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Begierde

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Begierde

Bd. 2, Sp. 559
Begierde, in der Psychologie jeder mit der Vorstellung eines Objektes (Zieles) verknüpfte Trieb (s. d.). Während alle Triebäußerungen in Gefühlen (s. d.) wurzeln, kommt also bei der B. als neues Moment die Vorstellung hinzu. Das neugeborne Kind z. B. bekundet einen Trieb nach Nahrung, dem zweifellos nur ein dumpfes Hungergefühl zu Grunde liegt; da aber die Befriedigung desselben regelmäßig mit der Darreichung (also der Wahrnehmung) der Mutterbrust verbunden ist, so gesellt sich allmählich der Regung des Triebes von vornherein die Vorstellung der letztern zu, und damit wird der Trieb zur B. Begierden können sich also nur auf Grund der Erfahrung in der Seele entwickeln. Ihrer Richtung nach hat die B. entweder die Form des Verlangens oder des Widerstrebens, ihrem Objekt nach kann sie eine sinnliche oder eine geistige sein. Zu der erstern Klasse gehören z. B. das Verlangen des Kindes nach Zucker, sein Abscheu vor der bittern Medizin, zu der zweiten das Streben nach Schmuck und Schönheit, das Verlangen nach Belehrung (geistiges Interesse), das Streben Gutes zu tun, die Abneigung gegen das Häßliche, das Widerstreben gegen eine schlechte Tat etc. Die geistigen Begehrungen bilden aber nur die höchste Stufe einer mit den einfachsten sinnlichen Trieben beginnenden Entwickelungsreihe; wären letztere nicht vorhanden, so ist gar nicht abzusehen, wie jene höhern Formen sich bilden könnten. Es ist deshalb auch durchaus falsch, wenn behauptet wird, daß die höhere geistige und moralische Entwickelung des Menschen die Ausrottung der natürlichen Triebe zur Voraussetzung habe; dies ist eine Unmöglichkeit, und nicht darauf kommt es an, sondern die Entwickelung höherer Formen des Begehrens aus den niedern ist die Aufgabe, welche die Erziehung zur Menschlichkeit zu lösen hat. Hierbei spielt der Konflikt der Begierden eine bedeutsame Rolle (z. B. wenn das Kind zwischen der B. nach einem verbotenen Genuß und dem Widerstreben gegen Strafe schwankt), und mit Benutzung desselben gelingt es, höhere Formen des Begehrens heranzuziehen und ihnen das Übergewicht über die niedern zu sichern (ein Prozeß, den Spinoza in seiner »Ethik« sehr richtig als den einzigen Weg, auf dem die »Vernunft« die Herrschaft über den Willen erlangen kann, geschildert hat). Das Wünschen ist ein Begehren, das auch, ungeachtet der Unerreichbarkeit des Begehrten, auf demselben beharrt. Vgl. Wille.
2383 Zeichen · 25 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Begierde

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Begierde , plur. die -n, das lebhafte oder sinnliche Verlangen nach einem Gegenstande. Die Begierde nach Ruhm, nach …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Begierde

    Goethe-Wörterbuch

    Begierde 3/4 der üb 180 Belege in den dichter Werken, mehrf mit GenObj für ‘B. nach etw’, gelegentl auch ‘B. zu etw’ a l…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Begierde

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Begierde , in der Psychologie jeder mit der Vorstellung eines Objektes (Zieles) verknüpfte Trieb (s. d.). Während alle T…

  4. modern
    Dialekt
    Begierde

    Rheinisches Wb.

    Be-gierde bəjīərdə Altk-Birken , Waldbr-Wildbg Sg. t. f.: Geiz. — In Zs. verbreiteter.

  5. Sprichwörter
    Begierde

    Wander (Sprichwörter)

    Begierde 1. Arm an Begierden macht reich an Vermögen. – Winckler. XVIII, 20. 2. Begierd' ist ein Schalk. – Eiselein, 63.…

  6. Spezial
    Begierde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Be|gier|de f. (-,-n) 1 (Verlangen) dejider (-s) m. 2 (Lust) vëia (vëies) f. 3 (Leidenschaft) pasciun (-s) f. 4 (Gelüst) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit begierde

17 Bildungen · 4 Erstglied · 12 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von begierde 2 Analysen

be- + gierde

begierde leitet sich vom Lemma gierde ab mit Präfix be-.

Alternativen: be-+gierd+-e

begierde‑ als Erstglied (4 von 4)

begierdenfrei

DWB

begierde·n·frei

begierdenfrei : in ihrem heitern still vergnügten begierdenfreien aug. Wieland 18, 83 .

begierdenzähmer

DWB

begierde·n·zaehmer

begierdenzähmer , m. : und ist dis nit ein genugsam wunderlich mirakel, die kraft und tugend diser gewaltigen fleischdemmer und begirdenzäme…

begierde als Zweitglied (12 von 12)

dankbegierde

DWB

dank·begierde

dankbegier dankbegierde , f. verlangen sich dankbar zu zeigen. rosen geben sie zum danke wieder: ehre, mädchen, diese dankbegier Blumauer. d…

ehrbegierde

DWB

ehr·begierde

ehrbegierde , f. dasselbe: besäsz er habsucht oder ehrbegierde, er wäre längst vor meinem thron erschienen. Schiller 275 a .

forschbegierde

DWB

forsch·begierde

forschbegierde , f. dasselbe: princessin, die schon manches aber voll frommer forschbegierde sprach. die Karschin im t. Merkur 1775 junius s…

geldbegierde

DWB

geld·begierde

geldbegierde , f. begierde nach geld Adelung : wie viel durch neid und hasz zu hunden, durch geitz unð gelt begierd zu wölfen .. worden. Sim…

grundbegierde

DWB

grund·begierde

-begierde : gr., ' begierde, welche zum wesen des menschen gehört, appétence ' Schrader dtsch-frz. wb. 1, 579 , vgl. Herbart w. 9, 342 ;

lehrbegierde

DWB

lehr·begierde

lehrbegierde , f. begierde nach lehre: es soll unserer fleiszigen B. nicht an nahrung für ihre lehrbegierde fehlen. Rabener werke 6, 126 ; d…

neubegierde

DWB

neu·begierde

neubegierde , f. dasselbe: die neubegierde reitzt den blick. Stoppe Parnasz 336 ; ich wollte nicht gern, dasz er mir eine so nachtheilige ne…

ruhmbegierde

DWB

ruhm·begierde

ruhmbegierde , f. wie ruhmbegier: wer .. eine gute .. that durchsetzen will, musz .. seinen vortheil, seine eitelkeit, seine ruhmbegierde zu…

Wißbegierde

Adelung

wiss·begierde

Die Wißbegierde , plur. car. die Begierde, zu wissen, das lebhafte Verlangen nach klaren Vorstellungen. Viele Wißbegierde haben. Nahrung für…

Ableitungen von begierde (1 von 1)

urbegierde

DWB

urbegierde , f. : urbegirden, schallt den herrn! A. Kuhlmann kühlpsalter (1685) 2, 32 ; befriedigung der u. nach dem schein Nietzsche 1, 35 …