zart,
adj. form: hochdeutsches, den übrigen germ. dialekten abgängiges wort, das erst seit der mhd. blüthezeit litterarisch begegnet (
nur ein beleg für d. adv. in der Kaiserchronik ist älter),
dessen verbalform zarten
bereits im 8.
jh. in glossen auftritt und zu dem ein substantiv zart,
m., '
liebkosung'
bei den mhd. klassikern und jetzt noch in Tirol (zarscht,
m., zärtlichkeit, zugethansein Hintner 248)
erscheint. der vocaldehnung unterworfen, zeigt es seit dem 17.
jh. die schreibungen zaart (Bellin
hochd. rechtschr. [1657] 79/80)
und häufiger zahrt (Moscherosch
ins. cura 78
ndr., Bastel v.
d. Sohle
Harnisch aus Fleck. 63, Elis. Charl. v. Orl.
br. 3, 396
Holl., Zesen
verm. Helikon 2, 14, Chr. Weise
erznarren 76
ndr., Königsberg. dichterkr. 232
ndr., u. a.),
ripuar. zayrt (
privatbriefe d. ma. 1, 6
Steinhausen).
anlautend steht oft tz-,
namentlich bei Luther.
bis ins 19.
jh. streiten in der comparation umgelautete mit umlautlosen formen, vgl. zerter (14.
jh., Lexer 3, 1032), zertist Paracelsus
op. (1616) 1, 75,
später nur -ä-.
der umlaut ist vorwiegend md., doch haben ihn auch schwäb.-alem. schriftsteller wie Sal. Geszner, Schiller, Uhland. Göthe
schreibt in der jugend meist -ä-,
doch noch 1827
findet sich zärteste (IV 42, 112
W.),
aber -a-
überwiegt. Adelung
läszt im wb. nur -ä-, Campe
nur -a-
zu. selten begegnet zarte: der süszen (
liebe), die so zarte (
war) Tieck
schr. 1, 20,
als adv.: dasz einer so zarte lieben kOente Lohenstein
Arm. 2, 824
a.
früh wird zart
ins nd. übernommen, hier meist mit s-
geschrieben, t-
s. unter zartlappen.
als ein ausdruck der bildungssprache fehlt zart
den mundarten fast gänzlich, s. Lexer
kärnt., Hintner, Martin-L.,
Fischer, Follm.,
lux. wb. bedeutung: die den frühest bezeugten verben zerten
und zartôn
eigene bedeutung oblectare, blandiri '
liebkosen, schmeicheln'
hält sich in dem mhd. subst. zart,
m., '
liebkosung, schonung' (Lexer 3, 1033).
das adj. dagegen tritt mit der bedeutung '
lieb, werth, theuer'
auf, vgl. den sie sô zart doch hette, lieb vor allen dingen gar
leb. d. hl. Elisab. 3946, 52
Rieger, diu den engelen was sô zart Wernher
Maria, fundgr. 2, 150,
neben der gleichzeitig die bedeutung '
lieblich, schön, fein, stattlich'
erscheint (
s. unt. 2),
während die modernen bedeutungen '
zärtlich'
und '
zart, schwächlich, weich, weichlich'
in mhd. zeit nur schwach vertreten sind. doch lehrt der frühe beleg in der Kaiserchronik 1381
Schröd. (
wer den sohn) zarte (
weichlich) wil haben, der ziuhet allerdichest den zagen,
dasz diese dem adj. von anfang an zukommen. seiner bildung nach wird zart
als ein participium vom idg. stamme der-,
angesehn, dem avest. dereta '
geehrt', aðərətō '
nicht achtend'
angehören, wie kalt
von altn. kala.
andere auffassung vermuthet, gewisz unbegründet, entlehnung aus grch.-lat. charitas
oder lat. tardus.
verknüpfung mit mnd. dertel, tertel '
verzärtelt, zart',
ags. teart '
streng'
erweckt bedenken. als ausdruck für menschliche gefühlsbeziehungen unterliegt z.
der reciproken bedeutungsentfaltung, so dasz einem sinn '
geliebkost >
geliebt >
lieb'
der zweite '
liebkosend >
zärtlich'
entspricht. bewirkt haben den starken bedeutungswandel des begriffes zart
die gefühlsbewegten zeitalter der deutschen mystik, in der die bedeutung '
lieb, theuer'
um sich greift, der reformation, welche diesem wie dem in der höfischbürgerlichen gesellschaft entwickelten sinn '
schön, anmuthig'
durch ironie abbruch thut, und der klassischen dichtung des 18.
jhs., durch welche die enge verbindung mit der geistigen sphäre geschieht. II.
in passivem sinne. I@11)
lieb, theuer, werth: hic est filius meus dilectus ... diez ist min zarter sone (
von Jesus)
Alsfelder passionsspiel 16
Grein; der zarte got
Grieshaber pred. 1, 20; du zartes Jesulein G. Weissel
in Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 3, 8; Maria zart
als eingang einer sehr verbreiteten gruppe geistlicher gedichte im 14/15.
jh. Wackernagel
kirchenl. II
nr. 1035—1044; liesz er töten den tauffer z. H. Sachs
fastnachtsp. 5, 66
ndr.; seinen zarten leib (
Jesu) Berth. v. Chiemsee
tewtsche theol. 374; des fron zarten libs Felix Fabri
pilgerbüchlein 18; sacrament des zarten fronleichnams Jesu Christi
manuale curatorum (1516) 89
a;
so häufig, s. Fischer
wb. 6, 1054; Christi seite z.
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 1, 27; der zarten muotter Iesu
der ewig. wiszheit betbüchl. C I
b;
archaisch noch so bei Tieck: den zarten leib des herren zu genieszen
in einer liturgischen ansprache schrift. 1, 87;
auch den zarten, edlen namen gottes Luther 34 ii 474
W.; den schatz des evangeli z. Ringwaldt
evang. C 5
b;
ferner auszerhalb der religiösen sphäre: ein guten abend, ir zarten herren! H. Sachs 9, 47
lit. ver., mein hertz-liebe tochter z.
ebda 1, 153; edler TannhAeuser z. J. Prätorius
Blockesberges verrichtg. 21; o mein zartester Camille
buch d. liebe 115
b; mein liebstes böcklein z. E. Alberus
fabeln 57
ndr.; ironisch von Luther
gebraucht: der tzartte könig (
Heinrich v. England) 10 ii 236
W.; aber sie wollen yhre lere ungeschend haben,
ob sie eyttel schand wircken, das edle, tzarte, rechtfertige volck 8, 682;
ferner 691; 10 i 255, iii 125; 15, 94; 30 ii 124
u. ö. um die mitte des 16.
jhs. kommt die bedeutung '
theuer, werth'
auszer gebrauch; s. III 1. I@22)
schön, fein, anmuthig; von männlichen personen stattlich; vermittlungsglied zwischen '
lieb'
und '
schön'
ist '
lieblich': ein jungfrau z., von edler art (
Maria)
bei Bäumker
kath. kirchenl. 1, 269; die tusentschon, die zart und rein Murner
narrenbeschwör. 241
ndr.; du zartes jungfrewlein so rein
O. Dähnhardt grch. dram 1, 92
lit. ver.; so häufig: Uhland volksl. 1, 10; Fischart
Garg. 44; 57
ndr.; die z. fraw glück H. Sachs 1, 439
K.; ein starcke, hbsche, zarte, lustige ... frau A. v. Eyb
dtsche schr. 1, 60; diesem frawenzimmer zart (
diesen schönen frauen) Frischlin 9
lit. ver.; auch ohne subst. da ich ein kusz und umbefang entpfach von der schönen und zarten H. Sachs 2, 28
K.; die zarten sind ... erschlagen (
später die edlisten,
vulgata: inclyti) Luther
deutsche bib. 1, 94
Weim.; ein könig z. (
stattlich) B. Krüger
action 64
Tittmann; ain ritter edel und auch z. Kaufringer
ged. 62; dieweil er (
Paulus) hat viel vOelcker zart mit mund und seiner schrifft bekhart Ringwaldt
chr. warn. D I
a;
erweitert von gegenständlichen dingen: und bringet mir der schönen, zartten blümlein H. Sachs 2, 25
K.; an ihre seiten zart Zinkgref
ged. 19
ndr.; ihren zarten leib
Dähnhardt grch. dram. 1, 158
lit. ver.; zarter leyb, wolgehalten
corpus tenerum Maaler 512
c; ire zarten eüglin Wickram 1, 120
lit. ver.; mit zarten zierlichen kleidern Tschudi
chron. Helv. 1, 122; mit rotem golde vein und z. Kaufringer
ged. 154; der schmuck der zarten frauen Logau
sinnged. 277
lit. ver.; des grossen Davids sohn, ein printz sehr schön und zart Rachel
sat. ged. 95
ndr.; die reuetöne zarter Magdalenen Göthe IV 34, 130
W.; der zarten schönheit schimmer Tieck
schr. 1, 302;
hier wie in den folgenden fällen archaisierend: holde zarte fräuelein maler Müller
w. 1, 252; zart schönes jungfräuelein A. v. Arnim
w. 21, 19
Gr. u. ö.; o jungfrau z. A. v. Droste-Hülsh. 2, 208;
ironisch oft bei Luther: nicht eyn kleyn stck seyns tzarten buochs (
Heinrichs von England) 10 ii 236
W., vgl. die zartte mutter dieszes samens 7, 599, die zarte glose seynes geystreichen ... kopffs 18, 167;
s. auch I 3
c α und γ. I@33)
infolge zarter,
d. i. liebkosender, schonender behandlung, dann auch mangels erprobung oder wegen des fehlens der kräfte schwach, widerstandsunfähig, leicht verletzlich, äuszeren eindrücken nachgebend; diese bedeutung darf als die den beiden vorher beschriebenen zugrunde liegende angesehen werden und ist auch früher belegt (
s. ob. sp. 284),
dann aber zunächst zurückgedrängt worden. sie tritt zunächst an körperlichen und concreten dingen hervor. I@3@aa)
von menschen weichlich, verzärtelt, dem wohlleben geneigt: das jung weip und das zart (
vulg.: tenera mulier et delicata)
erste dtsche bib. 4, 223
lit. ver. (
deut. 28, 56); 'rach' heist zart odder weghe (
mhd. wæhe
fein, zierlich), gleich wie wir Deudschen von den weybern sagen: sie ist so zart und verzumpen (
zümpferlich Adelung), sie griffe nicht ynn ein kalt wasser, es lstet sie denn Luther 23, 609
W.; die zarten papisten ... warten allain auff eer und leibslust
reform.-flugschr. 2, 38
O. Clemen; zarte spplin ... bringen auch zarte ppplin Fischart
Garg. 82
ndr.; in wbb. delicatus, tener, tenellus, mollis Alberus o 4
b, Calepinus 1533,
homo mollis ein waichling, ein zarter, wollstiger mensch Corvinus 553,
enervus zart und weybisch, verzagt Frisius 473
a,
delicatus Dief. 171
c, Calepinus 390
a, Steinbach 2, 1072; zart, guter tagen gewohnet Wiederhold 430
b; ein artzney fr grobe leut (
recept) ... fr zarte leut (
recept) O. Gäbelkover
artzneybuch 1, 281; die kostlichen zarten leüt legend in (
den bisem) zun kleidern Forer
Gesners thierbuch (1563) 29
b; sie erlauben den zarten herrn und frawen in der fasten das fleischessen Äg. Albertinus
Lucifers königreich 47
Lil.; ein zartes mutterkind Logau
sinnged. 12
lit. ver. I@3@bb)
übertragen auf gegenständliches dieser art: und ob vielleicht das bOeszlich aufferzogen fleisch leichtigklich nit mag gepogen werden zu den grOebern dingen ..., so wirdt ich doch im ... entziehen ettlich zertere ding (
ad grossiora ... delicatiora aliqua)
offenbarung der hl. Brigitte 4, 17; zarte und meisterlose oder weybische kleidung oder zierung
cultus mollissimus, zarte schläckle, meisterlose speysen
escae molliculae Maaler 512
c; dann sie ein zart leben fieren Eberlin v. Günzburg 3, 113
ndr.; auch: der arme teuffel stöhnt von zarter faulheit schwach Rachel
sat. ged. 62
ndr. I@3@cc)
schwächlich, weichlich, anfällig gegen krankheiten, auch nur empfindlich, leicht verletzlich, schwach im leiden, gern als eigenschaft des weiblichen geschlechtes den männern verpönt, vgl. ein mann soll nicht zart sein
turpe est viro debilitari, dolore frangi, succumbere Stieler 2601;
von leblosen gegenständen zerbrechlich, zerreiszbar, weil dünngliedrig, körperlich schwach; vgl. Heynatz
syn. wb. 2, 33
a, 1, 468
a. I@3@c@aα)
von menschen: zarte tOechteren
virgines tenerae Maaler 512
c; meine zarte (kinder) musten gehen auff rauhem wege
Baruch 4, 26; (
ein kind) ist das zertiste ding Paracelsus
op. (1616) 1, 75; ein jungs zarts mAegdlin Tschudi
chron. Helv. 1, 77; die kraft von Leipzigs zarten söhnen Kästner
verm. schr. 1, 128; das zarte weibervolk Rachel
sat. ged. 81
ndr.; wie kann ich solcher that mich unterwinden, eine zarte magd Schiller 13, 218
Göd.; das zarte mädchen Göthe 23, 265
W.; der zarte kränkelnde vater W. v. Polenz
d. Grabenhäger 1, 21;
von einzelnen körpertheilen ausgesagt: ein ... mittel wider alle unnatürliche hitze ... der zarten glieder, als der ohren, des munds, halses und der heimlichen orten Hohberg
georg. cur. 3, 434
b; zartes gebein Klopstock
od. 1, 42
M.-P.; überaus häufig von den händen des weiblichen geschlechts: Fischart
flöhhaz 25
ndr.; Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 13; Göthe 2, 101;
selten und dann prägnant von männern: (
ein schreiber,) der zart hAend hat Fischart
glückh. schiff 41
ndr.; von mönchen ders. dominic. 170
Kurz; die zarten hAende ihrer brger bauten die rosengAerten von PAestum J. v. Müller
s. w. 1, 91;
ferner die zarten füsze Mörike
w. 1, 121
Gösch.; zarte finger
teneri mollesque digiti Steinbach 2, 1072;
cartilago krOespelen z. als an der nasen oder oren Frisius 194
b;
subtilis der z. darm Gersdorff
wundarzney (1517) 85
b; zarte augen, die leichtlich weinend Frisius 906
b; die zarte kehle Bürger 1, 155
Bohtz; dasz sein zart antlitz ihm die sonne nicht versehr Chr. Warnecke
poet. versuch 90; das zarte lippchen Göthe 2, 92
W.; die rohe kraftbrühen der natur sind ihrer gnaden zartem makronenmagen noch zu hart Schiller 3, 358
G.; zarte und linde neruen J. Ruoff
hebammenbuch 16; unglaublich zarte nervensysteme v. Gaudy
w. 2, 111; reine zarte langen haar G. Voigtländer
od. u. lied. 14; die zarte haut des körpers J. P. Hebel
w. 2, 9
Beh.; mit dem sich an dem object entwickelnden nebensinn des anmuthigen, schönen, wohlgeformten: zartes kinn Sal. Geszner
schr. 1, 16; einen zarten, runden arm Klinger
w. 9, 261; die starken und doch zarten arme Herder
w. 15, 304
S.; da hat sie weinend sich an ihn geschmiegt, in zarter hand ein epheuränkchen haltend A. v. Droste-Hülshoff 2, 233;
besonders deutlich: ihr zartes gesichtlin U. Bräker
s. schr. 1, 76; die zarten brüste Opitz
teutsche poem. 137
ndr.; holte den ring aus dem zarten busen hervor Fouqué
zauberring 1, 24, Novalis 4, 55
Min.; die zarten wangen P. Fleming
ged. 1, 21
lit. ver., Neumark
lustw. 6, maler Müller
w. 1, 64
u. a., sine zarten bakken
Mone schausp. d. mas. 1, 221;
ohne diese nebenbedeutung vom ganzen körper: zarte und weyche leiblin Ryff
anatomi B IV
a; die schreckensscenen hatten ihren zarten leib zu sehr erschüttert Klinger
w. 4, 41; zarte gestalt v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 138; zarter körperbau Göthe 45, 43
W.; nur hat sie bey ihrer zarten natur in der schwangerschaft ... gelitten
ders. IV 33, 240; eine zartere gesundheit Fontane
ges. w. I 5, 10. I@3@c@bβ)
von thieren: di vOegel zart Schwartzenberg
Cicero 156; zarte sommergrille Kretschmann
s. w. 1, 198; ein spinnlein zart Mörike
w. 1, 164
Gösch.; zartes windspiel
ders. 3, 33; treibt der bock die zarte geis R.
Z. Becker
mild. liederb. 20;
auch von deren körper: die zarten beinchen (
der fliege) Göthe 3, 176; zarte läufe (
von windhunden) C. v. Heppe
lehrprinz 14;
umfassend: ... mutter erde ... läszt ihre zärteren kinder auch aus ihrem gewande erquickung saugen Herder 15, 291
S. I@3@c@gγ)
von gebilden der natur und menschenhand: zarte saatenspizen v. Salis
ged. 46; die zarten keime der pflanzen A. v. Humboldt
kosm. 3, 379; zart gertlin (
des epheus) Jud. Nazar. 26
ndr.; colis ein zart jung rebschosz Calepin. 264
b,
ferner 366
a, 567
b; am zarten halm Matthisson
schr. 1, 29; mit zarten rotunden kleinen blettern Bock
kreutterb. (1572) 2; zartes laub
Shakespeare 1, 15; in den zarten schooss der purpurrose
ders. 1, 201; zarte blumen (
der myrthe) Göthe 23, 268
W.; die zarten leichten wipfel
ders. 2, 183; wurtzel ... mit kleinen zarten faseln Chr. Gueintz
rechtschr. 165; lindenbast, das ist die zart rinden zwüschend dem holtz und usser rinden an der linden Frisius 1002
b; körnlein von viel zärtern hlsen Ehrhardt
pflanzenhistorie 1, 299; die zarte schale (
der puppe) Göthe 2, 145
W.; eines eies J. A. Naumann
naturgesch. d. vög. 2
I, 356; den zarten leib der süszlich-sauern traube Triller
poet. betracht. 1, 16; zarteste zäckchen (
eines berggrates) H. v. Barth
Kalkalpen 8;
virgulta tenera ... das zart gsteüd Frisius 183
a; zartes gebüsch Mörike 1, 89
Gösch.; zarter birkenhain Lenau 4
Barthel; zarte, vergängliche steppenpflanzen Hoops
waldbäume 96; zartes gras Logau
sinnged. 148
lit. ver.; übertragen: also mszen die eltern ihre zarte hauspflAentzlein, ihre kinder, gleichsam an stAeblein binden
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 124; ein zartes reis aus Nitschens stamm Gottsched
ged. 1, 229; der ausdruck des gedachten ... in allen seinen zweigen, zarten und starken Klopstock
üb. sprache u. dichtk. 1, 6; zarter blumen leicht gewinde flecht' ich dir zum angebinde Göthe 4, 268
W.; das zAerteste geweb Grimmelshausen
Simplic. 7
ndr.; linnen wie ein spinnweb' zart Fr. Kind
ged. 1, 16;
übertragen: die zarten spinneweben einer that Schiller 3, 6
Göd.; bei gewebten stoffen tritt der begriff weich hinzu: ein zart seiden kleyd Er. Alberus
nov. dict. 36
a; zarte leinwat Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 8
b; ein zart und reinstes hembd D. v.
d. Werder
ras. Roland 7.
ges. 28
str.; aus baumwollen machet man kOestliche und zarte kleidung Ph. Bech
Agricolas bergwerck buch 5; zarte lmplein (
charpie) v. Fleming
vollk. soldat 322; zarte tchlin O. Gäbelkover
artzneybuch 1, 1;
von den einzelnen fasern und fäden: aus zartem flachs gewebt Pfeffel
poet. vers. 1, 44; ein reines lamm stand, zarter wolle, ... vor mir maler Müller
w. 1, 40;
capillaceus zart und klein wie haar Frisius 184
a;
lanugo: das erste und zarte barthaar, gauchhaar Calepinus 792
b; zarte saiten Göthe 2, 28
W.; übertragen: die zartesten saiten des menschlichen herzens ... berühren Herder 17, 20
S.; zarte schleifenreihe (
des tanzes) Göthe 2, 104
W.; zarte wolkenstreifen L. Aurbacher
volksbüchlein 57; die mucker ... bauen sich ... aus dem zarten nervengeflecht ihrer träumereien eine innere, unsichtbare kirche Gutzkow
ges. w. 10, 82; ... unsre rückkehr hängt an zarten fäden Göthe 10, 57
W.; so häufig, s. 16, 210; des knäuels zartes ende 4, 285; da fing die leidenschaft in zarte flechten mein fröhlich herz Stägemann
kriegsgesänge 3;
von geräthschaften und erzeugnissen: die zartesten rOerlin seind am aller scherpffsten Ryff
confect buch D II
a; zarte, subtile, feine säge Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 410
b; zarte werkzeuge (
der astronomie) Herder 13, 32
S.; zartestes goldblech Göthe 43, 72
W.; zarter schuh 5, 50. I@3@c@dδ)
von erdigen, fleischigen, mehligen und flüssigen dingen im sinne von leicht zu zerkleinern, fein zerpulvert, leicht verdaulich und weich, dünnflüssig, von gasen leicht beweglich: von dem aller zartesten, reinsten sulphure oder schwefel Thurneysser
alchymia 5; zartes pulver (
aus paradiesholz, sandel und citronenkern) Hohberg
georg. cur. 3, 205
a; zartes fleisch (
der jungfrau) Fischart
flöhhaz 6
ndr.; zartes capaunenfleisch Sebiz
feldbau 102; (
der biber) ist ein lieblich, sss, zart ... essen Forer
Gesners thierb. 23
b; die zarten bissen Göthe 25, 163
W.; nach dem ersten gericht, das aus marinirten jungen bambusstengeln, einer zarten frühlingsspeise, bestand Gutzkow
ges. w. 6, 207; der sägt nicht mit dem messer in dem zarten wesen (
dem fisch als gericht) herum G. Keller
ges. w. 5, 17; mit einem zarten mehl bestreut Triller
poet. betracht. 1, 229; das zart jungfrAewlich bluot Fischart
flöhhaz 45
ndr.; unter allem blut der lebendigen geschOepffen ist desz menschens das zartest, wie desz esels das grOebest Chr. Wirsung
artzneybuch 653
a; zarte rieselwellen Göthe 2, 29
W.; zarter regen A. v. Droste-Hülsh. 2, 96; zarter honigsaft Zinkgref
auserl. ged. 57
ndr.; Plato nennets (
die seele) ein verstAendigs wesen, ... Hippocrates ein dnnen zart geystlufft W. Spangenberg
gans-könig 5
Martin; biegsam, bildsam: weiches und zartes wachs v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat 3;
Epimetheus: du formtest frauen, keineswegs verführerisch.
Prometheus: doch formt' ich sie aus zärtrem thon, die rohen selbst. Göthe 50, 325
W. I@3@dd)
auf naturerscheinungen und kunstgebilde bezogen, die durch unsere sinne wegen ihrer schwäche nur schwer erfaszt oder wegen ihrer gefälligen art angenehm empfunden werden; 1)
sichtbar: gleich wie eine zarte schrift sich gar leichtlich aus läst streichen C. Knittel
poet. sinnenfrüchte 125;
vgl. M. Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 655
c; ... können wir leicht bemerken, dasz diese zarten erscheinungen (
die farben), die bei gewissen veränderungen des körpers so leicht entstehen und verschwinden, nicht etwa zufällig sind Göthe II 5, 1
W.; der lippen zart korallenroth Herder 25, 138
S.; zarte gesichtsfarbe A. W. Schlegel im
Athenäum 2, 73; seine zarten gestalten ... tragen zu viel von der miniaturmalerei in sich H. Grimm
Michelangelo 1, 17; dasz es auch für das zarteste kunstwerk harter hammerschläge bedarf W. H. Riehl
d. deutsche arbeit 280; der lampe zarte flamme Gotter
ged. 1, 324; hier kniet, umflattert von den zarten blitzen (
des frühen tageslichtes), der stille jüngling A. v. Droste-Hülsh. 2, 230; zarter morgenschein Spee
trutznachtig. 65; wenn sein (
des tobacks) zarter dampff sich zeiget Frh. v. Canitz
ged. 80;
auch vom instrument: keinen so zarten pinsel führen (
nicht so zart malen) Triller
poet. betracht. 2, 584; zarte (
empfindliche) spiegel J. v. Besser
schr. 1, 64; 2)
hörbar: schweige, zarte liebe stimme Göthe 5, 12
W.; ein zarter eindringlicher gesang einer weiblichen stimme Novalis
schr. 4, 105
Min.; auch dein zärtester (
leisester) laut ist dein harmonisches selbst Schiller 11, 188
Göd.; ein zartes lied Novalis
schr. 4, 79
Min.; tritt die erste geige mit einer eigenthümlichen zarten figur hervor O. Jahn
Mozart 1, 375
u. ö. (4, 16. 210. 234);
auch vom instrument: die zartere oboe (
zarter als clarinette)
ebd. 3, 280; zartes musickspiel (
die laute) Fischart
lob d. lauten 358
Hauff.; von einer sprache: die zarte sanskrita A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 23; zarte gedichte G. Freytag
ges. w. 13, 275;
freier: die zarten schwingungen im gehirn G. Forster
schr. 7, 231; die stunden glichen sich in zartem wandern Göthe 3, 21
W.; I@3@ee)
von den sinneswerkzeugen, während dem sinnlichen vermögen feinheit
beigelegt wird. denn der gaumen ist zart,
der geschmack und die zunge, sofern sie kostet, dagegen fein;
das ohr ist zart,
das gehör fein
vgl. J. A. Eberhard
synonymik 2, 21;
namentlich häufig vom ohr: wann sie hat also zarte ohren, mag sie der warheit nit gehoren, H. Saghs
fab. 2, 75
ndr.; zugesehen, das ... die zarten keuschen oren der lieben jugent sich ... nicht zu ergern hetten B. Waldis
Esopus 1, 4
Kurz; welche (
schriften) noch itzo unsre so zarte ohren wol vergngen kOenten Morhof
unterricht 1, 164;
selten vom gehör: maulwOerff ... weil sie gar zart und subtil gehOer haben Sebiz
feldbau 293; da hier für ihren zarten gaumen nichts zu bekommen war Castelli
s. w. 10, 107;
berechtigt: der geschmack (
der trutte) ist zwischen forelle und lachs, sehr zart Göthe III 1, 184
W. I@44)
aus der bedeutung 3
entwickelt sich der begriff jung in reicher und frühzeitiger anwendung; Frisius 54
a erklärt mollis (
aetas)
durch zart, weich und wol ze ziehen
und 1
a a tenero von jugend uf, dieweyl man noch weych und zart ist,
aber gewisz spielt auch der begriff der hilflosigkeit und schwäche für den bedeutungswandel eine rolle; zunächst von unmündigen kindern, dann aber auch ausgedehnt bis auf die mannbare jugend: trug auff dem arm das kindlein zart Spreng
Ilias 79
b; pflegen sie feine, reyne und junge, zarte kinder ... zum kAesmachen zu nemmen Sebiz
feldbau 100; ... auch nicht das zarte kind im mutterschoosz entrinn' uns! Bürger 1, 170
Bohtz; ... verliesz daheim ein liebes weib und einen zarten sohn
ders. 1, 164; die mutter sammt dem zarten prinzen Gottsched
ged. 1, 54; Breslauerinnen, begleitet von ihrer zarten nachkommenschaft Holtei
vierzig jahre 1, 130; was treibt den zarten jüngling in den tod? Schiller 13, 362
Göd.; da sol das zarte volck zu paaren die stillen ksse von sich streun Chr. Weise
grün. jug. 158
ndr.; auch: dann sieht der kleine schalk mit zarten (
jungen!) augen an B. Neukirch
ged. (1744) 132; des lebens dunkle decke breitete die mutter schon mir um das zarte haupt Göthe 10, 28
W.; ebenso vom kindes- und jugendalter: Parthenia ... blühte in ihrer zarten kindheit ganz holdselig A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 77; Lessing 6, 31
M.; aetatula zart alter Calepinus 50
a; was läszt sich auch von einem so zarten alter vollkommenes erwarten? Schiller 2, 19
Göd.; ein ... mädchen in dem zarten alter von sieben jahren G. Keller
ges. w. 1, 45; in den zarten jaren meiner kindheit
buch d. liebe 140
a; sein vater hatte ihn in den zartesten jahren ... verlobt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 2, 252;
am frühesten bezeugt: zarte jugend H. Sachs 18, 202
lit. ver.; Fischart
jesuiterhütl. 256
Hauffen; als er in der zarten jugend solte reiten lernen Chr. Weise
pol. red. 658; die zarte jugend wachse mit katechismus und gotteswort (
auf) L. v. Ranke
dtsch. gesch. i. z. d. ref. 3, 192; starb im frühling seines zarten lebens U. Bräker
s. schr. 1, 171;
auch von thieren und pflanzen, wobei von der bedeutung schwach (3
c α,
sp. 285)
nicht immer scharf zu scheiden ist: unsere ... bienen ... erziehen ire zarte immlein Fischart
binenkorb A 8
b; er holet ein zart gut kalb
gen. 18, 7; die zarten blumen gehn erfur Luther
bei Wackernagel kirchenl. 3, 4; die zarte gerte wird ein erhabener baum Fr. Th. Vischer
ästhet. 2, 23. I@55)
besonderes. I@5@aa)
gering, wenig, klein: wie in der gewaltigen Alpenwelt die zarteste wasserader das ganze naturleben unmittelbar mitempfindet Nitzsch
stud. 297;
aster tenellus L. zarter aster, zwergaster
F. G. Dietrich
lex. d. gärtnerei 2, 3;
neckend: zarten speck
gar keinen speck (
hab ich gegessen) Fischer
wb. 6, 1054. I@5@bb)
als eigenschaft vornehmlich des weiblichen geschlechtes auch prägnant gebraucht für weiblich: und damit sonderlich das zahrte volck bewogen, das zahrte weibervolck Rompler 1.
gebüsch 115; das zarte geschlecht Herder 3, 293
Su., so modern allgemein; achtung für das zAertere geschlecht Bode
Yorick 1, 93; seelenzustand des zartesten geschlechts E. Th. A. Hoffmann 11, 14
Gris.; die schönen selbst sind dir (
dem tabak) gewogen, und öfters hat dein rohr ein zarter mund gekszt J. J. Schwabe
belustigungen 1, 182; sich zarte arme sanft umschlingend öffnen Schiller 12, 89
G.; beifallklatschen von zarten händen Moltke
ges. schr. 6, 51; zarte lippen Alexis
ruhe 1, 45. I@5@cc)
rein, weisz; trocken: die straszen warden schon z.
Königsberg i. Pr. I@66)
von geistigen und seelischen erscheinungen oder beziehungen des öffentlichen und privaten lebens, diese als leicht verletzlich, schwach ausgeprägt, jeder änderung unterworfen, empfindsam, empfindlich, heikel bezeichnend: der zahrteste verstand von gantz Fleckenland also seines witzes ist beraubt worden Bastel v.
d. Sohle
Harnisch 63; ein zarter, hochbegabter geist Göthe 7, 56
W.; noch giebt es zarte dichter und dichter wilder art graf Strachwitz
ged. (1853) 25; der zarte styl der alten vasengemählde Schlegel im
Athenäum 1, 2, 50; die zarte linie des schicklichen Dahlmann
gesch. d. frz. revol. 114; philosophisch gdanken zart Fischart
d. gelehrt. d. verkehrt. 342
Kurz; das zarte geheimnisz Rückert
ges. poet. w. 1, 195; ihre (
der prosa von Wilhelm Meister) hohe und zarte ausbildung Fr. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 158; diese zarte, feinsinnige politik Fr. v. Gentz
schr. 2, 400; ein czarter glaube Luther 34
II, 357
W.; die tzarte warheyt
ders. 10
II, 53;
bei Luther
oft ironisch für ekel, knifflig: wie der zarte geist aus den thettelworten 'ist' zum deutelwort machen und unsern verstand nemen wil 26, 283
W.; umb der zarten hochgeistlichen, tieffheiligen schwermer willen (
die fordern, Luther solle sie nicht als teufel bezeichnen) 26, 402; du zarte eckele frucht, wilt deinen got leren 23, 190.
ironisch für gewissenhaft: zarte schatzmeister Mathesius
Sar. 173
a;
empfindsam, ekel: Göthens elegien, die Weimar, das zarte, so sehr in aufruhr gesetzt Fr. Schulz im
Göthejahrb. 1, 317; das gröbste weib ist darin (
in der sexuellen liebe) noch nicht so materiell wie der zarteste mann J. Wassermann
d. goldene spiegel 222; man glaube keiner (
frau) nicht! sie wissen zarte (
feingesponnene) lügen, das junge männer-volck in vielen zu betriegen Rachel
sat. ged. 137
ndr.; so bald wir in dem netze der zarten liebe seyn Chr. Weise
d. drey klügst. leute (1675) 20; der page, ein jüngling voll zarter empfindung v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 118; so bleibt der entfernte mit den zartesten banden an die seinigen gefesselt Göthe IV 8, 99
W.; das zarte gefühl des sohnes ... schonen Iffland
theatr. w. 3, 270;
häufig u. allgemein; sein (
des dichters) scharfes auge, sein forschender geist, sein zartes, verwundetes herz entdeckten die wurzeln des übels Klinger
w. 8, 99; wenn in seiner (
Hamlets) zarten seele der hasz aufkeimen konnte Göthe 22, 28
W.; animus tener zgsam, guot ze leiten, zart, weich Frisius 1300
b ; so vornehmlich der ehrgeitz bey zarten gemüthern am allerheftigsten ... ist
discourse der mahlern 2, 63; wie ein zart, weich, eddel ding es sey umb ein gewissen Luther 23, 600
W.; vgl. 10
III, 78; die delicatesse, die uns wie ein zartes gewissen ... warnt Göthe 22, 7
W., reich auch sonst belegt; (
der lieblich hall) den zahrten sinn bezwingt Rompler 1.
gebüsch 52; zarte pflicht Göthe 24, 81
W.; ein zeichen zarter treu J. Chr. Günther
ged. 311; zarte unschuld Overbeck
verm. ged. 3; zarte triebe
ebd. 55; zartes neues sehnen Göthe 2, 96
W.; das zarte, jüngferliche wesen L. Tieck
schr. 19, 6; zarte, zerbrechliche existenz G. Keller
ges. w. 3, 91;
heikel: man erhält eine zarte mission an einen benachbarten hof Gutzkow
ges. w. 9, 117; auch deine weiblichkeit hat ihre rechte, der zarte punkt gehört vor dein gericht Schiller 12, 485
G.; zarte sache A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 1201; Göthe IV 8, 311; IV 9, 346; G. Keller
w. 4, 231; — zarte beziehungen (
zwischen fürst und volk) B. v. Arnim
d. buch gehört d. könig 1, 124; widerspruch von zarter theorie und grober praxis Gutzkow
ges. w. 8, 268; des menschen bau ist in zartere ramificationen (
als der der thiere) vermannichfaltiget Göthe II 8, 8
W. IIII.
in activer bedeutung, welche sich als reciproke seite des begriffes in verbindung mit ausdrücken des handelns, behandelns und namentlich eines activen gefühls leicht entwickelt, im sinne von rücksichtsvoll, schonend, zärtlich. II@11)
rücksichtsvoll, schonend: zarte behandlung Göthe 48, 9
W.; mit der zartesten schonung behandeln Kotzebue
dram. w. 2, 80; zarte prüfung Schleiermacher
s. w. I 12, 541;
oft: zarte sorge Fr. Schlegel
s. w. 6, 158; diese delicatesse, diese zarten aufmerksamkeiten, die er ihr beweist Schiller 14, 200
G; deine zarten gebote will ich nicht übertreten Göthe 24, 10
W.; diesen zarten spott, der nur neckt, nicht verletzt Börne
ges. schr. 1, 94; zartes mitleid
ders. 11, 212;
auch von concreten dingen: was für zarte finger spinnen denn solche ... fAedeme? Lohenstein
Arminius 2, 186; die (
eine nonne) es (
ein thier) mit zarten händen schmeichelnd koszt Schiller 14, 42
Göd.; wer die dinge dieser welt mit den zartesten fingerspitzen berühren könnte Hel. Böhlau
haus zur Flamm 24; mit zarter lippe besänftigen Göthe 10, 170
W.; ich wüszte nicht, dasz ich ein zarteres messer jemals an meinen wangen gefühlt hätte
ders. 25, 70;
vgl. auch zarter pinsel I 3
d sp. 288; (
seine violine) auch die zAertsten (
leisesten, sanftesten) striche fühlt Gottsched
ged. 1, 236. II@22)
zärtlich, liebevoll; diese bedeutung steht noch mit der gleichen mhd. in verbindung: mit zarten armen einem an halsz fallen
lacertis blandis tenere colla alicuius Maaler 512
c;
den ursprünglich passiven sinn läszt noch erkennen: got thet im (
dem papste) gros ungleich, wo er in nit also feist und zart erziehen würde Sleidanus
reden 192
lit. ver.; zumeist ist die bedeutung nur durch den zusammenhang gegeben, und es bleibt manchmal die wahl zwischen '
zärtlich'
und '
empfindlich': mit ... aller zartestem lieben und umbfassen
Amadis 1, 362
lit. ver.; häufig bei Gottsched: der lohn der zAertsten mutterliebe
ged. 1, 115,
ferner 224. 240. 282; den zärtesten und vertrautesten umgang des freundes Gerstenberg
rec. 145
lit. denkm.; die zarten zärtlichen chinesischen fräulein Göthe IV 42, 105
W.; da erfreuet sich die zarte mutter maler Müller 1, 75; zarte familiengefühle Scherer
litgesch.7 72;
auch wohl: zarte liebe Schiller 1, 4
Göd., der schwestern zarte brust
ders. 15
I, 3. IIIIII. III@11)
substantivisch: in älterer, mhd. gebrauch fortsetzender sprache als stark flectiertes adj. mit der bedeutung geliebter, geliebte, selten als neutrum: Jesus, mein auserwelter sun und zart
Wackernell altd. passionssp. 148; nymm uff mein dienst, mein liebes zart Hätzlerin
liederb. 225;
wohl auch, aber nur vereinzelt, als schwaches adj.: da ich ein kusz und umbefang entpfach von der schönen und zarten H. Sachs 2, 28
K. III@22)
neben verbindungen wie der zarte (
sc. mensch)
u. ä. tritt ein selbstständiges neutrum auf: kundt nie ding denn zarts erlyden Murner
mühle 10
Albr.; anlage ... zum gefälligen und zarten Göthe 47, 249
W.; aus dem rohen das zarte ... entwickeln D. Fr. Strausz
schr. 6, 94; das höhere, zartere suchend Göthe 25, 189
W.; die musik, das zarteste und unkörperlichste von allen A. v. Droste-H.
an Schücking 314; viel zartes Göthe 49, 45
W.; nichts zartes Ihering
geist d. röm. rechts 79; etwas zarteres Nestroy
ges. w. 1, 76; ... er (
der fasan) ... das zarte der weisskohlköpfe geniesst J. A. Naumann
naturg. d. vög. 6, 455. III@33)
prädicativ verwendet in allen bedeutungen von I,
vgl. zu 1 (
nur in älterer sprache): denn im ist sin kint nicht zart, swer im die ruoten dicke spart und sine unzuht nicht stillet
C. Schulze bibl. sprichw. 53; wan du hast mich gehabt lieb und tzart, ee dan die welt geschaffen ward
Wackernell altd. passionssp. 45;
die construction ist mitte des 16.
jhs. veraltet, da der Frankfurter druck des renner (1549)
s. 91
b zart sîn
mit dat. v. 18 135,
durch wert sein
ersetzt; zu 2: mein döchter die sind z. und schön H. Sachs 6, 138
lit. ver.; so ist ouch myn wyb so z., das ir kain dienst von aim sölchen knecht empfänglich wäre (
ita est deliciosa) Steinhöwel
Äsop 45
lit. ver.; ein kind, das zärter ist, als die aus Ledens schalen einst solln gekrochen seyn Lohenstein
Ibrahim (1680) 14;
modern: das macht sich z. '
hübsch'
in der Göttinger studentensprache; zu 3
a: (
haben) lind schuh, dan die mOench sind z. Fischart
barfüsser 412
Hauff; zu 3
c: z. werden
tenerascere Maaler 512
d; ire (
der kinder) leiber sind z. und fAehig Nigrinus
v. zäuberern 78; z. von leib
mince de chair, magro Hulsius-Ravellus 425
b; meine sieben tOechter, welche anfAenglich gar z. und unansehnlich waren, nunmehr aber sind sie ... grosz und frtreflich J. Rist
friedej. Teutschl. 147 (= 149!); sind wir so zahrt zu leiden?
Königsb. dichterkr. 232
ndr.; das kind ist gar zu z., und ich wil es nicht strapaziert haben H. Lindenborn
Diogenes 1, 55;
so noch modern; jetzt scheust man ihnen (
den elephanten) nach den fssen, die one das gantz z. und weich sind Heyden
Plinius 97; das liecht des monds macht das holtz z. und waich Sebiz
feldbau 49; seiden ist weich und z. Agricola
sprichw. z VIII
b; bis der sulphur schon, subtil, z. und weiss wird Thurneysser
alchym. 23; da der diamant ein wenig z. sei Göthe 43, 267
W.; darum sind die oblaten so z. im katholischen wälschland
ders. 1, 311; gewänder, die ... z. und schmiegsam waren Storm
w. 1, 293;
zu 3
d: seine bewegungen waren ... peinlich, sorgfältig, geräuschlos und beinah ängstlich z. Wildenbruch
ges. w. 5, 11;
zu 3
e: zu unsern zceytten seyn unser oren so gar tzart und weych worden durch die mennige der ... schmeychler Luther 7, 4
W.; zu 4: den kleinen kindern ..., die noch z. und jung ... sind J. Prätorius
saturnalia 336;
2. Sam. 3, 39;
1. chron. 22, 5; (
das bäumchen) trAegt schon so jung und zart R.
Z. Becker
mild. liederb. 18;
so häufig; (
die kinder) stimmen ... ins ... wort der rache, selbst wenn sie dieses auszusprechen noch zu z. sind Herder 12, 179
S.; zu 6: wir sind so z., das wir nicht leiden zu reden noch hören von menschlicher gepurt Luther 24, 621
W.; damit sich gott ... erzeygt, wie gar eckel und z. er sey zu dulden
ders. 23, 536; zeige dich in solchen sachen nicht zu rauch und nicht zu z. J. Grob
dicht. vers. 70
u. ö.; mein sinn ist z. und weich Bode
Montaigne 6, 68; und doch war sein stolz so z.
ders. Jones 207; so finde ich diese sache sehr z. und gefAerlich A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 494; mein gewissen war so z. U. Bräker
s. schr. 1, 241; schlicht und z. sind deine gefühle Schiller 11, 137
Göd.; darzuo ist die tugent so z., das sie sich selbs nit sihet noch weysz Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 133
b; weil sie (
die wahrheit) z. ist
d. wohlgeplagte priester 6; ihr vortrag (
war) gerundet, weich, zart E. Th. A. Hoffmann 10, 178
Gris.; er war zu z. für eine politische stellung
jb. d. Grillparzerges. 3, 75;
zu II 1: dasz er sie z. und rücksichtsvoll ... einladen wollte Fontane
ges. w. I 4, 181; die finger (
des kurfürsten beim berühren) wurden ein wenig zarter W. Alexis
werwolf5 106;
modern: er ist z. 1)
schwächlich, zu krankheiten geneigt, 2)
empfindlich; 3)
rücksichtsvoll (
bes. sei z., sei doch zarter); 4) er ist noch z.
jung. III@44)
als adverbium seit dem mhd. in einigen bedeutungen des adj. bezeugt; zu I 3
a: die z. uff erzognen krancken Murner
bei Hutten op. 5, 457
B.; ebenso Fischart
nachtrab 66
Kurz; Steinhöwel
de claris mul. 84
lit. ver.; habere in deliciis meisterlosz ziehen und z. halten Frisius 617
b;
zu 3
c: das kind ist so z. gebaut Iffland
theatr. w. 2, 283; zerstosset ihn (
den alaun) gantz z.
mediz. maulaffe 72; z. pulverisieret Ramler
fabellese 3, 200; z. verhüllen Körner
w. 2, 23; sie (
die spinne) spinnt so zart, sie spinnt so fein Hoffm. v. Fallersl.
ges. schr. 2, 141;
zu 3 d: und es singt die schöne kette zart und zärter, um die wette Göthe 2, 25
W.; z. (
sanft, leise) gegriffene töne
F. Th. Vischer
auch einer 1, 255; z. singen
sopran, bei männern tenor Fischer
wb., gewöhnlich jedoch nur schwach singen Eberhard
syn. 2, 21; z. gebräunt A. W. Schlegel im
Athen. 1, 135;
zu 5
a: sacht, klein, z. rinnen W. Kramer
teutsch.-ital. 2, 362
b;
zu 6: z. empfinden Göthe II 1, 47
W.; einen salvator ... z. gestochen
ders. III 11, 304; z. gestalten Zesen
rosen-mând 8; auf das zarteste gearbeitet Göthe 43, 64
W.; das kind fühlt recht z. Tieck
schr. 1, 155; z. gedacht A. W. Schlegel im
Athen. 2, 122;
zu II 1: z. behandeln Göthe 24, 282; geh den weibern z. entgegen 1, 37
W.; wie z. gehet man mit einem venedischen glass umb Dannhawer
catechism. milch 4, 475; z. berühren Hel. Böhlau
haus z. Flamm 22; von träumen z. umfangen Tieck
schr. 1, 64; was die lippen z. verschweigen Cl. Brentano
ges. schr. 2, 145;
zu II 2: wie wird sein weib ihn küssen zart Hollonius
somn. 20
ndr.; z. lieben Gottsched
schaub. 1, 8
u. ö. IVIV. im lande, da mehr knüttelbrot denn grüne feigen gehn zu zot Hayneccius
schulteuffel 4, 2,
wohl zu dem dunkeln ausdruck zu zarte gehn
vorgehn. sich ereignen Weinhold
schles. wb. 2, 107
b.