ungeld,
n. (
m. f.),
gegenstück zu geld.
ags. ungild;
ahd. (h)ungelt;
mhd. mnd. ungelt;
mnl. ongelt;
nl. ongeld;
westfläm. westfries. ongeld(en);
ostfries. ungeld (
altfries. urield
übergeld);
schwed. omgäld (Heinrich
handl. 1835, 2, 408
a), omgelder (Ihre 1769, 2, 286),
wohl aus dem nd. die frühe verbreitung und die bodenständigkeit in den deutschen mundarten lassen eher auf alte gemeinsamkeit der bildung als auf übersetzung aus indebitum (Weigand-Hirt 2, 1115;
einwirkung des lat. begriffs ist zuzugeben, an wortübersetzung aus impensa mit Ihre
nicht zu denken)
schlieszen und widersprechen der neigung, den engen rechtsbegriff des späteren ungelds (
s. 6)
in den vordergrund zu rücken, diesen als unnamen (Wagner
das ungeld in den schwäb. städten 102)
zu fassen und anecdotisch (Eiselein 610, Wander 4, 1431)
zu erklären. das verhältnis zu geld
ist vieldeutig: im sinne des einfach verneinenden un IV A
ist ungelt
ursprünglich indebitum, gs. von gelt
debitum; un IV B
liegt in bed. 3, 4
und in der volksetymologischen auffassung der bed. 6 (
s.un IV B 4)
vor; die entwerthung des präfixes (un IV C)
tritt im wechsel von gelt
und ungelt (Hugo v. Trimberg
renner 2223
var. Ehrismann)
sowie in der verb. geld und ungeld (B 1)
zu tage. ein úngld
heidengeld, '
ungeheuer grosze summe' Veith
wb. 1913, 2, 565
a (un IV D.
vgl. Riezler
gesch. Baierns 3, 735
a.)
ist kaum üblich. die lebendige fortentwicklung des wortes erweist sich an die ursprüngliche vorstellung von geld
als leistung, schuldigkeit gebunden; als diese schwand und das tote zahlungsmittel an die stelle trat, erlosch für das allgemeine sprachbewusztsein die beste triebkraft seines lebens (
ein eigentliches gth. von geld
als zahlmittel giebt es nicht),
während man vergeblich durch volksetymol. umdeutung in pecunia odiosa, umgeld, ohmgeld
für das verlorene ersatz zu schaffen suchte; Kilian 434
b nimmt sogar on
für ohne, 'exactiones enim ... marsupium pecuniis vacuum faciunt'.
die schriftsprache überläszt das wort, abgesehen von geschichts-, staats- und rechts- u. s. f. wissenschaftlicher darstellung, heute im wesentlichen den mundarten und berufssprachen. AA.
geschlecht und formen. A@11)
wie bei geld (1 e)
reicht das neben dem n. stehende alte m. (Schmeller 1, 907)
bis in die frühnhd. zeit: unsern ungelt
österr. weisth. 6, 31, 28 (
Wolkenstein 1478);
urk. Max. I. 52; 171; der ungelt Brant
layensp. 32
b;
weisth. 6, 310 (1588).
sonst ist das n., auch in den ma., allgemein (
eine ausnahme wäre das, aber nicht gesicherte m. bei Kleemann
nordthür. 24
b).
schwach sind spuren des f. (
s.gelte,
f. Staub-Tobler 2, 240): undgelte
mon. Boica 33
a, 177;
latinisiert ungelta (Du Cange 8, 369
a; Haltaus 1933; Wagner 57)
neben gewöhnlichem ungeltum (Du Cange, Haltaus
a. a. o.; Jelinek 764; ungeldum Schöpflin
Als. dipl. 1, 112). A@22)
für die formerscheinungen, die ungeld
mit geld
gemein hat, wird auf th. 4, 1, 2, 2890
verwiesen; zu d < t Fischer
schwäb. 3, 274; ungel
renner 2223
var. ungelin (Du Cange 8, 368
c)
sicher verlesen; Tieck 15, 344
l. umbgelten. A@33)
plur. in älterer spr. die ungelt
städtechr. 4, 165, 10 (1396); ir stüren, umbgelt, zöll
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 2; die zöll, ongelt und gefell Münster
cosm. 369; von wegen etlicher newen umbgelt
M. Beuther
ord. verzeichnisz (1561) 5
b.
mnl. nl. fläm. fries. on(un)gelden.
seit dem. 17.
jh. ungelter, ungelder: die zöll und ungelter Krämer
leben u. t. thaten (1681) 629; ungelder Hippel 13, 133; ohmgelder Schanz
steuern d. Schweiz (1890) 1, 41.
im dat. umgelten (
Simpl. 211
Kögel)
hält sich der widerstand gegen das neue er
am längsten. wie im nl. fläm. fries. überwiegt in den ma. der gebrauch des plur., während bisweilen der sing. verfällt; z. b. Schambach 243
a; Bauer-Collitz 108
a; Hentrich 93; unjalder Liesenberg 144; ûngèler Hertel
Thür. 105.
vereinzelt ungelde
Rigische bursprake des 17.
jhs. Napiersky
quellen 247, 59; Schütz
Pruss. 139; Schmeller
bildete einmal 'ungelte
undinge von abgaben' 1, 907. A@44)
wenn schon mhd. (Lexer 2, 1845) umgelt(er)
für ungelt(er)
erscheint, so hat das ursprünglich rein lautliche bedeutung (
s.un I B 8),
wird aber, wieder schon mhd., zum anlasz für umdeutungen: Umgelter von Deissenhausen
freiherrliches geschlecht des 13.
jhs.; umbgelt, umbegelt Lexer
a. a. o.; man dachte an 'um
circa von haus zu haus' (Frisch 2, 404
a),
an eine auf den warenumsatz gelegte steuer, an eine verlegung (
umlage)
der steuer auf die pflichtigen (Staub-Tobler 2, 245),
an eine besteuerung gelegentlich eines wechsels im besitz oder standort (Martin-Lienhart 1, 216
b),
an eine abgabe von dem in umlauf gebrachten gelde (Braun
orth. wb. 271
a)
u. s. w. vgl. ummen-, usegeld Staub-Tobler 2, 241. 246.
je unsichrer das sprachgefühl dem worte gegenüber wurde (Heynatz
sprach ihm antib. 2, 521
überhaupt einen rechten bestimmten begriff ab),
desto mehr überwucherten die formen mit m,
deren begründung dann auch (Wachter 1739 '
aus omengelt'; Frisch
a. a. o.)
versucht wurde. Adelung
erklärte sich für ungeld, Campe
verwarf umgeld.
die wörterbücher vertreten umgeld
oft (
z. b. Frisius 1349
a; Besold
thes. 1, 966
a; Dentzler 319
b; Schwan 823
b; Voigt
geschäftsf. 1807, 2, 524.
zuletzt Tolhausen 694
c; Veith 1913, 2, 561
a)
und in der neueren sprache ist es immerhin noch häufiger als ungeld (
z. b. allg. d. bibl. 3, 2, 29; 61, 92; 84, 272; 104, 489; Schmidt
g. d. Deutschen 3, 279; Nicolai
reise 1, 196; J. v. Müller 2, 177; 12, 45; Schlosser
weltg. 12, 22; Pestalozzi 1, 47; Zschokke 6, 309; Ranke 1, 142; 38, 6; Häusser 1, 353; Endres
waldbenutzung 66;
hwb. der staatswiss. 2, 180; umgelder
tränkesteuern 4, 547.
s. auch umgelder,
m.). umgelt, ungelde
morbus regius Höfler 188
b gehörte zu gelbde 891
b. A@55)
durch den wechsel von um
und om (Stumpf
bei Frisch 2, 404
a; Staub-Tobler 1, 224)
vorbereitet, tritt hauptsächlich in den nebenländern des Rheins seit dem 16.
jh. die form ohmgeld (Staub-Tobler 2, 242; Martin-Lienhart 1, 216
b; ohmengeld Zedler 49, 973)
auf, in volksetymologischer anlehnung an ohm
ama (
th. 7, 1200);
umdeutung auf ein weinmasz lag um so näher, '
da das weinungeld vielleicht die älteste und auch wieder die gegenwart überdauernde form der abgabe ist' Staub-Tobler 2, 245;
die ohmgelder
sind erst 1887
beseitigt Schanz
steuern der Schweiz 1, 42.
an befürwortern dieser deutung hat es nicht gefehlt (Wachter, Frisch, J. v. Müller 18, 396); Haltaus
und Adelung
lehnten ohmgeld
ab. Campe
verwarf es als landschaftlich, für die büchersprache untauglich. A@66)
einige formen mit eingeschobenem t(d) (vndgelt Diefenbach 34
c; undgelte
s. o.; un I B 5)
können die umdeutung in entgeld
nicht stützen; s. B 5. A@77)
das sonst selbständige ahd., mhd., md., mnd., nd., mnl. ingelt(d) (
th. 4, 2, 2114; Schmeller 1, 907; Diefenbach 34
c,
nov. gl. 315
a; Haltaus 1016; Lexer 1, 1432;
brem. wb. 2, 496; '
ein in gütern bestätigtes capital, das seine renten abwirft' Dähnert 206
b; Krünitz 196, 275;
mnd. auch ingelder,
m., der ingelt
schuldet)
wird in gloss. (Diefenbach 34
c)
unter angaria zu unrecht mit ungelt
zusammengeworfen; auch Schmeller
stellte ingelt
redditus der Prudentiusgl. unter ungelt. A@88)
bei der darstellung der bed. sind die formen un-, um-, ohmgeld
nicht zu scheiden. BB.
bedeutung und gebrauch. B@11)
leistung oder auflage, die, eigentlich ohne gegenleistung, unvergolten, nicht in den bereich der pflichtleistung fällt; begriffsverwandt sind unschuld (
s.schuld II 1),
mnd. unplege, unplicht,
mnl. onplicht
nichtverpflichtung, immunitas, unrecht: hungelt 1
ovem tremissem valentem (1030
salb. v. St. Emmeram) Schmeller 1, 907; ich .. han daʒ selb gut dem guten herren sand Peter und sinem gotshause aufgegeben und han es herwider gewunnen ze leibgeding ze mein aines leib, den turn datz Grösten ... und alleʒ, daʒ ich in der gegent datz Grösten han von dem pistum ze Regenspurch, eʒ sei verlihen oder unverlihen, eʒ sein Aekcher, wis, wismat, visch, waid, geiaide, vörst, holz, swaig, gelt und ungelt, aigen, läut, edel und unedel, arm und reich, versuht und unversuht, gebauen und ungebauen, waʒʒer und waʒʒerlauf
urk. 1295 Ried
cod. chr.-dipl. ep. Ratisbon. 1, 691;
vgl. pflicht und unpflicht,
schuld und unschuld, recht und unrecht
u. dgl. sp. 26, 3.
mnd. ungelt ofte unplege
wb. 5, 48
b.
ags. ungild
an improper tax Bosworth-Toller 1117
a.
s. auch bede
precaria. wenn später ungelt (6)
mit compulsio, zwang wiedergegeben wird, so ist das scheinbar das gegentheil, thatsächlich ist eine andere seite des begriffs erfaszt. B@22)
was über eine als norm betrachtete leistung hinausgeht, zur eigentlichen leistung als aufschlag, spesen, unkosten, trinkgeld, guter wille u. s. w. hinzutritt; abgabe, wofür es nach anschauung des sprechenden streng genommen keine wirkliche gegenleistung gibt. die rechtliche natur der in betracht kommenden einzelnen leistungen ist sehr verschieden und unfest; s. das d. rechtswb.: mnl. unkosten, gerichtskosten, beiträge zur gilde, wb. 5, 602
f.; beiträge zur schützengesellschaft Staub - Tobler 2, 241.
un- und nebenkosten mnd. wb. 5, 48
b. 51
a mit ungerat, unrat
wechselnd; 1000 scheffel abir, ... die kosten 40 ℔. mit allem ungelde
handelsr. d. d. ordens 15
b u. o. Sattler; treszlerbuch 10, 1; 95, 26
Joachim; umgeld, die umpflicht, die unkosten Ludwig 1716, 2222; geld
und ungeld
wie kosten
und unkosten
th. 5, 1857; er berechnet (
von herausgabe einer charte) 20 000 fl. profit nach abzug der ungelder Hippel 13, 133;
erpreszte trinkgelder bei lösung aus der gefangenschaft (1600)
quelle bei Haltaus 1933;
aufschlag beim kaufpreis Schuermans
vlaamsch. id. 425
a; De Bo 672
a;
nl. wb. 10, 1607; '
das geld, welches nicht in den haushalt verwendet wird, z. b. gerichtskosten, steuern u. s. w.' Kleemann
nordthür. 24
b;
steuern, un nöthige ausgaben Hentrich
Eichsf. 93; Hertel
sprachsch. 105; Liesenberg 144;
steuern u. sonstige abgaben Bauer-Collitz 108
a;
abgabe, kosten, procesz- u. executionskosten Stürenburg 298
b; '
unkosten, ... zölle, steuern u. s. w. oder überhaupt jede geldausgabe, wofür man kein entsprechendes werthobject erhält' Doornkaat-Koolman 3, 471
a (
ersichtlich hat bei der worterläuterung hin und wieder ungeld 6
eingewirkt);
unkosten, die mit dem hausierbetriebe verbunden sind, mündlich aus Hessen; unerwartete ausgaben aus Frankenberg in H. (E. Liesegang);
standgeld der krämer auf jahrmärkten Staub-Tobler 2, 243;
in der bergmannsspr. '
derjenige theil des gedinggeldes, welcher bei einem verdingen von häuerarbeiten auf die von dem arbeiter zu tragenden kosten ... gerechnet wird' Veith 514 (
mit der gesuchten und unrichtigen erklärung: ungeld wol = nichtgeld, weil es nicht für die ausgeführte arbeit, sondern für die auslagen, welche der arbeiter dabei gehabt hat, gezahlt wird);
in der seemannsspr. unkosten (also sal et oc wesen in allerleye ungelt, dat in schepes borth vallen mach
Rigische statuten 196, 199
Napiersky; vgl. ungherat an watere und an lande
Hans. urkb. 2, 309, 704;
für ungherat: ungelt 2, 203, 476),
spesen Kluge 803;
nl. kleine havarien, schiffsunkosten wb. 10, 1607, 1; 'umgeld
oder ungeld
heiszen alle abgaben, welche die zu schiffe ankommenden oder abgehenden waaren zu entrichten haben und die der abrechner unter der rubrik umgelder
in seiner rechnung aufführt (
Danzig)' v. Klein 2, 205; '
im seehandel und seerechte versteht man unter umgeld
die kleine abgabe, welche die kaufleute, die in eines andern schiff laden, dem schiffer über die fracht bezahlen, und was den schiffern an kapplaken bewilliget wird' Campe; das kein bürger noch gesell ungelde auszgeben soll für schipper, Süderseeische, Littower oder Reussen, als da ist wagegeld, trägergeldt oder wasserley ungelde das sein mag
Rigische bursprake 247, 59
Napiersky (235, 81). B@33)
unnütze, überflüssige ausgaben, verschwendung: ungelden un stât drükken mennig man noch lât Doornkaat-Koolman 3, 471
a.
vgl. 2. B@44)
entgangene, nicht genossene einkünfte, wie gelt
ja auch schuld und einkommen (Staub-Tobler 2, 287; geld 3 e
und 3 a
β)
bezeichnen kann; also ungefähr gth. von ahd. ingelt
redditus: wider schick ir all ding, die ir sind, und alles das ungelt (
reditus) der ecker
erste d. bib. 5, 379, 51 (
4 kön. 8, 6). B@55)
unsicher bleibt die bed. ersatz, entgelt, die Schmeller 1, 907
f. an zwei stellen gefunden haben wollte; in beiden fällen genügt die bed. '
abgabe'.
freilich erscheint im mnl. ongelt geven
für ontgelden (
wb. 5, 603)
und triungelda
dreifache erstattung Lazius im
brem. wb. 2, 496.
vgl.A 6. B@66)
seit dem 12.
jh. ist ungeld
zum bestimmten rechtsbegriff geworden, der indirecte landesherrlich - städtische abgaben bezeichnet (Wagner 11),
wesensgleich mit der accise (
handwb. d. staatswiss. 7, 337; 8, 94),
verwandt mit der bede (Wagner 120).
insofern indebitum quod ungelt dicitur (1270), census indebitus,
als etwas zu dem pflichtmäszigen, alten zollsatze, dem debitum
hinzutretendes betrachtet wurde (Zeumer
d. d. steuern 92),
flieszt die bed. unmittelbar aus bed. 1;
wie nahe aber die umdeutung in eine ungehörige, übermäszige, lästige abgabe lag, lehren schon die ags. beispiele Bosworth - Toller 1117
a;
so wurde auch angaria pro qualibet vexatione
mit ango
in verbindung gebracht Du Cange 1, 249
a,
thes. 2, 43;
fremde und bürger konnten das u.
als unbillig empfinden (Wagner 95. 114. 99);
s. Hugo v. Trimberg
ob. sp. 21;
oft war es anlasz zu unruhen und aufständen. früher als eine abart des zolles bezeichnet, wird es bald selbständig neben steuer, zoll und andern landesherrlichen rechten genannt; Wagner 92, 101; Haltaus 1933.
über die sachlichen, rechtlichen, zeitlichen und örtlichen verschiedenheiten dieses ungelds s. das rechtswörterbuch und die fachliteratur. in urk. und glossaren erscheint es neben telonium, tributum, exactio, vexatio, pecunia extorsa, compulsio, depactio, gabellum, amenagium, angaria, angarium, vectigal, datio, tallia, steura, stura (
s.unsteuer), muta, collecta, assisia
u. dgl. mit zahllosen begriffsverwandten ausdrücken wie accise,
aufsatz, aufschlag, excise, zise, bede, zoll, dätz, schatzung (schatzgeld
und umbgeld
in Solothurn geschieden Frisch 2, 404
a), zwang, umschlag, dinggeld, weggeld, wagengeld
u. s. w. engl. evil toilt,
rom. mala tolta
u. s. f. vgl. unpfennig, böspfennig,
unsteuer.
die geschmeidigkeit, die der anwendung in der ä. spr. und in der ma eignet (
auch für personal- und vermögenssteuer, groszes u.
im gegensatz zur warenumsatzsteuer Staub-Tobler 2, 243, 245; Vilmar 424; Campe
verd. 79
a;
übergang von B 2
zu 6
liegt nahe),
ist in der neueren sprache verloren gegangen; u.
wurde immer mehr auf getränkesteuern, zuletzt die weinaccise eingeschränkt. seit Adelung
in den wbb. meist als landschaftlich aufgeführt, sein schwinden bezeugen für das 19.
jh. ausdrücklich Weigand
syn. 3, 862
und Vilmar 424.
bis ans ende des 19.
jhs. hat die politische ohmgeldfrage
in der Schweiz das wort und seine sippe lebendig erhalten. B@6@aa)
die abgabe selbst. B@6@a@aα)
die lit. stellen sind meist rechtlich unbestimmt. meine regenten thu ich leren, das sie ir schätz und reichtumb mehren durch vil aufsetz und schinderey, zöll, meut und ungelt mancherley Sachs 3, 184, 28
Keller, wann sie allein das ungelt haben, gott geb, wie hausen solche knaben Montanus 444
neudr.; Thurneysser
th. 4, 2, 1326; wo kümpt schatzung und ungelt her, welches sich jmmer höher mehrt Eyering 2, 194; ich weisz um alle ihre anlagen, aufschläge, dätz, umgeld und andere gefälle Zend a Zendoriis
wintern. 343; so fiengen sie auch an, die ... geistlichkeit mit umgeld, accisen und schatzungen zu belegen Schmidt
g. d. Deutschen 3, 279; wie ... ungeld und schatzung und falsche münze unerhört sei Gervinus
g. d. d. dicht. 2, 181.
da bed. 2
und 6
aneinandergrenzen, sind unklarheiten auch sonst unvermeidlich; '
es scheint, dasz ehedem, wenigstens in manchen gegenden, ungeld
eine jede auflage und abgabe, besonders in den städten, bezeichnet habe' Adelung; '
in der nd. volksspr. findet sich für jede art von steuer das bedeutende wort ungeld ...
dieses paszt aber nur für die drückenden steuern, die von ungerechten und unmilden staatsverwesern ohne noth aufgelegt werden' Campe
verd. wb. 79
a.
nl. lasten, zölle, gemeenlandsongelden
wb. 10, 1607. B@6@a@bβ)
im engeren sinne der rechtswissenschaft und volkswirthschaft eine indirecte abgabe, verkehrs-, innere verbrauchssteuer auf getränke (
wein, branntwein, most, bier),
fleisch, fische, vieh, korn, mehl, salz, holz, eisen, tuch u. a.; in die sachlichen einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden, zudem hat man kaum in ortsgeschichtlichen untersuchungen begonnen, den älteren stoff aufzuarbeiten. s. auch forderwein, vorwîn
weisth. 6, 384. vor jaren smeckt er (
der wein) wol, ee das in versaltzet gar das ungelt und der zol
fastnachtsp. 1105
Keller; wenn die schrifft von zol sagt, da wirt allwege das wegegelt oder ungelt .. verstanden
theatrum diab. 372
a; Apherdiani
meth. (1601) 289; ohne einige verhinderung und ungelde so wol zu lande als zur see Schütz
Pruss. 139; also sol anderer exempel nach eine anlage oder ungeld uff allerhand consumptibilia geschlagen werden
acta p. 2, 295
P.; also wird er ... die leibeigenschafften samt allen zöllen, accisen, zinsen, gülten und ungelten ... aufheben
Simpl. 211
Kögel; so wird accis durch u. ... übersetzt
allg. d. bibl. 61, 92;
gegen diese verdeutschung sprach sich Campe (
s. o.) aus; '
statt des veraltenden u.
ist nun für den begriff der verbrauchs- und verkaufsabgabe der fremde ausdruck die accise
üblich' Weigand 3, 862;
landschaftlich und in der geschichtlichen darstellung lebte u.
fort. Staub-Tobler, Schmeller
a. a. o.; Schöpf 185; Loritza 136
b; Vilmar 424; Autenrieth 144;
brem. wb. 2, 496; Schambach 243
a; Dähnert 506
a; Stürenburg 298
b; Doornkaat - Koolman 3, 471
a: es war mir sehr merkwürdig, dasz in Augsburg die direkten steuern so gering sind und das ungeld oder die konsumtionsaccise die vorzüglichste einkunft der stadt ausmacht Nicolai
reise 7, 65; 1, 196; wenn ein müllerknecht die stadt um ihr umgeld betrügt, so werden ihm die augen ausgestochen J. v. Müller 12, 45; 18, 396; Worms hob 1269 das ungeld auf Raumer
Hohenst. 5, 472; Ranke 1, 142; 38, 6; die günstigste lösung hat herzog Rudolf IV. von Österreich erzielt, der für den verzicht auf die periodischen münzerneuerungen ... das ungeld, eine getränksteuer, eintauschte Luschin v. Ebengreuth
münzk. 228.
über die ohmgelder
in der Schweiz s. o.; vgl. die zusammensetzungen bier-, branntwein-, essigungeld Siebenkees
mat. 1, 40, brauungeld Wagner 96, fleisch- Staub-Tobler 2, 243, gewand- Wagner 25, haber- Siebenkees
a. a. o., kauf- Wagner 27, krämer- 25, lager- 50, mahl- 96, mehl- Crecelius 844, Staub-Tobler 242, metzger- 243, mühle- 245, 243, reichs- Wagner 3, salz- 25, tor- 7, trank 30, verkehrs- 93, vieh- Staub-Tobler 243 (1431), weg- Wagner 35, wein- Staub-Tobler 242 (1654), wochen- 244, zuungeld
nach zuungelder Schmeller 1, 907
u. a. m. B@6@bb)
persönlich aufgefaszt: ungelt, hilff in aller welt! Murner
narrenb. 111, 21
Spanier; als thier sollt yetzt wol das ungelt sovil fressen Nas
antip. 4, 238
a. B@6@cc)
die höhe der abgabe als werthbestimmung: daselbst soll man sy mit nichte anders eren dann mit franckenwein, rheinischen oder andern wein in demselben ungelt
Nürnb. pol. 72; 71; 79
B. B@6@dd)
die verwaltung, die kasse, die erhebungsstelle, das verzeichnis der ungeldbehörde: um eines kleinen leichtvertigen nutzes wegen, den man etwo vom blatzscholder und ungelt möcht empfahen
der neu laienspiegel (1518) 26
a; die im schatzhusz oder am ungelt oder an anderen zöllen sitzen Keisersberg
postill. (1522) 4, 24
a; Staub-Tobler 2, 245;
els. 1, 216
b;
in Straszburg die erhebestelle am Gutenbergplatz Arnold
ebd. (am umgeld); die 4 fas hab ich auf dich ins ungelt lasen schreiben Paumgartner
br. 37; 28; die am umgelt stehende wein (1700) Staub-Tobler 2, 242.
vereinzelt plur.: was guots ... nit an die ungelt hie kombt (1396)
städtechr. 4, 165, 9. B@6@ee)
die einziehung: als er ufem umgelt reit (1536) Staub-Tobler 2, 245; peculatus ... wird nicht nur begangen von denen, die auff die gemeine zöll, ungeld und andere einkommen bestellt Dannhawer
cat. 2, 282. B@77)
in geistlicher übertragung (
vgl. ἀγγαρεία,
περιεργασία Christi, angaria
bei Augustinus thes. 2, 44
und oben 2): gott hat nicht gnug dran (
an den 10
geboten), er wil ein aufsatz (
in Rörers
nachschrift steht darüber ungelt) da zw haben, nempe gratiam Luther 34, 1, 163, 9
W., impositio additiva, aufgeld.
s.aufsatz th. 1, 718, 7 (6). Wurm 725, 9. —