sträuben,
vb. form und verbreitung. ahd. strūbēn, strūben;
mhd. strūben,
*striuben;
as. mnd. strūven;
vielleicht auch in einer ostfries. urk. a. d. j. 1449,
s. sp. 950.
abgeleitet vom adj. *strūb,
nd. strūf '
emporstarrend, rauh' (
s.straub,
sp. 937,
also strūbēn
ursprünglich '
starren, rauh sein'
und strūben '
nach oben richten, rauh machen'.
zu sträuben
und straub stellen sich, innerhalb der zugehörigkeit zur idg. wurzel *ster,
am nächsten strobeln '
empor stehen, emporrichten' (
mhd. strŏben),
1strupfen
emporstehen, struppig, gestrüpp,
s. Torp
bei Fick
idg. wb. 43, 504.
im ahd. standen ein -jan-
und -ēn-
verb nebeneinander: (
mfrk.) struuuio 1.
sg. praes. ahd. gl. 4, 203, 19
St.-S. (11./12.
jh.); strupit 3.
sg. praes. (
u. A 1), gestrubten
dat. pl. part. pass. praet. (
u. A 2 c ß)
und strubet
inhorruit ahd. gl. 2, 57, 34
St.-S.; strubeta
inhorruit 65, 17.
im altsächs. ist das -jan
-vb. bezeugt: struuide
inhorruit, erexit ahd. gl. 2, 718, 40
St.-S. (Wadstein
as. sprachdenkm. 113, 36).
im mhd. ist *strūbjan
von strūbēn
nicht zu unterscheiden, der stammvocal ist immer als u
bezeugt. diphthongiertes strouben
ist seit dem 13.
jh. bezeugt. im nhd. herrscht das aus dem -jan-
vb. umgelautete sträuben,
so bei Luther,
s. Franke schriftspr. Luthers 2, 67.
im älternhd. neben sträuben
auch strauben; strauben
noch heute im bair. (
s.A 2 c
α),
sowie bei Rückert
und Jahn; strauben
beruht wohl immer auf der obd. umlauthinderung vor labial. das schweiz. zeigt noch spuren einer unterscheidung von strūben 'straub
werden': strǖben 'straub
machen',
s. Staub-Tobler 11, 1942;
im Harz stehen die umgelautete und nicht umgelautete form nebeneinander: schtrûbn, schtraibn '
sich sträuben' Liesenberg
Stieger ma. 208. —
in den mundarten ist das wort heute nur in der bed. A
stärker bezeugt, am besten im nd., auch alem.; im bair.-österr. nur in geringen spuren. bedeutung und gebrauch. das intransitive *strūbēn '
starren, rauh sein'
und das transitive *strūbjan '
nach oben richten, rauh machen'
sind früh miteinander vermischt und verschmolzen worden. das in wortform und bedeutung als eines erscheinende vb. wird in ahd. und mhd. zeit intransitiv und transitiv sowie reflexiv gebraucht; vgl. besonders das nebeneinander im anwendungsbereich des emporstehenden haupthaares, u. A 2 c;
hierin setzt sich das alte nebeneinander der beiden verben noch fort. in nhd. zeit lebt nur noch die transitive und reflexive form. AA. '
emporstarren'
und '
sich emporrichten'
sind die ältesten bedeutungen des verbums. A@11)
in den ältesten zeugnissen '
rauh sein', '
starren', '
rauh machen'
: asperat strupit
ahd. gl. 2, 403, 41
St.-S. im ahd. ständig als wiedergabe des lat. inhorrescere '
rauh emporstehen, starren, emporrichten',
vgl. schon o.;
das ahd. gleicht dem lat. vb. in der bed., dem inchoativen sinn und dem nebeneinander von transitiver und intransitiver anwendung; das part. perf. im sinne von '
rauh, uneben': ube du ouh plûomôn uuellêst. sô daz felt kestrûbet sî fone chaltemo unde al rûtôntemo norduuinde. sô negang
(numquam cum inhorriut campus stridens sęuis aquilonibus) Notker 1, 44
Piper; zum gleichen text als glossierung von '
inhorruit': struubit (
hs. d. 10.
jh.)
ahd. gl. 2, 70, 37
St.-S.; '
sich kräuseln, starren',
vom bewegten meer: ter mere mûoz ouh stille sîn
mit slehtero ebeni! uuîlon ouh strûben sih fone uuinde. unde fone uuellon '
ius est mari nunc blandiri strato ęquore, nunc inhorrescere procellis ac fluctibus' Notker 1, 60
Piper; ähnlich auch noch: aber bei Iszstein einem schlos, welches zerstOert steht Oed vnd blosz, wolt sich erst auch ein strudel (
im Rhein) strAeuben vnd thAet gros wAellen da auftreiben Fischart
glückh. schiff 16
ndr. als wiedergabe von inhorrescere '
emporrichten'
s. u. 2 a;
im sinne von '
sich erheben, emporrichten'
: subrigere struben Diefenbach
gl. 561
b. A@22) '
emporstehen, emporrichten',
von den menschlichen und tierischen extremitäten, ist der breite anwendungsbereich seit ahd. zeit und ist bis heute lebendig. A@2@aa)
bei tieren vom kamm, schwanz, fell, der mähne usw., '
emporrichten',
meist in erregung: struuide (
aper ... substitit, infremuitque ferox et)
inhorruit (
armos)
erexit (
der eber streckte den bug empor)
ahd. gl. 2, 718, 40
St.-S.; der dâ vor in lewen wîs vor zorne strûbte sînen kamp, der wart nû senfte als ein lamp Stricker
Karl 4963
Bartsch; jetzt bringe nur die weiber auseinander, die noch immer die schlangenkämme wieder sträuben können, wenn sie zu früh sich in die augen sehn Hebbel
w. 4, 110
Werner; diesz macht, dasz er sich brüstet, und den kamm der jugend gegen eure würde sträubt
Shakespeare 6 (1800) 11 (
Heinrich IV. 1, 1); '
emporstehen, sich hochrichten',
von der haube des huhns: sô diu (
henne) an der sunne gât und siht neben sich ir schat, diu henne von ir hûben siht den schate strûben, vor zorne schütt sie ir gevider, sô briustert sich der schat hinwider
Seifried Helbling 106
Seemüller; hôhe spienen sî ir weibelruoten: ir islîcher hiuwer eine riutel treit. kleine hûben truogens (
die dörper) ê: nû strûbet in der nac Neidhart 102
Wiessner; im sinne von '
den nacken hochrecken, nicht beugen, um sich zu wehren',
erst in junger zeit: ich sträube meinen borst'gen nacken, zu dienen ungewöhnt Göthe I 2, 89
W.; unter auslassung des refl. pron.: die kalte hand des todes fährt an den sträubenden nacken I.
M. Miller
ged. (1783) 392; nicht die reue, die wuth bog ihm den sträubenden nacken Klopstock
Messias (1775) 2, 118;
den schwanz hochrecken: das er (
pfau) sein vedern macht an sein stat und den swanz aufstroben Vintler
pluemen der tuogent 4582
Zingerle; (
die katzen) blasen ihnen (
den hunden) dünste ins gesicht, sträuben ihr haar und ihren schwanz, machen sich lang und dick Dieterici
streit zw. thier u. mensch (1858) 57; '
sich aufrichten',
vom penis: greif in doch an, er ward sich strauben, ich fast mein degen bei seiner hauben
fastnachtsp. 338
Keller; unter auslassung des refl. pronomens, vgl. B 5: die zürnende stute verfolgt sie mit gesenktem hals und aufwärts streubendem schweife Voss
u. Goekingk
musenalmanach für 1785, 14; '
borsten, fell, bart emporrichten': da schreien alle sew wider in, streubten die borsten auf dem rücken Luther 6, 531
b W.; die scheelsüchtige rachbegier, die bey einer alten greszlichen nonne alle nerven anspannt, alle borsten sträubt Zimmermann
üb. d. einsamk. (1784) 2, 250; (
stachelschweine) sträuben ihre stacheln Oken
allg. naturgesch. (1839) 7, 780; indessen fallen beym sträuben stacheln aus
ebda 7, 779; erregt er sich aber, so sträubt sich sein fell Brehm
tierl. 1, 491
P.-L.; sträubete das katzenbärtle, bläckete die scharffen zähne W. Spangenberg
eselkönig 404; wie diese (
alte haustyrannin) ihren schnurrbart sträubte Th. Storm
ges. schr. 7 (1877) 163; der grau gesprenkelte backen- und kinnbart schien sich borstig zu sträuben Laube
ges. schr. (1875) 10, 117; er versuchte, seine augen blitzen zu lassen, sein schnurrbart sträubte sich noch höher H. Mann
d. untertan (1949) 109.
von der mähne, erst seit junger zeit bezeugt: tritt voller muth herein, sträubt, schüttelt seine mähne König
ged. (1745) 3; das vorderste (
streitrosz) ist so scheu und wild, dasz es die fliegenden mähnen hoch in die höhe sträubt (1777) Heinse in:
briefe zw. Gleim, Heinse u. Joh. v. Müller 1, 339
Körte; zwei schwarze drachen, die ... ihre mähnen trotzig sträuben Bettine
Günderode (1840) 1, 91; ein afterbild vom sterne, das nachts ... den fuhrmann neckt, dem rosz die mähne sträubt Gotter
ged. (1787) 1, 376; aufhorchen die rosse, und es sträubt sich ihre mähne Schiller 15, 79
G.; die nüstern schnauben, die mähnen sträuben sich in die höh! Gaudy
s. w. (1844) 4, 12;
vereinzelt die brust emporrecken: in dem ... (
eine schlange) die glitzriche brust zur sonne sträubt maler Müller
w. (1811) 1, 154;
ungewöhnlich: auch so ein kerl, ... mit roter mütze und messingschild, im wetterumhang, teuflisch redend wie alle welt dahier mit gesträubtem unterkiefer Th. Mann
Faustus (1948) 224,
vgl. mit vorgeschobenem unterkiefer
ebda 222. A@2@bb)
ebenso die federn sträuben '
hochrichten': si (
die krähe) wetzet sere den snabel unt roohte vaste den zagel, si stroobt ir gevidere
altdt. wälder 3, 206
Grimm; wann der habich siech ist, so straubt er die vedern Mynsinger
v. d. falken 35
lit. ver.; die eule — streubet die federn, sperret die flügel auff, gnarrt mit dem schnabel Kirchhof
wendunmuth 1, 199
Ö.; und wieder musz ich auf den vogel sehen, der dort so zürnend seine federn sträubt A. von Droste-Hülshoff
ged. (1844) 146; die dohlen ... sträuben ihr gefieder vor angst Otto Ludwig
ges. schr. 1, 193
Schmidt-Stern; die vögel sind im stande, ihre federn ... willkührlich zu sträuben I. A. Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 1, 36; wie sie (
eine amsel) die federn sträubt und so traurig auf dem stänglein sitzt Aug. Sperl
die söhne d. herrn Budiwoj (1927) 475.
vereinzelt andere formen in dieser anwendung: zeichen der kelte sind, so er (
der raubvogel) ... mit den fAederen straubet Herold-Forer
Gesners vogelb. (1557) 123; die elster, indem sich ihre federn vom kopf bis zum schweife sträubten Immermann
w. 3, 88
Boxb.; die hofdame liesz sich melden und trippelte augenblicklich durch den groszen salon herein, wobei ihre federboa sich im luftzuge sträubte Th. Mann
königl. hoheit (1928) 178; so wie dem welschen hahn, dem man was rothes zeigt, der zorn den augenblick in nas und lefzen steigt, sie roth und blau durchströmt, lang auseinander treibet, in beyden augen blitzt, sich in den flügeln sträubet, in alle federn dringt und sie gen himmel kehrt und zitternd, mit geschrey und poltern, aus ihm fährt Gellert
s. schr. (1784) 1, 56;
elliptisch: das war ein gegacker ... dasz darüber auch das benachbarte federvieh in sträubende aufregung geriet L. Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 31;
im bilde von jemandem, der sich aufregt: man grüszt sich doch, wenn man sich wieder sieht. wie du gleich über nichts die fletten sträubst! H. v. Kleist
w. 1, 249
E. Schmidt; auch diese rohrdommel (
d. i. ein diener) fängt an, die federn gegen mich zu sträuben G. Freytag
ges. w. (1886) 2, 301; der streitschriftler ist auf diesen faulen fleck versessen wie ein falzender auerhahn. abwärts die flügel gespreizt, das gefieder gestraubet, schreitet er hin und her und quietschet
F. L. Jahn
w. 2, 2, 814
Euler; pastor Winkler stand am ufer ... mit gesträubtem gefieder, das letztere heiszt, er hatte bereits seinen schriftlichen bericht an das consistorium in der feder W. Raabe
Horacker (1876) 18. A@2@cc)
seit ahd. zeit bis heute in festester und breitester anwendung von haar, besonders des menschen. A@2@c@aα)
intransitives strūben, sträuben '
zu berge stehen, emporstarren': daz har begunde im und der vahs ze berge strûben unde ragen Konrad v. Würzburg
troj. krieg 27255
Keller; ir har sol man mit struben sechen, ich wil in huben geben von gestaine
Göttweiger Trojanerkrieg 3787
Koppitz; die haar uber den gantzen leib streüben uber sich und steen auffrecht Seuter
bei Fischer
schwäb. 5, 1832; meynem fleysch haben die hahr gestrewbt fur deynem schrecken (
confige timore tuo carnes meas, ps. 118, 12
0) Luther 8, 198
W.; auch elliptisch von dem körperteil, auf dem die haare wachsen: wann ich gedench das ir hobet
so waidenlichen strobet
und so zierlich claidet stat
wa d tugent rich gat
liedersaal 3, 101
Lassberg; nû sült ir mir gelouben,
vor zorn begund si strouben,
diu vut, diu hâte reidez hâr
in dem schopfe, daz ist wâr
gesamtabenteuer 3, 24
v. d. Hagen; wohl 'von haaren starren': struuuio horripilo (Trierer gl.) ahd. gl. 4, 203, 19 St.-S. — am frühesten als part. praes. act., 'emporstehend', von wirrem, ungekämmtem haar, im ahd. als wiedergabe von 'impexus': inpexis ungislihtan, strupentan ahd. gl. 2, 422, 40 St.-S.; inpexis mitstrupantan 2, 401, 73; strubenten inpexis 2, 553, 34; mit strûbendem hâre sâhen si si gân
...
ir vahs was in zervüeret von merzischen winden
Kudrun 1218, 1
Symons; er treit den lîp swâre,
mit strûbendem hâre,
barschenkel unde barvuoz
Hartmann v. Aue
Iwein 2820;
mundartlich: e straubends har Schmeller-Frommann
bair. 2, 803
. — der intransitive gebrauch im nhd., auf den höheren stil der literatursprache beschränkt, setzt die alte form nicht fort, sondern beruht auf fortlassung des refl. pron. sich zur stilistischen erleichterung, s. u. B 5: er zitterte, das haar sträubte ihm fast G. Büchner
nachgel. schr. (1850) 216
; da sträubten ihm die haare empor und kalter schweisz brach aus seinem leibe Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 180
; der (
name) so gefürchtet ist im morgenland,
dasz er das haar gar vielen sträuben machte
Gries
Ariosts ras. Roland (1804) 2, 202;
... denn ein geist, der ging
vorüber! meine haare sträubten!
Herder 12, 321
S.; aber sie fasste mein sträubendes haar Thümmel
reise (1785) 9, 71
; drauf bespickt er mit blumen des helden sträubende haare
Göthe I 1, 259
W.; ... da sasz auf dem dreyfusz, von des lorbers
opferdufte bewölkt, die schöne
priesterin, sträubendes haars,
feurig den blick
Klopstock
oden 2, 42
Muncker —
P.; nur aus den raufen
hängt wirres heu wie sträubend haar, und drunter dampfen strohes haufen
A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 9
Sch.; und seh't männlichen auges in den graus, ...
auch ihn (
den dichter) oftmals ergriff's, risz ihn zurück
bei'm sträubenden gelock aus solchen grüften
Fouqué
held des nordens 2 (1841) 2.
A@2@c@bβ)
transitiv am frühesten bezeugt in der adj. anwendung des part. pass. perf., gesträubtes haar '
emporgerichtetes, emporstarrendes, ungekämmtes': ungistralten i. gistrubten
crinibus laceris ahd. gl. 2, 72, 4
St.-S.; zum dritten, so ein wissentlicher notzucht bei uns zu Hofheim geschehe, so eine kommt mit ausgebreiten armen und gestreubten haar ...
weist. 6, 95; ich, mit gesträubten haaren, jagt über stock und stein Goeckingk
ged. (1780) 1, 246; ein eberbild ... mit seinem grimmigen antlitz und gesträubten borstenhaar Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 4, 4; mit gesträubtem haupthaar lief er im hause umher (
aufgeregt und erzürnt) Th. Storm
ges. schr. 13 (1882) 86; vom schein des abgrunds rings umhellt, das haar gesträubt, die stirn geschwellt Fr. Kind.
ged. (1817) 1, 91;
in derselben bedeutung elliptisch vom kopf: fúr in kam ein kneht aldar nah rúweclichin siten gar gestalt: er hat das houbit gestrúbit und bestoubit mit pulvir, da er zeigte mite jamirliche klagende site Rudolf v. Ems
weltchronik 26814
Ehrismann; mit stracken ohren, gstraupten schOepffen Wickram
w. 7, 71
Bolte; nachdem er (
raufbold) nun sogleich sein langes rohr gefüllt, ward sein gestreubtes haupt in dicken dampf gehüllt J. J. Schwabe
belustig. (1741) 6, 259. die haare sträuben '
aus erregung seine haare emporrichten',
erst seit dem älternhd. bezeugt, vgl. haarsträubend (
teil 4, 2, 39): nim von einer bechschwartzen katzen die haar, die sie auf dem rucken hat, die sie also streiben, ein gut theil, vnnd bind sie auf die wunden Gäbelkover
artzneybuch 2 (1596) 257; der fuchsz vnd listig falsche schalck mit seinem schwantz vnd glatten balck ... streubt seine haar gantz vberal E. Eyering
prov. cop. (1601) 1, 545; was du noch
dazu fr gesichter und gebehrden zu schneiden, mit den zAehnen zu knirrschen, und das haar zu strAeuben gewohnt bist Ulrich Bräker
s. schr. (1789) 2, 215; er (
der hund) ... sträubte sein kurzes ... haar
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 5, 229;
anders '
die haare mit kosmetischen mitteln emporrichten': die männer rüsteten sich zum dienst für den kriegsgott, den erbarmungslosen, sie salbten und sträubten ihr haar, dasz es röthlich starrte G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 193;
anders gewandt etwas erregendes sträubt das haar eines menschen '
macht ihn erschauern': so will ich ihnen etwas vertrauen; etwas, das ihnen jedes haar auf dem kopfe zu berge sträuben soll Lessing 2, 431
L.-M.; diese traurige gestalt meiner selbst ... sträubte mir das haar Thümmel
reise (1791) 1, 25; liebeswuth, weinesgluth, rast im blick, sträubt das haar! Göthe I 2, 26
W.; kalte schrecken um ihn flieszen und entsetzen sträubt sein haar Brentano
ges. schr. (1852) 3, 99; ein gräulich gelehrter einsiedler ..., dem das unerhörte wissen das haar sträubte G. Freytag
briefe an seine gattin (1912) 162. A@2@c@gγ)
in reflexiver form, seit älternhd. zeit, in neuer zeit sehr gebräuchlich; eines menschen oder tieres haare sträuben sich '
in erregung richten sich die haare hoch': dem (
löwen) ausz heftigem grimm vnnd zorn die löck seines halses sich streubten Kirchhof
wendunmuth 1, 249
lit. ver.; als Ferrau ohngefehr erst disz gespenst anschawte, da streubte sich sein haar, dieweil jhm mächtig grawte D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 11; die stirne runzelte sich bis in die augen, die haare streubten sich, das ganze gesicht brannte vor wuth, und die lippen schwollen vor eifer Ziegler
asiat. Banise 1 (1764) 492; es streubte sich mein heldenhaar des mords und greuels wegen Blumauer
ged. (1782) 203; es pochen die herzen, es sträubt sich das haar Göthe I 11, 259
W.; mein haar sträubt sich, aber doch dank ich dir, gott, dasz du mir den entsetzlichen auch in dieser gestalt zeigtest Hebbel
w. 1, 60
Werner; mit einer adverbiellen ortsbestimmung: du wirst erbleichen! deine haare werden sich empor sträuben — dein herz wird die abscheulichkeit nicht fassen können K. Meisl
theatr. quodlibet (1820) 4, 119; mit verwilderter perrücke, die sich nach allen richtungen sträubend unter der angströhre ... hervorguckte Wilh. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 6; schauer auf schauer wallten wie fluthen durch meine seele, und mir sträubten sich die haare auf dem haupte Gleim
briefw. 2, 7
Körte; ich glaube wohl, dasz dir, günstiger leser! kenntest du auch sonst keine furcht und scheu, sich doch bei dem anblick ... vor grausen die haare auf dem kopfe gesträubt hätten E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 218
Gr.; denk ich dran, sträubt sich das haar auf dem rücken mir — zur ehre gottes wurde blut vergossen! H. Heine
w. 2, 374
E. vereinzelt anders, ohne den umstand der erregung, im sinne von '
sich krausen': dem kleinen sträubt sich das haar so trotzig um das volle gesichtchen A. W. Schlegel
s. w. 9, 90
Böcking; de haren strüfen sük Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 343. A@2@dd) sich sträuben,
vom tiere überhaupt gesagt, '
haare, federn, mähne usw. emporrichten',
meist in erregung und widerstand, auf den anwendungen a-c
beruhend: die starken, niht die kranken, sich bten (
var. strubten) als zwai wisentier ... die knge baide wunden sich durch die harten slege, stich biz si ze samen kamen Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 8273
Regel; do ein schweinsmuoter mit jungen in was. ich klopf dran und sprach: pistu do? sich straupt die sau und sprach jo, jo
fastnachtsp. 1, 333
Keller; hat sich ein sehr groszes wildes schwein sehen lassen, welches ... mit straupfen haaren auff der dicken haut, und auffgeworffenen harten borsten sich würgt, streubete, die zAene mit griszgrammen wetzete, und mit dem mund scheumete Spangenberg
jagteuffel in: theatrum diabolorum (1587) 1, 217
a; kann man diese frisur am besten mit den stacheln eines sich sträubenden stachelschweines vergleichen Ratzel
völkerkd. (1885) 2, 235; geht grimmig voller rache fort, sträubet sich wie murner der kater Rost
teufelsepist. i. d. n. Berl. monatschr. (1805) 13, 38.
häufig vom pferde '
sich auf die hinterbeine stellen, emporrichten, sich gegen die zügel wehren': swâ mergelhûben und beckelhûben beginnend gein einander strûben, swer denne mit fuogen entwîchen kan Hugo v. Trimberg
d. renner 11498
Ehrismann; weil sich nun die pferde sonderlich gegen den zäumen streuben Joh. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 20; das pferd, so wider den sporn straubet, wird zweymahl gestochen P. Winckler 2000
gutte ged. (1685) F 10
b; stolz wie die rosse sich sträuben und schäumen, werfen im sturme die mähne umher, königlich wider den zügel sich bäumen Schiller 1, 107
G.; vor der bühne das seil, hinter dem die pferde gehalten werden, die sich zum ablaufen sträuben und bäumen Göthe I 8, 338
W.; sein störrisches pferd bäumt und sträubt sich Eichendorff
s. w. (1864) 3, 351.
hierzu etwa im sinne von '
heranbrausen': das krause haar wird er dir so bestrauben, Ulyszes blitzen kanstu nimmer glauben, doch wirstu sehn, und must es den wol glauben: wenn Nestor wird mit seinem hängste strauben Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 802.
von schlange und wurm '
sich aufrichten, krümmen in widerstand': das bemühen des wurms im staube, der den adler sieht, zur sonn sich schwingen und wie der hinauf sich sehnt. er sträubt empor, und windet sich, und ängstlich spannt er alle nerven an und bleibt am staub Göthe IV 1, 46
W.; von abstractem '
sich wehren' (
u. B.)
kaum zu unterscheiden: wie streibte sich die alte schlang vnd thet dem heyland sehr gedrang; nun ist jhr kopff zertreten Georg Weissel
bei Fischer-Tümpel
d. evang. kirchenl. (1903) 3, 11; wie verächtlich der mensch auf den wurm, der sich sträubt, herabsieht Lenz
ged. 5
Weinhold; ein würmchen hatte sich unter ihre (!) (
Evas) schirmspitze eingefunden. sie stiesz danach in den boden. das würmchen sträubte sich und wollte leben v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 59.
vom federvieh '
die federn emporrichten, sich aufplustern': wenn sye (
die hennen) das eyg gelegt, so streuben sye sich, vnd schüttlen sich v. Eppendorff
Plinius (1543) 162; dass sie sich dann bald wie die calecutischen hahnen streuben, und sollen böse zu schiessen seyn Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 215; he strvet sick as een kalkunsch hahn Strodtmann
Osnabrück (1756) 79; der welsche hahn streibet sich mit den flügeln Kramer-Moerbeek
dt.-holl. wb. (1768) 330
b;
mundartlich: (
brütende hühner) struwe si Martin-Lienhart
els. 2, 624.
ebenso '
im fell struppig, rauh werden',
vgl. s. v. straub (
sp. 939): ao 1678 wurde erkennt, dasz einer ... kosten und schaden abtragen müsse, wenn er es nicht anzeige, wenn die kuh strübe,
d. h. kränkle
bei Staub-Tobler 11, 1946.
aus '
ein glied emporrichten, herausstrecken'
erwächst gelegentlich die bedeutung '
sich stemmen': dann wan ihn (
den barsch) der hecht oder ein anderer fisch fressen will, so streubet und perschet er sich gegen ihm, und hebet seine stachlichte federn, die er oben auf dem rücken hat, auf, und sticht flugs um sich (
um 1660)
fischbüchlein 63; (
der spechte) schwantzfedern sind so hart und steif wie fischbein, mit welchen sie sich an dem baume sträuben und fortschieben können
Noel Chomel öcon. u. phys. lex. (1750) 8, 1383. A@2@ee)
vom federvieh (
o. d)
aus ist die bed. '
prahlen, stolztun'
übertragen, in nd. und md. mundarten: wie er sich strubt Follmann
lothr. 509; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 624; sik strüwen as een pauluun '
stolz einher treten wie ein pfau'
brem. wb. 4, 1070; strüwen '
von menschen, die hoch hinaus wollen: mehr aufwand machen, als der rang und die verhältnisse gestatten' Schambach
Götting. 215; wat hägede sick un wat strüwede sick däi olske, dat se ... Frederking
plattdt. dorfwb. v. Hahlen (1929) 137; he strüft sik dar in't sofa '
macht sich breit' Mensing
schlesw.-holst. 5, 909;
sich spreizen: hei stroüwt sek os ene lous up er hopenstang Bauer-Collitz
Waldeck 100; he strüvet sick, als eene wandluus Richey
id. Hamburg. (1743) 297;
ebenso: brem. wb. 4, 1070; '
stolzieren': hê strüfd dr hen as n hântje Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 343.
obd. in der wendung sich auf etwas str. '
auf etwas stolz sein': die (
leute) nur auf ihre grosze macht ihr hoffnung setzten, auf ihr grosz guet und gelt sich strübten
qu. v. 1656
bei Staub-Tobler 11, 1946.
eine ähnliche übertragung liegt vielleicht schon im 15.
jh. vor; im sinne von '
ausgerüstet': in tydt der nood sall he (
ein lehnsmann) uns met een gueden klepper tho felde kamen, unde wel gestruivet mit sin rsttuig (1448)
ostfries. urk.-buch 1, 517
Friedländer. A@2@ff)
vereinzelte anwendungen in der nhd. literatursprache im sinne von '
sich emporrichten': siehst dort die ersten blühmchen erwachen ... auch meine bluhmenstOecke strAeuben sich in der freyen luft, und lachen der holden sonne entgegen Ulrich Bräker
s. schr. (1789) 2, 230; dasz die enden der seidenbändchen, womit ihr haar gebunden war, sich sträuben und gerade emporständen Stifter
s. w. 3 (1911) 100; so schlug dem, welcher gegen den frischen ostwind ging, die zipfelkappe nach hinten über, während sie bei dem andern, der den wind im rücken hatte, sich nach vorn sträubte G. Keller
ges. w. (1889) 4, 75; räume der wagenlaube, wo sich verworrene stangen sträubten, alternde strohbünde bauschten Stifter
s. w. 2 (1908) 132; wenn die leichensteine beben, an des kirchhofs eiben sich die blätter sträuben Matthisson
schr. (1825) 1, 232; dort an dem maishalm schwellend von saft, sträubt sich der aloe störrische kraft Grillparzer
s. w. 1, 130
S. in eigenwilliger verbindung der bedeutungen '
sich emporrichten'
mit '
sich wehren' (
u. B): auf einer ähnlichen, doch etwas mindern höhe, über dem kieselstrande, straubten(!) sich im magischen lichte der dämmerung die malerischen thürme des schlosses von Dover, gleichsam vor dem sturz, an dessen rande sie standen J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 440.
ähnlich vom verwundeten herzen '
sich hochbäumen'
und '
sich gegen den tod wehren': bohrt, bohrt mir zwischen die schuppen, bricht, bricht durch ihr band. herz, hoch sträubt sich's, schaudert vor'm stahl Fouqué
held d. nordens 1 (1841) 46. BB. '
sich wehren'.
am frühesten in der deutschordensliteratur und im mnd., s. Schiller-Lübben 4, 445,
bezeugt. übertragen von sträuben '
haare, federn usw. emporrichten',
was tiere im widerstand tun (
o. A.);
die neue bed. steht, im gegensatz zu A,
ausschlieszlich in der reflex. form; ganz vereinzelt steht: sie streuben, sind auffrhurer Luther
w. 49, 80
W. die neue bed. steht besonders häufig und alt mit ausdrücken der richtung (sich gegen etwas sträuben),
dagegen hat A,
sogar die B am nächsten stehende gruppe A 2 d,
nur geringe zeugnisse der richtungsausdrücke, und diese bieten keine grundlage für die neue bedeutung. im gegensatz zu A,
das besonders im älternhd. strauben
neben sträuben
hat, tritt die neue bed. nach der diphthongierung nur in der umgelauteten form auf; das entspricht der frühen bezeugung im md. und nd. die neue bed. hat in der nhd. schriftsprache neben den synonymen sich widersetzen, wehren, widerstreben
stärkste verbreitung gefunden. dagegen scheint sie in den mundarten nicht lebendig; in den wbb. wird sie am besten für das nd. bezeugt; auch schweiz. sich strüben,
s. Staub-Tobler 11, 1946. B@11)
am frühesten und in junger sprache am geläufigsten in verbindung mit gegen,
vgl. diese form auch in der alten concreten bed. A (
sp. 948). jemand sträubt sich gegen jemanden '
widersetzt sich ihm': von Persen der vurste sich hat gestrubit wider mich
Daniel 6654
Hübner; hievon ich ouch mich wende harte billich von ir und werfe ir minne gar uz mir, die mich also verschubet und sich gegen mir strubet, so daz si gutes mir nicht gan
passional 514, 21
K.; in dussem jare struveden sik de Wende jegen des hertoges manne
qu. a. d. j. 1492
bei Schiller-Lübben
mnd. 4, 445; als ob er sich gegen gar aim grossen gestrübt habe Hans Neidhart
Terenz'
eunuch 74
lit. ver.; das man sich leichter strbte widder ein landsherren, dan widder ein bettelkloster Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 10
ndr.; se streuen vnde struuen sick wedder my vnde spreken, ydt sy nn heyl by dy Andreas Knöpken
bei: Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 104; denn er hat seine hand wider gott gestreckt, und wider den allmechtigen sich gestreubet ... und ficht halsstarriglich wider in
Hiob 15, 25, syck gestruvet
Lübecker bibel (1533) A a 6
a; ich darf mich wider die nun fast nicht länger streuben, die von mir, groszer mann, dein bild vorlängst begehrt v. Besser
schr. (1732) 1, 60
K.; die Schweizer boten sich von selbst an, Frankreich zu dienen. ... nur Zürich sträubte sich gegen Frankreich
qu. a. d. j. 1892; (
die festgenossen) sträuben sich gegen einander G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 36.
ebenso mit sachlichem beziehungswort sich gegen ein unternehmen, einen zustand
usw. sträuben: wert sacke, dat jemandes sick weder düsen contract und bewilgung struen worde und des oldermans ... gebot nicht achten wolde (1354)
liv-, esth.- u. curl. urk. 2, 586
Bunge; nicht sich strewben widder unrecht Luther
w. 18, 310
W.; so du dich also wyder unser furnhemen streubest Hutten
opera 2, 247
Böcking; ich fühlte mich keiner eignen wahl mehr fähig, und doch sträubte ich mich gegen den zwang U. Hegner
ges. schr. (1828) 28; sie sträubt sich ohnmächtig gegen seine bestimmungen Schiller 2, 367
G.; er machte dagegen eine bedingung von belang, gegen die sich Gustav Adolf lange sträubte Ranke
s. w. (1867) 25, 203; vergebens sträubst du dich gegen die nothwendigkeit Göthe I 39, 384
W.; streibet sich der alte gegen die heyrath nicht Lessing 10, 207
L.-M.; solche sind es, die sich gegen eine würdigung des einzelnen zu sträuben und zu wehren pflegen Göthe I 47, 25
W.; aber seine faulen söhne sträubten sich auch gegen den unterricht
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 150; ich sträubte mich immer matter gegen die guten absichten, welche man in betreff meiner hatte W. Raabe
s. w. (1913) I 6, 65; ein halbes menschenleben lang habe ich mich gegen diese wahrheit gesträubt Hebbel
br. 5, 110
Werner. häufig in der wendung sich dagegen sträuben: dar sik de abbet tigen struvede (1504)
städtechron. 16, 406 (
Braunschweig); erhalt dein kirch im reinen wort, darwider sich der hellen pfort jtzt thut gewaltig streuben Ringwaldt
evang. (1581) P 7
b; Vologeses sowol als die Meden hierwider sich streubten A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 108; man sträubt sich dagegen, wie man nur kann; man thut als höre man nicht, als verstände man nicht Göthe
gespräche 4, 336
B.; man setzte fest, wogegen Maximilian sich so lebhaft gesträubt hatte, dasz die hauptleute der kreise durch diese selbst gewählt werden sollten Ranke
s. w. (1867) 2, 29; ohne dasz wir uns dagegen sträuben Herm. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 113;
mit anderem subject: gefühle, menschliche kräfte sträuben sich,
erst in junger zeit bezeugt: das herz sträubt sich gegen die entäuszerung und wegwerfung alles eignen verdienstes Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 309; sträubt sich sein ganzes wesen gegen den tod Schopenhauer
w. 1, 370
Grisebach; wie sehr nun auch der verstand sich gegen die dialektik zu sträuben pflegt Hegel
w. (1832) 6, 154; mein gefühl sträubt sich gegen ein so weitläufiges gewebe durchdachter abscheulichkeit Schiller 3, 574
G.; sein ... gewissen ... sträube sich ... dagegen, ... das versprochene ... zu halten Fontane
ges. w. (1905) I 6, 404; der stolz des freiherrn sträubt sich gegen eine rückkehr in den kreis, in dem er einst gelebt G. Freytag
ges. w. 5 (1887) 162; ich will meiner eitelkeit, die sich gegen meine feder strAeubt, das herzenleid anthun und dir die ganze sache erzAehlen Lavater
verm. schr. (1774) 1, 64; wenn ich vor dem bette eines sterbenden gesehen habe, wie das arme leben sich sträubet gegen seine vernichtung Zimmermann
einsamk. 3 (1785) 189.
auf einen immer weiteren bereich von abstracten bezogen, so dasz sich sträuben gegen
schlieszlich zu dem abgeschwächten sinn von '
nicht passen zu'
gelangt: alle glänzenden vorzüge und alle fehler Niebuhrs zugleich sträubten sich wider jede gemeinschaft mit den staatsmännern des Oberrheins Treitschke
hist. aufs. (1886) 1, 250; die unbewuszte idee des absoluten sträubt sich gegen die unterordnung des denkens unter die materie Schleiermacher
s. w. (1834) III 4, 331; so sehr sich unsre sprache gegen diese zarte weiche gelenkvolle dichtungsart zu sträuben scheint Schubart
leben (1791) 2, 112; manche participia ... sich wider den comparativ sträuben Adelung
lehrgebäude (1782) 2, 27; wenn etwas schlecht gelingt und sich gegen den geist sträubt Bettine
Günderode (1840) 2, 197; dasz sich alles dagegen sträubt, wenn man zwei ähnliche sagen ... auf eine ursage zurückführen will Gervinus
deutsche dichtung (1853) 1, 130. B@22) sich sträuben
in absoluter form ohne ausdruck einer weiteren beziehung, im sinn von '
sich wehren': so dich dein hertz zu zorn, hasz ... reitzt ..., so folge jhm nicht, thue es nicht, streube dich, wehre dich Mathesius
Syrach (1586) 1, 115
a; ich will mich nicht strAeuben oder widersetzen G. L. Hartmann
fluchspiegel (1672) 79; weils (
das weib) aber war gar feist und schwer thAete der ochsz sich streuben sehr und wolts nicht auf ihm sitzen lahn Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 65
ndr.; diese ... kund machte, dasz sich Vitellia streubete und den Valerius Asiaticus liebte Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 923; sträube dich also nun nicht viel und gehorche mir Gottsched
schaubühne (1740) 3, 454; du kennst ihn ja. er sträubt sich gern, läszt gern sich bitten; ist wohl gar ein wenig neidisch Lessing 3, 46
L.-M.; wie sie sich sträubt und bäumt und wendet und nicht über die linie hinüber will, die die alte frau von der jungen scheidet Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 209,
an die vorstellung von A 2 d
angelehnt; es sträubt sich — der krieg hat kein erbarmen — das mägdlein in unsern sennigten armen Schiller 12, 24
G.; rückt näher auch der spinnerin, der schmucken, der knab, und sie darf sich darum nicht strauben Rückert
ges. poet. w. 1 (1882) 304; so wird, wie sich auch immer die menschen streiben mögen, das wahre ... immer sieghaft hervortreten Sternberg
ausg. w. (1902) 103; sträubt sich der mund, so küss ich die wange dir! J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 76; aber doch sträubt sich mein weibliches gefühl beim raschen vorsatz noch Stolberg
ges. w. (1827) 67; umsonst sträubt sich des menschen wille A. v. Arnim
s. w. (1853) 5, 195; zwar sträubte sich in mir etwas und wollte sich bäumen Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 2, 109; und magst du's nicht hören, dich sträuben, dich wehren Beer-Kottow
d. erste liebelei (1935) 11;
in moderner sprache in verbindung mit dem mit zu
verbundenen inf.: darum habe ich mich so gesträubt, etwas zu sagen G. Keller
br. u. tageb. 2, 141
Erm.; indem er ... sich gesträubt habe, dem kollegen ... das ordinariat der unterprima wieder einzuräumen Th. Mann
königl. hoheit (1928) 437; darum ... sträubt sich mein gefühl auch, eine beichte des inneren menschen auszuarbeiten Mühsam
namen u. menschen (1949) 232. B@33)
in junger literatursprache gelegentlich andere formen der verbindung mit einem beziehungswort. sich jemandem sträuben '
ihm widerstreben': ob du gleich dich mir gesträubet, mir dich sträubest immer noch, wie ich damals dich geliebet, dich noch lieb ich immer doch Rückert
ges. ged. (1837) 1, 11; fern sei von mir, der götter groszem ratschlusz mich zu sträuben Heinr. v. Kleist
w. 1, 270
Schmidt; unweise sträubt der mensch dem schicksal sich Collin
Regulus (1802) 97; es drückt das herz, wenn eine fremde macht ihm gottheit giebt, es sträubt sich dieser würde Bettine
Günderode (1840) 1, 409; sich vor jemandem, etwas sträuben: man sträubt sich vor der ehre, frau baroninn zu heiszen Pfeffel
pros. vers. (1810) 6, 96; ihr holdes bild hiesz uns die tugend lieben, ein zarter sinn hat vor dem laster sich gesträubt Schiller 6, 266
G.; alle völker haben in der schlange etwas unheimliches gesehen, jedes gefühl sträubt sich vor ihr Fr. Th. Vischer
ästhetik (1846) 2, 133;
die verbindung mit unter
zeigt mischung mit der bed. '
sich bäumen, emporrichten',
vgl. u. A 2 d: er musz sich in empfindungen hineinzuzwingen wissen, unter deren widernatürlichkeit sich seine seele sträubt Schiller 2, 9
G.; wie sehr mein geist unter dem verdrüszlichen meiner lage sich sträubt
ders., br. 1, 62
Jonas; indesz, zur menschlichkeit geschaffen, sein herz sich unterm panzer sträubt Gotter
ged. (1787) 1, 98. B@44)
der substantivierte infinitiv steht ohne das refl. pron.; erst in junger sprache: sie hätte gern sich längre zeit gewehrt; doch ort und zeit verbot ein langes sträuben Wieland
s. w. (1794) 10, 187; knirsche nur mit den zähnen — speye feuer und mord aus den augen ... dieses sträuben wird ... mir die wollust in erzwungnen umarmungen würzen Schiller 2, 112
G.; das ganze wesen eines so bedrohten lebenden verwandelt sich sofort in das verzweifelteste sträuben und wehren gegen den tod Schopenhauer
w. 2, 412
Grisebach; mit einem schrecklichen sträuben seiner natur, in der jede fiber mit einem andern schauer kämpfte, hört er mir zu Jean Paul
w. 1, 351
Hempel. feste wendungen sind da hilft kein sträuben, ohne sträuben, nach langem, einigem sträuben: der eindruck siegt: da hilft kein sträuben Lichtwer
fabeln (1748) 100; dasz alles sträuben nichts helfen (
wird) und wir doch in die konstitutionellen formen eingehen müssen Varnhagen v. Ense
tageb. 6 (1862) 240; nein, Elsi wurde nicht verführt, sie verliesz ohne sträuben den rechten weg Börne
ges. schr. (1829) 1, 203; niemand ergiebt sich ohne sträuben in den untergang seines vaterlandes Ruge
briefw. (1886) 2, 143; er stockte, nur nach langem sträuben kam er zu einem geständnis Heine
s. w. 7, 279
E.; nach einigem sträuben gab er nach (1834) Pückler
briefw. (1873) 3, 262; sie fühlte sich trotz ihres sträubens gezwungen, alles, was die frauen blosz angedeutet hatten, auszumalen Ludwig
ges. schr. 2, 96
Schmidt-Stern; damit hob er den kleinen, alles zappelns und sträubens ungeachtet, in die höhe E. T. A. Hoffmann
s. w. 5, 25
Gr. B@55)
das part. praes. act. ist seit dem 18.
jh. besonders geläufig: (
das geheimnis) gleich ganz der bereitwilligen kindheit einzuflössen, als die zeit der sich sträubenden vernunft damit zu erwarten Nicolai
literaturbr. (1759) 3, 60; alles wimmern der sich sträubenden todesangst J. J. Engel
schr. (1801) 2, 289; die Lotte ist mir zu haus wie eine sich sträubende widerspenstige provinz Jacob
an Wilhelm Grimm in:
briefw. (1881) 421; mit einer sich sträubenden frau in den armen H. Meyer
bild. künste (1824) 1, 1; da faszte mich Pallas Athänä bei den goldnen locken; ich wandte mich strAeubend Stolberg
ged. (1821) 1, 157.
zur syntaktischen erleichterung wird das refl. pron. fortgelassen; diese der gehobenen literatursprache angehörende form ist nach der mitte des 19.
jh. nahezu erloschen; in der modernen umgangssprache ist sträubend
durch widerstrebend
ersetzt worden; attributiv: schon glaubt ich, das sträubende mädchen mit starken armen zu umfassen Gessner
schr. (1777) 1, 83; und der ein sich sträubend weib vom sträubenden vater freit J. G. Droysen
Äschylus (
21842) 291; drum haben die bräute unrecht, die uns mit so überzüchtiglichen, sträubenden und weigerlichen wesen begegnen Bode
Montaigne (1793) 1, 165; der brigante risz den vergeblich sträubenden knaben aus dem arm seiner mutter Gaudy
s. w. (1844) 13, 123; dasz sich die sträubenden begriffe unter einen hut bringen lassen müssen Jacob Grimm
kl. schr. 4, 264; aber ich muszte schon vielen beweggründen gehorchen, welche die freunde dem sträubenden vorhielten, besonders dem, dasz ich der königlichen huld nicht zu widerstreben scheinen durfte E.
M. Arndt
lebensb. i. br. (1898) 369
M.-G.; noch: nach kurzem geraufe schleppten sie den sträubenden unter schlägen und stöszen mit O.
M. Graf
unruhe (1948) 436.
adverbiell: zwinge mindstens in kein band, liebes glück! sie (
die hand einer frau) straubend ein! Goeckingk
lieder zweier liebenden (1777) 23; bediente führen sie sträubend
ab Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 2, 313; mithin ergibst du wirklich völlig dich in das verhängnis — beugst den nacken dem joch, das dieser Römer bringt, ohn auch ein glied nur sträubend zu bewegen? H. v. Kleist
w. 2, 336
Schmidt; auch hab ich wider muth und lust ... oft sträubend mit hinaus gemuszt zum harten lebensstreit Arndt
w. 4, 143
R.-M. B@66)
in einzelnen zeugnissen lehnt sich die bed. '
sich wehren'
secundär mehr oder weniger deutlich an die vorstellung '
sich emporrichten, bäumen' (
o. A)
an, vgl. auch A 2 f: das wir hie unvolkomen sind, das sich das fleisch streubet, burset und aufflehnet wider den geist J. Gigas
postilla (1595) 2, 61
b; die hoffart in der armuth schnarchet, blAeset und strAeubet sich Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 80;
zur verbindung mit unter
s. auch o. sp. 953 : die ihr (
parzen) den nervenfaden unsers lebens durch weiche finger sorgsam treibt, bis unterm klang der scheere sich vergebens die zarte spinnewebe sträubt Schiller 1, 234
G.; das stolze element (
das meer) sträubt sich unter dem kampfe der winde Gerstenberg
schleswig. litbr. 170
lit.-denkm.; s. auch o. A 1;
ähnlich: das dürre gestrüpp (
des erdbodens) sträubte sich ihm (
dem flüchtling) in den fingern A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 20. das sträuben des nackens,
s. auch o. A 2 a: so manches kaum bezwungnes volk, dessen nacken sich gegen ein ungewohntes joch sträubet
slg. v. schausp. (1764) 6,
Xerxes 3; gleichniss vom gebundenen stier, der sich sträubt gegen die hirten, die ihn fortziehen Göthe I 41, 1, 295
W.; vgl. dazu A 2 d;
in diesem doppelsinn auch die redensart: die feder sträubt sich beim schreiben solcher dinge;
die concrete bed. A
scheint auch in der wendung sich mit händen und füszen sträuben
vorzaliegen: auch Baronius, obwohl er sich mit händen und füszen sträubte, ward einmal nach der capelle Paolina geführt Ranke
s. w. (1867) 38, 210; ein ... herr, der sich ... mit händen und füszen sträubt Fontane
ges. w. (1905) I 4, 66;
in eigenwilligem spiel zwischen den bedeutungen A
und B: im garten des pfarrers von Taubenhain gehts irre bei nacht in der laube. da flistert und stöhnts so ängstiglich; da rasselt, da flattert und sträubet es sich, wie gegen den falken die taube Bürger
s. w. 60
Bohtz.