pfeil,
m. sagitta, ahd. phîl, fîl,
mhd. phîl, pfîl,
nhd. pfeil (
das pfeil S.
Dach 412
Öst., danach plur. pfeiler Wittenweiler
ring 52
b, pfeilger
F. Müller 395
Seuffert),
ags. nd. pîl,
isl. (
seit dem 15.
jahrh.) pîla
f.; entlehnt aus mlat. pilus (Graff 3, 332),
lat. pilum,
wurfpfeil, wurfgeschosz, wofür das altgermanische, mit lat. arcus
urverwandte wort für pfeil (
goth. arhvazna,
ags. earh
aus earhv,
altn. ör)
verloren gieng. Kluge 252
a.
vgl. das westgermanische strahl. 11)
im eigentlichen sinne das aus rohr, holz oder eisen verfertigte, vorn mit einer (
bisweilen mit widerhaken versehenen, auch vergifteten)
spitze, hinten meist mit zwei oder vier reihen federn zugerüstete, im köcher getragene geschosz der bogen- und armbrustschützen (
der ganze pfeil oder nur die pfeilspitze),
das seit erfindung des feuergewehrs bei den kulturvölkern abgekommen ist. 1@aa) pfeile schneiden, fiedern, schäften Fleming 651, schiften Göthe 56, 87, pfeile schnitzen Uhland (1879) 3, 166; geflügelter 2, 222, gefiederter Maaler 317
b, glatter, krummer Stieler 123, vergifteter (geeiterter, gelupter) pfeil
ebenda; pfeil mit widerhaken
ebenda. Göthe 23, 20; pfeile spitzen Mühlpforth
leichenged. 79. Wernike
überschriften 5, 35; spitzer, scharfer, stumpfer pfeil
u. s. w.; der pfeil hett knöpf und war so grosz, es war ein lang und spitzig geschosz. Murner
En. (1559) n 6
b. 1@bb)
zum pfeil
gehört der bogen (
die armbrust),
der köcher: kocher, bogen unde phîl truog er nâch der jeger site.
Barlaam 255, 16; nim den bogen und den pfeil.
2 kön. 13, 15; er henkt pfeil und köcher an sein seit. Murner
En. n 7
a; köcher, mit pfeilen wol versehen. Weckherlin 284; mit dem pfeil und bogen .. kommt der schütz gezogen. Schiller 14, 337 (
Tell 3, 1). einen pfeil richten (Murner
En. T 7
b), auf den bogen, auf die armbrust legen
oder blosz den pfeil auflegen; einen pfeil auf dem bogen, auf der armbrust haben Maaler 317
b. Götz v. Berl. 47
neudruck. 1@cc) den pfeil losdrücken (Göthe 15, 93), abdrücken (Schiller 9, 21. 12, 393. 573), abschnellen, schnellen (Voss
Il. 5, 54.
F. Müller 2, 366), abschieszen (Schiller 6, 388), werfen (
s. pfeilwerfer, pfeilwurf), schieszen (Dasyp. L 4
a), verschieszen (3,
d): als er den pfeil wolt lassen gan. Murner
En. o 5
a;
noch schosz er in die lüft sein pfeil. P 8
a; so wil ich zu seiner seiten drei pfeile schieszen.
1 Sam. 20, 20; er schosz einen pfeil uber in hin. 36; er sol nicht in diese stad komen und keine pfeil drein schieszen.
2 kön. 19, 32; der pfeile hat er viel .. verschossen. Fleming 651; von wo die Teukrier .. verlohrne pfeile niedersenden. Schiller 6, 369; mit dem pfeile, mit pfeilen schieszen, treffen, durchschieszen: dô sach man ûf den recken sam snêwes vlocken swinde geschieʒen dâ mit phîlen.
Gudrun 503, 4; würd ich geschoʒʒen in ein hant mit eim geeiterten phîl. Thomasin 12524; die tauben, die der luft hin treit (
trägt) .. durchheft er mit eim pfeile wider, dasz sie zur erden fiele nieder. Murner
En. P 7
b;
Tell. mit diesem zweiten pfeil durchschosz ich euch (
Geszler), wenn ich mein liebes kind getroffen hätte. Schiller 11, 365 (
Tell 3, 3); der landvogt ist
von einem pfeil durchschossen. 399 (4, 3). 1@dd)
der pfeil liegt auf dem bogen (
F. Dahn
ged., zweite samml. 1, 136), schnellt vom bogen (Grimm
myth.4 317), fliegt, saust, zischt, fällt nieder, erreicht das ziel, trifft: das du nicht erschrecken müssest .. fur den pfeilen, die des tages fliegen.
ps. 91, 5; pfeile, wie der jünglinge bogen sie entfliehn. Klopstock 1, 232; ein pfeil flog aus dem hofe nach der stelle, wo Ingo sasz. Freytag
ahnen 1, 155; ihr ohr hört seiner pfeile sausen und jeder pfeil zischt: blut. Herder 1, 538
H.; ein dicker hagelsturm von pfeilen fiel auf sie nieder. Olearius
insul Formosa 63
a; ich bin .. hie begraben, den sehr vil pfeil erschossen haben. Murner
En. Q 8
a; ein hirsch, dem schon des jägers pfeil das hertz hat eingenommen. S. Dach 391
Öst.; ihn (
adler) traf des jägers pfeil.
der junge Göthe 2, 16; ihm (
dem schützen) gehört das weite, was sein pfeil erreicht. Schiller 14, 337 (
Tell 3, 1); von dort herab kann ihn mein pfeil erlangen. 389 (4, 3); mitten ins herz hat ihn der pfeil getroffen. 399 (4, 3);
Geszler. gefährlich ists, ein mordgewehr zu tragen, und auf den schützen springt der pfeil zurück. 361 (3, 3); heut werden die pfeil an harnischen splittern.
d. j. Göthe 2, 49; ein pfeil fuhr auf Ingrams sattel, ein anderer streifte sein wehendes haar. Freytag
ahnen 1, 376; unsre pfeile, die an steinen funken schlagen. Rückert
Hamasa 1, 37. 22)
sprichwörtlich: ein wort ist kein pfeil,
verba non sunst verbera Frisch 2, 50
c; hastu nicht pfeile im köcher, so misch dich nicht unter die schützen. Lehmann 2, 263, 16; díe pfeil scheuszt er nit ausz seinem kocher. Frank 2, 86
b,
vgl. Schuppius 790; man musz oft ein pfeil nach dem bolzen schieszen. 68
b; es geht wie der pfeil von der sennen. Aler 1523
b; vorgesehenem pfeile kann man ausweichen. Simrock 422; der eine fiedert pfeile, der andere verschieszt sie. 423; man musz nicht alle pfeile zumal verschieszen.
ebenda, s. noch andere bei Wander 3, 1262
ff. 33)
in vielen vergleichen, bildern und übertragungen. 3@aa)
in bezug auf die glattheit: sein unglück machte ihn so nackend als ein pfeil.
pers. baumg. 2, 9. 3@bb)
in bezug auf das abschieszen und die schnelligkeit: si kâmen snurrend als ein pfîl, der snellet ûʒ der nüʒʒe. Konrad
troj. krieg 3922; reht als ein pfîl geschoʒʒen kômens ûf ir strâʒe. 23534; gar bald sie flog vom hohen sal gleich als ein pfeil der fert zu tal. Murner
En. s 4
a; sie sprang zu ihm hin, wie im fluge des pfeils. Klopstock 8, 211; müh ist das leben, ach! und fleucht wie ein verschoszner pfeil. Herder
stimmen der völker 184; ich (
der pudel) flog wie ein pfeil zum loche hinaus. Pfeffel 2, 284
Hauff; das berggewässer schosz wie ein pfeil unter uns weg. Hölderlin
Hyper. 2, 4; er erwartet einen befehl, er empfängt ihn, fort ist er wie ein pfeil. Göthe 36, 143; die kerl flogen wie pfeile, steckten die stadt .. in brand. Schiller 2, 91 (
räuber, schausp. 2, 3); (
pferd,) das schnell, wie ein beschwingter pfeil, hin rennt. Uhland (1879) 2, 265. 3@cc)
in bezug auf das treffen, verwunden und töten. 3@c@aα)
vom blitze, der nach alter vorstellung als ein aus den gewitterwolken vom donner abgeschossener pfeil
aufgefaszt wurde, wie noch unser blitz-, donner-, wetterstrahl
zeigt, worin die ursprüngliche bedeutung von strahl (
pfeil)
zu erkennen ist, s. auch donnerpfeil: gelîch dem wilden pfîle, der ûʒ dem tonre snellet, wart minne ûf in gevellet. Konrad
troj. krieg 7688; ach! dasz der lichte pfeil der donner mich verbrandt! Gryphius
trauersp. 67
P.; der himmel leert die keile der donner auf uns zu, die schwefellichten pfeile. 156; man entgeht des blitzes pfeilen, doch den pfeilen Amors nie. Boie,
Matthissons anthol. 8, 133. 3@c@bβ)
von den strahlen der sonne, erst nhd. nach der antiken vorstellung von Apollons, des sonnengottes pfeilen (
Il. 1, 46
u. o.),
vgl. sonnenpfeil, -strahl: die klare sonn dort oben, der himmlisch augenball .. mit seinen strahl- und pfeilen mag da nit bohren ein. Spee
trutzn. 96
B.; der blumen zier wird (
am mittage) von den flammen (
adjectiv) pfeilen zu hart versehrt. Gryphius
lyr. ged. 131
P.; (
die sonne) schieszet sengende stralen aus dem köcher herab; die pfeile ritzen die erde. Zachariä (1767) 4, 16; glühend trifft mich der sonne pfeil. Schiller 11, 83. 3@c@gγ)
ebenfalls nach antiker vorstellung von den pfeilen
der liebesgöttin und des liebesgottes, vgl. liebespfeil (Gombert
nomenclator amoris 92): (
Venus) schiuʒ den pfîl und ouch die strâle, diu vil manegen hât verwunt. Konrad
lieder 2, 79
Bartsch; alle kan ich (
Venus) durch mein pfeil bald bringen an mein langes seil. H. Sachs 14, 10, 26; Venus pfeil mir im herzen stack. Ayrer 2249, 27; der liebe pfeil und strahl wär anderwerts aus blei, in Africa aus stahl. Lohenstein
Cleopatr. 2, 43; ein aug, in dem die liebe sitzet und ihre schnellsten pfeile spitzet. Wernike
überschriften 5, 35; Kupidos pfeil durch eine marmorbrust wie durch die weichste dringt. Wieland
Idris 1, 92; längst aber krank vom pfeil des liebesgottes. Schiller 6, 384; verletzt von Amors pfeilen. 409; Heros und Leanders herzen rührte mit dem pfeil der schmerzen Amors heilge göttermacht. 11, 337; dasz nicht zuletzt der liebesgott für dich die pfeile schärft. Platen 3, 151; Amor, dein mächtiger pfeil, mich hat er tödlich getroffen. Uhland (1879) 1, 139; indessen war denn doch dieser pfeil (
die liebe zu Gretchen) mit seinen widerhaken aus dem herzen gerissen. Göthe 25, 9. 3@c@dδ)
von den pfeilen
des todes, des schicksals: wohin sol ich doch eilen für seinen (
des todes) leichten pfeilen? S. Dach 369; wenn wir kaum im vorsatz angefangen, so hat der todt bereit die pfeile schon gespitzt. Mühlpforth
leichenged. 79; und des todes bittre pfeile dringen aus dem lächeln deines kinderblicks. Schiller 1, 229
var.; des Fatums unsichtbare hand führte den abgedrückten pfeil in einem höhern bogen und nach einer ganz andern richtung fort, als ihm von der sehne gegeben war. 7, 21;
Buttler. ihr (
Octavio) habt den pfeil geschärft, ich hab ihn abgedrückt. 12, 393 (
Wallensteins tod 5, 11);
Elisabeth. der pfeil ist abgedrückt, er fliegt, er trifft, er hat getroffen, gälts mein reich, ich kann ihn nicht mehr halten. 573 (
M. Stuart 5, 11); er (
gott) .., welcher dem aug unbekannt, wirft des geschickes blutigen pfeil. Platen 2, 178. 3@c@eε)
von scharfen, witzigen, spöttischen, verleumderischen u. dgl. worten, die wie ein pfeil
treffen und verwunden: und wir Deudschen sagen von einem bösen wort, es sei ein pfeil. Luther 6, 158
a; die mit giftigen worten zielen wie mit pfeilen.
ps. 64, 4; sie (
die falsche zunge) ist wie scharffe pfeile eines starken. 120, 4; ir falschen zungen sind mördliche pfeile.
Jer. 9, 8; die damen schossen schon viel harte muthmaszungen, geschärften pfeilen gleich, von süszen lästerzungen. Zachariä (1767) 1, 219; nun wend ich meines (
straf-)liedes pfeil, von unmuth rasch beschwingt. Bürger 102
a; seit ich sah, wie dich ... kein pfeil der dummen bosheit kränkt. Gökingk 1, 12; ernst setz ich, ... seinem (
Voltaires) schwerd und seiner pfeile regen der wahrheit demantschild entgegen. Gotter 1, 373; sein theures bild aus meinem herzen mit pfeilen der satyre merzen. 419; dein wiz schärft pfeile nadelspiz. Voss
ged. 6, 265; mit diesem schilde (
der wahrheit) alle pfeile der gegner auffassen. Lessing 9, 285; die schärfsten pfeile (
der kritik) losdrücken. 4, 82; als ihr gemahl fortfuhr, treffende pfeile auf jugend und unerfahrenheit loszudrücken. Göthe 15, 93; sie werden anzüglich ... ich musz ihnen aber nur zeigen, dasz ich auch pfeile habe, die ich gegen sie brauchen kann. 110; sie (
die lüge) kehrt ein losgedruckter pfeil, von einem gotte gewendet und versagend, sich zurück und trifft den schützen. 9, 63 (
Iphig. 4, 1); des vorwurfs glühend bittre pfeile. 41, 4;
don Cesar hoffe keiner mir zu gefallen oder dank zu ärnten, der von dem bruder böses mir berichtet, mit falscher dienstbegier den bittern pfeil des raschen worts geschäftig weiter sendet. Schiller 14, 38 (
braut von Mess. 1, 7); ich bin .. den pfeilen der bosheit preiszgegeben. 14, 229 (
parasit 3, 4); alle pfeile des spottes sind auf mich gespannt. 3, 407 (
kab. 3, 2). 3@c@zζ)
von andern abstractionen: disz sind itzt der
vernunft sehr scharf gespitzte pfeile, womit sie .. sein hertz zu theilen denkt. Mühlpforth
leichenged. 256; um dem giftbestrichnen pfeile des
verdrusses zu entfliehn. Gökingk 1, 47; nur für die tugend weich, hat nie ein pfeil des
glücks noch deine brust gerizt. 3, 183; auf andre drückt sie (
priesterin) selbst den pfeil des
kummers ab. Schiller 6, 409; kühnlich durch den purpur bohrt der pfeil der
rache fürstenherzen kalt. 1, 314; damit (
mit dergleichen sentenzen) wirst du die pfeile des
schmerzens nimmermehr stumpf machen. 2, 123 (
räuber, schausp. 3, 2); pfeile der
weisheit. J. Paul
grönl. proc. 1, 70; der pfeil der
wollust dringt in seinen busen nicht. Alxinger
Doolin 3, 32; denn fernher schnellt
erinnrung ihre pfeile. Lenau (1880) 2, 73. 3@dd)
in obscenen redensarten: zwei waren jung, von frischen kräften, unverdrossen, wuszten auch ihre pfeil zu häften in dem schwarzen.
kunst über alle künste 213, 16
Köhler; und lasset niemals sein einen bogen schlaff: wann ihr einen pfeil verschossen, soll ein ander sein bereit, bisz ihr alles wohl genossen. 204, 34; die pfeile verschieszen (
mnd. de pîle verscheiten Schiller-Lübben 3, 325
b): sein pfeil die sein noch unverschossen, die zilen mir geneuer dan des alten.
fastn. sp. 392, 8; wann sie die frische junggefiderte pfeil verschossen haben. Fischart
Garg. 62
b. 44)
etwas das eine pfeilähnliche form hat, vergl. auch die zusammensetzungen. 4@aa)
ein gezeichneter pfeil (
um z. b. eine richtung anzuzeigen): die frauenzimmer ... faszten sich sogleich, als Wilhelm das blättchen vorwies und beide den von ihnen selbst vorgezeichneten pfeil .. anerkannten. Göthe 22, 130. 4@bb) pfeil
als haarschmuck: ihre gefährtin stiesz ... durch das radgeflecht der haare einen silbernen pfeil. Immermann
Münchh. 3, 26; mädchen mit dem pfeil im haare füllen krüge sich am born. Freiligrath (1870) 2, 189. 4@cc)
westerwäldisch eine schreibfeder. Pfister
nachträge zu Vilmar 203. 4@dd)
eine pfeilförmige verzierung an geländern u. s. w. Jacobsson 3, 240
a. 4@ee)
name eines sternbildes auf der nördlichen halbkugel, durch vier sterne vierter grösze gebildet. mathem. lex. 1, 1005. 4@ff)
ein kleiner fisch (
callionymus sagitta),
dessen kopf wie ein pfeil spitz ist. Nemnich 1, 760. 4@gg)
was pfeilkraut, pfeilwurz Graszmann
pflanzennamen nr. 647. 55)
in der baukunst die senkrechte höhe des scheitels eines bogens über der widerstandslinie (
vergl. pfeilhöhe). Müller-Mothes 745
a.