Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
grop
1.1 allg.
1.2 von Gewebe, Stoff
1.3 in Zusammenhang mit der Vier-Elemente-Lehre
2 ‘gewöhnlich, schlicht, einfach’
2.1 von Naturdingen
2.2 von Speise und Trank
2.3 auf die Art, das Naturell von Menschen bezogen
2.4 von Arbeiten
2.5 von der Rede, Gesprochenem
2.6 vom Denken, Verstand ( sin )
2.7 von Auslegung, Verstehen
3 im Ggs. zum Geistigen, ‘dem Bereich des Stofflichen, Körperlichen zugehörig’
4 ‘groß, das übliche, erwartbare oder akzeptable Maß übersteigend’ (vgl. mnd. grof , Schiller/ Lübben 2,149f.)
4.1 allg.
4.2 von Sünden
4.3 in der Wendung (beide) kleine unde grop
1 ‘grob, massig, dick, dicht’ 1.1 allg.: margariten nicht zu kleine und grob [dick, plump] Frl 8:26,12; cynnama [...] ist drierhande. under den ist di beste di cleinste [...]. di grobir cynnama, di stillet [...] emorroidaz Macer 84,9; welhes wangen grobez flaisch habent, der ist ainr groben nâtûr. wer ain behendez antlütz hât, daz ist ain antlütz niht zerplâsen und niht mit grobem flaisch, der hât vil gedänk BdN 46,17; ein dicke grobe hut Tauler 195,21; wirt ez ze grob durch daz sip, / ich riter ez durch den buͤtel WhvÖst 2076. – grôz [La. grop ‘dicht’ ] und grâ was ir [Sibylle] daz hâr / und harde verworren [...] als eines pharîdes mane En 2708; Tauler 225,10. 235,5; die [Krieger] dûht niht ze herte diu dicke [das Kampfgetümmel] noch ze grop [dicht] Loheng 5149. – die stimme als ein schoffe [Schaf] grop [rauh] Physiogn 255 1.2 von Gewebe, Stoff: nîmant setzit în einen schrôten grobis tûches [ panni rudis ] in ein alt cleit EvBeh Mt 9,16; zwainzik ellen grabes tuͤches StRAugsb 30,12. 33,37; sîn roc der was gesniten / ûz einem groben sacke KvWTroj 1653; Renner 2493; Vät 32215. – er wolde an diselben wat / machen eine grobe nat Pass III 58,2 1.3 in Zusammenhang mit der Vier-Elemente-Lehre: der nebel kümt von wäzzrigem grobem dunst BdN 95,15; und ist zwairlai dünst in im [Auripigment] : ainer trüeb und grob des zæhen ertreichs, und der ander dünn und behend ebd. 477,30 u.ö.; daz daz wazzer gröber ist dan der luft sî Eckh 5: 60,16; Eckh (Pf) 236,24; swer dâ liget, dem gânt die groben geiste, daz ist daz grobe bluot, ûf in daz hirne [ grossi fumi et grossi spiritus et sanguis ] Eckh 4:57,19.22; sô daz viur næher dem tâhte brinnet, sô ez swerzer und gröber ist ebd. 3:25,7 2 ‘gewöhnlich, schlicht, einfach’ 2.1 von Naturdingen: du bist vor andern furstin alse ein edil gesteine undir den grobin [unedlen] steinen Köditz 38,33; als der ein edel zwî pflanzet in einen groben stok Eckh 2:626,11 2.2 von Speise und Trank: ir [Feigen] ezzen ist schad mit groben dingen [es ist schädlich, sie zusammen mit grober Kost zu essen] , sam gepäurisch ezzen ist BdN 323,5; ir machent mir min herte bette senft, mine groben spise smakhaft Mechth 7: 48,79; SHort 3420; Secret 1576; grobez brôt: BvgSp 23; grober tranc: Seuse 99,15. – subst.: der mage der kochet die spise und teilet das grobe [Unverdauliche] , das boͤse von dem guͦten Tauler 294,7; ein kraft ist in der natûre, diu scheidet abe daz gröbeste und wirfet ez ûz, und daz edelste treget si ûf Eckh 1:328,9 2.3 auf die Art, das Naturell von Menschen bezogen: dise groben, weltlichen, frefeln, muͦtwilligen, fleischlichen wilden lúte Tauler 131,22; sy waren [...] ungeslacht [...], / sy waren doch zwene grove gebure KarlGalie 337; und diz ist wîsen liuten ze wizzenne und groben ze gloubenne Eckh 2:262,6 u.ö.; sie ist smehe, grop an synnen / und wil auch nieman wider mynnen Minneb 2131; HvNstAp 15868; HvFritzlHl 44,23. 220,1. – welhes wangen grobez flaisch habent, der ist ainr groben nâtûr BdN 46,18 2.4 von Arbeiten: so was er [Jesus] guͤtlich undertan / siner muͦter und Joseph [...] : / doch tet er grober werk nút [ ab opere retraxit se servili ] , / als dike werkont ander lút WernhMl 6265; waz graber sache waren, / da mochte man di claren [Elisabeth] / lichte zu getwingen Elis 7979 2.5 von der Rede, Gesprochenem: und ist sein sprâch unrain und grob BdN 45,17; [Regenbogen zu Frauenlob:] ich vürhte, min gesank dem iuren si ze grop Regenb 3,345a; ich ferbe, wo verblichen ist / geticht von grober sprüche mist, / und trib der sprüche süche dann Mügeln 111,3. 117,2. – Adv.: red ich ez [ din lop ] , frouwe, nun ze grobe, / so lich hernach mir unde gip / ze stiure diner helfe sip, / dur daz ich ez vil kleine rede [fein durchsiebe (rëden stV.)] KvWGS 124; WhvÖst 2072; kleine oder grob, / kurz oder lanc genennet [...], / sint vrouwen wib, wib vrouwen lib Frl 5:107G,2 2.6 vom Denken, Verstand (sin): von allen sinnen wencken / kan ir [Frauen] unbegriffen lob. / so ist min sin dar zu ze grob MinneR 272 30; so ist manige mensch als grober sinne, daz er dennoch kume gloͮben wil, daz út si, denne daz er mit sinen sinnen begriffen mag Seuse 293,9; hie vmb haͮn ich willen, [...] von minem groben sinne vnd klainem bekennen dir sagen, was gnaͮd si Gnadenl 1,13; Eckh 5: 43,9; BdN 47,9 2.7 von Auslegung, Verstehen: diz ist di gemeinste glôse ubir diz êwangelium und di grobiste di ich dar uber gehôrt habe HvFritzlHl 34,30. – Adv.: [Menschen, die um irdischen Lohnes willen Gott dienen,] sint allez koufliute. daz ist grop ze verstânne, wan sie wellent daz eine umbe daz ander geben und wellent alsô koufen mit unserm herren Eckh 1:7,5; daz wort lûtet grop und gemeine, und verstât doch wênic ieman, wie im sî ebd. 1:105,1. 1:99,3; grôze meistere [...] di wolden di schrift zu nâhe dûten und twingen zu verstêne. aber ungelêrte pfaffen di nemen si zu wîte und zu grop HvFritzlHl 33,38 3 im Ggs. zum Geistigen, ‘dem Bereich des Stofflichen, Körperlichen zugehörig’ bekennit di fornunft daz subtil ist, baz bekennit si daz grobir ist Parad 34,19; [auf sinnl. Erfahrung gestütztes Erkennen] ist grop und ist ouch materielich Eckh 3:37,8; diu niderste kraft oder diu allergröbeste, als gehœrde oder gesiht ebd. 2:418,7; noch ist dirre sin [diese Deutung] ze grop und ze lîplich, wan er hanget an lîplîcher glîchnisse. dar umbe sage ich iu einen andern sin, der noch lûterer ist und noch geistlîcher ebd. 3:319,1; nu nement ein grop gelichnisse weltliche lúte die kein ding ennement denne noch sinnelicher wisen Tauler 124,14; das er [Christus] sich also geben hat in einer grober ussewendiger wise, also in glichnisse brotes und wines, und das wir in zuͦ dem munde innemen súllent also lipliche spise ebd. 310,26 4 ‘groß, das übliche, erwartbare oder akzeptable Maß übersteigend’ (vgl. mnd. grof, Schiller/ Lübben 2,149f.) 4.1 allg.: sin gabe was so grob / spilluten und den vrien, / daz sie musten schrien [...] / sin lob an allen orten MarLegPass 20,24; des ere ist groz unde grob Vät 13526; an manigem was ir [Mariens] helfe grob Pass III 690,23; NvJer 6287. – Adv.: nu was der iuncvrowen lob / mit rechter warheit vollen grob / getreten in diz riche Pass III 566,68; Vät 2319; auf Anzahl bezogen: daz Johannes also grobe / dar von sprichet und saget me [Apc 4,4 (24 Älteste) gegen Mt 18,28 (12 Apostel)] HeslApk 8048 4.2 von Sünden: sehet, diz sint allez koufliute, die sich hüetent vor groben [schweren, schlimmen] sünden Eckh 1:7,1; lúte, die [...] in grossen groben totsúnden lebent Tauler 131,24; auf den Sünder übertr.: ein grop gros súnder der enmitten in der súnden ist ebd. 116,9. – Adv.: da was grob gebrochen [gesündigt] Vät 17145 4.3 in der Wendung (beide) kleine unde grop: dar abe [von den Bäumen] sie [...] / manigerhande brachen obz / beide cleinez und grobz [d.h. jeglicher Größe] Pass I/II (HSW) 3226; Pass III 1,31; von ir [Maria] manic wunder / ist da kleine und grob ebd. 5,19; Pass I/II (HSW) 17350
MWB 2 944,4; Bearbeiter: Bohnert