lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Ungêld

ae. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
25
Verweise raus
33

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Ungêld

Bd. 4, Sp. 857
Das Ungêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein altes aber jetzt nur noch in einigen Provinzen übliches Wort, eine Abgabe oder Accise von dem Getränke zu bezeichnen, wo es am häufigsten von demjenigen Getränke gegeben wird, welches einzeln verkauft und verschenkt wird, obgleich an manchen Orten auch diejenige Abgabe, welche von dem Getränke in ganzen Fässern entrichtet wird, diesen Nahmen führet. In einigen Provinzen ist es auch eine Abgabe, welche von manchen, vielleicht nur nassen Waaren, nach Schiffs- und Wagenlasten entrichtet, und von dem allgemeinern Zolle noch unterschieden wird; ja es scheint, daß ehedem, wenigstens in manchen Gegenden, Ungeld, eine jede Auflage und Abgabe, besonders in den Städten bezeichnet habe, indem es in dem mittlern Lateine so oft durch tributum erkläret wird; Ungelta vel tributum. Anm. Dieses Wort wurde ehedem und noch jetzt häufig auch Umgeld, Umbgeld, Omgelt geschrieben und gesprochen, welche letztere Schreibart Wachtern, Frischen und viele andere bewogen hat, die erste Sylbe von Ohm, Ahm abzuleiten, und dieses Wort durch eine Abgabe zu erklären, welche von dem Getränke nach der Ohme entrichtet wird, in welchem Falle man denn freylich Ohmgeld schreiben und sprechen müßte. Allein, diese Ableitung verliehret ihre Wahrscheinlichkeit, wenn man siehet, daß dieses Wort in den mittlern Zeiten, so oft und häufig von einer jeden Abgabe gebraucht, und dabey auch weit häufiger Ungeld, als Umgeld oder Ohmgeld, geschrieben wird, welche letztere Schreibart entweder ein Provinzialfehler ist, oder aus einer voraus gesetzten irrigen Ableitung entstanden seyn kann. Indessen ist die eigentliche Bedeutung der Partikel un hier so gar deutlich noch nicht. So fern dieses Wort ehedem auch die Schatzung in den Städten bedeutete, erkläret Frisch es durch Umgeld, weil eine solche Schatzung die Reihe herum, von Haus zu Hause gegeben wurde; welcher Ableitung, außer dem unnatürlichen Zwange, auch die weit ältere und häufigere[] Schreibart Ungeld entgegen stehet. Es scheinet daher die Ableitung, welche schon Gassar in Annal. Augsb. beym Menken-Script. Saxon. Th. 1. S. 1509. davon gegeben, die wahrscheinlichste zu seyn. Tributa seu collectae, quas plebs suo idiomate Vngeltam, hoc est indebitum appelare consueuit. De singulis tam negociationum mercibus, quam de potionum frumentorumque generibus etc. Noch früher heißt es in der Synode zu Aschaffenburg von 1292 in Harzheims Concil. Th. 4. S. 15: Novas etiam exactiones, quae vulgo Ungelt dicuntur, nulla civitatum instituat. Die letzte Hälfte Geld, ist hier nicht sowohl unser heutiges Geld, pecunia, als vielmehr das alte Gelt, eine schuldige Abgabe, besonders eine Geldstrafe, von gelten in der veralteten Bedeutung, zu thun oder zu zahlen schuldig seyn. Ungeld, oder vielleicht richtiger Ungelt, würde also eine Abgabe bezeichnen, zu welcher man nicht verpflichtet ist, kurz, eine freywillige Geldgabe. Es ist aus den mittlern Zeiten bekannt, daß, bey den ehemaligen eingeschränkten Hoheitsrechten der Landesherren, fast alle Abgaben nur bittweise gefordert, und freywillig entrichtet wurden, welche Freywilligkeit oft selbst durch die Nahmen derselben aufbehalten wurde; z. B. Bethe, Niedersächsisch, Bede, Precariae u. s. f. Ungelt bedeutet also am wahrscheinlichsten eigentlich eine jede freywillige Abgabe, und kommt darin mit Unpflicht überein, welches im ähnlichen Verstande gebraucht wurde, S. dasselbe. Im Schwed. sind Omgelder, Unkosten, welches Ihre als eine buchstäbliche Übersetzung des Lat. Impensae ansiehet, wo aber Om auch eine intensive Bedeutung haben kann, wie in unserm Unkosten, welche Bedeutung sich denn allenfalls auch auf unser Ungeld anwenden ließe. Die Niedersachsen haben dieses Ungeld auch, aber außer dem ist bey ihnen auch Ingeld, Zins, Interesse, welches aber so viel als Eingeld, Einkünfte zu bezeichnen scheinet. Im Schwed. ist omgelda, eine Geldstrafe bezahlen, welches Ihre durch undgelda, entgelten, erkläret. Übrigens ist von unserm Ungeld in einigen Oberdeutschen Gegenden, der Ungelder oder Ungelter, eine verpflichtete Person, welche das Ungeld einnimmt, und verungelden oder verungelten, das Ungeld von etwas entrichten.
4179 Zeichen · 40 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    ungeldst. N. (a)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    ungeld , st. N. (a) Vw.: s. ungield

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungêld

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Ungêld , des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, ein altes aber jetzt nur noch in einigen Provinzen übl…

  3. modern
    Dialekt
    Ungeld

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Ungeld , Umgeld n. Verkaufsabgabe, Zoll, lat. ‘indebitum’ Mones Zeitsch. f. Gesch. d. Oberrheins 6, 16; ‘ungelt' Bruder …

  4. Sprichwörter
    Ungeld

    Wander (Sprichwörter)

    Ungeld Es ist Ungeld. In den Zeiten, als nur wenig Menschen schreiben konnten, wurden die Steuern auf ein Kerbholz einge…

Verweisungsnetz

49 Knoten, 42 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Hub 1 Kognat 1 Kompositum 38 Sackgasse 6

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeld

47 Bildungen · 30 Erstglied · 16 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungeld

un- + geld

ungeld leitet sich vom Lemma geld ab mit Präfix un-.

ungeld‑ als Erstglied (30 von 30)

Ungelder

Campe

ungel·der

† Der Ungelder , — s, Mz . gl. derjenige, der das Ungeld einnimmt, auch Ungelter und ≠ Umgelder .

ungelder(e)

MNWB

ungel·dere

ungelder(e) , m. : Steuererheber, „ Noch voghet noch muntemester noch tolnere noch vngeldere ... schal in deme rade wesen ” (Hamb. StR ed. L…

ungeldkasse

DWB

ungeld·kasse

-kasse Staub-Tobler 244 , ungeldner, umgeltner Zschokke 31, 63 , Staub-Tobler 244 , ungeldordnung Schmeller a. a. o. , vgl. ungeldsordnung,

ungeld(ohmgeld)abgabe

DWB

ungeld(ohmgeld)abgabe Schanz steuern d. Schweiz 1, 175 , un(m)geldamt Kramer (1700) 1, 18 b ; (1719) 2, 227 b ; Nicolai reise 7, 18 ; Krünit…

Ungeldō¹k

WWB

ungel·dok

Ungel-dō¹k IdW.: Sä sǖht ūt at ’n Ungeldauk sieht sehr schlecht im Gesicht aus ( Dor Wl).

Ungeldose

RhWB

ungel·dose

Ungel-dose o·ŋ.əldū:s May-Galenbg f.: Gelenkknöchelchen beim Fangsteinsp.

ungeld((s))einnehmer

DWB

ungeld·s·einnehmer

-einnehmer J. Paul 24/26, 18 . ungelten, ungeltung s. verungelten, -ung (tailen, ungelten, partior voc. 1429 bei Schmeller 1, 907 ). —

ungeldsrecht

DWB

ungeld·s·recht

-recht Wagner 4 , ungeldseckel Staub - Tobler 244 , ungeldsteuer Schanz 1, 174 , ungeldverhältnis Wagner 54 ,

ungeldære

KöblerMnd

ungeldære , M. nhd. Steuererheber, Steuereinnehmer ÜG.: lat. coactor I.: Lsch. lat. coactor E.: s. un... (1), geldære L.: MndHwb 3, 2, 506 (…

ungeld als Zweitglied (16 von 16)

Mehlungeld

DRW

mehl·ungeld

Mehlungeld, n. städtische Mehlsteuer were meleungelt oder wineungelt ... geverlichen verhielte oder ungetrulichen damit umbgeet, der solle i…

Metzingerungeld

DRW

metzinger·ungeld

Metzingerungeld, n. Verbrauchssteuer auf Fleischwaren metzinger ungeldtt. der metzinger ungeldt gefeldt also, welcher metzinger der da ein r…

Mutt'ungeld

DRW

Mutt'ungeld, n. wie Muttgeld das mutte-ungelt hat getan 696 ℔ 15. Jh. MainzChr. I 111 Faksimile

Mühlungeld

DRW

Mühlungeld, n. wie Mühlakzise als wir von unser stette grossen notdurft wegen das muͥli ungelt von ieder vierentzal kornes, die man malet ..…

Müllerungeld

DRW

müller·ungeld

Müllerungeld, n. Steuer, die ein Müller (I) an die Stadt abführen muß mullerungelt ... alle muller sollen alles das korn und frucht, das sie…

Neungeld

DRW

neun·geld

Neungeld, n. in den Leges meist Novigeldus neunfache Buße si quis res ecclesiae furaverit et exinde probatus fuerit, unamquamque rem niungel…

Pfisterungeld

DRW

pfister·ungeld

Pfisterungeld, n. Abgabe eines ¹Pfisters (II) an die Stadt für Mühlkorn (I) vgl. Mühlungeld [Übschr.:] der eide, so die swerren soͤllend, de…

Pfundungeld

DRW

pfund·ungeld

Pfundungeld, n. eine Verkaufsabgabe das pfundt ungeldt gefeldt also, welcher zu sanct Nabor verkauff pferdt, kiehe ... oder ander kauffman s…

Sattel'ungeld

DRW

Sattel'ungeld, n. Kompositum? Handelsabgabe, die vom Sattler zu zahlen ist hain ich entfangen ... von dem sadel ungelt, ussginge a. (14)53, …

Schenk'ungeld

DRW

Schenk'ungeld, n. auch Schenke(n)- Geldabgabe auf den Weinausschank bdv.: Schenkstattgeld, Schenkweinungeld ob aber einer leien in die coste…

Schenkwein'ungeld

DRW

Schenkwein'ungeld, n. eine Abgabe vom Weinausschank bdv.: Schenkungeld 1 ℔ 15 ß h geben die von H. al jor vor das schenkwinungelt 1496 Schri…

Schiffsungeld

DRW

schiff·s·ungeld

Schiffsungeld, n. für ein Schiff zu leistende Abgabe soll ein jeder ... von seinen eingebrachten waaren den voͤlligen zoll nebst andern schi…

Sesterungeld

DRW

sester·ungeld

Sesterungeld, n. eine Akzise auf den Verkauf von Korn, Feldfrüchten das sester ungeldt gefelldt also, welcher frucht zu S. verkaufft und mit…

Silberungeld

DRW

silber·ungeld

Silberungeld, n. Abgabe vom Silberhandel [städt. Einnahme:] hain ich entfangen ... in demselben jare, ussginge a. 1453 von dem golt und silb…

Stadtungeld

DRW

stadt·ungeld

Stadtungeld, n. städt. Verkaufs- und Verbrauchssteuer, Akzise setze wir umb unser stat ungelt un den nutz, der von unser stat toren get, sul…

Ableitungen von ungeld (1 von 1)

verungelden

MeckWB

verungelden a. Spr. versteuern: 'wes averst ein jeder vorhen an Renten edder Eygendom unbewechlyker gder vorungeldet' (1563) Wiechm.-Hofm. …