Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
ZIL stn.
1. als subject des satzes. er ist aller sinne vane, ir zil und ir zeichen Pilat. vorr. 37. mîn zil sich hœhet baʒ Parz. 347,2. sîn zil daʒ nâhet starke schnell ging er weiter: ze jungest tûsent marke begunder der vrouwen bieten altd. w. 1,53. ein blinde hete guotes vil. daʒ im alliu sîniu zil gar übertruogen an dem muot, daʒ kam von grôʒem guot daß er in allen dingen hoch hinaus wollte, das kam daher daß er so reich war Ls. 1,275. daʒ jâr ein ende hât genomen, daʒ zil ist ûf ein ende komen die angesetzte frist ist abgelaufen G. Gerh. 3330. sô ir zil ûʒ gât, ûʒ sî Zürich. richtebr. 74. eʒ stêt blôʒ ein langeʒ zil unz ûf den sunnâbent hin Marleg. 13,48.
2. als object im satze.
a. ohne präpos.zil stôʒen aufstecken. mîn vater hât uns beiden gelâʒen guotes harte vil: des stôʒe ich dir gelîchiu zil das soll eben so wohl dein sein als mein, dazu sollst du so nahe sein als ich Parz. 9,4. ûʒ beiden hern geselleschaft mit storje kômen hie unt dort, ieweder her an sînen ort, dâ ir zil wârn gestôʒen das ende der sehelinie bezeichnet war mit gespieglten ronen grôʒen das. 690,19. stieʒe in diu sælde rehtiu zil, si erwurben rîches lônes vil brächte das glück sie auf den rechten weg W. Wh. 5,29. er stieʒ sô kostebæriu zil mit manheit und mit milte, daʒ es durch nôt bevilte ander künege sîne genôʒe ihm konnte es keiner gleich thun das. 419,16. vür diu wîp stôʒe ich disiu zil sie sollen ihr augenmerk darauf richten Parz. 2,25. nu wol her die wellen guot! des wil i'n geben alsô vil, daʒ ander küngîn ir zil niht durfen für mich stôʒen keinen größern lohn versprechen kann W. Wilh. 165,11. daʒ zil treffen Vrid. 128,24. die nu dâ leben den brichet er daʒ zil die übertrifft er MS. H. 3,330. b. ir süeʒe brichet aller süeʒekeit ir zil das. 452. b. sîn zil halten gegen künigen sich mit jedem könige messen können MS. 2,2. a. gebet der rede ein zil endet sie Gregor. 372. vgl. Barl. 29,25. ist nâch tôde ein ander leben? oder wirt dem lîbe ein zil gegeben, daʒ sîn gehügde ersterbe das. 35,18. ich wil mich morgen toufen, unde wil der heidenschefte geben ein zil nicht länger heidin bleiben das. 304,36 Pf. ich gebe hûte ein zil alles ungelouben kraft gebe meinen unglauben auf Pass. K. 263,88. mit alsô tumber wîse geruomte er selbe sich sô vil daʒ im der ruom an lobe ein zil von sîn selbes prîse gap G. Gerh. 68. nu gip der wârheit schiere ein zil sage schnell, wann das wahr werden soll was du gesagt hast Ulr. Trist. 512. sô bite geben dir ein zil wanne du si gesprechen megest eine zeit bestimmen das. 2900. wer uns wil volgen den gebet ouch zil daʒ ir die welt enphâhen livl. chron. 2820. des gib ich iu niht lenger zil. wil mîn frouwe, ich bin bereit dazu setze ich euch keine längere zeit an Wigal. 8809. dô wart mir miner freuden zil alle meine aussicht auf freude in kurzer wîle geslagen nider, daʒ niemer wirt gerihtet wider das. 4954. ê diz getihte neme ein zil zu ende komme troj. s. 3. a. ir môht iu nemen ander zil euch anders wohin wenden Parz. 131,10. des selben nemet iu ein zil das laßt euch zur richtschnur dienen Er. 8587. des nemet iu ein zil daʒ ich die rede wiʒʒen wil das. 3039. 6575. des selben nem er im ein zil so wisse er wohin das führt das. 6046. sô sî daʒ zil dâ hin gezilt über sehs wochen oder ê nun sei die zeit binnen der es geschehen soll, bestimmt U. Trist. 514. unser swære hât ein zil ein ende das. 3014. ob du einen tach vride unde zil frist hâst Griesh. pred. 2,84. er kunde seitespil, harphen, swegeln gar sîn zil sein ganzes leben hindurch, immer Barl. 255,20 Pf. der er wil dienen sîniu zil so lange er lebt, immer Orl. leseb. 606,31. tac unde naht und alliu zil zu jeder zeit troj. s. 289. c. vgl. s. 289. d. 275. c. Jerosch. 21. c. alleʒ zil, ein iegelîcheʒ zil immer Pass. K. 497, 85. 202,54. kein zil zu keiner zeit das. 409,34. was ouch kumen tiefeʒ zil tief mit hôher kunst in die schrift das. 53,8.
b. mit präpos. swâ daʒ wilt gestuont an sîn zil Iw. 126. niemen kan an halbeʒ zil nur zur hälfte gemeʒʒen der werlde unstæte grôʒ Barl. 11,2. daʒ her was komen an sîniu zil Parz. 706,3. si schuʒʒen an daʒ zil U. Trist. 1720. niemen reichet an sîn zil Parz. 108,13. eʒ ist mir komen an daʒ zil dahin das. 194, 27. an dem selben zîl zu derselben zeit das. 183,10. an dem jungesten zil an dem jüngsten tage Barl. 92,23 Pf. an ieglîcheme zil zu jeder zeit Pass. K. 35,33. âne zil unaufhörlich MS. 2,90. b. fragm. 17. g. sm. 772. sunder ende und âne zil Engelh. 6051; eben so sunder zil H. Trist. 6077. ê vor dem zil myst. 324,24. wol nâch gein der mîle zil Parz. 132,27. dô er quam in ebeneʒ zil in gleiche linie zu disen Pass. K. 652, 90. swaʒ in dem zil geschiht innerhalb dieses umkreises von 6 meilen Parz. 592,5. der kil der gie in snellem zil schnell MS. 2,14. b. nâch disen zwelf tagen unde in kurzerme zil binnen kürzerer frist wil Artûs zuo dem brunnen komen Iw. 75. in kurzem zil s. meister 27,13. in mangem zil oftmals leseb. 905,30. in disem zil für Megenze gât die wîle des klâren Rînes vil MS. 2,6. a. in dem zil damals Pass. K. 346,17. Jerosch. 31. a. in des selbin jâris zil das. 142. c. in der tage zil troj. s. 272. d. in den ziln und in den tagen das. s. 276. a. ich kome iu inner kurzem zil Wigal. 1112. eʒ was über des jâres zil ein jahr war verstrichen Parz. 57, 29. ouch het der künec ûf sîn zil geslâfen Iw. 41. daʒ er si brâhte ûf daʒ zil so weit, dahin daʒ si gar verlurn ir kraft Iw. 202. vgl. büchl. 1, 1476. unz daʒ er in brâht ûf daʒ zil daʒ er sich nihtes kunde erwern Trist. 378. eʒ ist mir komen ûf daʒ zil a. Heinr. 607. wande ir ist leider nu niht vil die diu sælde ûf ir zil (ir, eorum) sô gärlîche lâʒe, daʒ si mit der mâʒe elliu dine verenden Wigal. 2958. eʒ ist ein stat ûf alliu zil ein platz von dem aus man alles erreichen kann Frl. 271,11. ich wil wiʒʒen iuwer geverte unz ûf ein zil vollständig u. genau Trist. 8790. g. Gerh. 991. Frl. 23,17. si schiuʒet von dem zil verre W. gast 9961. dise schuʒʒen zuo dem zil Iw. 11. Engelh. 755. diz truoc sî zeinem mâle und zeinem zil gemeiner ger daʒ dirre gerte als der Trist. 4533. swaʒ ie dar inne wart getân von kurzwîle oder von spile daʒn lief niht ze disem zile das war nicht so wie das wol jetzt da gethan wurde 17238. ich weiʒ daʒ niemen sterben sol wan ze sînem gesatten zil U. Trist. 2309.
3. besonders ist noch zu bemerken zil in verbindung
a. mit einem genit.diese verbindung nimmt im mhd. je länger je mehr zu. Wolfram scheint zuerst sie recht gangbar gemacht zu haben; auch Rudolf liebt sie sehr. mehrfach braucht zil hier gar nicht übersetzt zu werden. mit verkêrtem antlützes zil Parz. 519,8. dar wil ich dur âventiure zil um âventiure zu suchen das. 223, 23. ich gelîche daʒ himelsche brôt zuo des balsmen zil vergleiche es dem balsam MS. 2,248. a. ern hete der jâr doch niht sô vil diu reichent gein des bartes zil W. Wh. 271,2. sô müeʒe ich nu erstochen werden in eines diebes zil wie ein dieb MS. 2, 3. b. dirre âventiur endes zil Parz. 827,11. swer ir (der welt) willen gerne tuot dem gît si sûres endes zil zuletzt ein bitteres ende Barl. 11,7. ân endes zil g. Gerh. 4277. dienen an bis an sîn endes zil frauend. 333, 4. dirre welte leben zergât mit leitlîches endes zil Barl. 35,15. in des herbstes zît sô wîn in endes zil gelît Ls. 1,609. ûf des endes zil sehen Bon. 26,30. der setze sich ûf des endes zil der merke auf das ende Bon. schlußrede. ir stât an des gouches zile, ihr seid der gauch Trist. 13417. nu suochet mînes sinnes anker nâch des grundes zil sucht den grund zu erreichen MS. 2,13. b. der sich hete an im erkant, ê daʒ er wære dan gewant, mit deheiner slahte günste zil dadurch daß er ihm eine gunst erwiesen hatte Parz. 12,21. grôʒ liebe ist freude und jâmers zil das. 272, 14. sô stên ich alles in der katzen zil und bîʒe al umbe mich wie eine katze, die die mäuse nicht bange machen können MS. 2,3. b. wâpenrocke vil hôher an der koste zil sehr kostbare Parz. 378,4. an fürsten krefte zil so mächtig als fürsten W. Wh. 256, 1. des hân ich ritter unde roch (läufer u. thurm) in mîner künste zil meiner kunst stehen sie noch zu dienste MS. 2,13. a. dâ ist des kusses hôhsteʒ zil die schönste, die man wünschen kann zu küssen Parz. 310,19. swer elliu dinc besorgen wil, daʒ ist alles leides zil Vrid. 58,14. daʒ er an sînes lîbes zil seines lebens ende verbran Barl. 255,8 Pf. ir zuht stuont an der mâʒe zil. war ganz ze mâʒe, weder zu groß noch zu klein Wigal. 9294. eʒ ist ûʒ der mâʒe zil Mai 158,27. vgl. 124,10. diz buoch (Tristan) ist der minnen zil das worin alles was liebe heißt vereint ist Ulr. Trist. 3626. solt ichs iu alle nennen liute und lant mit namen zil jedes mit seinem namen W. Wh. 319,19. ûf des riuwen zil komen dort hin wo reue ist Bon. 80,18. 100,19. sô jagt er ûf des ruomes zil bahn den ruom unz an ein ende g. Gerh. 14. komen an der sælden zil MS. 2, 189. b. loufen hin zer schanden zil misc. 2,208. got der weiʒ mîner schulde zil wie weit meine schuld geht MS. 1,43. a. slegels urkünde lac dâ âne mâʒe vil, sulen grôʒe ronen sîn slegels zil wenn gr. r. die bahn sind auf der man slegel findet Parz. 180,14. da erwarp iu swîgen sünden zil das. 316,23. diu minne diu im ein zil des tôdes was Gregor 677. swer singen wil in tôdes zil wo das leben auf dem spiele steht MS. 2,2. a. des toufes zil MS. 2,249. a. b. Parz. 111,9. er was ein zil der tjoste W. Wilh. 3,22. Rôaʒ was valsches slôʒ, untriuwen zil, der schlußstein des schlechten, die untreue selbst Wigal. 7625. swen entstê urlongis zil Jerosch. 21. c. dâ saʒ diu magt an vreuden zil Parz. in großer freude 190,16. wir geben in noch strîtes vil, und bringenʒ ûʒ ir vreuden zil bringen die sache auf einen ganz andern weg als der ist der zur freude führt das. 205,2. dâ giengeʒ ûʒ der freuden zil aus der freude zil heraus das. 105,4. dâ was wunneclîcher frouwen vil: der schœne ist gar der freuden zil und werltlîchiu wunne Wigal. 9698. sîner freuden zil was von im ze verre das. 8358. die burg Korntîn wart der freuden zil genant, wan man dâ zallen zîten vant freude nâch des herzen gir das. 9238. Krist aller sorge ein vreuden zil Barl. 350,11 Pf. der schilt ist ein hôchgemeʒʒen vröuden zil Winsbeke 17. si hât mir der fröiden zil gestôʒen in daʒ herze mîn nur bei ihr kann ich mir freude denken U. Trist. 3015. die nu daʒ zil der welte treit diejenigen die jetzt leben, diejenigen die das trägt was welt heißet Barl. 80, 20 Pf. si was gar ob dem wunsches zil Parz. 102,30.
b. mit einem adjective, das häufig eben so gebraucht wird, wie der eben erläuterte genitiv. fuor gein dem arbeitlîchen zil ein âventiur ze schouwen Parz. 334,3. got mac mir lachebæriu zil wol stôʒen nâch dem weinen W. Wh. 259, 28. daʒ er ir volgen wil ûf alsus riwebæriu zil Parz. 513,16. 557,14. sus het er werdekeit gedolt unʒ ûf daʒ siufzebære zil das. 312,1. solt ich gar nennen dâ ich streit, daʒ wæren unkundiu zil das. 772,26. eʒ prach niht wîplîchiu zil (= wîbes zil) reine weibheit wurde dadurch nicht verletzt das. 192,2. des prîses ir jâhen an schœne und an sælekeit, und daʒ ir lîbe wære bereit der wunsch an wîplîchem zil daß sie ein ideal reiner weiblichkeit sei Wigal. 11455.