1FREIEN vb. mhd. vrîen, vrî
gen. mnd. vrīen;
mnl. vrīen,
nnl. vrijen;
afrs. frīa;
ae. frēogan,
me. frēen,
ne. free.
abl. von frei adj. seit dem 17. jh. rasch seltener werdend und durch DWB2befreien
vb. ersetzt. A
jmdn., sich von etwas befreien, lösen. 1
jmdn. freistellen, frei machen. a
etwas erlassen, (zeitweise) von etwas ausnehmen, vor allem von einer pflicht, last: ⟨u1120/5⟩ da enphiengen in
(Jesus) inne zwi wip mit guotem sinne./ diu eine hiez Martha, diu ander Maria./ sich hete Marie geledeget unde gefriet./ si saz suoze zuo den gotes fuozen Ava
leben Jesu 88,4 M. ⟨u1230⟩ wan daz er ê hât getragen/ alsô swære bürde,/ ê der zol würde/ gevrîet Heinrich v.
d. Türlin
krone 6203 LV. 1379 der ander brief, das man den dienst zuͤ der selben mul gefreiet hat
ndöst. urkb. (1891)2,215. 1422 wir .. habent vͥns bekent vff vͥnser eyd, dz wir fuͥrbas hin nieman fuͥr stuͥr vnd diensten fryen wellent
rechtsqu. Argau I 1,77. 1504 welche gefreigt seit von dem keiserlichen tribut Hugo
wagen fūr 42d. 1555 sein besoldung ist deß monats drey soͤld, ist auch zug vnd wacht gefreyt, darmitt er die register kan versorgen Fronsperger
kriegß regiment 53a. 1633 derowegen freyen vnnd entledigen wir gemelte vnsere bürger der stadt Cygnaw vnd ampts verwante dieses orts von allem tribut Wilhelm
descriptio 18. 1659 daß in allen land-creysen ein verzeichnüß auffgerichtet werden solte, wie viel ackers oder bawlandes ein jeder in besitz vnd gebrauch habe .. vnd hievon solte durchaus niemand gefreyet seyn
Barlaeus, brasilian. gesch. 444. 1789 unter diesen sieben war immer einer
(der soldaten) gefreyt Bräker
1,147 F. –
(sich) aus einer bedrückung, einschränkenden, belastenden situation erretten; häufig religiös von sünden, sündhafter (weltlicher) verstrickung: hs.M/E12.jh. sunder dv vrih vns vō vbel
regula st. Benedicti 24 S. ⟨n1240⟩ aldâ was ouch ein junger kneht/ siech unde geswollen zehen jâr,/ sô daz in umbe ein hâr/ deheiner slahte erzenîen/ der suhte mohte frîen Lamprecht v. Regensburg
st. Franziskus 4643 W. 1343/9 zu dem sibenden mâle nemit man si alsô si den heiligen geist enphingen nôch aller vollekomenheit und wurden gevrîet von allen vorchten dirre werlde
dt. mystiker 1,158 P. u1470 sagt mir ewr not vnd all ewr clag: kan ich, ir wert von mir gefreit
dt. mystiker 5,11 P. ⟨1522⟩ alhier sollen wir mergken, das als balde, ßo das kindt begosßen wirtt und alßo gefreihett von allen sunden, das es ein nauer christen wirtt
(nachschr.) Egranus
pred. 146 B. 1569 zu seiner letzten zuflucht wolt er sich in einen thurn, darin seine diener waren, sichern vnnd freyen
Amadis 77 LV. 1624 zweymahl hastu das schwere leidt/ gedultig müssen tragen,/ die dritte rew dich gäntzlich freyt/ von sorgen vnd von klagen
auserles. ged. 48 HND. 1652 süsser heiland, heile, freye/ mich vom düstren höllenbauch/ meine sünde mir verzeihe Birken
weihrauchkörner 36. 1735 auf daß er unser heyland würd, uns freyte von der sünden=bürd
gesangb. Herrn-Huth 50b. b
(sich) von ansprüchen dritter (durch zahlung einer summe) entledigen: 1298 daz sich Diemut, Mæhthild vn̄ Jeute sin swester in dem marcht ze Mouterdorf in Heinrichs hous von dē Tanner frêiten vn̄ loͤsten an daz capitel ze Salzburch vmb ein march pfenning
corp. altdt. originalurk. 4,306 W. 1341 die boisse sal eyn eclich raitheirre geven up den eyt inde vrien sich damede sins eydz
akten verfassung Köln 1,29 S. ⟨1400/36⟩ ouch qwam eyn ritter mit koniclichin briffin und freyte mich von dem judin umb ander sechs mark breyter groschen
magdeb. schöffensprüche u. rechtsmitt. VIII 1,121 M. 1502 das wir daruff .. Heynrichen Jennellyn die früntschaft gethän und im allso gewilliget und zůgelassen haben, die zins, .. die sich dann jerlich sechs pfund gebüren, zů fryen, und je mit zwentzig pfunden eyn pfund abzůloͤsen
rechtsqu. Bern I 4,1,451. hs.1585 es ist auch ain ieder, er seie wer er welle, so wenig oder vil geld aus disem gericht in ain ander land oder gericht bringen wil, schuldig dasselb zuvor bei der obrigkait ze freien
öst. weist. 1,160. 2
die persönliche freiheit (wieder)bekommen. a
aus gefangenschaft, unterdrückung (einer fremden macht) lösen; nach dem 16. jh. selten, historisierend, auch bildlich: ⟨1260/80⟩ wan ez dem zil nâhen was/ daz diu magt von Karedonas/ mit kampf solt frîen ir lant Pleier
Meleranz 7407 LV. ⟨u1340⟩ wan ich sulde wonen dar,/ da ich sehe mine bruder/ in gevengnisses luder. .. da gab der kunig im sunder scranz/ gabe vil und vriget ganz/ mit sinem scriber Baruch sa
hist. d. alden ê 4226 LV. ⟨u1440⟩ wir furbaß ußsprechen und lobent etc, daz do alle gefangen an beiden teilen sollent gefriget werden Windeck
denkw. 46 A. u1527 desgleichen etzliche prediger und priester .. in die turme wurden geworfen und danach wegkgeführt, davon 3 durch gottes gnade wunderbarlicher weise nach einem halben jahre ungefehr wurden gefreiet
script. rer. pruss. 5,585. 1554 der selbig war in sonder hoher vereherung bey den Athenern, darumben das er sye gefreyet vnd erloͤßt von den Mediern Herold
heydenweldt h6b. ⟨1608⟩ auch .. ein .. gelegenen ort zu ausswechselung der gefangenen benennet, daselbst sie beyderseits aussgebeutet und gefreyet werden möchten
in: Hoppe
schwed.-poln. krieg 651 T. 1648 dan gar bald hat sein raht und that (die stehts gedeyet)/ gantz Rügen, Pommerland, Marck, Mechelburg gefreyhet/ von mehrer tyranney, gewalt, noht, jammer, hohn Weckherlin
ged. 2,284 LV. ⟨v1805⟩ ihre wege sind thaten, die jochgekrümmete völker/ freiten Sonnenberg
Donatoa (1806)1,1,124. ⟨1840⟩ ihm, der das wort gefreit aus seinem bann,/ daß es die ganze welt erfreuen kann./ .. dank, Guttenberg, du hast das wort gefreit Hoffmann v.
F. ges. w. 4,15 G. b
aus einem abhängigkeitsverhältnis wie leibeigenschaft befreien: ⟨1328⟩ dâ von læt er wol ledich seinen aigen man und freit in zuo dem gericht Ruprecht v. Freising
rechtsb. 304 C. ⟨1471⟩ item des winschetzens solle sich auch niemant in Heydelberg, er si geistlich oder werntlich, edel oder unedel, gefriet oder ungefriet, widdern
obrhein. stadtrechte I 503. 1516 so der herr seinen eygen menschen freyet, so soll er in mitt etwas begaben Brant
clagspiegel 53b. 1592 dieweil sonsten weder die fuͤrsten noch oberkeiten gewalt hetten, eines andern knecht zu freyen Oswaldt
respvblica 45. 1773 sklave! dich freite nicht die römerschlacht! Stolberg
ged. (1821) 1,21. B
mit etwas ausstatten, begaben. 1
mit rechten, privilegien versehen; hauptgebrauch: ⟨u1170⟩ di capelle he vride,/ in godes ere he si wide Heinrich v. Veldeke
st. Servatius 2307 F./Sch. 1287 wir .. tv̊n kvnt .. daz die stat ze Mv̂nster gevrigit wart, vnde daz die selbe vriheit ime dar zů dekein schade si
corp. altdt. originalurk. 5,255 W. ⟨1328⟩ und freyen denselben marck allen leuten mit aller der freyheyt, als gewonlich ist anderswo
würzb. polizeisätze 41 H. ⟨1453⟩ sie
(vier städte) hond geschworn vor mangem jaur,/ sie wellend sin min underton./ darumb ich sie gefryet hon/ für ander stet in tütschem land Hermann v. Sachsenheim
mörin 5698 LV. ⟨1482⟩ es sol auch niemandts, welches standes, wirden oder wesens der sey, auff keinem dorffe, das darauff sonderlich nicht gefreiet ist, keinen handwergs man setzen
ordn. Sachssen (1573)104a. 1502 auch sol jezgemelt jarmarkt alle die freiheit haben, damit der jarmarkt zu sant Lorenz tag begnadt und gefreiet ist
qu. Hof (1896)63 M. 1617 daß alle Römer, so mit einem römischen käiser zůgen, gefreyet würden, zu bawen jhres gefallens Textor
naßaw. chr. 33b. 1682 würde aber ein frömbter schreinergesell eines meisters hinderlaßene wittib oder tochter zue der ehe nehmen, derselbe soll .. alß hätte er das handtwerck allhier erlernet, gefreit sein
obrhein. stadtrechte III 1,2,920. ⟨1733⟩ wir haben auch solches alles obgemelt, vor alle folg, steuer, reise, dienst und schatzungen, und allerhand sach gefreyet, und freyen das in kraft dieses briefs
samml. baier. bergrecht 605a L. 1769 diese gefreyeten städte legten sich sodann mit mehreren fleiß auf die handlung Schröckh
handlungs-wiss. 1,105. ⟨1881⟩ von dort geht es nach Fischen, dem einstigen gefreiten herrensitze Stieler
naturbilder (1886)98. 2
mit (besonderem) schutz, frieden versehen; jmdn.(vor etwas) beschirmen; nach dem 16. jh. selten: ⟨u1170⟩ het hevet der geware heilant/ bit siner almachteger hant/ gevestet ende gevriet,/ gevedemet ende gewiet Heinrich v. Veldeke
st. Servatius 5065 F./Sch. ⟨u1240/50⟩ dô was si ein sô schœne wîp,/ daz in dûhte, sîn lîp/ wære iemer mêr vor aller nôt/ gevrîet unz an sînen tôt,/ würde si im ze teile Stricker
verserz. 7,472 ATB. ⟨2.h14.jh.⟩ daz er hat/ got und der welt vor missetat/ sein raines hertz gevreyet Suchenwirt
10,227 P. ⟨1456⟩ der ritter zuckte sin swert gering und schlůg das tier von gantzer macht, aber es verfing im alles nützit, den das tier von zouber also gefryet was, das es weder stahel noch ysen möchtend weder verhowen noch versniden Thüring v. Ringoltingen
124 TSM. 1507 was vbeltetter auss geweychten oder gefreyhten stetten zu nemen sein
carolina 2,89 K. ⟨1561⟩ do eß sich begebe .. das einer einen todschlag gethan hette und keme zum hofman deß hofs und gebe ime sechs albus und hische ime gelait, so solte derselb todschleger in solchem hoef gefreiet sein sechs wochen und drei tage
weist. Rheinprovinz 1,1,178. 1601 batt sie vmb beystandt, damit er vnd seine tochter bey ehren blieben, vnnd vor allem gewalt möchten gefreyet sein Quad
memorabilia 85. 1672 so will ich ihm schon ein mittel geben daß er inskünfftig davor
(fallsucht) gefreyt seyn soll Grimmelshausen
vogelnest I 12 Sch. 1714 daß die jenigen, welche sich beyzeiten weit von dem ort, da die pest grassiret, hinweg begeben, davon gefreyet seyn Bräuner
pest-büchl. 3. 1751 andere fürsetzliche todschläg, welche .. in gefreyten orthen, oder auf grausame art .. verübt werden, seynd allezeit schärfer als gemeine todschläge zu bestraffen
cod. jur. bavar. criminalis 22. 1811 denn wir wissen ja, daß die burg vor den spuckereyen der dräuenden wassergeister eine gefreyte stätte war Fouqué
Undine (1816) 131. –
vor etwas bewahren, verschonen: 1432/8 dorumb so batt/ der hochgelobte küng vor an dem berge,/ ee im sein junger gab den kuss,/ .. sein vatter innikleichen süss,/ das er in freite, ob es muglich wër Oswald v. Wolkenstein
111,60 ATB. z.j.1503 da komen schoner junkfrawen neun .. paten für zwen messrer, die im loch lagen, waren pei einem mort gewest, aber nit hant angelegt, und paten neur, das man sie des henkers freiet
(Nürnb.) chr. dt. städte 11,661. 1558 dieweyl aber der baur reych war, strafft man in umb tausent guldin, und war seines lebens gefreyet Lindener
katzipori 100 LV. 1612 das vbrig lies er alles verderben, verwüsten vnd verbrennen, .. allein die kirchen waren gefreyt, sonst sahe es gleich einer wüsten Megiser
chr. Khärndten 1,715. 1664 herr ich gestehe/ daß ich den todt verschuldt, darum ich auch nicht flehe/ zu freyen mich davon, ich bitt um diß allein/ herr könig last die straff nicht allzu grausam seyn Hohberg
Ottobert 2,Ll5b. 3
jmdn. in einen höheren stand erheben: ⟨u1270⟩ der selbe was ein furste hoch gefriet Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 2124,4 DTM. ⟨1314⟩ sagt mir, wer ir sit,/ daz ir so hoh gefrit/ hie schinet von geburt? Johann v. Würzburg
5198 DTM. 1493 vnd den andern vom adel die nit gegraͤfft noch gefrygt gebererin hetten Riederer
rhetoric 82b. 1504 aber in den freigen seint vil vnderscheidt, wan ietweders seint edel oder gefreigten edell Hugo
wagen fūr 47c. 1578 es hat sie auch k. Rodolph zu Baden gefreyet, vnd dise homines liberae conditionis vnnd freye leut genennet Pantaleon
Baden 27. 4
jmdm. etwas als (uneingeschränktes) eigentum übertragen; seiner verfügung überlassen: 1280 vmbe die liebe vnde die friuntschaft, die wir lange hant gehebet zv̊ Annen vnser beder iuncfrowe .. so la wir lidig vn̄ vrigent ir einen rebe acker
corp. altdt. originalurk. 5,138 W. ⟨1357/87⟩ beseczt eyner eynes gastes gud, unde der gast wolde sin gud vorsten, weygert daz der cleyger, so sal man ome gebite von gerichtes wegen, daz her vorkome vor gerichte. wel he des nicht thun, so sal man zcu hant deme gaste sin gud frigen
rechtsb. nach distinctionen 143 O. 1420 wir Johannes von gotes gnaden burggrave zu Nuremberg bekennen .. daß wir .. der pfarkirchen .. gefreyet und geeygent haben einen hofe zu Plesen
qu. Hof (1896) 45 M.Casemir