Unter, I. Als Umstandwort. 1) Den Umstand der Tiefe, in Bezug auf ein darüber befindliches Ding zu bezeichnen. Unter mit ihm! Hinab, zu Boden, in die Tiefe mit ihm. — Der Sonne Licht ist unter, Schiller, wo es doch eigentlich mit sein die Zusammensetzung untersein, untergegangen sein macht. 2) Der Umstand, daß etwas mit oder zwischen andern ist, geschieht, anzuzeigen. Es muß mit unter gehen, mit unter laufen, es muß so mit andern Dingen hingehen,
z. B. von einem unvollkommenen Dinge, welches die andern übertragen müssen. Zuweilen läuft auch wol eine Schwäche mit unter, kömmt auch wol eine Schwäche vor. Mit unter giebt es auch hier schlechte Leute. Das Wetter war gut, nur regnete es mit unter ein wenig, zuweilen. II. Als Verhältnißwort, das Verhältniß oder den Zustand eines Dinges zu bezeichnen, da es in der Tiefe befindlich ist, in Bezug auf ein anderes in der Höhe oder über demselben befindliches Ding. Man verbindet es 1. Mit dem zweiten Falle. 1) Für während. Unter Essens, im gemeinen Leben, während des Essens. Unter Tages, bei Tage, da es noch Tag ist. Unter Weges, während daß man auf dem Wege war S. Unterweges. Unter dessen oder unterdessen, zusammen gezogen unterdeß, während dessen. Unterdeß kann ich noch ein wenig lesen. S. Idessen. 2) Für zwischen. † Unter Lichts, zwischen zwei Lichtern gleichsam, wie man im
N. D. sagt, im Zwielicht, in der Dämmerung. 2. Mit dem dritten Falle, 1) Einen Zustand der Ruhe in der Tiefe und einen Vorgang, eine Bewegung, Handlung in der Tiefe, in Bezug auf ein darüber befindliches Ding, zu bezeichnen. (1) Einen Zustand der Ruhe in der Tiefe, in Bezug auf ein darüber befindliches Ding, oder zwischen einem höher befindlichen Dinge und der Oberfläche oder dem Mittelpunkte der Erde; in Gegensatz von über. Unter der Bank liegen. Unter dem Baume sitzen. Unter freiem Himmel schlafen. »Er wohnet sicher und ruhig unter seinem friedlichen Dache.« Geßner. Unter der Last erliegen. Mit jemand unter einer Decke liegen oder stecken, auch uneigentlich, mit ihm an einer Sache, welche das Licht scheuet oder heimlich ist, Theil haben. Das ganze Land stehet unter Wasser, ist vom Wasser überschwemmt. Unter der Hand, unvermerkt, in der Stille, heimlich. Einem etwas unter der Hand zustecken. (2) Einen Vorgang, eine Bewegung oder Handlung in der Tiefe, in Bezug auf ein darüber befindliches Ding. Es geschieht nicht neues unter der Sonne. Etwas unter dem Arme, unter dem Mantel tragen. »Mein Kind, das ich neun Monat unter meinem Herzen getragen habe.« 2 Macc. 7, 28. Unter einer Last seufzen. »Mein Herz hebt sich mühsam unter einer drückenden Last.« Dusch. »Hier schwank ich unter der geliebten Last.« Ramler. Unter den Waffen sein, gewaffnet und gerüstet sein, um sogleich zur Hand zu sein. Etwas unter den Händen haben, daran arbeiten. Hier auf dem Gipfel des Berges, wo tief unter mir furchtbare Gewitter hinziehen.« Ad. Unter den Linden lustwandeln. Etwas unter der Bank hervorziehen. Unter eines Fahne fechten. Dann in mehreren uneigentlichen Bedeutungen (3) Ein Verhältniß, da ein Ding von einem andern höhern oder stärkern eingeschränkt, beherrscht ist. »Ih habe unter mir Kriegsknechte.« Matth. 8, 9. Unter eines Befehlen stehen. »Ein Weib das unter dem Manne ist.« Rö
m. 7, 2. »Unter dem Gesetze sein.« Gal. 4, 3. 5. Einen unter Aufsicht haben. Unter dem Aufsehen und dem Schutze Gottes stehen. Unter eines Mannes Herrschaft stehen. Unter einem guten Könige leben, unter seiner Regirung. Alles unter sich, unter seinem Beschlusse haben. Etwas unter Schloß und Riegel verwahren. Und wenn er es auch unter zehn Riegeln hätte, und wenn es noch so gut, noch so fest verwahret wäre. »Die Brücke liegt unter dem feindlichen Kanonenfeuer, kann also nicht leicht erobert werden,« Ungen. (R.)
d. h. sie kann von den feindlichen Kanonen beschossen und beschützt werden; wofür man auch sagt, sie liege unter dem Bereich der Kanonen. (4) Das Verhältniß des geringern Ranges, wie auch, das Verhältniß eines geringern Werthes, Preises, einer geringern Zahl; in Bezug auf etwas Vornehmeres, Theureres. Er saß unter mir, auf einem weniger vorzüglich geachteten Platze. Weit unter einem sein, stehen, ihm an Verdiensten weit nachstehen. Unter diesem Preise, oder Х unter dem Preise kann ich es nicht lassen. Unter zehn Thalern ist es nicht zu bekommen. »Eine Witwe unter sechzig Jahren,« welche noch nicht sechzig Jahre alt ist. 1 Tim. 5, 9. Kinder unter zehn Jahren bezahlen nichts. (5) Eine Art und Weise, mit Bezug auf ein darüber befindliches Ding. Unter einer Maske in den Ballsaal treten. Einen unter der Maske der Freundschaft täuschen, betrü
gen. Den Tod unter dem Bilde des Schlafes darstellen. Die Pflanze ist auch unter dem Namen Heilkraut bekannt. »Unter seinem Namen.« Rö
m. 1, 5. Unter dem Scheine, unter dem Vorwande. »Unter solchem Schein.« Jer. 2, 23. Anders als unter dieser Bedingung kann es nicht geschehen. 2) Ein Dasein, ein Befinden zugleich mit andern Dingen, dem Orte und der Zeit nach, so von andern Dingen umgeben, daß man es darin oder davon nicht sogleich deutlich unterscheiden kann. Vergl. Mank und Zwischen. Einer unter ihnen trat hervor. It denn keiner unter uns, der diese Schmach räche? Es herrscht Uneinigkeit unter ihnen. Sie haben unter sich die Gewohnheit. »Du bist der schönste unter den Menschenkindern.« Ps. 45, 3. Er ist der klügste und erfahrenste, aber auch der älteste unter allen. Unter lauter guten Dingen ist die Wahl schwer. Unter zwei Übeln das kleinste wählen. »Unter seinen Söhnen habe ich mir einen König erwählet.« 1 Sam. 16, 1. »So lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied.« Gal. 4, 1. Unter andern geschah auch dies. Es liegt Alles unter einander. Das soll unter uns bleiben, außer uns soll es niemand erfahren. Unter uns gesagt, gesprochen, geredet, so daß es außer uns niemand erfahre. Einem etwas unter vier Augen sagen, ohne daß es ein Dritter höret. Des Nachdrucks wegen wird auch mitten oft noch dazu gesetzt. Er war mitten unter uns. »Der da wandelt mitten unter den sieben Leuchtern.« Offenb. 2, 1. Uneigentlich, bezeichnet unter ein Dasein, ein Befinden zu gleicher Zeit; während. Unter dem Essen sich vorlesen lassen. »Unter der Stunde des Räucherns.« Luc. 1, 11. »Meine Haare sind unter Freuden grau geworden.« Geßner. Auch unter schlauen Scherzen Bleibt doch die Liebe schö
n. Weiße. Unter großen Schmerzen niederkommen. Unter der Zeit, während der Zeit, indessen. * * Unter Stund, zuweilen. Unter der Predigt, sowol, während der Predigt,
z. B. unter der Predigt einschlafen, als auch, zwischen den einzelnen Theilen der Predigt,
z. B. unter der Predigt ein Lied singen. Lied unter der Predigt. Häufig wird es in dieser Bedeutung auch mit dem zweiten Falle gefügt, wovon oben schon Mehreres gesagt worden ist. Ungut ist es zu sagen: »unter der Gemeine« für, während der Versammlung oder nach Andern besser, in der Versammlung. 1 Kor. 14, 34. Eben so ist es falsch: »Er strafte viele von seinen Beamten, welche seine Staaten unter (während) seiner Abwesenheit beunruhiget hatten.« Barre. Zu unter aber noch während zu setzen ist verwerfliche Überfülle. Unter währendem Gebete, unter dem Gebete, oder während des Gebetes. »Unter währendem Gespräche« Opiz. »Unter währender Verhandlung dieser Sache starb der Churfürst von Baiern.« Barre. I engerer Bedeutung, während der Herrschaft, Gewalt, Regirung eines Obern. Unter der Regirung Friedrichs des Großen. »Unter dem Kaiser Claudio.« Apostelg. 11, 28. »Unter Pontio Pilato.« 1 Tim. 6, 13. 3. Mit dem vierten Falle, wo es bezeichnet: 1) Eine Bewegung, Richtung in die Tiefe, oder in einen Raum, über welchem sich ein anderes Ding befindet, mit Beziehung auf dasselbe. Unter die Bank werfen. Unter den Tisch legen, setzen. Sich unter das Wasser tauchen. »Ih bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest.« Matth. 8, 8. »Komm' ich wieder zurück unter mein ruhiges Dach, o, wie entzückt mich da deine holde Geschäftigkeit, mich zu erquicken!« Geßner. Etwas unter das Kleid nehmen. Einen unter den Arm fassen. Sich unter eines Herrschaft begeben. Er suchte sie alle unter sich zu bringen, sie sich zu unterwerfen. So auch in folgenden uneigentlichen Redensarten. Ein Land unter Wasser setzen, es überschwemmen. Ein Gesetz unter die Füße treten, es vorsetzlich übertreten und umstoßen. Einem etwas unter die Hand, unter den Fuß geben, ihm heimlich Nachricht von etwas, einen Rath, Anschlag zu etwas geben. Einem unter die Augen sehen, ihm gerade ins Gesicht sehen. Einem unter die Augen treten, kommen, vor ihn kommen, so daß man von ihm gesehen wird. Komm' mir nie wieder unter die Augen! Einem Grobheiten unter die Augen sagen, sie ihm ungescheuet, gerade zu sagen, wofür man auch sagt, ins Gesicht sagen. Х Einem etwas unter die Nase reiben, es ihm vorrücken, vorwerfen. Einen unter die Erde bringen, ihn begraben, uneigentlich, Schuld an seinem Tode sein. »Will er mich vor der Zeit unter die Erde bringen?« Gellert. Es ist unmöglich alle Köpfe unter einen Hut zu bringen, sie alle eines Sinnes zu machen. Unter Segel gehen, die Segel aufspannen und fortschiffen. 2) Eine solche Bewegung, Handlung, sofern ein Ding der Gewalt eines Andern dadurch ausgesetzt und übergeben wird. »Der Amtmann befahl ihm unter seine Hand alle Gefangenen.« 1 Mos. 39, 22. »Unter das Gesetz gethan.« Gal. 4, 4. Er hat sie nach und nach alle unter seine Herrschaft gebracht. »Die Vernunft unter den Gehorsam Christi gefangen nehmen.« 2 Cor. 10, 5. 3) Eine Bewegung, Handlung nach der Mitte von mehreren Dingen oder zwischen mehrere Dinge; eigentlich und uneigentlich. Ih rechne Sie unter meine Freunde. Er gehört nicht unter diejenigen Menschen, welche Sich unter die Tänzer mischen. Sprichw. Wer sich unter die Treber mengt, den fressen die Säue. Gerste unter das Korn mischen. Das hunderte unter das Tausendste mengen. Alles unter einander werfen. Unter Mörder gerathen, fallen. Brot unter die Armen austheilen. Unter die Soldaten gehen, Soldat werden. Etwas unter die Leute bringen, es bekannt machen. Es kömmt unter die Leute, es wird bekannt. So kömmt doch Geld unter die Leute, es kömmt in Umlauf, und jeder bekömmt oder verdient dessen. »Daß es nicht weiter einreiße unter das Volk,« wo unter dem Volke gewöhnlicher ist. Apostelg. 4, 17. »Es giebt Belehrungen, die nicht unter vier Augen gehören.« Hermes. 4) ** Für wider. Unter Dank, wider den Dank, wider Willen. Daz Is unnder seinen danck Der Heere Ywain ergachte an dem tore, Iain 6, 74. Er furet Sy unnder mein danck Nymmer eines Ackers lang. Iain 7, 288. Zuweilen wird der dritte und vierte Fall auf eine fehlerhafte Art verwechselt. »Ein kluger Knecht wird unter den Brüdern das Hohe austheilen«, Sprichw. 17, 2, wo es heißen muß unter die, weil die Handlung des Austheilens auf die Brüder gehen soll, und weil es sonst bedeuten würde, er unter den Brüdern befindlich, dazu gehörend. »Sie begruben ihre Gebeine unter dem Baume.« 2 Sam. 31, 13, für unter den Baum, weil unter dem Baume bloß bezeichnen würde daß sie beim Begraben unter dem Baume befindlich waren. Eben so Jer. 26, 23: »Er ließ seinen Leichnam unter dem gemeinen Pöbel begraben.« Noch ist zu merken, daß unter mit dem Artikel im gemeinen Leben oft zusammengezogen wird unterm, untern, unters für, unter dem, unter den, unter das. Der Wahrheit dunkeln Pfad zu finden, Der unterm Monde sich verlor. Thümmel. 4. I den Zusammensetzungen wird unter häufig gebraucht. 1) Mit Verhältnißwörtern und Umstandwörtern, wo es bald vor, bald hinter dieselben gesetzt wird. Unterher, unterhin, unterhalb, unterwärts, unterdeß, † untereinst, darunter, herunter, worunter. 2) Mit Beilegewörtern und Grundwörtern. Untergehörig, unterirdisch, unterkötig, unterthänig, unterwürfig Unterbalken, Unterbank, Untergang, Unterholz, Unterleib, Unterordnung, Unterpfand, Untertheil Wörter der letzten Art bezeichnen theils ein Ding, welches unter mehrern derselben Art das unterste ist, theils etwas, das an Gewalt, Würde, Rang einem andern nachstehet, alle in Gegensatz derselben mit Ober — zusammengesetzten Grundwörter. Die von den Aussagewörtern abgeleiteten Grundwörter,
z. B. Unterdrücker, Unterjocher behalten die Bedeutung des Aussagewortes. 3) Mit Aussagewörtern, wo bald unter, bald das Aussagwort den Ton bekömmt. Hat unter den Ton, so ist es trennbar, das Aussagwort bekömmt in der Mittelform für die vergangne Zeit die Zusätze ge und in der unbestimmten Form wird zu dazwischen gesetzt,
z. B. ich ackere unter, untergeackert, unterzuackern. Hat aber das Aussagewort den Ton, so ist unter untrennbar, die Zusilbe ge fällt dann in den Mittelwörtern der vergangenen Zeit weg und zu tritt in der unbestimmten Form vor das Wort,
z. B. ich unterrichte, unterrichtet, zu unterrichten. I diesen Zusammensetzungen hat unter bald die eine bald die andere, bald mehrere seiner Bedeutungen, welche an Ort und Stelle selbst nachzusehen sind. 5. Andere Bedeutungen, in welchen unter ehemahls noch gebraucht wurde, und fehlerhafte Arten des Gebrauchs sind folgende: 1) Für wider oder ohne. »wan ich es dir mit gewalte nime vnde schowes vnder dinen dang.« Bei Oberlin. 2) Fehlerhaft für in. »Dies gehet mit Dingen, so nicht unter die Sinne fallen, nicht in.« Lambert. 3) Unter den Augen, statt, vor Augen. »Wo er den Tod zum erstenmahl unter den Augen sah.« Hirzel, wo es aber auch fehlerhafter Gebrauch für, dem Tode unter die Augen sah, sein kann. 4) Unrichtig für mit unter. »Ein wenig unter rasen,« bei Heynatz.