Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
BRÛT stf.
1. im allgemeinen bezeichnet dieses wort eine weibsperson, die einem manne unlängst beigelegen hat oder nächstens beiliegen soll; man vgl. jedoch weiter unten 4. ouch gienc Isôt, Tristandes trût, diu mit dem namen was ein brût, unt noch der werke was ein maget, als ir benahtet noch betaget wære der dinge ihtes iht, dâ von man briut von briuten spricht H. Trist. 867.
2. daher heißt brût
a. sowohl die rechtmäßige gemahlin kurz vor oder bald nach der vermählung, z. b. Güntheres gemahlin Nib. 546,3. Dancwart schlägt Blödeline das haupt ab, und sagt daʒ sî dîn morgengabe zuo Nuodunges briute der du mit minne woldest phlegen Nib. 1864,4. nû soltu hînaht sîn ein brût Ls. 1,511.
b. die beischläferin, das kebsweib. daʒ ir, sagt Alexander zu seinem vater Philippus, mîne muoter Olympîaden die guote mir ze leide verlâʒen hât unde einen überhuor begât mit einem andern wîbe (Cleopatra). ein riter hieʒ Lysias, der was mit der brûte (Cleopatra) dar comen. Philippus fällt nieder und bricht den schenkel, in ander halb viel diu brût Lampr. Alex. 474 f. wer hienge mich dar umbe ob ich iuch gewunne mir zuo einer briute? Gudr. 1029,4. vgl. 1030,4.
3. und so auch im tropischen sinne
a. die dem heilande geweihte seele. Crist brâhte ûʒ der helle manec sêlen brût MS. 1,134. a. vgl. amg. 278 (s. 8. a). mit sînem bluote er uns gemehelte ze briuten MS. 2,137. a. dâ got sîner brûte gert Barl. 89,8.
b. ein dem teufel ergebenes, oder auch durch übernatürliche stärke ausgezeichnetes wesen. hir vert des tiuvels brût Rother 11. b. wâfen, sprach Hagne, waʒ hât der künec ze trût! jâ sol si in der helle sîn des übelen tiuvels brût Nib. 426,3. vgl. des tiuvels wîp Nib. 417,4. in wie fern windes brût hierher gehört, lasse ich um so mehr unentschieden, da to brew (brauen) im englischen so gewöhnlich von sturm u. gewitter gebraucht wird, und, wenigstens in der deutschen sprache, nichts auf eine braut des windes hinweist, man vgl. indes Grimm's gr. 2,601. 606. 3,391. mythol. 361. 364. 560 (598. 603. 951 ausg. 2). die bedeutung des wortes ist dieselbe, die 'windsbraut' noch jetzt hat, wirbelwind, orcan. ahd. O. v. 19,27. Diut. 2,182. mit einer windesbriute wurden si getwungen vor der tür Servat. 2303. in nam ein windesbrût: vor der kirchtür si in sluoc Servat. 2844. als aberellen wetter vert ir wille, daʒ nie windes brût als swinde enwart MS. 2,31. b. od. frauend. 417,28. man sach in durch den hûfen varn mit hurt reht als ein windes prût frauend. 92,13. swinder danne ein windes brût MS. 2,131. a. eʒ riuschet als ein windes brût ein lob in tiutschin lant MS. 2,174. a. wann etwenne kumt diu zît, daʒ diu wintsprût gelît Strick. a. w. 2,2. dâ fuor des mâles unde stoup vil manic snelle windes brût troj. 77. b. frauend. 21,29. diu kalte windes brût troj. 92. a. diu ros enliefen niht, si flugen noch vaster danne ein windes brût Engelh. 4771. er kam gebrûset als ein windes brût Engelh. 2775. her unde dar eʒ (das rad) vaste stieʒ rehte als eʒ (wære?) ein wint sprawt (so gedruckt mit dem reime trawt d. h. trût) Geo. 38. a. lief spilnde als ein windes brût durch daʒ gras fragm. 19. a. alsam in rôre diu windes brût Reinfr. 159. d. Tit. 3733. als ein windes sprout ûf dem mere altd. w. 3,18 (leiteten diese schreiber das wort von spriu, oder von sprüejen? man vgl. auch windsprewd Oberl. 2039).
4. Indes ist das wort brût nicht auf das weibliche geschlecht ausschließlich beschränkt. Nib. 1822,4 er fuor sô wol gekleidet, sam eʒ wære ein edel brût kann sich zwar eʒ auf den Hiunen beziehen, aber auch auf trût: ich führe die stelle daher hier nur an, ohne auf ihre beweisende kraft zu bestehen. offenbar aber geht in Gotfrits zweitem liede str. 19 (lobges. 62) brût auf Christus: vil maniges reinen herzen trût, vil maniger reinen megde brût. vgl. str. 11. man vergl. auch des tievels brût Rother 11. b.