
sprichw. register d
α 58, Schellhorn
sprichw. 108;
heute umgekehrt besteht man das u. E.
M. Arndt 5, 316, übersteht es P. Fleming 1, 105, widersteht ihm Caroline Schlegel 1, 49
Waitz), bringt um (Petri M 6
b), gebraucht sein tück (
ebda; von ungelückes tücke Logau 49, 180), verfolgt wie auf der ferse (Gerstenberg
litbr. 162, 34
ndr.), ereilt mich (Göthe 22, 11, 15
W.), trat dem könige in die wege (Laube 4, 154), droht (Schiller
br. 5, 276)
u. s. w.; man entgeht ihm (Arigo 171, 17;
Jerem. 11, 11), flieht es (Schulze
bibl. sprichw. 48), ringt danach (
th. 8, 1007); das u. musz man überböszen Schellhorn 157;
th. 11, 2, 147; u. kommt mit hauffen Scheit
Grob. 3474;
eselkönig 324; so kommt doch bald mit hauffen das ungelück gelauffen Zesen
verm. Helikon 2, 64;
vgl.unglückshaufen, -heer. es kommt nicht allein Keisersberg
evangelibuch (1515) 7
b; Luther 18, 495, 22
W.; Wander 4, 1444, 129, 1446, 183.
in n. spr. wird vieles dieser art eben nur noch allgemein bildlich empfunden. vgl. III. IIIIII.
unerschöpflich ist der reichtum der bilder, unter denen der für unsere vorstellungswelt überaus bedeutsame begriff erscheint; dabei ist bemerkenswert, dasz die alte für glück (Zarncke
z. narrenschiff 37)
so wichtige vorstellung des glückrades und der kugel fast gar nicht in betracht kommt; s. unglücksrad, -rädlein, -ball, -spiel: u. säen
Hiob 4, 8 (
th. 8, 1633, 4 d); Wander 4, 1456, 443; Petri H h 7
a; u. aus dem acker nicht wechset
Hiob 5, 6; Petri E 5
b; u. und hor das wechszt all tag S. Brant
narrenschiff 56, 56 (Freidank 39, 23 sünde, nagel unde hâr);
th. 13, 86, 118, 121; Wander
nr. 238, 271, 331; Kirchhofer 157; holtz und u. wachsen über nacht oder alle tage Lehman 1, 98; Grässe
jägerbrevier 77; Stüve
wesen u. verfassung 271; fieng sein ungluck an zu gronen Knebel
chr. v. Kaisheim 265; u. blüht
th. 2, 156, 5; E. v. Kleist 1, 235, 8; Wander 428, 441, 465;
wird reif Wander 499;
vgl.unglückssaat, -säer, -samen; grab nit nach u. Dentzler 139
a (
Hiob 3, 21); deines unglücks frucht Schönaich
Heinrich d. Vogler 26; u. brauen
th. 1, 428; Luther 32, 37, 11
W.; Henisch 488; Immermann 16, 500; ausessen Waldis 1, 67
K.; u.
regnet hist. volksl. 134, 471
Liliencron; E. Zahn
helden des alltags 62; in u. baden Waldis
Esopus 3, 98, 130; Petri F f 2
a; geht an die knie, lasz dir kein u. über die knie gehn
th. 5, 1423, 1425; Wander 190, 382, 483; Staub-Tobler 2, 622; welch u. wittert sich? W. Scherffer
bei Drechsler 273; Günther 1083; u. stürmt Schwabe
belustigungen 1, 537; blitzt Gottsched
neueste ged. 28, schlägt drein
th. 9, 400 h (
fulmina fortunae wanns u. drein schlegt Schönsleder X 2
b;
abgeblaszt zs. f. d. altert. 32, 142; wie wolt nit u. zuo solchen unbillichen sachen schlahen Gebweiler
beschirmung 35
b; Raber 2, 15
ndr.; Garg. 59; worzu das u. schlug '
kam', das .., Chemnitz 3, 1, 16
a; 81
b), braust in wogen E. v. Kleist 1, 218, 162; ungelückes winde
quelle bei J. Grimm
myth. 3, 267; des unglücks wetter P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 345
b; des unglücks wilde wellen Morhof
gedichte 145, stürme Herder 5, 124, nordlicht Rabener 2, 85; alles bOeses und ungelucks bron Hutten 2, 195, 24, quellen des unglücks Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 2 (
vgl. unseldenbrunne
bei J. Grimm
myth. 3, 267); um nun das masz des unglücks voll zu machen Auerbach
dorfgesch. 2, 197 (
vgl.unglücksmasz); versincken im u. Petri b 4
b; (sich) ins u. stürzen Chr. Wolff
v. d. menschen thun 281; Schiller 1, 17 (
vgl. abgrund von u.); groszes u. entzünden Happel
ak. roman 226; sein u. schmieden Petri V 8
b, Wander 202, (seines unglücks schmied 426,
vgl. th. 9, 1064, 1056; seines glücks und unglücks schmied v. Besser 1, 316; Freytag 14, 362), u. feil tragen, kaufen
germ. abh. 25, 564; S. Brant
narrenschiff 78, 15; Wander 300;
th. 5, 332 (kaufgericht); u. ist wohlfeil Valentini 2, 1181
c;
vgl.pech kaufen; u. häckelt sich an Fouqué
zauberring 1, 47; u. mit u. häufen D. v.
d. Werder
buszpsalmen B 3
a; desz unglückes angel Sachs 12, 493, 36
K.; dem gewicht des unglücks Schiller 4, 66; des unglücks seelenmordende pfeile Grillparzer 5, 1, 172
u. s. w. auch viele composita, bes. solche des 17.
jhs., unter VII 2
sind bildlich gemeint. die junge in mannigfacher sinnesfärbung auftretende ra. da liegen, sitzen, hocken wie ein haufen u. (elend)
kann, wenn nicht haufe I 2
vorliegt, von ausdrücken wie am haufen liegen, sein (si springend und laufend, bis s' amene h. sind
zusammensinken, das geht nicht ein jahr, so sind sie am h.
bankerott, ruiniert; amenen h. liggen, sitzen
träge herum liegen, unbeweglich kauernd am gleichen fleck verharren Staub-Tobler 2, 1045; zeime hûfen
th. 5, 1292; 4, 2, 5882)
ausgehen, kaum beeinfluszt von h.
oder unglück
als scheltender personenbezeichnung (Staub-Tobler 2, 1043; Fischer
schwäb. wb. 3, 1241;
vgl. unglücksvogel, umvogel, unseliger vogel
schwächlicher, gebrechlicher mensch els. wb. 1, 99, ungelok
unglücksvogel Dijkstra 2, 290
b,
nl. een ongeluk van een vent, een ongelukje
nl. wb. 10, 1622
b);
hinzugefügtes unglück (elend)
würde dann den schlusz vom äuszern auf die geistige verfassung wiedergegeben haben: der sitzt da wie ein h. u. (elend) Fischer 3, 1241; 2, 699; Ruckert 187;
th. 4, 2, 582
unter häufchen (
ebda sp. 586
erwähnte verbindungen wie glücks den haufen
können formal eingewirkt haben)
; der alte mann, der in seinem bette wie ein häuflein willenlosen unglücks lag Speck
zwei seelen 219; wir waren in verlegenheit, was wir mit diesem häufchen u. anfangen sollten 260; er sieht aus wie ein haufen u. Sachs-Villatte 2
5, 793
b; dat ös en wahret hûpke onglöck Frischbier 2, 422
b; det is'n klump unjlick
ein unansehnlicher mensch Brendicke 69
a; P. lagg as en klumpen u. up sinem sopha Fr. Reuter 9, 233; den nassen klumpen u.
die ertrunkene Heyse
kinder der welt 2, 144; Sanders
erg. wb. 322
a;
vgl.klosz 2 b; soll mich doch wundern, ob ich aus das stückchen u. (
Hans Unwirsch, der sich vor prügeln und dem '
schraubstock'
des oheims fürchtet) den grund herausquetschen kann, weshalb ... Raabe
hungerpastor 1, 103.
vgl. this little piece of disgrace. da liegt der haufen unglück,
etwa von zerbrochenem geschirr gesagt, mit dem man verunglückt ist (
vgl. I 2 b; Sanders
erg. wb. 322
a wollte für die erklärung der ganzen ra. davon ausgehen),
dürfte von dem auf personen bezüglichen gebrauch zu trennen sein. IVIV.
ausgeführtere vergleiche sind nicht selten; z. b. massen dann die unglücker wie die niesser sind, deren selten eines allein, sondern gemeinlich ein paar oder noch mehr zusammen kommen Krämer
seehelden 237; Wander 4, 1452, 353; 1454, 393; Göthe 2, 61, 12 ff.
W.; Raupach
bei Lipperheide
spruchwörterbuch 961
a. VV.
unglück als krankheit (
vielleicht von II 1
beeinfluszt; vgl. unfall I 4, ungemach 1 b):
epilepsie Höfler 197
a;
syn. mit jammer Schambach 93
a, 243
a,
th. 4, 2, 2253,
mit elend Schambach 55
b, Hentrich 11,
th. 3, 409,
mit schwer leid Schmidt
Westerwald 283,
dem höchsten Frischbier 2, 422
b,
th. 4, 2, 1597 h,
mit schlag (slag un u. krigen
epileptische krämpfe bekommen Fr. Reuter Müller
lex. 144
a), das selig
th. 10, 1, 526; Danneil 231
b; Dähnert 506
b; Mi 96
b; Schütze 2, 42; Bauer-Collitz 108
a;
laus. obers. 2, 599
a; Kehrein
Nassau 417; Crecelius
oberhess. 845; Pfister
nachtr. 306;
nl. ramp. Zedler 49, 1547.
nicht mehr schriftsprachlich. undeutlicher von folgen des weintrinkens H. R. Manuel
weinspiel 539.
viehkrankheit: im sommer kömpt biszweilen ein u. unter die hüner, dasz sie sehr sterben
viehb. (1667) 99;
M. Böhme
viehartzney 56; Aitinger X 3
a; ein viehsterben, ein sogenanntes u. am vieh Möser 3, 313;
vgl. unglücklich Follmann 519
b. iemand een ongeluk slaan
einen gefährlichen schlag geben Schuermans
bijvoegsel 216
a. zich een ongeluk schreeuwen, lachen
nl. wb. 10, 1622.
an misval, miskraam, unfall I 2, ungesund,
m., erinnert, obwohl euphemisch verstanden, een ongelukje hebben
ein kind kriegen, von einer unverheirateten nl. wb. ebda; Wander 4, 1458, 495; to have a misfortune Murray 6, 513
a;
vgl.nehmet eure jungfern fein in acht, damit sie nicht unglücke unter wegens nehmen Chr. Reuter
Schlamp. krankheit u. tod 1, 4, 98
ndr. übertragen von fleischeslust Waldis
Esopus 2, 60, 22
K. nur bildlich Wander 4, 1439, 26. VIVI.
im ausruf, fluch und segen, in verwünschung und drohung (
vgl. II): botz unglück (
malum), welche andre? Boltz
Terenz 50
b (
Eun. 780); Neidhart 142; Boltz 98
a; im fahungs-strick, o ungelück! da lag sie gantz umschlossen
Reinicke fuchs (1650) 95; ach malheureuses u.! Hafner
lustspiele 2, 3; krägst de's u.! Crecelius 845; wos e uhglick! Niebergall 149; Jesus, das u.! E. Th. A. Hoffmann 10, 139; inu u'gelick!
angst- und klagruf obers. 2, 599
a; du ugelick du!
ausruf des staunens ebda. u. über alle unglücke! Lessing 2, 164; u. über u. ... auf diejenige, die ... nach mir diese lippen küszt! Göthe 27, 292, 4
W. (
dicht. u. wahrheit 2, 9;
sonst bringt der kusz kein u. Arigo 125, 20);
vgl.malheur à, sur; Brentano 5, 55.
elliptisch: zum unglück, dasz sie auch die birnbaumszene sahn! Wieland 22, 292 (
Oberon 6, 86);
vgl.ganc zallen onselden hin!
quelle bei J. Grimm
myth. 2, 732.
veraltet sind die verwünschungen: ungeluck hause gewaltiglich zu euch
ackermann a. B. 1, 4; alles ungelukch geb in hail!
zs. f. d. altert. 41, 179; dasz uch alle u. misz bestan!
Alsfelder pass. 3975; J. Ayrer 160, 22; Schottel 1137; das dich als u. angee! A. v. Eybe
sp. d. sitten (1511) cc 6
b; Luther 14, 133, 14; Dentzler;
vgl. Raber 25, 751; undanck, schanden und ewig ungeluck und verdampnus hab der mensch
theol. deutsch 38
Mandel; so wil ich ... gepotten haben, das sie (
die geistlichen) es bekennen mussen (
dasz L. es besser getroffen habe) on yhren danck und all u. dazu haben Luther 23, 12, 12
W.; habt euch als u.! Sachs 1, 66, 10
K.; lasset sie sten in des unglückes namen, das in got gebe Arigo 137, 38;
alles u. möge dir geschehen mnl. wb. 5, 604;
drohend gehe mir vom leibe, oder du hast unglücke Weise
pol. redner 375; du feiger schalck, das sol dein u. sein
Eulenspiegel 15
ndr.; Lessing 2, 339, 9; Göthe 43, 117, 1
W.; ei, so wünsch ich dem des unglücks noch so viel Arnim 13, 32;
umgekehrt: u. hab urlaub von uns Ayrer
processus 3, 1; glück 'rein, u. 'naus Fischer
schwäb. wb. 3, 711; gott wende das u. ab Frisch 1, 358
b.
Biterolf 2342
Jänicke. auch zusammensetzungen wie unglücksbesuch, -bube, -dirne, -fabrik, -gaul, -geld, -graf, -kerl, -kind, -krone, -mann, -mensch, -pilz
u. a. enthalten eine verwünschung. VIIVII.
neben dem hier nicht zu erfassenden unermeszlichen reichtum an sprichwörtern, sentenzen und redensarten geben besonders zahllose zusammensetzungen davon eine vorstellung, was für eine grosze rolle das u.
im sprachleben der neueren zeit spielt. das älteste der unten verzeichneten comp. ist unglucksnest
fastnachtsp. 255, 15
K., die festigkeit der zusammensetzung bisweilen gering (
z. b. in einiges unglücks loch Buchholtz
Herkules 1, 42;
vgl. unglücksfall). VII@11)
in der form eigentlicher composita: unglückabwendend, part. - adj. R. Köhler
kl. schr. 1, 368,
vgl. ἀλεξίκακος, unglückfernend,