hinunter,
adv. hinwärts und nach unten; mit einer erweiterung hinuntern
aus hinunterhin (
vgl. unten hinunter führen, hinunter sinken, stoszen);
in der sprache des gemeinen lebens auch zu nunter
verkürzt, nebenher in der umkehrung unterhin (
s. d.)
früher begegnend, und rücksichtlich des ersten theils der zusammensetzung gegensatz von herunter sp. 1186
ff. während aber dieses letztere seine scharfe richtungsbestimmung öfter verliert, ist diesz bei hinunter
nicht der fall, es geht stets, auch im bildlichen ausdruck, auf eine vom sprechenden sich entfernende bewegung nach der tiefe, und seine anwendung bei verben des essens und trinkens (
vgl. unten hinunter schlucken
u. a.)
neben der von hinter (hinter schlucken
u. a. oben sp. 1487)
ist so zu fassen, dasz hinter
nur auf die einführung in die mundhöhle, hinunter
auf die in den magen den accent legt. die berührung der bedeutung des letzteren adverbs mit der von hinab (
sp. 1378)
ist eine so enge, dasz gewöhnlich beide adverbien vertauscht werden können, und in der folgenden stelle z. b. wechseln dieselben nur aus gründen des wolklangs: du gehest einen kleinen hügel hinunter, und findest dich vor einem gewölbe, da wohl zwanzig stufen hinab gehen, wo unten das klareste wasser aus marmorfelsen quillt. Göthe 16, 9,
wie denn auch dem alemannischen dialecte hinunter
völlig entgeht und in allen fällen durch abe
aus abhin
ersetzt wird. Wie zu ähnlichen adverbien treten zu hinunter
nähere richtungsbestimmungen: (
die erschlagenen) die hinunter faren zu den steinhaufen der helle.
Jes. 14, 19; ich hatte ... gessen und meinen hut durch den hals hinunter wieder ausgeleert.
Simpl. 3, 334
Kurz; nahm ein licht, dem grafen vorleuchtend eine geheime treppe hinunter. Göthe 17, 128; das geniste, das den dürren sandhügel hinunter wächst. 16, 74; (
das pferd) welches eine art von krippenbeiszer war, denn es stiesz beständig mit dem kopfe nach vorn hinunter. Immermann
Münchh. 4, 51.
Verben der bewegung sind in dringender rede, bei erzählung oder befehl, unterdrückt: hinunter, und lege dich zu den unbeschnittenen.
Hes. 32, 19; so machen wir uns sacht an die läszlichsten verdammten, zu denen vom zwischenreiche aus doch wohl auch eine hinterthüre sich entdecken lassen wird, beginnen bei denen unsere missionsgeschäfte, und so immer weiter und weiter hinunter, hinunter! Immermann
Münchh. 2, 136; nur frisch hinunter (
mit dem hexentrank)! immer zu! es wird dir gleich das herz erfreuen. Göthe 12, 131;
oder nach hilfsverben: der geistliche stand kan nicht bleiben, viel weniger wider zu ehren komen, gott hat in angriffen, er mus hinunter. Luther 3, 139
a; sie musten auch mit im hinunter zur helle.
Hes. 31, 17; ich muszte gleich hinunter (
in das thal) mit meinem wanderstab. hinunter und immer weiter, und immer dem bache nach. W. Müller
müllerlieder. Verben der bewegung, mit hinunter
verbunden: arbeiten, bildlich für verarbeitung von etwas widrigem im gemüt, vergl. hinunter würgen: mir ist nicht zu helfen. das musz hinunter gearbeitet werden. Freytag
handschr. 2, 423.
baden: wo ich mir das podagra wieder in die füsze hinunter baden wollte, das ich mir blos durch gegenwärtiges buch zu weit in den leib hinaufgeschrieben. J. Paul
uns. loge, vorrede s. xiii.
bringen: so werdet ir meine grawe har mit jamer hinunter in die gruben bringen.
1 Mos. 44, 29;
zu boden bringen, einen gegner im kampfe: mich mit kratzen, beiszen, schlagen und tretten dergestalt wehrete, dasz ich meinen feind hinunter brachte.
Simpl. 3, 13
Kurz; verschlucken können, speisen und getränke: Richard. nur frisch hinunter getrunken, frau schwägerinn. es schmeckt wie ein sirup so süsze ..
fr. Stephan. ich glaube nicht, dasz ichs hinunter bringen kann. Gellert 3, 406; so dasz die schlange kaum die kostbare speise schnell genug hinunter bringen konnte. Göthe 15, 215.
bildlich: für leute, wie ich, ist das landleben der honig, worin sie die pille des stadtlebens einnehmen; Falterle hingegen brachte das bittere landleben nicht ohne die versilberung des stadtlebens hinunter. J. Paul
Tit. 1, 124.
burzeln, purzeln: kriegte aber mitten auf der stiegen einen solchen stosz, dasz ich wieder zuruck hinunter burzelte,
Simpl. 3, 335
Kurz; dasz er ohne zweifel von der bank hinunter gepurzelt wäre. 2, 277.
drücken, reflexiv, zu boden gedrückt wegschleichen: sîn widerwart besîten trat, wand im sîn wîsheit wart so mat, beide verirret und geblant daʒ er nicht widerrede vant: des dructe er sich hin under.
pass. 83, 85
Köpke. eilen: mit einer nothdürftigen verbeugung wandte sie sich weg und eilte hinunter nach der mooshütte. Göthe 17, 119.
essen: hinunter essen,
deglutire cibum. Stieler 897.
fahren: die hinunter in die gruben faren.
spr. Sal. 1, 12; zu der zeit, da er hinunter in die helle fur.
Hes. 31, 15; das er zuvor ist hinunter gefaren in die untersten orter der erden.
Eph. 4, 9; mit dem wagen einen berg hinunter fahren; wir fuhren mit dem dampfschiffe den Rhein hinunter.
fallen: fiel hin unter vom dritten söller.
apostelg. 20, 9; dasz ich umb die wahl, die sich zwischen deiner und ihrer seeligkeit findet, keine stiege hinunder fallen wollte.
Simpl. 3, 182; also dasz ich ... übern haufen und endlich gar die stegen hinunter gefallen. 4, 60.
fliegen: ich flog die treppe hinunter mit dem festen vorsatze, das haus nie wieder zu betreten. Göthe 25, 286.
flieszen: die kunde einer so eben ausbrechenden lava, die für Neapel unsichtbar nach Ottajano hinunter flieszt. Göthe 28, 65.
flöten: eine herrliche symphonie tönte aus den nebenzimmern und flötete den leckerhaften schmausz und die feinen weine den gästen lieblich hinunter. Musäus
volksm. 237.
vgl. hinunter geigen.
fördern: mein sohn, den dein dolch hinunter (
in den Erebos) förderte. Klinger 2, 227.
führen: du hast gewalt, beide uber leben und uber tod, und du furest hinuntern zur hellen pforten, und furest wider heraus.
weish. Sal. 16, 13; von hier oben führt nur ein fuszpfad hinunter ins thal.
gehen: gieng Courage selbst mit den fertigsten und zwar eitel wolbewehrten zigeinern und zigeinerinnen den Schwarzwald hinunder.
Simpl. 3, 173
Kurz; als die magd mit ihrem bruder hinunter in keller gieng. 334; indesz ich die treppe hinunterging. Göthe 28, 145.
in bezug auf essen und trinken: der satte sagt jetzt geht nichts mehr hinunter.
geigen: kehreten wir im besten wirtshausz ein und lieszen spielleute kommen, die uns wein und bier hinunter geigen musten.
Simpl. 1, 278
Kurz; indessen fiengen die leute an, allgemach feine räuschlein zu kriegen; dann wer wolte nicht, wann man einem den wein so hüpsch hinunter geiget? 3, 354.
gieszen: einen topf mit wasser zum fenster hinunter gieszen;
von hastigem trinken: er gosz ein glas wein hinunter.
jagen: den berg hinunter jagen.
kommen: vornemblich schelten die Oestreicher die Hochteutsche, welche zu ihnen hinunter kommen (
die Donau hinunter).
Simpl. 4, 389
Kurz; ich komm hinunter in die küche, da liegt ein alter hader in der asche, und dampft und stinkt. Göthe 11, 153.
kriechen: hinunterkriechen,
deorsum serpere. Stieler 1035.
lassen: lieszen das gefesze hin unter.
apostelgesch. 27, 17;
reflexiv: bistu gottes son, so las dich von hinnen hinunter.
Luc. 4, 9.
laufen: das wasser das zum meer hinunter lief.
Jos. 3, 16; ire füsze laufen zum tod hinunter, ire genge erlangen die hell.
spr. Sal. 5, 5; der wein läuft die kehle hinunter.
legen: du hast mich in die gruben hinunter gelegt, ins finsternis und in die tiefe.
ps. 88, 7.
leiten: er ist der Hiskia, der die hohe wasserquelle in Gihon zudecket, und leitet sie hin unter von abend werts zur stad David.
2 chron. 32, 30.
machen, reflexiv: wir wollen uns hinunter ins thal machen.
marschieren: also marchirte ich den Rhein hinunter auf Eglisau zu.
Simpl. 2, 190
Kurz. nehmen: und solte sie gleich sein angedenken mit ins grab hinunter nehmen.
Simpl. 4, 43
Kurz. poltern: der mönchsteufel polterte die treppe hinunter. Klinger 3, 155.
rinnen: hinunderrinnen,
demanare. Stieler 1612.
rücken: etwas weiter hinunter rücken,
auf einen unteren platz. rufen: ruf hinunter, dasz das rosz nicht geführt werde. Klopstock 8, 199.
rutschen: so rutscht der plunder unter mir ab und ich zehn rheinländische schuh lang hinunter. Schiller
räub. 3, 2.
saufen: hinundersaufen,
deglutire sorbillando, exsorbere. Stieler 1685.
schäumen: ich stand am hange des felsen, und sah hinunter schäumen den strom. Klopstock 8, 200.
schieben: an beiden seiten schrittsteine, die jeder laden- und werkstattbesitzer mit unablässigem kehren reinlich hält, indem er alles in die mitte hinunterschiebt. Göthe 28, 101.
schieszen: wenn auf dem langen strom das menschengeschlecht in tausend wiegen und särgen hinunterschieszet. J. Paul
Titan 2, 87.
schlängeln, reflexiv: wie reiszend schlängelt sich der Arno, von der sonne vergoldet, hinunter! Klinger 1, 38.
schleichen: die treppe hinunter schleichen.
schlingen: beschäftigte sich blosz, die gerichte, die er nachzuholen hatte, eifrig hinunterzuschlingen. Göthe 25, 363; wer wird künftig deinen kleinen lehren speere werfen und die götter ehren, wenn hinunter dich der Xanthus schlingt? Schiller
räuber 4, 4.
schlucken: wir sehen, das etliche menschen ein teil sünden gar leichtlich hinunterschlucken, die andern fast in der kehle stecken bleiben: mancher würget sich an einer mücke, wann ein ander einen kamel hinunterschlucket. Butschky
Patm. 893; ich schütte das pulver in ein glas, giesze wasser dazu. rühre es, und so wie sie das hinuntergeschluckt haben, ziehen sie ein saures gesicht. H. Heine 2, 246; ich kann die halben gläser (
arznei) .. hinunter schlucken. Göthe 11, 154.
schmeiszen: ihren advocaten will ich zur treppe hinunterschmeiszen und sie durchs fenster. Rabener
werke 3, 222.
schummeln, reflexiv: ich aber schumelt mich die stiege hinunter.
Simpl. 3, 350
Kurz. sinken: ich sank hinuntern zu der berge gründe.
Jona 2, 7.
springen: vom wagen hinunter springen,
de rheda desilire. Steinbach 2, 648; in einen abgrund hinunter springen,
in abyssum desilire. das. steigen: Jona war hinunter in das schiff gestiegen, lag und schlief.
Jona 1, 5; man steigt sechzig stufen hinunter, in eine gruft. Göthe 28, 61; dasz, wenn deine ohren nicht lust haben, in meine brust hinunterzusteigen, mein herz dir halbwegs auf meiner zunge entgegen kommen soll. Schiller
Fiesko 1, 3.
stoszen: du wirst sie hinuntern stoszen in die tiefe gruben.
ps. 55, 24; da wichen sie auf eine seiten am berg, und bunden Achior an einen bawm, mit henden und füszen, und stieszen in hinunter, und lieszen in also hangen.
Judith 6, 9; du Capernaum, die du bist erhaben bis an den himel, du wirst bis in die helle hin unter gestoszen werden.
Matth. 11, 23; mein vater .. hat meine mutter einmal die ganze treppe hinunter gestoszen, weil sie ihm widersprochen hatte. Gellert 3, 238; wenn man sie gegenwärtig unter fremde menschen hinunter stiesze (
aus einer bessern lage in eine geringere). Göthe 17, 166.
stürzen, intransitiv: in den keller hinunter stürzen,
praecipitem in cellam deferri. Steinbach 2, 764;
reflexiv: erstarrt, ohne sinne, steht sie vor einem abgrunde .... und blind, in die enge gepresst von der entsetzlichen noth ihres herzens, stürzt sie sich hinunter. Göthe 16, 71;
transitiv: das schicksal stürzet, früh oder spät, das lied des schalen reimers und des dichters in der vergessenheit nacht hinunter. Hölty 88
Halm. mit ungewöhnlicher dativer fügung: wenn du nicht schweigst, pack ich dich zusammen und stürz dich dem fenster hinunter. Klinger
theater 2, 137.
für hastig trinken: er stürzte ein glas wein hinunter.
tragen: einen koffer die treppe hinunter tragen; man trägt den arbeitern einen schoppen wein in den hof hinunter.
treiben: hinundertreiben,
detrudere. Stieler 2322.
treten: und giengen durch die lange gassen, gar langsam und gravitätisch hinunter zu tretten.
hist. v. Laz. de Tormes 68.
trinken: nur frisch hinunter getrunken, frau schwägerin! es schmeckt wie ein sirup so süsze. Gellert 3, 406.
wälzen: hinunderwälzen,
advolvere. Hederich 1305.
wehen: jenes lüftchen, welches schon säuselt, ihn mit stiller kühlung ins grab hinunterzuwehen. Klopstock 5, 91 (
Mess. 11, 1366).
werfen: einen die treppe hinunter werfen; (
das unglück) welches mich nimmermehr so weit hinunter hätte werfen können, da es mich nit zuvor durch solche falsche blick angeschauet und so hoch erhaben hätte.
Simpl. 1, 380
Kurz. würgen: eine speise hinunter würgen; ihm sagen musz ich, wie ich von ihm scheide. er mag zusehen, wie er das wort hinunterwürgt in sein freudloses herz. Freytag
handschrift 3, 266.
ziehen, intransitiv: vom berg hinunter ziehen in das thal;
transitiv: hängen auch alle schmierer und reimer sich an dich, sie ziehen dich nicht hinunter, doch du ziehst sie auch schwerlich hinauf. Schiller
xen. 97 (
werke 1, 330
Kurz).
zwingen: da liefe ich hinaus (
aus dem keller), als wann mich der diebsburger gejagt hätte, wäre auch vom allergrösten durst nicht mehr hinunter gezwungen worden, wann schon lauter hippocras und malvasier darinn gelegen.
Simpl. 3, 335
Kurz; kann er sein herz so tief hinunterzwingen, so mag er keck das ärgste nur vollbringen. Tieck
Genov. s. 139.