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zergen

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zergen verb.

Bd. 31, Sp. 690
zergen, verb., thiere, nam. gefährliche, und menschen zum zorn reizen, necken, quälen, plagen; ein westgerm. wort (ae. tyrgan, tergan, ne. tarry [s. u.]; mnd., nnd. tergen, targen; mnld., nnld. tergen; erst aus dem mnd. sind entlehntn. terge, norw. terga, schwed. targa), welches einem germ. *targjan entspricht und sich zu russ. dergatь reiszen, zerren und lett. dragaht reizen stellt; eine ableitung aus der germ. wurzel *ter- in zehren (s. sp. 466), deren bedeutung reiszen, zerren auch noch für z. bestanden hat, wie auszer der nichtgerm. (russ.) parallele das schwed. lehnwort targa 'mit den zähnen oder einem schneidenden werkzeug in etwas zerren' und einige deutsche ortsmdaa. (tarjen zerren, ziehen Damköhler Nordharz. wb. 192a; zerchen ziehen, ein geschäft oder die rede hinziehen, den mund verziehen, mürrisch weinen [daneben die bedeutung necken] Hertel Thür. 263), falls hier nicht beeinflussung durch zerren vorliegt, erweisen; im übrigen gilt im deutschen nur die eingeengte bedeutung reizen. heute hauptsächlich in Nord- und Mitteldeutschland als ausdruck der mda. und niederen umgangssprache heimisch, war z. früher auch, wie der gegenwärtige dialektgeographische befund lehrt, dem obd. eigen, vgl. die belege für theile des Elsasz (zerchen zanken, necken Martin-L. 2, 913b), für das bair. Schwaben (zerchen streiten H. Fischer 6, 1134) und ausschlaggebend für die beharrsame Steiermark (z. im lande herumstreichen, vagabundieren Unger-Kh. 648b; das zerggen [vagabundiren] Rosegger schr. 13, 351; mit einem geläufigen bedeutungswandel, der in ähnlicher art im ne. tarry zögern eingetreten ist). für obd. vorkommen spricht auch die entlehnung in die mda. von Pistoja (Toscana) als zerigare belästigen, s. Meyer-Lübke rom. et. wb. 734a. grund des rückganges ist der wettbewerb des gleichbedeutenden zerren (s.zerren); dieser hat z. auch im ostmd., nam. in Obersachsen, und in Nordniedersachsen (s. die angaben bei zerren) zurückgedrängt, wobei noch z. th. rein lautlicher übergang von z. in zerren infolge schwundes des -g- in frage kommen kann; hierfür spricht der umstand, dasz Richey id. hamb. 305 zu targen vermerkt, dasz es tarren ausgesprochen werde, und wol auch das nebeneinander von targen und tarren im brem. wb. 5, 26, sowie von zarrjen und zarren in Nassau (s. u.), während für die mark Brandenburg zweifellos diese doppelheit (tärgen, tärren Danneil 221b, zerjen, zerjeln Brendicke 195a, zerjeln, -ern mittelere Mark, aber zarren Neumark) ursprünglich ist. unangefochten gilt z. im westlichen Mitteldeutschland (bis Mansfeld: zärjen Jecht 127a), in West- und Ostfalen (aber für Osnabrück vermerkt Strodtmann 242 nur tarren, terren), in Ostfriesland (targen ten Doornkaat-K. 3, 394b), in West- und Ostpreuszen (zargen, zergen, targen Frischbier 2, 487b) und den baltischen ländern (z. Sallmann 35b). -g- hat sich zu -ch- gewandelt noch in der Pfalz und in theilen Thüringens, -e- hat den a-klang auszer in den angeführten nd. gegenden in Nassau (zarren, zarrjen Kehrein volksspr. 1, 451; Schmidt westerw. 336) und in theilen Ostfalens (tarjen Damköhler Nordharz. wb. 192a; terjen, selten tarjen Schambach 229a) angenommen. wbb.: zergin confligere Diefenbach n. gl. 107b; terghen irritare 222b; der wieder (widder) stoszet, wen er geterget wirt nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 171; das zerren, z., gezerre, gezerge irritatio, instinctus, impulsus Stieler 2316; Kramer teutsch-it. 2, 1444b; Frisch 2, 472b; Adelung2 4, 1687 (läszt es nur als nd. gelten); Heynatz antibarb. 2, 665; Campe 5, 842b. literarische belege: jo men de hunde meer terget unde se sleyt, yo se vuriger unde quader werden quelle bei Schiller-L. 4, 534b; vulle lude, gecken unde kinder sal men nicht tergen Tunnicius sprw. nr. 1296; weil die exarchi die longobardische kOenige stets zergeten und zu krieg und unrhu verursachten E. Menius chron. Carionis (1562) 2, 227a; Joannes Chrysostomus in seinen commentariis ... zerget zum oftermalen die, so da sagen ... J. de Acosta America (1605) 1; ich weus ... sehr wohl, dasz kein ... mAensch das glck versuchen und zOergen sol Zesen Ibrahim 2, 313; hat seine gemahlin ... gezercht Elisab. Charl. v. Orleans br. 1, 44 M.; v. Fleming jäg. 83; Coler hausb. 450; ped. schulfuchs 222; rda.: dat es de mule tergen das ist zu wenig zum satt werden Woeste-Nörrenberg 270b. —
4397 Zeichen · 117 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zergên

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    zer-gên s. zergân.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    zergenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    sêr(i)gen (ser[e]ghen , zergen) , sêrien , swv. , 1. c. A. p. (oder Körperteile) verletzen, verwunden , übertr. gefühlsm…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zêrgen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    * Zêrgen , verb. regul. act. welches nur im Niederdeutschen üblich ist, durch Neckerey zum Zorne reitzen. Jemand zergen.…

  4. modern
    Dialekt
    zergenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    zergen schw. : ' sich streiten, raufen, balgen, reizen, necken (in Spaß und Ernst) ', zeʳche (dsęʳχə) [HB-Breitft (PfId.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zergen

10 Bildungen · 10 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von zergen

zer- + gen

zergen leitet sich vom Lemma gen ab mit Präfix zer-.

Zerlegung von zergen 2 Komponenten

zer+gen

zergen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zergen‑ als Erstglied (10 von 10)

zergenclichheit

KöblerMhd

zergenclich·heit

zergenclichheit , st. F. nhd. „Zergänglichheit“, Vergänglichkeit, Diesseitigkeit ÜG.: lat. corruptio STheol Q.: EckhII, STheol, Seuse (FB ze…

zergenclīche

KöblerMhd

zergenclīche , Adv. Vw.: s. zerganclīche

zergenclīcheit

KöblerMhd

zergenclīcheit , st. F. Vw.: s. zergenclichheit*

zergenge

BMZ

zer·genge

zergenge swv. zerstöre. Mart. 104. 164. welcher dem andern sîn zûn zergengt ald zerbricht Gr. w. 1,216.

zergengen

Lexer

zergen·gen

zer-gengen swv. BMZ zergân machen, zerstören, vernichten. den zûn zerg. Gr.w. 1, 226. daʒ tievellîche vaʒ er sô gar zergangte Mart. 105,73. …