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Anlage

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Anlage

Bd. 1, Sp. 540
Anlage, im weitern Sinne jeder Keim einer künftigen Entwickelung, der durch äußere Anregung zur Entfaltung gebracht werden kann (A. der Pflanze im Samenkorn), im engern Sinne die durch Übung zu entwickelnde Fähigkeit zur Ausübung einer Tätigkeit irgend welcher Art. Beim Menschen insbes. kann man die Anlagen in körperliche und seelische einteilen. Die Natur der erstern ist im wesentlichen leicht verständlich; es ist eine angeborne individuelle Besonderheit der Organe, welche dieselben zu spezifischen oder besonders intensiven Leistungen innerhalb der Grenzen ihrer Funktion befähigt, so hat die A. zum Singen in der Konstitution der Stimmorgane ihre Grundlage etc. Das Wesen der psychischen Anlagen, zu denen auch die Instinkte (s. d.) bei Tieren und Menschen zu rechnen sind, liegt nicht so klar zu Tage. Es ist deshalb sogar die Ansicht aufgestellt worden, daß es solche überhaupt nicht gebe. daß z. B. die Seele des Kindes in psychischer Hinsicht einem unbeschriebenen Blatt Papier (tabula rasa) gleiche, und daß alle später scheinbar hervortretenden individuellen geistigen Eigentümlichkeiten intellektueller wie moralischer Art in den äußern Eindrücken der ersten Lebenszeit (das Leben im Mutterleibe natürlich eingeschlossen) ihre Erklärung fänden. Dieser Anschauung steht als das entgegengesetzte Extrem die Behauptung gegenüber, daß nicht nur die A. zu den übereinstimmenden Grundfunktionen des Geistes, sondern auch die individuellen Unterschiede derselben, ja selbst, was Schopenhauer besonders schroff betont hat, die individuelle Willensrichtung, die beim erwachsenen Menschen den Charakter ausmacht, von vornherein fest gegeben seien. Für die Auffassung der Aufgaben der Pädagogik ist die Entscheidung im einen oder im andern Sinne von großem Belang. Auf dem zweiten Standpunkt erscheint die Arbeit des Erziehers als eine soft völlig fruchtlose, während auf dem erstern von der Erziehung fast alles zu erwarten wäre und es nur an dieser läge, ob ein Kind zum Dummkopf oder zum Genie, zum Bösewicht oder zum Tugendspiegel wird. Betrachtet man den tatsächlichen Parallelismus, wie er zwischen den geistigen Tätigkeiten und der Gehirnfunktion besteht, so ist einleuchtend, daß es durchaus inkonsequent wäre, Anlagen der physischen Organisation vorauszusetzen (wie es in der Biologie geschieht), die psychischen Anlagen dagegen zu leugnen. Wenn im Keime des Menschen zweifellos Anlagen für die Bildung und die spätere Tätigkeitsweise der Organe, so mit auch des Gehirns, liegen, so ist damit auch ohne weiteres eine angeborne psychische Veranlagung gegeben, wie rätselhaft man auch im übrigen die Verbindung des Physischen und Psychischen finden mag. So hat denn in neuerer Zeit auch H. Spencer sowohl die Instinkte als die Erkenntnisformen als im Gehirn »organisch eingetragene« geistige Errungenschaften unsrer Vorfahren zu erklären gesucht. Die bekannte Tatsache der Übung (s. d.) in Verbindung mit der in vielen Fällen beobachteten Erblichkeit auch der geistigen A. scheint in der Tat Anhaltspunkte zur Erklärung der letztern in dem angedeuteten Sinne zu bieten. Vgl. Nativismus. Krankheitsanlage, eine Mangelhaftigkeit gewisser Organe, die an sich zwar keine Krankheit ist, auch nicht notwendig zu einer solchen werden muß, aber bei verhältnismäßig geringfügigen äußern An lassen zu einer Erkrankung zu führen droht. Solche A. ist an geboren oder erworben, auf einzelne Organe beschränkt oder erstreckt sich auf den ganzen Organismus, bez. größere Organsysteme; in letzterm Falle spricht man auch von Konstitutionsanomalie. Bleibt beim Embryo, nachdem die Hoden durch den Leistenkanal hindurch getreten sind, dieser Kanal offen, so ist dieser Mangel an sich keine Krankheit, aber eine A., da ein unbedeutender Hustenstoß einen lebensgefährlichen Leistenbruch zu stande bringen kann. Eine meist angeborne, oft auch erworbene Verletzlichkeit und Neigung zu Entzündungsprozessen, die als Skrofulose bekannt ist, ist mit der Tuberkulose keineswegs identisch, bereitet aber sehr häufig der Tuberkulose günstige Eingangspforten und Entstehungsbedingungen, bedeutet also eine A. zur Tuberkulose. Eine erworbene A. ist z. B. die erhöhte Neigung zu erneuten Anfallen von Gelenkrheumatismus nach einmaligem Überstehen dieser Krankheit. Zu vielen Erkrankungen bringt das Alter eine günstige A. in Fällen, wo bei gleich geringfügigen Ursachen eine jugendlich-kräftige Konstitution Trotz bieten wurde. Für manche Infektionskrankheiten (Scharlach, Masern) hat das jugendliche Alter eine besondere A., die durch einmaliges Überstehen der Krankheit aufgehoben wird (s. Immunität). Vgl. Virchow. Zellularpathologie (4. Aufl., Berl. 1872); Locher, Über Familienanlage und Erblichkeit (Zürich 1874), Beneke, Die Altersdisposition (Marb. 1879). In der bildenden Kunst bezeichnet A. die ersten roh geordneten Züge eines Werkes, woraus man jedoch seine künftige Gestalt schon erkennen kann. In ähnlicher Bedeutung spricht man von der A. eines dramatischen Stückes oder eines Charakters darin. – A. im Erd- (Festungs-) Bau, s. Böschung.
5042 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    anlâgestf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    an-lâge stf. anliegen, bitte Pass. K. 463,19 ; — theloneum ferri: de centum schine 8 den., de centum anlage ( eisenblech…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    anlageF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    anlage , F. Vw.: s. anelāge*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Anlage

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die Anlage , plur. die -n, von dem Verbo anlegen, so wohl diese Handlung, als auch die angelegte Sache zu bezeichnen. 1.…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Anlage

    Goethe-Wörterbuch

    Anlage 1 Vorgang des Anlegens, Bauens, Errichtens, Einrichtens weil bey Anlage der Chaussee der Abhang des Galgenberges …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Anlage

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Anlage , im weitern Sinne jeder Keim einer künftigen Entwickelung, der durch äußere Anregung zur Entfaltung gebracht wer…

  6. modern
    Dialekt
    Anlagef.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    An-lage f. : nach dem Schd. 1. 'Parkanlage, gärtnerische Anlage', Aaⁿlaach [allg.]. — 2. 'Verwendung des Geldes in gesch…

  7. Spezial
    Anlage

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    An|la|ge f. (-,-n) 1 (von Kapital) investimënt (-nc) m. 2 (Bau) costruziun (-s) f. 3 (Einrichtung) istalaziun (-s) f. , …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit anlage

50 Bildungen · 25 Erstglied · 23 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von anlage

anlagern + -e

anlage leitet sich vom Lemma anlagern ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

anlage‑ als Erstglied (25 von 25)

ANLAGEMÄSZIG

DWB2

ANLAGEMÄSZIG adj. zu anlage 6 . durch die veranlagung bedingt, ihr entsprechend: ⟨v1923⟩ das führt auf den .. gedanken, der nicht bloß anlag…

Anlagenrecht

DRW

anlagen·recht

Anlagenrecht Recht des Uferbesitzers auf Anlegeplätze 1792 Schwarz,LausWB. I 51 Faksimile

Anlageplan

LDWB2

anlage·plan

An|la|ge|plan m. (-[e]s, ...pläne) ‹econ› (Investmentplan) plann d’investimënt m.

anlagern

MeckWB

anlagern anlagern, auf Lager legen; frisch geschlagenes Holz, damit es trocknet Gü; zur Sache vgl. Haulager .

Anlagesparheft

LDWB2

An|la|ge|spar|heft n. (-[e]s,-e) liber d’investimënt m.

Anlagevermögen

DERW

anlage·vermoegen

Anlagevermögen, N., »Vermögen das dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen bestimmt ist«, 19. Jh.?, s. Anlage, Ver- mögen anlegen, V., »anlege…

anlage als Zweitglied (23 von 23)

Klimaanlage

RDWB1

Klimaanlage f кондиционер

Alpanlage

DRW

alp·anlage

Alpanlage Steuer der Alpgenossen zur Bestreitung allgemeiner Alpkosten vgl. Alpgeld, Alpzins SchweizId. III 1164 Faksimile

Armenanlage

DRW

armen·anlage

Armenanlage Auflage zur Armenpflege 1781 SchweizId. III 1164 Faksimile 1796 Niedersimmental 212 Faksimile Niedersimmental 224 Faksimile

bîanlâge

MNWB

bian·lage

° bîanlâge , f. , kleine Kontribution, geringere (Neben-)Umlage (taxa).

kreisanlage

DWB

kreis·anlage

kreisanlage , f. steueranlage, die im reichskreise ausgeschrieben wird. Frisch.

nebenanlage

DWB

neben·anlage

nebenanlage , f. : eine menge von nebenanlagen, collecten und privatsteuern. Stüve wesen u. verf. 125 ; das gemeinde- und nebenanlagewesen. …

Ordinarianlage

DRW

ordinari·anlage

Ordinarianlage, Ordinaranlage, f. regelmäßige Steuer vgl. Ordinarbeitragung ordinari oder extraordinari anlagen 1652 Grüll,FreihäuserLinz 39…

Quatemberanlage

DRW

quatember·anlage

Quatemberanlage, f. wie Quatembersteuer eine allgemeine revision der steuer-schocke und qvatember-anlagen 1687 CAug. II 1517 Faksimile und d…

reichsanlage

DWB

reich·s·anlage

reichsanlage , f. in der ehemaligen deutschen verfassung die steuer, welche die reichsstände an das reich zu entrichten hatten: mit allen re…

Reisanlage

DRW

reisan·lage

Reisanlage, f. wie Reissteuer wie sy die reißanlag fürhin thůn söllind 1586 KonolfingenLGR. 99 Faksimile

Reiteranlage

DRW

reiter·anlage

Reiteranlage, f. Steuer zur Unterhaltung des Militärs [ist] wegen der reutheranlag dieses geschlossen worden: daß ein jeder unter der gemein…

Ritteranlage

DRW

ritter·anlage

Ritteranlage, f. wie Rittersteuer vermög zweyer urkundt ... habe ich den 30ten julij ritteranlag erlegt 6 fl. 1658 Könnecke,Grimmelshausen I…

Schnitzanlage

DRW

schnitz·anlage

Schnitzanlage, f. Steuerverfassung sollen zu solcher raitung und schnizanlag sie alte geschworne im dorf zwai aus ihnen und ... der gemaine …

Seeanlage

DRW

see·anlage

Seeanlage, f. wie Seezoll weiln dan beide porten praesidiis et munimentis zu unterhalten die eingenommene see-anlage ... nicht zureiche 1641…

Simpelanlage

DRW

simpel·anlage

Simpelanlage, f. Erhebung des Simpels [Beschluss] unsere steuer- und consumptions-ordnungen zu revidiren, ... auch einige von denen stuͤcken…

Sommeranlage

DRW

sommer·anlage

Sommeranlage, f. zu einem Termin im Sommer (I) erhobene Steuer; extraordinari Sommeranlage wie Sommerextraordinarium, das seit 1681 in Württ…

Spezialanlage

DRW

spezial·anlage

Spezialanlage, f. (Erhebung einer) Spezialsteuer bdv.: Spezialkontributionsanlage vgl. Anlage (I) [daß die einnehmere] verzeichnen sollen, w…

Spezialkontributionsanlage

DRW

Spezialkontributionsanlage, f. Erhebung einer Spezialsteuer bdv.: Spezialanlage daß diese special-contributions-anlage biß zu fernerer unser…

steueranlage

DWB

steuer·anlage

steueranlage , f. , ausschreibung, auflage einer steuerabgabe, veranlagung zu einer steuer: anfengclichen solle iederzeit ain gueter, vertra…

Ständeanlage

DRW

Ständeanlage, f. eine (freiwillige) Abgabe der Landstände das denselben [stenndt und paursman] über die ... bewilligte 8 lanndtsteuern und v…

Treidanlage

DRW

treid·anlage

Treidanlage, f. Landessteuer auf den Getreideertrag soll gemeine landschafft wegen ihrer steuern, guͤlt-anschlaͤg und hauß-anschlaͤg, zapffe…

Ableitungen von anlage (2 von 2)

unanlage

DWB

unanlage , f. , mit un- eingeschränkte oder verneinte anlage ' dispositio '. die unanlage die abwesenheit, der mangel der anlage: daher sein…

uranlage

DWB

uranlage , f. , ursprüngliche anlage (ur- C 4 c). seit Campe verzeichnet. vgl. natur-, grundanlage : züge dieses bildes, die ... noch die u.…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „anlage". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/anlage/meyers
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Cotta, Marcel. „anlage". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/anlage/meyers. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „anlage". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/anlage/meyers.
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