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geduld

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geduld f. subst.

Bd. 4, Sp. 2042
geduld, f. subst. zu dulden, gedulden, eig. gedult (s. I, d). II. Die form. I@aa) ahd. gidult und dult Graff 5, 136. 135, alts. githuld (in den ps. gethult), ags. geþyld; daneben ahd. dultî und gidultî, welche form mhd. im verschwinden ist, nur in spuren noch erkennbar in gedulde, ungedulde, undulde (: hulde). das gewöhnliche ist mhd. gedult, selten dult, aber noch im 16. jahrh. oberd. auch dult, wie im 15. noch dulde, s. II, 1506; mnd. gedult, öfter dult, nnd. erloschen, obschon das adj. noch besteht (s. geduldig). nl. geduld, mnl. ghedult und ghedout (lekensp. III, 3, 564). I@bb) eine mhd. nebenform gedolt, gerade bei oberd. dichtern, zeigt sich auch im 15. 16. jahrh. noch einzeln: patientia, gedolt. Dief. 416c; lidet die martel mit gedolt. Alsf. pass. 7953. sie konnte sich an dolen anlehnen, das stammwort zu dult, dulden (s. d.), noch jetzt in der Schweiz lebendig. ein beispiel um 1400, aus dem aufruhr zu Würzburg, von aufrührern: der Schnurer unde Hanspolt wolden haben kein gedolt. Liliencron 1, 171a, d. i. waren gleichfalls streitlustig, s. dazu II, 1, a. ebenso mhd. dolten (Lexer 1, 474): eʒ würde wol vergolten, wer solte ein sus getânen degen lâʒen kumber dolten. Hagens heldenb. 2, 228, Germ. 6, 27a, Berl. held. 5, 64a. I@cc) auch ein masc. zeigt sich einzeln, mhd. (Bech Germ. 6, 52, Lexer 1, 776) und noch nhd.: gedult den schult ir lêren. Suchenwirt 40, 230; (vergib mir) daʒ ich den grôʒen ungedult mit zorne hân an dich gewant. Bartsch mitteld. ged. s. 32 (zur sache s. II, 1, b); dem gedult ist ietz der boden usz . . man trit uf einen wurm so lang, bisz dasz sich krümpt ein solcher schlang. Murner luth. narr 10 Scheible; es wird häufiger sein als man sieht, da in den meisten wendungen das geschlecht nicht zu erkennen ist. I@dd) bemerkenswert ist, wie die mhd. schreibung gedult auch nhd. noch lange durchaus herscht oder vorherscht (s. die beispiele), auch tief ins 18. jh. hinein geltend, bis zu Göthe, Schiller, z. b.: crönt der ausgang die gedult, bricht die hoffnung endlich rosen, so gedenk ich stets der huld meines gottes lieb zu kosen. Günther 17; wo hunger die gedult, wo schmach die kräfte schlägt, da hat der geist nicht schuld. 744 u. o., s. auch ungedult und ungedultig s. 83; andern von der gedult vorpredigen. Liscow vorr. 56 u. o. (doch in der andern ausg. aus demselben jahre s. 41 geduld); ich werde ihre gedult nicht misbrauchen. Rabener (1755) 4, 301; die treu, die uns beseelt, begehrt von dir gedult. Haller (1777) 238; sieh, gram und ungedult ist nicht der weg zu ihr. 263; die menschenkinder konnten aber bis so lange nicht gedult haben. Claudius 3, 12; gedult, kind gottes, weine nicht. Bürger ged. 1778 280 (1789 2, 106 geduld); gedult! gedult! wenn's herz auch bricht u. s. w. 96 (geduld 2, 42); von unüberwindlicher stärke und gedult. Zimmermann eins. 2, 384; gedult! gedult! es wird besser werden. Göthe Werther 1775 116 (Hirzel der junge G. 3, 302); mit welcher ungedult ich den buben erwartete. 68 (3, 275); sie werden ungedultig sein. Schiller II, 374, 8. auch Hebel, Felder schrieben noch so. dasz -t das hd. richtige ist, zeigt schon alts. githuld, das hd. -d stammt nur von der erweichenden wirkung des l, daher schon mhd. auch dulden u. s. w.; Frisch 1, 210c meint: einige schreiben geduld nach dem holländ. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) der ursprüngliche begriffskreis ist theilweis ein weiterer und anderer als gegenwärtig. II@1@aa) im alten kriegsleben hiesz z. b. gedult eine art waffenstillstand, waffenruhe (vgl. dazu 4, a): pacem, treugas sive id, quod vulgariter gedult dicitur, ipse non faciet, nisi de nostra fuerit voluntate, in einem vertrage von 1275 zwischen den markgr. von Brandenburg und dem grafen Helmold von Schwerin, Lisch mekl. jahrb. 11, 260, urkund. 4b, 427b; dasz .. ein ganz stede gedult tuschen .. unsern herrn und uns gemachet ist, die weren sol sess ganzer jar. Haltaus 604, nrh. v. j. 1353; domide die vorgen. gedult gekrenket müchte werden. das., wo noch mehr. so nd. dult, s. Sch. u. L. 1, 594a, wo sone, vrede und dult verbunden werden, wie dort pax, treuga und gedult. es wird auch oberd. zu finden sein, anklang bietet z. b. die stelle von den Würzburger aufrührern unter I, b, die wolden haben kein gedolt, keinen frieden halten. II@1@bb) oberd. entspricht auch und wird dadurch aufklärend beleuchtet das merkw. ungedult von feindseligkeit, auch kriegerischer (mhd. wb. 1, 379), ungedult an einem begân, tuon, auch lîden: die mortlîche ungedult, die sîn volc âne schult von sînen vîenden leit. Ernst 1501. die abbitte unter I, c aus Bartsch für angethane ungedult bezieht sich auf ungerecht gegebene schläge. auch von feindschaft, feindlichem thun im leben. so bei Walther: man sol sîn gedultic wider ungedult ... swen die bœsen haʒʒent âne sîne schult u. s. w. 73, 35, man musz gelassenheit gegen feindschaft und hasz setzen, frieden gegen unfrieden. vergl. auch ahd. bei Graff 5, 136 fg. undult, defectus, von abfall, treubruch? ungidultî, laesiones legis, auch passio, affectus, also leidenschaftlichkeit überhaupt, als stimmung und that. da ist sie denn aber gerade umgekehrt benannt als in unserm leidenschaft, da ja leiden und dulden eins sind; doch leidenschaft ist eig. ein schulwort, nach passio (πάθος) gebildet. II@1@cc) ein nachklang davon scheint ein eigenthümlicher gebrauch im östlichen md., z. b. in Thüringen, Sachsen in der geduld stehn, liegen u. ä., d. h. bei üblem wetter im freien, doch gegen wind und wetter geschützt an einer sichern stelle, gleichsam im frieden, unangefochten; auch ein garten liegt in der geduld, in guter lage gegen rauhe winde geschützt; ein haus, das in der gedult liegt. J. A. Weber teutsch-lat. wb. Chemn. 1745 328b. aus Schlesien wird mir dasselbe angegeben, ebenso: ein wanderer, der vor dem winde auf der höhe ins thal eilt, kommt in die geduld. bei Adelung ein baum stehet in der geduld, diesz zimmer liegt in der geduld. von einem vogelherde: der herd fein in gedult angeleget ... dasz er von denen nord- und ostwinden nicht getroffen werden kann. Döbel jäg. 2, 237a; um den herd wird ein feiner dichter zaun gemacht, damit der vogel dahinter fein in gedult und schauer falle. 2, 239a. eine alte spur davon, aus dem norden, auch schon auf sachen angewandt, wies mir F. Bech nach, in dulde ligen, ein mailied Wizlavs beginnt: wol dan, her Meije, ich gib iu des die hulde, mîn vrouwe trit dâ her in stolzer wæte. ir gesmîde, ir kleit, ir lîp, daʒ lag in dulde, der kalde snê und îs, der wint daʒ tæte. MSH. 3, 64a, lag geborgen vor dem schnee und den winden. in Thüringen, z. b. an der Saale, ebenso in der genâde, d. h. in ruhe und frieden, wie mhd. ungenâde unruhe. II@22) geduld als subst. zu dulden in seinem stärkeren sinne. II@2@aa) selbst ein unfreiwilliges dulden, ein dulden müssen konnte darin mit bezeichnet sein, scheint mir wenigstens in folgenden beispielen mit enthalten in verschiednem grade: als wän der tufel bschiszen wil, dem gibt er glück und richtum vil. gedult ist besser in armuot, dann aller welt glück, richtuom, guot. Brant narr. 23, 25, als sprichwort z. b.: gedult in armut ist besser denn aller welt gut. Henisch 1409, 67; gedult zu hoch angespant würt rasend. S. Frank spr. 1, 52a (vgl. reiszen u. 5, c); die gedult der armen würdt endlich nit verloren. das.; die got förchten, werden gedult haben bisz sie got ansihet. das. noch im 17. jahrh.: wisset ihr nicht, jene der reformation verheiszung seie eine gestalt, die gar mächtig ist anlagen (steuern) heraus zu pressen, mit welchen die einfältigen gemüther mit billigem unwillen entblöszt und zu einer neuen und schändlichen gedult remittirt werden? aber das volk, so mit so vielem elend zur verzweifelung gebracht worden u. s. w. Schuppius 747 (1700 s. 701), kunst reich zu werden. II@2@bb) geduld in dem leiden dieser welt, williges und besonders auch ausharrendes dulden (vgl. patientia als voluntaria et diuturna perpessio bei Cic.): die das wort hören und behalten in einem feinen guten herzen und bringen frucht in gedult. Luc. 8, 15 (ὑπομονή, goth. þulains), welchem spruche S. Frank erläuternd beifügt: in der gedult besitzen wir unsere seelen. die gedult aber besteht in trübsal, und wirt durch trübsal, leiden und creuz gewirkt. sprichw. 1, 52a, vgl. bei Keisersberg: in euer gedult werdent ir besitzen euwer seelen, das ist euer leben. seelensp. 21b (besitzen, in besitz nehmen); was ist gedult anders, denn eine stete unbewegliche sicherheit. das.; sie sahe ire söne alle sieben auf einen tag nach einander martern und leide es mit groszer gedult, umb der hoffnung willen, die sie zu gott hatte. 2 Macc. 7, 20; Luther selbst starb in groszer gedult. Mathesius Luth. 166b; da der herr hört und sahe die gedult seiner frawen. Pauli sch. u. ernst 351 Öst., in der durch seine untreue ihr auferlegten prüfung; mein armuht lehrt mich treten die kreuzbahn mit gedult. Rist himl. lied. 34; ich were in solchem stand ein könig, ich beherrschete meine seele .. meines königreichs geheimnisse weren gebet, gedult und stillschweigen. Schuppius 563; ein ritter sprach zu seiner gemahlin: was folgt auf kreuz und leid? sie erwiderte: geduld! Schmitz Eifel 2, 80. es berührt sich mit ergebung, gelassenheit, die zum theil jetzt dafür eintreten (beides doch auch ursprünglich kirchlich-christliche ausdrücke). aber noch im 18. jh. auch geduld (vgl. schon unter I, d Haller, Bürger): auch hier blieb noch das grosze herz gelassen .. gott hats verhängt, gott ehr ich durch geduld, und bin bereit, den augenblick zu sterben. Gellert 1784 1, 147 (Calliste). es hiesz auch genauer christliche gedult, z. b.: gottes huld, des gewissens unschuld und christliche gedult seind die drei besten stuck in disem leben. Henisch 1409, 39 (vgl. von der gedult Christi als vorbild 2 Thess. 3, 5). im 18. jh. tritt dafür philosophische geduld auf, z. b.: so wird er sich mit einer philosophischen geduld waffnen. denn er weis, es wiederfahre ihm nichts, wozu er nicht praestabilirt sey. Rabener (1755) 1, 106; vor meinen augen stehn die weisen alter zeiten, die, durch geduld gestählt, sich trotz dem glück (mit seinen launen) erfreuten. Uz 2, 89. s. auch fromme geduld unter e bei Cronegk, engelsgeduld, lammsgeduld, Hiobsgeduld (die gedult Hiob Jac. 5, 11), göttliche gedult m. 3, 26. s. auch geduldmütig. II@2@cc) sprüche in groszer fülle schildern und preisen diese geduld, z. b. geduld ist die gröste tugend. Stieler 347; unsers hergots esel sein und got mit gedult tragen sigt wider alle feind. S. Frank spr. 1, 52a; gedult sigt wider alles übel. das.; bei der gedult kent man den man, sein ehr ist mit gedult (l. gdult) alls fürgon. 51b. eine grosze sammlung schon bei Henisch 1409 fg., z. b.: kurze gedult bringt langen frid; bleib in gedult, so wird dir gott und alle fromme leute huld; der gedult sig helt allein den stich; eintweder gestorben, oder in gedult gelebt; gedult in creuz ist des glaubens schein; gedult ist der seelen schilt (spiesz); gedult ist halb creuz; gedult verbeiszt alles herzenleid; gedult und ein wenig schreien ist gut pflaster auf den schmerzen; gedult, unschuld und ein gut gewissen kan alles ausstehen; leid und lach, gedult überwindt alle sach; im unglück ist kein besser arznei denn gedult und glaub; mit gedult und leiden thut man nicht unrecht, man kompt auch nicht umbs christenthumb; wer sein theil tregt mit gedult, der ist weis gnug; was du von strafen hast verschuldt, das leid und trag es mit gedult; sünde meiden ist ein schrein. gedult in leiden leg darein, guts für arges thu darzu, frölich in armut, nun schleusz zu. eine grosze sammlung auch in Lehmans floril. polit. 1, 265 ff., z. b.: gedult ist zucker aller trübsal und beschwernus; weise gedult bringt huld, nemo sapiens nisi patiens (mit huld scheint das alte gottes huld gemeint, s. aus Henisch unter b); gedult ist ein kreutlein, das nicht in allen garten wächst; gedult bawet, ungedult bricht ab; gedult ist oft ein art von stockfisch, läst sich klopfen, läst holz auf sich hawen, erbisz aufm rücken treschen; gedult musz (aber) mit bescheidenheit (klugheit) gesalzen sein; gedult musz man wie ein salat mit öhl und salz geschmack machen; durch verzagte faule gedult und höfligkeit läst oft ein volk sich nicht allein die woll abscheren, sondern das fell gar verreiszen und verbeiszen, nachher eselische gedult genannt. s. auch im 2. theil des floril. s. 104 ff., z. b.: die gedult und zeit lindert alle traurigkeit; die liebe gedult ist ein anfurt alles elends. bei Aler 858 z. b.: gedult ist ein köstliche speis, aber wehe dem der sie essen musz; was man nicht kan meiden, musz man mit gedult leiden; gedult ist ein köstliches kraut, es wächst aber nicht in allen garten. auch in scherzhafter färbung, z. b.: geduld, vernunft und hafergrütz, die sind zu allen dingen nütz. Fr. Reuter Schnurr Murr 77; mit geduld überwindet man kürbsbrei. Gotthelf 11, 298, in Leipzig sauerkraut u. ähnl. II@2@dd) andere sprüche reden von der gedult den menschen gegenüber, die uns wehe oder gewalt thun o. ä. (von den vorigen nicht immer scharf zu trennen), s. schon 1, b aus Walther; im 16. 17. jahrh. z. b.: gedult bringt huld, vergibt all schuld. S. Frank 1, 52a. bei Henisch: aus lieb und mit gedult vertregt sich vil dings, damit hasz und widerwillen verhüet werde; eines frommen manns gedult oft ander leut bewegt zur rach; gedult machet aus einem feind oft ein freund; mit gedult und langmut dient man den frommen und gewinnt oft die bösen; mit gedult und nachgeben gewinnt man am maisten; unbillichheit reche mit gedult; wilt du bei leuten wohnen, so schick dich auf gedult. bei Lehman z. b.: stillschweigen und gedult stillt viel zorn (d. i. zwist, feindschaft); gedult kan wol ein zech borgen (ein unrecht nachsehen), schenkt sie doch nicht, fährt nicht mit dem kopf hindurch; gedult lädt gewalt zu gast. ist das eisen weich, so hammerts der schmidt. auch zu diesem gedult gehörte als zeitwort dulten, einen dulten, z. b.: nichts ist einem verständigen mann rühmlicher als einen scheltenden dulten, dann wann der gescholtene stillschweigt, so fallen die scheltwort dem schelter wider in seinen busen. Lehman 2, 104. II@2@ee) auch als persönlich erscheint die geduld, theils vom geduldigen selber begrifflich, z. b.: gedult ist unsers herrgottes esel. Lehman flor. 1, 265, sie musz alles tragen, vgl. Frank unter c; gedult (acc.) will jederman reiten. das., theils wie eine göttin: Patientia ist gen himmel geflogen, Treu und Ehr über meer gezogen. Henisch 1410, 44; die schaf haben auch zorn, die Gedult selbst könt oft viel ding nit leiden. Lehman 1, 267, wie jetzt noch von einem 'muster von geduld' z. b. sie ist die Geduld selbst (doch der studierte sagt schulmäszig die personificierte geduld); auch ohne den art.: weinen werd ich, wer kann sich die kummer lindernden thränen ganz versagen — von ungeduld frei flieszt sittsam, ihr thränen! auf den gräbern in marmor gehauen sitzt schweigend vielleicht so still in der traurigkeit fromme Geduld und lächelt den Schmerz an. Cronegk 2, 62, eine fromme duldende gestalt, zugleich wol als göttin der geduld gedacht. so von einer geduldigen: auch in meine finstern irren konntest du dich finden, himmlische geduld. Hölderlin ausgewählte w. 1874 s. 271 (Hyper. 2, 73), wie einem ungeduldigen zugerufen wird du ungeduld! vergl. auch bei Göthe: glaube, liebe, hoffnung .. schufen ein liebliches gebilde, eine Pandora im höhern sinne, die Geduld. 56, 130 (19, 122 Hempel); die christliche religion hilft durch glauben, liebe, hoffnung gar anmuthig nach. daraus entsteht dann die geduld u. s. w. 23, 149 (18, 369). II@33) in schwächerem sinne, geduld bei mühe, unannehmlichkeiten, unbequemlichkeiten aller art, wo dulden nicht oder nicht mehr in gebrauch ist, geduld aber jetzt vorzugsweise, sodasz es sich von seinem nächsten angehörigen nun löst und entfernt. vergl. dazu sich gedulden, früher sich dulden. II@3@aa) z. b. die geduld hoher herren wird gerühmt, wie die des churfürsten Friedrichs III. bei den festlichkeiten zur einweihung der universität Halle: mit was für andacht, mit was für gedult hat er nicht alda (in der kirche) die ganze festivität ausgewartet? Thomasius kl. schr. 663; die abermahls hierbei (bei den promotionen) bezeigte gedult unsers durchlauchtigsten stifters. 664; als nun der kaiser sie sämmtlich mit geduld angehöret. Hoffmannswaldau. auch dazu gehörte aber urspr. dulden, z. b. in einem briefe Luthers 2, 249 mit einem anliegen an den churfürsten und der bitte, e. gn. wolle mich gnädiglich drinnen dulden (s. u.gebet II, 1, a), nicht unwillig werden gegen mich. II@3@bb) ferner z. b. die geduld des erziehers, der auch die unarten des zöglings ruhig erträgt (duldet) und darob nicht ermüdet oder verzagt; daher bei Adelung geduld auch gleich langmut (vergl. Henisch unter 2, d); eines gedult versuchen und misbrauchen Aler 857a. die geduld des gärtners, den weder die schwierigkeiten der witterung u. dergl. noch die langsamkeit des gedeihens unruhig oder unwillig machen. da mischt sich in den begriff des duldens der schwierigkeiten deutlicher ein oder tritt hervor das ruhige ausharren, das trotz jener des zieles sich sicher fühlt, wie es denn auch im sprichwort heiszt: man musz geduld haben und der besserung hoffen, ferendum et sperandum. Stieler 347; geduld! geduld! bis es besser wird. das. vergl. dazu geduldig 3. II@3@cc) so ist das ruhige aushalten von langerweile eine besondere geduldprobe, d. h. der begriff hat sich zugleich recht ins kleine gezogen; z. b.: des gestrengen junkers rittersitz wird zuerst vorgenommen (bei der beschreibung) .. es gehört eine ziemliche geduld dazu, wenn man alles will durchlesen. Rabener (1755) 1, 127, anders als wenn Luther 8, 258a von worten spricht, welche kein from biderman mit gedult lesen kan, d. h. ohne zornig zu werden. überhaupt auch gleich ausdauer, z. b. er hat an keinem orte lange geduld ( Adelung), hält es nirgends lange aus. auch langes warten müssen ist eine geduldprobe; s. dazu sich gedulden. II@44) im anschlusz an diesz warten müssen hat sich der begriff der zeit auch in den vordergrund gestellt, von dem abwarten einer frist, die man einem gewährt. II@4@aa) schon mnd. z. b.: do beden (baten) de cardenale dult drier dage, dat se mochten er dink untrichten. Lüb. chr. 1, 21, gewiss auch mhd. gedult. nhd.: bit euch, wollet vier wochen gedult mit mir tragen, ich will euch erbarlich bezallen. Wilw. v. Schaumb. 35; habe gedult mit mir, ich wil dirs alles bezalen. Matth. 18, 26. 29; etliche tage mit seinem schuldner geduld haben. Adelung. auch das alte gedult als waffenruhe 1, a schlieszt sich vielleicht hier an, abwarten und frist zur sicherung von friedensverhandlungen? II@4@bb) daher selbst einem geduld geben: gebt mir auf einen augenblick geduld. H. v. Kleist 2, 362 (prinz v. Homb. 5, 5), frist zu ruhigem besinnen, wo denn das subj. des begriffes völlig vom geduldigen auf den geduldeten übertritt. anders mit geben: er gibt sich viele geduld, laboris est patientissimus. Steinbach 1, 303, wie sich mühe geben. II@4@cc) daher auch kleine geduld, auf kurze zeit: recht! recht! eine kleine geduld, und ich stehe so vor ihnen da! Lessing 2, 141 (Em. Gal. 2, 7); sie sind meine polemischen briefe müde. ich glaube es sehr gern. aber nur noch eine kleine geguld .. 6, 256; nicht doch! eine kleine geduld! Schiller XI V, 210 (paras. 2, 1 a. e.). im 16. jahrh. vielmehr ein kleines geduld: habt ein kleins gedult. Amadis 77. 88, kleins als masz der frist. so messe als masz, die zeit bis zur nächsten messe: noch eine messe geduld, und wir werden es sehen. Lessing 6, 268, warten wir bis zur nächsten büchermesse. II@55) die geläufigen wendungen und verbindungen. II@5@aa) geduld haben, von jeher (ahd., ags.) und noch jetzt: das er gedult habe, wens übel gehet. ps. 94, 13; ich bitt dich, herre, hab mit ir geduld! Uhland volksl. 423. dagegen die gedult verlieren Rädlein 330a, der gedult müde werden Ludwig 707a. früher auch kräftiger tragen für haben, zu dulden als ein last tragen stimmend (s. schon 4, a aus Wilw.): also trug er gedult. Hebr. 6, 15; musz ich mich verwundern, wie sonderlich wir Deutschen so lange gedult können tragen und das edele papir mit ihren (der schlechten poeten) ungereimten reimen beflecken. Opitz poet. B 3b; ach geister, tragt geduld! A. Gryphius 1, 330; er (Christus) trug geduld. Gellert geistl. lieder (1757) 8. früher auch, dem haben entsprechend, gedult nemen, fassen: nu trost in sein hausfraw und sprach zuo im: nim gedult darüber, der herr was vil leicht gemt (ärgerlich), daʒ er dich nicht verbören mocht. gesta Rom. 152. noch jetzt geduld fassen, anders sich in geduld fassen. II@5@bb) die praepositionen dabei. bemerkenswert in geduld, geduldig, wie in ruhe, in frieden: in guter geduld bliben. Hirsch münzarchiv 7, 16 (14. jahrh.); bleib in gedult bestehen. Henisch 1409, 50, wie in gedult leben das. (s. unter 2, c), s. auch unter 2, b und sich in geduld fassen vorhin; was ihr auch schweres mögt zu leiden haben .. tragts in geduld! es kann sich ändern, schnell. Schiller Tell 1, 2. jetzt lieber mit, etwas mit geduld ertragen, auch schon im 16. jh.: und leide es mit groszer gedult. 2 Macc. 7, 20; früher auch sich mit gedult fassen (III, 1343). Diesz mit auch von dem, welchem die geduld gilt: e. f. gn. wolten mit mir alten vergessen (vergeszlichem) man gedult haben. Luther br. 6, 209; dan in Walles mszen die menner by den wibren in kindsnöten sin, domit sy denn hernach dester mer gedult mit den wibren heigin (habeant). Th. Platter 66. seltner gegen, über, z. b.: deine gedult gegen einen so gottlosen buben. Olearius pers. baumg. 4, 8; man träget woll gedult über die menschen, sie sein gut oder böse. 1, 3. II@5@cc) bemerkenswert noch die geduld als faden gedacht, der zu stark gespannt reiszt (vergl.geduldsfaden): da risz ihm der faden der geduld, mundartlich auch blosz der faden, z. b. tirol. es bricht der (letzte) faden, die geduld geht aus Schöpf 113; fast wollte seine geduld reiszen, als ein galanteriehändler hereingelassen wurde. Göthe 18, 266 (Wilh. Meister l. 3, 5); da risz mir die geduld; es ist allgemeingültig, vgl. schon im 16. jh. gedult zu hoch angespant 2, a, wo doch urspr. an den bogen gedacht sein mag. bildloser: hier gieng unserm helden .. die geduld gänzlich aus. Wieland 2, 177. ein merkwürdiges andres bild: gedult schmelzen, patientia exerceri, ferrea uti patientia, er musz gedult schmelzen. Aler 857b. endlich der mahnende zuruf geduld! an andere oder sich selbst: geduld! vielleicht genest sie heute. Gellert (1784) 1, 115; gedult! gedult! wenn's herz auch bricht. mit gott im himmel hadre nicht. Bürger ged. 1778 s. 96. aber auch als drohung, eigentlich ironisch (wie warte nur): geduld! wir sprechen uns weiter. Voss 1, 123 (Luise 3, 1, 452).
22878 Zeichen · 545 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geduld

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Geduld , plur. car. von dem Zeitworte dulden. 1) Das Beharren, das Verbleiben an einem Orte. Er hat an keinem Orte l…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geduld

    Goethe-Wörterbuch

    Geduld bes in der Frühzeit mehrf -It, zT eigenh (vgl aber 13 2 ,160 Was wir bringen [1802] Var ); oft in Vbdgn u Wdgn wi…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geduld

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Geduld ist die dauerhafte Gemütsstimmung, die als tätige G. sich durch entgegenstehende Hindernisse nicht abschrecken, a…

  4. modern
    Dialekt
    Geduld

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Ge duld [Kətùlt Ruf. Co. U. W. ] f. Geduld, Nachsicht. Han e biss e l G. mit den arme n Lüte n ! Hf. Ër het ke ine G.! C…

  5. Sprichwörter
    Geduld

    Wander (Sprichwörter)

    Geduld 1. An der Geduld erkennt man den Mann. – Simrock, 3150; Körte, 1832; Venedey, 67. Geduld bezeichnet hier männlich…

  6. Spezial
    Geduld

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|duld f. (-) 1 (Langmut) paziënza (-zes) f. 2 (Nachsichtigkeit) paziënza (-zes) f. , toleranza (-zes) f. , induliënza …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geduld

59 Bildungen · 51 Erstglied · 4 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von geduld

ge- + duld

geduld leitet sich vom Lemma duld ab mit Präfix ge-.

geduld‑ als Erstglied (30 von 51)

geduldsam

SHW

geduld-sam Band 2, Spalte 1153-1154

geduldec

KöblerMhd

geduldec , Adj. Vw.: s. geduldic

geduldein

DWB

geduld·ein

geduldein , n. kleine geduld: es kan nur ein gedultlein klein obsiegen groszen feinden sein. Henisch 1409 .

gedulden

DWB

gedulden , nebenform von dulden mit verstärkendem ge-, später aber blosz als zeitwort zu geduld aufgefaszt ( s. 3), was doch dulden von haus…

gedulden

FWB

1. ›jn. / etw. aushalten, ertragen, zulassen, dulden‹; mit Akk. d. P./S., vereinzelt mit Gen. d. S., auch mit nachfolgendem Gliedsatz, der d…

geduldeⁿ

Idiotikon

geduldeⁿ Band 12, Spalte 1766 geduldeⁿ -t- 12,1766

geduldhahn

DWB

geduld·hahn

geduldhahn , m. » im Hildesheimischen, ein huhn, welches von eheleuten, welche keine kinder zeugen, dem pfarrer jährlich gegeben werden musz…

geduldic

KöblerMhd

geduldic , Adj. nhd. geduldig Vw.: s. līp- Hw.: s. gedult; vgl. mnl. geduldich, mnd. gedüldich Q.: AHeinr, LAlex (1150-1170), Neidh, ReinFu,…

geduldiclīche

KöblerMhd

geduldiclīche , Adv. Vw.: s. gedulticlīche

geduldig

DWB

geduldig , adj. zu geduld, ahd. gidultig, mhd. gedultic, ohne zweifel auch gedültic ( s. 1); ags. geþyldig, nl. geduldig, nnd. gedüllig Scha…

Geduldige (der)

Wander

geduldig·eder

Geduldige (der) 1. Ain gedultiger ist besser, dann ain starcker, vnnd der seines muts Herr ist, dann der Stett gewinnet. – Agricola II, 273.…

geduldigen

DWB

geduld·igen

geduldigen , gleich gedulden z. b. Henisch 1409 ; ihr werdet euch bis dahin geduldigen. das. auch schon im späteren mhd. ( F. Bech ), z. b. …

geduldigkeit

DWB

geduldig·keit

geduldigkeit , f. sustinentia, gedultigkeit. voc. 1482 k 4 a , pacificentia, longanimitas, expectatio k 4 b , equanimitas k 5 b , gedultikei…

geduldiglich

DWB

geduld·iglich

geduldiglich , adv. zu geduldig, mhd. gedulteclîche ( ags. geþyldiglîce), noch im 19. jh., doch alterthümelnd: ein ast, der schaukelnd walle…

geduldikeit

KöblerMhd

geduldikeit , st. F. Vw.: s. gedulticheit

geduldlos

DWB

geduld·los

geduldlos , ungeduldig, doch kräftiger als dieses: wiewol du so gedult-los, dasz dich manche ding verdrieszen. Weckherlin 403 ( od. I, 21, 1…

geduldmütig

DWB

geduld·muetig

geduldmütig , mit geduldigem mute, gemüte: dasz er sich gedultmüetig in gottes willen möge ergeben. Thurneisser harnen 83 ( zur sache s. ged…

geduldmütigkeit

DWB

geduldmuetig·keit

geduldmütigkeit , f. subst. zum vorigen: mit solcher groszer gedultmütigkeit gelitten. Thurneisser nothg. ausschr., vorr. 18 . ags. einfach …

geduldprobe

DWB

geduld·probe

geduldprobe , f. gelegenheit wo unsere geduld ' auf die probe gestellt, geprüft ' wird, patientiae comprobatio Stieler 1483 : das war eine h…

Geduldstee

SHW

Gedulds-tee Band 2, Spalte 1153-1154

Geduldsack

LothWB

geduld·sack

Geduld-sack m. Ri. Ha. Rom. Hom. in der Rda.: der G. verrisst em die Geduld geht ihm aus. — els. 2, 342 ebenso.

geduld als Zweitglied (4 von 4)

Eselsgeduld

Wander

esel·s·geduld

Eselsgeduld Eselsgeduld haben. Eine sehr grosse, wenn auch nicht stets empfehlenswerthe und rühmliche.

Hiobsgeduld

Wander

hiob·s·geduld

Hiobsgeduld Er hat eine wahre Hiobsgeduld. Holl. : Hij heeft Iobs geduld. ( Harrebomée, I, 362 a . )

Lammsgeduld

Wander

lamm·s·geduld

Lammsgeduld Lammsgeduld haben. – Braun, I, 2129. [Zusätze und Ergänzungen] 2. Da könnte eine Lammesgeduld reissen! – Hausblätter, III, 455.

ungeduld

DWB

ung·e·duld

ungeduld , f. ( m. ), gegenstück zu geduld. ags. ungeþyld; ahd. ungidult, ungidultî; mhd. ungedult, ungedolt, ungedulde; mnd. ungedult; mnl.…

Ableitungen von geduld (4 von 4)

gedulde

BMZ

gedulde , gedult , auch , gedolt stf. geduld. durch iwer zuht gedolt vernemt von mir sîn unscholt Parz. 462,7. jâ solde ir hulde ir leit mit…

ungeduld

DWB

ungeduld , f. ( m. ), gegenstück zu geduld. ags. ungeþyld; ahd. ungidult, ungidultî; mhd. ungedult, ungedolt, ungedulde; mnd. ungedult; mnl.…

ungedulde

KöblerMhd

ungedulde , st. F. Vw.: s. ungedult

ungedulden

DWB

ungedulden , verb. Folz ztschr. f. d. altert. 8, 530, 222 ; mhd. substantiviert Lexer 2, 1834 ; unerträgliche lage Folz meisterl. 84, 40 May…