glänzen,
glanzen,
vb. ,
nitere, splendere, coruscare. im hd. zuerst bei Notker,
nur im prät. (
s. u. I B 1 a
und II A) glanzta
belegte j-
bildung; norw. gletta
sw. vb. '
gucken',
schwed. glänta '
die tür ein wenig öffnen',
dial. (
auch in der form glätta) '
hervorschimmern, hell werden, leuchten'
; ob mengl. glenten '
glänzen, blicken, sich rasch fortbewegen'
aus dem nord. entlehnt wurde, ist unsicher, vgl. Björkman
scandinav. loanwords (1902) 241.
germ. *glantjan,
intensivum (
im nord. auch causativum)
zum st. vb. *glentan,
hd. glinzen,
norw. gletta '
gleiten'
; sieh glinzen
sowie Alf Torp 164, Hellquist 193
a, Walde-Pokorny 1, 625.
das schwed. hat das vb. im 17.
jh. als glänsa
entlehnt, vgl. Hellquist
a. a. o., das dä
n. hat sich dagegen für glinse
entschieden; in den technischen bedeutungen B 3
ist glänzen
ins gesamte skandinavische, nl. und ins engl. übernommen worden. mundartlich ist glänzen
nur in umlautloser form belegt bei Unger-Khull
steir. 294
a, Jakob
Wien. 70
a, glanca Mojmir
Wilmesau 159;
daneben kennen auch die umgelautete Fischer schwäb. 3, 667, Martin-Lienhart
elsäss. 1, 260
b, Staub-Tobler 2, 638, Schmeller-Fr. 1, 975;
die umgelautete form allein begegnet bei Meisinger
Rapp. 73
a, Follmann
lothr. 207
a,
rhein. wb. 2, 1251, Lambert
rheinpf. 66
a, Lenz
Handschuhsheim 28
b, Crecelius
oberhess. 423, Hofmann
niederhess. 107
b, Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 1, 422, Fischer
samländ. 141
a, Doornkaat-Koolman 1, 631
a u. a. obd. scheint sich auf weiten gebieten neben altem mundartl. glanzen
ein aus der schriftsprache kommendes umgelautetes glenzen
eingenistet zu haben, vgl. Fischer, Martin-Lienhart, Staub-Tobler
a. a. o. die md. mundarten haben ihr glänzen
wohl ebenfalls aus der schriftsprache übernommen, vgl. Müller-Fraureuth,
vor allem rhein. wb. a. a. o.; in ihnen waren ursprünglich synonyma wie glinzen, glinstern, glanstern
u. ähnl. sehr geläufig. die schriftsprache läszt schon in mhd. zeit keine gebietsmäszige trennung nach umgelauteten und umlautlosen formen erkennen; die umgelautete form hat die umlautlose im 18.
jh. endgültig aus der schriftsprache verdrängt. bedeutung und gebrauch. II.
intransitiver gebrauch. I@AA. '
blendend hell sein; licht ausstrahlen, leuchten, schimmern, glimmen',
vgl.glanz A. I@A@11)
von den gestirnen; von der blendenden helligkeit, auch dem schein von sonne und sternen: man sach dô glenzen unde brehen der liehten klâren sunnen blic Konrad v. Würzburg
Partonopier 4048; brenn an irem glantzen (
der sonne) die tunckelheit seiner (
des adlers) augen ausz Heyden
Plinius (1565) 409; zu solcher zeit das weisze sternensilber himmelab glänzet Sigm. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 10;
es glänzt der abendstern an blauen himmelshöhen Schubart
s. ged. (1825) 1, 29; die glänzende sonne Herder 13, 14
S.; anders im schweizer. 'die sonne glänzt,
wenn sie durch gewölk wie durch einen schleier blickt, ohne mit voller kraft zu strahlen' Staub-Tobler 2, 638; die gestirne glänzten zu ihren häuptern kalt und fern Scheffel 3, 134
Panzer; gern von der morgenröte gebraucht (
sieh auch unten II A): die morgenröthe gläntzt mit liechten rosenhaaren Ziegler
asiat. Banise (1689) 862; und auf des ersten strahles glänzen ist dein (
der lerche) gesang herabgewallt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 364;
sprichwörtlich: sternen gläntzen, ob sie schon schwartze wolcken decken Lehman
floril. polit. (1662) 1, 326.
vom mond auch wenn, wie in neuerer zeit, sein licht als mild, sanft empfunden wird: diu schœne glenzen und enprehen sach den liehten mânen Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 8902; am ostertag ... glantzet der mond so heiter als ob es die sunn wäre Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 57; ich sach den blassen mond mit halbem lichte glänzen J. Chr. Günther
ged. (1735) 508; wie glänzt der helle mond so kalt und fern G. Keller
ges. w. 10 (1907) 83;
redensartlich in bezug auf das feiste gesicht rundlicher menschen glänzen wie der vollmond '
gutgenährt, zufrieden aussehen': wie vollmond gläntze sein feistes gesicht Bürger
w. 66
a Bohtz; die glänzenden vollmonde wohlsituierter, behäbiger rentiers H. Seidel
Leber. Hühnchen (1899) 17;
vgl. auch D 1 b. I@A@22)
von der helligkeit der atmosphäre, der helligkeit des tages, vgl. glanz A 2: (
vergleichend von der Christnacht:) die nacht die glantzt lei wie der tag (
a. d. j. 1623)
bei Lexer
kärnt. 310; fliegende würmchen verfolgen sich ... und tanzen höher in der glänzenden luft Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 109; der himmel glänzt vom reinsten frühlingslichte Mörike
ges. schr. (1905) 1, 139;
ähnlich: du rieffest bald des sommers glänzen und bald des winters frost herzu Drollinger
ged. 38; die sonne hatte sich allbereits über den wald geschwungen, der vormittag glänzte und funkelte über den schweigenden wipfeln Stifter
s. w. (1901) 1, 225;
mit acc. der wirkung: o blaue luft nach trüben tagen, doch stillst du meine bittern klagen! du glänzest ahnung mir zum herzen, wie himmlisch freude labt nach schmerzen Uhland
ged. (1898) 1, 38.
als poetische wendung findet sich glänzender tag: da kaum der glänzende tag an entwölkten bergen heraufzog Göthe 2, 361
W., vgl. noch Tieck
schr. (1828) 2, 51, Grillparzer
s. w. (1892) 7, 146.
nur obd. ist glänzende (
d. h. sternklare) nacht (
s. auch glanz A 2
ende),
vgl. illustris nox sideribus ein hälle nacht oder heitere und glantzende von wägen der sternen, die zuo nacht scheynend Frisius
dict. (1556) 880
a: darumb die sonn bey hellem tag dich mit ihr hitz nit stechen mag noch der mon bey glentzender nacht Melchior Guldin
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 1, 221;
ähnlich: die glänzende nachtstille blieb von nun an ungestört und nichts rührte sich als unten die emsig rieselnden wasser und
oben die spitzen der flimmernden sterne Stifter
s. w. (1901) 2, 38;
in der wetterregel: wenns hinecht glanzet, so gfrürts Staub-Tobler 2, 638. I@A@33)
von feuer- und lichtschein: der schnee aber und eysz ... zerschmultzend nit ..., das sy erkanntend das fheür (
von gott den Egyptern geschickte strafe) im hagel und rägen glantzende
Züricher bibel (1531)
sap. 16, 22; am glänzenden feuer des heerdes Voss
Odüssee 113
Bernays.; redensartlich: wie feuer (
d. h. '
sehr stark') glänzen: hier glantzet als (
alles) wie feuer, die stadt ist auff pur gold gegründt; pur golt ist alles gmäuer (
a. d. j. 1631)
bei Kehrein
kath. kirchenl. 1, 712; sein (
des engels) schwert glänzete wie feuer (1.
Mos. 3, 24;
s. auch B 2 h) Herder 28, 540
S.; schon mhd. ähnlich im bilde: sagt an, schol ich daz viur iht frhten und entsitzen, daz da mit glantzen, glitzen glestet uz dem schilde Joh. v. Würzburg
Wilhelm 4826
R; vom lichtschein: nach disen worten süeze die lampen und diu glasevaz erlâschen alliu, wizzent daz; ir glenzen und ir schîn verdarp Konrad v. Würzburg
Pantaleon 1247; es flimmerte und glänzte von viel tausend lichtern vor seinen augen (
des Aschenbrödels im festsaal) Grimm
kinder- u. hausm. (1812) 1, 91; der lampenschein aus des professors studirzimmer glänzte behaglich anlockend in die nacht W. Raabe
Abu Telfan (1870) 3, 73;
im bilde (
vgl. auch unten gleiszen und glänzen): das helle licht des evangelii glantzet sehr (
nach 2. Kor. 4, 4) Luther
tischreden (1576) 186
a; des ruhmes lichte kertze gläntzt über Abila Lohenstein
Sophonisbe in: dram. w. 2 (1680) 63;
in redensartlichen wendungen übertragen gebraucht; sein licht glänzen lassen '
sich hervortun': ich ... kehre dann ... in mein ... vaterland zurück, um auch hier mein licht glänzen zu lassen Tieck
schr. (1828) 6, 37;
als steigerung von hell
bei etwas in glänzendes licht setzen, stellen '
etwas deutlich sichtbar machen': diese barbareyen dienten nur dazu, das entgegengesetzte betragen der Schweden in ein desto glänzenderes licht zu setzen Schiller 8, 157
G.; eine bedeutende composition ..., welche zugleich die leistungen der kapelle in ein glänzendes licht zu stellen geeignet war O. Jahn
Mozart (1856) 2, 491.
nur gelegentlich bezeichnet glänzen '
glimmen, phosphoreszieren': so hat es auch in denen insulen vor America, Antilles genandt, eine art gläntzender fliegen, welche die Indianer coucoujou nennen, ... mit zween dicken flügeln, darunter noch andere zween dünnere liegen, in diesen dünnern flügeln steckt die gläntzende klarheit, so im dunckeln leuchtet, beynahe wie ein brennendes liecht
J. B. Porta natürl. magia (1713) 787
b;
bildlich: die keuschheit ist der schatz der welt, ... die lieb ein irrwisch ... ein wurm, der nur gläntzt bey der nacht Lohenstein
Ibrahim in: dram. w. 1 (1680) 68; unter den blinden kan auch ein einäugiger könig sein, im finstern auch ein faules holtz gläntzen Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 376. I@A@44)
in mischung mit B
auf dinge übertragen, die von lichtschein beleuchtet und erhellt werden: er (
der himmel) glantzt vom blitz und that zur rach manchen schrecklichen donnerschlag H. C. Fuchs
mückenkrieg 81
Genthe (1846); um sie her (
war) ein helles licht, davon alles gegläntzet und gestrahlet Carpzov
leichpred. (1698) 87; es steigt der mond, das ferne thal glänzt mild in seinem licht S. Mereau
ged. (1800) 1, 23; zauberhell wie ein mirakel glänzt der raum im lichtgetänzel; unterm goldnen tabernakel ruht der staub des heilgen Wenzel R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 1, 17;
zu C 1
neigend: die gesichter der männer glänzten tiefrot vom widerschein der sonne Frank Thiesz
zentaur (1931) 138; '
im lichte sichtbar sein': da drent glanzt a derfallens (
zerfallenes)
Dach K. Stieler
ged. 1, 25 (
Reclam). I@A@55) glänzen
in religiösem bereich (
vgl.glanz A 4),
als attribut gottes und alles himmlischen, göttlichen: dâ Christ, der wâre sunnenschîn, her glenzet Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 1076
Schr.; si sahent sin (
des engels) antlütze glentzen unde glesten
sœlden hort 9601
A.; wie auch die lieben feuerigen engelein ire strahl von sich geben ... und glentzen Mathesius
Sarepta (1571) 55
a; herlich wird got hærfur glentzen gewis aus Sion hi, dær schönhait ist volkommen Schede-Melissus
psalmen 191
ndr.; lasz glantzen mir dein angesicht (
gott, nach 4. Mos. 6, 25), lasz mir dein augen scheinen Fr. v. Spee
tugendb. (1649) 36; o wie glantzt ihr (
heilige) im himmelreich: eur klarheit ist so voll und gantz, euch ist kein glantz auff erden gleich
a. d. j. 1631
bei: Kehrein
kath. kirchenl. 1, 447; man sieht an aller erden grenzen das feuer seiner (
gottes) liebe blitzen, die strahlen seiner weisheit glänzen Brockes
ird. vergn. (1721) 8, 9; grosze glänzende engel, die den schnee nicht streifen, aber so hoch wie die himmel sind, werden sich zu horchenden hirten neigen und ihnen singen von dem märchenkinde in Bethlehem Rilke
briefe und tageb. 1899 -1902 (1931) 352;
mit etymologischem acc.: der engel, der bei Lissa seinen glanz auf den gesalbten (
Friedrich II.) glänzte Gleim
w. (1811) 4, 76.
substantiviert: keiner von den glänzenden, die das selige geschäft haben, die geister abzuholen, sieht mich an Jung-Stilling
s. schr. (1835) 2, 157.
nach einigen bibelstellen auch von verklärten und begnadeten menschen gesagt; nach 2. Mos. 34, 29: das die haut seines (
Moses) angesichts glantzet, davon daz er (
gott) mit im geredt hatte
Züricher bibel (1531); (
Moses) verklert sich fur yhnen und seyn angesicht glantzet wie die sonne Luther 14, 26
W.; wart ir (
der hl. Elisabeth) angesichte verkleret, dasz von er strameln gingen klar alsz dy sonne, die die frummen mentschin sahen von er glanttzen W. Gerstenberg
chron. 196
D.; (
im himmel werden) die wunden und dú zeichen so inbrunstklich glenzende, dú hie von miner minne enphangen sint Seuse
dt. schr. 241
Bihlm.; bildlich: ein warer religiosus glantzet von lauter andacht Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 109
b;
an Matth. 13, 43
schlieszen sich an: die gerechten aber werden all hell glentzen wie die sonne B. Ringwaldt
evangelia j 4
b; weil der gerechte mensch gläntzt wie der sonnenschein, so wird nach dieser zeit gott voller sonnen seyn Angelus Silesius
cherub. wand. 51
ndr.; wie schönen glantz der himmel giebet dann, wann er ungewölcket steht: so, wer die sünde nicht verübet, gläntzt rein, in seinem licht erhöht, als den noch schlechte schuld betrübet (
auf einen früh verstorbenen) S. Dach
in: Königsb. dichterkr. 39
ndr. I@BB. '
das licht zurückwerfen',
oft in der form des part. präs., die zum adj. erstarrt (
s. auch unten E). I@B@11)
entsprechend glanz B 1
von dingen mit blanker, spiegelnder oberfläche '
das licht zurückspiegeln, blinken, blank sein'. I@B@1@aa)
von gold, silber, edelsteinen, schmuck, vgl. auch alabastrum glenzender marmel
voc. opt. (14.
jh.) 54
b Wack.; taranah legeta si ufen iro houbet magedlichen goldring, ter meist clanzta fone dero sconi dero mittun gimmo (
dehinc apponit vertici diadema virginale, quod maxime medialis gemme lumine prenitebat) Notker 1, 786
P.; (
edelsteine) da glentzen unde glesten
sœlden hort 6973
A.; das glantzen des schmucks verdunckelt und dempfet die schöne gestalt Joh. Barth
weiberspiegel (1565) x 6
a; silber und gold und andere ding auff unsern leib gläntzen und schimmern Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 1, f 6
a; glänzen dann auf allen wegen schmuck und perlen ihr entgegen, denkt sie wohl, wer es gebracht Mörike
ges. schr. (1905) 1, 145; '
strahlend gleiszen',
hauptsächlich in der barockzeit mannigfach bildlich verwendet: ihre (
der freiwilligen armut) füsz seind von diamanten, ihr leib von zaphier, ihr angesicht von carfunckel, sie glentzet, erfreuet, vivificiret und macht lebendig Äg. Albertinus
landstörzer (1615) 97; damit sie (
die frauen) wie ein chrystall durchsichtig und wie ein carfunckel gläntzend werden, reiben sie sich mit brosamlen, mit distiliressig, Stranitzky
ollapatrida 173
Wiener ndr.; auch im elendesten äsopischen krüppel kann eine grose liebenswürdige seele, wie ein rubin aus dem schlamme glänzen Schiller 2, 53
G.; ähnlich: (
Wielands kleine erzählungen,) von welchen gar manche als wohlgeschliffene edelsteine in der krone deutscher literatur noch lange zeit glänzen werden Göthe 41, 1, 357
W. sprichwörtlich es ist nicht alles gold was glänzt,
oft bildlich im sinne von '
der schein trügt' (
vgl. auch glinzen, glanzig): bey euch ists auch, o bruder mein, nicht alles golt, was glentzet fein L. Hollonius
somnium vitae hum. 64
ndr.; es habe über die maszen geglentzet, sey aber darum kein gold gewesen, sondern lauter auripigmentum
Reinicke fuchs (1650) 264,
vgl. noch Elisabeth Charlotte v. Orleans
br. a. d. j. 1707 -1715, 630
Holland, Raabe
hungerp. (1864) 1, 24, Fischer
schwäb. 3, 667;
ähnlich: wo eygne tugend fähl, da gläntze mösz (
messing) für gold, des adels grund steh hähl Jes. Rompler
erstes gebüsch (1647) 134; ihr sehet glänzend bley für theures silber an Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 118. I@B@1@bb)
von metallenen gegenständen: die wein probieren auch etliche also: sie nemmen dünne plech von pley, zinn oder kupfer dreyer finger lang und breyt, die machen sie glantzend und hefftens mit wachs an die ponten der fasz Michael Herr
feldbau (1551) 106
b; dasz der riese von seinem kürisz erblendete, also schön glentzet er
buch der liebe (1587) 14
c; durch das offene fenster fiel die sonne auf seinen arbeitstisch, zersprang auf dem glänzenden messing des mikroskops in flammende bündel Schenzinger
anilin (1937) 348. I@B@1@cc)
von glas und spiegeln: unser herre ist ... ain ewiger spiegel, von dem alliu schonhait und alliu vröd flússet; so ist och ain ieglich engel und ain ieglichú sel ain spiegel; die spiegel glentzent alle engegen enander
St. Georgener prediger 233
R.; die hexen nehmen einen spiegel, ... legen solchen auf das wasser eines groszen gieszbecken, dergestalten, dasz der spiegel mit dem glänzenden theil gegen den himmel über sich gekehrt ligt Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 94; von vielen fenstern glänzt es (
das haus) wohnlich, hell Schiller 14, 282
G.; im vergleich: ein gedränge gläsern glänzender, weiszgelber pilze Carossa
geheimn. d. reifen lebens (1936) 140;
redensartlich wie ein spiegel glänzen: seine glatte, wie ein spiegel glänzende stirne Klinger
w. (1809) 8, 111; diese Kailasahöhen vor allen glänzen im hellsten schimmer wie spiegel Ritter
erdkde (1822) 2, 14.
sprichwörtlich: das glück sey gleich eim schönen glasz: am schönesten wann glantzet das, so brichts entzwey und liegt an scherbn Gilhusius
gramm. (1597) 63; das glasz je mehr es gläntzt, je leichter es zubricht Opitz
teutsche poem. 21
ndr.; dasz das glück gläszern sey, welches wenn es am hellsten gläntzet, zubrechen kan H. v. Fleming
soldat (1726) 191. I@B@1@dd)
von wasser, anderen flüssigen körpern und nassen gegenständen, vgl. uf der haid dur das graz von dem súessen tow naz, dar in die sunne glentzen
sœlden hort 5375
A., auch Konrad schenk v. Landegg
in minnes. 1, 358
b v. d. H.: mit bildnussen, welche ausz dem wasser oben umbher spiegelten und gläntzten in einem wiederschein Nigrinus
von zäuberern (1592) 50; den gantzen tag uber von unverdrossener arbeit die schweisztropffen heller als die beste ... perlin auff dem gesichte glantzen Zinkgref
apophth. (1628) 40; eine zähre glänzte in seinem auge Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 118; in seinen augen glänzten grosze thränen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 146; goldner glänzten stille fluthen von der abendsonne gluthen Göthe I 4, 20
W.; ein warmer sommerregen sprühte und glänzte in der sonne, die soeben hinter den bergen unterging Eichendorff
s. w. (1864) 3, 71; hinter den feucht glänzenden stämmen
J. P. Jacobsen s. w. 118; die linien der gleise, welche vor nässe glänzend das blasse mondlicht ... aufsaugten G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 33;
hierher auch: auf einem glasteller würde schwerer honig glänzen Rilke
briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 56; obstkuchen strotzten vor süsze und glänzten vor saft Schenzinger
anilin (1937) 89.
redensartlich: der kerl friszt, dat e glänzt (
nämlich von schweisz im gesicht)
rhein. wb. 2, 1251. I@B@1@ee)
von fett, öl, lack, firnisz u. ähnl. (
vgl.glanz B 1 d): perlen ..., wenn die aufgelöset ... sind, so geben sie ein gläntzendes öl
J. B. Porta nat. magia (1713) 641
b; (
die neger) schmieren sich mit fischtran ..., darvon sie gläntzen J. Andersen
orient. reisebeschr. 4
in Olearius
verm. reisebeschr. (1696); ihre leiber glänzten von öl Frank Thiesz
zentaur (1931) 414; und so sitzend umgeben die drei den glänzend gebohnten runden, braunen tisch ... Göthe 50, 195
W.; glänzende Suwarowstiefeln mit gelben stulpen G. Keller
ges. w. (1889) 1, 18;
im vergleich: diese ... fläche mahlten sie mit wachsfarben, die ... wie mit einem glänzenden firnisz überzogen waren Göthe 47, 239
W. redensartlich glänzen wie eine speckschwarte,
auch speckig glänzen '
stark glänzen'
; vergleichend von abgetragener kleidung: da ärml glänzt wie n speckschwrte Rother
schles. sprichw. (1928) 161,
ähnlich Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 1, 422
b;
anders glänzen wie speckschwarte '
sich hervortun'
ebda; auch ironisch im sinne '
von schmutz starren' Fischer
schwäb. 3, 667,
sieh auch rhein. wb. 2, 1251. I@B@1@ff)
von früchten und blättern mit glatter oberfläche: die farbigen glänzenden früchte (
kirschen) Göthe 24, 14
W.; eisenhut, stengel mit glänzenden blättern besetzt Dietrich
generalreg. (1820) 1, 78; glänzende rispe
ebda 197. I@B@22)
entsprechend glanz B 2
von dingen, deren glatte oder körnige oberfläche das licht matter oder gebrochen zurückwirft; '
schimmern',
auch '
glitzern' (
so bei a). I@B@2@aa)
von mineralien: das sylber und goldt ist ein sandt, welchs man findt auff des meeres landt, seindt gformiert wie steinlin klein; die herfür im sandt glantzen rein Ph. Bech
v. bergbau (1557) 5; inn einem gluwen ertz oder kupffer oder glantzendem kisz oder marckasit Mathesius
Sarepta (1571) 40
b; sie (
bleierze) seind gemeinigklich graw, schwer und glantzent Ercker
mineral. ertzt (1580) 113
a; (
der letten,) der muschlich sich zerbröckelt, auf den flächen glänzend wird wie steinkohlen Göthe III 1, 312
W.; sie (
die ameise) trägt die kleinen glänzenden hyalithe (
glassteine) in ihrem bau zusammen S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 30; (
harnstoff wird) in glänzenden krystallschuppen niedergeschlagen Wöhler
grundrisz d. chemie (1833) 118;
vom glanzrusz (
s. d.): vor die funcklende augen, die von schwärtze klärer zwitzern als der rusz vor meines knans ofenloch, welcher so schröcklich gläntzete, wenn unser Ann mit einem strohwisch davor stunde, die stub zu hitzen, als wenn lauter feur darin steckte, die gantze welt anzuzünden Grimmelshausen
Simpl. 118
Scholte; ähnlich in ironisch gemeinten redewendungen mit dem sinne '
wie rusz oder kohle glänzen und wie diese schmutzig sein',
vgl.es ist sehr schwartz, es gläntzet wie ein ofenloch
scarabaeo nigrior Spanutius
lex. (1720) 564, Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 135
b: er glänzt wie n karfunkel vom ofenloche (
wie kohle) Körte
sprichw. (1837) 239; glänzen wie karfunkel(stein) vor (neben, unter, in) dem ofenloch Fischer
schwäb. 3, 667,
rhein. wb. 2, 1251;
in gleichem sinne schlieszlich auch de glänzt van dreck
rhein. wb. a. a. o. I@B@2@bb)
vom blendenden, glitzernden schein von schnee, eis, reif: darin (
in den bergen) man mitten im sommer in den hundstagen den schnee sicht glentzen G. Braun
beschreib. u. contrafactur (1572) 1, 5
a; glänzenden reif, sternen gleich, streute die nacht über ihn aus! Klopstock
oden 1, 173
M.-P.; die reihe der glänzenden eisgebürge Göthe IV 4, 109
W.; von eis glänzt jede gracht Freiligrath 1, 75
Z.; der Brocken glänzte mit einer silbernen schneedecke im sonnenschein Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 93;
im vergleich: schiffe, geglättet und hell getüncht, wie eis glänzend G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 85. I@B@2@cc)
von horn, schuppen, perlmutter u. ähnl.: noch verre grüener denne ein glas sach man dâ glenzen sînen balc (
der schlange) Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 24181; sein (
des seidenschwänzleins) schnabel und füszlein seynd von einer gläntzenden schwärtze Aitinger
jagd- u. weidb. (1681) 292; der gantze leyb (
der eidechse) mit kleinen, vilen, glantzenden und glatten schüppen ... bedeckt Gesner-Forer
thierb. (1563) 167; das glänzende kleid eines abgeschuppten fisches Göthe 21, 88
W.; diser (
fisch) glanzet mit vil guldinen streimen
fischb. nach Staub-Tobler
schweizer. 2, 638; auch mehr andre meerschnecken gefunden werden, welche wenn man sie in essig legt, ihre oberste haut abschelen und gantz hell und gläntzend werden wie eine perlemutter
J. B. Porta magia (1713) 640
b; das meer bietet in seinen vielfarbigen, glänzenden muscheln das reichste material Ratzel
völkerkde (1885) 2, 141; (
der bienenkönig) sey schön und glänzend Overbeck
gloss. melitt. (1765) 133;
zugleich im sinne von C 1: durchliuhtic rôt als ein rubîn was im der munt, des hœr ich jehen, dar ûz man glenzen und enbrehen wîze unde blanke zene sach Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 3038. I@B@2@dd)
von haar, federn u. ähnl.: (
die frauen) auch ire hare sprentzeln, das si durch die fliegennetze glantzen Joh. Barth
weiberspiegel (1565) v 1
b; er (
Kohlhaas) ritt einst, mit einer koppel junger pferde, wohlgenährt alle und glänzend, ins ausland H. v. Kleist
s. w. 3, 141
E. Schm.; und minder scheint der locken glänzend braun der jahre als des kummers last zu weichen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 252; (
der bart eines bejahrten mannes) im glänzenden schwarz Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 38; bei guter ... nahrung bekommen alle säugetiere ein ... glänzendes haarkleid Brehm
tierl. (1890) 1, 27;
vom altweibersommer: stundenlang stand er (
Moltke) bei den schnittern, bis überall die stoppelfelder sich breiteten, über die der herbst seine glänzenden fäden zog Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 236;
vom gefieder der vögel: die pflaumen (
des adlers) schön und glantzend Heyden
Plinius (1565) 408,
vgl. ebda vorr. 3
b; wegen der farb, die jeder frist an ihm (
dem paradiesvogel) gantz wunderbarlich ist, schön lieblich, glantzent auch daneben W. Spangenberg
ganszkönig 225
M.; er (
der star) siehet schwartz, und am halse gläntzend, mit weiszen federn eingesprenget H. Fr. v. Göchhausen
weidw.-anm. (1741) 95. I@B@2@ee)
von gewissen stoffsorten, die zu schmuckzwecken verwendung finden, besonders seide u. dgl. (
vgl.glanz B 2 d): er kleidet uns ein in glänzende seide J. A. Cramer
s. ged. (1782) 2, 28; die glänzenden blumen des damasts A. v. Arnim 1, 353; da der tisch mit glänzendem zeuge gedeckt wurde G. Keller
ges. w. (1889) 5, 15; das linnen glänzte Fontane
ges w. I 1, 119.
anders von abgeschabten stellen wolliger tuche: sein rock war sehr abgetragen, ... er glänzte an manchen stellen Stifter
s. w. (1901) 5, 1, 68. I@B@33)
redensartlich in neuerer zeit von (vor) ordnung, sauberkeit, neuheit glänzen,
d. h. zimmer, geräte u. s. w. sind so sauber geputzt oder noch so neu, dasz sie glänzen: dann war in den schlafzimmern und der küche so vieles aufzuräumen und zu ordnen, und welche freude war es, wenn hernach alles von ordnung und sauberkeit glänzte
V. v. Strausz
lebensführ. (1888) 2, 230; die junge frau warf einen blick auf das zimmer: alles glänzte vor neuheit W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 10;
auch übertragen, z. b. sein gesicht glänzt vor sauberkeit,
ohne dasz wirklicher glanz gemeint ist, also in C 1
übergehend. I@CC.
die bedeutungen A
und B
kreuzen sich bei der anwendung von glänzen
auf farben und die augen, vgl. auch glanz C. I@C@11)
von farben gesagt, um ihre besondere helligkeit, ihr leuchten zu veranschaulichen, oft von farben der blumen; heute meist durch leuchten, schimmern
ersetzt, vgl. couleur haute eine hohe farb, gläntzende und scheinende farb
serenus color, color splendidus et illustris Duez
nomencl. (1664) 204
a: bî den rôten rôsen glenzent viol blâ Konrad v. Würzburg
lieder u. spr. 7, 26; fúr allerley schon geverwten und glenzenden bluomen, die kein heide ald anger ... fúrbraht, ... bút ich dir ein geischliches kússen (
in der geistlichen frühlingsfeier) Seuse
dt. schr. 33
Bihlm.; vergebens glänzen ihm (
dem unzufriedenen) die farben der natur Mastalier
ged. (1774) 21; nit sihe an den wein, wenn er im glasz geel ist, wenn sein farb im glasz glentzet (
vgl. spr. Sal. 23, 31) Ambach
vom zusauffen e 2
a; in disem gschir glanzet der wyn J. Murer
belag. d. st. Babylon (1559)
nach Staub-Tobler 2, 638; das wenige von himmel und landschaft (
im gemälde), das wegen der höhe und reinheit der farben noch frisch und glänzend geblieben Göthe 49, 1, 229
W.; bildlich: mit den glänzendsten farben ausgemalt W. Scherer
litteraturgesch.7 48; (
ein haus) halb vom glänzenden grün kühlender linden verhüllt Fr. v. Salis
ged. (1793) 83; (
wir sahen) einen blauen glänzenden rauch aus der heidenstube dringen und längs der wand hinsteigen G. Keller
s. w. (1907) 1, 255; bis das blachfeld glanzet roth (
von blut) v. Ditfurth
volksl. d. bayer. heeres (1871) 29;
meist jedoch von auffallendem weisz: schau ... durch die heiden und felder, wie sie ... gläntzen von todtenbeinen Schottel
friedens sieg 29
ndr.; ob etwa durch die fensterscheiben ein weiszes jungferhäubgen gläntzt Chr. Weise
d. grün. jug. überfl. ged. 13
ndr.; ihr busen glänzt wie schnee Fr. W. Gotter
ged. (1787) 1, 93; es zeigte sich um diese maschine (
papierdrachen) ein kleines glänzendes wölkchen Göthe II 1, 12
W.; und mit glänzendem gefieder ... kehrt er (
der schwan) aus der fremde wieder Müllner
dram. w. (1828) 2, 28; hell glänzte ... des Cappan weiszes festgewand Scheffel 3, 272
Panzer. hier schlieszt sich glänzen
als bezeichnung weisz oder rosig schimmernder haut an: ein varwe ... diu glenzet unde lachet von dime antlütze Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 586
Schr.; wodurch die stirne glänzt, wodurch die backen roth, das ist dem jungfervolck ihr täglich liebes brodt (
nämlich puder und schminke) J. Rachel
satyr. ged. 131
ndr.; im vergleich: jede deiner morgenstunden glänze rosig, wie dein angesicht Blumauer
ged. (1782) 13; die lebhafte farbe der gesundheit glänzte auf seinen wangen Göthe 22, 85
W.; sie hatte ihren kopf auf den nackten glänzenden arm gestützt Storm
s. w. (1899) 2, 240. I@C@22)
etwas anders '(
durch glanz und farbe)
leuchtend sichtbar sein': ein künstenreiche festin (
ein tafelaufsatz) ... mit granatöpffeln, pommerantzen gut contrafect, darauss ward glantzen manch edle frucht, löblich gebildt Hans Sachs 16, 428
K.-G.; zurücke waren schon geblieben alle grentzen Seelandes, man sah auch da keinen thurm mehr glentzen D. v.
d. Werder
Roland (1636) 10.
ges., 16.
str.; da sah ich einen apfelbaum zwei schöne äpfel glänzten dran Göthe 14, 207
W.; des klosters mauern (
Reichenau) glänzten fern aus dem see herüber zu den streitern Scheffel 3, 237
Panzer. I@C@33) glänzen der augen
bezeichnet zunächst rein sinnlich die spiegelung des lichts im augapfel: nun aber blinzelte der vogel (
eine eule), da wars, als machten die glänzenden kugeln der augen urplötzlich eine ganze drehung um sich selbst Carossa
geheimn. d. reifen lebens (1936) 199;
meist aber geht es auf den lebendigen, besonderen ausdruck der augen, die als leuchtende körper empfunden werden, vgl. glanz C 2: es haben wohl etliche rosz schön glantzende augen H. v. Eppendorf
Plinius (1543) 106; die pflitzende strahlen eurer (
Agalantas) gläntzenden augen Creizenach
schausp. engl. comöd. 112;
vielfach wird die ursache des gesteigerten ausdrucks näher bestimmt oder die wirkung gekennzeichnet: die niedergesenkten augen ... öffneten sich wieder und glänzten von hoffnung und freude Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 69; in den lebhaften jugendlichen augen glänzte so eben ein neuer übermuth Stifter
s. w. (1901) 1, 90; ihre augen glänzten beinahe fiebrig Thiesz
zentaur (1931) 360; (
der klausnerin) augen glänzten unheimlich Scheffel 3, 55
Panzer; ihr blick war meistens wunderlich leer und ausdruckslos, aber zuweilen seltsam glänzend
J. P. Jacobsen s. w. 258;
auf die ursache selbst übertragen: ... wie glänzet aus deinem auge lauter gericht! Klopstock
s. w. (1800) 3, 265; ich sehe teilnahme in ihren augen glänzen G. Freytag
ges. w. (1887) 3, 163. —
in poetischer wendung: das auge glänzt jemandem, für jemanden: diese klaren augen sie glänzen, dieses herz es schlägt für mich! Göthe 6, 172
W.; und komm ich zu festlichen tänzen, zu scherz und spiel im sonnigen wald, wo schmachtende augen mir glänzen und blumen den becher bekränzen, da schwing ich vom rosz mich alsbald Geibel
ged. (1849) 6;
ähnlich: die äuglein (
der mücke) wie ein goldnes erz glänzten mir in das tiefste herz G. Keller
ges. w. 10 (1907) 102;
mit acc. der wirkung: du (
Mandane), deren blicke mütterliche zärtlichkeit auf deine königin glänzen Wieland
w. (1853) 27, 21;
in anderem sinne, an I B 1 d
angeschlossen, von tränenfeuchten augen: ihm glänzten die ehrlichen blauen augen, sie waren feucht Holtei
erz. schr. (1861) 1, 33; brach eine von den rosen ab und streute sie bethränt aufs grab, da glänzten ihre blicke Miller
ged. (1783) 50. I@DD.
bildliche und übertragene verwendung geht zumeist von I A
aus und tritt in älterer sprache noch nicht so häufig auf wie im jüngeren nhd. seit dem 18.
jh., wo namentlich das part. adj. sich selbständig weiter entwickelt (
s. unten E);
vgl. auch glanz D. I@D@11) '
den eindruck erwecken, auf die menschen wirken, als ob sie etwas glänzen
sehen',
z. t. unter dem einflusz von bibelstellen wie Daniel 12, 3,
Matth. 13, 43,
hohelied 6, 10
und allgemein als bildliche anwendung von I A
aus gebildet. I@D@1@aa)
zunächst streng im bilde: zuht, masz, scham, ksche, tugent habent dinen lip gepflantzt, da von din lop so glantzt neben dem gestirne! Joh. v. Würzburg
Wilhelm 2118
R.; wer ist die herfür gläntzet wie die morgenröte, schön wie der mon, lauter wie die sonne? (
von der kirche als einer allegorischen person) Ad. Reiszner
Jerusalem (1574) 1, 48
b; ich sich die auszerwelten zarten (
frauen) her glantzen wie der sunnen glast, zu mir her tretten in pallast Hans Sachs 12, 207
K.; schau! dorten kumbt mein gemahel eben, die glentzet wie der morgenstern Ayrer
dramen 3162
K.; (
die tüchtigen rechtsgelehrten) glänzen wie die hellsten sterne Gottsched
ged. (1751) 1, 179. I@D@1@bb)
vom gesicht, seinen teilen und dem ganzen wesen und gehaben des menschen im sinne '
einen gesteigerten ausdruck zur schau tragen, der vom betrachter als glänzen
empfunden wird' (
vgl.glanz D 5 b);
sowohl der religiöse gebrauch (
s. I A 5)
wie die anwendung auf die augen (
s. I C 3)
vermengen und erweitern sich hierbei zu allgemeiner, bildlicher geltung, vgl. ebenso verwendetes schimmern
teil 9, 163
nr. 6: da glänzt das antlitz Maxens hell wie der morgenstrahl A. Grün
w. 5, 105
Schl.; an C 1
angelehnt: der falsche verdacht ..., der so rein weggenommen ist, dasz die stirn des beargwohnten doppelt helle glänzt (1792) Caroline
briefe 1, 106
Waitz; eine nähere bestimmung der ursache wird gern durch vor
bzw. von
angeschlossen: gleich wird sein gesichtchen vor freude glänzen H. Carossa
doctor Bürger (1930) 42;
nach A 1
hin spielend, vgl. wie ein vollmond glänzen: mit seinem fetten gesichte, das vor freundlichkeit ordentlich glänzte Eichendorff
s. w. (1864) 3, 74; glänzt (
der freund) nicht vor wohlbehaglichkeit? E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 123
Gr.; er glänzte von wein und freude Stifter
s. w. (1901) 1, 85; er und seine Juliane glänzten von gesundheit und wohlbehagen Storm
s. w. (1899) 1, 94;
poetisch auf dinge übertragen: wie von golde beladen glänzte Delos für freuden, den sohn Kronions und Letos endlich schauend Göthe 4, 325
W.; eine herzliche freude ..., von der alle dinge in unserer stube glänzten Rilke
briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 162;
mit angabe der wirkung: eine stirn, die ... recht ... freundlich glänzen konnte E.
M. Arndt
s. w. 2, 5
R.-M.; die breite zurückgeschlagene eselsstirn, die zuweilen recht hell und freundlich glänzte Nitzsch
dt. studien (1879) 304;
so auch von dem mienenspiel: welch ein seliges lächeln glänzte über ihr angesicht Wieland I 2, 407
ak.; manchmal erinnere ich mich so genau nie gewesener dinge und zeiten ... nie gelächeltes lächeln glänzt Rilke
briefe u. tageb. 1899 -1902 (1931) 409; mit heimlich glänzendem lachen über dem ganzen gesicht Ricarda Huch
Michael Unger (1913) 211;
schlieszlich auf die ursache des gesteigerten ausdrucks übertragen: eine weiche heiterkeit glänzte von ihrem gesichte Göthe 21, 229
W.; schön glänzt die güte vom angesicht des gewaltigen (
des groszkophthas) 17, 177; die gnade glänzt auf deinem angesicht! o! dasz ein schimmer ihres heitern lichts auf eine unglücksvolle fürstin fiele Schiller 12, 451
G. I@D@1@cc)
vom eindruck, den schönheit des menschen und der natur, jugend und leben erwecken, vgl. glanz D 1: ihr dörfft euch fürchten keiner straff, dann uns liebt eur schöne gestalt, die glantzt, als wenn sie wer gemalt, für aller weiber lieb auff ern Ayrer
dramen 803
K.; hier (
im ballett) gläntzt der jugend schönste reih, und Hebe tritt den schwestern bey Hagedorn
vers. ein. ged. 19
lit.-denkm.; doch glänzt das holde mägdlein auf der blumenwiese A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 218;
von der natur: der wald läszt seine pracht, doch wird er wieder gläntzen, so bald im frischen lentzen die sonn ihn angelacht S. Dach
in: Königsb. dichterkreis 140
ndr.; blühende gärten ... glänzten um den edlen strom A. v. Haller
Usong (1771) 75; das röslein glänzt so fein A. v. Arnim
s. w. 14, 13;
in festerer verbindung von der jugend: mag denn der jugend blume uns verbleichen, noch glänzet sie und reizt unwiderstehlich Mörike
ges. schr. (1905) 1, 140; die tage der jugend, sie glänzen und blühn Göthe 11, 287
W.; ähnlich: ich bin nun 56 jahr alt und sollte 46 oder lieber noch 36 sein. da glänzte noch das leben, durchleuchtet vom hellsten schein der hoffnung (1874) K. Müllenhoff
an W. Scherer in: briefwechsel 543
Leitzmann; anders, im anschlusz an glanz D 1 d '
wirkungsvoll hervortreten',
vgl. oben C 2: das accompagnement ist allein begleitend und nur da, (
die solostimme) glänzen zu machen Rochlitz
bei O. Jahn
Mozart (1856) 4, 54
anm. I@D@1@dd)
durch aufwand, prunk, schmuck wirken, vgl. glanz D 2: clar glantzen und herbrangen in grosser herren gnad; der gsellschaft freud anhangen bringt kurtzweil früe und spad Chph. v. Schallenberg 131
lit. ver.; so soll demnach das klaid eines keuschen menschen weder glantzen noch auch wüst und unfletig sein Äg. Albertinus
hauspol. (1602) 5, 164
a;
vgl.er glnzt
ist glänzend, schön gekleidet Jakob
Wiener dial. 70
a; (
Ludwig XVI.) glänzt dem schimmernden hofe nicht Klopstock
oden 2, 67
M.-P.; mein vermögen ist nicht grosz genug, um in der welt zu glänzen Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 6; wohl glänzet das fest, wohl pranget das mahl Schiller 11, 383
G.; die vielfache feine wäsche, das tischzeug, das silber und alles, was nur in der gröszten haushaltung hätte nützen und glänzen können Tieck
ges. nov. (1838) 3, 22;
ironisch: auf einem brett der wandnische (
in Moengals zelle) glänzten einige bücher Scheffel 3, 114
Panzer; als er im buche selbst sein bildnisz hie und da nicht ohne schrecken glänzen sah Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 16. I@D@1@ee)
durch ansehen, ruhm, leistung, vortrefflichkeit wirken, eindruck machen, sich hervortun, vgl. glanz D 3;
vergleichbar schon: die uszerwelt schul Orlienz ich mein, dasz kunst da schein und glenz
a. d. j. 1418
bei Liliencron
volksl. 1, 232;
oft von personen als etwas glänzen,
vgl.: so lange dieser noch lebte, schimmerte Alcibiades nur jezuweilen, als staatsmann; dann erst fing er an zu glänzen A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1,
vorber. 2; der wunsch ... auch noch als märtyrer zu glänzen Göthe 23, 180
W.; reim dich oder ich fresz dich, es (
das gedicht) wird doch glanzen Meisl
theatral. quodlibet 2, 54; so lange jeder (
der schauspieler) nur für sich glänzen, nur für seyne person beklatscht seyn will J. J. Engel
schr. (1801) 8, 270; Rubens und van Dyck glänzen unter den coloristen der ersten reihe Göthe II 3, 361
W.; die medicinische facultät glänzte ... vor den übrigen (
in Straszburg) I 27, 237; schade dasz ein talent hier auf dem katheder verhallet, das auf höherm gerüst hätte zu glänzen verdient Schiller 11, 106
G.; grosze helden, deren name ewig glänzen musz Tieck
schr. (1828) 19, 337; seit drei jahrhunderten glänzt mein geschlecht in Deutschland und Italien Raupach
dram. w. ernster gattung (1835) 6, 17; in jeder aristocratie glänzen und herrschen nur wenige familien Niebuhr
röm. gesch. 1, 228; neben dem heldenruhme und den politischen einsichten Karls des groszen glänzen in seinem leben seine liebe zu den wissenschaften, und seine bemühungen ackerbau, handel und gewerbe emporzubringen K. Fr. Eichhorn
dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 325; er ist noch vollkommen unwissend und würde in einer prüfung ... nicht glänzen Holtei
erz. schr. 14, 15; die tante, die nur auf eine gelegenheit gepaszt hatte, ihren geist vor den beiden fremden glänzen zu lassen Eichendorff
s. w. (1864) 2, 79. I@D@1@ff)
mit geringschätzigem unterton (
vgl.glanz D 4)
den äuszeren schönen schein im gegensatz zum inneren wert oder wahren wesen stellend (
s. auch glinzen 1 d): der menschen werck und wort, wie sie ymer glentzen und lieben die wellt, hab ich nicht geachtet Luther 18, 524
W.; ihre (
der falschen propheten) wercke gläntzen, ... seind aber ... nichts anders als spinnengeweb Prätorius
anthropodemus plutonicus (1666) 1, 294; o wie der falschheit auszenseite glänzt
Shakespeare (1797) 4, 28; was glänzt, ist für den augenblick geboren, das echte bleibt der nachwelt unverloren Göthe 14, 10
W.; wir werden täglich gewahr, ... dasz die geistreichsten ... oft am wenigsten zu gefallen, zu glänzen verstehen Knigge
umgang mit menschen (1796) 3; rede mir nicht von ihren wohltaten. glänzen und schimmern wollen sie alle, eine frau in der stadt durch ihren geist, eine frau auf dem lande durch ihr herz Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 10; Corinna nimmt nichts ernsthaft und will eigentlich immer nur glänzen (
sich hervortun) und die bewunderung oder das verwundertsein ihrer zuhörer auf sich ziehen Fontane
ges. w. I 8, 120; sie glänzen nicht, diese tugenden, aber sie wärmen (
die bürgerliche betriebsamkeit, mäszigung, liebe zur ordnung) Herder 17, 391
S.; unterdessen glänzte das falsche (
in der literatur) Schopenhauer
w. 1, 16
Gr.; im sprichwort: was gläntzt, das gilt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 459. —
an Matth. 6, 16
schlieszt sich an die redensart vor (in, vor den augen) der welt glänzen: was ist doch ein hochmüthiger am ende, als ein ... stinckendes aas? welches der nase so viel eckel und unwillen verursachet, als es vorhin in den augen der welt zu glanzen trachtete Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 176; alle kenntnisz vergangener zeiten, erstorbener sprachen ... wenn sie nur erworben sind um damit vor der welt zu glänzen Schleiermacher
s. w. (1834) II 4, 149. I@D@1@gg)
präpositional verbunden begegnet in den bedeutungen c-f glänzen mit, durch, in etwas: es wissen aber i.
m. (
ihro majestät), dasz doch gleichwol mein ursprung mit kayserlichen ahnen gläntzet und mein vater cronen trug Ziegler
asiat. Banise (1689) 488; denselben mann, der zu Azzelbrun als löwe des tages mit schwarzem gewand und glitzernden ringen geglänzt hatte S. Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 103; beim gedanken an ein töricht wort, das ihm an einer stelle entfuhr, wo er gern mit einem verständigen geglänzt Scheffel
ges. w. (1907) 2, 62
Panzer; könt ich bald durch ernst wie Kleist bald durch wiz und spötterey Scarron gleich, im umgang glänzen Gökingk
ged. (1780) 1, 171; durch redliche thaten wird er nicht glänzen H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 41; durch witzsprühende improvisationen und geistreiche trinksprüche zu glänzen W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 15.
eine beliebte redensart ist durch abwesenheit glänzen: aus diesem leseclub war manche ... that entstanden, die jeden traf, auch wenn man ..., wie es von Julius Cäsar und Constantin Ulrichs gemeiniglich hiesz, durch 'abwesenheit geglänzt' hatte Gutzkow
ges. w. (1872) 3, 168; ... wissenschaft und treu, in welchen deine gaben gläntzen Neumark
t. palmbaum (1668) 26; eine eigenschaft (
fechtkunst), worin ihr, sagt man, glänzt
Shakespeare (1797) 3, 313; der mann (
Jomelli) hat sein fach, worin er glänzt O. Jahn
Mozart (1856) 3, 303
anm. 60; man glänzte auf kosten seiner freunde in bosheiten Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 117. I@D@22)
auch ohne beisinn in der bedeutung '
wie ein glanz sichtbar sein, werden': entgentzt, nicht glentzt ehr (
ehre) ietzt sehr viel, unzucht, verrucht gwinnt und nimpts spiel zu hof, mit vollen sprüngen (
für: exulat integritas, probitas et candor ab aula ebenda 72) Kirchhof
wendunmuth 1, 73
Ö. bildhafter: wo glänzt helles tugendglasten und der unschuld perlenkrohn? Sigm. v. Birken
fortsetz. d. Pegnitzschäferey (1645) 84; doch setzt den blumenkrantz nicht die gewohnheit auf; es soll die danckbarkeit aus dessen blättern gläntzen Besser
schr. (1732) 1, 283
König; in dir glänzet, o nefe, des vaters seele von neuem Bodmer
Noah (1752) 19; juweliere, silberarbeiter und künstler von aller art, die durch ihren ... vorrath, durch erfindung und geschmack ... zeugen, dasz noch spuren des alten geistes in ihnen glänzen Schubart
leben u. gesinn. 2, 23; in der rauhen stimme der alten glänzte so etwas, das den vetter stutzen machte Storm
s. w. (1899) 3, 316;
verblaszt '
auffallen': vier paare ..., die schon auf der Wylichschen soiree geglänzt hatten Fontane
ges. w. I 1, 439. I@EE.
in übertragener verwendung gewinnt das part. präs. seit dem 18.
jh. adjektivischen charakter. I@E@11)
adjektivischer gebrauch. I@E@1@aa) glänzend
stellt äuszere, ins auge fallende vorzüge einer person, eigenschaft oder sache heraus. I@E@1@a@aα)
auf die äuszere erscheinung, das auftreten eines menschen bezogen (
vgl. I D 1 c
und 2) '
schön, imponierend, prächtig auftretend'
u. s. w.: auf dasz er (
der fürst) der regierungssorge vergessen möge, so verschaffet man ihme allerhand zeitvertreib oder man weisz gar eine glanzende herzzauberin einzuführen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 128; ... ist es schwer, unter einer so groszen menge gläntzender schönheiten eine wahl anzustellen Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 2, 174; meine zügellose einbildungskraft (
brütete) ein paarmal über glänzende damen und mamselles Bräker
s. schr. (1789) 1, 241; ein vollkommner cavalier, ... von einer sehr gefälligen unterhaltung und glänzendem äuszern
Shakespeare (1797) 3, 345; die bemühung der menschen in den städten, sich immer schöner und glänzender zu zeigen J. Möser
s. w. (1842) 4, 44; die glänzende erscheinung des erzbischofs von Trier Nitzsch
dt. studien (1879) 12. I@E@1@a@bβ)
von der erscheinungsform seiner geistigen art und leistung; hier trägt es oft auch einen abschätzigen unterton: je hervorstechender und glänzender seine talente sind Lenz
vertheidigung d. herrn Wieland (1776) 7; er (
graf Woronzow) war nicht von glänzendem geist, aber von gesundem verstand Ranke
s. w. 29, 78; er besasz einen natürlichen gesunden, wenn auch keinen glänzenden verstand Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 169;
bildhaft: es giebt menschen mit leuchtendem und menschen mit glänzendem verstande. die ersten erhellen ihre umgebung, die zweiten verdunkeln sie
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 18;
von hier geht die fügung glänzende gedanken
aus: die gesuchten wendungen, die starcken redensarten, die glänzenden gedancken, schicken sich mehr für einen rhetor ... als für einen mann von gesunder vernunft Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 4, 294; da endlich unser wohlseyn mehr ein stilles gefühl als ein glänzender gedanke ist: so sind es allerdings auch weit mehr die empfindungen des herzens, als die wirkungen einer tiefsinnigen vernunft, die uns mit liebe und freude am leben lohnen Herder
s. w. 13, 337
S.; heute redensartlich abgeblaszt im sinne von '
sehr guter gedanke'
z. b. das ist ein glänzender gedanke,
im wettbewerb mit dem fast häufigeren glänzende idee;
ähnlich in verbindungen wie eine glänzende begabung
u. ähnl.; persönlich gewendet: der glänzendste gelehrte ist ihnen der gründlichste Knigge
roman m. lebens (1781) 1, 79; Taunay, dem glänzendsten schriftsteller und redner des instituto historico v.
d. Steinen
naturvölker (1894) 2. I@E@1@a@gγ)
die äuszere form künstlerischer und gelehrter schöpfungen betreffend '
vortrefflich ausgeführt, ästhetisch wirkungsvoll',
vgl.glanz D 1 d: die meisten (
ästhetiker) ... haben in ihren werken mehr auf einen gläntzenden vortrag als auf wahrheit und richtigkeit gesehn Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 3; diesz ist ohne zweifel der glänzendste theil in dem Youngschen trauerspiele Gerstenberg
schlesw. literaturbr. 122
lit.-denkm.; (
der verfasser Dusch hat) sehr reitzende beschreibungen und denn eine glänzende, abgemessene, richtige versifikation, die wenige deutsche dichter haben Herder 5, 274
S.; weil die gemälde der poesi nicht nach der natur, sondern nach einem idealischen muster der vollkommenheit entworfen sind, so sind sie weit stärcker, weit gläntzender Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 2, 92; (
wenn er) so viel blühende einbildungskraft mit einem so glänzenden und leichten stil verbände Göthe 10, 51
W.; während man in Italien den romantischen stoff des mittelalters in glänzenden ... werken der poesie umschuf Ranke
s. w. (1867) 1, 173.
in der rhetorik: in einer glänzenden rede
ebda 9, 7;
auf musikalischem gebiet: sie zeichnen sich aber doch durch schöne melodien, und durch glänzende clavierpassagen aus Schubart
ästhet. d. tonk. 229; glänzender lieder klingender lauf Brentano
ges. schr. (1852) 2, 293;
etwas anders von der klanglichen wirkung: der kapuziner rühmte den schönen ausdruck und das glänzende der ganzen musik im salve regina von Majo Heinse
s. w. 5, 96
Sch.; die blechinstrumente klingen um so glänzender, je höher ihre stimmung ist Fr. Th. Vischer
ästhet. (1880) 3, 880;
zum folgenden neigend: wohl; eine nachtmusik, doch heute noch, und glänzend musz sie sein Bauernfeld
ges. schr. 1, 172. I@E@1@a@dδ)
von der lebenshaltung und ihren mitteln '
aufwand, pracht, prunk zeigend',
vgl.glanz D 2
und oben I D 1 d: sie dachten mich durch glänzende spielwerke von rang, pracht und ergötzlichkeiten zur übergabe meiner hand und meines herzens zu bewegen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 328; die costume (
sind) glänzend und prächtig Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 66; die alte üppigkeit in glänzenden kleidern H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 192;
sprichwörtlich: es ist nicht der glänzende rock, der den edelmann macht Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 495
a;
ähnlich, mit dem nebensinn '
lockend': die ... ihn während der ganzen expedition als glänzendes aushängeschild benutzen wollten
briefe von u. an Herwegh 210;
an b
angrenzend: hinter dem glänzenden vorhang der provinzialreunionen verbarg sich ein ... sinken der römischen macht Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 377; ein glänzendes leben A. v. Arnim
s. w. 15 (1846) 34; ihr vater ... gab sich einem glänzenden wohlleben hin Stifter
s. w. (1901) 3, 227; es hiesz, sein vater werde ihm den staatshof kaufen ... und ihm eine glänzende wirthschaft einrichten Storm
s. w. (1899) 1, 83; glänzende umgebung Ranke
s. w. (1867) 1, 171; das schlosz ... hatte seit dem tode seines erbauers ... keine so glänzende gesellschaft mehr gesehen Schenzinger
anilin (1937) 207; ein alter könig hielt einen glänzenden hof Novalis
schr. 4, 78
Minor; ein glänzendes fest Göthe 1, 244
W.; glänzenden lustbarkeiten Dahlmann
franz. rev. (1845) 16;
vergleichbar sind noch: es war mir nun schon zur gewohnheit geworden, zu fabulieren und eine eingebildete glänzende welt um mich zu bauen A. Winnig
frührot (1926) 57;
auf gleicher linie: die glänzendsten und lachendsten bilder der phantasie W. v. Humboldt
Pindar 58
litt.-dkm.; redensartlich glänzende eitelkeit,
schon bei Klopstock: ohne schimmer, (du liebst glänzende eitelkeit ... nicht) ruhest du (
alter wein) in dem kristall
oden 2, 108
M.-P.; I@E@1@a@eε)
von geltung und ansehen (
vgl. oben I D 1 c
und glanz D 3 c
und d) '
angesehen, ruhmreich, bedeutend': der blik, den sie diesen abend auf mich geheftet hatte, schien mir etwas zu versprechen, das für mein herz unendlich mehr reiz hatte als alle vortheile der glänzendsten geburt Wieland
Agathon (1766) 1, 292; aus glänzender familie entsprossen E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 19
Gr.; sollte er (
der fürst) euch verkennen, euch, die ihr das glorwürdige zeichen an euch traget, das den wahren sohn des vaterlandes glänzend macht? Th. Abbt
vom tode f. d. vaterland (1770) 37; aus einem ... geschlecht, das uns oft glänzende und herrlich ausgestattete ... herrscher gegeben hat Schleiermacher
s. w. (1834) II 4, 3; die schilderung vieler der glänzendsten oder merkwürdigsten epochen des republikanischen und kaiserlichen Roms Niebuhr
röm. gesch. 1, 1; glänzende namen, wie Sethos und Ramses II. Döllinger
akad. vortr. (1888) 1, 2; war er zu einem rühmlichen, ja glänzenden namen gelangt Mörike
ges. schr. (1905) 3, 25; zwar ist der ruhm schnell vorüberrauschender virtuosenleistungen meist glänzender und allgemeiner als der unvergänglicher compositionen O. Jahn
Mozart (1856) 4, 3;
redensartlich glänzende ausnahme '
rühmliche ausnahme': die sehr wenigen glänzenden ausnahmen H. Seidel
vorstadtgesch. 82;
ähnlich auch von leistungen, die den namen eines menschen berühmt machen: Moses und Christus hätten als zwei propheten ihre ... sendung durch wunder erwiesen, doch wären die mosaischen glänzender
allg. dt. bibl., anh. 53-86 (1771) 78; die glänzenden thaten sind vergessen Fr. L. Jahn
w. (1884) 1, 9,
vgl. Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 300;
feste formel ist glänzender sieg: die beschreibungen der glänzenden siege über die Perser Heinse
s. w. 4, 21
Sch.; der sieg ist glänzend dieses tages H. v. Kleist
s. w. 3, 66
E. Schm. I@E@1@a@zζ)
von sozialer, beruflicher stellung und besitz '
im range hochstehend, vornehm; vorteilhaft, günstig': ihr posten ist glänzender
theater d. Deutschen (1768) 18, 416; diese glänzenden stellen (
gesandtenposten) sind nicht für mich Schiller 14, 199
G.; er ... war auf dem besten wege, eine glänzende juristische carrière zu machen H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 63; dagegen ist die gesellschaft schon sehr glänzend und angenehm Göthe IV 21, 218
W.; meine immer zunehmende stärke auf der orgel ... (
zog) mir die glänzendsten bekanntschaften zu Schubart
leben u. gesinn. 1, 135; das schicksal, welches dir Samson bereitet, soll glänzend seyn
samml. v. schausp. (1764) 1, 13; der zwar kein glänzendes, aber doch ein ansehnliches vermögen besasz Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 178; 'sagt mir nun auch etwas von ihren irdischen verhältnissen'. 'diese sind freylich nicht so glänzend' Klinger
w. (1809) 3, 167; er weisz ja wohl besser, als ichs ihm sagen kann, was dort für (
finanzielle) umstände sind. — garnicht mehr so glänzend als vordem. — nehm er sich also in acht J. J. Engel
Lorenz Starck (1801) 14; einst hatte sie gute, glänzende zeiten gesehen A. Sperl
fahrt n. d. alten urk. (1909) 178;
redensartlich eine glänzende partie '
eine sehr vorteilhafte heirat': sie (
die geheimrätin Götz) hat kurz vor ihrer abreise in ihrer art von dieser 'glänzenden partie' (
für ihre tochter) gesprochen Raabe
hungerpastor (1864) 2, 333;
persönlich genommen: sich mit einer der reichsten und glänzendsten partieen der stadt zu verbinden J. J. Engel
Lorenz Starck 17;
ähnlich formelhaft an glanz E 2
angelehnt glänzendes glück: die Deutschen selbst, so glänzend auch ihr gemachtes glück anfangs schien, haben am wenigsten dabei gewonnen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 196; stand, erziehung und unsere verbindungen, berechtigen Louisen auf ein glänzendes glück (
gute partie) noch rechnung zu machen Iffland
theatr. w. (1827) 1, 139; der versuch, die gewalten des landes in dem parlament zu vereinigen, hatte nach einem kurzen glänzenden glück ... in die tiefste verwirrung geführt Ranke
s. w. (1875) 14, 90;
ähnlich: mit seinem glänzenden lose unzufrieden Ricarda Huch
Michael Unger (1913) 58. I@E@1@bb)
oft tritt das moment des über den wirklichen wert täuschenden äuszeren scheins (
vgl. I D 1 f
und glanz D 4)
stärker heraus; so in wendungen wie die glänzende seite, auszenseite
einer sache oder person: wenn man ... farbe gegen farbe setzt und von unserm jahrhundert nichts als die glänzende seite gegensetzt, ohne auf eine andre einen blick zu werfen (
in einer geschichtlichen darstellung) Herder
s. w. 5, 524
anm. 1
S.; die glänzendste seite unsrer gelehrsamkeit
Europa (1803) 2, 48; die glänzendste, oder vielmehr die allein glänzende seite der römischen privatwirthschaft ist der ... handel Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 392; diese erläuterungen über W.s glänzende auszenseite wurden von H. ... angehört Fr. H. Jacobi
w. (1812) 5, 33;
vgl. auch: so viel von der glänzenden schale unseres daseyns, das innere ist im alten Göthe IV 5, 272
W.; neben so vielem glänzenden hatte die allgemeine autonomie der mächtigen auch viel nachteiliges im gefolge Ranke
s. w. 8, 22;
hierher: einer sache ein glänzendes ansehen geben
dare occhio a checchessia Jagemann
dt.-ital. (1799) 523.
besonders in antithetischer form; glänzende laster, verbrechen, irrtümer, fehler
u. ähnl., wobei jedoch teilweise in glänzend
noch ein positives werturteil beschlossen liegt etwa im sinne '
imponierend, aber doch tadelnswert': weil die geschichte unter dem namen der tugenden mehr glänzende laster, als wirkliche tugenden unvergeszlich zu machen pflegt J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 78; die tugend des unbekehrten ist ein glänzendes laster Herder
s. w. 20, 65
S., vgl. Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 8, 14;
ähnlich: die glänzenden verbrechen, die seelengrösze der Olympias Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 95; (
ihr herz) ist zu gut, ihrem geiste zu dienen, den das neue, das besondere geblendet hat, den ein anschein von gründlichkeit zu glänzenden irrthümern dahinreiszt Lessing 2, 52
M.; Tacitus ist ungeachtet seiner glänzenden fehler ein scribent, der unter keiner nation seines gleichen gehabt hat Wieland
gesch. d. gelehrtheit 21
Hirzel; ähnlich: all die buntschillernden, glänzenden fehler des entflohenen mädchens Raabe
hungerpastor (1864) 3, 139; kann jene methode des Euklides in der mathematik ... nur als eine sehr glänzende verkehrtheit erscheinen Schopenhauer
w. 1, 116
Grisebach; der glänzenden unwissenheit vieler nach falschen mustern gebildeten gesellschaften von sogenanntem gutem ton Lenz
vertheid. d. h. Wieland (1776) 8.
bis heute gebräuchlich ist das schlagwort glänzendes elend (
zur geschichte des ausdrucks vgl. zs. f. dt. wortforsch. 11, 291);
früher auch für die innere leere, die sich oft hinter reichtum birgt: geld und güter der gemüter güldne strick und fesseln sind ... auf dem staats- und ehrngerüste man nur glänzend elend findt (
v. j. 1729) G. Tersteegen
in: poet. blumengärtlein (1745) 387,
ähnlich D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 2, 697; das glänzende elend, die langeweile unter dem garstigen volke Göthe 16, 95
W.; ich gebe mein politisches amt auf ..., jetzt zum könig und das glänzende elend auf immer geendet! Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 9, 461;
anders für ein leben, das aufwand erfordert, der über die verhältnisse geht: so glänzend nun Reisers zustand schien, wenn er so über die straszen paradierte ..., so war dieser zustand in eigentlichem verstande doch ein glänzendes elend zu nennen (
seine wirtschaftlichen verhältnisse verschlechterten sich dadurch) K. Ph. Moritz
Reiser (1786) 3, 200,
vgl. auch Jung-Stilling
häusl. leben (1806) 58; der herr abgeordnete für Teltow hat erklärt, dasz er mir für die enthüllung des glänzenden elends — wie er es nennt — nicht dankbar sei Bismarck
polit. reden 1, 219
Kohl; ähnlich: alle redseligkeit ist glänzende armuth, flitternder komödiantenstaat Lenz
ges. schr. 2, 319
Tieck; (
Ludwigs II. von Bayern) glänzende schulden Carossa
führung u. geleit (1933) 6. I@E@1@cc)
abgezogener, verblaszter im sinne eines superlativischen qualitätsurteils '
hervorragend, groszartig'
u. ähnl.: selbst für die zukunft ist die aussicht (
auf gute prosaisten) so gar glänzend nicht A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1,
vorber. 1; den glänzenden aussichten, welche Wien ihm bot O. Jahn
Mozart (1856) 3, 4;
ähnlich: eine glänzende zukunft K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 3, 230; ein glänzendes angebot Schenzinger
anilin (1937) 201; ein glänzendes beispiel Kant
s. w. 3, 32
ak.; ein glänzender beweis
briefe d. brüder Grimm
an Benecke (1889) 35
W. Müller; ein glänzendes zeugnisz ausstellen Jhering
gesch. d. röm. rechts (1852) 6; glänzendes zeugnis (
ablegen) Ricarda Huch
Michael Unger (1913) 67,
sieh auch Adolf Hitler
mein kampf (1933) 9; (
er) sann auf glänzende projecte Pfeffel
poet. vers. (1812) 2, 19; glänzende belohnung Körte
sprichw. (1837) 508; der fabrikant drückte mir die rechte. allerdings, sagte er, ... glänzendes vom fabrikwesen erwarte ich auch nicht, doch vielleicht mehr als sie
d. dt. revue 20
lit.-dkm.; ein glänzendes geschäft (
machen) H. Kesser
straszenmann (1926) 26; glänzende erfolge Schenzinger
anilin (1937) 328; eine geringe weizenernte, gerste und raps auch nicht glänzend W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 32; ob es (
das vergangene jahr) nun passabel, glänzend oder miserabel, ob es gut, ob schlecht gewesen
dtsche allg. ztg. v. 1. i. 1937; die panzerfeste Vaux ... (
wurde) in glänzendem nächtlichen angriff genommen
dtscher heeresbericht v. 9. iii. 1916; glänzende leistung, gelegenheit
u. s. w.; ebenso in adverbialem ausdruck in glänzender weise: und dasz es an solchem heldentum ... nicht fehlte, zeigten unter den vielen in glänzender weise leutnant Gebser und sein bursche Türck
Liller kriegszeitung (
auslese 1915) 2, 14; sie haben mir soeben in glänzender weise bewiesen, dasz ... Schenzinger
anilin (1937) 323. I@E@22)
in den unter 1
aufgeführten bedeutungen tritt glänzend
auch als adverb auf, wenn schon zunächst nicht häufig; erst in neuerer sprache breitet sich der adverbiale gebrauch namentlich als mittel der intensivierung (
s. 1 c)
stärker aus: mit einem heiter und glänzend gemahlten glase Göthe 4, 76
W.; ein neues, noch glänzend geschmücktes haus E.
M. Arndt
s. w. 1, 9
R.-M.; doch kommen müszt ihr, es geht glänzend her Grillparzer
s. w. (1892) 6, 179
S.; in groszen, glänzend erleuchteten gallerien Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 117; wo die huldigung ... auf das glänzendste im kaiserlichen lager ... abgehalten wurde Ritter
erdkde (1822) 2, 269; der sohn ... hatte sich ... glänzend ausgezeichnet E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 172; hier bewährte sich sein erfinderischer geist am glänzendsten Ranke
s. w. (1867) 1, 236; glänzend vorbereitet E. Jünger
kampf als inneres erlebn. (1922) 71; glänzend gelungen P. Dörfler
Peter Farde (1929) 122; dasz er sich nicht glänzend benommen habe Kolbenheyer
Montsalvasch (1912) 277; unter nicht glänzender begabten königen Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 105; glückwünsche zu dem so glänzend bestandenen examen
M. v. Wrangell
briefe (1936) 161
Andronikow; sie spricht wohl sehr glänzend G. Hauptmann
eins. menschen (1891) 31; in einem dorfe waren wir von einer groszen schar gleichaltriger jungen angefallen worden, hatten uns aber glänzend durchgeschlagen A. Winnig
frührot (1926) 267. I@FF.
feste verbindungen, die mehrere bedeutungen umfassen, sind nicht zahlreich. I@F@11)
in alliterierender paarung steht seit dem 16.
jh. gleiszen und glänzen: so gleisst und glantzet in im ain liecht Tauler
sermones (1508) 12
a; das von gold, silber ... alles glantz, glitz und gleisse Fischart
binenkorb (1588) 38
b; der hauptmann führt drei beile, sein rüstzeug glänzt und gleiszt, dasz mirs wie wetterleuchten noch in den augen beiszt Uhland
ged. (1898) 1, 281; gleiszten und glänzten die kleinodien Scheffel
ges. w. (1907) 1, 110;
übertragen: was die andern stende sind, das hat keinen schein, glentzet und gleiszet nicht und bringet doch die aller feinesten besten früchte Luther 32, 518
W.; glentzt und gleist nicht status a deo ordinatus
ebda 34, 2, 48. I@F@22)
jung ist die wendung in die augen glänzen: sonne, die mir in die augen mächtig glänzet Göthe 2, 177
W.; als ich herbei trat, und meine runde schachtel öffnete, schien es, als wenn eigentlich dem papste etwas in die augen glänzte 43, 130;
vielfach im sinne '
lockend erscheinen': wie die kinder, welche nach allem greifen, was ihnen in die augen glänzt G. Keller
w. (1892) 4, 255. IIII.
transitiver gebrauch geht in älterer sprache z. t. noch vom adj. glanz,
in neuerer vom subst. glanz
aus. II@AA.
in gehobener sprache. II@A@11)
nur im ahd. und mhd. begegnet reflexives sich glanzen '
sich schmücken' (
sieh aber glanzern): tiu corona ... diu glanzta sih umberingtiu mit sternon gnuogen Notker 1, 770
P.; sumelich sich kunden glanzen und reidez har mit rosen pflanzen Ulrich v.
d. Türlin
Willeh. 300, 30
S. II@A@22)
mhd. tritt jemanden, etwas glänzen '
mit glanz bestrahlen, bescheinen'
auf: di sunn macht tzeytig alle fruht, da von hat si dich (
Maria) umbegeben; in dir wart daz ewig leben tzeytig fur des sunder not; des glantzet dich der morgen rot Suchenwirt 41, 266
Pr., vgl. die entsprechende vorstellung in beslozzen gottes garte, da doch der sunnen glanze in schinet bruder Hans 1273
M.; meije uns fröuden git, heide lit wunneklich geglenzet über al man hœrt vogellin singen ir süezen schal der junge Meiszner
in: minnes. 2, 223
b v. d. H. nhd. vereinzelt poetisch: die silbernen wellen ... vergaszen Auroren und glänzeten sie (
das mädchen)
Tiefurter journ. in: schr. d. Götheges. 7, 102. II@BB. '
etwas blank machen' (
vgl.glanz B): Schmelzing glänzte sich selbst seine stiefeln Gutzkow
ritter v. geiste 8, 17; von einigen, denen er blosz die kleider reinigt und die stiefel glänzt, erhält er ... 20 silbergroschen Ad. Glaszbrenner
buntes Berlin (1910) 144; (
Rolf:) sie glänzen? (
Marie:) na ja, die silbersachen! G. Hirschfeld
mütter (1896) 77;
bildlich: dem dichter hat er donnerkeile geschmiedet, dem redner seine rüstung geglänzt Herder 1, 32
S.; ähnlich vom haarstrählen: als die wunderschöne Anna auf dem Breitensteine sasz und glänzte ihre schwarzbraunen haare so schön sieh, da kam einmal ein fähnerich geritten daher ... Joh. Lewalter
niederhess. volkslieder 1, 24. II@CC.
technische verfahren, um glanz zu erzielen; seit dem 18.
jh. belegt. polieren von metallen: als ob es (
platin) mit dem polirstein geglänzt wäre Kerl
thonwaarenind. (1879) 716;
glänzendmachen von pappe: pappe mit dem feuerstein glänzen Karmarsch u. Heeren
techn. wb. (1876) 2, 826;
von fellen: die geschwärzten felle werden ... auf der glanzmaschine geglänzt
ebda 5, 341;
glänzendmachen von hüten: (
auf ein erstes trocknen) folgt ein abermahliges waschen (
der hüte), das sogenannte glänzen Prechtl
techn. enc. (1830-69) 7, 611,
vgl. noch Jacobsson
techn. wb. (1781) 2, 99
b, Karmarsch u. Heeren 2, 283;
von glänzendem stoff, besonders leinewand, vgl. geglänzte leinwand Fischer
schwäb. 3, 667: man gebraucht sich darzu (
zum glänzen) eines harten feur- oder flintensteins auch wohl eines crystalls, welcher an einer gewissen stangenmachine fest gemacht und damit das unterliegende leinwand durch starckes hin und wieder reiben gegläntzet wird Marperger
beschreib. d. hanffs u. flachs (1710) 56; alle diese arten von kitaika (
baumwollstoff) sind geglänzt, eine einzige art ist ungeglänzt Krünitz 39, 217; sie war in dem aschgrauen, geglänzten gewande, das so schön ist A. Stifter
s. w. (1901) 2, 290;
für '
appretieren',
vgl.'glänzen (
ist)
ein unerlaubtes mittel, dessen sich einige tuchpresser bedienen, den mesztüchern von mäsziger güte einen starken glanz zu geben' Jacobsson
techn. wb. (1781) 2, 99
b,
vgl. auch Staub-Tobler 2, 638. IIIIII.
das adjektivisch verwandte part. präs. wird häufig mit adjektiven, besonders farbbezeichnungen, zusammengerückt (
vgl. I B 1),
z. b. glänzendbraun, vgl. W. Hauff
s. w. (1890) 2, 88. —