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ungeld

ae. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungeld n.

Bd. 24, Sp. 732
ungeld, n. (m. f.), gegenstück zu geld. ags. ungild; ahd. (h)ungelt; mhd. mnd. ungelt; mnl. ongelt; nl. ongeld; westfläm. westfries. ongeld(en); ostfries. ungeld (altfries. urield übergeld); schwed. omgäld (Heinrich handl. 1835, 2, 408a), omgelder (Ihre 1769, 2, 286), wohl aus dem nd. die frühe verbreitung und die bodenständigkeit in den deutschen mundarten lassen eher auf alte gemeinsamkeit der bildung als auf übersetzung aus indebitum (Weigand-Hirt 2, 1115; einwirkung des lat. begriffs ist zuzugeben, an wortübersetzung aus impensa mit Ihre nicht zu denken) schlieszen und widersprechen der neigung, den engen rechtsbegriff des späteren ungelds (s. 6) in den vordergrund zu rücken, diesen als unnamen (Wagner das ungeld in den schwäb. städten 102) zu fassen und anecdotisch (Eiselein 610, Wander 4, 1431) zu erklären. das verhältnis zu geld ist vieldeutig: im sinne des einfach verneinenden un IV A ist ungelt ursprünglich indebitum, gs. von gelt debitum; un IV B liegt in bed. 3, 4 und in der volksetymologischen auffassung der bed. 6 (s.un IV B 4) vor; die entwerthung des präfixes (un IV C) tritt im wechsel von gelt und ungelt (Hugo v. Trimberg renner 2223 var. Ehrismann) sowie in der verb. geld und ungeld (B 1) zu tage. ein úngld heidengeld, 'ungeheuer grosze summe' Veith wb. 1913, 2, 565a (un IV D. vgl. Riezler gesch. Baierns 3, 735 a.) ist kaum üblich. die lebendige fortentwicklung des wortes erweist sich an die ursprüngliche vorstellung von geld als leistung, schuldigkeit gebunden; als diese schwand und das tote zahlungsmittel an die stelle trat, erlosch für das allgemeine sprachbewusztsein die beste triebkraft seines lebens (ein eigentliches gth. von geld als zahlmittel giebt es nicht), während man vergeblich durch volksetymol. umdeutung in pecunia odiosa, umgeld, ohmgeld für das verlorene ersatz zu schaffen suchte; Kilian 434b nimmt sogar on für ohne, 'exactiones enim ... marsupium pecuniis vacuum faciunt'. die schriftsprache überläszt das wort, abgesehen von geschichts-, staats- und rechts- u. s. f. wissenschaftlicher darstellung, heute im wesentlichen den mundarten und berufssprachen. AA. geschlecht und formen. A@11) wie bei geld (1 e) reicht das neben dem n. stehende alte m. (Schmeller 1, 907) bis in die frühnhd. zeit: unsern ungelt österr. weisth. 6, 31, 28 (Wolkenstein 1478); urk. Max. I. 52; 171; der ungelt Brant layensp. 32b; weisth. 6, 310 (1588). sonst ist das n., auch in den ma., allgemein (eine ausnahme wäre das, aber nicht gesicherte m. bei Kleemann nordthür. 24b). schwach sind spuren des f. (s.gelte, f. Staub-Tobler 2, 240): undgelte mon. Boica 33a, 177; latinisiert ungelta (Du Cange 8, 369a; Haltaus 1933; Wagner 57) neben gewöhnlichem ungeltum (Du Cange, Haltaus a. a. o.; Jelinek 764; ungeldum Schöpflin Als. dipl. 1, 112). A@22) für die formerscheinungen, die ungeld mit geld gemein hat, wird auf th. 4, 1, 2, 2890 verwiesen; zu d < t Fischer schwäb. 3, 274; ungel renner 2223 var. ungelin (Du Cange 8, 368c) sicher verlesen; Tieck 15, 344 l. umbgelten. A@33) plur. in älterer spr. die ungelt städtechr. 4, 165, 10 (1396); ir stüren, umbgelt, zöll urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 2; die zöll, ongelt und gefell Münster cosm. 369; von wegen etlicher newen umbgelt M. Beuther ord. verzeichnisz (1561) 5b. mnl. nl. fläm. fries. on(un)gelden. seit dem. 17. jh. ungelter, ungelder: die zöll und ungelter Krämer leben u. t. thaten (1681) 629; ungelder Hippel 13, 133; ohmgelder Schanz steuern d. Schweiz (1890) 1, 41. im dat. umgelten (Simpl. 211 Kögel) hält sich der widerstand gegen das neue er am längsten. wie im nl. fläm. fries. überwiegt in den ma. der gebrauch des plur., während bisweilen der sing. verfällt; z. b. Schambach 243a; Bauer-Collitz 108a; Hentrich 93; unjalder Liesenberg 144; ûngèler Hertel Thür. 105. vereinzelt ungelde Rigische bursprake des 17. jhs. Napiersky quellen 247, 59; Schütz Pruss. 139; Schmeller bildete einmal 'ungelte undinge von abgaben' 1, 907. A@44) wenn schon mhd. (Lexer 2, 1845) umgelt(er) für ungelt(er) erscheint, so hat das ursprünglich rein lautliche bedeutung (s.un I B 8), wird aber, wieder schon mhd., zum anlasz für umdeutungen: Umgelter von Deissenhausen freiherrliches geschlecht des 13. jhs.; umbgelt, umbegelt Lexer a. a. o.; man dachte an 'um circa von haus zu haus' (Frisch 2, 404a), an eine auf den warenumsatz gelegte steuer, an eine verlegung (umlage) der steuer auf die pflichtigen (Staub-Tobler 2, 245), an eine besteuerung gelegentlich eines wechsels im besitz oder standort (Martin-Lienhart 1, 216b), an eine abgabe von dem in umlauf gebrachten gelde (Braun orth. wb. 271a) u. s. w. vgl. ummen-, usegeld Staub-Tobler 2, 241. 246. je unsichrer das sprachgefühl dem worte gegenüber wurde (Heynatz sprach ihm antib. 2, 521 überhaupt einen rechten bestimmten begriff ab), desto mehr überwucherten die formen mit m, deren begründung dann auch (Wachter 1739 'aus omengelt'; Frisch a. a. o.) versucht wurde. Adelung erklärte sich für ungeld, Campe verwarf umgeld. die wörterbücher vertreten umgeld oft (z. b. Frisius 1349a; Besold thes. 1, 966a; Dentzler 319b; Schwan 823b; Voigt geschäftsf. 1807, 2, 524. zuletzt Tolhausen 694c; Veith 1913, 2, 561a) und in der neueren sprache ist es immerhin noch häufiger als ungeld (z. b. allg. d. bibl. 3, 2, 29; 61, 92; 84, 272; 104, 489; Schmidt g. d. Deutschen 3, 279; Nicolai reise 1, 196; J. v. Müller 2, 177; 12, 45; Schlosser weltg. 12, 22; Pestalozzi 1, 47; Zschokke 6, 309; Ranke 1, 142; 38, 6; Häusser 1, 353; Endres waldbenutzung 66; hwb. der staatswiss. 2, 180; umgelder tränkesteuern 4, 547. s. auch umgelder, m.). umgelt, ungelde morbus regius Höfler 188b gehörte zu gelbde 891b. A@55) durch den wechsel von um und om (Stumpf bei Frisch 2, 404a; Staub-Tobler 1, 224) vorbereitet, tritt hauptsächlich in den nebenländern des Rheins seit dem 16. jh. die form ohmgeld (Staub-Tobler 2, 242; Martin-Lienhart 1, 216b; ohmengeld Zedler 49, 973) auf, in volksetymologischer anlehnung an ohm ama (th. 7, 1200); umdeutung auf ein weinmasz lag um so näher, 'da das weinungeld vielleicht die älteste und auch wieder die gegenwart überdauernde form der abgabe ist' Staub-Tobler 2, 245; die ohmgelder sind erst 1887 beseitigt Schanz steuern der Schweiz 1, 42. an befürwortern dieser deutung hat es nicht gefehlt (Wachter, Frisch, J. v. Müller 18, 396); Haltaus und Adelung lehnten ohmgeld ab. Campe verwarf es als landschaftlich, für die büchersprache untauglich. A@66) einige formen mit eingeschobenem t(d) (vndgelt Diefenbach 34c; undgelte s. o.; un I B 5) können die umdeutung in entgeld nicht stützen; s. B 5. A@77) das sonst selbständige ahd., mhd., md., mnd., nd., mnl. ingelt(d) (th. 4, 2, 2114; Schmeller 1, 907; Diefenbach 34c, nov. gl. 315a; Haltaus 1016; Lexer 1, 1432; brem. wb. 2, 496; 'ein in gütern bestätigtes capital, das seine renten abwirft' Dähnert 206b; Krünitz 196, 275; mnd. auch ingelder, m., der ingelt schuldet) wird in gloss. (Diefenbach 34c) unter angaria zu unrecht mit ungelt zusammengeworfen; auch Schmeller stellte ingelt redditus der Prudentiusgl. unter ungelt. A@88) bei der darstellung der bed. sind die formen un-, um-, ohmgeld nicht zu scheiden. BB. bedeutung und gebrauch. B@11) leistung oder auflage, die, eigentlich ohne gegenleistung, unvergolten, nicht in den bereich der pflichtleistung fällt; begriffsverwandt sind unschuld (s.schuld II 1), mnd. unplege, unplicht, mnl. onplicht nichtverpflichtung, immunitas, unrecht: hungelt 1 ovem tremissem valentem (1030 salb. v. St. Emmeram) Schmeller 1, 907; ich .. han daʒ selb gut dem guten herren sand Peter und sinem gotshause aufgegeben und han es herwider gewunnen ze leibgeding ze mein aines leib, den turn datz Grösten ... und alleʒ, daʒ ich in der gegent datz Grösten han von dem pistum ze Regenspurch, eʒ sei verlihen oder unverlihen, eʒ sein Aekcher, wis, wismat, visch, waid, geiaide, vörst, holz, swaig, gelt und ungelt, aigen, läut, edel und unedel, arm und reich, versuht und unversuht, gebauen und ungebauen, waʒʒer und waʒʒerlauf urk. 1295 Ried cod. chr.-dipl. ep. Ratisbon. 1, 691; vgl. pflicht und unpflicht, schuld und unschuld, recht und unrecht u. dgl. sp. 26, 3. mnd. ungelt ofte unplege wb. 5, 48b. ags. ungild an improper tax Bosworth-Toller 1117a. s. auch bede precaria. wenn später ungelt (6) mit compulsio, zwang wiedergegeben wird, so ist das scheinbar das gegentheil, thatsächlich ist eine andere seite des begriffs erfaszt. B@22) was über eine als norm betrachtete leistung hinausgeht, zur eigentlichen leistung als aufschlag, spesen, unkosten, trinkgeld, guter wille u. s. w. hinzutritt; abgabe, wofür es nach anschauung des sprechenden streng genommen keine wirkliche gegenleistung gibt. die rechtliche natur der in betracht kommenden einzelnen leistungen ist sehr verschieden und unfest; s. das d. rechtswb.: mnl. unkosten, gerichtskosten, beiträge zur gilde, wb. 5, 602 f.; beiträge zur schützengesellschaft Staub - Tobler 2, 241. un- und nebenkosten mnd. wb. 5, 48b. 51a mit ungerat, unrat wechselnd; 1000 scheffel abir, ... die kosten 40 ℔. mit allem ungelde handelsr. d. d. ordens 15b u. o. Sattler; treszlerbuch 10, 1; 95, 26 Joachim; umgeld, die umpflicht, die unkosten Ludwig 1716, 2222; geld und ungeld wie kosten und unkosten th. 5, 1857; er berechnet (von herausgabe einer charte) 20 000 fl. profit nach abzug der ungelder Hippel 13, 133; erpreszte trinkgelder bei lösung aus der gefangenschaft (1600) quelle bei Haltaus 1933; aufschlag beim kaufpreis Schuermans vlaamsch. id. 425a; De Bo 672a; nl. wb. 10, 1607; 'das geld, welches nicht in den haushalt verwendet wird, z. b. gerichtskosten, steuern u. s. w.' Kleemann nordthür. 24b; steuern, un nöthige ausgaben Hentrich Eichsf. 93; Hertel sprachsch. 105; Liesenberg 144; steuern u. sonstige abgaben Bauer-Collitz 108a; abgabe, kosten, procesz- u. executionskosten Stürenburg 298b; 'unkosten, ... zölle, steuern u. s. w. oder überhaupt jede geldausgabe, wofür man kein entsprechendes werthobject erhält' Doornkaat-Koolman 3, 471a (ersichtlich hat bei der worterläuterung hin und wieder ungeld 6 eingewirkt); unkosten, die mit dem hausierbetriebe verbunden sind, mündlich aus Hessen; unerwartete ausgaben aus Frankenberg in H. (E. Liesegang); standgeld der krämer auf jahrmärkten Staub-Tobler 2, 243; in der bergmannsspr. 'derjenige theil des gedinggeldes, welcher bei einem verdingen von häuerarbeiten auf die von dem arbeiter zu tragenden kosten ... gerechnet wird' Veith 514 (mit der gesuchten und unrichtigen erklärung: ungeld wol = nichtgeld, weil es nicht für die ausgeführte arbeit, sondern für die auslagen, welche der arbeiter dabei gehabt hat, gezahlt wird); in der seemannsspr. unkosten (also sal et oc wesen in allerleye ungelt, dat in schepes borth vallen mach Rigische statuten 196, 199 Napiersky; vgl. ungherat an watere und an lande Hans. urkb. 2, 309, 704; für ungherat: ungelt 2, 203, 476), spesen Kluge 803; nl. kleine havarien, schiffsunkosten wb. 10, 1607, 1; 'umgeld oder ungeld heiszen alle abgaben, welche die zu schiffe ankommenden oder abgehenden waaren zu entrichten haben und die der abrechner unter der rubrik umgelder in seiner rechnung aufführt (Danzig)' v. Klein 2, 205; 'im seehandel und seerechte versteht man unter umgeld die kleine abgabe, welche die kaufleute, die in eines andern schiff laden, dem schiffer über die fracht bezahlen, und was den schiffern an kapplaken bewilliget wird' Campe; das kein bürger noch gesell ungelde auszgeben soll für schipper, Süderseeische, Littower oder Reussen, als da ist wagegeld, trägergeldt oder wasserley ungelde das sein mag Rigische bursprake 247, 59 Napiersky (235, 81). B@33) unnütze, überflüssige ausgaben, verschwendung: ungelden un stât drükken mennig man noch lât Doornkaat-Koolman 3, 471a. vgl. 2. B@44) entgangene, nicht genossene einkünfte, wie gelt ja auch schuld und einkommen (Staub-Tobler 2, 287; geld 3 e und 3 a β) bezeichnen kann; also ungefähr gth. von ahd. ingelt redditus: wider schick ir all ding, die ir sind, und alles das ungelt (reditus) der ecker erste d. bib. 5, 379, 51 (4n. 8, 6). B@55) unsicher bleibt die bed. ersatz, entgelt, die Schmeller 1, 907 f. an zwei stellen gefunden haben wollte; in beiden fällen genügt die bed. 'abgabe'. freilich erscheint im mnl. ongelt geven für ontgelden (wb. 5, 603) und triungelda dreifache erstattung Lazius im brem. wb. 2, 496. vgl.A 6. B@66) seit dem 12. jh. ist ungeld zum bestimmten rechtsbegriff geworden, der indirecte landesherrlich - städtische abgaben bezeichnet (Wagner 11), wesensgleich mit der accise (handwb. d. staatswiss. 7, 337; 8, 94), verwandt mit der bede (Wagner 120). insofern indebitum quod ungelt dicitur (1270), census indebitus, als etwas zu dem pflichtmäszigen, alten zollsatze, dem debitum hinzutretendes betrachtet wurde (Zeumer d. d. steuern 92), flieszt die bed. unmittelbar aus bed. 1; wie nahe aber die umdeutung in eine ungehörige, übermäszige, lästige abgabe lag, lehren schon die ags. beispiele Bosworth - Toller 1117a; so wurde auch angaria pro qualibet vexatione mit ango in verbindung gebracht Du Cange 1, 249a, thes. 2, 43; fremde und bürger konnten das u. als unbillig empfinden (Wagner 95. 114. 99); s. Hugo v. Trimberg ob. sp. 21; oft war es anlasz zu unruhen und aufständen. früher als eine abart des zolles bezeichnet, wird es bald selbständig neben steuer, zoll und andern landesherrlichen rechten genannt; Wagner 92, 101; Haltaus 1933. über die sachlichen, rechtlichen, zeitlichen und örtlichen verschiedenheiten dieses ungelds s. das rechtswörterbuch und die fachliteratur. in urk. und glossaren erscheint es neben telonium, tributum, exactio, vexatio, pecunia extorsa, compulsio, depactio, gabellum, amenagium, angaria, angarium, vectigal, datio, tallia, steura, stura (s.unsteuer), muta, collecta, assisia u. dgl. mit zahllosen begriffsverwandten ausdrücken wie accise, aufsatz, aufschlag, excise, zise, bede, zoll, dätz, schatzung (schatzgeld und umbgeld in Solothurn geschieden Frisch 2, 404a), zwang, umschlag, dinggeld, weggeld, wagengeld u. s. w. engl. evil toilt, rom. mala tolta u. s. f. vgl. unpfennig, böspfennig, unsteuer. die geschmeidigkeit, die der anwendung in der ä. spr. und in der ma eignet (auch für personal- und vermögenssteuer, groszes u. im gegensatz zur warenumsatzsteuer Staub-Tobler 2, 243, 245; Vilmar 424; Campe verd. 79a; übergang von B 2 zu 6 liegt nahe), ist in der neueren sprache verloren gegangen; u. wurde immer mehr auf getränkesteuern, zuletzt die weinaccise eingeschränkt. seit Adelung in den wbb. meist als landschaftlich aufgeführt, sein schwinden bezeugen für das 19. jh. ausdrücklich Weigand syn. 3, 862 und Vilmar 424. bis ans ende des 19. jhs. hat die politische ohmgeldfrage in der Schweiz das wort und seine sippe lebendig erhalten. B@6@aa) die abgabe selbst. B@6@a@aα) die lit. stellen sind meist rechtlich unbestimmt. meine regenten thu ich leren, das sie ir schätz und reichtumb mehren durch vil aufsetz und schinderey, zöll, meut und ungelt mancherley Sachs 3, 184, 28 Keller, wann sie allein das ungelt haben, gott geb, wie hausen solche knaben Montanus 444 neudr.; Thurneysser th. 4, 2, 1326; wo kümpt schatzung und ungelt her, welches sich jmmer höher mehrt Eyering 2, 194; ich weisz um alle ihre anlagen, aufschläge, dätz, umgeld und andere gefälle Zend a Zendoriis wintern. 343; so fiengen sie auch an, die ... geistlichkeit mit umgeld, accisen und schatzungen zu belegen Schmidt g. d. Deutschen 3, 279; wie ... ungeld und schatzung und falsche münze unerhört sei Gervinus g. d. d. dicht. 2, 181. da bed. 2 und 6 aneinandergrenzen, sind unklarheiten auch sonst unvermeidlich; 'es scheint, dasz ehedem, wenigstens in manchen gegenden, ungeld eine jede auflage und abgabe, besonders in den städten, bezeichnet habe' Adelung; 'in der nd. volksspr. findet sich für jede art von steuer das bedeutende wort ungeld ... dieses paszt aber nur für die drückenden steuern, die von ungerechten und unmilden staatsverwesern ohne noth aufgelegt werden' Campe verd. wb. 79a. nl. lasten, zölle, gemeenlandsongelden wb. 10, 1607. B@6@a@bβ) im engeren sinne der rechtswissenschaft und volkswirthschaft eine indirecte abgabe, verkehrs-, innere verbrauchssteuer auf getränke (wein, branntwein, most, bier), fleisch, fische, vieh, korn, mehl, salz, holz, eisen, tuch u. a.; in die sachlichen einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden, zudem hat man kaum in ortsgeschichtlichen untersuchungen begonnen, den älteren stoff aufzuarbeiten. s. auch forderwein, vorwîn weisth. 6, 384. vor jaren smeckt er (der wein) wol, ee das in versaltzet gar das ungelt und der zol fastnachtsp. 1105 Keller; wenn die schrifft von zol sagt, da wirt allwege das wegegelt oder ungelt .. verstanden theatrum diab. 372a; Apherdiani meth. (1601) 289; ohne einige verhinderung und ungelde so wol zu lande als zur see Schütz Pruss. 139; also sol anderer exempel nach eine anlage oder ungeld uff allerhand consumptibilia geschlagen werden acta p. 2, 295 P.; also wird er ... die leibeigenschafften samt allen zöllen, accisen, zinsen, gülten und ungelten ... aufheben Simpl. 211 Kögel; so wird accis durch u. ... übersetzt allg. d. bibl. 61, 92; gegen diese verdeutschung sprach sich Campe (s. o.) aus; 'statt des veraltenden u. ist nun für den begriff der verbrauchs- und verkaufsabgabe der fremde ausdruck die accise üblich' Weigand 3, 862; landschaftlich und in der geschichtlichen darstellung lebte u. fort. Staub-Tobler, Schmeller a. a. o.; Schöpf 185; Loritza 136b; Vilmar 424; Autenrieth 144; brem. wb. 2, 496; Schambach 243a; Dähnert 506a; Stürenburg 298b; Doornkaat - Koolman 3, 471a: es war mir sehr merkwürdig, dasz in Augsburg die direkten steuern so gering sind und das ungeld oder die konsumtionsaccise die vorzüglichste einkunft der stadt ausmacht Nicolai reise 7, 65; 1, 196; wenn ein müllerknecht die stadt um ihr umgeld betrügt, so werden ihm die augen ausgestochen J. v. Müller 12, 45; 18, 396; Worms hob 1269 das ungeld auf Raumer Hohenst. 5, 472; Ranke 1, 142; 38, 6; die günstigste lösung hat herzog Rudolf IV. von Österreich erzielt, der für den verzicht auf die periodischen münzerneuerungen ... das ungeld, eine getränksteuer, eintauschte Luschin v. Ebengreuth münzk. 228. über die ohmgelder in der Schweiz s. o.; vgl. die zusammensetzungen bier-, branntwein-, essigungeld Siebenkees mat. 1, 40, brauungeld Wagner 96, fleisch- Staub-Tobler 2, 243, gewand- Wagner 25, haber- Siebenkees a. a. o., kauf- Wagner 27, krämer- 25, lager- 50, mahl- 96, mehl- Crecelius 844, Staub-Tobler 242, metzger- 243, mühle- 245, 243, reichs- Wagner 3, salz- 25, tor- 7, trank 30, verkehrs- 93, vieh- Staub-Tobler 243 (1431), weg- Wagner 35, wein- Staub-Tobler 242 (1654), wochen- 244, zuungeld nach zuungelder Schmeller 1, 907 u. a. m. B@6@bb) persönlich aufgefaszt: ungelt, hilff in aller welt! Murner narrenb. 111, 21 Spanier; als thier sollt yetzt wol das ungelt sovil fressen Nas antip. 4, 238a. B@6@cc) die höhe der abgabe als werthbestimmung: daselbst soll man sy mit nichte anders eren dann mit franckenwein, rheinischen oder andern wein in demselben ungelt Nürnb. pol. 72; 71; 79 B. B@6@dd) die verwaltung, die kasse, die erhebungsstelle, das verzeichnis der ungeldbehörde: um eines kleinen leichtvertigen nutzes wegen, den man etwo vom blatzscholder und ungelt möcht empfahen der neu laienspiegel (1518) 26a; die im schatzhusz oder am ungelt oder an anderen zöllen sitzen Keisersberg postill. (1522) 4, 24a; Staub-Tobler 2, 245; els. 1, 216b; in Straszburg die erhebestelle am Gutenbergplatz Arnold ebd. (am umgeld); die 4 fas hab ich auf dich ins ungelt lasen schreiben Paumgartner br. 37; 28; die am umgelt stehende wein (1700) Staub-Tobler 2, 242. vereinzelt plur.: was guots ... nit an die ungelt hie kombt (1396) städtechr. 4, 165, 9. B@6@ee) die einziehung: als er ufem umgelt reit (1536) Staub-Tobler 2, 245; peculatus ... wird nicht nur begangen von denen, die auff die gemeine zöll, ungeld und andere einkommen bestellt Dannhawer cat. 2, 282. B@77) in geistlicher übertragung (vgl. ἀγγαρεία, περιεργασία Christi, angaria bei Augustinus thes. 2, 44 und oben 2): gott hat nicht gnug dran (an den 10 geboten), er wil ein aufsatz (in Rörers nachschrift steht darüber ungelt) da zw haben, nempe gratiam Luther 34, 1, 163, 9 W., impositio additiva, aufgeld. s.aufsatz th. 1, 718, 7 (6). Wurm 725, 9. —
20615 Zeichen · 474 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    ungeldst. N. (a)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    ungeld , st. N. (a) Vw.: s. ungield

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungêld

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Ungêld , des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein altes aber jetzt nur noch in einigen Provinzen übl…

  3. modern
    Dialekt
    Ungeld

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Ungeld , Umgeld n. Verkaufsabgabe, Zoll, lat. ‘indebitum’ Mones Zeitsch. f. Gesch. d. Oberrheins 6, 16; ‘ungelt' Bruder …

  4. Sprichwörter
    Ungeld

    Wander (Sprichwörter)

    Ungeld Es ist Ungeld. In den Zeiten, als nur wenig Menschen schreiben konnten, wurden die Steuern auf ein Kerbholz einge…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeld

47 Bildungen · 30 Erstglied · 16 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungeld

un- + geld

ungeld leitet sich vom Lemma geld ab mit Präfix un-.

ungeld‑ als Erstglied (30 von 30)

Ungelder

Campe

ungel·der

† Der Ungelder , — s, Mz . gl. derjenige, der das Ungeld einnimmt, auch Ungelter und ≠ Umgelder .

ungelder(e)

MNWB

ungel·dere

ungelder(e) , m. : Steuererheber, „ Noch voghet noch muntemester noch tolnere noch vngeldere ... schal in deme rade wesen ” (Hamb. StR ed. L…

ungeldkasse

DWB

ungeld·kasse

-kasse Staub-Tobler 244 , ungeldner, umgeltner Zschokke 31, 63 , Staub-Tobler 244 , ungeldordnung Schmeller a. a. o. , vgl. ungeldsordnung,

ungeld(ohmgeld)abgabe

DWB

ungeld(ohmgeld)abgabe Schanz steuern d. Schweiz 1, 175 , un(m)geldamt Kramer (1700) 1, 18 b ; (1719) 2, 227 b ; Nicolai reise 7, 18 ; Krünit…

Ungeldō¹k

WWB

ungel·dok

Ungel-dō¹k IdW.: Sä sǖht ūt at ’n Ungeldauk sieht sehr schlecht im Gesicht aus ( Dor Wl).

Ungeldose

RhWB

ungel·dose

Ungel-dose o·ŋ.əldū:s May-Galenbg f.: Gelenkknöchelchen beim Fangsteinsp.

ungeld((s))einnehmer

DWB

ungeld·s·einnehmer

-einnehmer J. Paul 24/26, 18 . ungelten, ungeltung s. verungelten, -ung (tailen, ungelten, partior voc. 1429 bei Schmeller 1, 907 ). —

ungeldsrecht

DWB

ungeld·s·recht

-recht Wagner 4 , ungeldseckel Staub - Tobler 244 , ungeldsteuer Schanz 1, 174 , ungeldverhältnis Wagner 54 ,

ungeldære

KöblerMnd

ungeldære , M. nhd. Steuererheber, Steuereinnehmer ÜG.: lat. coactor I.: Lsch. lat. coactor E.: s. un... (1), geldære L.: MndHwb 3, 2, 506 (…

ungeld als Zweitglied (16 von 16)

Mehlungeld

DRW

mehl·ungeld

Mehlungeld, n. städtische Mehlsteuer were meleungelt oder wineungelt ... geverlichen verhielte oder ungetrulichen damit umbgeet, der solle i…

Metzingerungeld

DRW

metzinger·ungeld

Metzingerungeld, n. Verbrauchssteuer auf Fleischwaren metzinger ungeldtt. der metzinger ungeldt gefeldt also, welcher metzinger der da ein r…

Mutt'ungeld

DRW

Mutt'ungeld, n. wie Muttgeld das mutte-ungelt hat getan 696 ℔ 15. Jh. MainzChr. I 111 Faksimile

Mühlungeld

DRW

Mühlungeld, n. wie Mühlakzise als wir von unser stette grossen notdurft wegen das muͥli ungelt von ieder vierentzal kornes, die man malet ..…

Müllerungeld

DRW

müller·ungeld

Müllerungeld, n. Steuer, die ein Müller (I) an die Stadt abführen muß mullerungelt ... alle muller sollen alles das korn und frucht, das sie…

Neungeld

DRW

neun·geld

Neungeld, n. in den Leges meist Novigeldus neunfache Buße si quis res ecclesiae furaverit et exinde probatus fuerit, unamquamque rem niungel…

Pfisterungeld

DRW

pfister·ungeld

Pfisterungeld, n. Abgabe eines ¹Pfisters (II) an die Stadt für Mühlkorn (I) vgl. Mühlungeld [Übschr.:] der eide, so die swerren soͤllend, de…

Pfundungeld

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pfund·ungeld

Pfundungeld, n. eine Verkaufsabgabe das pfundt ungeldt gefeldt also, welcher zu sanct Nabor verkauff pferdt, kiehe ... oder ander kauffman s…

Sattel'ungeld

DRW

Sattel'ungeld, n. Kompositum? Handelsabgabe, die vom Sattler zu zahlen ist hain ich entfangen ... von dem sadel ungelt, ussginge a. (14)53, …

Schenk'ungeld

DRW

Schenk'ungeld, n. auch Schenke(n)- Geldabgabe auf den Weinausschank bdv.: Schenkstattgeld, Schenkweinungeld ob aber einer leien in die coste…

Schenkwein'ungeld

DRW

Schenkwein'ungeld, n. eine Abgabe vom Weinausschank bdv.: Schenkungeld 1 ℔ 15 ß h geben die von H. al jor vor das schenkwinungelt 1496 Schri…

Schiffsungeld

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schiff·s·ungeld

Schiffsungeld, n. für ein Schiff zu leistende Abgabe soll ein jeder ... von seinen eingebrachten waaren den voͤlligen zoll nebst andern schi…

Sesterungeld

DRW

sester·ungeld

Sesterungeld, n. eine Akzise auf den Verkauf von Korn, Feldfrüchten das sester ungeldt gefelldt also, welcher frucht zu S. verkaufft und mit…

Silberungeld

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silber·ungeld

Silberungeld, n. Abgabe vom Silberhandel [städt. Einnahme:] hain ich entfangen ... in demselben jare, ussginge a. 1453 von dem golt und silb…

Stadtungeld

DRW

stadt·ungeld

Stadtungeld, n. städt. Verkaufs- und Verbrauchssteuer, Akzise setze wir umb unser stat ungelt un den nutz, der von unser stat toren get, sul…

Ableitungen von ungeld (1 von 1)

verungelden

MeckWB

verungelden a. Spr. versteuern: 'wes averst ein jeder vorhen an Renten edder Eygendom unbewechlyker gder vorungeldet' (1563) Wiechm.-Hofm. …