straub,
adj. ,
emporstarrend, rauh. herkunft und verbreitung. and. (
und amfrk.) strūf, strūv-,
mhd. strūb, strūp, strūve,
mnd. strūf, strūv-,
nl. stroef,
s. Franck
et. wb. 677.
zur idg. wurzel *ster '
starr, steif sein',
s. Walde-Pokorny 2, 635,
zu der auch das vb. sträuben
und mit kurzem vocal das adj. struppig
gehören. — straub
ist im mittelalter auf hd., md. und nd. gebiet gleich gut bezeugt; nach dem 17.
jh. ist es nicht mehr schriftsprachlich. im nhd. steht an stelle von straub
in den meisten seiner anwendungen heute struppig (
s. d.).
mundartlich lebt straub
jedoch im ganzen nd. und in der schweiz, s. Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 343; Woeste
westfäl. 260
a; Schumann
Lübeck 87; Mi
mecklenburg. 88
b; Danneil
altmärk. 215
a; Frischbier
preusz. 2, 383
a; Staub-Tobler
schweiz. id. 11, 1931;
s. auch u. 1
und 2.
auf grund ihrer ma. gebrauchen Jer. Gotthelf
und Gottfr. Keller
das wort. —
zu diesem adj. gehört der fam.-name nd. Struve,
hd. Straube (
vgl. schweiz. id. 11, 1941),
eigentlich '
der mit zottigem, lockigem haar' (
s. u. 1 a),
gebildet wie Kruse
und Krause;
hierher auch der langobard. pers. name Strupo,
s. Wilh. Brückner in:
qu. u. forsch. 75, 307.
bedeutung und anwendung. 11)
im plastischen sinne. 1@aa)
emporstarrend, sich sträubend, in einzelnen teilen emporstehend, wie sträuben A 2,
sp. 944,
vom haupthaar '
struppig',
zuweilen auch '
lockig': strūua
pilis in contrarium versis Straszburger gl. bei Wadstein
as. sprachdenkm. 106; struuer
crispus ahd. gl. 3, 384, 34
St.-S. (
nd. des 13.
jhs.); wiz vnd clare hut, die stime gelster vnd lut lanc strup gel har, ir gesichte licht vnd clar Herbort von Fritzlar 3255
Frommann; he was ein herlich stark man von libe unde wol gepersoniret unde grosz von allem gelune, unde hatte ein grosz heubt mit einem struben widem brunen krulle, ein breit antlitze Tileman Elhen
Limburg. chron. 51, 7
Wyss; ik (
ein toter) ligghe hir uppe eyner baren mit minen struven haren, de oghen stad my to stare
visio Philiberti in: nd. jb. 5, 33;
N. ist graw mit einem struben härlin
signalment v. j. 1448
bei Staub-Tobler 11, 1933; die beklagten ubeltheter, mit jhrem langen bart, strauben haar unnd schwartzen trawerkleid
J. Calvin institut. christ. relig. (1572) 2, 140; ein sehr groszes wildes schwein ... mit strauffen haaren auff der dicken haut und auffgeworffenen harten borsten Cyr. Spangenberg
jagteuffel (1560) S 2
b;
von einem knaben mit lockigem haar: mit zwain turteltuben den jungen knaben struben lost si in wider mitte, als do was des landes sitte
der saelden hort 1882
Adrian. mundartlich vom struppigen haar: struve haare Hennig
preusz. 268; ds meitschi hat so leidi züpfe und so kurzes und strubs haar, dasz d züpfe grad si wie säustileni
Basler hink. bote (1900)
bei Staub-Tobler 11, 1933; der gröszte brülli (
schreier), der mit dem strübsten haar Gotthelf
käserei 253
Bartels; krauses haar und glatte stirn macht gar schöne leute, aber strubes haar und hirn wird dem spott zur beute
Basler hink. bote (1873)
a. a. o. ebenso von den federn, dem kamm des federviehs usw. '
emporstarrend, borstig',
wie sträuben A 2 b: die bälge gehören sich jederzeit nach dem winde zu stecken, darmit die federn nicht strub werden J. C. Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 82; der ehstand wird im mechtig schwer, sein kinder sein so gut als er geraten semptlich nach dem stamm und führen einen strauben kamm Barth. Ringwaldt
laut. wahr. (1598) 307;
in diesem sinne elliptisch von tieren, '
mit emporstarrendem gefieder': ... div turtel tube div slehte niht div strube Hugo von Langenstein
Martina 207
Keller; straub werden '
die federn gegen jem. sträuben'
als zeichen der feindlichkeit, s. sträuben B: in die tuvelhafte clus wart bracht die gotes tube. do wart kein ir vil strube manic tuvels habech spil
väterbuch 36406
Reissenberger; welche (
krähe) ... struub und chuppig auf einem marchstein sitzt Friedli
bärnd. 6 (1925) 181.
ebenso vom fell usw. anderer tiere: der rachen (
des löwen) ist weit ..., die lippen dünne; der hals grosz und straub, doch mäszig dicke
O. Dapper Africa (1670) 18
a. struva
cauda tortuosa Straszburger glossen bei Wadstein 107, 1.
in der Schweiz vom emporstehenden tierischen fell: es strūbs gitzi '
ziege mit nicht glattem haar' Staub-Tobler 11, 1933; die nassen mäuse sind bekanntlich noch viel ekelhafter als die struben Gotthelf
ebda.; besonders in fester ausbildung vom rindvieh: strūbi chueli '
kühe, deren nie sich glättende haare auf konstitutionsfehler schlieszen lassen' Friedli
bärnd. in: schweiz. id. 11, 1932;
bildlich: es ist schon manches strübere kalb, als er ist, gelecket worden Gotthelf
bei Staub-Tobler 11, 1932. —
auch in verschiedenen einzelnen anwendungen mit der gleichen grundbed. des plastischen '
emporstarrend'
im sinne von '
uneben, widerstrebend': gleich ob einer ein bleier winckeleisen nach den rauchen strauben holtz und nit das straub holtz nach dem winckeleisen richten wolt
Erasmus, paraclesis teutsch B 4
b;
im gegensatz zu '
glatt, geschlossen': während die zapfen (
der tanne) sich öffnen oder strub werden und die samen herausfallen
a. d. j. 1829
bei Staub-Tobler 11, 1933;
von einer flüssigkeit, vgl. Notkers wîlon struben sih (
sp. 944): struuera
crispo (
liquore)
ahd. gl. 2, 562, 68
St.-S. (
Kölner hs. des 11.
jhs.).
ebenfalls als '
rauh'
erklärt, doch vielleicht zu 1straube '
schraube',
in einer schmiederechnung a. d. j. 1555: item von ainem strupen nagel 1½ D
stadtr. v. Überlingen 450
Geier. —
als bezeichnung der hohlmünzen (
brakteaten),
im gegensatz zu den schlechten '
glatten'
pfenningen, im älteren nd.: struffe (pfenninge) Tileman Friese
müntzspiegel (1553)
in: jahrb. d. gesch. ver. f. Göttingen 2, 9; strube penninge
aus alten quellen in: zs. f. numismatik 26 (1908) 199;
vgl. auch straubenpfennig. 1@bb) '
uneben, rauh',
mehr auf eine gesamtfläche bezogen, in übergängen zu a:
hirtus ru, struf
nd. voc. a. d. j. 1417 Diefenbach
nov. gl. 204
b; struuf
unglatt, rauh anzufühlen Krüger
plattd. spr. in Emden 68;
besonders von der haut: amedunck gesoden unde gedrunken in warmen beer ... dat maket de struven stroten, ok de struven borst slicht
herbarius (1483)
bei Schiller-Lübben
mnd. 4, 444; harte und straube hände wie ein reibeisen
qu. a. d. j. 1724
bei Schmeller-Fr. 2, 803; strufe handen '
rauhe, schwielige hände' Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 343; is dy de tunghe struf eder bladerich gheworden, so wrif se myt mynten
bei Schiller-Lübben
mnd. 4, 444; struwe haut '
die sich rauh und hart anfühlt' Frischbier
pr. 383;
von tannennadeln, a
nahestehend: musz ein strub fressen sein, selbst für kühe J. Gotthelf
käserei 38
Bartels. vom erdboden; besonders von wegen '
uneben, schwer passierbar': de wech was scharp unde struf
seelentrost (1407)
bei Schiller-Lübben 4, 444; er ist durch alle gestreuche und straube wege hindurch brochen Justus Jonas
urspr. d. türk. reichs (1538) M 3
b;
mundartlich: der weg ist strube '
rauh, mit halbgeschmolzenem eise bedeckt'
schweiz. id. 11, 1933; dür e chrache nefhi geit der weg strub
ebda. vom acker '
uneben, schwer zu bearbeiten': denn der kohl machet die annoch straube und harte erde mürbe und bequem andere früchte zu bringen Becker
hausvater (1714) 104;
unter hinzugesellung einer übertragenen bed., vgl. u. 2: wildes strubes land kriegte man unter den pflug Gotthelf
ausgew. w. (1928) 2, 201
Siegfried; der acker gset strub us '
verwahrlost' Hunziker
Aarg. 261. 1@cc) '
struppig, ungepflegt',
in noch sichtbarer übertragung aus der plastischen bedeutung '
struppig im haar, fell, gefieder usw.' (
s.a),
anders als u. 2: (
sie straften) nicht allein diejehnigen, so sie (
die hunde) zu traub unnd mager, sondern auch die, so sie wol auszgefüddert G. Klee
berümter leute leben (1589) 1, 83; struve hunt Schütze
holst. 4, 214; estrubi chue '
eine ungestriegelte und ungereinigte kuh'
schweiz. id. 11, 1934; die kuh war mager, strub anzusehen, hatte noch nicht lange ausgetragen; ... niemand sah auf die strube kuh Gotthelf
ausgew. w. (1928) 2, 165
Siegfried; e strube chärli
zerzauster kerl schweiz. id. 11, 1934; dasz ... ein mann, wenn er nicht gebartet hat, daheim strüber und wüster aussieht, als wenn er gesuntiget ist, selb versteht sich Gotthelf
ebda.; Röseli hätte Sami umhalst, wenn er nicht gewehrt und gesagt hätte, nüt, nüt, er sei gar strube
a. d. j. 1897
bei Staub-Tobler 11, 1935;
noch stärker abgezogen: sie (
die frau) und das ganze haus sahen so straub aus, dasz ich jetzt wohl weisz, warum man ihnen Strubpeters sagt J. Gotthelf
ges. schr. (1855) 1, 104; eine strube, verwahrloste hütte J. Gotthelf
bei Staub-Tobler 11, 1935. 22)
im inneren, nicht plastischen sinne von '
rauh': struyff, stuyr, stugge, drijst, suyr, onsuet, wreet, streng, ernstich, bitter, strack, ongenedich
atrox, ferox usw. v.
d. Schueren
Teuthonista 384
a Verdam. vom wetter: wie der winter eine traurige und betrübte zeit ist wegen des rauchen unnd strauben wetters Joh. Pomarius
grosze postilla (1590) 1, 36
a; strubes wetter
schweiz. id. 11, 1937; struwet wetter '
rauhes wetter' K. Bruns
volksw. d. prov. Sachsen 67
a; einen so langen und struben winter haben wir schon lange jahre nicht mehr gehabt
Basler volkszeitg v. 1907
bei Staub-Tobler 11, 1938; als es (
das wetter) nun so recht strub machte, schnee und riesel an die fenster prätschte Gotthelf
ausgew. w. (1928) 2, 327
Siegfried. im nd. '
herbe, was den mund zusammenzieht': struv
in Hamburg, s. Fulda id. (1788) 526;
brem. wb. 4, 1069; struve appeln Schütze
holstein. id. 4, 214; dat smekt so struf Doornkaat-Koolman
ostfries. wb. 3, 343.
alt im übertragenen sinne von '
uneben, unklar',
vielleicht mit erhaltung der bildhaftigkeit von 1 a
oder 1 b: alle grunde werden irhaben, und alle berge und hobil werden genydirt, was do slym ist, daz wirt recht, was do strub ist, daz wirt slecht Claus Cranc 49
Ziesemer; struve dinge der h. schrift heft he erst slicht gemaket
qu. a. d. j. 1473
bei Schiller-Lübben 4, 444;
in der schweizer. ma. von verschiedenen vorgängen u. zuständen im sinne von '
hart, streng, heftig, unangenehm, schwierig'
u. ä., s. Staub-Tobler 11, 1934
ff., 2 b. strube worte '
heftige worte'; e strube morge '
ein unruhiger morgen'; gwohnli aan het struubi tage däar, wa zweie heere chnächt Friedli
bärndütsch 3 III; lehrbub sein bei ihm, das war eine strube, schlimme sache J. Gotthelf
bei Staub-Tobler 11, 1940;
im sinne von '
wild, hart': war ein tüchtiger künstler, wenn seine schönen erzählungen auch 'strub' und naturwüchsig geschrieben waren G. Keller
nachgel. schr. (1893) 138; wurde in diesem hause nicht geduldet, dasz die dienstboten sich nächtlich besuchten; zudem waren die beiden nebenbuhlerinnen in einem bette: da wäre jedenfalls ein strubes nächtliches besuchen gewesen Jer. Gotthelf
ges. schr. (1856) 2, 99; bim fertaile got's—der mängist e bizeli strub här Seiler
Basler ma. 281; säbelraszler und maulhelden, denen es nie strub genug hergehen kann
Basler volkszeitg. v. 1900
bei Staub-Tobler 11, 1940; es geht ihm strub '
hart' Stalder 2, 410. —
in besonders fester ausbildung vom menschlichen charakter '
ungebärdig, ungestüm, wild': einvaltic als ein tube ir muot was sleht, niht strube Hugo von Langenstein
Martina 20
Keller; gy glytzenere, buten slicht, binnen strff unde scherp
qu. d. 15.
jh. bei Schiller-Lübben
mnd. 4, 444;
mundartlich im alem. und nd.: aber der ist ein wüster und struber mann, und es ist besser, man rede nicht viel von ihm Gotthelf
ausgew. w. (1928) 3, 376
Siegfried; sollte jeder lehrer ihm (
dem gegner der prügelstrafe) den strübsten seiner schule abgeben dürfen
qu. v. 1899
bei Staub-Tobler 11, 1937; ein struber bursche
ironisch soviel wie '
ein sauberer bursche' Stalder
schweiz. 2, 410; en struven sinn Schütze
holst. id. (1800) 4, 214; sau struf wi sine hare, sau struf is sin sin Schambach
Göttingen 215
a; he is so struf tegen sin fro und kinder '
rauh, unfreundlich' Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 343.