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belieben

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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23 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

belieben

Bd. 1, Sp. 1447
belieben , nnl. believen, ahd. und mhd. nur das einfache wort, oder giliuban, gelieben. 11) mit acc. der person, früher so viel als lieben: (ir solt) dem feind vergeben seine schuld, und ihn wie einen freund belieben. Waldis Esop 1, 7; als Venus wolte Mars in ihre liebe bringen, hat sie ihn blank und blosz am besten können zwingen. denn so sie, wie sie pflegt, in theurem schmucke blieben, hätt er sie dürfen mehr berauben als belieben. Logau 1, 2, 9; wie mancher mensch ist doch von dir betrübt, der dich beliebt. Neumarks lustwäldchen 5. vgl. beliebt. 22) häufiger mit acc. der sache, probare, comprobare, gut heiszen, billigen: er beliebet den vertrag, suchet was zerstreut zusammen. Sim. Dach X 2; so wird dann auch die braut, was du ihr möchtest machen, so gut es immer ist, belieben und belachen. Logau 1, 8, 14; gewislich, es hätten so viele grosze und weltberühmte leute seine freundschaft nicht gesuchet oder beliebet. Brandts Taubmann s. 67; weil der stand der geistlichen für fromm gehalten und beliebet wird. pers. rosenth. 2, 5; es schreibet Aldrovandus, dasz die cameele die musik oder einen lieblichen ton sehr belieben sollen. 2, 24; der dein gesichte ansahe und beliebete. 5, 10; dieser rath wird beliebet. 7, 20; der weisen sprüche werden nicht von jedermann mit gleicher neigung angehöret, einer beliebet sie, der ander verwirft sie. pers. baumg. 7, 29; hier ists, hochädles paar, was ich in eil geschrieben auf schlechte schäferart. ich bitt es zu belieben, obs gleich gering und schlecht. Neumarks lustw. 166; wird es beliebt, so möchte sich der politische näscher auch zu gelegener zeit einstellen. Weise kl. leute, vorrede; der beliebte allgemeine zug ins gelobte land. Möser 2, 86; dieser anzeige zufolge wurde beliebt (placuit), dasz sich don Sylvio auf eine kleine weile beurlauben sollte. Wieland 7, 2; dasz man die zeichensprache in frage und antwort beliebte. Herder 1, 156; die neigung des werthen mannes, überall inschriften zu belieben. Göthe 21, 99; man sollte aber doch, versetzte Wilhelm, in diesen tagen eine ausstellung belieben. 22, 163; weshalb der vorsichtigere freund den schönen mondschein zum vorwand nahm und auf einen spaziergang antrug, welcher denn auch sogleich beliebt wurde. 25, 347; man müsse nach der grammatik verfahren, wie sie einmal beliebt und verfaszt worden. 24, 201; bis die gebrüder von Humboldt ... einen längeren aufenthalt in Jena beliebten. 55, 175; mit zuziehung der ständ etwas belieben, ist sonst wol nicht der herrn monarchen art. Gökingk 3, 225; doch konnten die curien ganz und gar nichts belieben ohne vorhergegangenen senatsbeschlusz. Niebuhr 1, 574. 33) dies belieben, wenn ohne allen casus dem infinitiv vorausgeschickt, oder auch nur für sich gesetzt, wobei man einen solchen inf. leicht ergänzen kann, bildet dann höfliche anrede und frage: belieben sie einzutreten, sich niederzulassen, mich anzuhören statt des natürlichen tritt ein, lasz dich nieder, höre mich an; schwächer als geruhen sie einzutreten, daignez entrer, was man nur an vornehme richtet. was belieben sie (zu verlangen)? quid imperas?; was belieben sie (zu sagen)? quid dicis? wie sie belieben, ut lubet. ihr, die ihr heute oder morgen mein grab vorbeigehet, ich bitte euch, beliebet an mich zu gedenken. pers. baumg. 4, 26; das er (gott) meine sünde zu vergeben belieben wolle (hier noch dignetur). 10, 5; mein herr, sie belieben allzu vortheilhaftig von ihrem diener zu sprechen. Felsenb. 1, 17; meine hochgeneigte herren belieben wasser zu nehmen und nehmen den ihnen selbst anstehenden platz ein! unw. doct. 506; beliebet morgen einzusprechen, die wechsel laufen später ein. Lessing 1, 82; hierher mamsell! und sie belieben hierher (sich zu setzen)! Göthe 10, 140; wie wär es, wenn deine weisheit uns diese sache ins klare zu setzen belieben wollte? Wieland 6, 74; ich wisse mehr von ihrer geschichte, als sie mir selbst davon zu entdecken beliebt hatte. 27, 235; das ist ein kammerdiener, den herr Champagne beliebt hat ihm an die seite zu geben. Schiller 660. in beiden letzten stellen wird niemand angeredet, nur höflich von einer dritten person gesprochen, dies beliebt ist nichts als gewollt. es heiszt auch unartig oder ironisch: belieben sie nur zu warten, sie wollen, mögen nur warten! belieben sie jetzt zu schweigen! sie belieben wol zu scherzen?; du beliebst das anzunehmen. 44) mit dem dat. der person, gefallen, behagen, placere: diese sache beliebt mir nun einmal; es beliebt mir so; wenn es gott beliebt; den feinden hat der krieg vor dem frieden beliebt; zu unterschiedlichen mir sonderlich beliebenden melodeien. Weckherlin vorr. zu den geistl. ged.; die narren belieben sich in ihrer narrheit selbsten. Philander 2, 155; wem redlichkeit beliebt, ist bösen stücken feind. Fleming 57; was uns an ihr beliebet, liegt vor uns kalt und todt, sei, junge welt, betrübet, dich rührt die meiste noth. 308; ein weib, dem lob so sehr beliebt. Logau 1, 8, 37; immer betteln, wo mir belieben (wo ich befehlen) darf! Fr. Müller 3, 253. Auch hier erzeugen sich höflichkeitsreden: was beliebt dir? = was beliebst du? wenn es dir beliebt, gefällt, gefällig ist, s'il vous plaît; wie es ihnen beliebt = wie sie belieben; zur sache, wenns beliebt! Schiller 342a; meine herren, wenns beliebt! (auffordernd); was beliebt? wie beliebt? (wenn man einen nicht verstanden hat); zumal in der verbindung mit lassen: du wirst es dir belieben lassen; so lasse ihr nun e. churf. durchl. gnädiglich belieben. Weckherlin zueign. der weltl. ged.; ich solte die einsamkeit und stille mir belieben lassen. pers. rosenth. 2, 14; nun läszt sich Esau belieben eine heidnische gemahlin zu suchen. Weise comöd.; möchte sich belieben lassen, die kluge narrenhistorie umbständlich zu erzehlen. kl. leute 13; zwei freundinnen, welche sich belieben lassen mit uns nach Felsenburg zu reisen. Felsenb. 2, 616; meine wertheste herren, ich bitte sie lassen sich belieben zu sitzen. unw. doct. 386; mit bitte, die herren wollten sich belieben lassen wasser zu nehmen. 395; liesz auftragen und bat, die herren wollten sich belieben lassen zu sitzen, so auch geschach. 756; die mächtigsten lieszen sich diesen vorschlag belieben. Wieland 6, 39; kater Doria lasse sich nun die mäuse belieben! Schiller 154; lassen sie sichs brav belieben! Millers Siegwart 1, 53; nun kinder, laszts euch belieben! 1, 108.
6372 Zeichen · 97 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    beliebenswv.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +4 Parallelbelege

    * belieben swv. der Liebe teilhaftig machen RAlex.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Belieben

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Belieben , verb. reg. neutr. welches mit der dritten Endung der Person, so wohl persönlicher als unpersönlicher Weise üb…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Belieben

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Belieben über 200 Belege, überwiegend in festen Vbdgn, meist ‘nach B. (schalten und walten’; gelegentl von Personifikati…

  4. modern
    Dialekt
    belieben

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    beliebe n in der stehenden Formel: Wënn's ( oder wann's, wenn ’s) b(e)liebt bitte! = frz. s'il vous plaît allg. Rda. Wan…

  5. Sprichwörter
    Belieben

    Wander (Sprichwörter)

    Belieben 1. Aus Belieben zum Talge leckt die Katze den Leuchter. – Winckler, I, 92. 2. Lass dir nichts belieben, so kann…

  6. Spezial
    belieben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    be|lie|ben vb.intr. plajëi (plej, plajü), savëi bel, avëi vëia. ▬ ihr könnt tun, was euch beliebt i podëis fá ci che ves…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit belieben

6 Bildungen · 0 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von belieben

be- + lieben

belieben leitet sich vom Lemma lieben ab mit Präfix be-.

belieben als Zweitglied (4 von 4)

abbelieben

DRW

abbe·lieben

abbelieben das Spitalhaus, das Privatleute geraume Zeit in possession gehabt und der gemeinden abbeliebt hatten, geht wieder in Gemeindebesi…

Selbstbelieben

DRW

selbst·belieben

Selbstbelieben, n. eigenes Ermessen dahingegen jeder ... stand den seinigen ... nach selbst-belieben durch einen privat-commissarium ... die…

Spezialbelieben

DRW

spezial·belieben

Spezialbelieben, n. wie Spezialerlaubnis; auch: Gutdünken es sollen keine newe zuschlege ohne speciahl belieben dess holtzrichters undt semp…

unbelieben

DWB

unbe·lieben

unbelieben , n. , gegentheil des seit dem 17. jh. bezeugten subst. belieben, mangel des gefallens an oder mit einer sache Adelung. noch nich…

Ableitungen von belieben (2 von 2)

Mißbelieben

Campe

Das Mißbelieben , — s , o. Mz . der Mangel an Belieben, das Zuwidersein.

unbelieben

DWB

unbelieben , n. , gegentheil des seit dem 17. jh. bezeugten subst. belieben, mangel des gefallens an oder mit einer sache Adelung. noch nich…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „belieben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/belieben/dwb?formid=B03709
MLA
Cotta, Marcel. „belieben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/belieben/dwb?formid=B03709. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „belieben". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/belieben/dwb?formid=B03709.
BibTeX
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