Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
gên
giang, giangum, part.prät. gigangan), seit dem
letzten Viertel des 8. Jh.s:
‚gehen, schreiten,, frammort gangan,
wandeln, umhergehen, kommen, weggehen,
sich aufmachen, sich anschicken, losgehen,
sich begeben, sich fortbewegen, sich erstrek-
ken, sich beziehen auf, betreffen; abire, acce-
dere, ambulare, ascendere, declinare, diverte-
re, egredi, exire, gradi, incedere, inire, intra-
re, ire, pergere, pertinere, praeire, procedere,
reverti, vadere, venire‘
furdir gangan
‚voranschreiten, fortschreiten,, irri gangan
weiterziehen; procedere‘
‚irre-, ze sedele gangan
gehen, in die Irre gehen‘
‚untergehen‘, auch in Funktionsverbgefügen
wie in strît gangan
‚sich auf einen Streit ein-, in lougna gangan
lassen‘
‚sich zum Leugnen, in girâti gangan
verleiten lassen‘
‚eine Bera-〈Var.: Langform c-, k-, gh-;
tung beginnen‘
-k-, -(h)n-; -c(h); Kurzform k-; -aa-, -ae-, -ee-;
prät. k(h)-; -e-, -ea-, -eo-, -ie-〉. – Mhd. gân,
gên, gangan (prät. genc, part. [ge-]gangen,
gegân). Im Frühmhd. (vereinzelt im 11. Jh.)
erscheint auch eine nach dem Präs. gân gebil-
dete Kurzform 1.3.sg. gie (im Mhd. sehr ge-
läufig); vgl. die Reimform lie (s. lâzan). Im
Laufe der Zeit wurden die Langformen bis
auf Reste im Alem. und Bair. verdrängt.
Nhd. gehen
‚sich zu Fuß schrittweise fort-. Die zweisilbige nhd. Form beruht
bewegen‘
auf dem Einfluß einer bair.-ostfrk. bestimm-
ten
„südmainischen“Schreibsprache, in der
die Zweisilbigkeit erhalten geblieben war.
Im Mitteldeutschen ist die Zweisilbigkeit der
Formen von sehen und geschehen zunächst
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restituiert und dann auch auf die im Präs.
lautlichen Parallelen gên und stên übertragen
worden.