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unglück

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unglück n.

Bd. 24, Sp. 992
unglück, n. , gegenstück zu glück (s. d.), das aber seinerseits auch schon miszgeschick heiszen und vox media (beiderlei glück Staub-Tobler 2, 621) sein kann. mhd. ung(e)lück(e), md. ungelucke, mnd. un(ge)lucke, daher an. úlukka, úlykka, f., aschwed. olykka, f., olykke, n., schwed. olycka, n. ulykke, engl. unluck (ill-luck, mis-luck); mnl. ongeluc(ke), n., nl. ongeluk, afries. unluk, onluk, fries. un(ge)lok, on(ge)lok, un(g)lük. in nd. und md. maa. reichlich vertreten, in obd. z. th. mit einschränkungen (schweiz. durch ungefäll fast verdrängt, Staub-Tobler 1, 747; sonst. s. ebda. 2, 622, els. 1, 258b; über schwäb. glück s. Fischer 3, 712 f.; Schmeller 1, 971; 1435). in der schriftspr. löst u. älteres unsälde, unheil, unfall, ungeling(en), unglimpf ab (vgl. über die entsprechenden glück, sälde, heil Wunderlich zs. d. allg. d. sprachvereins 18, 357 ff. 19, 8 ff.) und überflügelt zahlreiche begriffsverwandte wie miszglück, fall, ungefäll, ungelegenheit, ungemach, ungeschick, miszgeschick, unsegen, unstern, widerwärtigkeit, pech, schlamassel, schlimmassel, schwein u. a. vgl. auch unglückbarkeit, unglückchen, unglücklein, unglückhaftigkeit, unglücklichkeit, unglücksame, unglückseligkeit, glücklosigkeit. zur ableitung und zu den formerscheinungen s. glück; von formen seien erwähnt: ung(e)lücke Arigo 574, 4 (unglucke 59, 3), Thomasius ernsth. gedancken 1, 3, Steinbach 1, 608, Gottsched schaubühne 1, 421, A. G. Kästner 1, 11, Kortum Jobsiade 1, 55, schriftsprachlich veraltet, aber noch im maa., z. b. obers. 2, 599a, Leihener 87b, Schambach 243a, G. Hauptmann weber 11; ungelück Arigo 108, 7, nomenclator (1634) 497, Voigtländer oden 40, 4, Günther 5, Bürger 24a, obers. 2, 599a; ungluck neben unglück Luther, unglug 34, 1, 349, 18 W.; unglick Schiltberger 97, 1, ungelick Diefenbach 181b, unglicke iber unglicke Hauptmann weber 11, unglig Steinhöwel Äsop 60, unglüg tirol. weist. 3, 358, 17, ungelüch Schmeller 1, 971; unglückt (wie glückt), plur. unglückter Staub-Tobler 2, 622, niederöst. weist. 3, 425, 8, Funckelin geburt (1553) 107b, P. Widmann hortulus (1627) 1, 117, Steinbach 1, 314. der plur. lautete sonst unglück (alle u. Luther 24, 164, 16 W.; zwey ungluck 19, 133, 1 W.; drey grosze unglück Schupp schriften 158; am längsten im handwerkssprichwort erhalten, s. I 1) und, wie noch heute, unglücke (unzAeliche unglucke Eberlin v. Günzburg 3, 263, unglücke Lohenstein, Butschky, A. v. Haller, Lessing, Herder, Lichtenberg, Pestalozzi, Heine u. s. f., eisenbahn- u. s. w. unglücke; all' unglück' P. Fleming d. ged. 1, 105; Göthe 32, 14, 11 W. liesz Tischbeins plur. unglücke stehen, scheint ihn aber selbst in übereinstimmung mit Adelung gemieden zu haben; vgl. 3, 352 W.; heute kann er bei individuell gestalteter vorstellung als einwandfrei gelten, wenn auch meist unglücksfälle u. dgl. vorgezogen wird; Wilmanns gramm. 3, 716); unglücker (Kramer seehelden 237, dict. 1700, 1, 541; J. Grimm an Dahlmann 1, 6 aus dem munde eines Frankfurters; Sanders erg. wb. 332a) ist wesentlich mundartlich (z. b. Staub-Tobler 2, 622; Follmann 519b; obers. 2, 599a; Askenasy 197; Hentrich 11; Eupen 10b). es lassen sich hier nur grundzüge des wortgeschichtlichen thatbestandes geben. II. appellativisch. I@11) mangel an gelingen, glücklosigkeit, miszlingen, miszerfolg (vgl. ungeling, ungelingen, unfall, ungefäll): vierzehen handwerk, fünfzehen unglück Agricola s. th. 4, 2, 425; Wander 2, 342; Fischer schwäb. wb. 3, 1136; Leihener 87b; Riehl d. arbeit 45; nl. wb. 10, 1621; das glück, das gelingen verbindet, das u. zersetzt und zerstreut Ranke 1, 121; u. im spiel, glück in der liebe Fischer schwäb. wb. 3, 711; lux. 316b. einige schieben dieses theatralische u. auf das alter des dichters Gottsched d. neueste 1, 61; kein deutscher leser wird das u. einer neuen übersetzung machen (wohl im wortspiel mit glück machen faire fortune, sonst doppelsinnig nach machen th. 6, 1373, 7 b, zu 2 a β gehörig, oder nach machen th. 6, 1375, 10), so wenig als noch ein deutsches parterre jemals eine neue übersetzte komödie ausgepfiffen hat Nicolai S. Nothanker 1, 106; ähnlich dasz nunmehr diese überflüssige gedancken noch einmahl ihr glücke, oder dasz ich besser rede, ihr unglücke in der welt versuchen wollen Chr. Weise überfl. gedanken 3 ndr. vgl. unglückspoet (J. Chapelain; in solche bezeichnungen flieszt etwas von bedeutung I 2 b und VI ein). I@22) unglückliche fügung, miszgeschick (vgl.böses u. dgl. glück), I@2@aa) im nachdrücklicheren sinne: I@2@a@aα) unglückliche schickung, unglücklicher zufall, umstand, unglückliches ereignis; es ist als solches meist unvorhergesehen (Chr. Wolff von gott 545), unvermuthet (A. G. Kästner 1, 11), ungewollt (mnl. wb. 5, 604; nl. wb. 10, 1622, 4 b; Stifter 1, 85), unverschuldet (handelsgesetzbuch 63, 1); bisweilen von β nicht zu trennen: ein michil ungelucke iz was, daz dîn nieman ne plach Straszburger Alexander 3783 Kinzel; es wäre kein u., wenn wir zu einer nachträglichen sendung genöthigt würden Göthe IV 42, 89 W.; 21, 62 W.; vgl.b; Fontane I 5, 11. das ist (weiter) kein u., hat nichts zu sagen; Follmann 519b; vgl.b; Molema 550a; in gottes namen hebet sich alles u. an Luther 16, 463, 32; 10, 2, 119, 20; 17, 1, 363, 37; 25, 197, 16; 28, 57, 30; 144, 27, 492; 33, 401, 12 W.; Franck diallage 154b; sprüchw. 2, 5a; Wander 4, 1438, 2; glücke hat sein ungelücke, ungelücke hat sein glücke Logau 154, 70; ein u. geschieht, passiert, macht sich, ereignet sich, entsteht, tritt ein, fällt vor, trägt sich zu, geht vor, begegnet, steht bevor, widerfährt einem, stöszt zu u. s. w.; was giebts? ein u.! G. Hauptmann bahnwärter Thiel 46; eisenbahn-, jagd-, schiffs- u. dgl. unglück; Sanders erg. wb. 322a; vgl.unfall, ungefäll, unglücksgefäll; anderer von auszenher zufälligen unglücke Hohberg georgica 1, 18. das u. meiner geburt Bode Thom. Jones 2, 316; der eindruck des unglücks Göthe IV 40, 141 W.; tag des unglücks Schiller 13, 342; stelle des unglücks Stifter 5, 1, 205; vgl.unglücksfall, -tag, -stelle u. ä. wobei uns gottes ordnung gut durch glück und unglück führen thut Spreng Äneis 100a. mit präpositionen, in der regel zur umschreibung von unglücklicherweise: von u. Gottfried Tristan 11517; Fischart binenkorb 102a; das nichts ... von glück und onglück ... geschicht Münster cosm. 2 vorr.; Schröder rechtsgeschichte5 752; mnl. van, bij, met, te o., mijns ongheluks wb. 5, 604; nl. wb. 10, 1621 f. durch ungluck Fischart binenkorb 243a; mit u. Spreng Ilias 62b; zu unglück Sachs 9, 496, 36 K.; der pöbel ... gibt zum u. den ton an Schiller 2, 12; zu allem u. Agyrtas grillenvertreiber 64; zum gröszten u. Mozart bei O. Jahn 4, 151; nach β übergreifend zuo seinem u. Arigo 107, 3; zum unglücke für England Archenholz England u. Italien 1, 1, 44; ironisch Fischart binenkorb 161a; elliptisch, satzbildend: zum unglück, dasz Dianens schaar so nah mit ihren hunden war (1753 doch u.) Lessing 1, 159. I@2@a@bβ) art, inhalt und ergebnis der fügung werden stärker betont; 'unangenehm empfindbares, übles, was durch verbindung auszer unsrer gewalt liegender umstände zukommt' Weigand syn. 3, 863, objectives unglück, unheil, miszgeschick u. dgl. synonyme verbindungen: unglick und gepressten Schiltberger 97, 1; trübsal und u. Arigo 102, 9; 150, 30; u., schande und laster 20, 7; nichts als schaden und u. kann er machen Lenz, 1, 25 Tieck (enen o. doen mnl. wb. 5, 604; schaade aan schip of aan koopwaren ebda); krig und u. Stolle thür. chron. 30; u. oder unraht Luther 34, 2, 239, 19 W.; u. und ungnade 19, 133 W.; unfall und u. s. sp. 525; Musculus hosenteuffel 6 ndr.; Thurneisser m. alchymia 3; gott ... behüte mich vor allem u. und bösen Schweinichen 26; mit vieler armer leut blut und u. Zinkgref apophthegmata (1628) 27; creutz und u. P. Gerhardt bei Fischer - Tümpel 3, 315 u. s. w. (Sattler phraseologey 379); in längeren aufzählungen Rachel 46 ndr.; Canitz ged. 51; Gottsched ged. 260; für diesmal schliesze ich und werde das nächste blatt einmal ganz von unheil, mord, erdbeben und u. ausfüllen Göthe IV 8, 72 W. u. dgl. zur unterscheidung: ungemach, bedrängnisz, drangsal, elend, jammer, kreuz, leiden, noth, trübsal, u., widerwärtigkeit Weigand syn. 3, 863; unheil, u., unstern 3, 875; hierdurch entstand nun zwar kein u., aber ein lächerliches unheil Göthe 26, 321 W.; u., nicht unsegen Fontane ges. romane und novellen (1890) 7, 63. Sirach 11, 14; erzehlet S. ferner glück und u. (alle erlebnisse) Grimmelshausen 2, 7, 20 Keller; glück und u. wird gesang Göthe 1, 9 W. erläuterung durch nähere bestimmungen: das was sein ungelucke H. v. Neustadt Apoll. 5482; das u. ierer tochter Steinhöwel Äsop 341; des ungelúckis not R. v. Ems weltchron. 22214; das u. der kriege Ranke 4, 17; aller art u. Storm 1, 45. es ist des unglücks (s.γ) eigentlichstes unglück, dasz selten drin der mensch sich rein bewahrt Grillparzer 5, 161 (Medea 2); u. an leyb und leben Sachs 2, 38, 29 K.; herzens-, liebes-, weltunglück u. dgl. das u. von Carlsbad Göthe IV 35, 118, 19 W.; tOetlich ungelück Steinhöwel ber. fr. 57; ordentliches, auszerordentliches Walch 2741; das künfftige (Ringwaldt warnung B 1a), vergangene (Göthe 25, 51 W.), gegenwärtige (Göthe IV 42, 94 W.), häusliche (Zimmermann einsamkeit 1, 4), öffentliche (Schiller 12, 61), glückhaftige (Staub-Tobler 2, 624), glückselige (Amadis 1, 164 K.), glückliche (Lessing 2, 415), grosze (Moscherosch insomnis cura 4 ndr.), schwere (Zinkgref auserl. ged. 34 ndr.), höchste (Zimmermann einsamkeit 1, 6), tiefere (Nietzsche Zarathustra 467 kriegsausg.), harte (Herder 26, 247), furchtbarste (Göthe 26, 41 W., erdbeben von Lissabon), entsetzliche (O. Jahn Mozart 1, 379) u. s. w. (Sattler phraseologey 477). unter den verbalen verbindungen überwiegen die mit transitiven verben, während bei α diese fast fortfallen: u. haben Luther bei Wackernagel kirchenl. 3, 24, allgemein; auch mit inf. oder abhängigem satz, z. b. Kortum Jobsiade 1, 55; horen und laszen in unglig haben mittite eum in malam rem suam Steinhöwel Äsop 60; Luther 12, 544, 8 W. (veraltet); allgemein zurichten (1. Mos. 34, 30), anrichten (Luther 24, 164, 16 W.; auch bildlich, s. th. 1, 428, vgl. III), zufügen (Eyering prov. copia 3, 93), stifften (Hayneccius H. Pfriem 578), anstiften (M. Meyr a. d. Ries 1, 82), einem anthun (Grabbe 1, 29), machen (th. 6, 1373, 7 b, mit umbiegung von glück machen faire fortune Lessing 2, 27 f.), anstellen (Brentano 5, 85, meist in abgeschwächtem sinne, vgl. b, th. 1, 483, auch lärm anrichten, als ob ein groszes u. geschehen wäre Crecelius 845), bringen (Sachs 1, 140, 17 K.), erleiden (17, 440, 23 K.), gönnen (Petri O 6a; Thomasius gedancken u. erinnerungen 1, 3), vorbedeuten (Lessing 8, 33, 40), prophezeien (Heine 1, 100), ertragen, erleben, verhüten u. s. w.; ... waren ir vil u. ... uberhaben Eberlin v. Günzburg 1, 46 ndr.; dem u. ausgesetzt sein G. Keller 6, 188; an das u. denken Liebig chem. br. 95; nach γ weisend zuo u. bringen Züricher bibel (1531) Josua 6 C, zu u. kommen Sachs 17, 20, 25 G., Reuter Schelmuffsky 8 ndr., in u. verfallen Ebner-Eschenbach 3, 3 u. s. f. concret: collectiv für die unglücklichen das asyl des unglücks; für den urheber des unglücks Parac. (1590) 9, 112; sein unglück und sein glücke ist ihm ein jeder selbst P. Fleming 472. weil sie (Napoleon) das u. meines vaterlandes sind Häusser d. geschichte 3, 546, wie allgemein auch für das, was u. verursacht (vgl. nl. wb. 10, 1622, 5); der bauch ist des lebens u. Franck sprüchw. (1541) 1, 159a. I@2@a@gγ) überwiegend zuständlich; vgl. unglückseligkeit, unbeglücktheit, unbeglückung (gs. subjectives glück Mauthner wb. d. philos. 1, 438b); oft stark gefühlsbetont als seelenzustand: als nu der mensche got wil minnen, so siht er in sich selber das er minnelos und gnodelos ist; so ... stet alles das unglúcke in ime uf das ie wart Tauler pred. 49, 23 V.; und ist das unsAelgst unglück das, wer dengket das er sAelig was Schwarzenberg Cicero (1535) 157a; vom liebesleid Scheit Grob. 2109; kein unglück kan da dauren P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 350b; vgl.unglücksstand, -zustand u. dgl.; im u. trosten sich die heyden also Agricola sprichw. (1534) B 3a; Göthe 21, 75, 16 W. in ä. spr. rückt der begriff an verdrossenheit (Suso d. schr. 13, 18 B.), verdrusz (die fliegen thetten im .. me unglücks an dan sunst alwegen Pauli schimpf 37; Scheit Grob. 1465), händel (wann er sich in alle u. stackt Tschudi chron. 1, 295, dazu Staub-Tobler 2, 599) heran; vgl. b und unfall II 1 b. I@2@bb) abgeschwächt und eulogisch vgl. unfall II 2 b, pech, malheur, leiden (th. 6, 667), schlammassel, patsche u. dgl.: wie einer (der pechvogel eines Rosenplütschen priamels) mocht von groszem ungluck sagen d. texte d. m. 14, 16, 143 (vgl. von glück sagen th. 8, 1657); Sachs 21, 65, 22 G.; Terenz (1499) 46a; Scheit Grob. 3442; von u. fuoget sich ... das der windt herren C. sein hut in den graben warff b. d. liebe 105d; polit. maulaffe 6; Göthe 18, 429 W.; 21, 26, 16 W.; wer u. hat, bricht den finger in der westentasche Gaudy 2, 130; Wander nr. 435; 337 ff.; 372 ff.; 344; 366; 431 ff.; 449; 23; 103; 220; das u. mit diesen musikern ist dasselbe wie mit den dichtern Göthe IV 26, 124 W.; 1, 303, 140 W.; unser u. ist nicht der mangel, sondern der überflusz an mustern O. Ludwig 5, 52. beliebt mit erläuterndem inf. (wie im französischen; auch nl.; wb. 10, 1622) oder nebensatz (vgl. Kolmarer hs. 140, 14): hr. Lessing hatte das u. gehabt, den hrn. hauptpastor ... in einem kleinen auftrage ... nicht so prompt zu bedienen, als allerdings wohl schicklich gewesen wäre Lessing 13, 382; Heppe lehrprinz 4; Steffens was ich erlebte 1, 8; der herzog ... hat das u., dasz die welt gern alberne mährchen auf seine rechnung erzählt Göthe IV 9, 221 W.; im umgange mit stillen kindern aber kann es ein wahres u. werden, wenn die groszen schwätzer sich nicht anders zu helfen wissen, als mit dem gemeinplatze: stille wasser sind tief G. Keller 1, 37; vgl. ein rechtes u. le beau malheur, le grand mal; es ist ein u., dasz ... (z. b. Ebner - Eschenbach 1, 13; Bauernfeld 1, 74), vieldeutig (es ist zu bedauern, kann böse folgen haben, schädlich sein; schade, dasz; leider). unglück mit pech vermischt (1795) Kluge studentenspr. 132a. diminutiv: ein kleines unglücklin Herberger hertzpostille 1, 21; unglückgen Mülman 12; nl. ongelukje; ongelokje Dijkstra 2, 290b. im hausdeutsch, das sich Göthe und Schiller für ihren verkehr zurechtgemacht hatten, hiesz frau Bohl, die als ableiter für zudringliche besucher (unglück) diente, das u. aus Lobeda Schiller briefe 6, 59, 452 oder die unglücksburgermeisterin Göthe IV 14, 131, 23 W. mer wumm mache, desz mer ousz dem menscheuoñgleock ('gewirre und getöse') rousz kumme Pfister nachtr. 306. I@33) die willensbethätigung kann in ä. spr. stark hervorgehoben werden: einen unglücke an legen (etwa strafen, foltern, miszhandeln, töten, bedrohen, ängstigen u. dgl.) Arigo 175, 27; vgl. infortunium ferre, habere, züchtigung erfahren; th. 1, 397, 7; plage und u. anlegen ebda; Stumpf chron. 403b; für malitia der vulgata (Matth. 6, 34) Luther 32, 470 W.; een ongeluk aan iemand begaan jem. miszhandeln, totschlagen nl. wb. 10, 1622, 4 c; gleich wie wyr das wort ungluck auch auff zwo weyse brauchen: eyn mal, das es schlecht ein unfall und zufelligen schaden heyst, der on sunde geschieht. zum andern mal, das es auch untugend und buben stuck heysst; als wenn wir sehen, das ein bube was böses furnympt, sprechen wir: 'der wird ein ungluck anrichten', das ist eyne untugent, dadurch andern und zuletzt yhm selber auch ungluck kommen wird Luther 19, 358 W.; das wörtlein 'hawoth' heyst unglück und hertzenleyd ... das also u. hie alles beydes begriffe, beyde die missethat und die straffe 19, 593, 10 W.; er (Cain) hat abr ein unglück angfangen H. Sachs 1, 59, 8 K.; wo unglück kegen eltern ist, da folgen straff ohn alle frist Friedrich Wilhelm sprichw.-register G ij α, 183; unrecht und ungelücke, arbeid und schelmenstücke ist mitten in ihr wol bekant Ulenberg bei Kehrein kirchenlied 2, 180, 7 (psalm 54, 10 ff.). 'og nidingsvœrk er ulykke' Grønbech lykkemand og niding 178. engl. unlucky 'boshaft, muthwillig, schadenfroh'; unluckiness 'bosheit'. die mundart hält solche bedeutungsentwicklung in unglück(s)macher, unglück machen (Staub-Tobler 4, 51; 2, 598) fest. vgl. nochn. gjøre en ulykke paa sig sich ein leides anthun. nl. iemand een ongeluk doen ihn erschlagen. auch ἀτυχία heiszt übelthat, verbrechen. IIII. dämonisch und persönlich vorgestellt. J. Grimm myth. 24, 731; 3, 267. vgl.unfall III, ungefäll II 2 c, unheil, unselde. II@11) das Unglück als aufhocker, huckauf: Laszberg liedersaal 2, 575 (155, 16 ff.); Kolmarer hs. 139, 35, 42 (älter die Unsælde Roethe zu Reinmar v. Zweter 178); überwunden wird es in einen baum eingeschlossen oder an einen pfahl gefesselt, von wo es dem wieder aufhockt, der es löst: liedersaal 155, 46 ff.; Sachs 12, 270, 34 ff. K. (fastnachtsp. 6, 68, 201 ff. Götze), 3, 209, 19 ff. K.; Perger pflanzensagen 296. hier haben die vielfach verblaszten vorstellungen, dasz das unglück einem über den hals kommt, auf dem rücken oder halse liegt, ihn reitet u. dgl., einen ausgangspunkt (auch die Unsælde reitet einen; mhd. wb. 2, 37b). Beheim bei J. Grimm myth. 3, 267; Keisersberg bilger 299 Dacheux; sünden des munds 13d; hettestus angerrt, u. mst dich reitten si attigisses, ferres infortunium Boltz Terenz 88b; th. 8, 777; oben sp. 527; els. wb. 1, 258b; der mensch musz bieten seinen rück täglich dem unfal und unglück Petri B 1b; th. 8, 1352 f.; Sachs 3, 209, 27 ff. K.; wie komet mir das unglück als ains tages her auf meinen hals! H. Sachs 6, 153, 26 K.; so ist der mensch: verzagend, wenn das unglück schleichend naht; doch springt's ihm plötzlich auf den nacken, trägt er's oft mit riesenkraft Kotzebue; so lade man gewiszlich ein u. sich auf den halsz Prätorius winterflucht 4; L. wünschete der R. alles u. auf den halsz Happel ak. roman 265; Parthenophilus (1719) 84; Hahn staatshistorie 2, 203; th. 4, 2, 251 f.; das u. hat ihm der vater selbst an den hals bitten müssen pers. rosenthal 7, 11; alles u. an den hals fluchen grillenvertreiber (1605) 177, hexen Gottschedin testament 291 u. dgl.; ganz verflüchtigt: sich sein lebenlang mit u. tragen Petri U 3a; das u. lag auf ihnen Holtei erz. schr. 2, 4; alles u. anwünschen (Lessing) u. s. w. das u. wil gerühmet seyn Petri M 6b. wer singen und lachen kan, der erschreckt sein u. Lehman florilegium 1, 234; wer dem u. unter augen geht, den förcht es; der es förcht, den jagt es 1, 252; Wander 4, 1454, 393; 401; 1439, 42; dat unglück kann vor eunem ut der eren springen (Lippe) Wander 4, 1440, 61; unklar des unglücks yeger A. Keller erz. aus ad. hs. 157, 15; u. in der kisten haben th. 5, 857; er fragte, wo mich das u. gehabt hätte, dasz ich so blutig aussähe quelle bei J. Grimm myth. 3, 267; man bannt es Bettine Günderode 1, 58; wunsch für die neuvermählten: unglük daz hause scheuch! H. v. Wittenweiler ring 34, 22. vgl.unglücksbär, -drache, -löwe, -wolf, -faden, -nest. oft wohl nur bildlich zu fassen: z. b. M. Behm bei Fischer-Tümpel 3, 44; Amadis 1, 26 K.; Göthe 5, 33 W. (mein unglücklicher genius th. 4, 1, 2, 3400 antikisierend). II@22) persönlich vorgestellt. II@2@aa) in ausgebildeter personification; an die stelle der Unsælde tretend J. Grimm myth. 24, 731; mit Fortuna wechselnd: Ungelucke, waz ir mir leides tût! Straszburger Alex. 3415 Kinzel; das ungelücke (la fortuna) seinem willen noch nicht ein genügen hat getun Arigo 110, 8; vgl. 111, 4 das gelücke; der neid des ungelückes 249, 17. du hast verbracht den laufe deines lebens, als dir von dem unglück ist beschert gewesen Arigo 254, 32. bei H. Sachs 3, 386, 20 K. (fraw Ungelück mich hefftig tribuliert) erscheint frau U. in blasser abstraction (12, 270, 30 K., 3, 209, 11 K., fastnachtspiele 6, 68, 182 Götze ist u. blosz die gabe der fraw Glück); anschaulicher bei H. Heine: das glück ist eine leichte dirne, die weilt nicht gern an einem ort. sie drückt den kusz dir auf die stirne und lächelt sanft und flattert fort. frau Unglück hat im gegentheile dich liebewarm an's herz gedrückt, sie sagt, sie habe keine eile, setzt sich zu dir an's bett und strickt. vgl.unglück(s)teufel unten VII 1, 2. II@2@bb) seit mhd. zeit ist die spr. von zahllosen ausdrücken durchsetzt, die als auf persönlicher vorstellung des unglücks (ähnlich wie bei glück, heil, selde, unselde) beruhend gedeutet werden können; der sprechende braucht davon im augenblick kein bewusztsein zu haben und die grenzen zwischen blosz übertragenem und personificierendem gebrauch können in jedem falle verschieden verlaufen. z. b. ouch was ir einiu drunder von Galizen lant, die hete ir ungelücke von Portugâl gesant Gudrun 1008, 2; sît mir mîn ungelücke bî mînen friunden niht ze wesen gunde 1053, 4; es well dann ungelück walten, so komen mir auch und springen enpor gr. Neidhartspiel, fastnachtsp. 419, 5 K.; 490, 27; das dein ungelück wald! passionsspiele aus Tirol 13 Wackernell; th. 13, 1380; diese fügungen hat die n. spr. veralten lassen, doch lenkt (Rückert 3, 67), führt (Göthe 22, 30, 21 W.), will das u. (u. will mich nit lassen Hätzlerin 49a; ein u. wil geselschafft haben Morhof ged. 248; wenn das unglück will, wer kann dar wider! ollapatrida 30, 8 ndr.; das unglück wollte, dasz er eben nicht zu hause war Eichendorff 2, 230; Ruckert 187, 14, 15; nl. wb. 10, 1621, 1). u. geht und kommt J. Grimm myth. 34, 267; schreitet schnell Schiller glocke 146; Strodtmann Osnabr. 265; frewd und leyd sind so nahe nachbawren als glück und u.; alsz wenn glück im hausz ist, so wart das u. vor der thür Lehman florileg. 1, 233; Tappius (1545) C b α; hist. volkslieder 175, 7 Liliencron; Petri F 7a; th. 11, 460 f.; es hat gesellen (geharnschte Venus 4 ndr.), gefolge (Mommsen m. gesch. 5, 129), u. s. w., mit glück und u. musz man hausen (Fischer schwäb. wb. 3, 1274; Staub-Tobler 2, 622; Meyr aus d. Ries 3, 67; vgl. ackermann a. B. 1, 4), man braucht ihm keinen boten zu schicken, es kommt von selber (Wander 4, 1446, 191 u. a.), ungerufen (vgl.unsent) Wander 4, 1449, 255; 1450, 311; so acht auf eines freundes lehren und rufe selbst das unglück her Schiller 11, 232 (ring des Polykrates). sein u. suchen Arigo 58, 13. dat ungelucke st und hôrt nouwe Tunnicius 962; Wander 4, 1440, 54; 1450, 301; schläft nicht Zedler 49, 1539; Spreng Il. 290a; Kern sprichw. (1718) 51; Wander 4, 1449, 274, 278; wenn en unglücke slöpt, mot man et slâpen lâten eine schlimme sache musz man ruhen lassen Schambach 243a; th. 9, 286; u. wacht th. 13, 39, erwacht (Neidhard Fuchs 2487), wird erweckt (Sachs 18, 213, 4 G.) oder erweckt selber (th. 3, 1048); hat sehr ein breiten fusz Mathesius bei J. Grimm myth. 3, 267, Wander 4, 1448, 325; hat breite füsse Faber thesaurus (1587) 477a; Petri K k 7b; Schottel 1113; Kirchhofer schweiz. sprüchw. 157; Wander 4, 1442, 132; hat wollen socken an Petri V v 3a; überläufft auch einen haasen Hoffmann polit. Jesus Syrach 44; Wander 4, 1449, 281 u. ä. gewählter und individueller sind die literarischen personificationen; z. b. da mich des unglücks hand in kummer-lauge wäscht Günther 588; die hand des unglücks liegt schwer auf mir Kotzebue 2, 69; Raabe hungerpastor 1, 224; vgl. unglückshand; gewöhne mich auch an des unglücks stimme Körner 130a; wo unglück geuszet ein glocken, darf man das gsind nit lang locken Kirchof wendunmuth 2, 321; B. Neukirch ged. 176; J. E. Schlegel 1, 11; unglück bildet den menschen Göthe 4, 120 W.; Wander 4, 1450, 307; deine braut heiszt qual — den segen spricht das unglück über euch! Lenau 12. wieder biblisch (Hiob 15, 35) mit u. schwanger gehen (Schede psalmen 29 ndr.; J. G. Neukirch anfangsgründe 128; Wander 4, 1441, 71; vgl.unglücksschwanger); das u. gebiert nur zwillinge Hebbel tageb. 2, 71; kind, sohn des unglücks th. 5, 724, Gotter 2, 367, Matthisson 4, 20, Kotzebue 8, 292, Spielhagen 1, 10; vgl. unglückskind, -sohn. ein ungluk daz ander reyt H. v. Wittenweiler ring 53, 24; vgl. II 1; Wander 4, 1441, 78 ff.; Hesekiel 7, 5; es kombt allein kein ungelück, eins bringt das ander auf dem rück Sachs 17, 94, 7 G.; 6, 36, 5 K.; nun ist noch ein u. auf das geseszen Meisterlin städtechron. 3, 97, 24; ein u. das ander thut jagen Eyering 1, 32; beut dem andern die hand Spanutius 527; ladet das andere zur kirmes Aler 2, 2091b u. s. f. reich durchgebildet ist die vorstellung des unglücks als feind: u. geht, ficht, trabt einen an (Luther 14, 133, 14 W., W. Spangenberg Alcestis 1959, Hecuba 110, Petri H 3a; ansprung der widerwerticheit oder unglückes Arigo blumen der tugend zs. f. d. phil. 28, 462, 476, des unseligen pösen gelücke decameron 664, 6), treibt einen um (Petri B 8a), schlägt, überwindet einen (2 ält. katechismen 25 ndr., Knebel chron. v. Kaisheim 109, 31), be steht einen (Waldis Esop. 4, 80, 94, Fr. Wilhelm sprichw. register d α 58, Schellhorn sprichw. 108; heute umgekehrt besteht man das u. E. M. Arndt 5, 316, übersteht es P. Fleming 1, 105, widersteht ihm Caroline Schlegel 1, 49 Waitz), bringt um (Petri M 6b), gebraucht sein tück (ebda; von ungelückes tücke Logau 49, 180), verfolgt wie auf der ferse (Gerstenberg litbr. 162, 34 ndr.), ereilt mich (Göthe 22, 11, 15 W.), trat dem könige in die wege (Laube 4, 154), droht (Schiller br. 5, 276) u. s. w.; man entgeht ihm (Arigo 171, 17; Jerem. 11, 11), flieht es (Schulze bibl. sprichw. 48), ringt danach (th. 8, 1007); das u. musz man überböszen Schellhorn 157; th. 11, 2, 147; u. kommt mit hauffen Scheit Grob. 3474; eselkönig 324; so kommt doch bald mit hauffen das ungelück gelauffen Zesen verm. Helikon 2, 64; vgl.unglückshaufen, -heer. es kommt nicht allein Keisersberg evangelibuch (1515) 7b; Luther 18, 495, 22 W.; Wander 4, 1444, 129, 1446, 183. in n. spr. wird vieles dieser art eben nur noch allgemein bildlich empfunden. vgl. III. IIIIII. unerschöpflich ist der reichtum der bilder, unter denen der für unsere vorstellungswelt überaus bedeutsame begriff erscheint; dabei ist bemerkenswert, dasz die alte für glück (Zarncke z. narrenschiff 37) so wichtige vorstellung des glückrades und der kugel fast gar nicht in betracht kommt; s. unglücksrad, -rädlein, -ball, -spiel: u. säen Hiob 4, 8 (th. 8, 1633, 4 d); Wander 4, 1456, 443; Petri H h 7a; u. aus dem acker nicht wechset Hiob 5, 6; Petri E 5b; u. und hor das wechszt all tag S. Brant narrenschiff 56, 56 (Freidank 39, 23 sünde, nagel unde hâr); th. 13, 86, 118, 121; Wander nr. 238, 271, 331; Kirchhofer 157; holtz und u. wachsen über nacht oder alle tage Lehman 1, 98; Grässe jägerbrevier 77; Stüve wesen u. verfassung 271; fieng sein ungluck an zu gronen Knebel chr. v. Kaisheim 265; u. blüht th. 2, 156, 5; E. v. Kleist 1, 235, 8; Wander 428, 441, 465; wird reif Wander 499; vgl.unglückssaat, -säer, -samen; grab nit nach u. Dentzler 139a (Hiob 3, 21); deines unglücks frucht Schönaich Heinrich d. Vogler 26; u. brauen th. 1, 428; Luther 32, 37, 11 W.; Henisch 488; Immermann 16, 500; ausessen Waldis 1, 67 K.; u. regnet hist. volksl. 134, 471 Liliencron; E. Zahn helden des alltags 62; in u. baden Waldis Esopus 3, 98, 130; Petri F f 2a; geht an die knie, lasz dir kein u. über die knie gehn th. 5, 1423, 1425; Wander 190, 382, 483; Staub-Tobler 2, 622; welch u. wittert sich? W. Scherffer bei Drechsler 273; Günther 1083; u. stürmt Schwabe belustigungen 1, 537; blitzt Gottsched neueste ged. 28, schlägt drein th. 9, 400 h (fulmina fortunae wanns u. drein schlegt Schönsleder X 2b; abgeblaszt zs. f. d. altert. 32, 142; wie wolt nit u. zuo solchen unbillichen sachen schlahen Gebweiler beschirmung 35b; Raber 2, 15 ndr.; Garg. 59; worzu das u. schlug 'kam', das .., Chemnitz 3, 1, 16a; 81b), braust in wogen E. v. Kleist 1, 218, 162; ungelückes winde quelle bei J. Grimm myth. 3, 267; des unglücks wetter P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 345b; des unglücks wilde wellen Morhof gedichte 145, stürme Herder 5, 124, nordlicht Rabener 2, 85; alles bOeses und ungelucks bron Hutten 2, 195, 24, quellen des unglücks Varnhagen v. Ense tageb. 1, 2 (vgl. unseldenbrunne bei J. Grimm myth. 3, 267); um nun das masz des unglücks voll zu machen Auerbach dorfgesch. 2, 197 (vgl.unglücksmasz); versincken im u. Petri b 4b; (sich) ins u. stürzen Chr. Wolff v. d. menschen thun 281; Schiller 1, 17 (vgl. abgrund von u.); groszes u. entzünden Happel ak. roman 226; sein u. schmieden Petri V 8b, Wander 202, (seines unglücks schmied 426, vgl. th. 9, 1064, 1056; seines glücks und unglücks schmied v. Besser 1, 316; Freytag 14, 362), u. feil tragen, kaufen germ. abh. 25, 564; S. Brant narrenschiff 78, 15; Wander 300; th. 5, 332 (kaufgericht); u. ist wohlfeil Valentini 2, 1181c; vgl.pech kaufen; u. häckelt sich an Fouqué zauberring 1, 47; u. mit u. häufen D. v. d. Werder buszpsalmen B 3a; desz unglückes angel Sachs 12, 493, 36 K.; dem gewicht des unglücks Schiller 4, 66; des unglücks seelenmordende pfeile Grillparzer 5, 1, 172 u. s. w. auch viele composita, bes. solche des 17. jhs., unter VII 2 sind bildlich gemeint. die junge in mannigfacher sinnesfärbung auftretende ra. da liegen, sitzen, hocken wie ein haufen u. (elend) kann, wenn nicht haufe I 2 vorliegt, von ausdrücken wie am haufen liegen, sein (si springend und laufend, bis s' amene h. sind zusammensinken, das geht nicht ein jahr, so sind sie am h. bankerott, ruiniert; amenen h. liggen, sitzen träge herum liegen, unbeweglich kauernd am gleichen fleck verharren Staub-Tobler 2, 1045; zeime hûfen th. 5, 1292; 4, 2, 5882) ausgehen, kaum beeinfluszt von h. oder unglück als scheltender personenbezeichnung (Staub-Tobler 2, 1043; Fischer schwäb. wb. 3, 1241; vgl. unglücksvogel, umvogel, unseliger vogel schwächlicher, gebrechlicher mensch els. wb. 1, 99, ungelok unglücksvogel Dijkstra 2, 290b, nl. een ongeluk van een vent, een ongelukje nl. wb. 10, 1622b); hinzugefügtes unglück (elend) würde dann den schlusz vom äuszern auf die geistige verfassung wiedergegeben haben: der sitzt da wie ein h. u. (elend) Fischer 3, 1241; 2, 699; Ruckert 187; th. 4, 2, 582 unter häufchen (ebda sp. 586 erwähnte verbindungen wie glücks den haufen können formal eingewirkt haben); der alte mann, der in seinem bette wie ein häuflein willenlosen unglücks lag Speck zwei seelen 219; wir waren in verlegenheit, was wir mit diesem häufchen u. anfangen sollten 260; er sieht aus wie ein haufen u. Sachs-Villatte 25, 793b; dat ös en wahret hûpke onglöck Frischbier 2, 422b; det is'n klump unjlick ein unansehnlicher mensch Brendicke 69a; P. lagg as en klumpen u. up sinem sopha Fr. Reuter 9, 233; den nassen klumpen u. die ertrunkene Heyse kinder der welt 2, 144; Sanders erg. wb. 322a; vgl.klosz 2 b; soll mich doch wundern, ob ich aus das stückchen u. (Hans Unwirsch, der sich vor prügeln und dem 'schraubstock' des oheims fürchtet) den grund herausquetschen kann, weshalb ... Raabe hungerpastor 1, 103. vgl. this little piece of disgrace. da liegt der haufen unglück, etwa von zerbrochenem geschirr gesagt, mit dem man verunglückt ist (vgl. I 2 b; Sanders erg. wb. 322a wollte für die erklärung der ganzen ra. davon ausgehen), dürfte von dem auf personen bezüglichen gebrauch zu trennen sein. IVIV. ausgeführtere vergleiche sind nicht selten; z. b. massen dann die unglücker wie die niesser sind, deren selten eines allein, sondern gemeinlich ein paar oder noch mehr zusammen kommen Krämer seehelden 237; Wander 4, 1452, 353; 1454, 393; Göthe 2, 61, 12 ff. W.; Raupach bei Lipperheide spruchwörterbuch 961a. VV. unglück als krankheit (vielleicht von II 1 beeinfluszt; vgl. unfall I 4, ungemach 1 b): epilepsie Höfler 197a; syn. mit jammer Schambach 93a, 243a, th. 4, 2, 2253, mit elend Schambach 55b, Hentrich 11, th. 3, 409, mit schwer leid Schmidt Westerwald 283, dem höchsten Frischbier 2, 422b, th. 4, 2, 1597 h, mit schlag (slag un u. krigen epileptische krämpfe bekommen Fr. Reuter Müller lex. 144a), das selig th. 10, 1, 526; Danneil 231b; Dähnert 506b; Mi 96b; Schütze 2, 42; Bauer-Collitz 108a; laus. obers. 2, 599a; Kehrein Nassau 417; Crecelius oberhess. 845; Pfister nachtr. 306; nl. ramp. Zedler 49, 1547. nicht mehr schriftsprachlich. undeutlicher von folgen des weintrinkens H. R. Manuel weinspiel 539. viehkrankheit: im sommer kömpt biszweilen ein u. unter die hüner, dasz sie sehr sterben viehb. (1667) 99; M. Böhme viehartzney 56; Aitinger X 3a; ein viehsterben, ein sogenanntes u. am vieh Möser 3, 313; vgl. unglücklich Follmann 519b. iemand een ongeluk slaan einen gefährlichen schlag geben Schuermans bijvoegsel 216a. zich een ongeluk schreeuwen, lachen nl. wb. 10, 1622. an misval, miskraam, unfall I 2, ungesund, m., erinnert, obwohl euphemisch verstanden, een ongelukje hebben ein kind kriegen, von einer unverheirateten nl. wb. ebda; Wander 4, 1458, 495; to have a misfortune Murray 6, 513a; vgl.nehmet eure jungfern fein in acht, damit sie nicht unglücke unter wegens nehmen Chr. Reuter Schlamp. krankheit u. tod 1, 4, 98 ndr. übertragen von fleischeslust Waldis Esopus 2, 60, 22 K. nur bildlich Wander 4, 1439, 26. VIVI. im ausruf, fluch und segen, in verwünschung und drohung (vgl. II): botz unglück (malum), welche andre? Boltz Terenz 50b (Eun. 780); Neidhart 142; Boltz 98a; im fahungs-strick, o ungelück! da lag sie gantz umschlossen Reinicke fuchs (1650) 95; ach malheureuses u.! Hafner lustspiele 2, 3; krägst de's u.! Crecelius 845; wos e uhglick! Niebergall 149; Jesus, das u.! E. Th. A. Hoffmann 10, 139; inu u'gelick! angst- und klagruf obers. 2, 599a; du ugelick du! ausruf des staunens ebda. u. über alle unglücke! Lessing 2, 164; u. über u. ... auf diejenige, die ... nach mir diese lippen küszt! Göthe 27, 292, 4 W. (dicht. u. wahrheit 2, 9; sonst bringt der kusz kein u. Arigo 125, 20); vgl.malheur à, sur; Brentano 5, 55. elliptisch: zum unglück, dasz sie auch die birnbaumszene sahn! Wieland 22, 292 (Oberon 6, 86); vgl.ganc zallen onselden hin! quelle bei J. Grimm myth. 2, 732. veraltet sind die verwünschungen: ungeluck hause gewaltiglich zu euch ackermann a. B. 1, 4; alles ungelukch geb in hail! zs. f. d. altert. 41, 179; dasz uch alle u. misz bestan! Alsfelder pass. 3975; J. Ayrer 160, 22; Schottel 1137; das dich als u. angee! A. v. Eybe sp. d. sitten (1511) cc 6b; Luther 14, 133, 14; Dentzler; vgl. Raber 25, 751; undanck, schanden und ewig ungeluck und verdampnus hab der mensch theol. deutsch 38 Mandel; so wil ich ... gepotten haben, das sie (die geistlichen) es bekennen mussen (dasz L. es besser getroffen habe) on yhren danck und all u. dazu haben Luther 23, 12, 12 W.; habt euch als u.! Sachs 1, 66, 10 K.; lasset sie sten in des unglückes namen, das in got gebe Arigo 137, 38; alles u. möge dir geschehen mnl. wb. 5, 604; drohend gehe mir vom leibe, oder du hast unglücke Weise pol. redner 375; du feiger schalck, das sol dein u. sein Eulenspiegel 15 ndr.; Lessing 2, 339, 9; Göthe 43, 117, 1 W.; ei, so wünsch ich dem des unglücks noch so viel Arnim 13, 32; umgekehrt: u. hab urlaub von uns Ayrer processus 3, 1; glück 'rein, u. 'naus Fischer schwäb. wb. 3, 711; gott wende das u. ab Frisch 1, 358b. Biterolf 2342 Jänicke. auch zusammensetzungen wie unglücksbesuch, -bube, -dirne, -fabrik, -gaul, -geld, -graf, -kerl, -kind, -krone, -mann, -mensch, -pilz u. a. enthalten eine verwünschung. VIIVII. neben dem hier nicht zu erfassenden unermeszlichen reichtum an sprichwörtern, sentenzen und redensarten geben besonders zahllose zusammensetzungen davon eine vorstellung, was für eine grosze rolle das u. im sprachleben der neueren zeit spielt. das älteste der unten verzeichneten comp. ist unglucksnest fastnachtsp. 255, 15 K., die festigkeit der zusammensetzung bisweilen gering (z. b. in einiges unglücks loch Buchholtz Herkules 1, 42; vgl. unglücksfall). VII@11) in der form eigentlicher composita: unglückabwendend, part. - adj. R. Köhler kl. schr. 1, 368, vgl. ἀλεξίκακος, unglückfernend,
36310 Zeichen · 981 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unglück

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Das Unglück , des -es, plur. car. der Gegensatz von Glück, in dessen sämmtlichen Bedeutungen es gleichfalls üblich ist. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unglück

    Goethe-Wörterbuch

    Unglück [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Unglück

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Unglück [Ùklìk, –klek allg.; Pl. –ər] n. Unglück, Unglücksfall. Mir hei gen doch scho n eppis Unglücker gha bt dis Jo h…

  4. Sprichwörter
    Unglück

    Wander (Sprichwörter)

    Unglück 1. Allein vnglück vnd armut ist vor den Neidhard gut. – Gruter, III, 4; Lehmann, II, 33, 21; Simrock, 7478. 2. A…

  5. Spezial
    Unglück

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|glück n. (-[e]s,-e) 1 (Unheil) desfortüna (-nes) f. , desgrazia (-ies) f. 2 dejantöra (-res) f. 3 (Missgeschick) desg…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unglueck

502 Bildungen · 498 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von unglueck

un- + glueck

unglueck leitet sich vom Lemma glueck ab mit Präfix un-.

unglueck‑ als Erstglied (30 von 498)

Unglückahnend

Campe

◬ Unglückahnend , adj . u. adv . ein Unglück ahnend. Ein Wellenschlag erschreckt ihr unglückahnend Ohr. Wieland.

unglückbar

DWB

unglueck·bar

unglückbar , adj. , aus unglückbarkeit, f. (ungelückperkait) Keisersberg granatapfel G 6 b , volk. mensch F 4 zu erschlieszen. —

unglückbringend

DWB

-bringend Herder 24, 549 , Göthe 48, 105, 24 W., Schiller 5, 188 , Mommsen röm. gesch. 1, 168 ,

unglückdeutend

DWB

-deutend , part. - adj. Stolberg 15, 176 , A. W. Schlegel Shakespeare 8, 257 ,

Unglückdrohend

Campe

unglueck·drohend

◬ Unglückdrohend , adj . u. adv . mit einem Unglücke drohend. Wie, wird denn keiner des Orkans gewahr, Der unglückdrohend schon am fernsten …

unglücken

DWB

ung·luecken

unglücken , verb. , nicht glücken ( s. d. ). unpersönlich mhd. ungelücken, mnd. ungelucken. improsperari unglucken gemma g. (1508) m 3 b ; v…

unglückfernend

DWB

-fernend , part.-adj. , ἀλεξίκακος Stolberg 15, 65 ,

unglückhaft

DWB

unglueck·haft

unglückhaft , adj. adv. , gth. von glückhaft ( s. d. ). mhd. unglückhaft. Staub-Tobler 2, 624 . im 18. jh. veraltet und durch jüngeres unglü…

Unglückhaftig

Wander

unglueck·haftig

Unglückhaftig 1. Der kann sich nit vor vnglückhafft schützen, der niemals versucht, was das glück ist. – Lehmann, 833, 73. 2. Niemand ist vn…

unglückig

DWB

ung·lueckig

unglückig , adj. , gth. v. glückig. mhd. ungelückec; mnd. un(ge)luckich; mnl. ongeluckich; nl. ongelukkig, -lijk: Keisersberg pater noster H…

unglücklich

DWB

unglueck·lich

unglücklich , adj. adv. , das gth. von glücklich, wird erst im 15. jh. bezeugt ( daraufhin ist mhd. ungelücklich Lexer 2, 1846 angesetzt ) ;…

Unglücklicher

Wander

Unglücklicher 1. Den Unglücklichen soll man nicht schelten. Lat. : Crudelis est in re adversa, objurgatio. ( Philippi, I, 99. ) 2. Der Unglü…

unglücklichkeit

DWB

ungluecklich·keit

unglücklichkeit , f. , gth. der glücklichkeit. unglucklichkeit infortunium Diefenbach gl. 297 c ; vgl. unglücksame, f. selten: das landgraff…

unglueck als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von unglueck (3 von 3)

unglücke

Lexer

un-glücke , un-gnâde s. ungelücke, ungenâde.

verunglücken

DWB

verunglücken , v. , seit dem 17. jahrh. belegt und gebucht ( Schöpper d 8 c , Schottel 648 ), älter im nd.: Schiller-Lübben 5, 480 . mundart…

verunglückung

DWB

verunglückung , f. , s. verunglücken B 2 c. —