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bieder

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

bieder

Bd. 1, Sp. 1810
bieder, utilis, probus, bonae frugis, wacker, fromm, rechtschaffen, ein entstelltes, verdunkeltes, oft misgedeutetes wort, ahd. pidarpi piderpi biderbi (Graff 5, 215), alts. bitherbi, mhd. biderbe (Ben. 1, 361), unmittelbar zu bedarf und bedürfen fallend, nur mit behaltnem oder in P geschobnem B des goth. þaurban, þarba; derb solidus, verderben perire gehören nicht dazu. es drückt aus: was um (circa) den bedarf ist, wessen man bedarf und sich zu bedarf, zu nutzen bedient. Agricola (s. biedermann) erklärt sehr gut. Man musz hier von der betonung ausgehn. schon das ahd. pidarpi pflegt den hauptton auf pi zu legen, welches sich im [] mhd. biderbe, kraft dieses tons, rein erhält, die beiden letzten silben unbetont und stumm auf sich folgen läszt: der gérne bíderbe wére. Iw. 200; mîn hérre wás bíderbe gnúoc. 2033; mich múoʒ ein bíderbe mán nérn. 2060. tritt privatives un vor, so zieht dieses den accent an sich, dessen pi verlustig geht, derbi wieder fähig wird: themo úmbithèrben wálde. O. IV. 26, 51; in welchem fall mhd. bi zu be geschwächt werden musz: dâ wéhst nu únbedérbe grás. Greg. 3550; diu béte was únbedérbe. Iw. 7288. wo mhd. biderbe steht, ist bi betont, derbe unbetont; wo bederbe, ist be unbetont, derbe betont. nach diesem unterschied begreift sich, wie aus biderbe endlich mit schwindendem auslaut B die nhd. verunstaltung bider, geschrieben bieder, entsprang, hingegen unbederbe auszer gebrauch gerieth; erst spät hat man wol auch unbieder versucht, das früher unmöglich gewesen wäre. Auszerhalb der zusammensetzung erscheint nhd. bieder ziemlich selten, und in Luthers bibelverdeutschung nie; es geht uns blosz auf personen, nicht auf sachen, und ein biederer baum, unbiederes gras kommt nicht mehr vor. wir sagen: er ist ein biederer rechtschaffener mann, eine biedere seele; sie hat ein biederes herz; das war eine biedere that; er ist der biederste mann in der ganzen stadt (ahd. piderpisto). Zuweilen empfängt es aber, wie deutsch, mit welchem es daher auch verbunden erscheint, den nebensinn einer plumpen, geraden, derben ehrlichkeit, vielleicht, weil sich die alte, volle form biderb fälschlich dem unverwandten derb anzureihen schien. derhalben ich bitt alle frome bider handwerksleute. Luthers br. 2, 413; ir seid wol als frumm und pider, ir lat uns bis morgen fru herwider. fastn. sp. 788, 30; da reget sich herwider der erst, der vor im lag, er sprach, ich sei nicht bider (will nicht ehrlich sein), wan ich dirs halt vertrag. Uhland 656; den menschen auch Herodes sah und achtet ihn für bieder. kirchenl. o mensch, bewein dein sünde grosz. v. 12; die ist ein weib ehrlich und pieder. Ayrer 269b; und wer helt sein heupt nicht viel bieder (f. biederer), denn seine füsz und ander glieder? froschm. II. 3, 6 (Ff 8a); daher, weil richter ich, will ich, den augenschein der nackenden warheit einnehmend, bider sein. Weckherlin 740; wer gar zu bider ist, bleibt zwar ein redlich mann, bleibt aber was er ist, kommt selten höher an. Logau; ob es kräftig oder zierlich, geht uns so genau nicht an, wir sind bieder und natürlich, und das ist genug gethan. Göthe 1, 163; ja sogar der bessere selbst, gutmütig und bieder will mich anders. 1, 330; was sollte man, oder was könnten biedere männer vereint, was könnten die herscher bewirken. 1, 336; ebenso steckte Melina, als kammerjunker oder kammerherr die grobheiten ein, welche ihm von biedern deutschen männern, hergebrachtermaszen, in mehreren beliebten stücken aufgedrungen wurden. 18, 249; das leben des biedern Götz von Berlichingen. 26, 199; ein alter degen, stolz und rauh, sonst bieder und gut. Lessing 2, 119. Hin und wieder brauchen ältere schriftsteller das volle biderb, z. b. Keisersberg: so der mann biderb ist, und selbst neuere, denen es aus büchern und urkunden bekannt geworden war: es war einmal ein ehrlicher biderber mann. Siegfr. von Lindenb. 2, 300; der biederbe mann. 2, 305. 307. 312; die biederben Hessen, die schönen Thüringer. Tieck 4, 15. Die folgenden zusammensetzungen sind aber durch die abgestumpfte form erleichtert worden.
4069 Zeichen · 69 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Bieder

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    * Bieder , ein veraltetes Bey- und Nebenwort, welches eigentlich nützlich, dann aber auch fromm, tugendhaft, rechtschaff…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    bieder

    Goethe-Wörterbuch

    bieder mehrf subst (auch superl) als altdeutsch angesehene, vorwiegend bürgerl Tugend 1) (iUz galanten Wendigkeit der Fr…

  3. modern
    Dialekt
    bieder

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    bieder Band 2, Spalte 2,752

  4. Spezial
    bieder

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    bie|der adj. 1 (rechtschaffen) onest (-sć, -a) 2 (naiv, treuherzig) naif (-s, -iva) 3 (langweilig) da stufé 4 (spießig) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bieder

51 Bildungen · 43 Erstglied · 6 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von bieder

biedern + -er

bieder leitet sich vom Lemma biedern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von bieder 2 Komponenten

bie+der

bieder setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

bieder‑ als Erstglied (30 von 43)

biederauge

DWB

bieder·auge

biederauge , n. ehrliches gesicht: in dessen treues herz und biederauge kein argwohn kam. Wieland 18, 19 (34).

biederbmann

DWB

biederb·mann

biederbmann , m. was biedermann: warumb wolt man biderbman ertrenken, der soliche ungerechtigkeit nit annemen wolt. Keisersb. s. d. m. 81 b …

biederfrau

DWB

bieder·frau

biederfrau , f. ein biderfraw, so im ( Mahomet ) begegnet, zu seinem mutwillen nicht wolt bewilligen. Frank weltb. 121 a .

biedergeist

DWB

bieder·geist

biedergeist , m. lieb ist ein bidergeist, aus fewr und luft vereint. Melissus 172 .

biederhand

DWB

bieder·hand

biederhand , f. die hand des biedern: und meiner jüngsten reicht er die deutsche biederhand. Fr. Müller 1, 356 .

biederherz

DWB

bieder·herz

biederherz , n. Wieland 18, 322 ; höflichkeit verlor den rock, falschheit hat ihn angezogen, hat darinnen viel geäft, hat manch biderherz be…

biederherzigkeit

DWB

biederherzig·keit

biederherzigkeit , f. ich hoffe aber, sie haben einigen glauben an meine teutsche treue und biederherzigkeit. Wieland bei Merck 2, 82 ; hat …

Biederkraft

Campe

bieder·kraft

◬ Die Biederkraft , o. Mz. die Kraft eines Biedermannes. »Deutsche Biederkraft.« Schubart.

biederleute

DWB

bieder·leute

biederleute , pl. καλοκἀγαθοί , pl. von biedermann: so lasz michs und die piderleut verstan. fastn. sp. 514, 21 ; da sollen piderleut umb sa…

biederlich

DWB

bieder·lich

biederlich , ahd. pidarplîh ( Graff 5, 219 ): das es aber in gnaden müglich sei, hette Arsacius basz wissen zu sagen, denn sie thun, wo sie …

Biederlob

Campe

bieder·lob

Das Biederlob , des — es, o. Mz. ein Lob, welches ein Biedermann ertheilt, was also aufrichtig ertheilt wird und wohl verdient ist. Logau.

biedermann

DWB

bieder·mann

biedermann , m. vir bonus, honestus, antiquus: biedermann von altem schrot und korn; biedermanns erbe liegt in allen landen ( schon Ottocar …

Biedermeier

Pfeifer_etym

bieder·meier

bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, …

biedermund

DWB

bieder·mund

biedermund , m. so konnte schon voraus sein biedermund nicht schweigen. Rost.

biedermut

DWB

bieder·mut

biedermut , m. von urahnlichem biedermut. Voss 3, 41 ; rastloses biedermuts, und nie altender jugendlichkeit. derselbe.

Biedermuth

Campe

bieder·muth

◬ Der Biedermuth , des — es, o. Mz. der Muth eines Biedermannes; dann, so viel als Biedersinn. — — — trotz dem Ausonenschwan Der — — tönte v…

bieder als Zweitglied (6 von 6)

altbieder

DWB

alt·bieder

altbieder , honestissimus, probatissimus: so wie mit Hagedorn sang altbiederer zecher chor. Voss 3, 56 .

grundbieder

DWB

grund·bieder

-bieder : das keiser Sigmont ein gruntbiderber herzman und fürste was E. Windecke denkwürd. 440 ;

kreuzbieder

RDWB1

kreuz·bieder

kreuzbieder (более чем) законопослушный, насквозь правильный

unbieder

DWB

unbieder , adj. , gegentheil von bieder. zur betonung des alten wortes th. 1, 1810 f. nachklang des ahd. unpidarpi, as. unbitherbi, ags. unb…

urbieder

DWB

urbieder , adj. adv. (ur- C 4 a): Münchner allg. zeitg. beilage 114, 726 b . —

Ableitungen von bieder (2 von 2)

unbieder

DWB

unbieder , adj. , gegentheil von bieder. zur betonung des alten wortes th. 1, 1810 f. nachklang des ahd. unpidarpi, as. unbitherbi, ags. unb…

urbieder

DWB

urbieder , adj. adv. (ur- C 4 a): Münchner allg. zeitg. beilage 114, 726 b . —