falsch von rund 950 Belegen 140mal in begriffl verfestigter Substantivierung ‘das F-e’ (mehrf Kleinschreibung zB GWBB13,31,21
), nur vereinzelt ‘der, die F-e’, einmal mit der abhängigen Präp ‘an’: ein F-er an den Frauen GWB4,194 Vs 29 —
Als ein von G vorwiegend qualifizierend u wertend gebrauchtes Urteilswort (allein 80mal in der Newton-Polemik!) nur selten sachl beschreibend u wertneutral den Tatbestand des Unechten (Punkt 1 a—d) bzw des Unrichtigen (Punkt 3 a—c) konstatierend; bes in der Folge seiner wiss Beschäftigung mit der ‘Farbenlehre’ zu Beginn der neunziger Jahre wird ‘falsch’ zu einer auch für den sittl Bereich gültigen emotional bestimmten Wertungskategorie. Im Zshg mit G-s subjektiver u auf Intuition beruhender “Idee der wiss Wahrheit” — speziell in seinem erbitterten “Glaubenskampf” gegen Newtons Licht- u Farbentheorie — ist das Unrichtige, Fehlerhafte für ihn zugleich das Unrechte, Verwerfliche, die (wiss) falsche Lehre zugleich die (sittl) unreine Lehre1).
Damit ist eine Verknüpfung der rationalen Erkenntniskategorie des Irrtums mit der sittl-metaphys Kategorie der Sünde gegeben (s Punkt 4 a). Dieser Überlagerung u wechselseitigen Durchdringung der verschiedenen Bedeutungsaspekte kann eine strikt trennende Gliederung des Belegmaterials nur bedingt gerecht werden. — Im ästhet Bereich unter dem Primat der klass Kunsttheorie als wertendes Kriterium bes unter schaffens- u gattungspoet Aspekt sowie zur pejor Umwertung überlieferter ästhet Kategorien: ‘f-e Grazie, f-e Manier’ uä (s Punkt 4 b). — Als Fazit von G-s Natur- u Kunstanschauung wird in der Spätzeit (etwa ab 1810) das Falsche — als Antipode des Wahren — eine universale, zT formelhaft gebrauchte Bewertungskategorie für alle Bereiche der menschl Existenz, bes iZshg mit seiner zunehmend zeitkrit Haltung gegenüber den spätromant Kunstströmungen (Nazarener), best (nat)wiss Theorien (Vulkanisten) u polit-gesellschaftl Entwicklungstendenzen (Juli-Revolution 1830) (s Punkt 3 f u 4 a—c) 1
unecht a
nachgemacht, imitiert, künstlich, mehrf im Hinblick auf den Effekt von Verkleidung u Maskierung Der Graf .. fand, es sei .. gescheidt, daß der Harfner seinen f-en Bart nicht allein Abends auf dem Theater, sondern auch beständig bei Tage trage, und freute sich sehr über das natürliche Aussehen der Maskerade GWB22,10,27 Lj IV 1 solltest du .. mit dem Schmuck der f-en Granaten und des bunten Glases die Theaterfreunde ausputzen GWBB19,363,2 Christiane 1.7.07 Professor Thouret wird .. ersucht, auf den Talar des Mahomets [
für die Theateraufführung] am Pelzwerke her f-e goldne Spitzen setzen zu lassen GWBB15,21,19 Thouret 30.1.00 GWBFaust I 2502 GWB27,249,19 DuW 9 GWBN3,225,25 FlH IV
uö in anatom Beschreibung: ‘f-e Rippen’ (für die nicht unmittelbar mit dem Brustbein verbundenen Rippen) GWBN13,242,3u11 Morph Plp
uö b
gefälscht (iGz authentisch), von Zahlungsmitteln, (amtl) Dokumenten, Unterschriften uä, auch mBez auf literarische Plagiate; von Personen: sich fälschlich für jdn ausgebend, unrechtmäßig da man bei den echten Assignaten [
in der frz Revolution ausgegebenes Papiergeld] sich nur zum Theil gefährdet finde, bei den f-en aber gewiß gleich um das Ganze betrogen sei GWB33,142,6 Camp es ist von nichts Geringerem als nachgemachten Handschriften, f-en Testamenten, untergeschobenen Schuldscheinen .. die Rede GWB26,334,14 DuW 5 Nicht zu gedenken daß der f-e Smerdis, der sich des [
persischen] Königreichs bemächtigte, ein Magier gewesen GWB7,23,6 DivNot A2,366,28 Aktenausz [nach 8.11. 93] GWB45,226,2 RamNeffeNachtr I GWB11,106,4 Clav IV
uö vereinzelt von der die Fälschung begehenden Person: ‘ein f-er Münzer’ für: Geldfälscher GWBTgb 20.9.97
uö c
vorgetäuscht, vorgespiegelt, scheinbar, nur in der Phantasie existierend (teilweise in Berührung mit Punkt 2 a sowohl die Bed von ‘Schein’ als auch von ‘Trug’ implizierend), mehrf ‘f-e Attacke’ für: Scheinangriff; von Gefühlen, Gesten uä auch iSv erheuchelt [
Meph bei der Vorführung des Weintraubenzaubers:]
F. Gebild und Wort | Verändern Sinn und Ort! GWBFaust I 2313 F-e Thränen liefen dem Schelmen [
Reineke] die Wangen herunter GWBReinF VI 120 Der Sonnenblick betrüget | Mit mildem f-en Schein GWB3,33 März 7 [
Wilh erläutert Felix goldfarbene Gesteinsadern:] ich erinnere mich, daß es die Leute Katzengold nennen .. Wahrscheinlich weil es
f. ist und man die Katzen auch für falsch hält GWB24,3,18 Wj I 1 GWBFaust II 8230 GWB33,281,4 BelagergMainz GWB5
2,338 Genuß 14 GWB21,195,20 Lj II 10
uö d
nur von Farben: nicht beständig, flüchtig (vgl s v falsus) GWBN4,390,25 Fl AnzÜbers 2
unwahr a
in der Charakterisierung von Gesinnungen, Verhaltens- u Handlungsweisen uä: unaufrichtig, unredlich, unehrlich, heuchlerisch, gesteigert auch: hinterhältig, verräterisch; im Sinnbereich von Freundschaft und Liebe sowie vereinzelt (in anthropomorph Sehweise) vom Element des Wassers mit dem Nebensinn von: treulos; mehrf in metonym Vbdgn ‘f-es Herz, f-e Brust’ uä; vereinzelt die bibelsprachl Wdgn ‘f-e Götter, f-e Propheten’ iS betrügerischer Irrlehrer u Verführer [
Mutter:] Er [
Egm] ist immer so freundlich, frei und offen. [
Clär:] Es ist keine f-e Ader an ihm GWB8,197,25 Egm I [
Kaiser:] Dort ziehn sie her die f-en Anverwandten, | Wie sie mich Oheim, Vetter, Bruder nannten, | .. Und nun gesammt sich gegen mich empörten GWBFaust II 10375 [
Der König zum Bären:] es ist Reineke
f. und boshaft [
Reinke de Vos: is seer valsch vnde quad; Gottsched: ist sehr falsch und boshaft], allerlei Listen | Wird er gebrauchen, er wird euch schmeicheln, er wird euch belügen, | Hintergehen, wie er nur kann GWBReinF I 279 die Freude .. mit welcher der .. Schiffer an’s Land springt .. und .. das, was er dem f-en Wasser
2) entzogen, der getreuen Erde anvertrauen kann GWB21,55,11 Lj I 10 GWB8,242,6 Egm III GWB28,60,10 DuW 11 DjG
3 1,369 Mitsch
2 226 GWBFaust II 7148 GWB37,169,21 BriefPastors
uö unter dem Aspekt der sittl Forderung nach unbedingter Aufrichtigkeit (gegen sich selbst u andere) überwiegend subst verfestigt in prägnanten sentenz- u spruchhaften (Selbst-)Äußerungen, zT in pointierter Gegenüberstellung mit dem Rechten, Redlichen, Wahrhaftigen (s dazu auch Punkt 4) Das Rechte, das ich viel gethan, | Das ficht mich nun nicht weiter an, | Aber das F-e, das mir entschlüpft, | Wie ein Gespenst mir vor Augen hüpft GWB2,245 Sprichw 494 laßt uns rasch und brav und kühn | Die Lebenswege wandern. | .. Doch hält nichts grimmiger zurück | Als wenn du
f. gewesen GWB6,79 Vs 8 DivBetrachtg Wirst du die frommen Wahrheits-Wege gehen, | Dich selbst und andere triegst du nie. | Die Frömmelei läßt F-es auch bestehen, | Derwegen hass’ ich sie GWB3,311 ZXen IV 1159 GWB2,238 Sprichw 331 GWB42
2,193,11 MuR(676)
uö speziell in der erkenntnistheoret Betrachtung üb den (demoralisierenden) Einfluß des (wiss) Irrtums auf den ‘Charakter’, die sittl Persönlichkeit des Forschers (zu dieser Thematik s auch Punkt 4 a, Sp 544,67
) [
in der Charakteristik von Newtons Persönlichkeit] Der Mensch ist dem Irren unterworfen, und .. wie er anhaltend irrt, so wird er sogleich
f. gegen sich und gegen andere .. je moralischer, je vernünftiger der Mensch ist, desto lügenhafter wird er, sobald er irrt GWBN4,101,24 FlH VI LA II,6,189 FlH Mat 89 b
mBez auf Bekenntnisse, Gelübde, Versprechen uä: lügenhaft (iS einer bewußten Täuschung), auch zur Charakterisierung einer best gesellschaftl Salonsprache; vereinzelt die bibelsprachl Wdg ‘f. Zeugnis ablegen’ für: vorsätzlich etw Falsches bezeugen [
Orest zu Iph:] Ich kann nicht leiden, daß du große Seele | Mit einem f-en Wort betrogen werdest. | Ein lügenhaft Gewebe knüpf’ ein Fremder | Dem Fremden .. zwischen uns | Sei Wahrheit! GWBIph
2 1077 [
Eugenie zur Hofmstrn:] Verwirrender, verfälschter Worte Sinn | Entwickl’ ich wohl aus deinen f-en Reden, | Das Gegentheil erkenn’ ich nur zu klar GWBNatT 2293 Das Pariser gesellschaftliche Gewäsch, die f-en, lügenhaften Wendungen GWBB11,149,27 Meyer 5./8.8.96 GWBFaust I 3042 Tasso 2514
uö im rechtssprachl Kontext gelegentl die formelhaften Phrasen ‘f-es Vorbringen, f-es Vorgeben’ für: falsche Behauptung DjG
3 3,381,32 RAnw [14.6.73]
uö 3
unrichtig, verkehrt a
mBez auf verifizierbare Angaben, Fakten, Informationen uä: nicht korrekt, unzutreffend, dem tatsächl Sachverhalt widersprechend; einmal mit konkr Bezug iSv schlecht geeignet, mangelhaft In dem mir zugeschickten Plan der Phisiognomik sind die hintersten Zahlen
f. GWBB3,6,17 Lavater [22.]12.[75] Scherz über die f-e Nachricht, Lamartine und Victor Hugo seyen in Berlin GWBTgb 1.8.29 Brücken [
im Wallis], die sehr bös, schwankend, lang und von f-en Klüppeln [
im Dialekt für Knüppeln GWB19,445] zusammen gesetzt sind GWB19,263,21 BrSchweiz II GWBB17,271,12 Schiller 19.4.05 GWBB2,129,10 Steche 4.12.73
uö b
unangebracht, unpassend, der Situation, dem Gegenstand, der (künstlerischen) Intention uä nicht angemessen, zT mit dem Nebensinn des Störenden, mBez auf Furcht, Hoffnung auch iSv unbegründet, eitel; einmal adv iSv fälschlich, zu Unrecht [
betr Auftragserteilung für die Büste des in Frankf geplanten G-Denkmals] Ich habe in dieser, für mich so bedeutenden Sache jede Bedenklichkeit einer f-en Scham entfernt, um getrost und froh mit einzuwirken GWBB33,189,2 Schultz 1.9.20 Er [
Wieland] lehnt sich auf gegen alles, was wir unter dem Wort Philisterei zu begreifen gewohnt sind, gegen .. beschränkte Kritik, f-e Sprödigkeit, platte Behaglichkeit, anmaßliche Würde GWB36,322,4 Zu brüderlAndenkWielands 1813 F-es Lob des Dilettantism GWB47,320,28 ÜbDilettantism Entw [G/Schiller/Meyer] GWB35,91,3 TuJ GWB28,221,21 DuW 13 18, 96,11 Unterhaltungen GWB41
2,548,2 Eurip,Bacch Plp
uö einmal ‘f-e Kosten’ in der Sonderbed: nicht einkalkulierte zusätzl Unkosten, unvorhergesehene Ausgaben3) GWBB24,166,25 CarlAug 19.2.14 c
im Bereich von Ton u Klang iSv disharmonisch, mißtönend; mehrf metaphor in Vbdgn wie ‘f. anschlagen, widerstoßen’ mBez auf Gemüts-, Seelen- u Stimmungslagen Es thut mir nichts weher als wenn wir uns einen Augenblick misverstehen, als wenn mein Wesen an deines
f. anschlägt GWBB5,176,15 ChStein 4.8.81 GWBFaust II 10767 GWB19,224,19 BrSchweiz II
uö d
mBez auf Darbietung, Interpretation, Deutung u Beurteilung poetischer Werke, literar, wiss, hist Texte, (nat)wiss Phänomene, Hypothesen, Prämissen uä: iSv fehlerhaft, irrig, teilw iS eines Mißverstehens; mehrf idVbdgn ‘f. schließen, (etw) f. auslegen, ableiten, beurteilen, für f. halten, anerkennen, befinden’ uä Bey einem gewissermaßen mysteriösen Werke, wie dieses, hat man freylich darauf zu sehen, daß keine f-en Deutungen gemacht werden GWB16,508,9 Epimen Bem Es ist kein großer Unterschied, ob ich eine correcte Stelle
f. verstehe, oder ob ich einer corrupten irgend einen Sinn unterlege GWB42
2,239,16 MuR(985) Einen Irrthum nenn’ ich, wenn irgend ein [
Natur-] Ereigniß
f. ausgelegt,
f. angeknüpft,
f. abgeleitet wird GWBN11,125,10 MuR(552) AADiv3,123,184 Plp GWB5
1,299 Xen Nachl 203 GWBB14,12,8 Schiller 25.1.99 GWBN2,218,12 FlP 475
uö e
mit betont abwertender Komponente iSv subjektiv verzerrt, schief, (durch einseitige, beschränkte Perspektive, Spontaneität, Vorurteile uä) ver- bzw entstellt, auch im Bild; mehrf in der Retrospektive auf die eigene innere Entwicklung sowie in der krit Beurteilung fremder (ästhet, polit, hist uä) Betrachtungsweisen (zT in Berührung mit Punkt 4) wie ich in meiner ersten Jugend war .. Solang ich im Druck [
des Isoliert- u Mißverstandenseins] lebte .. hatte ich mit aller Lauterkeit meines Herzens eine Menge f-er, schiefer Prätensionen GWBB3,195,19 ChStein 9.12. [77] Sehr ernstlich .. über Oekonomie geredet und wider eine Anzahl f-e Ideen die ihm [
CarlAug] nicht aus dem Kopf wollen GWBTgb 19.1.82 Und so .. wird mir Rom, das römische Wesen, Kunst und Künstler immer bekannter .. die Verhältnisse .. werden mir nah .. durch’s Mitleben .. Jeder bloße Besuch gibt f-e Begriffe GWB32,60,21 ItR GWB36,94,21 TuJ GWB22,89,10 Lj IV 15 GWBB47,28,11 Hotho 19.4.30 K Gespr(He2,119) Luden 19.8.06
uö f
seit Mitte der 90er Jahre häufig die Wdgn ‘in die, eine f-e Richtung, auf den, einen f-en Weg (treiben, stoßen, führen)’, ‘auf dem, einem f-en Weg (sein, gehen)’ uä iS einer Fehlleitung bzw eines Irregehens α
konkr iS einer Abweichung, nur mBez auf eine abnorme Fehlsteuerung organischer Wachstumsprozesse (iZshg mit G-s morphol Theorie) [
mBez auf die Entwicklung der Fächerpalme] eine gesunde, organische, geforderte, vorbereitete Metamorphose, ohne Aufenthalt, Störung und f-e Richtung GWBN6,180,16 MetamPfl Nachtr GWBN8,243,12 FossStier
uö β
mBez auf (geistige, künstlerische, wiss) Bildung, individuelle Entwicklung od Entfaltung angelegter Fähigkeiten iS eines Fehlgeleitetseins, einer Irreführung durch falsch gesetzte Ziele, irrige Theorien u Maximen, unzulängl Methoden uä4) (vgl Punkt 4 a u b), mehrf iZshg mit der Dilettantismus-Thematik [
betr den Vorschlag von G-s Vater zu einer Italienfahrt anstelle der geplanten, aber sich verzögernden Abreise nach Weimar] Wunderbare Dinge müssen .. entstehen, wenn eine planlose Jugend .. noch durch einen leidenschaftlichen Irrthum des Alters auf einen f-en Weg getrieben wird GWB29,185,19 DuW 20 Adam Müllers Vorlesungen [
üb dt Wiss u Lit] .. wenn man wirklich darin einen vorzüglichen Geist erblickte, so ward man auch mancher unsichern Schritte gewahr, welche .. folgerecht das beste Naturell auf f-e Wege führen mußten GWB35,261,13 TuJ [
üb die Kunstrichtung der Nazarener] die Verirrung der jungen deutschen Künstler .. indem man .. das schöne Talent und das redliche Streben erblickt, wünscht man ihn zu fördern .. und hat sogleich das peinliche Gefühl, daß er auf dem f-en Weg ist, ohne daß man die Möglichkeit sieht, ihn davon abzulenken GWBB28,380,16 Niebuhr [16./17.4.17] K GWBB38,5,23 LTieck 2.1.24 GWBB28,115,13 JFHSchlosser 1.6.17 GWBFaust I 1985 GWB21,191,8 Lj II 9 GWB47,323,34 ÜbDilettantism weitSchema
uö speziell die Vbdg ‘f-e Tendenz’ (gelegentl auch ‘f-es (Be-)Streben’) mBez auf die forcierte Aneignung u Ausbildung fremder, dem Individuum nicht gemäßer, in seiner Natur nicht angelegter Talente; aus der Retrospektive auf den eigenen Bildungsgang als notwendig erkannter Umweg in der (stufenweise) fortschreitenden individuellen geistig-sittl u künstlerischen Entwicklung u Vervollkommnung [
zur Lj-Thematik] daß der Mensch oft etwas versuchen möchte, wozu ihm Anlage von der Natur versagt ist .. er .. wird auf falschem Wege zu falschem Zwecke getrieben .. Hiezu kann alles gerechnet werden, was man f-e Tendenz, Dilettantismus u.s.w. genannt hat GWB35,8,11 TuJ Bey strenger Prüfung meines eignen und fremden Ganges in Leben und Kunst fand ich oft, daß das, was man mit Recht ein f-es Streben nennen kann, für das Individuum ein ganz unentbehrlicher Umweg zum Ziele sey. Jede Rückkehr vom Irrthum bildet mächtig den Menschen im Einzelnen und Ganzen aus GWBB17,198,9 Eichstädt 15.9.04 [Korr GOETHE23,262] Streben nach Erwerb dessen was sie [
die Natur] nicht in mich gelegt hat. Eben soviel wahre als f-e Tendenz GWB26,364 DuW Plp GWB42
2,506,7 Selbstschilderung GWBN4,286,22 FlH VI Konfess dVerf Gespr Eckerm 20.4.25 u 12.4.29
uö 4
mit bes Prägnanz als eigenständige Wertungskategorie im wiss u ästhet Urteil, in Überlagerung der Bedeutungen von Punkt 2 (unwahr, lügenhaft) u 3 (unrichtig, fehlerhaft) mit den versch (zugl sittl wertenden) Bedeutungskomponenten des Un- bzw Widernatürlichen, Schiefen, Abstrusen, Verfälschten, Verdorbenen, Unreinen, Unrechten, Unredlichen a
in G-s polem Auseinandersetzung mit den vorherrschenden natwiss Theorien, speziell in der (religiös fundierten) Kontroverse gegen Newtons Licht- u Farbentheorie: der Natur, der (sinnl) Anschauung u Erfahrung, der Vernunft widersprechend, sowohl mBez auf die Newton’sche ‘unreine Lehre’ als auch die ihr zugrunde liegenden künstlichen Hypothesen, Prämissen, Versuchsbedingungen uä; durch Reihung mit abschätzigen Beiworten wie ‘verkünstelt, verfänglich, kaptios, fratzenhaft, schief, hohl, beschwerlich, schädlich’ den emotionalen Charakter der Ablehnung verstärkend In diesem Fache [
der Fl] läßt sich aber keine reine Erfahrungslehre aufstellen, wenn man nicht die unreine, hypothetische, f-e Newtonische Lehre .. aus dem Wege räumt GWBN5
1,323,23 Fl ÄltEinl [
üb Newtons Theorie der Farbenentstehung] Freilich ist das Wahre zu natürlich, und man braucht das F-e, Halbe, um die Unnatur zu beschönigen, in die man die Sache gezogen hat GWBN2,276,10 FlP 622 überall spricht sich die Wahrheit der Natur und unserer naturgemäßen Darstellung, so wie das F-e der Newtonischen verkünstelten Vorstellungsart, energisch aus GWBN2,110,4 FlP 184 Ich .. freute mich, das Captiose, F-e seines [
Newtons] ersten Experiments mir schon durch meine Tafeln anschaulich gemacht zu haben GWBN4,302,19 FlH VI Konfess dVerf so glauben wir durchaus das Verfängliche und F-e der Versuche [
Newtons], so wie die Nichtigkeit der Folgerungen, enthüllt zu haben GWBN2,114,16 FlP 192 GWBN5
1,334,9 Fl NeuEinl GWBB31,13,1 Reinhard 16.11.18 GWBN4,461,17u22 FlH VI Plp GWBN2,101,25 FlP 168 GWBN5
2,5,23 Fl Schema 1801
uö subst auch begriffl verfestigt iS eines durch die Abhängigkeit des Erkenntnistriebs vom ‘Charakter’, dh von der jeweiligen Natur u individuellen Vorstellungsart des erkennenden Subjekts bedingten (u damit unvermeidlichen) Irrtums, meist in explizitem Gegensatz zum Wahren u Rechten u in Gleichsetzung od Koordination mit dem Unrechten, Verwerflichen, Bösen, Lügenhaften, Krankhaften, Absurden; sowohl im Urteil üb den einzelnen ‘genialen Irrenden’ als auch best zeitgenöss wiss Strömungen sowie in der Betrachtung der Geschichte der Wiss (mehrf unter dem Aspekt der Wechselbeziehung von Erkenntnis, Vorurteil u Charakter5)) Im Wissen wie im Handeln entscheidet das Vorurtheil alles .. Es ist eine Bejahung oder Verneinung dessen, was unsre Natur anspricht oder ihr widerspricht; es ist ein freudiger Trieb unsres lebendigen Wesens nach dem Wahren wie nach dem F-en, nach allem was wir mit uns im Einklang fühlen GWBN2,18,17 FlP 30 [
mBez auf Newtons Persönlichkeit] Ängstlich aber ist es anzusehen, wenn ein starker Charakter .. um innerlich wahr zu sein, das Wirkliche für eine Lüge erklärt .. Demungeachtet bleibt der Charakter immer Charakter, er mag das Rechte oder das Unrechte, das Wahre oder das F-e wollen und eifrig dafür arbeiten GWBN4,102,25 FlH VI Wir wollen .. bedenken, wie langsam sich der Mensch aus dem Irrthume erhebt, um sich gegen die Wahrheit zu wenden; viel geschwinder kehrt er sich vom Wahren zum F-en GWBN5
1,392,6 Fl Nachtr [
iZshg mit G-s Studium der Geschichte der Physik] Eine Wissenschaft ist .. eine ungeheure Contignation von Wahrem und F-em, von Freiwilligem und Nothwendigem, von Gesundem und Krankhaftem GWB36,67,18 TuJ GWBN4,26,3 FlH VI GWBN5
1,334,6 Fl NeuEinl GWBN6,188,20 VerstäubgVerdunstgVertropfg GWB25
1,270,22 Wj III 14 GWBN5
2,263,16 Fl Plp Gespr Kanzl Müller 18.9.23
uö b
in G-s Auseinandersetzung mit den ästhet Fragestellungen u Theorien seiner Zeit: für das dem Wesen der Kunst nicht Gemäße, Regelwidrige; häufig subst, sowohl in der Charakterisierung u Bewertung künstlerischer Schaffens- u Behandlungsweisen als auch einzelner Stilarten, Kunstgattungen kunsttheoret Maximen uä; koordiniert mit den abwertenden Begriffen des ‘Übertriebenen, Manierierten, Willkürlichen, Schiefen, Unerträglichen, Absurden, Schwachen, Krankhaften’ mehrf in Gegenüberstellung mit dem Echten, Natürlich-Wahren der reinen Kunst Meine Rubriken [
‘Nachahmer’, ‘Imaginanten’ etc] bezeichnen nur Einseitigkeiten, welche als Mängel anzusehen sind, wenn die Natur den Künstler dergestalt beschränkte, als Fehler, wenn er mit Vorsatz in dieser Beschränkung verharrt. Das F-e, Schiefe, fremd Eingemischte aber findet hier [
in der Klassifizierung der Künstler nach versch Begabungen] keinen Platz GWB47,193,16 Samml 8 Diese edlen Gestalten [
Gipsabgüsse antiker Plastiken in Frankf] waren eine Art von heimlichem Gegengift, wenn das Schwache, F-e, Manierirte über mich zu gewinnen drohte GWB32,324,20 ItR Ihr [
der Baukunst] ist aufgegeben, alles Willkürliche, Schiefe, Schwankende, F-e und Formlose zu verbannen GWB53,216,17 Bilder am Hause G-s bRegierungsjub CarlAug Sulzers Theorie [
der schönen Künste] war mir wegen ihrer f-en Grundmaxime [
Kunst als verschönernde Natur-Nachahmung] immer verhaßt GWB31,51,26 ItR GWB42
2,86,19 Üb:Scott,Supernatural GWB45,259,27 Diderot,Malerei Anm GWB41
2,280,19 Neueste dtPoesie [1827] GWBB11,70,20 Meyer 20./22.5.96
uö speziell in der Gegenüberstellung der antiken u modernen Kunstauffassung mit der Bedeutungskomponente: unnatürlich, das Wesen der Dinge nicht rein erfassend; in der Folge der Ausformung der klass Kunsttheorie in Vbdgn wie ‘f-e Grazie, f-e Manier, f-e Originalität, f-e Originale, f-e Natur’ die in der Aufklärungs- u Sturm-u-Drang-Poetik ursprüngl positiv besetzten ästhet Kategorien pejorativ umwertend, unter nachahmungsästhet Aspekt bes prägnant in der scharfen Ablehnung einer ‘f-en (kunstzerstörenden) Natürlichkeit’ im Problemzusammenhang von Kunstwahrheit u Naturwirklichkeit [
mBez auf den Unterschied zw der Antike u Moderne] sie [
die Griechen] stellten die Existenz dar, wir gewöhnlich den Effect; sie schilderten das Fürchterliche, wir schildern fürchterlich .. Daher kommt alles Übertriebene, alles Manierirte, alle f-e Grazie, aller Schwulst
6) GWB31,239,11 ItR Das sogenannte Aus-Sich-Schöpfen macht gewöhnlich f-e Originale und Manieristen GWB48,210,13 MuR(1119) [
im Schema der versch Kunstrepräsentanten] F-e Natürlichkeit haben beide [
Nachahmer u Imaginanten] gemein GWB47,339,10 Samml 8 Schema [Schiller/G] GWBB26,130,8 TheaterKomm 4.11.15 GWBB21,443,3 Kirms 14.12.10 Korr B30,276
uö c
in thesenhaft-prägnant formulierten Maximen (bes aus der Spätzeit nach 1810) üb das Wesen des Falschen als das (in Wiss u Kunst, Denken u Handeln) Unfruchtbare, destruktiv Hemmende, dem jeweiligen Zeitgeist Verhaftete, flüchtig Aktuelle, (der Menge) bequem Zugängliche u verführerisch Blendende (in pointiert antithetischer Gegenüberstellung zum Wahren als dem lebendig Fruchtbaren, konstruktiv Fördernden, den flüchtigen Augenblick Überdauernden, nur einer Minorität sich Erschließenden u damit Unpopulären die Quintessenz G-scher Denk- u Sehweise aussprechend) Durchaus aber bleibt ein Hauptkennzeichen, woran das Wahre vom Blendwerk am sichersten zu unterscheiden ist: jenes wirkt immer fruchtbar und begünstigt den der es besitzt und hegt; dahingegen das F-e an und für sich todt und fruchtlos daliegt GWBN11,264,24 Naturphilos Das Absurde F-e läßt sich jedermann gefallen denn es schleicht sich ein Das Wahre Derbe nicht denn es schließt aus GWBN11,375 MuR Ein unzulängliches Wahre wirkt eine Zeit lang fort; statt völliger Aufklärung aber tritt auf einmal ein blendendes F-e herein; das genügt der Welt, und so sind Jahrhunderte bethört GWBN11,153,8 MuR(146) Das F-e hat den Vortheil, daß man immer darüber schwätzen kann; das Wahre muß gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da GWBN11,134,8 MuR(587) GWBN11,125,23 MuR(553) GWB42
2,126,8 MuR(165) Gespr Kanzl Müller 17. 5.29
uö Dorothea Weiss-Schäfer D. W.-S.