befinden ,
invenire, deprehendere, nachdrücklicher, doch abstracter als finden,
zuweilen empfinden, fühlen. 11)
mit dem gen.: und ehe der mensch des recht befindt, stund, tag und jar vergangen sind. Schwarzenberg 152, 2; ich hab befunden des schweren lastes der sünden. Keisersb.
irr. sch. 16; so grosz hauptwe, das ich vor schmerzen mein selbs gar nit befunden (
meiner nicht bewust war, die besinnung verlor). Wickram
irr. bilger vorrede. 22)
mit acc.: mhd. bevant (
fühlte) gotes gewalt.
pass. K. 75, 25; eʒ ist mir niht geseit, ich hân eʒ bevunden.
Krone 13899; und in dem da erwachet diser, und befand die schnatten (
striemen) da hinden an dem rücken. Keisersberg
sünden des munds 22
a; denn wir schreiben euch nichts anders, denn das ir leset und auch befindet. ich hoffe aber, ir werdet uns auch bis ans ende also befinden, gleich wie ir uns zum teil
[] befunden habt.
2 Cor. 1, 13. 14; das haus ward durchsucht in zu befinden.
Plut. 31; wo der mensch nicht in sich selb befindet und fület ein solch gewissen und frölich herz zu gottes gnaden. Luther 1, 63
a; da ich das stücke befand, ward ich gelinder gegen irem thun. 6, 113
a; wir befinden allzeit gebrechen an unsern werken. 6, 366
b; nachdem ich ewr grosz trew zu Augsburg an mich befunden.
br. 1, 381; was freud wir jetzt befinden hie. Schwarzenberg 115, 2; und so er trost befindet. Rebhuhn
klag des armen manns s. 4; denn da sie (
die schüler) in den büchern die alten terminos befänden (
l. befünden), vom praeceptore neue hörten, so würden sie ja irre. Melchiors von Osse
pol. testament, ed. Thomasius; solches ist aus deinen boshaftigen handlungen klärlich zu befinden. Kirchhof
mil. disc. 90; als Herodes wider heim kam, befand er an seinem hofe groszen unwillen. Reiszner
Jer. 2, 89
b; wenn sie mehr geld im beutel befinden, dann ihnen vonnöthen ist. Fischart
groszm. 90; wenn eur lieb befind das im rath (
räthlich findet), so folg ich eur lieb allezeit. Ayrer 423
a; o du gott der süszen schmerzen, warumb, dasz man dich so blind überall gemahlet findt? ich befind es nicht im herzen. Opitz 2, 199; damit sie also etwas pein befünde. Spee
tugendb. 741; ich befinde nur fünferlei art leute, welche zum reisen tüchtig und bequem sind.
pers. rosenth. 3, 27; habe sich demnach auch einmal voll gesoffen. allein des andern tags habe er befunden ein solches hauptwehe, dasz. Schuppius 280; berichtet mich, wie ihr einen oder den andern befunden habt. 448; wie ich dich befinde, also richte ich dich. 515; wann wir die vorige und alte zeiten beleuchten, befinden und sehen wir eben das alte spiel. 522; wann man die sache recht betrachten will, wird man leichtlich das widerspiel befinden. Hohberg 3, 260
b; ich befind auch mir im herzen einen zunder. Günther 244; in das verderben gestürzet, in welchem er sie jetzo befindet. Liscov 592; ich habe die sache ganz anders befunden, als ich geglaubt habe.
Man zieht heute vor, einfaches finden
oder gewahren, empfinden
statt befinden
zu setzen. seine zwei hörner, die ich auflas und als ein paar gute pulverhörner befand. J. Paul
teufelsp. 1, 82. 33)
mit adjectiven: wo er aber falsch befunden wird, wird sie in verlassen.
Sir. 4, 22; und seinen vorgenommenen bauw unratsam befünde. Kirchhof
disc. mil. 12; befand nicht keiser Maximilian zu Cöln je mehr brot uberig, je mehr leut dahin zum reichstag kamen?
Garg. 65
b; liesz das magnificat zur metten singen und befand es mächtig gut. 130
a; sie meinte, das man nicht solt abziehn von dem lande, weil sie so fruchtbar es und gar gesund befande. Werders
Ariost 20, 26; alles was oft in einem schlechten wort verborgen steckt zu erklären, dazu befinde ich mich nicht sufficient. Schuppius 9; ein sprichwort sagts, das ich nicht falsch befinde, nichts schmeckt so schön als das gestohlne brot. Hagedorn 2, 150; man braucht ihm nur zu gefallen, um zu allem tüchtig befunden zu werden. Wieland 1, 140; die untersuchungen hatten die folge, dasz vieles, was man für wahr gehalten hatte, falsch befunden wurde. 6, 251; allein wir müssen zur steuer der wahrheit, die uns über alles geht, sagen, dasz wir, nach langer und sorgfältiger nachforschung, das gerücht falsch befunden haben. Klopstock 12, 438; die wirkung wird der kraft proportional befunden. Kant 8, 57; dasz das, was ich vorsetze, nicht unschmackhaft befunden werde. Göthe 15, 113; der erste schritt, den wir zur besonnenheit und tugend thäten, wäre schon der, dasz wir unsern gang, anzug, dialect nicht besser, sondern gerade so befänden, als alle fremde. J. Paul
Tit. 2, 2; ich habe ihn in allem treu und redlich befunden; man befand ihn im latein stark genug, im griechischen schwächer.
einigemal wird dem praedicat für
beigesetzt: ratschlagten von nur schwebenden sachen, und befanden (
statt befunden) für gut, dasz man um mitternacht ausfallen solte.
Garg. 248
b; für gut befinden. Wieland 1, 175. 227; für nöthig befunden. 1, 313.
mit ausgelasznem adj.: er befand es (
für gut, rathsam) das zu thun. Opitz
Arg. 1, 552.
wie δοκεῖν, videri. 44)
bei diesem befinden
hielt sich lange der acc. mit inf.: er befand sich sein in den henden seiner feind.
Fierabras f.; er befand ihn so vortheilhaftig stehen. Lohenst.
Arm. 2, 240.
[] meist schon mit eingeschaltetem zu: dasz ich solche hohe sachen zu befordern mich zu wenig befinde. Schweinichen 3, 27; du wirst noch den Adams dorn in dir befinden umbzuschleichen. Ringwald
laut. warh. 415; nachdem denn ich wider den fürsten der welt zu fechten befunden. A 4
b; er befand sich zu sterben (
glaubte zu st.), eh er starb. Opitz
Arg. 2, 404; da ich nun mich also allein zu sein befande. Schuppius 551; dieser zeit werden die bettler oft befunden am meisten geld zu haben. 697; ich habe wahrscheinlich zu sein befunden. Kant 8, 234. 55)
doch gewöhnlich folgt der abhängige satz mit seiner conjunction: ir werdent es wol befinden, wie er ein mensch ist. Keisersb.
sünden des munds 46
a; da wird alsbald die keis. maj. befinden, das unser widerwertigen in diser hochwichtigen sachen oft gar nichts merken noch verstehen. Jonas
bei Luther 6, 380
a; aber von diser zal der sieben sacrament befindet man, das die veter selbs nicht gleich gezelet haben. 6, 436
a; so hab ich dasselbig ganz emsig uberlesen und mit der that gleich befunden, dasz darinnen kurzlich verfaszt stat der ganze grund der h. rö
m. religion.
bienenk. 6
a; sehet, disz haben sie in der that erfaren und befunden, dasz. 67
a; und da er wider zu haus kam, befand er dasz sein weib. 141
b; nun laszt unsern herren frei kommen, rechnung zu hören, wan er wil, er soll befinden, dasz. 148
a; ja wir befinden in täglicher erfahrung, dasz. 153
b; doch hat man davon mit erfarenheit befunden, dasz es. 243
b; ach so befind ich, dasz ich musz was ich begangen, recht zu beklagen erst anfangen. Weckherl.
vorr. zu den ps.; ich befinde, dasz alles nur umsonst, nach dem ein kranker tracht. Gryphius 2, 421; als er vergebens nun in dem beschimpften stande hatt hin und her gedacht, und endlich dis befande, dasz ihn ein jungfräwlein geworfen hett herab. Werders
Ariost 1, 71; denn er befünde und merkte schon wol. Ayrer
proc. 1, 11; so sei aus den processen zu befinden. 1, 10; er wird befinden, dasz ein jedes alter seine eigenthümlichen thorheiten hat. J. E. Schlegel 3, 459; ja man hat durch vielfältige erfahrung befunden, dasz ein etwas stumpfer verstand, oder die art leute, von denen man zu sagen pflegt, sie hätten das pulver nicht erfunden, zur bekehrung und geistlichen behandlung die fähigsten sind. Lichtenberg 3, 106. 66) sich befinden,
franz. se trouver, 6@aa)
an einem orte gegenwärtig sein, leben, in etwas sein, stecken: ich befand mich damals zu Cassel; als er sich gerade im bade befand; ich befinde mich wol in dieser luft; die kraft befindet sich in dem körper. Kant 8, 55; eine kugel befindet sich in ruhe. 8, 56; sie befand sich erst im achtzehnten jahr, als sie der tod hinwegnahm; er befindet sich noch mitten in der gefahr; ich befinde mich in der unangenehmen lage, in der unmöglichkeit dir zu antworten. 6@bb) aus, ohne etwas: jetzt befinde ich mich frei und aus aller noth; dieses wol (weisz ich), dasz ich aus dem holen baume mich befinde.
Simpl. 1, 27; ob er wol ohne helm sich jetzund da befund. Werders
Ariost 1, 16. 6@cc) unter,
in gesellschaft: ich befinde mich wieder unter den menschen, unter meinen landsleuten; er befindet sich unter räubern, in gesellschaft von verbrechern; deswegen befand er sich am besten mit solchen wolgesinnten menschen, die in einem beschränkten berufskreise beschäftigt sind. Göthe 48, 28. 6@dd) vor, bei, neben: er soll sich vor der stadt befinden; ich schriebe an ihn, dasz er sich für Marsilien befinden (
vor Marseille einfinden) solte. Opitz
Arg. 2, 366. 6@ee) sich wol, übel befinden,
valere, se habere, it. trovarsi: wie befinden sie sich? befinden sie sich unwol? ich befinde mich wol dabei; befinde mich wol auf; er befindet sich wol bei leibe; einst gieng der menschen trübsal mir zu herzen, als ich mich auszerordentlich wol befand. Schlegels
musenalm. s. 261; die frau befindet sich schwanger, gesegnetes leibes, in andern umständen; ich befinde mich seit gestern krank; darumb ich mich beschweret und beleidigt befinde. Luther 1, 352
a; sie selbs befanden sich betrogen. Weckherlin 64; fürsten, die euch die geschenke, nicht die trew pflegt zu verbinden, diese habt ihr nur so lange, weil sie sich beschenkt befinden. Logau 3, 10, 91;
[] als etwas kühler es ward umb die abendstunde, und sie sich auch genug nun ausgeruht befunde. Werders
Ar. 11, 11; Zerbino sich also auch drob bewegt befand, dasz er für liebe ganz und für mitleiden brandt. 19, 12; eine unter den mägden war, welche sich über alle maszen beschwert befunde. Schuppius 356; wird er nicht sich verpflichtet befinden, wol einsehen zu lernen? Günther
vorr. 6; hierüber befand sich der kranke zum höchsten beleidiget.
pers. baumg. 4, 11; jedoch als Doris nur, der mutter nachzuahmen, und küsse zu verstehn, sich alt genug befand. Hagedorn 2, 94; ihr beutel befand sich leer. Lichtwer
fabeln 1, 1; Agathon befand sich also über alle seine hofnung glücklich. Wieland 3, 199; himmel, wie glücklich wär ich, wenn ihre mutmaszung sich wahr befände. 12, 152; diese unerträgliche unbequemlichkeit hatte mich auch in Sesenheim verlassen, so dasz ich mich dort doppelt vergnügt befand. Göthe 26, 8. 6@ff) sich befinden,
ohne beisatz, gewahr werden, merken: da befand sich Florindo, dasz er sein journal schändlicher weise vergessen hatte. Weise
kl. leute 20. (
vgl. befinden
ohne adj. unter 3).
dies befinden
kommt unserm heutigen empfinden,
merken nahe. 6@gg) sich befinden,
bewähren (
wieder befinden 3); die frewd, die wir euch machen könn, die wird sich wol befinden. Uhland 259; und befindt sich die ansag dein (
wahr), so solst du frei und ledig sein. Ayrer 72
b. 6@hh)
unpersönlich, es befindet sich,
ist der fall, verhält, bewährt, ergibt sich, weist sich aus: das man aber den unsern die schuld gibt, als verbieten sie casteiung und zucht, wird sich viel anders aus iren schriften befinden.
Augsb. conf. bei Luther 6, 372
b und corp. doctr. chr. 29; wie sichs leider teglich in der erfarung befindet. 8, 172
a; es befint sich oft, das ein frommer gotsförchtiger mensch gewisser und eigentlicher studiert und erkennet. Val. Ickelsamer a 5; es befindet sich aber, das die philosophia auch eine anweisung von ehelicher unterrichtung einhelt. Fischart
ehz. 2; gleichwie ... also befind sich. 67; und so sich befind, dasz er durch einige gonst darzu kommen ist.
bienenk. 45
a; also befindt sichs auch mit den schifleuten. Fronsp.
kriegsb. 3, 148
a; aber am end befindt sichs wol, was man hiervon urtheilen soll. Ringwald
geistl. lied. C 6
b; alldieweil sich erstlich befindet, ob wol u.
s. w. Ayrer
proc. 1, 11; als man die thür des gefängnis aufthat, befand sichs, dasz.
pers. rosenth. 3, 9; da befand sich endlich, dasz. Schuppius 368; was er beklagt, das befindet sich leider im werk selbsten. 614; da es sich doch oft befindet.
Simpl. 1, 1; wenn man ihn lange genug in der nähe betrachtet hatte, so befand sichs, dasz seine vermeinten tugenden in der that nichts anders als seine laster waren. Wieland 3, 56; und es befand sich, dasz seine ansprüche nicht zu recht bestehen konnten. 3, 388; allein wenn man der sache auf den grund sieht, so befindet sichs, dasz der unterschied des geschlechts hier in keine betrachtung kommen kann. 8, 235. 77)
tadelhaft bildeten einige die schwache flexion befindete
f. befand,
z. b. Opitz
Arg. 2, 319. Lohenst.
Arm. 1, 22.