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sträuben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sträuben vb.

Bd. 19, Sp. 943
sträuben, vb. form und verbreitung. ahd. strūbēn, strūben; mhd. strūben, *striuben; as. mnd. strūven; vielleicht auch in einer ostfries. urk. a. d. j. 1449, s. sp. 950. abgeleitet vom adj. *strūb, nd. strūf 'emporstarrend, rauh' (s.straub, sp. 937, also strūbēn ursprünglich 'starren, rauh sein' und strūben 'nach oben richten, rauh machen'. zu sträuben und straub stellen sich, innerhalb der zugehörigkeit zur idg. wurzel *ster, am nächsten strobeln 'empor stehen, emporrichten' (mhd. strŏben), 1strupfen emporstehen, struppig, gestrüpp, s. Torp bei Fick idg. wb. 43, 504. im ahd. standen ein -jan- und -ēn-verb nebeneinander: (mfrk.) struuuio 1. sg. praes. ahd. gl. 4, 203, 19 St.-S. (11./12. jh.); strupit 3. sg. praes. (u. A 1), gestrubten dat. pl. part. pass. praet. (u. A 2 c ß) und strubet inhorruit ahd. gl. 2, 57, 34 St.-S.; strubeta inhorruit 65, 17. im altsächs. ist das -jan -vb. bezeugt: struuide inhorruit, erexit ahd. gl. 2, 718, 40 St.-S. (Wadstein as. sprachdenkm. 113, 36). im mhd. ist *strūbjan von strūbēn nicht zu unterscheiden, der stammvocal ist immer als u bezeugt. diphthongiertes strouben ist seit dem 13. jh. bezeugt. im nhd. herrscht das aus dem -jan-vb. umgelautete sträuben, so bei Luther, s. Franke schriftspr. Luthers 2, 67. im älternhd. neben sträuben auch strauben; strauben noch heute im bair. (s.A 2 c α), sowie bei Rückert und Jahn; strauben beruht wohl immer auf der obd. umlauthinderung vor labial. das schweiz. zeigt noch spuren einer unterscheidung von strūben 'straub werden': strǖben 'straub machen', s. Staub-Tobler 11, 1942; im Harz stehen die umgelautete und nicht umgelautete form nebeneinander: schtrûbn, schtraibn 'sich sträuben' Liesenberg Stieger ma. 208. — in den mundarten ist das wort heute nur in der bed. A stärker bezeugt, am besten im nd., auch alem.; im bair.-österr. nur in geringen spuren. bedeutung und gebrauch. das intransitive *strūbēn 'starren, rauh sein' und das transitive *strūbjan 'nach oben richten, rauh machen' sind früh miteinander vermischt und verschmolzen worden. das in wortform und bedeutung als eines erscheinende vb. wird in ahd. und mhd. zeit intransitiv und transitiv sowie reflexiv gebraucht; vgl. besonders das nebeneinander im anwendungsbereich des emporstehenden haupthaares, u. A 2 c; hierin setzt sich das alte nebeneinander der beiden verben noch fort. in nhd. zeit lebt nur noch die transitive und reflexive form. AA. 'emporstarren' und 'sich emporrichten' sind die ältesten bedeutungen des verbums. A@11) in den ältesten zeugnissen 'rauh sein', 'starren', 'rauh machen': asperat strupit ahd. gl. 2, 403, 41 St.-S. im ahd. ständig als wiedergabe des lat. inhorrescere 'rauh emporstehen, starren, emporrichten', vgl. schon o.; das ahd. gleicht dem lat. vb. in der bed., dem inchoativen sinn und dem nebeneinander von transitiver und intransitiver anwendung; das part. perf. im sinne von 'rauh, uneben': ube du ouh plûomôn uuellêst. sô daz felt kestrûbet sî fone chaltemo unde al rûtôntemo norduuinde. sô negang (numquam cum inhorriut campus stridens sęuis aquilonibus) Notker 1, 44 Piper; zum gleichen text als glossierung von 'inhorruit': struubit (hs. d. 10. jh.) ahd. gl. 2, 70, 37 St.-S.; 'sich kräuseln, starren', vom bewegten meer: ter mere mûoz ouh stille sîn mit slehtero ebeni! uuîlon ouh strûben sih fone uuinde. unde fone uuellon 'ius est mari nunc blandiri strato ęquore, nunc inhorrescere procellis ac fluctibus' Notker 1, 60 Piper; ähnlich auch noch: aber bei Iszstein einem schlos, welches zerstOert steht Oed vnd blosz, wolt sich erst auch ein strudel (im Rhein) strAeuben vnd thAet gros wAellen da auftreiben Fischart glückh. schiff 16 ndr. als wiedergabe von inhorrescere 'emporrichten' s. u. 2 a; im sinne von 'sich erheben, emporrichten': subrigere struben Diefenbach gl. 561b. A@22) 'emporstehen, emporrichten', von den menschlichen und tierischen extremitäten, ist der breite anwendungsbereich seit ahd. zeit und ist bis heute lebendig. A@2@aa) bei tieren vom kamm, schwanz, fell, der mähne usw., 'emporrichten', meist in erregung: struuide (aper ... substitit, infremuitque ferox et) inhorruit (armos) erexit (der eber streckte den bug empor) ahd. gl. 2, 718, 40 St.-S.; der dâ vor in lewen wîs vor zorne strûbte sînen kamp, der wart nû senfte als ein lamp Stricker Karl 4963 Bartsch; jetzt bringe nur die weiber auseinander, die noch immer die schlangenkämme wieder sträuben können, wenn sie zu früh sich in die augen sehn Hebbel w. 4, 110 Werner; diesz macht, dasz er sich brüstet, und den kamm der jugend gegen eure würde sträubt Shakespeare 6 (1800) 11 (Heinrich IV. 1, 1); 'emporstehen, sich hochrichten', von der haube des huhns: sô diu (henne) an der sunne gât und siht neben sich ir schat, diu henne von ir hûben siht den schate strûben, vor zorne schütt sie ir gevider, sô briustert sich der schat hinwider Seifried Helbling 106 Seemüller; hôhe spienen sî ir weibelruoten: ir islîcher hiuwer eine riutel treit. kleine hûben truogens (die dörper) ê: nû strûbet in der nac Neidhart 102 Wiessner; im sinne von 'den nacken hochrecken, nicht beugen, um sich zu wehren', erst in junger zeit: ich sträube meinen borst'gen nacken, zu dienen ungewöhnt Göthe I 2, 89 W.; unter auslassung des refl. pron.: die kalte hand des todes fährt an den sträubenden nacken I. M. Miller ged. (1783) 392; nicht die reue, die wuth bog ihm den sträubenden nacken Klopstock Messias (1775) 2, 118; den schwanz hochrecken: das er (pfau) sein vedern macht an sein stat und den swanz aufstroben Vintler pluemen der tuogent 4582 Zingerle; (die katzen) blasen ihnen (den hunden) dünste ins gesicht, sträuben ihr haar und ihren schwanz, machen sich lang und dick Dieterici streit zw. thier u. mensch (1858) 57; 'sich aufrichten', vom penis: greif in doch an, er ward sich strauben, ich fast mein degen bei seiner hauben fastnachtsp. 338 Keller; unter auslassung des refl. pronomens, vgl. B 5: die zürnende stute verfolgt sie mit gesenktem hals und aufwärts streubendem schweife Voss u. Goekingk musenalmanach für 1785, 14; 'borsten, fell, bart emporrichten': da schreien alle sew wider in, streubten die borsten auf dem rücken Luther 6, 531b W.; die scheelsüchtige rachbegier, die bey einer alten greszlichen nonne alle nerven anspannt, alle borsten sträubt Zimmermann üb. d. einsamk. (1784) 2, 250; (stachelschweine) sträuben ihre stacheln Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 780; indessen fallen beym sträuben stacheln aus ebda 7, 779; erregt er sich aber, so sträubt sich sein fell Brehm tierl. 1, 491 P.-L.; sträubete das katzenbärtle, bläckete die scharffen zähne W. Spangenberg eselkönig 404; wie diese (alte haustyrannin) ihren schnurrbart sträubte Th. Storm ges. schr. 7 (1877) 163; der grau gesprenkelte backen- und kinnbart schien sich borstig zu sträuben Laube ges. schr. (1875) 10, 117; er versuchte, seine augen blitzen zu lassen, sein schnurrbart sträubte sich noch höher H. Mann d. untertan (1949) 109. von der mähne, erst seit junger zeit bezeugt: tritt voller muth herein, sträubt, schüttelt seine mähne König ged. (1745) 3; das vorderste (streitrosz) ist so scheu und wild, dasz es die fliegenden mähnen hoch in die höhe sträubt (1777) Heinse in: briefe zw. Gleim, Heinse u. Joh. v. Müller 1, 339 Körte; zwei schwarze drachen, die ... ihre mähnen trotzig sträuben Bettine Günderode (1840) 1, 91; ein afterbild vom sterne, das nachts ... den fuhrmann neckt, dem rosz die mähne sträubt Gotter ged. (1787) 1, 376; aufhorchen die rosse, und es sträubt sich ihre mähne Schiller 15, 79 G.; die nüstern schnauben, die mähnen sträuben sich in die höh! Gaudy s. w. (1844) 4, 12; vereinzelt die brust emporrecken: in dem ... (eine schlange) die glitzriche brust zur sonne sträubt maler Müller w. (1811) 1, 154; ungewöhnlich: auch so ein kerl, ... mit roter mütze und messingschild, im wetterumhang, teuflisch redend wie alle welt dahier mit gesträubtem unterkiefer Th. Mann Faustus (1948) 224, vgl. mit vorgeschobenem unterkiefer ebda 222. A@2@bb) ebenso die federn sträuben 'hochrichten': si (die krähe) wetzet sere den snabel unt roohte vaste den zagel, si stroobt ir gevidere altdt. wälder 3, 206 Grimm; wann der habich siech ist, so straubt er die vedern Mynsinger v. d. falken 35 lit. ver.; die eule — streubet die federn, sperret die flügel auff, gnarrt mit dem schnabel Kirchhof wendunmuth 1, 199 Ö.; und wieder musz ich auf den vogel sehen, der dort so zürnend seine federn sträubt A. von Droste-Hülshoff ged. (1844) 146; die dohlen ... sträuben ihr gefieder vor angst Otto Ludwig ges. schr. 1, 193 Schmidt-Stern; die vögel sind im stande, ihre federn ... willkührlich zu sträuben I. A. Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 1, 36; wie sie (eine amsel) die federn sträubt und so traurig auf dem stänglein sitzt Aug. Sperl die söhne d. herrn Budiwoj (1927) 475. vereinzelt andere formen in dieser anwendung: zeichen der kelte sind, so er (der raubvogel) ... mit den fAederen straubet Herold-Forer Gesners vogelb. (1557) 123; die elster, indem sich ihre federn vom kopf bis zum schweife sträubten Immermann w. 3, 88 Boxb.; die hofdame liesz sich melden und trippelte augenblicklich durch den groszen salon herein, wobei ihre federboa sich im luftzuge sträubte Th. Mann königl. hoheit (1928) 178; so wie dem welschen hahn, dem man was rothes zeigt, der zorn den augenblick in nas und lefzen steigt, sie roth und blau durchströmt, lang auseinander treibet, in beyden augen blitzt, sich in den flügeln sträubet, in alle federn dringt und sie gen himmel kehrt und zitternd, mit geschrey und poltern, aus ihm fährt Gellert s. schr. (1784) 1, 56; elliptisch: das war ein gegacker ... dasz darüber auch das benachbarte federvieh in sträubende aufregung geriet L. Anzengruber ges. w. (1890) 3, 31; im bilde von jemandem, der sich aufregt: man grüszt sich doch, wenn man sich wieder sieht. wie du gleich über nichts die fletten sträubst! H. v. Kleist w. 1, 249 E. Schmidt; auch diese rohrdommel (d. i. ein diener) fängt an, die federn gegen mich zu sträuben G. Freytag ges. w. (1886) 2, 301; der streitschriftler ist auf diesen faulen fleck versessen wie ein falzender auerhahn. abwärts die flügel gespreizt, das gefieder gestraubet, schreitet er hin und her und quietschet F. L. Jahn w. 2, 2, 814 Euler; pastor Winkler stand am ufer ... mit gesträubtem gefieder, das letztere heiszt, er hatte bereits seinen schriftlichen bericht an das consistorium in der feder W. Raabe Horacker (1876) 18. A@2@cc) seit ahd. zeit bis heute in festester und breitester anwendung von haar, besonders des menschen. A@2@c@aα) intransitives strūben, sträuben 'zu berge stehen, emporstarren': daz har begunde im und der vahs ze berge strûben unde ragen Konrad v. Würzburg troj. krieg 27255 Keller; ir har sol man mit struben sechen, ich wil in huben geben von gestaine Göttweiger Trojanerkrieg 3787 Koppitz; die haar uber den gantzen leib streüben uber sich und steen auffrecht Seuter bei Fischer schwäb. 5, 1832; meynem fleysch haben die hahr gestrewbt fur deynem schrecken (confige timore tuo carnes meas, ps. 118, 120) Luther 8, 198 W.; auch elliptisch von dem körperteil, auf dem die haare wachsen: wann ich gedench das ir hobet so waidenlichen strobet und so zierlich claidet stat wa d tugent rich gat liedersaal 3, 101 Lassberg; nû sült ir mir gelouben, vor zorn begund si strouben, diu vut, diu hâte reidez hâr in dem schopfe, daz ist wâr gesamtabenteuer 3, 24 v. d. Hagen; wohl 'von haaren starren': struuuio horripilo (Trierer gl.) ahd. gl. 4, 203, 19 St.-S. am frühesten als part. praes. act., 'emporstehend', von wirrem, ungekämmtem haar, im ahd. als wiedergabe von 'impexus': inpexis ungislihtan, strupentan ahd. gl. 2, 422, 40 St.-S.; inpexis mitstrupantan 2, 401, 73; strubenten inpexis 2, 553, 34; mit strûbendem hâre sâhen si si gân ... ir vahs was in zervüeret von merzischen winden Kudrun 1218, 1 Symons; er treit den lîp swâre, mit strûbendem hâre, barschenkel unde barvuoz Hartmann v. Aue Iwein 2820; mundartlich: e straubends har Schmeller-Frommann bair. 2, 803. der intransitive gebrauch im nhd., auf den höheren stil der literatursprache beschränkt, setzt die alte form nicht fort, sondern beruht auf fortlassung des refl. pron. sich zur stilistischen erleichterung, s. u. B 5: er zitterte, das haar sträubte ihm fast G. Büchner nachgel. schr. (1850) 216; da sträubten ihm die haare empor und kalter schweisz brach aus seinem leibe Grimm deutsche sagen (1891) 1, 180; der (name) so gefürchtet ist im morgenland, dasz er das haar gar vielen sträuben machte Gries Ariosts ras. Roland (1804) 2, 202; ... denn ein geist, der ging vorüber! meine haare sträubten! Herder 12, 321 S.; aber sie fasste mein sträubendes haar Thümmel reise (1785) 9, 71; drauf bespickt er mit blumen des helden sträubende haare Göthe I 1, 259 W.; ... da sasz auf dem dreyfusz, von des lorbers opferdufte bewölkt, die schöne priesterin, sträubendes haars, feurig den blick Klopstock oden 2, 42 MunckerP.; nur aus den raufen hängt wirres heu wie sträubend haar, und drunter dampfen strohes haufen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 9 Sch.; und seh't männlichen auges in den graus, ... auch ihn (den dichter) oftmals ergriff's, risz ihn zurück bei'm sträubenden gelock aus solchen grüften Fouqué held des nordens 2 (1841) 2. A@2@c@bβ) transitiv am frühesten bezeugt in der adj. anwendung des part. pass. perf., gesträubtes haar 'emporgerichtetes, emporstarrendes, ungekämmtes': ungistralten i. gistrubten crinibus laceris ahd. gl. 2, 72, 4 St.-S.; zum dritten, so ein wissentlicher notzucht bei uns zu Hofheim geschehe, so eine kommt mit ausgebreiten armen und gestreubten haar ... weist. 6, 95; ich, mit gesträubten haaren, jagt über stock und stein Goeckingk ged. (1780) 1, 246; ein eberbild ... mit seinem grimmigen antlitz und gesträubten borstenhaar Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 4; mit gesträubtem haupthaar lief er im hause umher (aufgeregt und erzürnt) Th. Storm ges. schr. 13 (1882) 86; vom schein des abgrunds rings umhellt, das haar gesträubt, die stirn geschwellt Fr. Kind. ged. (1817) 1, 91; in derselben bedeutung elliptisch vom kopf: fúr in kam ein kneht aldar nah rúweclichin siten gar gestalt: er hat das houbit gestrúbit und bestoubit mit pulvir, da er zeigte mite jamirliche klagende site Rudolf v. Ems weltchronik 26814 Ehrismann; mit stracken ohren, gstraupten schOepffen Wickram w. 7, 71 Bolte; nachdem er (raufbold) nun sogleich sein langes rohr gefüllt, ward sein gestreubtes haupt in dicken dampf gehüllt J. J. Schwabe belustig. (1741) 6, 259. die haare sträuben 'aus erregung seine haare emporrichten', erst seit dem älternhd. bezeugt, vgl. haarsträubend (teil 4, 2, 39): nim von einer bechschwartzen katzen die haar, die sie auf dem rucken hat, die sie also streiben, ein gut theil, vnnd bind sie auf die wunden Gäbelkover artzneybuch 2 (1596) 257; der fuchsz vnd listig falsche schalck mit seinem schwantz vnd glatten balck ... streubt seine haar gantz vberal E. Eyering prov. cop. (1601) 1, 545; was du noch dazu fr gesichter und gebehrden zu schneiden, mit den zAehnen zu knirrschen, und das haar zu strAeuben gewohnt bist Ulrich Bräker s. schr. (1789) 2, 215; er (der hund) ... sträubte sein kurzes ... haar M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 229; anders 'die haare mit kosmetischen mitteln emporrichten': die männer rüsteten sich zum dienst für den kriegsgott, den erbarmungslosen, sie salbten und sträubten ihr haar, dasz es röthlich starrte G. Freytag ges. w. 8 (1887) 193; anders gewandt etwas erregendes sträubt das haar eines menschen 'macht ihn erschauern': so will ich ihnen etwas vertrauen; etwas, das ihnen jedes haar auf dem kopfe zu berge sträuben soll Lessing 2, 431 L.-M.; diese traurige gestalt meiner selbst ... sträubte mir das haar Thümmel reise (1791) 1, 25; liebeswuth, weinesgluth, rast im blick, sträubt das haar! Göthe I 2, 26 W.; kalte schrecken um ihn flieszen und entsetzen sträubt sein haar Brentano ges. schr. (1852) 3, 99; ein gräulich gelehrter einsiedler ..., dem das unerhörte wissen das haar sträubte G. Freytag briefe an seine gattin (1912) 162. A@2@c@gγ) in reflexiver form, seit älternhd. zeit, in neuer zeit sehr gebräuchlich; eines menschen oder tieres haare sträuben sich 'in erregung richten sich die haare hoch': dem (löwen) ausz heftigem grimm vnnd zorn die löck seines halses sich streubten Kirchhof wendunmuth 1, 249 lit. ver.; als Ferrau ohngefehr erst disz gespenst anschawte, da streubte sich sein haar, dieweil jhm mächtig grawte D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 11; die stirne runzelte sich bis in die augen, die haare streubten sich, das ganze gesicht brannte vor wuth, und die lippen schwollen vor eifer Ziegler asiat. Banise 1 (1764) 492; es streubte sich mein heldenhaar des mords und greuels wegen Blumauer ged. (1782) 203; es pochen die herzen, es sträubt sich das haar Göthe I 11, 259 W.; mein haar sträubt sich, aber doch dank ich dir, gott, dasz du mir den entsetzlichen auch in dieser gestalt zeigtest Hebbel w. 1, 60 Werner; mit einer adverbiellen ortsbestimmung: du wirst erbleichen! deine haare werden sich empor sträuben — dein herz wird die abscheulichkeit nicht fassen können K. Meisl theatr. quodlibet (1820) 4, 119; mit verwilderter perrücke, die sich nach allen richtungen sträubend unter der angströhre ... hervorguckte Wilh. v. Polenz Grabenhäger (1898) 6; schauer auf schauer wallten wie fluthen durch meine seele, und mir sträubten sich die haare auf dem haupte Gleim briefw. 2, 7 Körte; ich glaube wohl, dasz dir, günstiger leser! kenntest du auch sonst keine furcht und scheu, sich doch bei dem anblick ... vor grausen die haare auf dem kopfe gesträubt hätten E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 218 Gr.; denk ich dran, sträubt sich das haar auf dem rücken mir — zur ehre gottes wurde blut vergossen! H. Heine w. 2, 374 E. vereinzelt anders, ohne den umstand der erregung, im sinne von 'sich krausen': dem kleinen sträubt sich das haar so trotzig um das volle gesichtchen A. W. Schlegel s. w. 9, 90 Böcking; de haren strüfen sük Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 343. A@2@dd) sich sträuben, vom tiere überhaupt gesagt, 'haare, federn, mähne usw. emporrichten', meist in erregung und widerstand, auf den anwendungen a-c beruhend: die starken, niht die kranken, sich bten (var. strubten) als zwai wisentier ... die knge baide wunden sich durch die harten slege, stich biz si ze samen kamen Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 8273 Regel; do ein schweinsmuoter mit jungen in was. ich klopf dran und sprach: pistu do? sich straupt die sau und sprach jo, jo fastnachtsp. 1, 333 Keller; hat sich ein sehr groszes wildes schwein sehen lassen, welches ... mit straupfen haaren auff der dicken haut, und auffgeworffenen harten borsten sich würgt, streubete, die zAene mit griszgrammen wetzete, und mit dem mund scheumete Spangenberg jagteuffel in: theatrum diabolorum (1587) 1, 217a; kann man diese frisur am besten mit den stacheln eines sich sträubenden stachelschweines vergleichen Ratzel völkerkd. (1885) 2, 235; geht grimmig voller rache fort, sträubet sich wie murner der kater Rost teufelsepist. i. d. n. Berl. monatschr. (1805) 13, 38. häufig vom pferde 'sich auf die hinterbeine stellen, emporrichten, sich gegen die zügel wehren': swâ mergelhûben und beckelhûben beginnend gein einander strûben, swer denne mit fuogen entwîchen kan Hugo v. Trimberg d. renner 11498 Ehrismann; weil sich nun die pferde sonderlich gegen den zäumen streuben Joh. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 20; das pferd, so wider den sporn straubet, wird zweymahl gestochen P. Winckler 2000 gutte ged. (1685) F 10b; stolz wie die rosse sich sträuben und schäumen, werfen im sturme die mähne umher, königlich wider den zügel sich bäumen Schiller 1, 107 G.; vor der bühne das seil, hinter dem die pferde gehalten werden, die sich zum ablaufen sträuben und bäumen Göthe I 8, 338 W.; sein störrisches pferd bäumt und sträubt sich Eichendorff s. w. (1864) 3, 351. hierzu etwa im sinne von 'heranbrausen': das krause haar wird er dir so bestrauben, Ulyszes blitzen kanstu nimmer glauben, doch wirstu sehn, und must es den wol glauben: wenn Nestor wird mit seinem hängste strauben Morhof unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 802. von schlange und wurm 'sich aufrichten, krümmen in widerstand': das bemühen des wurms im staube, der den adler sieht, zur sonn sich schwingen und wie der hinauf sich sehnt. er sträubt empor, und windet sich, und ängstlich spannt er alle nerven an und bleibt am staub Göthe IV 1, 46 W.; von abstractem 'sich wehren' (u. B.) kaum zu unterscheiden: wie streibte sich die alte schlang vnd thet dem heyland sehr gedrang; nun ist jhr kopff zertreten Georg Weissel bei Fischer-Tümpel d. evang. kirchenl. (1903) 3, 11; wie verächtlich der mensch auf den wurm, der sich sträubt, herabsieht Lenz ged. 5 Weinhold; ein würmchen hatte sich unter ihre (!) (Evas) schirmspitze eingefunden. sie stiesz danach in den boden. das würmchen sträubte sich und wollte leben v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 59. vom federvieh 'die federn emporrichten, sich aufplustern': wenn sye (die hennen) das eyg gelegt, so streuben sye sich, vnd schüttlen sich v. Eppendorff Plinius (1543) 162; dass sie sich dann bald wie die calecutischen hahnen streuben, und sollen böse zu schiessen seyn Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 215; he strvet sick as een kalkunsch hahn Strodtmann Osnabrück (1756) 79; der welsche hahn streibet sich mit den flügeln Kramer-Moerbeek dt.-holl. wb. (1768) 330b; mundartlich: (brütende hühner) struwe si Martin-Lienhart els. 2, 624. ebenso 'im fell struppig, rauh werden', vgl. s. v. straub (sp. 939): ao 1678 wurde erkennt, dasz einer ... kosten und schaden abtragen müsse, wenn er es nicht anzeige, wenn die kuh strübe, d. h. kränkle bei Staub-Tobler 11, 1946. aus 'ein glied emporrichten, herausstrecken' erwächst gelegentlich die bedeutung 'sich stemmen': dann wan ihn (den barsch) der hecht oder ein anderer fisch fressen will, so streubet und perschet er sich gegen ihm, und hebet seine stachlichte federn, die er oben auf dem rücken hat, auf, und sticht flugs um sich (um 1660) fischbüchlein 63; (der spechte) schwantzfedern sind so hart und steif wie fischbein, mit welchen sie sich an dem baume sträuben und fortschieben können Noel Chomel öcon. u. phys. lex. (1750) 8, 1383. A@2@ee) vom federvieh (o. d) aus ist die bed. 'prahlen, stolztun' übertragen, in nd. und md. mundarten: wie er sich strubt Follmann lothr. 509; Martin-Lienhart elsäss. 2, 624; sik strüwen as een pauluun 'stolz einher treten wie ein pfau' brem. wb. 4, 1070; strüwen 'von menschen, die hoch hinaus wollen: mehr aufwand machen, als der rang und die verhältnisse gestatten' Schambach Götting. 215; wat hägede sick un wat strüwede sick däi olske, dat se ... Frederking plattdt. dorfwb. v. Hahlen (1929) 137; he strüft sik dar in't sofa 'macht sich breit' Mensing schlesw.-holst. 5, 909; sich spreizen: hei stroüwt sek os ene lous up er hopenstang Bauer-Collitz Waldeck 100; he strüvet sick, als eene wandluus Richey id. Hamburg. (1743) 297; ebenso: brem. wb. 4, 1070; 'stolzieren': hê strüfd dr hen as n hântje Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 343. obd. in der wendung sich auf etwas str. 'auf etwas stolz sein': die (leute) nur auf ihre grosze macht ihr hoffnung setzten, auf ihr grosz guet und gelt sich strübten qu. v. 1656 bei Staub-Tobler 11, 1946. eine ähnliche übertragung liegt vielleicht schon im 15. jh. vor; im sinne von 'ausgerüstet': in tydt der nood sall he (ein lehnsmann) uns met een gueden klepper tho felde kamen, unde wel gestruivet mit sin rsttuig (1448) ostfries. urk.-buch 1, 517 Friedländer. A@2@ff) vereinzelte anwendungen in der nhd. literatursprache im sinne von 'sich emporrichten': siehst dort die ersten blühmchen erwachen ... auch meine bluhmenstOecke strAeuben sich in der freyen luft, und lachen der holden sonne entgegen Ulrich Bräker s. schr. (1789) 2, 230; dasz die enden der seidenbändchen, womit ihr haar gebunden war, sich sträuben und gerade emporständen Stifter s. w. 3 (1911) 100; so schlug dem, welcher gegen den frischen ostwind ging, die zipfelkappe nach hinten über, während sie bei dem andern, der den wind im rücken hatte, sich nach vorn sträubte G. Keller ges. w. (1889) 4, 75; räume der wagenlaube, wo sich verworrene stangen sträubten, alternde strohbünde bauschten Stifter s. w. 2 (1908) 132; wenn die leichensteine beben, an des kirchhofs eiben sich die blätter sträuben Matthisson schr. (1825) 1, 232; dort an dem maishalm schwellend von saft, sträubt sich der aloe störrische kraft Grillparzer s. w. 1, 130 S. in eigenwilliger verbindung der bedeutungen 'sich emporrichten' mit 'sich wehren' (u. B): auf einer ähnlichen, doch etwas mindern höhe, über dem kieselstrande, straubten(!) sich im magischen lichte der dämmerung die malerischen thürme des schlosses von Dover, gleichsam vor dem sturz, an dessen rande sie standen J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 440. ähnlich vom verwundeten herzen 'sich hochbäumen' und 'sich gegen den tod wehren': bohrt, bohrt mir zwischen die schuppen, bricht, bricht durch ihr band. herz, hoch sträubt sich's, schaudert vor'm stahl Fouqué held d. nordens 1 (1841) 46. BB. 'sich wehren'. am frühesten in der deutschordensliteratur und im mnd., s. Schiller-Lübben 4, 445, bezeugt. übertragen von sträuben 'haare, federn usw. emporrichten', was tiere im widerstand tun (o. A.); die neue bed. steht, im gegensatz zu A, ausschlieszlich in der reflex. form; ganz vereinzelt steht: sie streuben, sind auffrhurer Luther w. 49, 80 W. die neue bed. steht besonders häufig und alt mit ausdrücken der richtung (sich gegen etwas sträuben), dagegen hat A, sogar die B am nächsten stehende gruppe A 2 d, nur geringe zeugnisse der richtungsausdrücke, und diese bieten keine grundlage für die neue bedeutung. im gegensatz zu A, das besonders im älternhd. strauben neben sträuben hat, tritt die neue bed. nach der diphthongierung nur in der umgelauteten form auf; das entspricht der frühen bezeugung im md. und nd. die neue bed. hat in der nhd. schriftsprache neben den synonymen sich widersetzen, wehren, widerstreben stärkste verbreitung gefunden. dagegen scheint sie in den mundarten nicht lebendig; in den wbb. wird sie am besten für das nd. bezeugt; auch schweiz. sich strüben, s. Staub-Tobler 11, 1946. B@11) am frühesten und in junger sprache am geläufigsten in verbindung mit gegen, vgl. diese form auch in der alten concreten bed. A (sp. 948). jemand sträubt sich gegen jemanden 'widersetzt sich ihm': von Persen der vurste sich hat gestrubit wider mich Daniel 6654 Hübner; hievon ich ouch mich wende harte billich von ir und werfe ir minne gar uz mir, die mich also verschubet und sich gegen mir strubet, so daz si gutes mir nicht gan passional 514, 21 K.; in dussem jare struveden sik de Wende jegen des hertoges manne qu. a. d. j. 1492 bei Schiller-Lübben mnd. 4, 445; als ob er sich gegen gar aim grossen gestrübt habe Hans Neidhart Terenz' eunuch 74 lit. ver.; das man sich leichter strbte widder ein landsherren, dan widder ein bettelkloster Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 10 ndr.; se streuen vnde struuen sick wedder my vnde spreken, ydt sy nn heyl by dy Andreas Knöpken bei: Wackernagel dt. kirchenlied 3, 104; denn er hat seine hand wider gott gestreckt, und wider den allmechtigen sich gestreubet ... und ficht halsstarriglich wider in Hiob 15, 25, syck gestruvet Lübecker bibel (1533) A a 6a; ich darf mich wider die nun fast nicht länger streuben, die von mir, groszer mann, dein bild vorlängst begehrt v. Besser schr. (1732) 1, 60 K.; die Schweizer boten sich von selbst an, Frankreich zu dienen. ... nur Zürich sträubte sich gegen Frankreich qu. a. d. j. 1892; (die festgenossen) sträuben sich gegen einander G. Freytag ges. w. 8 (1887) 36. ebenso mit sachlichem beziehungswort sich gegen ein unternehmen, einen zustand usw. sträuben: wert sacke, dat jemandes sick weder düsen contract und bewilgung struen worde und des oldermans ... gebot nicht achten wolde (1354) liv-, esth.- u. curl. urk. 2, 586 Bunge; nicht sich strewben widder unrecht Luther w. 18, 310 W.; so du dich also wyder unser furnhemen streubest Hutten opera 2, 247 Böcking; ich fühlte mich keiner eignen wahl mehr fähig, und doch sträubte ich mich gegen den zwang U. Hegner ges. schr. (1828) 28; sie sträubt sich ohnmächtig gegen seine bestimmungen Schiller 2, 367 G.; er machte dagegen eine bedingung von belang, gegen die sich Gustav Adolf lange sträubte Ranke s. w. (1867) 25, 203; vergebens sträubst du dich gegen die nothwendigkeit Göthe I 39, 384 W.; streibet sich der alte gegen die heyrath nicht Lessing 10, 207 L.-M.; solche sind es, die sich gegen eine würdigung des einzelnen zu sträuben und zu wehren pflegen Göthe I 47, 25 W.; aber seine faulen söhne sträubten sich auch gegen den unterricht M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 150; ich sträubte mich immer matter gegen die guten absichten, welche man in betreff meiner hatte W. Raabe s. w. (1913) I 6, 65; ein halbes menschenleben lang habe ich mich gegen diese wahrheit gesträubt Hebbel br. 5, 110 Werner. häufig in der wendung sich dagegen sträuben: dar sik de abbet tigen struvede (1504) städtechron. 16, 406 (Braunschweig); erhalt dein kirch im reinen wort, darwider sich der hellen pfort jtzt thut gewaltig streuben Ringwaldt evang. (1581) P 7 b; Vologeses sowol als die Meden hierwider sich streubten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 108; man sträubt sich dagegen, wie man nur kann; man thut als höre man nicht, als verstände man nicht Göthe gespräche 4, 336 B.; man setzte fest, wogegen Maximilian sich so lebhaft gesträubt hatte, dasz die hauptleute der kreise durch diese selbst gewählt werden sollten Ranke s. w. (1867) 2, 29; ohne dasz wir uns dagegen sträuben Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 113; mit anderem subject: gefühle, menschliche kräfte sträuben sich, erst in junger zeit bezeugt: das herz sträubt sich gegen die entäuszerung und wegwerfung alles eignen verdienstes Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 309; sträubt sich sein ganzes wesen gegen den tod Schopenhauer w. 1, 370 Grisebach; wie sehr nun auch der verstand sich gegen die dialektik zu sträuben pflegt Hegel w. (1832) 6, 154; mein gefühl sträubt sich gegen ein so weitläufiges gewebe durchdachter abscheulichkeit Schiller 3, 574 G.; sein ... gewissen ... sträube sich ... dagegen, ... das versprochene ... zu halten Fontane ges. w. (1905) I 6, 404; der stolz des freiherrn sträubt sich gegen eine rückkehr in den kreis, in dem er einst gelebt G. Freytag ges. w. 5 (1887) 162; ich will meiner eitelkeit, die sich gegen meine feder strAeubt, das herzenleid anthun und dir die ganze sache erzAehlen Lavater verm. schr. (1774) 1, 64; wenn ich vor dem bette eines sterbenden gesehen habe, wie das arme leben sich sträubet gegen seine vernichtung Zimmermann einsamk. 3 (1785) 189. auf einen immer weiteren bereich von abstracten bezogen, so dasz sich sträuben gegen schlieszlich zu dem abgeschwächten sinn von 'nicht passen zu' gelangt: alle glänzenden vorzüge und alle fehler Niebuhrs zugleich sträubten sich wider jede gemeinschaft mit den staatsmännern des Oberrheins Treitschke hist. aufs. (1886) 1, 250; die unbewuszte idee des absoluten sträubt sich gegen die unterordnung des denkens unter die materie Schleiermacher s. w. (1834) III 4, 331; so sehr sich unsre sprache gegen diese zarte weiche gelenkvolle dichtungsart zu sträuben scheint Schubart leben (1791) 2, 112; manche participia ... sich wider den comparativ sträuben Adelung lehrgebäude (1782) 2, 27; wenn etwas schlecht gelingt und sich gegen den geist sträubt Bettine Günderode (1840) 2, 197; dasz sich alles dagegen sträubt, wenn man zwei ähnliche sagen ... auf eine ursage zurückführen will Gervinus deutsche dichtung (1853) 1, 130. B@22) sich sträuben in absoluter form ohne ausdruck einer weiteren beziehung, im sinn von 'sich wehren': so dich dein hertz zu zorn, hasz ... reitzt ..., so folge jhm nicht, thue es nicht, streube dich, wehre dich Mathesius Syrach (1586) 1, 115a; ich will mich nicht strAeuben oder widersetzen G. L. Hartmann fluchspiegel (1672) 79; weils (das weib) aber war gar feist und schwer thAete der ochsz sich streuben sehr und wolts nicht auf ihm sitzen lahn Sandrub hist. u. poet. kurzweil 65 ndr.; diese ... kund machte, dasz sich Vitellia streubete und den Valerius Asiaticus liebte Anton Ulrich v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 923; sträube dich also nun nicht viel und gehorche mir Gottsched schaubühne (1740) 3, 454; du kennst ihn ja. er sträubt sich gern, läszt gern sich bitten; ist wohl gar ein wenig neidisch Lessing 3, 46 L.-M.; wie sie sich sträubt und bäumt und wendet und nicht über die linie hinüber will, die die alte frau von der jungen scheidet Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 209, an die vorstellung von A 2 d angelehnt; es sträubt sich — der krieg hat kein erbarmen — das mägdlein in unsern sennigten armen Schiller 12, 24 G.; rückt näher auch der spinnerin, der schmucken, der knab, und sie darf sich darum nicht strauben Rückert ges. poet. w. 1 (1882) 304; so wird, wie sich auch immer die menschen streiben mögen, das wahre ... immer sieghaft hervortreten Sternberg ausg. w. (1902) 103; sträubt sich der mund, so küss ich die wange dir! J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 76; aber doch sträubt sich mein weibliches gefühl beim raschen vorsatz noch Stolberg ges. w. (1827) 67; umsonst sträubt sich des menschen wille A. v. Arnim s. w. (1853) 5, 195; zwar sträubte sich in mir etwas und wollte sich bäumen Gutzkow ritter vom geiste (1850) 2, 109; und magst du's nicht hören, dich sträuben, dich wehren Beer-Kottow d. erste liebelei (1935) 11; in moderner sprache in verbindung mit dem mit zu verbundenen inf.: darum habe ich mich so gesträubt, etwas zu sagen G. Keller br. u. tageb. 2, 141 Erm.; indem er ... sich gesträubt habe, dem kollegen ... das ordinariat der unterprima wieder einzuräumen Th. Mann königl. hoheit (1928) 437; darum ... sträubt sich mein gefühl auch, eine beichte des inneren menschen auszuarbeiten Mühsam namen u. menschen (1949) 232. B@33) in junger literatursprache gelegentlich andere formen der verbindung mit einem beziehungswort. sich jemandem sträuben 'ihm widerstreben': ob du gleich dich mir gesträubet, mir dich sträubest immer noch, wie ich damals dich geliebet, dich noch lieb ich immer doch Rückert ges. ged. (1837) 1, 11; fern sei von mir, der götter groszem ratschlusz mich zu sträuben Heinr. v. Kleist w. 1, 270 Schmidt; unweise sträubt der mensch dem schicksal sich Collin Regulus (1802) 97; es drückt das herz, wenn eine fremde macht ihm gottheit giebt, es sträubt sich dieser würde Bettine Günderode (1840) 1, 409; sich vor jemandem, etwas sträuben: man sträubt sich vor der ehre, frau baroninn zu heiszen Pfeffel pros. vers. (1810) 6, 96; ihr holdes bild hiesz uns die tugend lieben, ein zarter sinn hat vor dem laster sich gesträubt Schiller 6, 266 G.; alle völker haben in der schlange etwas unheimliches gesehen, jedes gefühl sträubt sich vor ihr Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 133; die verbindung mit unter zeigt mischung mit der bed. 'sich bäumen, emporrichten', vgl. u. A 2 d: er musz sich in empfindungen hineinzuzwingen wissen, unter deren widernatürlichkeit sich seine seele sträubt Schiller 2, 9 G.; wie sehr mein geist unter dem verdrüszlichen meiner lage sich sträubt ders., br. 1, 62 Jonas; indesz, zur menschlichkeit geschaffen, sein herz sich unterm panzer sträubt Gotter ged. (1787) 1, 98. B@44) der substantivierte infinitiv steht ohne das refl. pron.; erst in junger sprache: sie hätte gern sich längre zeit gewehrt; doch ort und zeit verbot ein langes sträuben Wieland s. w. (1794) 10, 187; knirsche nur mit den zähnen — speye feuer und mord aus den augen ... dieses sträuben wird ... mir die wollust in erzwungnen umarmungen würzen Schiller 2, 112 G.; das ganze wesen eines so bedrohten lebenden verwandelt sich sofort in das verzweifelteste sträuben und wehren gegen den tod Schopenhauer w. 2, 412 Grisebach; mit einem schrecklichen sträuben seiner natur, in der jede fiber mit einem andern schauer kämpfte, hört er mir zu Jean Paul w. 1, 351 Hempel. feste wendungen sind da hilft kein sträuben, ohne sträuben, nach langem, einigem sträuben: der eindruck siegt: da hilft kein sträuben Lichtwer fabeln (1748) 100; dasz alles sträuben nichts helfen (wird) und wir doch in die konstitutionellen formen eingehen müssen Varnhagen v. Ense tageb. 6 (1862) 240; nein, Elsi wurde nicht verführt, sie verliesz ohne sträuben den rechten weg Börne ges. schr. (1829) 1, 203; niemand ergiebt sich ohne sträuben in den untergang seines vaterlandes Ruge briefw. (1886) 2, 143; er stockte, nur nach langem sträuben kam er zu einem geständnis Heine s. w. 7, 279 E.; nach einigem sträuben gab er nach (1834) Pückler briefw. (1873) 3, 262; sie fühlte sich trotz ihres sträubens gezwungen, alles, was die frauen blosz angedeutet hatten, auszumalen Ludwig ges. schr. 2, 96 Schmidt-Stern; damit hob er den kleinen, alles zappelns und sträubens ungeachtet, in die höhe E. T. A. Hoffmann s. w. 5, 25 Gr. B@55) das part. praes. act. ist seit dem 18. jh. besonders geläufig: (das geheimnis) gleich ganz der bereitwilligen kindheit einzuflössen, als die zeit der sich sträubenden vernunft damit zu erwarten Nicolai literaturbr. (1759) 3, 60; alles wimmern der sich sträubenden todesangst J. J. Engel schr. (1801) 2, 289; die Lotte ist mir zu haus wie eine sich sträubende widerspenstige provinz Jacob an Wilhelm Grimm in: briefw. (1881) 421; mit einer sich sträubenden frau in den armen H. Meyer bild. künste (1824) 1, 1; da faszte mich Pallas Athänä bei den goldnen locken; ich wandte mich strAeubend Stolberg ged. (1821) 1, 157. zur syntaktischen erleichterung wird das refl. pron. fortgelassen; diese der gehobenen literatursprache angehörende form ist nach der mitte des 19. jh. nahezu erloschen; in der modernen umgangssprache ist sträubend durch widerstrebend ersetzt worden; attributiv: schon glaubt ich, das sträubende mädchen mit starken armen zu umfassen Gessner schr. (1777) 1, 83; und der ein sich sträubend weib vom sträubenden vater freit J. G. Droysen Äschylus (21842) 291; drum haben die bräute unrecht, die uns mit so überzüchtiglichen, sträubenden und weigerlichen wesen begegnen Bode Montaigne (1793) 1, 165; der brigante risz den vergeblich sträubenden knaben aus dem arm seiner mutter Gaudy s. w. (1844) 13, 123; dasz sich die sträubenden begriffe unter einen hut bringen lassen müssen Jacob Grimm kl. schr. 4, 264; aber ich muszte schon vielen beweggründen gehorchen, welche die freunde dem sträubenden vorhielten, besonders dem, dasz ich der königlichen huld nicht zu widerstreben scheinen durfte E. M. Arndt lebensb. i. br. (1898) 369 M.-G.; noch: nach kurzem geraufe schleppten sie den sträubenden unter schlägen und stöszen mit O. M. Graf unruhe (1948) 436. adverbiell: zwinge mindstens in kein band, liebes glück! sie (die hand einer frau) straubend ein! Goeckingk lieder zweier liebenden (1777) 23; bediente führen sie sträubend ab Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 2, 313; mithin ergibst du wirklich völlig dich in das verhängnis — beugst den nacken dem joch, das dieser Römer bringt, ohn auch ein glied nur sträubend zu bewegen? H. v. Kleist w. 2, 336 Schmidt; auch hab ich wider muth und lust ... oft sträubend mit hinaus gemuszt zum harten lebensstreit Arndt w. 4, 143 R.-M. B@66) in einzelnen zeugnissen lehnt sich die bed. 'sich wehren' secundär mehr oder weniger deutlich an die vorstellung 'sich emporrichten, bäumen' (o. A) an, vgl. auch A 2 f: das wir hie unvolkomen sind, das sich das fleisch streubet, burset und aufflehnet wider den geist J. Gigas postilla (1595) 2, 61b; die hoffart in der armuth schnarchet, blAeset und strAeubet sich Lindenborn Diogenes (1742) 1, 80; zur verbindung mit unter s. auch o. sp. 953 : die ihr (parzen) den nervenfaden unsers lebens durch weiche finger sorgsam treibt, bis unterm klang der scheere sich vergebens die zarte spinnewebe sträubt Schiller 1, 234 G.; das stolze element (das meer) sträubt sich unter dem kampfe der winde Gerstenberg schleswig. litbr. 170 lit.-denkm.; s. auch o. A 1; ähnlich: das dürre gestrüpp (des erdbodens) sträubte sich ihm (dem flüchtling) in den fingern A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 20. das sträuben des nackens, s. auch o. A 2 a: so manches kaum bezwungnes volk, dessen nacken sich gegen ein ungewohntes joch sträubet slg. v. schausp. (1764) 6, Xerxes 3; gleichniss vom gebundenen stier, der sich sträubt gegen die hirten, die ihn fortziehen Göthe I 41, 1, 295 W.; vgl. dazu A 2 d; in diesem doppelsinn auch die redensart: die feder sträubt sich beim schreiben solcher dinge; die concrete bed. A scheint auch in der wendung sich mit händen und füszen sträuben vorzaliegen: auch Baronius, obwohl er sich mit händen und füszen sträubte, ward einmal nach der capelle Paolina geführt Ranke s. w. (1867) 38, 210; ein ... herr, der sich ... mit händen und füszen sträubt Fontane ges. w. (1905) I 4, 66; in eigenwilligem spiel zwischen den bedeutungen A und B: im garten des pfarrers von Taubenhain gehts irre bei nacht in der laube. da flistert und stöhnts so ängstiglich; da rasselt, da flattert und sträubet es sich, wie gegen den falken die taube Bürger s. w. 60 Bohtz.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sträuben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Sträuben , verb. regul. act. 1. Straubig machen, besonders von der Emporrichtung der Haare und Federn. Der Hahn sträubt …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    sträuben

    Goethe-Wörterbuch

    sträuben [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Sprichwörter
    Sträuben

    Wander (Sprichwörter)

    Sträuben 1. Er sträubt sich, wie der Frosch in der Theertonne. 2. Er sträubt sich wie ein kalkuttischer Hahn. 3. He strü…

  4. Spezial
    sträuben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    sträu|ben I vb.tr. (vom Fell) aricé (aricia), fá sté roduntassö II vb.refl. sich sträuben 1 (sich widersetzen) se impunt…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit straeuben

1 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von straeuben 2 Komponenten

strau+ben

straeuben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

straeuben als Zweitglied (1 von 1)

aufsträuben

DWB

auf·straeuben

aufsträuben , rigefacere, in die höhe sträuben: der vogel sträubt sein gefieder auf ( vgl. aufstrobeln); das kann einem die haare aufsträube…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „straeuben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/straeuben/dwb?formid=S51146
MLA
Cotta, Marcel. „straeuben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/straeuben/dwb?formid=S51146. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „straeuben". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/straeuben/dwb?formid=S51146.
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