BELIEBEN vb. mhd. belieben,
mnd. belêven,
mnl. nnl. believen,
me. biloͮven, -luven,
ne. belove.
bis ins 14. jh. nur vereinzelt das part.adj. beliebt
wird seit d. späten 16. jh. in unterschiedl bedeutungen d. verbs verwendet, jedoch überwiegend unter A 3 a
u. C. A ‘
lieben, annehmen, vorziehen’. 1 ‘
jmdn., etwas lieben’; früh vereinzelt, insgesamt selten; beliebt
part.adj. ‘geliebt’: ⟨u1235⟩ nâch liebes stætem liebe / wart si von liebes diebe / betrogn, ein teil beliebet
(‘der liebe teilhaftig’
) Rudolf v. Ems
Alexander 863 LV. 1485 ock beleut he synen vyand zo wol alse synen vrund
in: Schiller/L.
mnd. wb. 1,224a. ⟨1548⟩ darumb die fraw sich sehr betruͤbt, / denn sie den
(kranken) mann hertzlich beliebt Waldis
Esopus 1,277 K. ⟨1588⟩ beliebten christen die jr jtzt / an diesem tisch beynander sitzt
(anrede) Ringwaldt
warnung [1589] B 3a. 1598
(refl.:) wenn sie
(die schwäne) junge zeugen wollen, findet sich das menlein zu dem weiblein vnd beliebet
(‘paart’) sich mit jhme Colerus
oecon. 4, Bbb 3a. 1645 nun hasset der waffen bluttriefendes siegen: / beliebet den frieden und jaget ihm nach Klaj
redeoratorien 384 W. 1656 liebt dich jemand wieder so, .. ach so sey vom hertzen froh, vnd belieb’ jhn biß zum grabe
venus-gärtlein 181 HND. 1777 beliebter wald! beliebter kranz von büschen! Haller
ged. 115. ⟨v1956⟩
(historisierend:) ich bitt euch nun, .. der beliebten ahnen / euch innigst zu erinnern Brecht
stücke 11(1969)307. 2
rechtssprl. ‘etwas annehmen, gutheißen, bewilligen, bestätigen beschließen (u. vollziehen, ausführen)’
; zunächst vor allem nd.; seit d. 18. jh. überwiegend in passivischer konstruktion; beliebt
part.adj. ‘angenommen, beschlossen, vollzogen’: 1314 belevet und bewillet und begeret
in: DRW 1,1529. ⟨14.jh.?⟩ doch beleueden und vulbordeden
(‘genehmigten’) se .. alle uorscreuene stucke
stadtrecht Lüneb. 2 K. 1440
(wir) confirmiern, bestettigen und belieben die
(privilegien) alle van newes
urkb. Ndrhein 4,1,282. 1532 das ich .. den
(kauf) beliebt, eingangen und volnzogen
brand. schöppenstuhlsakten 1,146 S. ⟨1540⟩ das wir .. den obvormelten vortragk alles seines inhalts beliebt, bewilligt und also angenommen
urkb. mansfeld. saigerhandel 229 M. 1660 durch beliebte keyserl. abordnung erfolgtes .. begehren Heiden
grundfeste 51. 1665
(dieser schlachtplan) ward beliebet und dem kleinesten schiffe .. angezeiget, was beschlossen wahr Bucholtz
Herkuliskus 407a. 1709 die erbfolge .., gleichwie solche durch das parlament .. befestiget und beliebet worden
in: Barre, Dtld. (1749)8,517. ⟨1791⟩ revidirte armenordnung ... beliebt durch rath- und bürger-schluß
in: Berg
hdb. policeyrecht (1799)6,2,850. 1835 dabei wird er .., wenn er gegen die von der mehrzahl beliebten gesetze sich vergeht, eben so bestraft, als ob er das gesetz mitbewilligt hätte Dahlmann
politik 1,318. 1881 daß der ursprüngliche ausdruck .. von dem könige .. für die ausfertigung
(der order) nicht beliebt
(‘gebilligt’) wurde Ranke
(1867)48,52. 1933 neuerdings ist .. eine kombination
(des alten hauses) mit den neuen gebäuden der städtischen verwaltung beliebt worden Wölfflin
kl. schr. 239 G. 3 ‘
wählen, vorziehen’. a ‘
etwas (zu tun) wählen, vorziehen, wünschen, etwas oder jmdn. (wert)schätzen’,
überwiegend mit infinitivkonstruktionen; seit d. 17. jh. bes. in (z. t. rangunterschiede kennzeichnenden) höflichkeitsformeln zum ausdruck einer bitte, frage, empfehlung, erwiderung u. dgl., seit ende d. 18. jhs. zunehmend krit.-iron.; beliebt
part.adj. ‘
(jeweils) gewählt, vorgezogen, gewünscht’ ⟨u1480⟩ das .. nicht meister waren im rathe, die den friede, eintracht und liebe in der stadt belibeten, sondern unglück und zwitracht zu machen Spittendorff
denkw. 1 O. 1569 die hat als eine rechte christin .. keinen hohen schmuck beliebet, sondern denselbigē auch mit vnwillen getragen
theatrvm diabolorum 494a. ⟨1640⟩ so wollen wier, der beliebten kürtze wegen, unsere hoch-deutsche .. reim-kunst .. durchläuftig betrachten Zesen
Helikon (1656)1,11. 1641 weil aber .. von den poeten es
(eine imperativform) ist beliebt Schottel
sprachkunst 548. u1673 so bitte
(ich) meine hochgeehrtiste frau auffs allerdienstlichste, sie wolle belieben zu verfügen, daß .. Grimmelshausen
Simplicissimus 2,551 LV. ⟨v1683⟩ daß er ihn für einen würdigen bräutigam seiner unschätzbaren tochter beliebt hätte Lohenstein
Arminius (1689)1,80a. 1703 der gouverneur .. fragte: ob nicht ihre hoheit beliebten sich nach Colombo zu begeben Bohse
frühlings-früchte 466. 1730 ein wahl-spruch, ist ein gewisser spruch, den man vor andern beliebet
in: Böhme
theosophia, regbd. 42 faks. 1758 einst .. erbath vom haupt der götter / ein bauer .. ein selbst beliebtes wetter Lichtwer
vernunft 97. 1766 sollten sie
(anrede) also ein exemplar
(seines werkes) belieben, .. Winckelmann
br. 3,209 R. ⟨1788⟩ einen weltweisen (wie er mich zu nennen beliebte) Schiller
16,77 nat. ⟨1810⟩ der geneigte leser beliebe aber vorsichtig zu sein mit diesem geheimnis Hebel
s. poet. w. 3,44 K. 1864 Zuckriegels reisezweck war, .. einen schädel .. für seine osteologische sammlung zu stehlen, oder, wie er sich euphemistisch auszudrücken beliebte, an sich zu nehmen Raabe
9,1,202 H. ⟨1883⟩ aber der von Phemi beliebte weg lief auch nur eine kurze strecke lang in front dieser buden hin Fontane
Petöfy 54 C. 1886 wenn sie
(anrede) Daudet noch nicht kennen, möchte ich ihnen denselben belieben
(‘empfehlen’). besonders seine schilderung der Südfranzosen ist ergötzlich C.
F. Meyer
brw. 2190 B. 1930 der landesgerichtsdirektor .. beliebte eine elegante, schmissige prozeßführung Feuchtwanger
erfolg 1,25. 1961 sie
(anrede) belieben zu übersehen, daß .. Zeiske
flucht 81. 2011 die kanzlerin beliebte zu scherzen
mannh. morgen (16.7.)2. — beliebt
part.adj. ‘allgemein geschätzt gern gesehen, gern u. häufig genutzt’
u. ä., geläufig sich (bei jmdm.) beliebt machen: 1616 er
(der fähnrich) sol sich auch bey seinen soldaten beliebt machen, auff daß sie jhm desto williger folgen Wallhausen
kriegßmanual 127. 1641 was bey allen verständigen menschen gemein und beliebt ist Schottel
sprachkunst 29. ⟨1700/2⟩ würde nimmermehr einiger belobter und beliebter prediger von einem ort weggelassen werden Spener
bedencken (1712)1,1,505. 1771 ich bin beliebt; meine .. grundsätze ziehen mir verehrung zu La Roche
Sternheim 267 DLD. ⟨1777⟩ die weiland beliebte empfindsamkeit Möser
3,251 A. 1808 hir hat er
(August) sich sehr beliebt gemacht – durch seine lieblichkeit – anständiges betragen K. E. Goethe
br. 52,179 K. ⟨1874⟩ sie
(die angehörigen der sekte) waren keineswegs geschätzt und beliebt Keller
(1894)5,336. 1892 das seit decennien geübte, .. unter den botanikern sehr beliebte
(erklärungs)verfahren Wiesner
elementarstructur 11. ⟨1966⟩ eine der beliebtesten persönlichkeiten des öffentlichen lebens Böll
ende (1967)5. ⟨1986⟩ die kalten buffetts meiner schwestern waren immer beliebt Bernhard
auslöschung (1989) 393. 2001 er wurde
(als präsident) wieder gewählt. .. weil er populär war. jedenfalls beliebter als die anderen
süddt. ztg., mag. (3.8.)22a. 2008 einst beliebtes ausflugsziel, jetzt menschenleer: schloss Marquardt
das magazin 3,84b. b ‘
etwas zu tun pflegen, oft ein bestimmtes verhalten u. ä. zeigen’,
meist iron.; selten: ⟨1774⟩ dank sey .. dem .. engen schnürleibe, welches unsre büchersprache seit einiger zeit .. beständig nacht und tag zu tragen beliebt Bode
Schandi (1776)1, VII. 1816 einen der orientalischen dichter die sehr alt zu werden belieben Goethe
IV 26,416 W. 1907 bei dem langsamen geschäftsgange, den behörden belieben Stilgebauer
börsenkönig 74. 2005 verlierer .. könnten sich nicht mehr als helden feiern lassen, bloss weil sie dramatisch aus der nase zu bluten belieben
n. zürch. ztg. (11.1.)39a. B ‘
jmdm. gefallen, (an)genehm sein, behagen, seinem wunsch, willen u. ä. gemäß sein’,
selten ohne dat. d. pers.; älter auch sich etwas belieben lassen;
seit d. späten 16. jh. oft in (z. t. rangunterschiede kennzeichnenden) höflichkeitsformeln, geläufig bes. was, wenn, wie es (jmdm.) beliebt
u. ä., jünger oft krit.-iron.; zunächst in nd. spr.: 1441 ik sal darhen komen, ofte wente my belevet ofte want my best bevelt
(‘gefällt’
), privatbr. d. ma. 2,145 S. 1494 der her gaff, der her nam, als is im beliefft
ebd. 113. 1541 was sich auch e. l. desfalls .. vergleichen und zusagen, das solle uns belieben und gefellig sein
korr. Moritz v. Sachsen 1,265 B. 1599 so werden sie
(anrede) .. diese meine arbeit .. jhr guͤnstiglich belieben vnd gefallen lassen Ph. Nicolai
freudenspiegel b 4a faks. 1608 meinem gnedigen fürsten vnd herren hat gnedig belieben wöllen, euch an jetzo anzuhören Sattler
werbungsbüchl. 250. ⟨1619⟩ es haben auch andere den ackerbaw jhnē sehr belieben lassen
Garzoni, schawplatz (1641)585b. 1651 daß ich .. für alle schreibe; daß ich allen belieben wil Zesen
rosen-mând A 10a. 1692 als nun in deß .. unbußfertigen kräfften nicht ist, daß er .. den herrn Jesum im glauben ergreiffen kan, wenn es beliebet und gut dünket Scriver
theognosia 1063. 1715 daß eines jeden unterthanen braut .. dem lands-herrn zuvorher zur beliebenden
(‘gefälligen’) caresse und beyschlaff præsentiret werden muste Amaranthes
frauenzimmer-lex. 255. u1755 spötterey, die jederzeit mit lebensart beliebt Hamann
4,158 N. 1779 nun ich .. teig von mancherley komposition in die form schütte, um zu erforschen was ihr schmecke, beliebt ihr von allem Musäus
reisen (1778) 4,212. 1799 wie’s euch beliebt, zu euren diensten, herr A. W. Schlegel
Shakespeare (1797)5,17. ⟨1826⟩
(ihr) wollt .. euch
(anrede) belieben lassen, was meine diener .. euch auftischen? Hauff
6,150 F. ⟨1881⟩ sie möge tun, was ihr beliebe, und ihn tun lassen, was ihm genehm sei Heyse
[1924] I 3,616. ⟨1898⟩ nachdem der umzug
(der feiernden) sich eine weile vergnügt hatte, beliebte eine abwechslung Spitteler
Conrad (1949), schweiz. text-korpus. ⟨1911⟩ man hatte warten müssen, bis es der gans, der primadonna, beliebte zu kommen Halbe
[1917]6,94. ⟨1952⟩
(Läuffer grob:) ich bin nicht Romeo, ich bin Läuffer, wenns beliebt Brecht
stücke 11(1969)165. 2009 kalif Omar .. erlaubte ihnen
(den christen) .. ihren gott so zu verehren, wie es ihnen beliebte
nat. geographic Dtld. 11,134a. C beliebt
part.adj. ‘angenehm, liebenswert, genehm, annehmbar’ ,
semant. B
nahestehend, auch metonym. anschließbar an A 3 a;
zuerst i. s. v. ‘geneigt, geeignet’: ⟨1579⟩ wie mancherley erden vngleich sint, vnd eyn jedes .. dahin geneygt vnd beliebt ist, welchs jm am anmuͤtigsten pflegt zusein Sebiz
feldbau (1580)40. 1636 so kehrt er wiederumb gar freundlich und beliebt / zum fräwlein, das sehr war erschrocken und betrübt Werder
in: 1DWB 1,1449. 1658 deine netten kleider riechen / so beliebt und angenehm Sieber
jugend 322. ⟨v1661⟩ daß .. beliebtere zeitungen aus dem vatterland möchten zu vernehmen seyn Wurffbain
reise 1,175 M. 1711 ein jeder rühmet meine manieren, daß sie beliebet und angenehm sind
ollapatrida 35 WND. 1752 beliebte schauer, angenehme schrecken Wieland
I 1,402 ak. 1788 der .. hat sich durch talent, fleis, untadelhafte und beliebte aufführung .. vortheilhaft ausgezeichnet Kant
210,538 ak. 1839 von gewissen, ihnen nicht beliebten personen
hist.-polit. bl. 4,252. ⟨1886⟩ beim glase wein war er um so kurzweiliger und beliebter Keller
(1893)8,19.Schrader