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Ruhe

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Ruhe

Bd. 3, Sp. 892a
Ruhe, Mz. — n. 1) Der Zustand, da ein Ding sich nicht beweget, seine Lage, seinen Ort nicht verändert; gewöhnlich ohne Mehrzahl. Ein Körper befindet sich in Ruhe, wenn er an seinem Orte, in seiner Lage beharret, so lange keine äußere oder innere Kraft auf ihn wirket. Der Hahn eines Feuergewehres steht in der Ruhe, wenn er nicht gespannt ist, wo also die Feder gleichsam sich nicht bestrebt, ihre Kraft zu äußern. Oft wird die Ruhe auch nur heftigen körperlichen Bewegungen, oder auch mit solchen Bewegungen begleiteten und beschwerlichen Geschäften, und uneigentlich, lebhaften Gemüthsbewegungen entgegengesetzt. Ein lebhafter Mensch, der keine Ruhe hat, der immer in lebhafter Bewegung ist. Nicht zur Ruhe kommen können, immer in Bewegung sein müssen. Keine Ruhe vor jemand haben, von ihm immer in Bewegung erhalten werden. Einem keine Ruhe lassen. Х Gieb Ruhe! sei ruhig, mache durch deine Bewegungen kein Geräusch. Er, sonst ein thätiger Staatsmann, hat sich in Ruhe begeben, hat die Geschäftsführung niedergelegt, lebt entfernt, frei von Staatsgeschäften. Sich zur Ruhe setzen. Einen Beamten  in Ruhe setzen, ihm, wenn er Alters oder Krankheit wegen seine Stelle nicht mehr verwalten kann, die Geschäfte abnehmen und seinen Gehalt oder einen Theil desselben lassen. I guter Ruhe daheim sitzen. Die Ruhe lieben. Sein Gemüth ist noch nicht in Ruhe. »Wenn ich innere Ruhe genug hätte, um mein Herz den Vergnügungen des Herzens zu öffnen.« Zimmermann. Besonders wird die Ruhe den leidenschaftlichen Gemüthsbewegungen, besonders den unangenehmen, von welchem Zustande man vorzüglich Friede gebraucht, entgegengesetzt. Wo finde ich Ruhe für mein Herz? Wenn Inen meine Ruhe und Zufriedenheit nur das geringste werth ist. Was ist süßer als die Ruhe des Gewissens, d. h. wenn uns das Gewissen keine Vorwürfe macht. Süße Vergessung komm, geuß deiner Ruhen Gefühle, Deine Seligkeit über mich aus! — Klopstock. Dem Tode mit Ruhe entgegensehen, ohne Furcht, gefaßten Muthes. Sein Gesicht, seine Mienen zeigten Ruhe, während daß sein Ineres von Stürmen bewegt war. S. Geistesruhe, Gemüthsruhe, Gewissensruhe, Seelenruhe. Oft wird Ruhe auch nur von der Abwesenheit alles Zankes und Streites, und des Krieges gebraucht, wo es gewöhnlich mit Friede verbunden wird. Ih hasse Zank und Streit und liebe die Ruhe. I Ruhe und Friede leben. Das Seinige in Ruhe besitzen, genießen. Die Ruhe einer Familie stören, ihr gutes Einverständniß. Die öffentliche Ruhe stören. Für die öffentliche Ruhe sorgen, wachen. Wie auch, die Abwesenheit alles dessen was unangenehm und beschwerlich ist, was den gemüthlichen Zustand störet. Vor dem Kindergeschrei kann man nicht mit Ruhe, oder in Ruhe lesen. Sie lassen mich ja nicht einmahl mit Ruhe essen. Nirgends hat man vor der Zudringlichkeit solcher Menschen Ruhe. »Sie sollen Recht haben, lassen Sie mich nur in Ruhe.« Gellert. Die nächtliche Ruhe, die nächtliche Stille. Oft wird auch nur das Wort Ruhe! als ein Befehl ausgerufen, sich Ruhe zu verschaffen, oder auch nur Stillschweigen zu bewirken. Ruhe! Ruhe! sage ich. I engerer Bedeutung ist die Ruhe ein solcher Zustand der Unthätigkeit des Körpers und Geistes, da er sich nach vorhergegangenen ermüdenden und beschwerlichen Bewegungen und Anstrengungen erholet und neue Kräfte sammelt. Ih bedarf nach dieser Anstrengung der Ruhe. Man vergönne ihm nur ein wenig Ruhe. Der Ruhe pflegen. »Jetzt kommt die Ruhe des Winters, ihr Bäume.« Geßner. So nennt man auch in der Landwirthschaft den Zustand des Ackers, da man ihn brach liegen läßt, die Ruhe. I noch engerer und mehr uneigentlicher Bedeutung ist die Ruhe sowol der Schlaf, als auch der Tod. Sich zur Ruhe legen, begeben, sich schlafen legen. Keine Ruhe haben, nicht schlafen können. Einem eine angenehme Ruh wünschen. Х Einem Kinde  die Ruhe mitnehmen, sagt man im gemeinen Leben, wenn sich eine fremde in das Zimmer kommende Person nicht setzt, indem man glaubt, daß das Kind  dann nicht werde schlafen können. Die Mittagsruhe, Morgenruhe, Nachtruhe. Zur Ruhe kommen, zur Ruhe oder in seine Ruhe eingehen, sterben. Zur Ruhe eingeführt werden. Einen zu seiner Ruhe bringen, ihn zur Erde bestatten. Ruhe unterscheidet sich dadurch von Rast, daß es von weiterem Umfange ist und von leblosen und lebenden Körpern gebraucht wird, Rast aber nur von lebenden und empfindenden, und vom Aufhören einer beschwerlichen Bewegung, ferner, daß Ruhe aller Bewegung vorhergehen und immer fortdauern kann, Rast aber nur auf Bewegung folgt um sie wieder fortzusetzen, endlich daß Ruhe auch vom Gegensatz der Bewegungen der Seele, Rast aber nur vom Gegensatze der körperlichen Bewegungen gebraucht wird. Weder Ruhe noch Rast haben, weder Ruhe des Geistes, des Gewissens  haben, noch an einem Orte bleiben können, sondern von der Unruhe des Geistes von einem Orte zum andern getrieben werden. 2) Der Ort, wo eine Person oder Sache ruhet. »Dies ist meine Ruhe ewiglich, hier will ich wohnen.« Ps. 132, 14. Diese Bedeutung hat es auch in den Eigennamen mancher Schlösser oder anderer Örter, die der Ruhe und Erholung bestimmt sind oder wo man vom Geräusch der Stadt entfernt sein will, z. B. Wilhelmsruh, Luisensruh  Besonders war ehemahls die Ruhe ein kleines Haus, welches die Ritter nahe bei ihren Burgen, gewöhnlich bei einer Quelle oder einem Brunnen zu bauen pflegten, damit dort der Pilger und Wanderer gegen das Wetter geschützt der Ruhe pflegen konnte. »Wenn ihr uns so gut weissaget, als ihr gestern unten an der Ruhe sanget.« Wächter. Bei den Jägern ist die Ruhe der Ort im Gehölze, wo das Rothund Damwildbret gelegen hat; auch das Bett. I der Bewegungslehre ist die Ruhe der Ort, wo ein Hebel aufliegt; der Ruhepunkt. I den Gewehrschlössern nennt man Ruhen oder auch Rasten den Arm der Nuß und dessen Einschnitte, worauf die Schlagfeder und die Stange ruhen.
5805 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rûhestf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    riuhe , rûhe stf. BMZ rauchheit, behaartheit. daʒ wîp ûʒ grôʒer riuhe sach Wig. 162,31. sîn blœʒe ist dîner riuhe ( bart…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    rûhe

    Mittelniederdeutsches Wb.

    rûhe s. *° rûie.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ruhe

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Ruhe , plur. die -n, von dem Zeitworte ruhen. Es ist in einer doppelten Hauptbedeutung üblich. I. Als ein Abstractum…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ruhe

    Goethe-Wörterbuch

    Ruhe vielfach ‘Ruh’, gelegentl ‘Ruh'’ (insbes im Vers) 1 (vorübergehendes) Innehalten von einer Tätigkeit, Anstrengung, …

  5. modern
    Dialekt
    Ruhe

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Ruhe das Wort ist allg.; es ergeben sich vier grössere Räume, bei denen die Grundlage des Wortes verschieden ist: α. auf…

  6. Sprichwörter
    Ruhe

    Wander (Sprichwörter)

    Ruhe 1. Alles mit Ruhe, sagte der Schuster, und ass die Grütze mit der Ahle. Dän. : Smuk langsam, sagde han, som øste ve…

  7. Spezial
    Ruhe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ru|he f. (-) 1 (Gelassenheit) calma (-mes) f. 2 (Stille, Schweigen) chît m. 3 (Friede) pesc f. 4 (Gemächlichkeit) baldëz…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ruhe

287 Bildungen · 127 Erstglied · 158 Zweitglied · 2 Ableitungen

ruhe‑ als Erstglied (30 von 127)

Ruhebank

SHW

Ruhe-bank Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhebaum

SHW

Ruhe-baum Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhefang

SHW

Ruhe-fang Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhegewann

SHW

Ruhe-gewann Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhehaus

SHW

Ruhe-haus Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhekaute

SHW

Ruhe-kaute Band 4, Spalte 1511-1512

Ruhekissen

SHW

Ruhe-kissen Band 4, Spalte 1511-1512

Ruheort

SHW

Ruhe-ort Band 4, Spalte 1513-1514

Ruhepause

SHW

Ruhe-pause Band 4, Spalte 1513-1514

Ruheplatz

SHW

Ruhe-platz Band 4, Spalte 1513-1514

Ruherech

SHW

Ruhe-rech Band 4, Spalte 1513-1514

Ruhestein

SHW

Ruhe-stein Band 4, Spalte 1513-1514

Ruhestopfer

SHW

Ruhe-stopfer Band 4, Spalte 1513-1514

Ruhestunde

SHW

Ruhe-stunde Band 4, Spalte 1513-1514

Ruheweide

SHW

Ruhe-weide Band 4, Spalte 1513-1514

Ruhezeit

SHW

Ruhe-zeit Band 4, Spalte 1513-1514

ruheamt

DWB

ruhe·amt

ruheamt , n. ein leichtes amt, wie es ein verdienter mann für das alter bekommt ( s. ruheposten ).

ruheausstrahlend

DWB

ruheausstrahlend , adj. : dort in dem grausen gewirr umhagelnder todesgeschosse sprengte der kaiser den wall entlang und erweckte die völker…

ruhebank

DWB

ruhe·bank

ruhebank , f. eine bank, auf der man ausruhet. Frisch 2, 134 c . 1 1) im eigentlichen sinne: legt' auf der ruhbank ihm sein polster zurecht …

ruhebedürfnis

DWB

ruhe·beduerfnis

ruhebedürfnis , n. das bedürfnis nach ruhe: hier fand ein ruhebedürfnis das willkommenste asyl. Göthe 30, 149 .

ruhebedürftig

DWB

ruhe·beduerftig

ruhebedürftig , adj. der ruhe bedürfend: müd und ruhbedürftig betret ich deinen wohlbekannten vorhof. Wieland 26, 29 .

ruhebeflissen

DWB

ruhe·beflissen

ruhebeflissen , adj. nach ruhe strebend: und sah im sichern reich der ruhbeflisznen Britten, wie völker, die voll zorn schon jahre lang gest…

ruhebett

DWB

ruhe·bett

ruhebett , n. : ruowbett, daran man ruowet. Maaler 339 a . 1 1) in eigentlichem sinne: eine wohlgegliederte weibliche gestalt liegt nackt, d…

ruhebettchen

DWB

ruhebett·chen

ruhebettchen , n. , dimin. zu dem vorhergehenden: wohin sie fliehn, bis in die kabinettchen, bis in die lauben von schasmin und auf die nun …

ruhebettlein

DWB

ruhebett·lein

ruhebettlein , n. , dimin. zu ruhebett. 1 1) wie dieses in eigentlicher bedeutung und vom grabe : er wolle seiner seeligen lieben hausfrau d…

ruhe als Zweitglied (30 von 158)

Bärenruhe

RDWB1

Bärenruhe f невозмутимое спокойствие

Seelenruhe

RDWB1

Seelenruhe f in aller Seelenruhe idiom. - не теряя присутствия духа идиом. ; невозмутимо; не моргнув глазом идиом. ; не поведя бровью идиом.…

Unruhe

RDWB1

Unruhe f беспокойство, озабоченность ~n Pl. - беспорядки, смута книж. , бунт

Amtstruhe

DRW

amts·truhe

Amtstruhe Amtskasse wann in unser ämbtern bevorstänndt gefunden, die über betzallung der verfallenen interessen ... in den amtstruhen bleibe…

Armenruhe

DRW

armen·ruhe

Armenruhe Rastplatz (an der Grenze) für den auszuliefernden Missetäter WürzbZ. I 1 S. 406 Faksimile

bārtruhe

KöblerMhd

bār·truhe

bārtruhe , sw. F. nhd. Totentruhe, Sarg E.: s. bāre, truhe W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 132 (bârtruhe), Benecke/Müller/Zarncke I, 121b (bârtr…

eseltruhe

Lexer

esel·truhe

esel-truhe swf. »beim marstall in München hat man truhen, die zwischen zwei hintereinander hergehende pferde oder maulthiere aufgehangen wer…

Ableitungen von ruhe (2 von 2)

Geruhe

PfWB

Ge-ruhe (Gen. ?) : ' Ruhe '. Do kommt mer net zu Geruch [ RO-Obd ]. — Der ch-Auslaut geht auf die mhd. Form rūge zu ruowe/ruo 'Ruhe' zurück;…

unruhe

DWB

unruhe , f. , mangel u. gth. der ruhe. ahd. unrâwa; mhd. unrâwe, -ruowe, -ruo, -rûwe, -rûg, -rû, -rueb; mnd. unro(u)we. mnl. onroeuwe ( mit …