tüchtig,
adj. mhd. tühtec, tühtic (
und getühtec),
mnd. duchtich,
mnl. duchtich,
nl. duchtig,
ags. dyhtig, dohtig,
engl. doughty.
zu 1tucht
virtus, mhd. tuht, duht,
mnd. ducht,
das ebenso wie tugend
als ableitung zu taugen,
vb., ahd. tugan,
mhd. tugen
gehört. anlautend d-
auszerhalb des nd. nicht selten md., vereinzelt auch obd.: düchtig Fischart
Gargantua 448
ndr.; binenkorb (1588) 78
a.
umlautlosigkeit, im mnd. die regel, begegnet auch mhd. (
md.): tuchtic Heinrich v. Hesler
apokal. 4292
Helm; tuchtig Nicolaus v. Jeroschin 23665
Str.; d. ackerm. a. Böhmen 15, 23; 16, 39
Hübner; älternhd. noch bis ins 17.
jh.: duchtig (1608)
in: mon. Germ. päd. 19, 308; (1654)
in: archiv f. kulturgesch. 7, 175;
bei Luther
halten die umgelauteten formen den umlautlosen ungefähr die wage, vgl. z. b. 15, 35
W.; 16, 243; 26, 395
gegen 10, 1, 1, 408
W.; 23, 344; 47, 323.
in der schreibung thuchtig Melanchthon
in: Luther 9, 765
W. mit entrundetem stammvokal unter mundartl. einflusz: tichtig Butschky
Pathmos (1677) 251; dichtig Schoch
studentenleb. (1657) A 5
b; Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1124
b;
regl. v. d. kgl. pr. cavall.-regim. (1748) 8, 24.
mit stammvokal -o-
in dochtig (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 605
c; Tunnicius
sprichw. nr. 609
Hoffmann. auslautsschreibung -ch
in tüchtich B. Neukirch
ged. (1744) 157.
mundartlich fehlt das wort im bair.-österreich., im schweizer. ist es nur sporadisch verbreitet, stärker im übrigen westlichen obd. und im md., während die nd. verbreitung das ostfriesische, schlesw.-holst. und mecklenburg. ausspart. hier treten verwandte zu taugen
gehörige bildungen an die stelle wie dgdelik, dgdelk, dögelik (
nhd. tauglich), dögt (
mnd. doget)
u. ä. oder aus gedeihen, gediegen
abzuleitende bildungen wie deg, dägt, dechd, dächt
usw., die z. t. auch im übrigen nd. mit düchtig
konkurrieren, vgl. die einschlägigen wbb.; nur der bedeutung nach nah, der herkunft nach aber fern steht nd. und westmd. weit verbreitetes deftig,
s. teil 2, 894. —
die mundartl. lautformen des wortes sind mannigfaltig. d-
im anlaut nd. allgemein, md. vorwiegend im westlichen gebiet, mit t-
formen gemischt im obd. der stammvokal unterliegt vielfacher veränderung, namentlich der entrundung zu -i-: dīΧtig Fischer
schwäb. 2, 439; tìchtik, tichti
in teilen des elsäss. Martin-Lienhart 2, 652; dichtech
Luxemb. 63; ticht'g Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 259; tichtich Blumer
Nordwestböhmen 28; dichtich Damköhler
Nordharz 40; Trachsel
Berlin 11; Bernd
Posen 41; Frischbier
pr. wb. 1, 154.
zum -e-
entrundet in téΧtik
bei Martin-Lienhart 2, 652; dechdich Heinzerling-Reuter
Siegerl.-wb. 37; techtig Fr. Schönig
glätz. ged. 1, 59.
selten mit -o-
als stammvokal (
auf ahd. dohta
zurückgehend?): dochdiΧ Hertel
Thür. 248; tochtig Kleemann
nordthür. 23
b. -u- für -ü-
in teilen des nd., vgl. dugtig
brem.-nds. wb. 1, 221; duchtig Böning
Oldenburg 24; (
neben düchtig) Danneil
altmärk. 42.
vereinzelt bleibt diphthongierung des stammvokals: tüechtig Hunziker
Aargau 64; tieΧtig (
Brienz)
PBB 18, 324. —
mundartliche kurzformen, mit abschleifung des bildungssuffixes (
oder einem ahd. *tuhti,
adj., entsprechend?,
s. Weinhold schles. 101;
veraltetes untucht,
adj., s. v. untucht,
f., teil 11, 3, 1168),
in tiΧti (
Straszburg) Martin-Lienhart 2, 652; tüchti Ruckert
unterfränk. 185; Sartorius
Würzburg 128; tüchte Anton
Oberlausitz 13, 20; tüchte, tichte Weinhold
schles. wb. 101; dīΧt, tiəXt
regional im schwäb. bei Fischer 2, 439; techt Fr. Schönig
glätz. ged. 1, 58. —
ein dem mhd. getühtec
ensprechendes kətiΧti, kətiΧteΧ
bei Martin-Lienhart
elsäss. 2, 652.
nach spärlicher mhd. bezeugung, deren an lat. virtus
anknüpfende bedeutungslinien sich älternhd. in schwachen ausläufern verlieren (A)
oder nur in jungem spontangebrauch wieder begegnen (
s.C 1 c
α,
γ),
findet tüchtig
seit dem 16.
jh. in der bedeutung '
brauchbar, geeignet'
eine breite anwendungsbasis (B).
von ihr aus fächert sich das wort, unter zunehmender loslösung oder umfärbung von B,
in mehreren richtungen auf, im wesentlichen seit der mitte des 18.
jhs., an einzelnen stellen schon früher. sie bestimmen den jüngeren gebrauch des wortes (
bezeichnend die aufgliederung von tüchtig
bei Adelung
vers. 4 [1780] 1097
f.)
als auszeichnender qualitätsbegriff im sinne von '
gut' (C),
als '
kräftig, gesund, derb' (D)
und namentlich als masz- und gradbegriff (
F.).
die fülle der bedeutungsschattierungen innerhalb dieser grundlinien erklärt sich aus der groszen anwendungsbreite des wortes. als besonders vielschichtig erweist sich tüchtig
im sprachgebrauch Göthes,
der es vor allem in seiner spätzeit überaus häufig verwendet (
s.C 1 b
α;
β;
γ; C 1 c
β; C 2 c; D 1 a; D 2; D 3;
vgl. dazu noch E. A. Boucke
wort u. bedeutg. in Göthes sprache [1901] 9
ff.; dt. wortgesch. 2, 201; 205; 208). AA.
in frühester bezeugung als '
ritterlich, edel, zuchtvoll, fein',
ohne dasz sich hier die bedeutungsgrenzen eindeutig festlegen lieszen, und je nach dem zusammenhang manchmal wohl nach '
tapfer'
oder nach '
kräftig, männlich'
hinneigend; bes. im nd. ist mit vermischung mit tühtich '
züchtig'
zu rechnen. zufrühest in der form getühtic,
die später nicht mehr begegnet, vgl. auch mhd. getuht
ob. s. v. 1tucht: anderhalp der frowen reit Erec als ein getühtic rîter sol Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 9023; dô ir ietwederre genuoc mit dem swerte gesluoc, dô bekumbert in alsus der getühtige Grêgôrjus daz er in zöumen began Hartmann v. Aue
Gregorius 2142; des vater zorngejeide und unser blicbeheide den sun treip zuo der meide, alsam daz eingehürne flühtic, tühtic liez er sich ir schôz besliezen Frauenlob 19
Ettmüller. als auszeichnendes prädikat auch frauen zugesprochen: vür die so wil ich guoten wan zuo miner lieben vrouwen han: diu ist so tühtic unt so fin, daz ich durch (si)wil la(ze)n die kranken minne sin
minnes. 2, 32
v. d. Hagen; si ist zühtik, tühtik, minneklich
ebenda 3, 418
b.
im nd. bis ins 16.
jh.: dat se scholden keisen hertogen Hinrike van Sassen, wente he neinen duchtigeren wuste, und men neinen beteren mochte hebben (
Magdeburg um 1350)
dt. städtechron. 7, 40; dat gy willen to enen romeschen coninghe kerzen den alder duchteghesten ridder unde den wysesten, de dar is in dudeschen lande
Lüb. chron. 1, 394
Grautoff; besunderen so vorbodede hertoge Hinrik den duchtigen knapen Diderike van Mandeslo to Zeltze by Hannovere vor sik (
Lüneburg um 1414)
dt. städtechron. 36, 100; hochgebornen forsten, werdigen, wolgebornen, edlen, gestrengen, erbaren, duchtigen, ersamen und vorsichtigen leven heren (
Braunschweig 1503)
ebenda 16, 527;
wohl vermischt mit mnd. tühtich: sus erschen Hinrik Vridag, knape, mit siner duchtigen eeliken husfruen
bei Schiller-Lübben 1, 590,
vgl. den upghemelten tuchtighenn junckferen (
Lüneburg 1540)
ebenda, sowie noch mnl. duchtigh
reverendus Kilian (1623) G 6
a.
fraglich, ob hierher: ob schon ein fürst wol tüchtig ist, so braucht er doch sein macht und list Lehman
flor. pol. (1640) 413.
auch spuren einer stärker ins sittliche zielenden bedeutung finden sich im 16.
jh., der gegenüber ein ähnlicher gebrauch junger sprache (
s. u.C 1 c
γ)
wohl als spontan zu gelten hat, doch ist bei untüchtig (
s. d. 1 e,
teil 11, 3, 1969
f.)
der entsprechende negative gegensinn noch bis tief ins 17.
jh. hinein gültig: rectus, iustus, aequanimis, aequabilis, aequalis, aequus, trutinatus, uerus recht, gerecht, rechtschaffen, tüchtig Alberus
dict. (1540) rr 3
b; dann hierin ist nichts als der tugendsam darumb komm nichts es sey dann thugendsam, hOeflich vnd dchtig, nicht grOeblich, vndchtig Fischart
Gargantua 448
ndr. BB. '
tauglich, brauchbar, passend, geeignet',
vorwiegend als passivische eigenschaft. in älterer sprache, vom 16.
bis ins mittlere 18.
jh., als hauptbedeutung des wortes, die in jüngeren ausläufern nachwirkt oder doch als voraussetzung anderen oder anders betonten jüngeren bedeutungen zugrundeliegt. durchgehend synonym mit tauglich
und geschickt;
noch Stieler
stammb. (1691) 271
und Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1056
c, 1057
a setzen tüchtig
unter dem lemma tauglich
an. B@11)
als persönliche eigenschaft. vorwiegend prädikativen gebrauchs als tüchtig zu,
seltener für, in etwas
oder etwas zu tun;
in einigen anwendungsbereichen aus dem zusammenhang heraus auch prägnant, ohne abhängige präpositionalverbindung oder abhängigen infinitivsatz. B@1@aa) '
tauglich, brauchbar, geeignet'
und innerhalb dieser grundvorstellung von bestimmten anwendungen her auch spezieller. B@1@a@aα)
zum kriegsdienst, den gesichtspunkt der körperlichen leistungsfährigkeit (
s. u.D 1)
als sekundäres merkmal einschlieszend: daz man zu strîte mochte hân vumfhundirt tuchtige man Nicolaus v. Jeroschin
chron. 11 928
Strehlke (
wenn nicht prägnant als '
tapfer'
zu C 1 c
α oder als '
kräftig'
zu D 1 a;
vgl. auch 23 665); nim die summa der kinder Gerson auch ... von dreissig jaren an vnd drber, bis ins funffzigst jar, vnd ordne sie alle, die da zum heer tchtig sind
4. Mose 4, 23; oder wie die Moabiter jren landadel, so zum kriege tchtig, mit solchen kriegszgrteln ... verehreten Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 2
a; dieser ... in seiner jugend ... als er noch zu keinen waffen tüchtig war Grimmelshausen
Simplic. 121
ndr.; wehrhaftige männer, leute, die zum kriege tüchtig Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 22; die soldaten für die ernstere kriegsarbeit tüchtig ... machen Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 181.
prägnant '
wehrfähig': er ... machte die besatzung zu gefangenen, setzte von unsern daselbst aufbehaltenen gefangenen eine ziemliche anzahl in freyheit, und hob von gedachten studenten die tüchtigsten aus Lessing 18, 402
L.-M.; und was euch betrifft, Bullenkalb, wachst heran bis ihr tüchtig seyd; ich mag euch nicht (
bei einer aushebung)
Shakespeare (1797) 6, 293. B@1@a@bβ)
zum herrschen, wobei sich die '
eignung'
nicht nur von der '
fähigkeit',
sondern z. t. auch von der in geburt und abkunft begründeten '
berufung'
her versteht, so dasz hier vielleicht auch die bedeutung '
würdig' (
s. u.c)
mitspielt: dann kein gewachsener erb war da zuom keyserthumb tüchtig Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 83; das regiment auff erden stehet in gottes handen, der selbige gibt jr zu zeiten einen tüchtigen regenten (
τὸν χρήσιμον)
Jesus Sirach 10, 4; so möchten sie doch den rechtmäszigen erben des groszen Artabanes ... beruffen, welcher zugleich von geburt oder stand und verstand hierzu tüchtig und dessen würdig wäre A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 97; er war der tüchtigste zu herrschen, weil er der mächtigste war, seine befehle durchzusetzen Schiller 9, 142
G. prägnant: so solten sieben fürsten gleich, wohnent in vnserem Teutschlandt, nach jr allerbesten verstandt ein andern tüchtigen keiser wehln Jac. Ayrer
dramen 634
K.; sie (
die eifersucht des fürsten) liesse sich durch nichts anders versöhnen, als durch das blut derer, die zur herrschafft recht oder geschickligkeit hätten. also hätte nicht nur Alexander alle tüchtige anverwandte seiner stiefmutter, welche von seinem vater in hohe ämpter gesätzet waren, getödtet Lohenstein
Arminius (1689) 2, 116
b. B@1@a@gγ)
zu einem amt, vornehmlich dem geistlichen amt: denn schulmeister sind so eigentlich zu predigern geschickt und tüchtig Luther
tischr. 4, 438
W. u. ö., vgl. w. 10, 1, 2, 239
W.; 30, 2, 333; 49, 152;
br. 8, 331
W.; 9, 32; vnd was du von mir gehOeret hast durch viel zeugen, das befilh trewen menschen, die da tchtig sind auch andere zu leren (
οἵτινες ἱκανοὶ ἔσονται)
2. Tim. 2, 2; der doch vernunfft, kunst und viel mehr gaben gottes gnug hat, wol zum bapstum selbs tüchtig Luther 53, 244
W.; ist dein bruder zu diesem ampt düchtig, so wil ich jm auch die hand aufflegen Gretter
erkl. d. epist. an d. Römer (1566) 754; tüchtig zum predigampt
propre au ministere, idoneo, atto al ministerio Hulsius-Ravellus
teutsch-frz.-it. (1616) 331; Rädlein
europ. sprachschatz (1711) 894; Xaver ... brannte recht vor lehrbegierde, um sich nur bald zu einem geistlichen amt tüchtig zu machen Miller
Siegwart (1777) 1, 141.
vom gesichtspunkt der durch die abkunft gegebenen eignung her: bey den Juden ... hette es die meynung, das nit yederman zum kirchen dienst tuchtig war, denn hohe priester und kirchendiener musten ausz dem stamm Levi sein Luther 52, 566
W. auf weltliche ämter bezogen: da durch man ... auch zu weltlichem regiment tüchtige gelerte leute ... zurichtet und bereitet
derselbe 26, 504; wen Christ schickt, der ist geschickt oder tüchtig zu einem ampt Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 1, F 7
b; unsere gröste ehre ist, statliche aemter ... zu erlangen, ... wir seyn tichtig und geschickt darzu oder nicht Butschky
Pathmos (1677) 251; denn so seyd ihr ja noch kaum zum kollaborator tüchtig Lenz
ges. schr. 1, 46
Tieck. prägnant in der bedeutung '
ausreichend, als genügend ausgewiesen': es soll sich auch nu hinfürtter ... niemandt marckscheidens vnderstehen, er sey dan von vnserm haubtman und berckmaister zugelassen: die auch keinen zulassen söllen, er sey dan tüchtig, und seiner kunst fertig befunden (1515)
bei Lori
baier. bergrecht 178; ein stad artzt, stad diener, soldener vnd wie die mogen genennet werden, mugen (
im fall der pest) nicht fliehen, sie bestellen denn andere tuchtige vnd gnugsame an yhre stat Luther 23, 344
W; 49, 152; so hat doch das consistorium das examen, ist die person nicht tüchtig, so wird sie dem juncker wol wieder zurücke geschickt
d. wohlgeplagte priester (1695) 114; sein sohn Benjamin und seine tochter Wilhelmine haben ihn examiniret und tüchtig befunden Hippel
lebensl. (1778) 1, 189. B@1@a@dδ) tüchtig zum studieren
u. ä., '
ausreichend befähigt'
oder '
reif': das man junge knaben, so zur lernung tüchtig, auffziehe, auff das unsere nachkommen auch rechtschaffene prediger ... haben können Luther 52, 608
W.; idoneus ad studia tüchtig zum studiren Corvinus
fons lat. (1646) 665; so aber einer under euch zum studiren nicht tüchtig wäre Moscherosch
insomnis cura 52
ndr.; deszwegen würde er nur der unreiffe studente geheissen, weil er noch nicht tüchtig auff die universität wäre Chr. Reuter
Schelmuffsky 116
ndr.; dann wollte ich auch ein specimen ediren, dasz ich tüchtig zum professor orientalium einmal sey Cramer
Neseggab (1791) 8, 200. B@1@a@eε) tüchtig zur ehe, liebe
u. ä., meist unter dem gesichtspunkt der körperlichen reife und tauglichkeit, nur älter (
s. auch untüchtig 1 b,
teil 11, 3, 1969): aber magd heyst eygentlich ein jung weybs bild, das manbar, tzur frucht tuchtig und unverruckt ist Luther 11, 323
W.; vgl. 15, 107; 47, 870; eine bache ist ein schwein, weibliches geschlechts, welche junge zeyget, oder zum wenigsten tüchtig darzu Täntzer
Dianen jagtgeh. (1682) 1, 10; (
Anna B.:) so meynet der herr gleichwohl, dasz ich zum ehestand nicht untüchtig seye? (
Fuchsmundi:) ha, so tüchtig, so geschickt, so vortrefflich zu allen ehestandssachen, als ich wünschen möchte Stranitzky
ollapatr. 45, 37
ndr.; du (
liebe) ... greifest mich in meinem alter an, da ich denn darzu nicht mehr tüchtig noch qualificiret bin
engl. com. u. traged. (1624) Aa 8
a.
prägnant: wenn ein tuchtig weyb tzur ehe eyn untuchtigen man ... uberkeme Luther 10, 2, 278
W. unter anderem gesichtspunkt, von der inneren eignung her: ist eine frau noch so schön und ist eine hure, so ist sie wohl schön, aber nicht tuchtig zum ehestande Luther 47, 152
W. B@1@a@zζ)
im 17.
und 18.
jh. prägnant, aber wohl von dem rechtssprachlichen gebrauch unt. c
α beeinfluszt in der attributiven verbindung tüchtige zeugen,
d. i. brauchbare, verläszliche, gültige, s. auch den vergleichbaren sachgebrauch tüchtige gründe
u. ä. unter 2 b
ε: er ist dein feind, also vermuthlich auch deiner söhne, und daher wider mich kein tüchtiger zeuge Lohenstein
Arminius (1689) 2, 121
b; wenigstens bezeuget Homer dieses, wenn man denselben anders für einen tüchtigen zeugen gelten lassen wil Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 11; dasz die grafen von ihren untergebenen nichts an sich bringen ... sollen, als in der öffentlichen versammlung des volkes, in gegenwart tüchtiger zeugen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 535. B@1@a@hη)
im übrigen in gelegentlichen anwendungen verschiedenster art noch bis in junge sprache hinein nachwirkend: ein frommer mann ein frommes weib im ziehen kann senfftmütig, nüchter, heuszlich und züchtig, ... zu lieb und leid, in ein haus tüchtig Hans Sachs 21, 191
lit. ver.; wo auch weibs oder mans personen ... den armen zuo warten geschickt und tüchtig geachtet wurden
d. fürstenthumbs Wirtemberg newe landsordn. (1536) F 3
a; überdies so hätte ich ... mich bei ifg. erkundiget, ob ich ifg. vor einen diener tüchtig Schweinichen
denkw. 375
Ö.; niemand fande sich tüchtiger zu solchen anschlag, als dieser Orospades A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 59; so ist es darum nicht, als ob ich, wie ich sollte, dir den verdienten preis nicht willig opfern wollte: nein, sondern weil ich nicht zum loben tüchtich bin B. Neukirch
ged. (1744) 157; vor allen andern waren diese (
stämme) zu herbergern der nationalversammlung tüchtig Herder 12, 152
S.; hier ist der zettel von jedermanns namen, der in ganz Athen für tüchtig gehalten wird, in unserm zwischenspiel vor dem herzog und der herzogin zu agiren
Shakespeare (1797) 1, 187.
ausgesprochen im sinne körperlicher eignung: von den personen, die zum rauchen tüchtig sind, nemlich mannspersonen zwischen 16 und 70 jahren
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 345
Gottsched. in vergleichbarer anwendung von tieren, die für eine bestimmte aufgabe geeignet sind: ein pherd, zum rynnen hinder der tartzschenn tuchtig
privatbr. d. mittelalt. 1, 87
Steinhausen; der wirth der hett ein pferd, das was von haaren weis, und war gut zu der schlacht, und tüchtig zu der reis Dietrich v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 3.
in allgemeinem, umfassendem gebrauch: du fragest, warzu wir tuchtig sein: nu hastu vor gehoret, das wir der werlte mer nutzes dann unnutzes bringen
d. ackerm. a. Böhmen 16, 39
Hübner; da (
in der römischen jugend) fand man leute, die zu allerley tchtig und geschickt waren Luther 15, 35
W.; ein geschickter officier ist zu allen tüchtig Gottschedin
br. 3, 106
Runkel; um für alles tüchtig zu sein und allem gerecht zu werden, braucht man gewisz nicht ein minus an seelenkraft und schwung und wärme, sondern ein plus Herm. Hesse
glasperlenspiel (1946) 1, 113.
der auszeichnenden bedeutung C
nahe: wen sollen wir finden, welcher am tüchtigsten sey, die neue welt zu entdecken? Zachariae
poet. schr. (1763) 6, 149; mit dem ... durchdringenden feldherrn- und groszen mannesblicke, zu jedem geschäft den tüchtigen zu wählen O. Ludwig
ges. schr. 5, 293
Schm.-St. B@1@bb)
mit aktiverem gehalt, '
fähig, imstande zu etwas',
ein ausreichendes vermögen umschreibend. B@1@b@aα)
speziell in religiösem sinne: nicht dasz wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu dencken, als von uns selber, sondern das wir tüchtig sind, ist von gott, welcher uns tüchtig gemacht hat, das ampt zu füren des newen testaments
2. Kor. 3, 5
f. (
ὃς καὶ ἱκάνωσεν ἡμᾶς); (
wir) dancken unserm lieben herr gott, der uns zu solchem dienst gefoddert und tüchtig gemacht hat Luther 26, 195
W.; er (
Christus) gebar uns in sich wieder neu, dasz wir in gott zu leben wieder tüchtig wären Jac. Böhme
s. w. 6, 218
Schiebler; (
der mensch) ist so gemacht wie er ist, mit solchen vermögen und kräften ausgerüstet, die ihn just zum menschen, und also zur religion tüchtig machen Bodmer
crit. schr. (1741) 1, 156; die liebe gottes allein macht uns tüchtig, moralisch gut zu werden Jung-Stilling
s. schr. 1, 173
Gr. B@1@b@bβ)
häufig, auch jünger noch, in auszerreligiösem gebrauch: das ein iglicher tüchtig gewesen were im felde, grosse und viel hauffen zu füren Luther 53, 497
W.; das der schiffmann nicht dchtig (
capable) genug darzu, dafr er sich dann auszgeben (1591)
bei Pardessus
coll. de lois maritimes 2, 516; wo aber je die eltern nicht tüchtig sein jhre kinder zu unterrichten, so sollen sies doch fleissig zur schul ... schicken Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 18
ndr.; er wird auch hierdurch (
durch erlernung der mathematischen lehrsätze) tüchtiger, selbst etwas neues zu erfinden H. v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 31; jetzt da ich gröszer bin, und tüchtig, anderer reden nachzuforschen J. H. Voss
Odyssee 29
Bernays; (
es) macht uns auch in demselben grad zur anstrengung weniger tüchtig Schiller 10, 349
G. mit der bedeutung D '
kräftig'
gekoppelt: bis die knaben herangewachsen und zur rache tüchtig sind Scherer
lit.-gesch. 133.
so auch prägnant: kein friede noch vertrag soll jemals euch vereinen! ein rächer wird aus meinem staub erstehn, in ihren pflanzungen mit feur und schwert erscheinen, früh oder spät, wie sich die kräfte tüchtig sehn Schiller 6, 416
G. (
Äneis 2.
buch: quoumque dabunt se tempore vires).
auch von menschlichen einzelkräften oder persönlich gedachten mächten: kan keines menschen aug (sprach er) der sonnen schein, recht in der sonnen selbs, zu sehen tüchtig sein Weckherlin
ged. 2, 353
Fischer; ihr (
der menschen) vermögen ist nicht tüchtig, war es gleich noch eins so grosz, uns zu machen frey und losz P. Gerhardt
in: Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 437
b; herbst und sommer waren nicht tüchtig, dich zu überwinden Gottsched
ged. (1751) 1, 276. B@1@cc)
in ausgesprochen passivischem sinne soviel wie '
würdig, für geeignet erklärt',
wobei die persönliche eignung manchmal als ausdrücklich zugesprochen gedacht ist. nicht über das 18.
jh. hinaus. B@1@c@aα)
in der älteren rechtssprache bezeichnet tüchtig
im sinne von '
rechtsfähig, rechtlich befugt'
die vollwertigkeit eines menschen als rechtsperson, vgl. dazu noch die bedeutung '
rechtlich ungültig'
in sachlicher anwendung unter untüchtig 4 b,
teil 11, 3, 1791
und tüchtigkeit 2 b
ende: vorzeiten war ein gekauffter knecht nach dem jure civili nicht tüchtig, aber itzt hat man knechte, die man vermietet Luther 16, 243
W.; nach (
Kehdinger) landrechte stehet einem jeden frei, sein guht bei gesunden leibe zu vergebende, so ferne es eine düchtige person ist, dasz er geben könne
bei Schlichthorst
herzogth. Bremen u. Verden (1796) 2, 100.
vereinzelt noch im 18.
jh.: dein vater war nicht tüchtig (
ein testament zu machen), er war ein wucherer Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 1, 2. B@1@c@bβ)
auszerhalb der eigentlichen rechtssprache, vornehmlich in religiöser sicht: vnd dancksaget dem vater, der vns tüchtig gemacht hat zu dem erbteil der heiligen im liecht (
τῷ ἱκανώσαντι ὑμᾶς;
vulgata: qui dignos nos fecit)
Kol. 1, 12; des wir (
durch die vergebung der sünden) tüchtig und geschickt werden zu seinem reich Luther 41, 127
W.; das er tüchtig werde zu komen zu deiner tauffe gnade
derselbe 12, 43; ach daz doch alle hertzen geschickt vnd tüchtig wern (
zum empfang des sakraments) Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 15; aber er hat schlechts diejenigen gemeint, die düchtig waren, mesz zu singen, gleich wie unser pfaffen sein, welche alleyn ausz dem kelch mögen trincken (
ironisch) Fischart
binenkorb (1588) 78
a; ob sie nun tüchtig und würdig seyn, mitglieder dieses reichs zu werden, daran zweifelten sie nicht im geringsten Miller
pred. f. landvolk (1776) 2, 295.
prägnant: wer sich aber rühmet, der rühme sich des herrn. denn darumb ist einer nicht tüchtig, das er sich selbs lobet, sondern das jn der herr lobt (
gr.: δόκιμος;
vulg.: probatus)
2. Kor. 10, 17
f.; vgl. 13, 7.
in profaner anwendung: wo er disz übertrett, so solle die absolution nicht sein, und er ... zu keiner ehre mehr tüchtig erkent sein Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 124
a.
gelegentlich geradezu '
berechtigt': dasz aber nach verrichteter hinrichtung 300 personen er (
der scharfrichter) in doctorem zu promoviren tüchtig sey! ist wohl lachens werth Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 953; ich melde dieses nur, das opfer ist bestellt, wobey der mörder sich zu prangen tüchtig hält Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 68. B@22)
auf gegenständliches und sachliches, auch geistiger art, bezogen; innerhalb der grundvorstellung '
brauchbar'
auch hier von besonderen anwendungen her in verschiedenen bedeutungsnuancen. B@2@aa)
mit zugehöriger präpositional- oder infinitivbestimmung tüchtig zu etwas,
insbesondere '
tauglich, geeignet, brauchbar zu etwas, das damit getan wird oder geschieht',
noch bis zur wende vom 18.
zum 19.
jh.: weil ich nun höre, das das genannt kloster Heilsprunn seer tüchtig und gelegen dazu (
zur umwandlung in eine höhere schule) sein soll Luther
br. 10, 216
W.; das (
holz) zu keynem baw, sondern nur eyn unntz gehecke und nur zum fewrwerg tüchtig ist
derselbe 15, 35
W.; das gemelte wurtzel gar nicht tüchtig seie, inn hitzigen ... kranckheyten zugeprauchen Sebiz
feldbau (1579) 234;
vgl. 54; 321; 354; derhalben solche kisz, ertz oder koboldt ... zur ausbeut solcher edlen sulphurischen eigenschafft nicht mehr tuchtig seind Thurneysser
magna alchymia (1583) 18; da der boden zum kornbaw nicht tüchtig ist Micraelius
Pommerland (1640) 6, 398;
P.: mir ist es ein edelgestein, in einem ehering zu fassen, zu beweisen, dasz mir Amor einen stein in garten geworffen.
M.: darzu ist er nicht tüchtig, die liebe würfft nicht mit steinen zu Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 3 (1643) 405; da ... unsere ... braten zum speisen tüchtig waren Schnabel
insel Felsenburg 152
Ullrich; wodurch sie (
die bäume) alsdann zum wachsthum nicht mehr tüchtig, sondern nach und nach dürre werden Göchhausen
notabil. venatoris (1741) 211; jedes harte holz, welches zum bauen tüchtig ist J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 226; welche farben sind tüchtig, den gedancken-reichen begriff, den die figürliche benennung das auge der welt in sich einschliesset, hervorzuruffen Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 24; es giebt schwerlich noch ein zweites, das (
wie Voltaires Mahomet) dazu (
zur übersetzung) tüchtig ist Schiller
br. 6, 95
Jonas. B@2@bb)
ohne präpositionale beziehung, attributiv, prädikativ oder als substantiviertes neutrum, vereinzelt auch als adverb. B@2@b@aα)
allgemein '
was etwas taugt, was wert hat oder nützt',
auch noch in jüngerem gebrauch: wie fur gott keyn wircklich leben tuchtig sey on den glawben Luther 10, 1, 1, 408
W.; quod nihil in homine manet, das duchtig wer, omnia sunt sub potestate regni Satanae
derselbe 11, 194; war der küchenbub ein schalk und gosz hinein spülich und andere unflath, heisze brühe und dergleichen unreines dinges, was uberblieben und nicht tüchtig war, in winkel
derselbe, tischr. 5, 484
W.; wann nun eine solche gräntzbeziehung soll tüchtig seyn, und rechten nutzen bringen ... Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 20
a; er (
Zachariae) wird nimmermehr ein tüchtiges staatsrecht lehren Dahlmann
an W. Grimm in: briefw. 1, 277; dasz dein leben tüchtig sei, halte dich zu einem fleiszig. viel ist öfters gar nicht viel, spricht des lebens rechenmeister E.
M. Arndt
w. 5, 305
R.-M.; vgl. 1, 8.
häufig substantiviert: man vertrawet auffs eitel, und redet nichts tüchtiges
Jes. 59, 4; sonst wo du bey deiner fantasey vnd vermeinten libellen bleiben wilt: so bistu zu nichts tüchtigs praedestiniert vnd erkoren Paracelsus
op. (1616) 1, 922; ein dieb hatte sich in eines armen derwischs hausz eingeschlichen, und als er allenthalben genau gesuchet, und nichts tüchtiges für ihm zu finden war, wird er gar unmuths
d. persian. rosenthal (1696) 28
bei Olearius
reisebeschreib.; ohne gottes gnade kan kein mensche etwas düchtiges verrichten Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 369; nichts tüchtiges vorbringen, machen
etc. M. Kramer 2 (1702) 1057
a; schlag nur nicht erst nach viel bücher, denn da steht nichts tüchtges drin (
über Blücher) Rückert
ges poet. w. (1867) 1, 203. B@2@b@bβ)
in etwas engerem sinne '
brauchbar, angemessen, passend, geeignet',
noch bis in jungen gebrauch, in verschiedener anwendung: weil mir aber keine duchtige gelegenheit zuhanden gestoszen, habe ich es lieber wollen liegen lassen (1654)
in: archiv f. kulturgesch. 7, 175; wer solcher ädlen hertzoginnen ein tüchtigs liedchen singen wil, der sey von klug- und hohen sinnen Neumark
fortgepft. lustwald (1657) 1, 221; dasz der priester eine büchse oder ein tüchtiges gefäsz haben solle, darinnen er den leib Christi verwahren ... könne Hartknoch
preusz. kirchenhistoria (1684) 109; die besten unter ihnen hätte sich Winckelmann zu herbeischaffung tüchtigen stoffes für die geschichte der kunst wünschen können Göthe I 46, 95
W.; (
der arzt) giebt dir gewisz einen tüchtigen rath
derselbe IV 20, 102; nun hätte ich ... auf ihre fragen geantwortet, eins und das andere kann ihnen dienen, in dem meisten aber lasse ich sie ohne tüchtige auskunft Jac. Grimm
an Lachmann in: briefw. 48
Leitzmann; sie strich über das linnen hin, gram im gesicht. man wird euch gering achten, ihr seid nicht fein genug. seltsam, es kam ihr jetzt, da sie es mit den augen der stadt anblickte, auch nicht fein und tüchtig vor P. Dörfler
um d. kommende geschlecht (1932) 419. B@2@b@gγ)
als qualitätsbezeichnung '
tadellos, fehlerlos, einwandfrei',
meist in gegenständlich-stofflicher anwendung und gelegentlich die bedeutung '
gut' (
s. u.C)
einschlieszend, aber nicht darin wurzelnd. fast ganz auf älteren gebrauch beschränkt: item es sal ouch nymand linwat, dy nicht tuchtig und zcweyer ellen breit ist, alhir feil haben (
zw. 1468
und 1486)
Freiberger stadtrecht 293
Ermisch; der meister soll seine tuche in guttem getzeuge mitt tuchtigen farben
färben (1586)
bei Lorenz
d. gesch. d. Rochlitzer tucherhandw. (
diss. Leipz. 1906) 61;
frumentum integrum gut tüchtig getreyd Zehner
nomencl. (1645) 341; (
ein krämer) der sandel unter safran, item, unter zwey bisz drithalbe thaler ingber vor einen groschen alt-gebackene geriebene semmel ... genommen und vermenget, und solch gewrtze vor tchtig verkaufft Döpler
theatr. poenar. (1693) 892; nehmet eine tüchtige feder! schreibet fein deutlich! Stranitzky
ollapatr. 294
ndr.; 20000 rthl. an baarem gelde, tüchtigen waaren und gewissen aussenstehenden schulden in die handlung einlegen Menantes
neue br. (1723) 710; netze, hamen, fischwaden müssen ausgebessert, fasse, tonnen, wannen, körbe, kannen, waage und gewichte angeschaffet seyn, und ob sie tüchtig sind, untersuchet werden
allgem. haushaltlex. (1749) 1, f 2
b.
archaisierend: der alte hofmann ... hatte mir einen eschenbogen zugerichtet, mir auch die bolzen von tüchtigem blei dazu gegossen Storm
s. w. 3 (1898) 217.
auf den zustand einer sache bezogen: (
die offiziere müssen) darnach sehen, dasz die sattels und dasz übrige reitzeug in vollkommenen tüchtigen und guten stande sey
regl. vor. d. kgl. preusz. cavallerie-regim. (1743) 5, 184.
der bedeutung D '
gesund, leistungsfähig'
nahe: (
wir) haben dann diese (
französische) armee unbeschädigt beim frieden an Frankreich herausgegeben, wo sie den tüchtigen kern für alle neuformationen bildet Moltke
ges. schr. (1892) 7, 110. B@2@b@dδ)
soviel wie '
wirksam'
oder '
der wirkung nach kräftig',
z. t. nicht ohne einflusz der bedeutung D,
aber doch deutlich in der vorstellung '
tauglich'
verwurzelt; in dieser anwendung lange lebensfähig: entweder es musz bisher keine kirche gewest sein, oder die taufe ist nichts werth noch tüchtig gewest (
nihil valuit) Luther
tischr. 3, 450
W.; ist itzt (
nach dem urteil der bischöfe) keyn mysterium tüchtig ... denn die messe
derselbe, w. 10, 1, 2, 126
W.; diese zeit bedarf eines tüchtigen segens, denn sie liegt unter einem schweren fluche Droste-Hülshoff
br. 2, 448
Schulte-K. besonders: tüchtiges mittel
rimedio valevole Kramer
t.-ital. (1678) 1062; mit tüchtigen artzney-mitteln, aertzten Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 606; ist oine nationaluniversität das erste? das einzige? das tüchtigste mittel, diesen gebrechen abzuhelfen? Herder 5, 348
S. die nähe der jüngeren bedeutung D '
kräftig, derb'
ist namentlich in späterem gebrauch spürbar: wollen sie sich in ihrer trostlosigkeit ermorden, so könnte ich ihnen ... mit einem tüchtigen rattenpulver aufwarten E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 182
Gr.; mir ward ganz übel, mauserig dumm, ich sah mich schnell nach was tüchtigem um (
rettig) Mörike
ges. schr. 1, 241
Göschen; mir muszten uns glei d'rhinter her n tichtigen bittern koofen G. Hauptmann
d. weber (1892) 103. B@2@b@eε)
als '
stichhaltig, triftig, durchschlagend, gültig, zureichend'
neben grund, ursache
u. ä., vereinzelt schon bei Luther,
sonst dem 18.
jh. fest zugehörig: so kan ichs nicht thun (
den schwärmern rechtgeben), weil ich so offentlich da sehe entweder lügen odder zweivel und nicht einen einzigen tüchtigen odder gewissen grund Luther 26, 418
W.; unterdessen weil exempel bey vielen mehr als tüchtige gründe gelten Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 333; bey der wahren raison de guerre solte man allezeit einen tüchtigen grund haben, warum man etwas thäte oder unterliesze H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 188; da die muthmaszungen allhier aus tüchtigeren gründen sich herleiten lassen Kant
s. w. (1838) 8, 335; dasz man aber die Schlieperin, ihre mutter und groszmutter für hexen gehalten, ... ohne beysetzung der geringsten tüchtigen ursach Thomasius
ernsth. ged. u. erinner. (1720) 2, 308; kann dieser (
der überdrusz des geschmacks) nun einen grundsatz der kunst bilden? kann er auch nur eine tüchtige ursache eines andern satzes abgeben? Herder 3, 79
S.; ich behaupte aber, dasz man kein einzig tüchtiges zeugnisz für ihre meinung anführen kann Lessing 1, 335
L.-M.; das wäre noch keine tüchtige ursache, einen hochedlen rath zu versammeln (1802) Tieck
schr. (1828) 1, 73. B@2@b@zζ)
ähnlich als '
richtig'
oder '
wahr'
auf andere geistige tätigkeiten oder inhalte bezogen: wenn schon allisz ander thuchtig were, ist denn nu alleyn Sorbona die kirche, das sie den Luther ausz der glewbigen gemeyne that? Melanchthon
in: Luther 9, 765
W.; denn gleich wie ein richter ... zu keiner parthey liebe oder hasz tragen musz, also hindern auch dergleichen affecten einen wahrheitliebenden, dasz er weder eine rechte auslegung eines autoris, noch ein tüchtiges urtheil von einer schrifft geben kan Thomasius
auszüb. d. vernunfftlehre (1691) 256; das heiszt noch ein altes, ein tüchtiges wort Göthe I 1, 144
W.; es ist nicht gut, dasz der mensch allein sei. siehst du, ich habe mir diesen tüchtigen satz zu herzen genommen P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 399.
gelegentlich auch adverbial: dasz er zum ersten und vor andern etwas hierin gesehen, ob ers gleich nicht tüchtig auszführet Morhof
unterr. v. d. dt. sprache (1682) 1, 10.
komplexer, von C 2 a
her beeinfluszt: dasz ich ihnen auf ihren gebirgischen pfaden, die mir nicht fremd sind, gern gefolgt bin, weil etwas wirkliches, tüchtig gesehenes aus ihren zeilen uns entgegentritt Göthe IV 29, 131
W. CC.
durch die innere steigerung der bedeutung B
wird tüchtig
zu einem auszeichnenden begriff, der die grundvorstellung '
brauchbar, geeignet'
als voraussetzung einschlieszt; eine ähnliche entwicklung zeigt geschickt,
nicht aber tauglich.
in einer durch die anwendungsbereiche mannigfach schattierten weise nähert sich tüchtig
hier der vorstellung '
gut'
und deckt sich teilweise geradezu mit diesem wort. die nicht zahlreichen älteren fälle dieses gebrauchs können meist auch noch als zu B
gehörig empfunden werden, seit der zweiten hälfte des 18.
und namentlich im 19.
jh. aber gewinnt diese bedeutung spürbar das übergewicht über B. C@11)
von personen oder persönlichen eigenschaften gesagt, in speziellem oder in allgemeinem sinne, vor allem unter dem gesichtspunkt einer das '
ausreichende'
überschreitenden '
leistung'. C@1@aa)
als beiwort neben berufsbezeichnungen. die älterem gebrauch geläufige anwendung auf prediger und lehrer der kirche (
s. o. B 1 a
γ)
meint gelegentlich schon mehr die besondere eignung und leistung als aie blosz ausreichende: wenn nu Pomeranus, Gabriel, Spalatinus stürben, wo wollten wir tüchtige (
prediger) finden? Luther
tischr. 5, 642
W.; nachdem aber so viel frommer prädicanten ... gemordet, schickt gott die straff, dasz nun wenig tüchtiger personen zu finden Luther
br. 8, 312
W.; wan man aus geitz oder gunst feine tüchtige qualificirte person zurücke setzet Schupp
schr. (1663) 643; ein tüchtiger prediger
un valente, bravo predicatore Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1057
a.
darüber hinaus wird tüchtig
mehr und mehr zum stehenden beiwort neben professionellen bezeichnungen aller art, um auszudrücken, dasz jemand sich in seinem beruf durch eignung, können und leistung ausgewiesen hat, dasz er erfahrung besitzt und zum einsatz bereit ist: dabey bin ich in gefahr, mein glück zu verscherzen, und für keinen tüchtigen officier gehalten zu werden Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 268; herr von Armand war einer der tüchtigsten offiziere, gebildet, einnehmend und witzig, jedoch als libertin bekannt Mörike
ges. schr. 3, 26
Göschen; der fürst, der lehrer setzt, macht sie zugleich nicht tüchtig Kästner
verm. schr. (1755) 1, 108; was wir brauchen, sind tüchtige philologen Brunn
kl. schr. (1898) 3, 244; den katholischen universitäten fehlt es an tüchtigen professoren der rechte Ranke
s. w. 30 (1875) 14; ein tüchtiger arzt musz das dings vorher wissen Lenz
ges. schr. 1, 52
Tieck; wo es sich regt und gedeiht, wie um tüchtige pächter in England, und um der marsch anbauer, die jeglichem keck ins gesicht schaun! J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 59; dasz hier generationen von tüchtigen und fleiszigen wirten (
bauern) gehaust hatten Polenz
Büttnerbauer (1895) 19; weil auch unter der guarnison sich fast alle handwerker befinden, so sollen die tüchtige bey diesem (
Berliner schlosz-)bau employret werden (1714)
Berliner geschr. zeit. 5
Friedländer; in einem solchen schiffe kann ein tüchtiger seemann sich überall hinwagen J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 21; dasz ich bei diesem fleisze und dieser aufmerksamkeit es weit bringen und ein tüchtiger bergmann würde Novalis
schr. 4, 116
Minor; als knabe nach England versetzt, jetzt als tüchtiger mechanicus daselbst wirkend Göthe IV 38, 280
W. neben künstlerischen berufsbezeichnungen, bei Göthe
gelegentlich sogar den rang des schöpferisch genialen mit umfassend, bis zu dem tüchtig
sonst nicht hinaufreicht: wenn verzierungen dazu kommen sollen, so wünsche ich ihrer wenige, aber von tüchtigen künstlern Schiller
br. 7, 23
Jonas; Raphael möchte nur immer heute wieder hervortreten, und wir wollen ihm ein übermasz von ehre und reichthum zusichern. ein tüchtiger meister weckt brave schüler, und ihre thätigkeit ästet wieder ins unendliche Göthe I 46, 53
W.; vgl. 49, 6; 24, 377; denn überall sonst hören wir einen gesunden, in sich vergnügten, tüchtigen meister, der für die überschwenglichkeiten der ritterromane wenig sinn hat (
vom dichter des Lohengrin) Gervinus
gesch. d. dt. dichtg. (1853) 2, 46.
auch in der musik mehr auf das darstellerische als das schöpferische vermögen zielend: da ich ... ein tüchtiger praktikus in der musik bin Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 160; wie die finger an der hand eines tüchtigen klavierspielers O. Ludwig
ges. schr. 5, 144
Schm.-St.; O. Jahn
Mozart (1856) 3, 211; 1, 434; 4, 91; nach 1720 wird es wohl kaum einen tüchtigen deutschen musiker gegeben haben, der nicht zum mindesten ein stück von J. S.
Bach besasz Schweitzer
Bach (1948) 300.
auch auszerhalb der eigentlich beruflichen anwendung, von dem, der auf einem bestimmten gebiet etwas kann und leistet: der bei guten und tüchtigen schreibern und rednern übliche gebrauch Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 139; wollte gott sie verschaften mir einen tüchtigen mitarbeiter zu einem theaterjournal Schiller
br. 1, 133
Jonas; tüchtiger dieb ist, der einen dieb bestiehlt Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 150
a; ein tüchtiger reiter J. J. Chr. Bode
Montaigne (1793) 2, 346; die ehre eines tüchtigen schwimmers zu erkämpfen, welcher in möglichst gerader richtung über einen stark ziehenden strom schwimmt G. Keller
ges. w. (1889) 3, 22.
auch von einer persönlich ausgeübten tätigkeit: als Boemund ... zurückkam, freute er sich sehr über die tüchtige verwaltung Tankreds Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 435.
in betont prägnantem gebrauch: wenn er 'tüchtig' ist, so musz er es auf einem gebiete sein, das mir verschlossen ist (1849) H. Lorm in:
ausgew. br. (1912) 81.
in der sonst allgemeiner gebrauchten wendung etwas tüchtiges (
s. u.b
β)
für ein tüchtiger,
in beruflicher beziehung: wir wollen etwas tüchtiges aus ihm machen, einen flotten steuermann, einen capitän! Storm
s. w. (1898) 8, 94; dasz sie nicht erlebt hat, dasz aus ihrem sohn noch etwas tüchtiges geworden ist Frenssen
Hilligenlei (1905) 383. C@1@bb)
in mehr allgemeiner kennzeichnung eines menschen. C@1@b@aα) tüchtiger mann, mensch
u. ä., von jedem, der über das ausreichende mittelmasz hinaus etwas kann, wirkt und leistet; ohne ausdrückliche einschränkung auf bestimmte fähigkeiten und leistungen. die vereinzelten frühen bezeugungen lassen noch anknüpfungen an andere bedeutungen zu, so an A '
ritterlich, edel': in dersulven tyd do starf Noradinus, en koning der Turken; sin swagher Saladinus, en duchtich here, wart do koningh (14.
jh.)
Lübeck. chron. 56
Grautoff; an den religiösen gebrauch B 1 b
α: der herr Christus erwehlete die jünger nicht dasz sie schon apostel waren, sondern dasz sie tüchtige leute durch ihm kunten und solten werden Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 103.
im übrigen seit dem späten 18.
jh. sehr geläufig: vol der besten vorsäzze, zum tüchtigen manne mich empor zu arbeiten Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 171; ich habe selbst schon bey einem ehrenvollen posten, wozu man einen tüchtigen und würdigen mann sucht, an ihn gedacht Schiller 14, 200
G. namentlich bei Göthe,
als kennwort männlicher, in die tiefe oder in die breite wirkender leistung: ein tüchtiger mann kündet sich gleich an (
von Götz gesagt) I 13, 1, 203
W.; ihr sehet tüchtge männer, wackre frauen, zu thaten mächtig, wie zur hülfe mild I 4, 60; unser wanderer trifft nun den vorigen, schon bekannten aufseher wieder an, gesellt zu andern tüchtigen männern, welche still und gleichsam unbemerkt zucht und ordnung zu erhalten wissen 25, 1, 3;
vgl. 22, 230; 46, 31; IV 23, 88; 41, 37
u. ö.; der präsident der alliance ist ein tüchtiger, vernünftiger und wirklich praktischer mann
br. von u. an Herwegh (1896) 13; der mittelpunkt eines kreises tüchtiger männer Scherer
lit.-gesch. 54; ein tüchtiger mensch
un huomo sufficiente, virtuoso Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1057
a; was das (
der maler Tischbein) für ein braver künstler und tüchtiger, ganzer mensch ist, kann ich dir nicht sagen Göthe IV 8, 67
W.; in jedem tüchtigen menschen steckt ein poet, und kommt beim schreiben zum vorschein, beim lesen, beim sprechen oder beim zuhören
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 15; die ämter mit den tüchtigsten leuten des kreises zu besetzen Ranke
s. w. (1867) 3, 306;
von da aus: es (
das selbstbildnis Dürers) hat die graziösesten züge eines weisheitsvollen, ernsten, tüchtigen antlitzes Bettine
Göthes briefw. m. ein. kinde (1835) 2, 80; so schmückt sich wohl jede tüchtige seele einmal ihren kerker mit künsten aus, ohne deswegen zum künstler berufen zu sein Eichendorff 2, 283
Dietze; 'ein geist wie er (
Goethe)', sagte Charlotte, 'ist des verständnisses fähig für jede gesinnung, wenn sie nur einer tüchtigen menschlichkeit angehört' Th. Mann
Lotte (1946) 273. tüchtiger kerl, bursche
u. ä. in derberer redeweise, wie sie durch den bei tüchtig
oft spürbaren nebensinn des weltoffenen, diesseitig tätigen (
wie auch des kräftigen, kernhaften, s. u. D)
nahegelegt wurde: dasz ein Hannoveraner so gut ein tüchtiger kerl als ein anderer sein könne J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 423; und noch dazu den courier, den sie uns nachschickten, gleich in dienste zu nehmen! ... es ist ein tüchtiger kerl, und ist diese zeit nicht von unserer seite gekommen Göthe I 23, 226
W.; dasz man ein guter tüchtiger kerl seyn kann, ohne gerade ein philister und ein matz zu sein
derselbe IV 11, 163;
vgl. 38, 279; sendet mich nicht hinaus, wie ein verzognes kind, sondern wie einen tüchtigen kerl, der seinen und vieler andern leute schutz im freudigen herzen trägt und in der rechten faust Fouqué
zauberring (1812) 1, 47; man rühmt aber sehr sein talent und Göthe hält ihn für einen tüchtigen burschen Schiller
br. 6, 27
Jonas; 'du bist ein tüchtiger bursche, Soubirous', sagt sie nicht ohne anerkennendes mitleid Werfel
Bernadette (1948) 23.
mit der bedeutung D '
kräftig, rüstig'
gekreuzt: die tüchtigsten burschen vom ganzen jagdpersonale der herrschaft sollen sich einfinden ... an der groszen tanne Holtei
erz. schr. (1861) 4, 14. C@1@b@bβ)
stark verallgemeinert in substantivierungen. der tüchtige,
als auszeichnend innerhalb menschlicher rangordnung. bei Göthe
mit deutlichem unterton, als bezeichnung eines weltoffenen, dem diesseits tätig zugewandten menschen: dem tüchtigen ist diese welt nicht stumm; was braucht er in die ewigkeit zu schweifen; was er erkennt läszt sich ergreifen I 15, 309
W.; bleiben, gehen, gehen, bleiben, sei fortan dem tüchtgen gleich, wo wir nützliches betreiben, ist der werteste bereich I 25, 223. etwas tüchtiges
für ein tüchtiger,
im ersten beleg vielleicht noch von B 2 b
α her: ausz peifenden (
sic!) schülern wird selten etwas tüchtiges Petri
d. Teutsch. weiszh. 2 (1605) K 2
b; wer zuletzt lacht, lacht am besten! es wird doch etwas tüchtiges aus mir Droste-Hülshoff
br. 50
Schücking; in Scharnhorst, Gneisenau, Grolman, Boyen, Clausewitz war die blüthe des edelsten und tüchtigsten, was Preuszen an militärischen talenten enthielt, zu einem ehrenkranz zusammengefaszt Häusser
dt. gesch. (1854) 3, 186.
mit dem namentlich für den Göthe
schen gebrauch geltenden unterton: du wirst es nie zu tüchtgem bringen bei deines grames träumerein Fontane
ged. (
41891) 36. C@1@b@gγ)
neben begriffen wie zeit, leben
u. ä., sofern sie von gediegener menschlicher tätigkeit erfüllt gedacht sind; vornehmlich im gebrauch Göthe
s: wie war doch jene zeit so ernst und tüchtig und wie fühlte nicht ein solcher mann die fesseln der philisterey in denen er gefangen war (
Marperger) Göthe IV 31, 45
W.; vgl. I 1, 94; und so verbringt, umrungen von gefahr, hier kindheit, mann und greis sein tüchtig jahr I 15, 316; der charakter einer frau ..., die in alttestamentlicher gottesfurcht ein tüchtiges leben voll zuversicht auf den unwandelbaren volks- und familiengott zubrachte IV 38, 12; manches bild des tüchtigen bürgerlebens zu jener zeit (
im mittelalterlichen Nürnberg), wo kunst und handwerk sich in wackerm treiben die hände boten E. T. A. Hoffmann
s. w. 7, 161
Gr.; und lebhaft empfand er, wie tüchtig und glücklich die menschen leben konnten, denen das eigne sein so fest verwachsen war mit der natur und den uralten bedürfnissen des menschen Freytag
d. verlor. handschr. (1864) 1, 113.
von persönlichen inneren kräften: bald kam ich persönlich mit Feuerbach zusammen, sein tüchtiges wesen zog mich an G. Keller
br. u. tageb. 2 (1916) 182
Erm. so auch substantiviert: es ist in Pückler etwas hohes und tüchtiges, das ist unläugbar Varnhagen
in: Pückler
briefw. (1873) 3, 401. C@1@cc)
als menschlich auszeichnendes prädikat bestimmterer bedeutung. C@1@c@aα)
schon früh, wenn auch nur vereinzelt, soviel wie '
tapfer',
welche bedeutung jedoch teilweise auch in dem alten gebrauch A '
edel, ritterlich'
mitzudenken ist, s. auch ob. 1tucht 2: vnd dieweil er sahe, das sein son Johannes, ein tüchtiger man war, macht er jn zum haubtman vber alles kriegsvolck (
sept.: ὅτι ἀνήρ ἐστι) 1.
Makk. 13, 54; eben drum, weil wir gern in ehren seine tüchtigen reiter wären, wollen wir nicht seine heerde seyn Schiller 12, 51
G. (
Wallensteins lager 11); das tüchtige vertrauen auf seine faust und gott löst sich auf (
nach erfindung des schieszpulvers) in die blindeste ergebenheit unter ein unausweichlich bestimmendes ... schicksal Göthe II 3, 213.
W. C@1@c@bβ)
entwickelter in der verwandten, aber umfassenderen bedeutung '
energisch, männlich, lebenstüchtig, tätig, aktiv',
wohl nicht ohne einflusz von D '
gesund, kräftig'.
vgl. in früher mnl. bezeugung: dat eenen duchtegen man mesfal anecomt ende last: hi warter bi wijs ende vast (13.
jh.)
bei Verwijs-Verdam 2, 452.
sonst in älterer sprache selten: aller snelliste. aller tuchtigiste
actualissimus K. v. Heinrichau
vokabul. 396
b Gusinde. komplexer, die vorstellung '
zu etwas taugend'
mitumfassend: o schlusz der götter! ach! ich, die nicht tüchtig bin, leb und schwerm auf der welt; die tüchtig sind, sind hin! Gryphius
trauersp. 617
Palm; häufig bei Göthe: mit dieser welt ists keiner wege richtig; vergebens bist du brav, vergebens tüchtig, sie will uns zahm, sie will sogar uns nichtig! I 3, 233
W.; wir muszten uns resignieren, wo nicht für immer, doch für eine gute zeit. das erste was einem tüchtigen menschen unter solchen umständen einfällt, ist ein neues leben zu beginnen I 24, 44;
vgl. I 46, 69; 15, 322; denn jemand musz sein, der ihn in der ordnung hält, und es musz eine tüchtige sein O. Ludwig
ges. schr. 2, 308
Schm.-St.; vgl. 30; nach einem ereigniszreichen tage ... spornt bei tüchtigen naturen das erwachen nur zum muth Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 2, 261; die begeisterung für Rom und Griechenland, für natur und freiheit, ist wohl immer die unzertrennliche begleiterin einer tüchtigen jugend Hebbel
w. 12, 35
Werner; voll sein macht schwer, zufriedenheit traurig, und der lange friede verstopft euch den darm. aber die ritter von der traurigen gestalt reiten noch ... die wenden den deutschen magen um und machen euch leer und tüchtig Kluge
d. herr Kortüm (1938) 336. '
rüstig, schaffig': vor ihm ging mit brennenden fackeln die tüchtige alte Voss
Odyssee 16
Bernays; dasz seine frau, ein tüchtiges, rührsames weib, ihm (
dem kränklichen tischler) redlich bei der arbeit half Holtei
erz. schr. (1861) 1, 9;
mundartlich a tichtes mensch
kräftiges, arbeitsames frauenzimmer Weinhold
schles. wb. 101. C@1@c@gγ)
mit sittlicher färbung soviel wie '
ehrenhaft, zuverlässig, ehrenwert, solid',
im 19.
jh. nicht selten, aber der alten ähnlichen anwendung A 1
gegenüber spontan: ich bitte sie daher, das geld ... irgend einem dortigen hause ... aufzugeben, an einen guten kaufmann hier den auftrag zu machen, mir gegen meine quittung das bewuszte geld auszuzahlen. sorgen sie nur, dasz der dortige und der hiesige kaufmann tüchtige leute sind J. G. Forster
s. schr. (1843) 8, 281; und auf ein tüchtiges element in der brust des mordbrenners bauend, erliesz er ein plakat folgenden inhalts an ihn H. v. Kleist
w. 3, 179
E. Schm.; die schlichtheit und tüchtige treuherzigkeit, die ganze heroische naivität und ehrlichkeit Othellos O. Ludwig
ges. schr. 5, 156
Schm.-St.; von meinem vater ... wurde mein verkehr in dem tüchtigen bürgerhause gern gesehen Storm
s. w. (1898) 4, 39; es haut eben jeder mal über die schnur ... und ist auch nicht so schlimm, wenn einer nur sonst brav und tüchtig ist Fontane
ges. w. (1905) I 6, 57;
mundartlich en dügtig kerl
ein braver kerl; dügtige lüde
ehrsame, achtbare leute Dähnert
plattdt. wb. 92,
wenn sich hier nicht der alte gebrauch A
fortsetzt. C@22)
in der beziehung auf sachliches, dessen wert und leistung mehr als blosz ausreichend ist. C@2@aa)
als auszeichnendes prädikat im sinne von '
gut, ordentlich, trefflich' (
aber nicht im sinne des auszergewöhnlichen, des höchstrangigen).
namentlich neben geistigen erzeugnissen, während die anwendung auf stofflich-gegenständliches, die älterem sprachgebrauch eignet, primär noch zu B '
brauchbar, geeignet'
gehört (
s. ob. B 2 b
γ): ich lasse mir genügen, ob ihrer viel gleich fallen, wo nur noch platz behalten die tüchtigsten von allen (
sinnsprüchen) Logau
sinnged. 540
Eitner; ein ... wolklingendes, wolgefastes, herrliches, mühsames, kluges, liebliches, tüchtiges, zierliches, geringes, geputztes ... gedicht Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 610; ein vortrefliches blatt ... ein braves blatt ... ein tüchtiges blatt (
von einem kupferstich) Schiller 4, 185
G.; sieh! sieh! — er führte seinen guten bogen — und ist todt! — er schosz seinen tüchtigen schusz (
he shot a fine shoot)
Shakespeare (1797) 6, 280; er schreibt wie er denkt und spricht gar tüchtige dinge Göthe IV 31, 240
W.; vgl. IV 39, 241; lange habe ich mich nach einer tüchtigen übersetzung des Plato gesehnt Caroline
br. 2, 41
Waitz; ich hoffe ... dasz ich vom october an wieder mit tüchtigen beyträgen (
zu den horen) werde dienen können Göthe IV 12, 265
W.; eine kurze besprechung eines tüchtigen buches über Haller C.
F. Meyer
br. 62
Lang; eine reihe tüchtiger (
numismatischer) fachzeitschriften Luschin v. Ebengreuth
münzkde (1904) 11; dasz nach Adelungs tüchtiger leistung es bequem und leicht war, zwischen die in reinlicher übersicht alphabetisch geordneten wörter die übergangenen oder übersehenen einzuordnen Gombert
nomencl. amoris (1883) V; sie beschrieb diese bilder mit groszer anschaulichkeit und legte dabei ein tüchtiges und selbständiges kunsturtheil an den tag
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 228. C@2@bb)
im gleichen anwendungsbereich oft substantiviert etwas tüchtiges: denn wer was tüchtiges in einer kunst gethan, den sah er alsofort auch für sein landskind an König
ged. (1745) 121; mein einziger trost bleibt der, dasz es wohl jedem so gehen mag, der etwas recht tüchtiges will Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 432; wenn ... sie (
Storm) bereitwillig unsrem wunsche (
nach mitarbeit an einem belletristischen jahrbuch) nachkommen, so schlieszt das engagement fremder kräfte hiermit ab, und die hoffnung ist da, mit etwas tüchtigem vors publikum zu treten Fontane
ges. w. (1920) II 4, 69; sobald dieser übergang überstanden ist, hoffe ich etwas tüchtiges zu tun R.
M. Rilke
br. 1906 -1907 (1930) 284.
namentlich: nachgeahmt zu werden ist aber nur würdig, wer das, was er unternimmt, recht betreibt und immer an seinem orte etwas tüchtiges bietet, und wenn dieses auch nichts unerhörtes und erzursprüngliches ist G. Keller
ges. w. (1889) 6, 22; ich glaube, wenn ich jezt kein amt hätte, ich würde etwas tüchtiges leisten Stifter
briefwechsel (1918) 2, 155. C@2@cc)
in verbindungen oder substantiviert auch mit dem nebensinn '
solide, handfest, was hand und fusz hat, anständig',
der anwendung D (
s. d. 2; 3)
näher: wenn man jemand zum guten bürger bildet, und ihn nach der beschaffenheit seiner umstände allerley tüchtige gewerbe lehrt ... so hat man weit mehr getan Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 2, 7; hätte seine feine familie ihn was tüchtiges studieren lassen, denn wär er jetz schon ein jemachter mann Hirschfeld
d. mütter (1896) 78.
gern im gegensatz gegen alles schwärmerische, von dem, was nüchtern, praktisch, gegenwärtig, diesseitig ist, in genauer entsprechung zu dem für Göthe
und auch sonst bezeichnenden unterton innerhalb der persönlichen anwendung ob. b
α-γ: sehnsucht ins ferne, künftige zu beschwichtigen, beschäftige dich hier und heut im tüchtigen Göthe I 4, 115
W.; laszt fahren hin das allzu flüchtige! ihr sucht bei ihm vergebens rath; in dem vergangnen lebt das tüchtige, verewigt sich in schöner that ... so löst sich jene grosze frage nach unserm zweiten vaterland; denn das beständige der irdschen tage verbürgt uns ewigen bestand
derselbe I 3, 68; und nun kehrt er von der universität zurück, verwandelt, träumerisch in sich gekehrt, unlustig zu jeder tüchtigen arbeit und einer verworrenen welt von ausschweifenden gedanken und wünschen nachhängend Eichendorff
s. w. (1864) 2, 386; auch ihn (
Calderon), fand Solger, habe A. W. Schlegel ohne genauigkeit und nur von der auszenseite besprochen, so nöthig über ihn ein tüchtiges wort gewesen wäre, über den die Deutschen in ein gedankenloses schwärmen geriethen Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 570. DD.
in der bedeutung '
kräftig, gesund, kernig, stark, leistungsfähig, derb'.
für die verhältnismäszig schmale bezeugung in älterer sprache liegt unmittelbarer anschlusz an 1tucht (
s. d. 1)
nahe, dem die bedeutung '
kraft, stärke'
mhd. und älternhd. vorzüglich zukommt. der jüngere, im späteren 18.
jh. sehr nachdrücklich hervortretende gebrauch hingegen wurzelt kaum hier, sondern, gleich den übrigen jüngeren bedeutungen, in einer steigerung von B '
tauglich, brauchbar'.
wie bei C,
so hat auch hier der Göthe
sche wortgebrauch besonderes gewicht. seit der zweiten hälfte des 19.
jhs. ist die anwendung wieder weithin rückläufig. D@11)
im körperlichen sinn. D@1@aa)
allgemein '
gesund, kräftig, derb'
: validus dochtig (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 605
c; ee das tuchtig denne das untuchtig nimpt er hin (
der tod)
d. ackermann a. Böhmen 15, 23
Hübner; vnd so du weissest, das leute vnter jnen sind, die tüchtig sind, so setze sie vber mein vieh (
ל י)
1. Mose 47, 6.
sonst jünger: ein tüchtiger mensch
un homme fort robuste Schwan
dt.-frz. wb. (1784) 2, 795; ein derber, tüchtiger, nicht allzugroszer junger mann ... trat kräftig und sorgfältig den felsweg herab Göthe I 24, 5
W.; dasz diese tüchtigen körper und hübschen figuren, sonst durch barbarische pedanterei zugedeckt, nunmehr zu einiger evidenz gelangten, wobei alle derbheit doch immer zu einiger anmuth herausgestutzt erschien
derselbe I 25, 1, 266; am wenigsten darf er (
der turner) sich irgend eines tugendgebots darum entheben, weil er leiblich tauglicher ist. tugendsam und tüchtig, rein und ringfertig, keusch und kühn, frisch, frei, fröhlich und fromm — ist des turners reichtum Fr. L. Jahn
w. 2, 123
Euler; auf den dörfern begegnet man nicht nur stattlichen und tüchtigen, sondern auch gar feinen und zierlichen gestalten
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 5; meine schwiegertochter hat abermals einen tüchtigen jungen zur welt gebracht Göthe IV 33, 240
W.; ich bin wieder gesund und tüchtig genug, um recht arbeiten zu können Lenau in:
Lenau und Sophie Löwenthal 55
Frankl. D@1@bb)
speziell von gliedern und organen des körpers: die ode, der hymnus, musz ein tüchtiges knochengerüste von gedanken haben Schubart
in: D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 9, 315; so geb ich denn euern zwei tüchtigen backen zur kurzweil drei artige nüsse zu knacken Bürger
s. w. 66
Bohtz; der tüchtige fusz nimmt theil an ihrem glück, setzt dem erschlagnen frisch sich ins genick Göthe I 15, 1, 265
W.; und es sind deren (
der Deutschen) viele tausende in Paris, theils mit tüchtigen fäusten, theils mit tüchtigen köpfen Börne
ges. schr. (1829) 9, 32; da er eine klare, tüchtige stimme hatte Laube
ges. schr. (1875) 8, 187; und er zeigte den beiden andern grinsend die tüchtigen zahnreihen
quelle a. d. j. 1926. D@1@cc)
in der anwendung auf nutztiere, die gesund und leistungsfähig sind, ist die beziehung zu B '
brauchbar'
besonders zu spüren: sie (
die esel) ... mOegen aber nicht wol fr dem dritten jare tchtige guote fllen bringen Heyden
Plinius (1565) 220; einem ist sie (
die wissenschaft) die hohe, die himmlische göttin, dem andern eine tüchtige kuh, die ihn mit butter versorgt Schiller 11, 105
G.; nun stehen da unten zwey oder drey tüchtige gäule im stalle J. J. Chr. Bode
Thomas Jones (1786) 4, 80; im sattel auf einem tüchtigen braunen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 104.
am ersten von hier aus die gelegentliche anwendung auf pflanzliches wachstum: bedingungen eines tüchtigen waldwuchses Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 9. D@1@dd)
im sinne von '
handfest, derb',
auch '
männlich'
auf erscheinung und auftreten, benehmen und verhalten bezogen: wildgesang: geputztes volk du, flitterschau! sie kommen roh, sie kommen rauh, in hohem sprung, in raschem lauf, sie treten derb und tüchtig auf Göthe I 15, 1, 52
W. bei Göthe
auch mit dem für seinen wortgebrauch C 1 b
α-γ und 2 c
bezeichnenden unterton: liebesqual verschmäht mein herz, sanften jammer, süszen schmerz; nur vom tüchtgen will ich wissen, heiszem äuglen, derben küssen Göthe I 2, 271
W.; langsam, feierlich, mit unlieblichen schwenkungen und knicksungen, bewegte sich die rundliche frau pastorin ... mit ihren mamsellen töchtern gegen einander ... die männer nach ihrer weise eben so steif, aber doch tüchtiger ... da war doch noch etwas männliches darin E.
M. Arndt
w. 1, 18
R.-M. D@22)
in gegenständlicher anwendung als '
stark, derb, fest, solide',
von waffen, werkzeugen, vorrichtungen, bauten, materialien, stoffen und dgl. in den wenigen älteren belegen des 17.
jhs. wohl noch in unmittelbarer anlehnung an B: ... der tugent aigne hand must mit ihrem tüchtigsten band unsre hertzen zusamen binden Weckherlin
ged. 1, 244
Fischer; wer sich mit einem tüchtigen schwerdte gegen solche anfälle gedenckt in gewierige positur zu setzen, der wird sich bey einem gemeinen messerschmiede schlecht verwahren lassen Chr. Weise
polit. redner (1677) 699; dasz ... jene (
die principes) aber die tüchtigen ... zweyschneidigen... klingen bekamen B. G. Niebuhr
röm. gesch. 3, 116; man braucht auch an der wasser-seite nicht hohe und starcke wercke, und kan man um so viel desto mehr einen solchen ort auf der land-seite mit tüchtigen und starcken wercken versehen H. v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 391; sie (
die Oder) mit tüchtigen dämmen einzufassen Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 147; auf ... zwingern, welche ... mit tüchtigen eichenen pfosten verwahret sind Döbel
neueröffn. jägerpractica (1754) 2, 73; ich möchte ... wissen, ob ... mit einem tüchtigen stocke mehr auszurichten seyn möchte, als mit ... vorstellungen Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 291; am morgen ... schnitt sich Gockel einen tüchtigen knotenstock Brentano
ges. schr. (1852) 5, 157; Peleus sohn schritt weg zu den tüchtigen schiffen und zelten Bürger
s. w. 189
Bohtz. auch in diesem anwendungsbereich ein lieblingswort Göthes: schlägel und eisen und eien tüchtigen hammer I 24, 40
W.; saal, in keinem sinne gothisch oder altdeutsch. was von stein, musz ganz massiv, was von holz, ganz tüchtig sein (
dekorationsangaben) I 11, 343; man hatte diesen ganzen spitzbau aus tüchtigen sandquadern roh über einander gethürmt I 33, 10;
vgl. IV 29, 89; nachdem ich sie (
die flügeltüren) aus starken eichenen bohlen im ganzen tüchtig zusammengefügt hatte I 24, 326;
vgl. I 1, 325; IV 20, 8; mit tüchtigen schuhen erreichte auch der zarteste fusz ... seine schwelle Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 405; froh, dasz ich meinen neuen anzug von tüchtigem stoffe gewählt, der etwas aushielt G. Keller
ges. w. (1889) 3, 130; ein tüchtig kruzifix von silber schwer
ebenda 9, 153; die mauern hätten gerade die höhe eines tüchtigen zweistöckigen hauses E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 32
Gr. '
tragfähig',
eigentlich und übertragen: so könnte etwa ein tüchtiger grund gelegt werden Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 172; stolz ruht er auf tüchtigen kellergewölben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 7.
ähnlich speziell: es (
das boot) war gröszer und tüchtiger, vollbauchig gebaut Th. Mann
d. erwählte (1951) 116 (
vgl. seetüchtig). D@33)
von 1
und 2
her auf geistiges, unsinnliches gebiet übertragen, vgl. von hier aus als versuch einer definition: göttlichkeit mit härte verbunden ist mir das heiligste ... dasz doch alle tugend eigentlich nur tüchtigkeit sey. tüchtig ist das, was zugleich nachdruck und geschick hat, was zermalmende kraft mit stiller einsicht verbindet Fr. Schlegel in:
Athenäum 2 (1799) 23.
auch hier ist der Göthe
sche gebrauch der vielseitigste: über alle herzensangelegenheiten, die zartesten und tüchtigsten, sich gehörig und gefällig auszudrücken Göthe I 27, 252
W.; ferner gehörte ... nur eine tüchtige zeile, ein ächter kernspruch auf eine solche degenscheide IV 28, 21.
gern von dichterischen erzeugnissen naturhaft kräftiger art, in (
unausgesprochenem)
unterschied zu innerlich differenzierter, künstlerisch hochgezüchteter poesie, ungefähr innerhalb des gegensatzes von klassisch-naiver und romantisch-sentimentalischer dichtung: diese art gedichte, die wir seit jahren volkslieder zu nennen pflegen, ob sie gleich eigentlich weder vom volk, noch fürs volk gedichtet sind, sondern weil sie so etwas stämmiges, tüchtiges in sich haben Göthe I 40, 356
W.; mittags mit Goethe allein zu tisch. über die Nibelungen als ein von grund aus tüchtiges gedicht
Göthes gespr. 2, 227
W. v. Biedermann; vgl. tüchtig
als stehendes beiwort in Göthes
charakterisierung von liedern aus '
des knaben wunderhorn' I 40, 339; 342; 349
W. u. o.; der letzte teil von Vischers ästhetik, worin er die poesie behandelt, hat doch einen groszen fonds von gesundem tüchtigem inhalt an grundsätzen wie an erfahrung G. Keller
br. u. tageb. 2, 466
Erm.; mehr oder minder ist auch eine abgrenzung gegen das geniale fühlbar: der geist des ganzen (
in Törrings Agnes Bernauerin) ist männlich und tüchtig. psychologische feinheiten, aufschlüsse über die tiefe der menschlichen natur sind nicht darin zu suchen O. Ludwig
ges. schr. 5, 343
Schm.-St.; ein wirklich vornehmer sinn, eine tüchtige kraft und männliche würde durchdringt das ganze (
Mozarts C-dursymphonie) O. Jahn
Mozart (1856) 4, 135; es ist ein gotischer bau aus dem 12. jahrhundert ... schmucklos das ganze, aber von kräftiger und bestimmter wirkung, tüchtig und voll ernster würde
Liller kr.-ztg., sommerlese (1916) 3, 142. D@44)
abseits steht eine im schweizerischen begegnende sonderbedeutung '
schmackhaft, wohlschmeckend',
die vielleicht an altes tucht (
s. ob. 1tucht,
f.)
im sinne von '
kraft'
anzuschlieszen ist, vgl. Stalder
schweiz. id. 1, 323. EE.
für den jüngeren und jüngsten gebrauch des wortes ist, mehr noch als die verlagerung in die bedeutungen C
und D,
die entleerung von tüchtig
zum bloszen masz- und gradbegriff bezeichnend. sie erfolgt in ähnlicher weise wie bei gut,
wo sie sehr alt ist, bei gehörig, ordentlich, recht, richtig, anständig
u. a. für tüchtig
liegt der ausgangspunkt in der über B '
brauchbar, geeignet, ausreichend'
hinaus gesteigerten bedeutung C '
gut',
z. t. wohl auch in D '
kräftig'.
ansätze zu diesem bedeutungswandel zeigt schon das 17.
jh. (
s. u.);
im übrigen greift sie in steigendem masze seit dem zweiten drittel des 18.
jhs. um sich, weniger freilich in der gehobenen und bewuszt gepflegten sprache als in den schichten derberer oder unbekümmerterer redeweise, der umgangssprache und der mundart, wo diese bedeutung als die gängigste, teilweise sogar als die einzig verzeichnete erscheint und als entlehnung aus der schriftsprache zu gelten hat (
vgl. die einschlägigen wbb.).
an älteren ansätzen vgl. s. v. taugen II 1 a,
teil 11, 1, 1, 197
oben die wendung dasz es taugte = '
sehr, kräftig'
mit belegen des 17.
jhs.; dazu ebenda sp. 199
unten ein zum tügen '
sehr, gewaltig'
bei Opitz, Logau
und Gryphius,
ferner Hoffmann v. Fallersleben
beitr. zu einem schles. wb. 27.
für tüchtig
selbst liegt ein früher gebrauch des wortes im sinne eines maszbegriffs vielleicht bei Schottel
vor: Gerhard Voszius zeucht ... die nahmen der Griechen und Lateiner an, welche in jhren sprachen und zu wahrer befoderung derselben, sowohl de vocum originibus, unde proprietas cognoscitur, als de vocum significationibus et usu ipso geschrieben, und also tüchtiger massen hand angeschlagen, gute mit- und samthülfe getahn, bis ihre sprache zu völliger ... ausbauung gerahten
haubtspr. (1663) 141;
s. auch den Weckherlin
-beleg s. v. tüchtiglich. E@11)
in attributiver anwendung. sie scheint sich mit dem adverbialen gebrauch (
s. u. 2)
etwa gleichzeitig und in gleichem masze zu entwickeln. E@1@aa)
als raum- und gröszenmasz, '
grosz, dick, breit, weit',
je nach dem beziehungswort: (
ich) faste das brodt und schnitt mir eine tüchtige scheibe herunter J. J. Chr. Bode
Yoricks empf. reise (1768) 2, 151; ich beauftragte den hirten, mir ... einen tüchtigen laib brod mitzubringen Barth
Kalkalpen (1874) 371; ich will euch drei tüchtige fliegen verschaffen, sagte sie zu den kreuzspinnen Novalis
schr. 4, 203
Minor; ich hatte noch nicht die kenntnisz, dasz die zinnseifen so derbe, tüchtige stücke führen Göthe IV 32, 100
W.; vgl. I 24, 58; ich habe schon ein paar tüchtige actenfascikel gesammelt
derselbe IV 12, 309
W.; schon bei Paris ist sie (
die Seine) ein tüchtiger ... flusz Laube
ges. schr. (1875) 4, 172; über den grauen kopf ... lief eine tüchtige schmarre Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 1, 81; kennst du den dachfirst auf dem Krummenauer palas? ich denke, der hat eine tüchtige höhe Sperl
d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 424; ein andrer mann hätte nur vier tüchtige schritte gebraucht; unser schneider machte mehr als noch einmal soviel O. Ludwig
ges. schr. 2, 314
Schm.-St.; doch faszte er sich ein herz und that einen tüchtigen sprung über den tiefen abgrund br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 143; nun, herr förster, tüchtigen marsch gemacht? G. Hauptmann
d. weber (1892) 55. E@1@bb)
mehr in der bestimmung von menge, zahl und gewicht, nicht immer eindeutig gegen a
abzugrenzen: nebst einer tüchtigen kanne wein (1731) Schnabel
insel Felsenburg 11, 10
Ullrich; er pries das aufgetürmte gericht ... und trank einen tüchtigen krug golden braunen bieres dazu G. Keller
ges. w. (1889) 3, 225; obgleich ein tüchtiger vorrath (
an fertigen teilen des Wallenstein) beisammen ist, so sind noch einige lücken Schiller
br. 5, 361
Jonas; Bendel ... streckte sich im sessel und nahm ein tüchtiges frühstück zu sich Göthe I 51, 269
W.; ein kluger fürst der münzt sie (
alte taler) ein und thut ein tüchtigs kupfer drein
aerselbe I 16, 109; er läszt euch ein tüchtiges vermögen zurück, der alte goldfink Tieck
schr. (1828) 3, 251; ein matrose ... wirft ... als dankopfer für glückliche heimkehr ein tüchtig stück geld in den klingelbeutel Allmers
marschenb. (
31900) 393; die richter sitzen in der reihe, von mördern eine tüchtge schar Lenau
s. w. 555
Barthel; damit die politische zersplitterung, und die mit demselben unzertrennlich verknüpften kleinigkeiten ein tüchtiges gegengewicht erhalten Thibaut
bürgerl. recht (1814) 436.
seltener neben einem nomen agentis: es sind tüchtige fresser (
die wacholderdrosseln) Naumann
vögel (1822) 2, 1, 306. E@1@cc)
um wirkungsgrad und intensität einer handlung, eines ereignisses, einer äuszerung zu bestimmen, im sinne von '
kräftig, ordentlich, gründlich'.
neben körperlichen handlungen: und hat ihm denn der nicht mit einer tüchtigen tracht schläge das trinkgeld gegeben?
slg. v. schausp. (1764) 4,
d. brüder 60; dugtige släge
brem.-nds. wb. 1 (1767) 221; eine tüchtige tracht prügel Ric. Huch
d. grosze krieg (1920) 3, 72; er habe ein frauenzimmer küssen wollen, und habe dafür zur belohnung eine tüchtige ohrfeige erhalten
br., d. neueste litt. betreffend 19 (1764) 68; so gab man ehemals ... den umstehenden kindern tüchtige ohrfeigen Göthe I 22, 113
W.; einen tüchtigen klaps Fontane
ges. w. (1905) I 5, 4;
Walter: hör, jetzt geb ich dir einen kusz. darf ich?
Ruprecht: und einen tüchtigen H. v. Kleist
w. 1, 450
E. Schm.; dasz man sich die metalle und das erz durch tüchtge schläge zur trompete rundet Hebbel
w. 4, 63
Werner. von körperlichen zuständen: (
er) kam abends um neun uhr mit einem tüchtigen räuschgen ganz verdrüszlich nach haus U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 108; wenn tüchtiger hunger da ist, dünkt alles gut Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 410
b; ich habe mit einem tüchtigen schnupfen zu schaffen Jac. Grimm
an Dahlmann in: briefw. (1885) 1, 302.
von witterungs- und naturvorgängen: zum glück kommt jetzt ein tüchtiger regen A. v. Arnim
s. w. (1853) 19, 276; ein ächter schifferpastor war dieser ... Tillenius und konnte schon einen tüchtigen sturmwind aushalten W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 3, 92;
vgl. s. w. I 3, 5; ich wette, wir bekommen ein tüchtiges gewitter Bauernfeld
ges. schr. (1871) 3, 165; in der sylvester-nacht bei tüchtigem frost und schneegestöber E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 257
Gr.; wenn auch irgend eine tüchtige feuersbrunst einem buchhändler aufhelfen könnte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 118; da liesz der meister die fenster schlieszen und in dem groszen eisernen ofen ... ein tüchtiges feuer machen
denkw. u. erinn. eines arbeiters (1903) 288
Göhre. weiter: heute hielt mir baase
N. eine tüchtige strafpredigt U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 153; diesen (
verächtern der kunst) eine tüchtige lektion zu geben, das ist jetzt mein vorsatz und beruf E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 32
Gr. E@1@dd)
neben begrifflich allgemeineren und abstrakten beziehungsworten: dasz ich schon manche tüchtige lüge von mir und wider mich zu lesen, das vergnügen gehabt habe Lessing 10, 427
L.-M.; und doch ist nichts in meinem laden, dem keiner auf der erde gleicht, das nicht einmal zum tüchtgen schaden der menschen und der welt gereicht Göthe I 14, 206
W.; dieser lärm war nichts mehr und nichts weniger, als ein tüchtiger haderkampf zwischen zwey personen J. J. Chr. Bode
Thomas Jones (1786) 6, 45; sie hatte eine tüchtige freundschaft zu mir gefaszt Göthe I 29, 188
W.; er hat eine tüchtige schlappe davon getragen Körte
sprichw. (1837) 384; aber ein tüchtiger anfang ist gemacht, sichere fundamente sind gelegt D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 6, 26; er besasz neben tüchtigen juristischen kenntnissen jenen gleichstand allgemeiner bildung, der in Deutschland so verbreitet ist Moleschott
Herm. Hettners morgenroth (1883) 41. E@22)
adverbial, grösztenteils in den entsprechenden, teilweise auch in freieren beziehungen als unter 1. E@2@aa)
namentlich als grad- und intensitätsbegriff wie unter 1 c,
im sinne von '
sehr, kräftig, ordentlich, gründlich'.
meist von körperlichen handlungen: er hätte mir vorhin noch so tüchtig drepanirt, ... gesäget, ... beschnitten werden müssen, dasz er dem Pluto etwas von meiner doctorsmarter hätte zu erzehlen gewust Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 13; der sultan ... geht ins bad, wird tüchtig abgerieben Eschenburg
beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 216; den sie aber seiner grösze ungeachtet zuweilen tüchtig zu schlagen beliebten A. G. Meissner
Alcibiades (1781) 2, 63; (
er) bläute den ahnungslos dahinschreitenden tüchtig durch
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 149; (
er) stiesz ihr den ellbogen tüchtig in die seite G. Keller
ges. w. (1889) 4, 259; seht euch nur nach recht wackerm kriegsvolk um, die tüchtig zuschlagen Göthe I 13, 1, 254
W.; 'da, Gackeleia, wische dich schön ab und putze dir die nase tüchtig' Brentano
ges. schr. (1852) 5, 144; ich flog, unangefochten von dem schwarme, zur ros und küszte auf den mund sie tüchtig Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 164; es wird mir recht wohl seyn, wenn ich ohne gefahr hier sitzen und tüchtig einhauen kann Langbein
s. schr. (1835) 31, 121; er wickelt seine hefte in eine rolle zusammen ... und greift sodann mit langen beinen tüchtig aus Holtei
erz. schr. (1861) 7, 121.
von naturhaften wirkungen: das meiste (
gepäck) war, wie die personen selbst, tüchtig (
vom regen) durchweicht Göthe I 21, 256
W.; wir lassen offen. die sonne wärmt noch tüchtig G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 44.
weiter namentlich: eenem düchtig bescheed seggen Strodtmann
Osnabrück (1756) 24; er hat ihm tüchtig die wahrheit gesagt H. L. Wagner
theaterstücke, Evchen Humbrecht (1779) 19; dem cardinal ..., der ihn tüchtig ausschalt Göthe I 44, 75
W.; allerdings nicht ohne die gelegenheit wahrzunehmen, tüchtig zu schimpfen Polenz
Grabenhäger (1897) 179. E@2@bb)
mehr, wenn auch oft ohne scharfe grenze zu a,
als mengenbegriff, entsprechend 1 b,
oft im sinne von '
viel, reichlich': blühe wein und trage tüchtig A. v. Arnim
trösteinsamkeit (1883) 59; endlich einmal ein gast ..., der tüchtig iszt und trinkt G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 98; und Lene gefragt, 'ob sie denn auch tüchtig von den tropfen eingegeben habe ...' Fontane
ges. w. (1905) I 5, 262; soviel fühlt jeder, dasz das leben auf zuwachs zugeschnitten ist, und dasz man schon tüchtig zunehmen darf, eh man es ganz ausfüllt R.
M. Rilke
br. 1914 -1921 (1937) 19; hast die letzte tagereise tüchtig marschieren müssen Tieck
schr. (1828) 1, 152; dasz es den adel vaterländischer festgesänge nicht entweihen kann, wenn sie tüchtig bezahlt werden, beweisen die Griechen und Pindar
Athenäum (1798) 1, 2, 28. E@2@cc)
in bestimmten, durch die anwendung bedingten sekundären sonderbedeutungen. '
gründlich, genau',
neben geistigen, inneren tätigkeiten: es ist mir lieb, dasz du dich einmal an den gegenständen so tüchtig durchprüfst, du wirst wenig finden, was du nicht zurecht legen könntest Göthe IV 31, 201
W.; jedes wesen will unablässig, tüchtig und entschieden Schopenhauer
w. 2, 249
Gr.; der erste weisz etwas tüchtig, der zweite weisz vieles halb E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Dtsch. (1845) 1, 453; nun also, so denkt! rathgeber, denkt einmal recht tüchtig Tieck
schr. (1828) 5, 14. '
fleiszig, eifrig': in allen haus- und handwercksgeschäften griff ich tüchtig ein Göthe I 25, 235
W.; '
laut': dafür lachten mich Schätzer und Weibel tüchtig genug aus U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 153; Johannes schrie tüchtig W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 21. '
lebhaft': im winter 1790 kam er einst zu Mozart und fand ihn in seinem arbeitszimmer mit seiner frau tüchtig herumtanzend O. Jahn
Mozart (1856) 3, 231
anm. 121. E@2@dd)
als gradbegriff '
sehr, ordentlich, kräftig'
auch in intransitiven verbindungen, auf zuständliches bezogen: wir hatten den tag vorher durch unsere spionen wind gekriegt, der Roller liege tüchtig im salz Schiller 2, 91
G.; sie haben würmerspeis aus mir gemacht. ich hab es tüchtig weg; verdammte sippschaft! Göthe I 9, 216
W.; er blutete nur tüchtig E.
M. Arndt
w. 1, 21
R.-M.; oben fing es tüchtig an zu regnen Moltke
ges. schr. (1892) 4, 21. E@2@ee)
gelegentlich auch als verstärkungsadverb neben adjektiven: ... jung, schön, ja; aber tüchtig kokett Müllner
dram. w. (1828) 5, 152; mischt und rührt es, dasz der brey tüchtig dick und schleimigt sey Schiller 13, 101
G.; ich bin verliebt, und, bei gott! ich nehme mir vor, es ganz unmäszig zu sein und den becher tüchtig rasch hineinzutrinken, in den sie uns das himmlisch süsze gift thun A. Stifter
s. w. 1 (1904) 73. E@2@ff)
ungewöhnlich in der verbindung (et)was tüchtiges
an stelle des verstärkenden adverbs tüchtig: dergleichen volck schnorrt das ganze jahr im land herum, und schiert die leut was tüchtigs Göthe I 39, 6 (
Götz)
W.; einen ... zickzackweg zu benützen ..., weil es dabei was tüchtiges zu steigen ... gebe Fontane
ges. w. (1905) I 4, 50.