raub,
m. rapina, praeda, spolium. 11)
das wort ist nur im hochdeutschen sprachgebiete masc.: ahd. roup, roub,
mhd. roup,
mit dem plural ahd. rouba,
mhd. roube
und röube,
welcher aber später nur noch ausnahmsweise vorkommt (in der zeit luffen
auch unser fuszgengel ausz und prochten auch teglich reub herein.
d. städtechron. 2, 187, 4; dasz ich auf allen seiten raube des jämmerlichsten todes erblickte.
Diderot übers. von Lessing 1, 71),
da namentlich die neuere sprache auch in der bedeutung 3 raub
als collectivum fühlt. in den niederdeutschen sprachen ist es ein neutrum: ags. reáf,
fries. râf,
alts. rôf,
altniederfränk. rouf,
gen. rouvas;
im altnord. als rauf
fem.; goth. unbezeugt, aber nach dem verbum biraubôn
vorhanden gewesen. es gehört zu dem verbum altnord. rjúfa,
zerreiszen, auseinander reiszen (í annat sinn er þeir rjúfa seyðinn,
als sie die zum kochen in freiem felde angelegte feuerung auseinander reiszen. Snorra edda, Bragarœdhur cap. 56),
ags. reófan
brechen, zerreiszen, zerstören, welches als urverwandt zu lat. rumpere
betrachtet wird; die allgemeinste bedeutung ist somit die der gewaltsamen entreiszung, daher im fries. râf
auch die pfändung Richthofen 984
a;
gewöhnlich die der entreiszung bei überfall und im kampfe, woraus sich der begriff der beute ergibt. beute des siegers im einzelkampfe ist namentlich gewand und rüstung des besiegten, die ihm nach seinem fall von jenem abgezogen wird (
vergl. Beow. 2615
fg. annales Fuldahenses zum j. 849),
und so kommt das wort zu der bedeutung rüstung (
ags. reáf
Valdere 2, 20)
und gewand überhaupt, selbst fell als jagdbeute (
indumentum reáf Wright-Wülcker
voc. 86, 33;
exuviae, spoliae, reáf,
i. vestes mortuorum, vel pelles ferarum, vel reáflâc 233, 44),
auch ahd. excubias raupa ...
excubias (
exubias)
indumenta sunt spolia hostium, numft, kikarauui sint kiraupi fiantô Steinmeyer-Sievers 1, 122, 3
fgg., eine bedeutung, die in den späteren deutschen dialekten sich nicht fortsetzt, die aber die romanischen sprachen früh entlehnten und festhielten, ital. roba,
span. roba
und ropa,
portug. rouba
und roupa,
franz. robe
kleid, gerät (Diez
wb. d. rom. spr. 1, 354);
die letztere form gieng als neues lehnwort ins englische und ins deutsche, vergl. auch garderobe
th. 4
1, 1343. 22) raub,
die handlung des raubens. 2@aa)
die plünderung auf einem kriegszuge: alsus lac er im obe mit kraft und herte in in dem lande mit roube und mit brande.
Trist. 11, 34; von Rîne si durch Hessenmit ir helden riten gegen Sahsen lande:dâ wart sît gestriten. mit roube und mit brandewuosten si daʒ lant.
Nib. 175, 3; und hast deine haufen versamlet zu plündern, auf das du wegnemest silber und gold, und samlest viehe und güter, und groszen raub treibest.
Hes. 38, 13; Tryphon treib eitel raub und mord im lande. 1
Macc. 13, 34; im krieg sichst und hörst nit vil guts, raub, brand, vergieszung menschenbluts. H. Sachs
fastn. sp. 1, 104, 167; wer ihm güter handeln wil, der erhandle solchen grund den kein brand, kein raub verterbt, weil er im gemüte stund. Logau 2, 240, 188. 2@bb) raub
aber auch als ein altes wort der gerichtssprache und zu einem strafrechtlichen begriffe verengt: rapina raup, raub, rovb Dief. 484
b; raup,
rapina, praeda, spolium, arpaga. voc. inc. theut. r 2
b; raub,
rapina, violenta rerum ablatio, spoliatio, praedatio, raub, eine wegführung einer weibspersohn,
raptus Frisch 2, 90
c,
vgl. dazu unten c und rauben 3;
als todeswürdiges verbrechen mit andern solchen zusammengestellt: weres, daʒ ein mentsch dekeinen mort, brant, raup ader noitzuge dede, und darumb von dem gerichte mit recht overwunnen wurde, deme sal man daʒ heupt abeslahen.
weisth. 1, 542 (
Rheingauer landrecht, 14.
jahrh.); eine gemeine czethergeschrei wart vorlautbart umme raup odir mort odir brant.
Magdeb. bl. 1, 112; daʒ ir irkennen solt, welche sachin peinlichin sein, dy sint deube, roup, mort, mortbrant, notzog, ubirhurre, gewalt, not, lage, heimsuche, czoubern, ketzerey, valsch, dy mit tyren unkuschin, totslag. 151; nimm pfand von raib und dieberei. Schwarzenberg 122
b; auch het wir fert guet frid im lant, heuer hab wir mort, raub und prant. H. Sachs
fastn. sp. 6, 61, 258;
es heiszt raub begehen, verüben, thun, raub geschieht; als wir hievor und jetzo merkliche klag vernommen, wie ausz und in die gemeinen ganerben-schlosz mannigfältige beschädigung, fahens, raub, nahm und brand, wider unsern landfrieden, beschehen und geübt werden.
ordn. des landfriedens, Worms 1521,
tit. xii; warumb hastu nicht gehorchet des herrn stim? sondern hast dich zum raub gewand, und ubel gehandelt fur den augen des herrn.
1 Sam. 15, 19; wir ziehen ausz, wie auf ein raub. J. Ayrer 15
b (90, 26
Keller); wie wöll wir mit den göttern bstehn, wenn wir den raub verbringen (
vollbringen) morgn? 15
c (91, 32); hört man von anderm raub noch, der geschehn? Schiller
braut von Mess. v. 1598; auf den raub ausgehen,
in praedam proficisci. Steinbach 2, 225; vom raube leben,
rapto vivere. ebenda; einen eines raubes bezichtigen, anklagen; eine anklage wegen raub, auf raub erheben; von antwort wider den, der einen raup auf einen reden wolde.
Magdeb. blume 1, 99; eines raubes schuldig sein, des raubes schuldig befunden werden, an einem raube unschuldig sein; eʒ vert ein man mit liuten ûʒ und nimet einen roup. nu weder werdent die alle schuldic an dem roube, oder niewan der si ûʒ hât gefüeret? wir sprechen: si sint alle schuldic.
Schwabenspiegel art. 195; bluotdurstig und geitzig, tyrannen, mörder, rauber, dieb
etc., so voll bluots, raubs und geitzes stecken, und gern von jederman bluot und guot satt weren. Agr.
spr. 235
a (
nach Luc. 11, 39 ewer inwendiges ist vol raubs und bosheit); raub
mit objectivem genitiv: der raub der Sabinerinnen; Manilli gedenkt in seiner beschreibung dieser villa eines basreliefs, welches den raub der Proserpina vorstelle. Lessing 11, 247; jr habt .. den raub ewer güter mit freuden erduldet.
Hebr. 10, 34; der ruf des krieges ist zu euch gekommen, der, um den raub der schönsten frau zu rächen, die ganze macht der fürsten Griechenlands um Trojens mauern lagerte. Göthe 9, 20;
mit subjectivem: und David nam die schafe und rinder, und treib das vieh fur jm her, und sie sprachen, das ist Davids raub.
1 Sam. 30, 20.
rechtssprichwort: ein tausch ist kein raub. Pistorius
thes. par. 10, 56; wechsel ist kein raub,
permutationes de natura contractuum participant. Stieler 1527.
Abschwächung des strafrechtlichen sinnes: wie viel findet man aber der jenigen, die nit allein nichts zu unterhaltung des h. predigampts darreichen und geben, sondern auch noch wol das jenige, so den kirchendienern von rechtswegen gebuoret, muthwilliger, freventlicher weise entziehen, oder ja zum wenigsten verstumpeln .. welche untrew, raub und betrug, gott der gerechte richter, an solchen gottlosen leuten zu seiner zeit wol wird zu finden und zu strafen wissen. L. Sandrub
kurzweil s. 21. 2@cc) raub
eines weibes, entführung oder hinnahme eines solchen zum zwecke der verheiratung, ohne erlaubnis des leibesherrn, und ohne sie von diesem zu lösen, hatte sich im späteren mittelalter zum theil als eine feststehende sitte ausgebildet, die mit einem raubschilling
gesühnt wurde, vergl. dazu unter rauben 3: sy haben auch die recht und freiheit von unseren lieben frouwen und der thumprobstey, dasz mann und frouwen desz obgemelten kelnhoffs in den drei zehenthalb gottshüseren weiben und mannen mögen nach irem bestem fuog, unbestraaft und unbeschwert, und soll dasz weib dem mann nachgehören noch desz roubs brouch und recht. wer aber usserthalb den drei zehenthalben gottshüseren weibet, den hat ein herr der thumprobst ze straafen.
weisth. 4, 414 (
Thurgau, von 1403); wiewol wir, unsere vorfarn, auch unsere stift und gotshüser von unverdächtlichen jaren hero den roub der leibaignen leüten halben zuosamen gehabt und braucht also: wann ain stifts- oder gotshausmann ausz disen dreizehendhalben gotsheüsern obgemelt ain weibsperson geroubet, so hat er sollen dem herrn, so er si abgeraubet, für den roubschilling drei batzen .. geben und zalen und darmit das weib hinweg geroubet haben. 5, 735 (
urkunde zu Constanz 1560). 2@dd)
von einem thiere (
vergl. raubthier, raubfisch, raubvogel): sihe, das wild in der wüsten gehet er aus wie sie pflegen, früe zum raub, das sie speise bereiten fur die jungen.
Hiob 24, 5;
in einem bilde: hündisch ist mein zank und geifer, hündisch ist mein raub und frasz. P. Gerhard 322, 12;
vergl. dazu rauben 4. 2@ee)
in gehobener und dichterischer rede, von gewaltsamer und unrechtmäsziger entnahme; in anlehnung an die bedeutung a: schâch unde roup, diu beidiu klage ich von der vrouwen mî
n. eʒ ist ein schâch und ist ein roup (waʒ möhte eʒ anders sîn?) daʒ si mich hôhes muotes âne widersagen behert und dâ bî dem herzen mînalle freude wert. Lichtenstein 412, 11;
oder an die bedeutung b: hielt ers nicht für einen raub (
ἁρπαγμόν,
goth. vulva), gotte gleich sein.
Phil. 2, 6; in warheit, ich zweifle oft, ob der brief eben mich angehe, und ob nicht eine andere mich eines unbilligen raubes beschuldigen werde, welche diese angenehme zeilen mit besserem rechte solte gelesen haben. Chr. Weise
erzn. 55
Braune; nur schnell fall ihm zu füszen, halt an den thäter fest, leg ihn, den raub zu büszen, mit armen in arrest. Spee
trutzn. 51, 431
Balke; die welt ist voller raub. sie raubet gott die ehre und gibt sie jhr nur selbst: sie raubt sein wort und lehre, sein ordnung und befehl. Logau 1, 57, 33; ich wars, die heut den raub gethan, die euch das bild entführt. Cronegk 1, 315; wer gab dir hülf und rath? wer half zum raube? sprich! 321; leb mit dem vieh, und acht es nicht für raub, den acker, den du erntest, selbst zu düngen. Göthe 12, 120; raub an jemand, an etwas: wenn ich das herz an seinem anblick weide, ists nicht ein raub an dir? Schiller
braut von Mess. v. 312; raub begeht am allgemeinen gut, wer selbst sich hilft in seiner eignen sache. Schiller
Tell 2, 2; raub einer person
oder einer sache: liebe hat nur éin gut, thut verzicht auf die ganze übrige schöpfung; herrschsucht hungert beim raube der ganzen natur (
selbst wenn die ganze natur geraubt wird).
Fiesko 4, 14; es giebt in dem menschen keine andere macht als seinen willen, und nur, was den menschen aufhebt, der tod und jeder raub des bewusztseins, kann die innere freiheit aufheben.
hist.-krit. ausg. 10, 341; komm! nach dieser früchte raube sehnet meine seele sich. S.
Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises s. 167; mög er, der dich (
eine schauspielerin) Thalien untreu machte, der sorge für dein glück sein ganzes leben weihn! nur dann kann sie den raub des lieblings ihm verzeihn. Gotter 1, 190; der raub der unschuld ist der liebe tod. Körner
werke 2, 12. 33) raub,
gegenstand des raubes. 3@aa)
die beute im kriege, bei überfall und plünderung: raub und peüt von dem feind,
manubiae. Maaler 325
b; raub, sunderlich die ausgezognen kleider der feinden,
exuviae, spolium. ebenda; sie (
die Russen) herten vaste durch iren rûm biʒ sie zû Nieflant quâmen. grôʒen roub sie nâmen ûf die armen cristenheit.
livländ. reimchron. 1566; und namen allen raub, und alles was zu nemen war, beide menschen und vieh, und brachtens zu Mose und zu Eleasar dem priester.
4 Mos. 31, 12; alle stedte verbanneten wir, beide mit mennern, weibern und kindern, aber alles vieh und raub der stad, raubeten wir fur uns.
5 Mos. 3, 7; so soltu die bürger der selben stad schlahen mit des schwerts scherfe, und sie verbannen mit allem das drinnen ist ... und allen jren raub (
beute von ihnen) soltu samlen mitten auf der gassen, und mit fewr verbrennen, beide stad und alle jren raub mit einander, dem herrn deinem gott. 13, 16; der feind gedacht, ich wil jnen nachjagen und erhasschen, und den raub austeilen, und meinen mut an jnen külen.
2 Mos. 15, 9; das jr jren raub, jr vieh unter euch teilen solt.
Jos. 8, 2; den raub der stad teilete Israel aus unter sich. 27; auch füret er aus der stad seer viel raubs.
1 chron. 21, 2; die Moren fielen, das jr keiner lebendig bleib, sondern sie wurden geschlagen fur dem herrn und fur seinem heerlager, und sie trugen seer viel raubs davon.
2 chron. 14, 13; ich sahe unter dem raub einen köstlichen babylonischen mantel, und zwei hundert sekel silbers, und eine güldene zange.
Jos. 7, 21; also keret Judas widerumb, das lager zu plündern, und eröbert einen groszen raub, viel gold, silber, seiden, purpur, und gros gut. 1
Macc. 4, 23; Judas plündert sie, und füret den raub mit sich weg. 7, 47; (
der Türke hat) die hauptstatt in Hungern, Ofen genand, sampt dem stättlein Pest, dar gegen uber, mit andern mehr stätten und flecken erobert, .. geplundert und verbrand, verheert, mit hinschleifung christlichs volks, auch einer groszen anzahl guts und viehs, und andern raubs, das doch nit einem geringen schatz zu vergleichen.
abschied des reichstags zu Eszlingen von 1526,
eingang; es ist gwüsz könig Nabuchodonosor, der im den roub im tempel erkor, nam darusz all fasz und tempelgezier. H. Salat 132, 364
Bächtold; der raub den unsre tapferkeit vor zeiten weggetragen. A. Scultetus
bei Lessing 8, 295;
in der formel etwas in den raub geben (
wo das subst. noch an die bedeutung 2,
a anstreift): gib sie in die rappuse und raub.
Hes. 23, 46,
vergl. dazu unter rapuse
sp. 122; umb unser missethat willen sind wir und unsere könige und priester gegeben in die hand der könige in lendern, ins schwert, ins gefengnis, in raub.
Esra 9, 7; etwas in den raub auswerfen,
in der freieren bedeutung wie etwas in die rapuse werfen
sp. 123: und so sie ausz der kirchen gehn, werfen sie disz obs in den raub ausz, darumb sich dann jung und alt reiszen. S.
Frank weltb. 153
a. raub
in dem angegebenen sinne (3,
a)
ist, wie das verbum rauben
auch (
vgl. dasselbe 1)
noch zu einer zeit gebraucht, als das subst. räuber
schon ganz in die strafrechtliche bedeutung übergegangen war, s. die stelle aus Keisersberg
unter räuber
im eingange; und erst mit und nach dem 17.
jahrh. verdrängt worden zu gunsten des fremden beute (
th. 1, 1749),
welches Maximilians I landsknechte als theil ihres wortschatzes mit aus den Niederlanden brachten und welches sich schon im 16.
jahrh. in der gewöhnlichen sprache sehr verbreitet hatte. der alten bedeutung nach braucht raub
noch Schiller
in seiner gewählten sprachweise: sie (
die schwächeren deutschen fürsten) .. erwarteten desto mehr von der groszmuth dieses mächtigen freundes (
Gustav Adolfs), der sie mit dem raub ihrer feinde bereicherte und gegen die unterdrückung der mächtigen in schutz nahm.
hist.-krit. ausg. 8, 199; Salerno hatte seine schätze gerettet und bereicherte sich noch mit dem ganzen raub der ungläubigen. 9, 252,
beide mal mit dem genitiv des ursprungs, beute von den feinden, von den ungläubigen herrührend. 3@bb) raub,
das gewaltsam und verbrecherisch entrissene (
vergl. dazu oben 2,
b): der raub, etwas verzuckts und hingerissens,
raptum, captura, furtum, praeda, rapina. Maaler 325
b; groszer raub,
ingens, infanda rapina. ebenda; housit oder hegit ein man dybe (
gestohlenes gut) odir roup.
Magdeb. blume 1, 51; man sol dy deube adir den roup deme richter antwortin. 2, 1, 87; beclagit man einen um eine doub oder roup, daʒ man bevint in eins mans erbe. 2, 2, 41; der raub von den armen ist in ewrem hause.
Jes. 3, 14; auf das sie die sachen der armen beugen, und gewalt uben im recht der elenden unter meinem volk, das die widwen jr raub, und die waisen jre beute sein müssen. 10, 2; als nun die räuber waffen und raub ablegeten.
pers. rosenth. 1, 5; soldaten oder schergen ... wann sie in den vexierten häusern, und in welchen kaum so viel ist, welches den tribut gnüget, auch ihnen selbst, mit gemachter forcht, ein raub machen. Schuppius 722; machen die städte oft den anhang des groszen und kleinen adels und theilen den raub. Seume
spazierg. 1, 20; dem räuber ich mit greinen hätt herz und mut erweicht, er mir auf stetes weinen den raub hätt hergereicht. Spee
trutzn. 48, 296
Balke; von einem geraubten weibe: die räuber .. namen sie gefangen, eileten mit groszen freuden, und einen so schönen raub jhrem hauptmann zu bringen, hatten sonst nichts gefunden, dann diesen raub.
buch der liebe 199
d; bestürzung, scham und grimm, von einem einzgen mann den schönen raub entrissen sich zu sehen, spornt alle andern an, auf Hüon los zu gehen. Wieland 23, 158 (
Oberon 9, 61). 3@cc) raub,
die beute der raubthiere, raubvögel: ein wolf kam nâch sîner art hungrig ûf des roubes vart. schiere wart er dô gewert des roubes, des sîn herze gert. in der geschicht kam im ein geiʒ. Boner
edelst. 11, 2; Ben Jamin, ist ein reiszender wolf, des morgens wird er raub fressen, aber des abends wird er den raub austeilen. 1
Mos. 49, 27; wie der lew auf den raub lauret.
Sir. 27, 11; der löwe nimpt ihm (
dem wolfe) den raub.
Lokmans fab. 23; die gelehrten müssen vielmehr den habichen biszweilen nachfolgen, welche wissen in die höhe sich zu erheben, unterweilen aber, wann es sie gedunket, herabkommen, und ein (
für einn = einen) raub, den hunger zu büszen, mitzubringen. Schuppius 757; dieses vogels (
des mäusegeiers) raub ist gemeiniglich mäuse und frösche. Göchhausen
not. venat. (1741) 149; wenn die katz gar zu sehr will naschen, so musz mans uberm raub erhaschen. L. Sandrub
kurzweil 104; du den bären, löwen, drachen, fertig warest auf der haub, rissest ihnen schlund und rachen, nahmest wieder allen raub. Spee
trutzn. 175, 168
Balke; wie ein löw, dessen zorn der bitter hunger wözet, .. stracks seinem raub nachsötzet. Weckherlin 89; der wolf fiel in die arme heerde, und mancher bock gab haare her, was er nicht frasz, fiel wund zur erde, so zog er fort, von raube schwer. Lichtwer
fabeln 1, 23; wie ein sperber, der den ersten raub gekostet, jetzt nach reicherm gröszerm raube dürstet. Herder
zur litt. 5, 116; ein adlersjüngling hob die flügel nach raub aus. Göthe 2, 77; freudig schieszt er auf gefahr, wie auf raub der sonnenaar. Arndt
ged. 178;
daher raub,
das jagdbare thier: wie sich der leu in seinem hunger freut, wenn er einmal auf vollbeleibten raub — entweder einen hochgekrönten hirsch, or eine gemse — trifft. Bürger 151
a; der wälder raub,
die in den wäldern lebende hirschkuh: der wälder raub, die hinden, gehn ungeschäuht zur kest (
kastanie). P. Fleming 150;
aber raub
kann auch die dem raubthiere selbst abgewonnene beute, sein eigenes fell sein: eure kleine schaar, wo keine kriegszucht waltet, mit waffen, ohne kunst aus holz und stein gestaltet, in wilder thiere raub nothdürftig eingehüllt. Gotter 2, 372. 3@dd) raub,
auch der honig, die beute der bienen, die hier als krieger dargestellt werden (
vergl. oben a): stark rühren sie die trommen, die gelbe kriegerlein. sie weit und breit mit sorgen erforschen ihren raub, so drauszen liegt verborgen im weichen blumenlaub. Spee
trutzn. 93, 38
Balke; sie nur vom raub sich nähren und lebens nur der beut. 93, 41; drumb zeitlich dann sie rühren die schwanke federlein, den süszen raub entführen und heimwarts kehren ein. 94, 83. 3@ee) raub,
in freierer, dichterischer und gehobener sprache von beute in manchem sinne, öfter an den alten kriegerischen begriff des wortes (
oben a, und in gewisser weise c)
als an den strafrechtlichen (
b)
angeschlossen. 3@e@aα)
es heiszt ein schöner, groszer, kleiner, süszer, heiliger raub: was hat sie (
die zeit) denn gemacht mit deinem reichen raube? R. Roberthin
in den ged. des Königsberger dichterkreises s. 9; da schüttet sie mit tausend lust den raub, den wunderschönen raub, der himmelblauen blümgen schatz der werten muter in den schoosz. Drollinger 311; wie könnt ich ihm denn sonst den kleinen raub nicht gönnen wollen, den er sichs zu solcher angelegenheit gemacht, den christen abzujagen? freilich; kein kleiner raub, ein solch geschöpf! Lessing 2, 333; die krone! sie gebührt nicht mir, ich mag nicht fremden raub. Herder
zur litt. 3, 182; wir haben uns gefunden, halten uns umschlungen fest und ewig. glaube mir, das ist um vieles mehr, als sie gewollt. drum lasz es uns wie einen heilgen raub in unsers herzens innerstem bewahren. Schiller
Piccol. 3, 5; nicht läszt der gott von seinem heilgen raub. Uhland
ged. 382; jede fliehende minute eilt mit süszem raube hinnen. Arndt
ged. 219; ein raub ist grosz, klein
u. ähnl.; jage gemächlicher den musen nach! der raub, so sehr auch seine flitterseite blendet, lohnt oft des athems nicht, den man um ihn verschwendet. Gotter 1, 241; raub wird gewonnen, entzogen: also ward jm sein raub entzogen (
seine vorher bei tische erlangte beute).
Grobian. R 2
a (
v. 4309); raub
mit dem genitiv des ursprungs: die niedrigen länder bereichern sich mit dem raube der hohen gegenden (
mit dem was ihnen aus hohen gegenden als beute zufällt). Kant 9, 50; wenn (
beim friedensschlusz) alle helme sich und hüte schmücken mit grünen main, dem letzten raub der felder (
was zum letzten male vom felde geplündert wird). Schiller
Piccol. 1, 4. 3@e@bβ)
gern und manichfach einer, etwas ist, wird einer person
oder sache raub: und ich wil etliche meines erbteils uber bleiben lassen, und sie geben in die hende jrer feinde, das sie ein raub und reiszen werden aller jrer feinde.
2 kön. 21, 14; diese blühende schönheit, über die sie allein ein recht hatten, ward wider ihren willen mein raub! Lessing 2, 88; sie sehen mich ein raub der wellen .. retten sie mich, wenn sie können. 126; wenn eben derselbe vater seinen uneinigen söhnen erzählt hätte, wie glücklich drei stiere, so lange sie einig waren, den löwen von sich abhielten, und wie bald sie des löwen raub wurden, als zwietracht unter sie kam. 5, 361; der schwächere wird gemeiniglich ein raub des mächtigern. 362; diesen guten lieben körper, den wir lange im see einen raub der fische glaubten. Göthe 20, 257; aber die materie ist ein raub des ewigen wechsels. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 144; von dem nie-satten grab (der pest, schwerts, hungers raub) schnell werden wir verschlungen. Weckherlin 167; wenn wir werden des blassen todes raub. P. Gerhard 181, 64; der tempel wird der flammen raub. Drollinger 37; (
wenn) die kinder nahrungslos ihr väterliches feld, nunmehr der mönche raub, erschwatzt mit frommen lügen, für die geweihte zunft der müsziggänger pflü
gen. 89; wer aber bist du denn? du punkt des erdenballs, vergängliches insect. und stäublein dieses alls! des todes sichrer raub! Lichtwer
schriften s. 196; (
er) liegt ohne wartung, ohne rath und zusprach, ein raub der schmerzen und des todes da! Lessing 2, 204; und die blumen, die dort blühen, werden keines winters raub. Schiller
sehnsucht; der mensch ist, der lebendig fühlende, der leichte raub des mächtgen augenblicks.
jungfrau von Orl. 3, 4; will sie vielleicht, ein raub jedwedes äuszersten gefühls, sich selbst anklagen und sich selbst verderben?
Phädra 3, 6; o wie vergänglich ist ein laub, des frühlings kind, des herbstes raub! Uhland
ged. 117;
auch ohne solchen genitiv: was sei aber wir? niht anders denne ain raub, den alleʒ daʒ zucket, daʒ neur wil. Megenberg 133, 9; ewre kinder davon jr sagetet, sie werden ein raub sein.
4 Mos. 14, 31;
oder mit dem dativ: so wärstu lang ein raub dem teufel und dem tod. Logau 1, 88, 65; wenn du scheidend dich entfernest, sprich, wo nur ich bliebe, wo? nicht ein raub zu sein dem grame, jenem falschen diebe, wo? Platen 91;
oder endlich mit der präp. von: mein leben war ein raub von sorg und eitelkeit; sein matter überrest sei meinem gott geweiht! Gotter 2, 322. 3@e@gγ) einer, etwas wird zum raube: sie sind zum raube worden, und ist kein erretter da.
Jes. 42, 22; dem fisch schenkt mann am angel ein köder, dem wolf ein asz oder gansz, dasz der fisch am angel behange, und zum raub werde, und der wolf in die gruoben falle. Agr.
spr. 227
b; und du, liebe, treue taube! deine mutter ward zum raube, meine pflege zog dich grosz. Gotter 1, 261;
mit subjectivem genitiv: Abraham stiesz seinen eigenen hoffnungsvollen sohn mit der mutter zum raube des mangels und der angst hinaus in das unwirthbare. Seume
mein sommer 58; etwas, einer geht zu raub: wenn alle schädigen, alle leiden, geht selbst die majestät zu raub. Göthe 41, 12; zum raube geben: gelobet sei der herr, der uns nicht gibt zum raube in jre zeene.
ps. 124, 6; dies herz, du kennst es, stets von gram genährt und thränen, einem grausamen geschick zum raub dahin gegeben. Schiller
Phädra 2, 1; zum raube, in raub nehmen: sie weicht, und schweigt, und stellt sich taub. sie leugnets und ists doch alleine, die mir mein herze nimmt in raub. Fleming 517; du hast mir vater, mutter, brüder, schwestern, mir alles, was mir theuer war, geraubt; und nun auch den geliebten raubst du mir. so nimm auch noch die letzte meines stammes, mich selbst zum raube hin. Schiller
Turandot 5, 2; raub wird wiedergegeben; bis, befruchtet von Jehovas hauche, gräber kreisen, auf sein mächtig dräun in zerschmelzender planeten rauche ihren raub die grüfte wiederkäun. Schiller
elegie auf den tod eines jünglings. 44) raub
als ausdruck der land- und milchwirtschaft in oberdeutschen mundarten: bair. der bestand eines feldes an früchten, die darauf eingeärntet werden können oder eingeärntet sind. Schm. 2, 5
Fromm. (
von 1370
und später);
schweiz. raub
ertrag aller oder einzelner gattungen der feldfrüchte auf einem landgute, oder ertrag der zehendenfrüchte von einem jahre. Stalder 2, 262; einen raub aufbehalten,
alle früchte aufbewahren, die man in einem jahre eingesammelt hat. ebenda; roub
der ertrag des ackers und der wiese, auch abroub Hunziker 210;
von der milch, offenbar als landläufiger ausdruck: hier wird aus dünner milch der zweite raub gesotten. Haller
schweiz. ged. 32,
später geändert in hier kocht der zweite raub der milch dem armen volke,
also magere milch, nachmilch. 55) raub,
bergmännisch: auf den raub bauen,
leicht hin bauen, nicht auf die nachkommen denken, die grube eben machen und keine bergfesten stehen lassen. Veith 373,
vergl.raubbau; andrerseits würde man ihn (
den bergbau) auf raub getrieben haben, wenn ein jeder bürger dem es gefiel, hätte einbrechen können. Niebuhr 2, 154;
übertragen auf den raub,
schnell, flüchtig, leichthin: schon vorher hatte ich sie als den schönsten weiblichen kopf in Venedig einigemal auf den raub abgezeichnet. Heinse
Ardingh. 1, 82; das erstemal, als wir unsre seelen vereinigten, geschah in der nacht auf den raub. 2, 43; Livorno lag nicht weit, das interessanteste im lande nahm man auf den raub so mit. Göthe 21, 135; hatte ich ... in mich das dasein und die denkweise eines auszerordentlichen mannes aufgenommen, zwar nur unvollständig und wie auf den raub. 26, 290.