Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
igel stM.
1.1 allg.
1.2 in Vergleichen
1.3 übertr. als Schimpfwort
1.4 in vergleichender Umschreibung groʒer ~ für ein anderes Tier (vgl. I. Dines, The textual and pictorial metamorphoses of the animal called chyrogrillius, in: M. Goyens/ P. De Leeman/ A. Smets (Hgg.), Science Translated, Leuven 2008, S. 73-89 )
2 ein Belagerungsgerät (lat. ericius , vielleicht ein stachelbewehrter Balken als Mauerbrecher, vgl. R. Decke-Cornill: Stellenkommentar zum III. Buch des Willehalm, 1985, S. 39 zu Wh 111,11), meist in Aufzählungen
1 ‘Igel’ 1.1 allg.: Phisiologus zellit uon dem igile alsus. er chût dorne habet er an ime JPhys 18,1; unküstige [bösartige] liute bediutet der igel, / der mit spitzen borsten stichet / und selber sich birget sô er sich richet Renner 13278; niht unglîch dem igel, / der vor den liuten sich nider drücket / und als ein kliuwel zesamen sich smücket ebd. 3898; BdN 138,5 u. ö.; ReinFu K,1350; MF: Her 2:4,1; Eckh 2:139,5. – hier sprichwörtl.? vgl. TPMA 2,81 u. 6,332f.: ein reine wîp hât reinen lîp, / den hât selten ein unwîp. / noch senfter wære ein igels hût / am bette dan ein leidiu brût Freid 101,19; wil man den igel villen, / so nem man etewaz für die hant, / sin borsten sint so scharf bekant Frl 5:75,12. – auch bei Personennamen: Levpolt der Jgel UrkCorp (WMU) 1209,41. 1865,7 1.2 in Vergleichen: der [Riese] ist geheizen Bitterbûch / unde ist als ein igel rûch Virg 879,5; so wirt im [dem Antichrist] als eim igele / sin herze zornic uffe sie / die sin gebot vorlazent hie HeslApk 19758. – von Haar: kurz, scharf als igels hût ez [das Haar von Malcreatiure] was Parz 517,27; Krone 9346; Loheng 5728. – sich rimphen/ smücken ‘sich ein-, zusammenrollen’ alse ein ~ : dô [im Bett der Königstochter] lac der ungefüege stampf [der ungehobelte Klotz] , / daz er sich als ein igel rampf / und smuckt sich zuo einander HBirne 342; der [ tiuvel ] sich rimphet als ein igel KvWLd 1,56; sus lag er [Partonopier] in trûren / [...] / und hæte sich gesmücket / zuo ein ander als ein igel KvWPart 1307 1.3 übertr. als Schimpfwort: dû valscher, veiger luhs, / dû lieht unerkender fuhs, / dû aller houbetschanden rigel, / dû valscher, tuckiger igel Ottok 63494. – meist für den Teufel: helle ruher igel / totlicher svnden ingesigel Martina 151,71. 176,110; ê denne er [der gierige, ungerechte Richter] ouch sîns lôns enbêr, / sô ist der igel im als ein ber [ ‘Beere’ als bildlicher Ausdruck der Geringfügigkeit, Nichtigkeit] Renner 8676 1.4 in vergleichender Umschreibung groʒer ~ für ein anderes Tier (vgl. I. Dines, The textual and pictorial metamorphoses of the animal called chyrogrillius, in: M. Goyens/ P. De Leeman/ A. Smets (Hgg.), Science Translated, Leuven 2008, S. 73-89): von dem cyrogrillen oder von dem grozen igel. Cyrogrillus ist ain tierl, daz hât diu ê verpoten, daz man ez iht ezz, und haizt ze däutsch ain igel. aber Papias spricht, ez sei grœzer dann ain igel BdN 131,31 2 ein Belagerungsgerät (lat. ericius, vielleicht ein stachelbewehrter Balken als Mauerbrecher, vgl. R. Decke-Cornill: Stellenkommentar zum III. Buch des Willehalm, 1985, S. 39 zu Wh 111,11), meist in Aufzählungen: ir ebenhœhe unde ir mangen, / swaz ûf redern kom gegangen, / igel, katzen in den graben, / die kundez fiwer hin dan wol schaben Parz 206,3; Wh 111,11; blîden, tumerær und mangen, / rutten, katzen, igel swære, / ebenhôch und pheterære, / daz wart allez dâ / ûf gerihtet sâ / und genutzet vor der stat Ottok 59783; ErnstB 1563; UvEtzAlex 14967; RvEAlex 3473. – hier übertr. in der Beschreibung eines sexuellen Übergriffs im Bilde des Angriffs auf eine Burg (vgl. auch FWB 8,17): vor dem tor er [Gasoein] erbeizet / vnd wolt si [Gynever] han ervohten. / gotes gnaden! don mohten / so snelle von seinem ygel / von dem antwerch di rigel / niht werden wol zebrochen Krone 11735
MWB 2 1860,63; Bearbeiter: Richter