stahl,
m. gehärtetes eisen. II.
verwandtschaft und form. I@11) stahl
ist ein gemeingerm. wort. im got. unbelegt; altn. stál,
n. Cleasby-Vigfusson 589
b;
daraus dän. staal,
schwed. stl,
n.; ags. stýle, stéli, stíle,
n. Bosworth - Toller 920
b,
mittel- und neuengl. steel,
vgl. Skeat 594;
altfries. unbelegt (
vgl. jedoch stählen),
neuwestfries. stiel (
in Schiermonnikoog stîəl),
nordfries. stähl (
Karrharde: ste
il),
s. Richthofen 1047
b. Siebs
in Pauls
grundr.2 1, 1394. 1428;
auch im ältern nd. spärlich bezeugt: alts. *stahal,
dafür stehli,
chalybem Wadstein 93
b, 36,
mnd. stâl, stael Schiller - Lübben 4, 355
a,
mnl. stael,
holl. staal,
vgl. Franck 950;
ahd. stahal, -el, -il, stâl Graff 6, 634
f. (
auch als personenname und als erstes glied von solchen, s. Förstemann 1
2, 1359,
wo Stallo
jedenfalls auszuscheiden ist, vgl. Socin
mhd. namenb. s. 47, 3),
mhd. stahel
und stâl Lexer
handwb. 2, 1128;
chalybs, gew. calibs hd. stagel, stahel .., stale;
hd. nd. stal, stael. Dief.
gloss. 90
a;
stachel, stahell, stahel, staal.
nov. gloss. 66
b;
calibs stahel
voc. opt. 25
a Wackernagel (11, 31). I@22)
auszerhalb des germ. läszt sich mit sicherheit das altpreusz. stakla-
in pannu-staklan (
acc., erklärt mit vuerysen)
feuerstahl, mit dem urgerm. *stahla-
identifizieren (
wobei indessen die möglichkeit der entlehnung nicht ausgeschlossen ist),
vgl. Nesselmann
thesaurus ling. Pruss. 119. Berneker
d. preusz. spr. 239
b. 310 (
Elbinger voc. 370;
deutlich entlehnt ist das russ. stalĭ).
weitere beziehungen sind unsicher, doch hat die zusammenstellung mit dem skr, stákati '
sich stemmen, widerstehen'
und dem avest. staΧra- '
steif'
einige wahrscheinlichkeit, s. Fick3 3, 344. Schrader
reallex. der idg. altertumsk. 795
f. Wachter 1579. Weigand 2, 792. Kluge
6 375
a. Franck 950. Skeat 594. ten Doornkaat Koolman 3, 297
b. J. Grimm
gramm. 2, 99. Fr. A. Wood
modern language notes 13, 290, 10. I@33)
die normale mhd. form ist stahel,
doch ist auch das contrahierte stâl
sehr gewöhnlich, nicht nur in mitteld. quellen (
Rolandsl. 95, 11.
Pil. vorr. 6.
pass. 667, 58
Köpke. livl. reimchron. 1595,
s. unten),
sondern auch oberd. so schreibt Lachmann
in den Nib. durchweg stâl,
während Bartsch
daneben stahel
setzt; jenes ist einmal durch den reim gesichert: sîn (
Volkers) videlboge snîdetdurch den herten stâl: er brichet ûf den helmendiu lieht schînenden mâl. 1943, 3.
weitere oberd. reimbelege: in der innern Indîâ dâ ist einer slahte stâl (
var.: stral), daʒ hât von golde rôtiu mâl und ist sô herte daʒ eʒ den stein rehte snîdet als ein zein.
Wig. 4755; durch sîn herze ein scharpfe strâle von golde und von hertem stâle.
krone 10527; daʒ mîn herze dâ vor gestêt, wære eʒ als Mont Olivêt und dar zuo von stâle, — daʒ eʒ deheine twâle mak gehaben, eʒ zervar und breste in .. stüke gar. Reinbot v. Durne
Georg 819; wart er (
der baum, sturmbock) beslagen mit îsen und an dem orte über al mit wehsem eckel (
stahl) unde stâl (
var.: stachel). Ottokar
reimchron. 31185. (
daneben stahel : gemahel 25899,
s. unten II, 2,
c, δ.)
so ist wol auch zu lesen: wes man bedarff von ertz ..., man vindt uff dem berg wol, desz brennt man da ön zal golt, silber, ysin, kupfer, stahal.
leb. der hl. Maria Magd. in Mones
anz. 8, 490.
im nhd. ist die schreibung stahel im 16.
jahrh. noch sehr gewöhnlich, darüber hinaus kommt sie nur vereinzelt noch vor: stahel,
chalybs Dasypodius;
chalybs, acies ferri Fischart
onomast. (1574)
s. 31; stahel Frischlin
nomencl. (1586) 22
b (
c. 13); stal, oder stahel,
acies. Agricola
bergwerck buch (
auszl. der bergkwörter);
stomōma ... quod chalybem, Silius, nucleum et aciem quoque ferri, Plin. vocat, stahel. Corvinus
fons lat. 452
b (
neben stahl 442
b).
belege aus der litteratur s. unten (
tirol. weisth. 4, 566.
Teuerd. 44, 6. H. Sachs. Lonicerus 339 B. Paracelsus 2, 256 B: sthahel. Wirsung.
reichstagsabsch. 7).
im spätern oberd. wird auch häufig das h
zum spiranten verdickt, so dasz stachel entsteht, vgl. die glossen unter 1.
die belege gehören zumeist dem 16.
jahrh. an, kommen indessen auch im 15.
und 17.
vor; besonders zahlreich in den österr. weisth. (stachel
tirol. weisth. 4, 477, 17. 479, 3. 6.
steir. taid. 369, 2,
meist stachl
Salzb. taid. 331, 38.
tirol. weisth. 1, 17, 25. 41, 9. 4, 477, 20.
Salzb. taid. 401, 10,
neben stal 339, 27,
s. ferner die pluralformen unter 5.)
ferner: ein schiff .., dorinne vil koufmanschatz was ... und wol 30 zentner stachels.
Basler chron. 4, 340, 9 (
zum j. 1462); ach, sprach die ein, Feür wa finden wir dich? sie sprach, in einem harten stein, da schlahen mit einem stachel daran, so finden ir mich. Pauli
schimpf u. ernst 17
Österley; chalybem præparatum oder præparirten stachel (
kannst du) zu der miltz ... gebrauchen. Schuppius (1663) 755; die schënckel (
des bildes), so ich (
Daniel) wytter sagen, warend von stachel, ysen g'schweizt. Ruff
Etter Heini 3651; und ist so wolfeil bi üch gesin stachel und isen, brot und win. (Hans Rud.) Manuel
s. 303, 12
Bächtold. sonst ist das h
verstummt und wird nur graphisch als dehnungszeichen beibehalten. diese schreibung stahl
ist im nhd. von anfang an die herrschende; daneben natürlich stal, so bei Luther, Postel
und noch bei Arndt,
s. unten. seltner ist andre längenbezeichnung: staal, chalybs Gottsched 142,
auch bei Wiedemann
gefangensch. 1, 29
und Withof
acad. ged. 1, 259,
s. die belege. vereinzelte schreibweisen zuweilen in der ältern sprache: item bynnen onsen dinckstuyl, so in is in onsen zijden noch in mannes gedencken silver, bly, yseren noch
stäil gegraven.
weisth. 2, 789 (
vom j. 1413). I@44) stahl
ist in den andern germ. sprachen (
auch im nl.)
durchaus neutr. dagegen erscheint es im mhd. fast ausschlieszlich als masc. (
während die ahd. und mnd. belege das geschlecht nicht erkennen lassen),
so deutlich Lampreht
Alex. V. 1260,
Nib. 979, 3
und 1943, 3 (
s. 3),
Pilat. vorr. 6, Ottokar 25899, Suchenwirt 45, 64;
das neutr, findet sich noch vereinzelt, so in der unter 3
angezogenen stelle aus Wig. (4755).
vgl. J. Grimm
gramm. 3, 378.
auch im nhd. bezeichnen die wörterbücher stahl
durchweg als masc., doch begegnet das neutr. wiederholt in der litteratur des 17.
jahrh.: welche eydesleistung der griechischen nahe kommet; da bey bündnüssen ein glüend stahl ins meer geworffen, und betheuert wird: es solle der bund so lange tauern, als solch stahl nicht wieder ans licht käme. Lohenstein
Armin. (1690) 2, 390
b; mein blankes schwerd hat nie gerostet noch gerastet: sein weitbeschreytes stahl hat herrlich überglastet drey theile dieser welt, und allemahl mit sieg. v. Birken
ostl. lorbeerh. (1657) 180; den hochbegabten schmid (
nämlich den organisten Hammerschmid), der nicht ein hartes stahl, ... nicht silber oder gold mit einem eisern hammer der welt zum besten schlägt.
Rist Parn. (1668) 33; er hat viel tausendmahl durch ein geschnittnes stahl auff müntzen fürgestelt den Oldenburger held. 481; und gleichwol müssen noch die allerklügste fragen: woher doch dieser stein (
der magnet) die wunderkraft gewan, das er ein hartes stahl so zu sich ziehen kan? 781. I@55)
die flexion ist die regelmäszige starke. auffällig ist folgende stelle, welche eine sonst nie vorkommende schwache bildung zu enthalten scheint: der donner, plitz und
staln, wie ir sehend, schlegt gewönlich in die grosze, hohe gebäw und bäume.
Kirchhof wendunm. 3, 28
Österley (4, 19).
auch folgende stelle ist merkwürdig: gotes muoter reine und dar zuo sîn gemahele, dû hâst der tugende stahele sô wol gescherpfet an dem snite daʒ dû der natûre site verschriete mit der kiusche dî
n. Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 440,
wo die metrisch notwendige form allerdings nur von éiner handschr. (
v. 1350)
geboten wird, während die andern gemahel: stahel
haben. vgl. W. Grimm
anm., der stahele
als plur. faszt. sonst scheint der plur. in den mhd. belegen nicht vorzukommen. auch im nhd. ist er nicht allgemein üblich und begegnet nur in bestimmten verwendungen (
von stählernen geräten).
in der ältern sprache von armbrüsten, stets mit umlaut gebildet, so bei Schaidenreiszer
als stähel
und häufig in den österr. weisth. als stächl, s. unten II, 3,
b; nur in folgender stelle scheint der umlaut zu fehlen: (
niemand soll) ainich pirschpixen, armbrost, stachl und dergleichen weter an die gebirg ... bringen.
tirol. weisth. 1, 17, 25;
dabei wird vereinzelt sogar das ch
weiter zum verschluszlaut verhärtet: item niemand soll unzimblich wörn, als püxen,
stäckl, armprost, wurfpfeil, kreuzhacken, pleikugln und dergleichen tragen. 2, 368, 13 (16.
jahrh.).
von den wörterbüchern verzeichnet nur Stieler 2117
den plural: stal, der,
plur. die stale,
et stahl,
promiscue enim scribitur, chalybs, stomoma, purissimum et purgatissimum ferrum, ferri nucleus. sonst begegnet ein plural erst wieder bei Klopstock,
und zwar ohne umlaut stahle, zumeist von schlittschuhen, offenbar als freie neubildung; Göthe (26, 336)
dagegen sagt in demselben sinne stähle,
s. unten II, 3,
h. in technischen gebrauchsweisen auch stahlen, s. II, 3,
i. I@66)
in den lebenden mundarten ist stahl,
wie es scheint, überall masc.; sonst entsprechen die formen denen der ältern sprache. im gröszten theile des oberd. ist das h,
gewöhnlich als spirant oder verschluszlaut, erhalten: schweiz. stăhĕl Hunziker 249, stahăl Bühler
Davos 1, 131,
in Basel staachel Seiler 276
a;
bair. stàhhəl, stàgl (
plur. stáhhəl) Schm. 2, 744,
im bair. wald stāhəl, štāʒəl
Bayerns mundarten 2, 258,
in Iglau stʒl Frommann 5, 216,
österr. stagl Klein 2, 167, stgl Hügel 154
b, schdgl Castelli 232,
tirol.-kärnt. stchl Schöpf 696. Frommann 6, 38, 3 (
Unterinnthal). Lexer 238 (
demin. stâchile),
in Luserna stachel Zingerle 52,
steir. stahel Unger-Khull 568
a.
sonst mit ausfall des h
und gedehntem vocal (
in den meisten idiotiken nicht angegeben, doch wol überall vorhanden):
els. štâl, štôl Martin-Lienhart 2, 588
b,
in Handschuhsheim staal Lenz 67
b,
in Köln sthl Hönig 152
a.
nd. staal Strodtmann 227 (
auch staul).
brem. wb. 4, 986. Schütze 4, 179. Dähnert 455
a. Stürenburg 258
b. ten Doornkaat Koolman 3, 297
b,
in Waldeck štl Bauer-Collitz 98
b. IIII.
bedeutung. II@11) stahl
im eigentlichen sinne, als stoff (
ohne plural): stahel (der)
nucleus ferri, chalybs. Maaler 383
d; stahl,
m. acier. acciaio. Hulsius
dict. 305
b;
nucleus ferri, das beste eisen, stahel,
sicut nos dicimus, kerngut. Corvinus
fons lat. 442
b; stahl,
m. chalybs. acier. Schottel 1420; stahl, stal,
m. acciaro, acciaio. Kramer
dict. 2, 903
b; stahl (der)
chalybs, ferrum induratum. Steinbach 2, 656.
vgl.: stael,
chalybs, stomona, nucleus ferri, acies ferri: genus durissimi purgatissimique ferri, quo ferrum induratur. Kilian; stahel. heiszt griechisch
chalybs, und bey dem Polluci
stomoma, lateinisch
chalybs, bey dem Plinio
nucleus ferri, und
acies ferri. Wirsung
artzneyb. im reg. II@1@aa)
definition: stahel ist auch ein eisen, ist aber subtiler, unnd gleich einem distillierten eisen. darumb ist es auch härter, klärer und besser. Lonicerus
kreuterb. 339 B; wenn es (
das eisen) wol geläutert (gesaubert) und etliche mal gehärtet ist, so wird es stahl genennet. Comenius
sprachenth. 98. stahl
ist eisen mit ½
bis gegen 2%
kohlengehalt; er liegt in dieser beziehung und in der dadurch bedingten härte in der mitte zwischen roheisen (
das weniger kohle enthält)
und schmiedeeisen und hat mit jenem die leichte schmelzbarkeit, mit diesem die schmiedbarkeit gemein. vgl. Karmarsch-Heeren
3 2, 770. eisen in stahl verwandeln.
Adelung: wenn es nun im fliessenden wasser zum öffternmal wol abgehertet, so wird auch stahel ausz eisen. Mathesius
Sar. 79
a; so wird ausz gutem eisen ein rechter stahel. 79
b. II@1@bb) stahl
ist also nur eine besondere form des eisens. jedoch betrachtet es der gewöhnliche sprachgebrauch wie ein besonderes metall für sich und nennt es gern mit dem eisen
zusammen, vgl. Ottokar
unter I, 3,
ferner: stahl und eisen, eisen und stahl,
ferro ed acciaio. Kramer
dict. 2, 903
b; von ander kaufmanschaft, als hönig, wachs, leder und har, daran mer wagnus ist, dann an eisen und stahel.
tirol. weisth. 4 566, 36; man kan stahl und eisen vertreiben, so vertreibt man auch wol menschen. Petri Ppp 3
a. Henisch 866, 42; got frue und spat den nim zu hilff für stahel und für eisen. Oswald v. Wolkenstein 94, 60
Schatz; und schweret, wenn ihr schreibt, der frau bey stahl und eisen: ihr könnet ohne sie kaum eine stunde seyn. Picander 1, 250.
vgl. auch unten 2,
b. c. II@1@cc)
so reden namentlich ältere quellen auch von mineralischem, in bergwerken gegrabenem stahl,
vgl. unten stahlerz,
s. weisth. 2, 789
unter I, 3
zu ende; ferner: die ertz desz kupffers, zinnes, bleys, eysens, stahels, und welcherley andere geschlechte es seyen.
reichstäg absch. 7; stahl,
chalybs, acier. ein metall, so dem eisen am nähesten kömmt, und von demselben allein in der härte unterschieden. er wird neben dem eisen aus der erde gegraben, oder durch kunst gehärtet. Jablonski 745
b,
ebenso Zincken
öcon. lex.2 2797,
mit der fortsetzung: am Fichtelberg, im Vogtlande, wird ein sehr guter stahl gegraben;
vgl. auch: ihn (
gott) lobet auch das erz und stahl, ihn silber, gold und eisen. Spee
trutznacht. s. 113
Balke (27, 101); ja lobet ihn auch jederzeit ihr erz und glockenspeisen, der erden reiches ingeweid, gold, silber, stahl und eisen. 119 (28, 188). II@1@dd)
jetzt versteht man unter stahl
durch kunst gehärtetes eisen, s. Nemnich (
chalybs): stahel kümt von eisen und wirt hert von vil smitslegen und widerprechen, alsô daʒ er kraft gewint über daʒ eisen. Megenberg 479, 26.
zur herstellung des stahles giebt es verschiedene verfahren, wonach zugleich die entsprechenden sorten verschieden benannt werden: 1)
die herstellung direct aus den erzen durch rennarbeit, d. h. durch oxydierendes schmelzen (rennstahl,
bei Jacobsson 4, 247
a kernstahl,
auch wolfsstahl,
vgl. c)
ist immer mehr auszer gebrauch gekommen; 2)
durch frischarbeit aus roheisen, und zwar in frischherden (herdstahl, schmelz-, brescianstahl)
oder in flammenöfen durch ein besonderes puddlingsverfahren (schweisz-, puddel-, puddlingstahl)
oder durch einpressen von luft in geschmolzenes roheisen (flusz-, bessemerstahl),
vgl. auch hammer-, luppstahl (
theil 6, 1313); 3)
durch ausglühen von roheisen mit oxydierenden pulvern (glühstahl); 4)
durch glühen von schmiedeeisen mit kohlenstaub in verschlossenen kästen (cementierter stahl, cementstahl,
auch brenn-, blasenstahl); 5)
durch zusammenschmelzen von schmiedeeisen mit gutem roheisen (Martinstahl);
ferner können aus diesen arten, die man als rohstahl (
s. theil 8, 1134)
zusammenfaszt, durch raffinierung weitere stahlsorten gewonnen werden, und zwar durch wiederholtes zusammenschweiszen, aushämmern oder walzen, strecken oder gerben der gerb-
oder raffinierstahl,
oder durch umschmelzen der guszstahl.
näheres über stahlbereitung s. Zincken
öcon. lex.2 2798. Eggers 2, 973—5. Adelung. Jacobsson 4, 248
bf. 7, 420
b. 422
f. Krünitz 168, 593—614. Karmarsch-Heeren
3 3, 1—50. 8, 435—441. Scheuchenstuel 230
f. II@1@ee)
ferner werden stahlsorten benannt nach dem ursprungslande, wobei die unterschiede theils auf der beschaffenheit der verwendeten eisenerze, theils auf dem darstellungsverfahren beruhen. in älterer zeit sind besonders fremdländische arten bekannt und geschätzt: nackende Chalyber zollen dir stahl. Voss
Virgils landbau 1, 58; goltvarwer stahel ûʒ Indiawas die glevîe gezieret mit rubîne.
jüng. Tit. 1284, 4 (
vgl. Wig. 4755
unter I, 3); ich trage, wenn ich singe, die cither und die klinge von Toledanischem stahl. Geibel 1, 19 (
d. hidalgo).
besonders auch Damascener stahl,
s. theil 2, 701. Krünitz 168, 634—6: so du eine gute säbelklinge erwischen magst .. von gutem Damascener stahl. Fr. Müller 3, 42. —
in neuerer zeit gilt der englische stahl
als der beste, demnächst der steiermärkische,
von deutschem stahl
der kölnische, Solinger
u. s. w., s. Jacobsson 7, 419
f. —
andre arten werden nach beigemischten metallen benannt, so wolframstahl,
der dem gehalt an wolfram (
statt kohle)
seine härte verdankt. (
dagegen enthält silberstahl
meist kein silber, s. theil 10, 1, 1046.
einen fabelhaften stahl
mit eingesprengtem golde kennt Wig. 4755,
s. I, 3.)
benennung nach der form, worin der stahl
in den handel kommt: brockenstahl,
th. 2, 395,
vgl. Jacobsson 4, 247
a.
häufiger nach den gegenständen, die daraus verfertigt werden: federstahl (
theil 3, 1409), feilen-, klingen-, messer-, scharsachstahl (
theil 8, 2221), sensenstahl (
th. 9, 611).
vgl. ferner edel-, eierstahl, kernstahl (
th. 5, 611), kistenstahl (
theil 5, 859), specialstahl (
theil 9, 2202)
u. a. zahlreiche benennungen sind besonders bei Krünitz 168, 628—32. 634
ff. Karmarsch-Heeren
3 8, 435
ff. und Scheuchenstuel 231
zusammengestellt. ganz allgemein: guter, feiner stahl,
acciaio buono, fino. Kramer
dict. 2, 903
b. II@1@ff) stahl
als ware; vgl. Basler chron. 4, 340, 9
und Manuel
unter I, 3,
ferner: er hat auch den gürtlern von hinnen ... gürtlen genommen und ain wagen von diser stat mit stahel.
d. städtechron. 22, 143, 5 (Mülich
zu 1458); item des jars da stiegen hie die zwen saktrager, die Katzenpeiszer gepruder, ... an vier enden ein, und nach ostern da prachen sie eim flaschner und eim nagler ir krem auf ..; darnach dem Pegnitzer peim Lankamer den kram mit stahel. 11, 546, 11 (Deichsler
zu 1488); das sich auch niemant ainicherlai niderlag mit eisen, stachl, traid, güettern und anderer kaufmanswahr in disem gericht ze haben ... unterstehe.
tirol. weisth. 1, 41, 9; was herkumbt zu verkaufen, das nicht an die palbag ('
ballenwage') gehört, es sei eisen, stachel, waxs, leder, häut, ... ir igleich sol bei der statwag gewegen werden, ... und besunder die grossen puschen eisen und meiler stachl. 4, 477, 17—20,
ebenso 497, 26—30; ein ieder gast, der kaufmanschaft herpringt, als eisen, stachel, waxs, wein, tuech ..., der ... mag das wol verkaufen in grosz, als eisen, stachel in meiler weis. 479, 3—6,
ebenso 498, 35—38; das die kaufleut grosse swäre pant machen, als eisen und stahel, so vor zeiten nit gewesen und iezunt von fünfzehen zenten hunz auf die zwanzig zenten gepunden werden. 566, 29; was kaufmannschaft iber lant gehandlet wirdt und hie durch die statt gefiert, soll iedes fueder, es sei stahl, eisen, irch, leder ... geben ain kreizer, es werd gewegen oder nit. 614, 47; 26 istens würdet auch denen ... eisenfuerleuten ... dasz eisen und stachl abfüeren an sonn- und gebottenen feiertägen bei schwerer straff inhibirt.
Salzb. taid. 331, 38. II@1@gg)
die charakteristische eigenschaft des stahles
ist seine härte, vgl. unten 2,
a: daʒ der donr allermaist schat hertem ding sam stahel ist und vels und stain. Megenberg 92, 24.
er ist jedoch nicht nur von natur hart, sondern er hat die besondere eigenthümlichkeit (
abweichend von andern formen des eisens),
dasz er viel härter wird, wenn er in glühendem zustande rasch abgekühlt (
in kaltes wasser eingetaucht)
wird, womit zugleich andre veränderungen verbunden sind, und zwar nehmen dabei die kohlenstoffreichsten arten die gröszten härtegrade an, s. Karmarsch-Heeren
3 4, 221
f. man unterscheidet demnach harten
und weichen stahl: 'harter stahl,
d. i. kohlenstoffreicher, hat ein geringes specifisches gewicht, grosze festigkeit, grosze elasticität, jedoch kleine dehnung. weicher stahl,
d. i. kohlenstoffarmer, hat ein höheres specifisches gewicht, geringere festigkeit und elasticität, jedoch grosze dehnung.' 222. harter stal,
duri chalybis metallum, massa chalybis dura. Stieler 2117. (
über eine besonders harte stahlart s. Wig. 4755
unter I, 3.)
über die verfahrungsweisen zum härten des stahles
s. ebenda 221—8. Krünitz 168, 615—8. ûʒ stahele wol gehertet wâren si gemachet.
troj. krieg 3720. eisen und stahl auffs allerhärtest zu machen. nim des sands aus den quellbrunnen die in den wiesen stehen ... darzu schwefel gleichviel, der klein gestossen sey, nim den rothen stahl oder eysen, der noch nicht gearbeitet worden, und mach daraus was du wilt, bespreng es mit dem vermischten sand, und wann es wol erhitzt ist in dem feuer, so löschs aus einem wasser, darinnen mannsharn gesotten ist
u. s. w. Coler
hausb. (1680) 1, 716
b; stahl weich zu machen. 728
a; stahl und eisen auffs härteste zu machen. 728
b. mit stahl härten,
temprare di acciaio. v. stählen. Kramer
dict. 2, 903
b. —
mit der härte hängt die elasticität zusammen, vgl.: Alabanda sprang auf, wie gebogener stahl, bei ihrem eintritt. Hölderlin 2, 56
Köstlin. ferner ist stahl
magnetisch, s. Rist
Parn. 781
unter I, 4. II@1@hh)
zustände des stahls: glüyiger stahel,
candens chalybs. Maaler 383
d; blau angelaufener stahl,
chalybs polita quae colorem coeruleum in igne accepit. Frisch 2, 315
c; der stahl ist schändlich angelaufen. Göthe 2, 218 (
krittler). swer si (
die deutsche sprache) dicke berte, si wrde wol zehe; als dem stale ir geschee, der mit sinem gezowe uf dem anehowe wrde gebouge.
Pilatus vorr. 6. II@1@ii)
bearbeitung des stahles;
verbale fügungen, vgl. Jacobsson 7, 420
bf.: stahl überglühen, ausschmieden. 421
a; hämmern: dies (
schwert) ist die königswaffe meines geschlechtes, ... ein gott hat ... einst den stahl dazu gehämmert. Freytag 8, 141 (
ahnen 1, 8);
auch stahl schlagen,
s. Rist
Parn. 33
unter I, 4; wie du den stahl reckst. Freiligrath
5 2, 138. abgelöschter stahl. Sebiz
im reg. ('
s. 63',
stimmt nicht). stahl durchzuetzen. nim ochsengallen, nesselsafft, menschenharn und essig, temperirs durcheinander, dasz es werde wie honig, streichs auff, so beist es durch stahl und eisen. Coler
hausb. (1680) 1, 717
a. stahl feilen: thue kiselstein oder saltz, oder gefeylten stahl darunter. 2, 66
a. —
andre ausdrücke beziehen sich auf verarbeiteten stahl, stählerne geräte (
vgl. 3): stahl gerben,
brunir. Jacobsson 2, 61
b f.; stahl schmirgeln. 4, 250
a; polieren: blank von fusz bis zum kopf in hellem polirten stahl. Fr. Müller 3, 35;
sprichwörtlich: der stahl nimmts nicht übel, wenn man ihn polirt. Wander 4, 767, 1. stahl schärfen. Jacobsson 4, 423
b (
vgl. Konr. v. Würzburg
unter I, 5); den stahl wetzen,
ferrum acuere. Steinbach 2, 656,
vgl. unten 3,
a, α.
β; was Dännemark in eisen und wol geschliff'nem stal zum kriege je erfand, soll dir behülflich seyn zu wasser und zu land'. Postel
Wittekind s. 65 (3, 671). stahl anlassen, anlaufen lassen. Krünitz 168, 615
f. stahl vor dem rost zu bewahren. Jacobsson 7, 422
a; des eisens und stahels conservativum und preservativum ist nichts bessers und nutzers als frischer ungesalzener Reinberger speck. Paracelsus (1590) 6, 274. II@1@kk) stahl
wird hauptsächlich gebraucht, um allerlei geräte daraus herzustellen (
die dann theilweise selbst als stahl
bezeichnet werden, s. 3): vom puren stahl gemacht, gearbeitet. Kramer
dict. 2, 903
c; das meszer ist von gutem stahl,
lamina hujus cultelli probe durata est. Stieler 2117; eine schneide von stahl. Adelung; ein schild, eine rüstung von stahl. mit stahl belegen. Campe; eine gewisse art mohren ... brauchen staal zu ihrem schmuck, wie wir das gold. Wiedemann
gefangensch. 1, 29,
vgl. 7, 45; ketten von stahl oder seide — es sind ketten. Schiller 3, 94 (
Fiesko 3, 5); helme vil guoteûʒ stahele geslagen.
Kudr. 1107, 2; sîn lîp der wart gebunden in ringe starc von stahele. Konrad v. Würzburg
Engelh. 3591;
s. auch Ruff
Etter Heini 3651
unter I, 3. stahl
mit andern metallen zusammen verwendet (
krone 10527
unter I, 3): man truog im (
kaiser Friedrich III.) da vor ain cron, die was von gold, silber und stahel, die man haiszt die Maylandischen cron.
d. städtechron. 22, 319, 41; von stâle und ouch von golderîch er (
der schild) was genuoc.
Nib. 416, 3; vil brunjen ûʒer mâʒe von stâle und von golde.
livländ. reimchron. 1595.
so auch: bei meinem harnasch ist stachel viel. Pichler
drama des mittelalters s. 46 (
Sterzinger ostersp.); der staal am pfluge nährt und mordet an den klingen. Withof
acad. ged. 1, 259; (
im bilde:) dasz der cardinal einen hasz werfen würde auf Rohan, das werkzeug, dessen edler feiner stahl zerbrochen war in seiner es miszbrauchenden hand. C.
F. Meyer
Jenatsch s. 270.
sprichwörtlich: wenn der stahl vom messer vernutzt ist, so schneids nicht mehr. Lehmann (834, 7)
bei Wander 4, 767, 7;
vgl.: ich weisz, dasz ich nicht werde lange leben, dazu so ist mein kopff wie ein messer, denn (
l. dem) der stahl ist gantz und gar abgewetzt, und eitel eisen worden, das eisen schneidet nimmer, also ist auch mein kopff. Luther
tischred. 354
b (
werke 61, 434
Irmisch). II@1@ll)
ferner werden feine stahlplatten zur vervielfältigung von bildern, zeichnungen u. s. w. benutzt. in stahl stechen. Campe,
vgl. stahlstich: diese zeichnungen aber läszt herr Seidel in stahl stechen, was sich durch die unzahl der abdrücke ... immer bezahlt. ein schönes geistliches bildchen der neuen zeit ist die heilige familie nach Schlotthauer, in stahl gestochen von Fleischmann. Brentano 9, 250. geschnittnes stahl
s. Rist
Parn. 481
unter I, 4.
vgl.: eisen, stahl, kupffer, oder ander metall zu machen, dasz man darein graben, stechen oder schneiden kan. Coler
hausb. (1680) 1, 728
b.
die ältere zeit kennt auch ätzung in stahl: ein schrifft oder etwas anders in stahl oder eisen zu etzen. 717
a. II@1@mm)
in der ältern zeit wird stahl
auch zu mannigfachem medizinischen gebrauche benutzt, besonders indem er im kalten oder glühenden zustande in wasser gelegt wird und dieses zum trinken, waschen u. s. w. dient: mach daʒ prunnwaʒʒer kalt mit stahel, dâ mit küel dein haupt. Megenberg 5, 28; das wasser oder wein, darinn ein glüend eisen oder stahel gelöschet ist, bekompt nützlich der schwacheit desz magens, und desz miltzes, getruncken. Lonicerus
kreuterb. 339 B; stahel, den nimb klein gefeilet, wirff den in brunnenwasser, reib jhn wol zwischen händen, und lasz jhn gefallen, schütte das unrein wasser darvon, und wider reins daran, so offt gewaschen, bisz es lauter bleibt, als dann thu den stahel in ein verglaset geschirr, geusz essig daran, dasz er feucht, aber nit bedeckt werde, lasz 30 tag weichen, und offt umbrühren, darnach stosz jhn klein, und reib jhn ab wie perlen. Wirsung
artzneyb. (1597) 16 B (
dazu im reg.: stahel zum gebrauch der artzney zu bereyten); nimm frisch brunnenwasser so viel du wilt, mach ein stück stahel glüend, unnd wirffs dareyn, bisz er erkaltet, unnd also thu jhm drey oder vier mal, bisz das wasser anfahet recht zu sieden, lasz erkalten, und brauchs warzu du wilt. 35 C;
s. auch Schuppius 755,
unter I, 3. (
ähnliches noch in der volksmedizin, während sonst gewöhnlich eisensalze verwendet werden.)
vgl.stahlbad, -wasser, -öl, -tinktur
u. a. II@1@nn)
über den ebenso mannigfachen gebrauch des stahls
im volksaberglauben vgl. E. H. Meyer
myth. s. 137. 209. 214. 215. II@22) stahl
in freierem und übertragenem gebrauche. II@2@aa) stahl
wird typisch gebraucht in bezug auf seine härte (
vgl. 1,
g),
so: sich mocht ein stahel von dem fueʒe (
fusztritte) clieben (
wie viel mehr mein herz!) Laber
jagd 91.
die härte des stahles wird daran gemessen, dasz er andre dinge, z. b. steine, schneidet (
märchenhaft, s. Wig. 4755
unter I, 3);
daher mit umkehrung des wirklichen verhältnisses in der '
red von hübscher lug': mit pley man wol den stahel schriet tze weinachten in dem summer. Suchenwirt 45, 64.
sonst werden in diesem sinne auch stahl und stein
gern in allitterierender formel zusammen genannt (
wie sonst stahl und eisen,
s. 1,
b): die zeit zermalmet stahl und stein. Lichtwer 127 (
fab. 4, 7); durch seine geister läszt er dort von stahl und stein ein unersteiglich schlosz bereiten. Nicolai
verm. ged. 8, 33. (
im bilde:) erweiche stahl und steine auf dasz das herze weine, das böse sich bekehre! P. Gerhardt
s. 113
Gödeke (39, 86). (
sonst stahl und stein
in anderm sinne, s. unten 3,
f.) II@2@bb)
so stahl
in vergleichen: hart wie stahl und eisen,
vulg. chalybe et ferro durior, durissimum. Frisch 2, 315
c.
von menschen: er ist wie eisen und stahl,
egli è come ferro ed acciaio, met. robusto, forte, gagliardo, it. fatato, affatato, invulnerabile per arte diabolica. Kramer
dict. 2, 903
b,
induratus, perpessitius est, occalluit. Stieler 2117;
entweder mit bezug auf robuste constitution, unverwüstliche gesundheit und körperkraft: der
N. had a natur wiar aus stagl und eis'
n. Hügel 154
b; da man teglich .. könig Artus hoff und taffel held, und alles mit eins auffschlucken und aussauffen wil; unnd mit essen und trincken zu sich einstürmet, als ob einer von stahl gemacht were. Dan. Schaller
theolog. heroldt (1604) 517;
oder ethisch gewendet, als ausdruck einer '
harten'
oder festen gesinnung, zuverlässigkeit, keuschheit u. a.: dieser republikaner ist hart wie stahl! Schiller 3, 24 (
Fiesko 1, 7); jâ was herter ir mût, danne stahel in der glût, grimmer danne daʒ mer. Albrecht v. Halberstadt 34, 188; bruder, das weib ist ehren frumb von gutem gschlecht, hat Bancbanum den thewren mann zu eim gemahel gerecht und standhafftig wie stahel. H. Sachs 4, 2, 8
b; ich bin nicht mehr ewr ehlich gmahel in keuscher zucht, ehrnvest wie stahel. 10
d das hab ich euch nie gesagt, dasz ich unter der hiesigen garnison meine vögel habe, auf die ich zählen kann, wie auf eisen und stahl. Schiller 3, 272 (
Fiesko 3, 3
bühnenbearb.).
vgl. noch: (
die halsstarrigen leute) lassen jnen nicht sagen, wehren noch stewren, ... als hetten sie eisen und stal im halse, das niemand brechen kan, bis der hencker mit dem rat entzwey stosse. Luther 28, 753, 11
Weim. ausg. (
z. 1: der ein eisern bein hat im nacken.
pred. über 5 Mos. 9).
weniger klar ist die redeweise zusammenhalten wie stahel und eisen. Schm.
2 2, 744. —
doch wird stahl
auch in bezug auf andre eigenschaften zum vergleich herangezogen. so wegen der glätte und des glanzes von poliertem stahl: himmelan sie (
Fausts burg) strebt empor, so starr, so wohl in fugen, spiegelglatt wie stahl. Göthe 4, 257 (
Helena).
mit bezug auf den magnetischen character: ich weis nicht, ich mus was magnetisches an mir haben, dasz dir alles lumpen-gesindel auf gottes erdboden anzieht wie stahl und eisen. Schiller 2, 82 (
räuber 2, 3
schausp.).
vgl. ferner unter 3,
k. folgender vergleich scheint blosz den sinn einer verstärkung zu haben, ohne bestimmte beziehung: der Petrus lügt wie stahl und band. Arnim-Brentano
wunderh. 1, 411
Boxberger (
Petrus). II@2@cc) stahl
übertragen II@2@c@aα)
auf andre dinge wegen ihrer härte: wenn sich die schöne jahrszeit verliert und die erde zu stahl gefriert. Rückert
Firdosi 3, 93.
von schwer verdaulichen speisen: də' kâs is z. morgəst stchl, z. mittg eisn, z. nachts blei. Frommann 6, 33, 3 (
Unterinnthal). II@2@c@bβ)
von menschen, zunächst von stahl sein
in bezug auf gesundheit und physische widerstandskraft: he is vun staal un ysen
er ist sehr stark. Schütze 2, 204;
v. Rasch. armer herr von Trümmer! wenn der schreck nur keinen einflusz auf ihre laune und gesundheit hat.
v. Trümmer. ach, ich bin gottlob von stahl und eisen. Gotter
ged. 3, 263. (
dieselbe wendung auch von der widerstandskraft gegen liebesreize: sie ist in der that schön ... unser herr pfarrer sagt, es sey sünde, wenn man so was anschaue. .. der gute herr pfarrer ist eben auch nicht von stahl und eisen. Wieland 11, 220 =
don Sylvio 3, 6.)
vgl.: so sasz er versunken, als sei etwas von dem stahl, der trotz jahre und wunden den verwitterten körper immer wieder in die höhe schnellte, geschmolzen. W. Alexis
Isegrimm 372.
dann auch von den einzelnen gliedern: grausamer, zu muthvoller Odysseus, nie doch erschlafft dir nur ein gelenk; nein, wahrlich, aus stahl ward alles gebildet (
σιδήρεα πάντα τέτυκται). Voss
Odyss. 12, 280.
so besonders von der hand, schon in ethische bedeutung übergehend: bis jener höllebrand (
Herodes) dem dürren Eacus die ungestalte hand ... die blutverstockte hand, die hand von stahl und stein vor seinem richterstuhl zu unerschöpfter pein mit heulen überreicht. Scultetus
bei Lessing 8, 280; dort ist der Milota, ein tücht'ger mann; kein kopf, doch eine faust von stein und stahl. Grillparzer
4 5, 79 (
könig Ottokar 3).
durchaus ethisch gewendet vom herzen: dennoch weichen sie nicht im hertzen von jrem sinn und bOesen furnemen, werden nichts beweget, das sie von jrem toben abgelassen hetten, das sind hertzen von eitel stal und demand. Luther 28, 239, 37
Weim. ausg.; herze von stâle,
s. Reinbot v. Durne
unter I, 3;
dafür auch: swie vaste ich aber iu versage, doch ist mîn herze stahel niht.
troj. krieg 21925.
ähnlich sagt man auch vom menschen, dasz er stahl (
nicht von stahl)
sei, in ethischem sinne, verschieden nuanciert. (
im ausgeführten bilde:) du junger, schneid'ger, funkensprüh'nder stahl, werde ein schwert du für dein vaterland! Wildenbruch
Harold s. 4; er stahel, swa er ze strîte quam.
Parz. 4, 15; du (
die heil. Katharina) were an vestenunge ein stal.
pass. 667, 58
Köpke; sei stahl und kiesel; doch im schlosse dort wird zärtlich mir dein herz entgegen schlagen und widerrufen dein geharnischt wort. Fulda
talisman 27; der dichter ist reiner stahl, eben so empfindlich wie ein zerbrechlicher glasfaden und eben so hart wie ein ungeschmeidiger kiesel. Novalis 2, 148
Meiszner. II@2@c@gγ)
andrer art sind die folgenden wendungen (
die allerdings eine eigenthümlichkeit des einen autors zu sein scheinen),
wo stahl
zunächst den stoff bezeichnet, woraus ein mensch, seinem geistigen wesen nach, besteht (
wie sonst holz,
vgl. das. 1,
d, theil 4, 2, 1764
f.),
wenn auch die zuletzt besprochene bedeutung als nebenvorstellung hineinspielt: der augenblick deiner bestimmung ist da, entweder ein philister zu werden, oder ein mann von meinem stahl, den kein band der erde fesselt. Klinger 1, 183; da, Velasko, ich hab' die menschen verachten lernen, und diess giebt dem mann von unserm stahl den schwung. 2, 9. II@2@c@dδ)
selten in dichterischer sprache auf abstractes an gewendet: o groszes wort, o fester stal! o harnisch sonder gleichen! Arndt
ged. 225 (
vgl. 3,
c).
mhd. der tugende stahel (
im bilde),
s. Konrad v. Würzburg
unter I, 5;
derselbe ausdruck dann wiederum von der person selbst: daʒ got kunic Ruodolfen nam sîner konschaft gemahel, der tugent und der êren stahel, die sældenrîchen frouwen Annen. Ottokar
reimchron. 25899. II@33) stahl
bezeichnet ferner allerlei daraus verfertigte geräte: stahl, ...
acciaio, it. stromento fatto di esso. Kramer
dict. 2, 902
b;
so ganz unbestimmt in der unter I, 4
angezogenen stelle aus Lohenstein
Armin. 2, 390
b.
in diesem sinne wird zu stahl
auch ein plural (
meistens mit umlaut, s. oben I, 5
und unten b. h. i)
und ein deminutiv (stählchen,
s. das.)
gebildet. neben der individualisierenden gebrauchsweise steht häufig eine collective, die sich dann von 1
nicht sondern läszt. II@3@aa)
so besonders von schneidenden werkzeugen, waffen aus stahl: '
in der höhern schreibart ist der stahl
oft ein schneidendes oder stechendes werkzeug, ein schwert, messer oder degen'. Adelung. II@3@a@aα)
am häufigsten vom schwert, degen: Philotas ... seinen freund und sein schwerd musz man nicht blosz von auszen kennen. (
er zieht es ...)
Strato. ich verstehe mich mehr auf den stahl, als auf die arbeit. glaube mir, prinz; der stahl ist gut. der könig hat ... mehr als einen helm damit gespalten. Lessing 2, 111 (
Phil. 8);
Amalia ... wie er sie umarmen will, reiszt sie ihm den degen von der seite ... dieser stahl soll deine geile brust mitten durchrennen. Schiller 2, 112 (
räuber 3, 1
schausp.);
Kalkagno ... hier kniet noch ein Genueser, und legt seinen furchtbaren stahl zu den füssen der unschuld. so gewisz möchte Kalkagno den weg zum himmel ausfindig machen, als dieses sein schwerd die strasse zu Dorias leben. 3, 40 (
Fiesko 1, 12); hier nimm diesen stahl, fuhr er fort, indem er einen zweiten säbel aus seinem oberrocke hervorzog. Grillparzer
4 11, 246 (
klost. b. Send.); ich antwortete darauf in derselben tonart: 'ich will nicht küssen das blanke schwert — ich will das rote Sefchen küssen!' und da sie sich aus furcht, mich mit dem fatalen stahl zu verletzen, nicht zur gegenwehr setzen konnte, muszte sie es geschehen lassen. Heine 7, 509
Elster; jetzt sprünge und schwertschläge schnell wie der blitz, ... im wirbel flirrte der blanke stahl. Freytag 8, 33 (
ahnen 1, 1, 2); drauf greift er mit der hand an den geschärften stal, der auf dem tische lag, zieht in, und wetzt dreymal.
Felsenb. 1, 9; eh diese worte noch verhallen, sehn ihre frauen sie, durchrannt vom spitzgen stahl, zusammenfallen, das schwerdt mit blut beschäumt. Schiller 6, 418 (
Didos tod 121); dahin, dahin mit schwert und feuerbrande! sie müssen dort auch unsern mut erfahren und kosten unsern stahl und unsre bande! Chamisso 2, 107
Koch (
sage v. Alex.).
messer, dolch: ehedem wohl gab es einen vater, der seine tochter von der schande zu retten, ihr den ersten den besten stahl in das herz senkte. Lessing 2, 188 (
Emil. Gal. 5, 7); sie erwarten vielleicht, dasz ich den stahl wider mich selbst kehren werde? 189; er (
Atreus als priester) ... befühlt die dem tode geweihten, legt sie zurechte, und ergreift den stahl. 4, 273 (
vorher: das schlachtmesser); aber der wütrich stiesz und drückte so lange nach, bis sich der stahl in der wunde verlohr. 274; er hält das vom doppelten morde blutige eisen ... und hohlt weit von dem körper aus. der stahl drang in der brust ein. 275; als der erschrockene schwieg, griff er nach dem dolchmesser ... bei einer unvorsichtigen bewegung des sträubens, die er gemacht, hatte der spitze stahl seinen hals geritzt. C.
F. Meyer
Jenatsch 54; was willst du mit diesem dolche? ... oder hast du gen dich selber diesen bösen stahl erhoben? Brentano 3, 227.
ungewöhnlich von einer pfeilspitze: hoch aus der luft, mit dem pfeil des jünglings in dem fittige, sinkt und bleibt trauernd am ufer stehn der gesellige kranich. ... doch er sinkt noch oft. er verbirgt stahl in dem fittig. Stolberg 2, 80.
meist ist die spezielle art der waffe nicht erkennbar (
wenn auch zumeist an das schwert zu denken ist): und von des vaters blute triefen soll des sohnes stahl, im gräszlichen gefechte. Schiller 12, 265 (
Wallenst. tod 2, 7). II@3@a@bβ)
gern mit dem zusatz: einem einen kalten stahl in den leib jagen,
cacciar' ad uno dell' acciaio cioè uno stiletto, coltello, dargli una stilettata. Kramer
dict. 2, 903
b; am kalten stahl sterben,
perire gladio, ense jugulari. Stieler 2117; es reisz ein kalter stahl den heiszen fürsatz ein. Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 656.
andere beiwörter charakterisieren den stahl
nach seinem gebrauche und gehen auf die damit ausgeführte that: tödtlicher stal,
chalybs vulnificus, letifer. Stieler 2117; ein tödtlicher stahl vergiesse sein feindseliges blut. Lessing 4, 264; dich frevelhafter stahl, den mordgier auf mich zückte. Schiller 6, 354 (
zerst. Trojas 26); und ich erwart' es, dasz der rache stahl auch schon für meine brust geschliffen ist. 12, 236 (
Wallenst. tod 1, 7).
dafür auch zusammensetzungen wie mordstahl,
s. th. 6, 2553, opferstahl,
theil 7, 1308;
ähnlich auch der fangstahl des jägers, s. theil 3, 1316: mich berauscht sie, die mit jagdrohr, und mit fangstahl an dem leibgurt ... auf der wildbahn sich einherschwang. Voss 3, 169 (
die jägerin). II@3@a@gγ)
collectivisch: fürsten, welche an ihren waffen verzweifelten, suchten, nicht immer vergebens, mit gold häupter einer nation (
der Schweizer) zu gewinnen, gegen welche ihr stahl nichts vermocht hatte. Stolberg 6, 193.
daher als umschreibung des kriegshandwerks: ihr, die des höchsten rath bestimmt, der welt mit stahl und bley zu dienen! Günther 142,
s. auch Steinbach 2, 656;
so auch: und wenn sich dann und wann ein weib zu stahl und kiel geschickt erwiesen.
ebenda (Günther); da fand er einen held, desz faust, vom stahl geschwollen, zum schlegel sich wohl stellt ... nachdem der krieg geendet, zur arbeit er sich wendet.
wunderh. 1, 289
Boxberger. II@3@a@dδ)
da auch die rüstung aus stahl
besteht (
s. unten c),
so ist es ein gewöhnlicher ausdruck für das kampfgetümmel der älteren zeit: die todfeinde sprangen gegen einander, schildlos in helmkappe und panzerhemd mit geschwungenem schwert. stahl schlug an stahl. Freytag 8, 102 (
ahnen 1, 1, 6); aldâ grifen si zen swerten sider. â wî daʒ fûr dar ûʒ spranch, dâ ein stahel wider den ander dranch.
Vorauer Alex. 1260. II@3@a@eε)
darauf beruht wol das sprichwort: ein stahel bricht den andern. Franck 1, 87
b. Egenolff 346
a. Simrock 9805;
dafür auch (
zunächst als blosze lautliche variante, s. I, 3,
dann vielleicht auch miszverstanden): ein
stachel bricht den andern,
s.stachel 3,
a, sp. 386.
eine andre sprichwörtliche redeweise findet sich einmal im 16.
jahrh.: wenn einer sihet ein bösen man, den geht nicht leichtlich feindtlich an, besorgt sich, das er jn auch zwack, und denckt, er hab auch stahl im sack. ... zwey messer, gleichs scharpff all beyd, helt eins das ander in der scheyd. B. Waldis
Esop 2, 48, 16. II@3@a@zζ)
von hier aus übertragen: sie hat des lebens fittig mir mit ihrer zunge scharfem stahl gelähmt! H. v. Kleist 2, 420
Schmidt (
Hermannsschl. 5, 5);
vgl. auch: denn du bist da, mit einem wort von stahl im zweikampf ihren ausspruch zu beweisen! 293 (
Käthchen 5, 1). II@3@bb)
eine speziellere bedeutung findet sich im oberd., besonders im 16.
jahrh. hier bezeichnet nämlich stahel, stahl
den stählernen bogen einer armbrust und dann (
so gewöhnlich)
eine solche armbrust selbst, s. Adelung. Weisz
kostümkunde 2, 766. Schm. 2, 744 (
hie und da noch jetzt). Unger-Khull
steir. wortschatz 568
b,
vgl. auch Jacobsson 1, 251
b f. und stahlarmbrust.
belege: jtem ob ainer ain veint hat, tregt ain gespannten stahel und schüest nit, ist nichts verfallen. Kaltenbäck
österr. pan- und bergtaidingb. (
Wien 1846)
s. 505
a (94, 7); so weit daruber als verr man mit ainem stachl schiessen mag. 401, 10; wie zu Aichstett etliche burger den letsten osterfeyrtag 1607 zu dem zihl mit dem stahel geschossen, sey der stahel unversehens los gangen.
quelle bei Schm. 2, 744; herr, reit für kurzweil birschen in den wald, jr werdet ein stück wilpret bald finden zu schieszen nach eurm lust; den stahel fürt vor euer brust gespannet, darauf ein geschosz.
Teuerdank 44, 6
Gödeke; Lumpus der trug den stahel und kein bolz.
liederb. aus dem 16. jahrh. s. 382, 11 (
dafür bei H. Sachs
fab. und schw. 3,
s. 49
neudr.: Lmps drug das armprost und het kein polcz).
speziell vom bügel: dann zugleicherweisz, wie ein boltz vom armbrost, sein natürlichen schutz hat, also dasz jhn die natur treibt, nach dem und der sthahel natürlich gutt und starck gemacht ist. Paracelsus (1616) 2, 256 B. —
in dieser bedeutung häufig im plural (
mit umlaut, s. I, 5): die werber triben kurtzweil vor dem hoff Ulyssis, etlich schossen mit den stAeheln oder pfeilen. Schaidenreisser
Odyss. 72
a (
αἰγανέησιν ἱέντες. 17, 168); für das zehente sol sich auch kain underthon ... mit stächln, pixen und andern dergleichen instrumenten, so dem schiessen zuegethan, in den gehilzen oder auen ... betreten lassen.
Salzburg. taid. 91, 17; da hierüber iemants mit püxen oder stächlen betreten wurde. 223,
anm., 5; neunzechenten solle sich meniclich allerlei wilprädt schiessens ... genzlich enthalten und ... zu pürg, holz, feldern, auen und wassern mit pixnen, armprüst, stächeln, rohr und vischzeug nit betrötten lassen. 270, 32; es sol niemant unziemblich wöhren, als pichsen, stächl, armbrost, wurfpfeil, pleikuglen und dergleichen tragen.
tirol. weisth. 1, 130, 25.
wo der umlaut fehlt, ist eher collectiver gebrauch anzunehmen: das sich auch kainer ... unterstehe, mit pichsen, armprosst oder stal in die hölzer zu gehen.
steir. taid. 339, 27; in den wäldern (
soll) sich kein unterthan ... forthin mit püxen, stachel noch andern geföch (
fangzeug) ... nit finten lassen. 369, 2 (
s. auch die belege unter I, 5). II@3@cc)
auch die rüstung, panzer, helm u. s. w., ist (
besonders in der ritterzeit)
von stahl und wird selbst als stahl
bezeichnet, doch stets im singular, den stoff bezeichnend oder collectivisch, nicht vom einzelnen stück: zwainzic tusent helde ... mit stale umbeslossen.
Rolandsl. 95, 11 (1655,
vgl. Scherz-Oberlin 1552); daʒ fiur spranc von stâle, sam eʒ wæte der wint.
Nib. 430, 4 (von stahele 456, 4
Bartsch, = daʒ fiwer stoup ûʒ ringen. 433, 1
Lachmann, s. auch 1943, 3
unter I, 3); der (
Albrich) sluoc Ansîsen durch stahel und durch îsen. Stricker
Karl 6388; und selbst die liebe, wie in stahl gerüstet, zum todeskampf gegürtet, tritt sie auf. Schiller 12, 154 (
Piccol. 3, 9); auch sie, die alte königinn, sieht man ... in stahl gekleidet durch das lager reiten. 13, 181 (
jungfr. v. Orl. prol. 3); stolze bassen, mit feuerschlünden rund umpflanzt, mit pergament und stahl umschanzt. Seume
ged. (1826)
s. 28; wir stehn auf allen wegen, an schaar euch überlegen in harnisch und in stahl. Hoffmann v. Fallersleben
ged.9 361.
vgl. auch: seht hinauf wie hoch gestiegen! und erscheint uns doch nicht klein. wie im harnisch, wie zum siegen, wie von erz und stahl der schein. Göthe 41, 240 (
Faust II, 3). II@3@dd)
sonst für schneidende und stechende werkzeuge nur vereinzelt, vgl. nl. stael oft scherp van het mes,
acies. Kilian.
von einer schere: soll dieses goldne haar ein stahl verletzen. Ramler 1, 92 (
vgl. Adelung); (
der alte) fiel ohne scham und scheu vor dem Justinian mit einem stahl das corpus juris an, und schnitt mit einer wuth, auf die ich selber fluche, die glossen aus dem ganzen buche. da hatte keine gnade statt, die schere schnitt von blatt zu blatt.
fabellese 2, 471.
für bratspiesze, im plur.: (
die menschen) spieszen uns (
lerchen) dann für den gaumen an stahle vor der dörrenden glut. Klopstock 2, 212.
vgl. auch den holsteinschen aberglauben: dat vee mut övern staal dreben waren. '
man legt eine axt in die stallthüre, und treibt das vieh im herbste darüber hin zu stalle, so wird ihm nichts angethan.' Schütze 4, 179. II@3@ee) stahl
bezeichnet ferner einen pfriemenförmigen stahlstab (
mit rundem oder abgestumpft viereckigem querschnitt)
zum wetzen, schärfen von messern und andern schneidewerkzeugen: man braucht auch den stahl zu scharffmachung schneidender sachen, als messer, beile und dergleichen, wenn solche stumpff worden und darangestrichen werden. Zincken
öconom. lex.2 2799,
s. ferner Adelung. Jacobi
Saalburg 439,
und wetzstahl; mit dem stahl eine schärfe wetzen,
chalybe acuere aciem ferrei instrumenti. Frisch 2, 315
b; nun pfleget man die messer an stahel zu streichen unnd wetzen. Mathesius
Sar. 79
b.
so schweiz. stăhl Hunziker, staachel Seiler 276
a;
bair. stàhhel
als gewöhnliches gerät des bauern. Schm. 2, 744;
wetzstahl des mähers Unger-Khull 568
b;
bei den schuhmachern stahl zum streichen '
ein walzenartiges stück stahl, worauf derselbe seine kneipfe und messer streichet oder schärfet.' Jacobsson 4, 250
b;
els. metzgerstahl Martin-Lienhart 2, 588
b.
doch ist das wort wie die sache, sowol in diesen spezielleren verwendungen wie als gewöhnliches haushaltungsgerät, allgemein verbreitet. II@3@ff) stahl
oder feuerstahl (
theil 3, 1605)
heiszt ein stahlstück von wechselnder form, dessen man sich früher zum feuerzünden bediente, indem man damit an einen stein (
kiesel, feuerstein,
s. theil 3, 1605)
schlug und den herausspringenden funken mit einer leicht entzündbaren masse wie zunder auffing, s. Adelung. Jacobsson 4, 250
b. Krünitz 168, 637. Jacobi
Saalburg 260,
els. fürstahl Martin-Lienhart 2, 588
b; ein talch-(unschlit-)liecht, welches anzuzünden, musz ein fewrzeug mit zunder, wie auch stahl und schwefelsticken zur hand seyn. Comenius
sprachenth. 743; stal im feuerzeuge,
chalybs ignitabuli, seu igniarii. Stieler 2117; der also genannte stahl als eine nothwendige zugehörung des feuerzeugs, so, wenn er an einen feuer-stein starck geschlagen wird, funcken von sich giebet, die in den zunder fallend, solchen anbrennen, und vermittelst des daran gehaltenen schwefel-fadens feuer erwecken. Zincken
öconom. lex.2 2798.
belege (
s. auch Pauli 17
unter I, 3): mein stahl ist gut, und der zunder geschwefelt. Voss 2, 44 (
idyll. 3, 183).
sprichwörtlich: ein alter stahl gibt wenig funken. Wander 4, 767, 2.
meist wird stahl
und stein
in stabreimender formel zusammengestellt: die wissenschaft ist wie ein groszes feuer, das in einem volke unablässig unterhalten werden musz, weil ihm stahl und stein unbekannt sind. Freytag 6, 70 (
handschr. 1, 4);
vgl.: das kindlein vom stahl die funken gern zieht, der fromme im steine das feuer wohl sieht.
wunderh. 1, 65
Boxberger. sprichwörtlich: wo stachel und ein fewrstein sich mit einander schlagen, da springen funcken herausz. Petri Nnn 3
b. Henisch 1288, 36; kein fewr würd auch auff erden sein, schlug nicht den stahl der kieselstein.
froschm. Ff 3
b.
gern in vergleichen: wenn aber theorieen und vorurteile gegen einander geschlagen werden, wie stahl und stein, ohne vorsicht, so nehmet arme und beine in acht, liebe leute, denn es gibt feuer. Gotthelf 1, 379
Vetter (
bauernsp. 1, 37.
kap.); mit d'Espignac wäre er wie stahl und feuerstein an einander gerathen. W. Alexis
Isegrimm 318; denn, wie, wenn stein und stahl einander kräfftig zwingt, der saamen kalter gluth in lichte funcken springt, so pflegen witz und kunst, so bald sie friedlich ringen, disz, was verborgen liegt, an licht und lufft zu bringen. Günther 410.
ähnlich auch in typischer verwendung: Segesthes, welcher wol verstund: dasz wenn stahl und stein zusammen kämen, feuer geschlagen würde, und also klein zuzugeben von nöthen hatte, antwortete. Lohenstein
Armin. 2, 416
a;
im wortspiel mit den unter a, δ angeführten wendungen: Adolf. o, Leuthold, schwarz, wie die nacht so uns umgiebt, ist deine nachricht.
Leuthold: stahl auf stahl giebt funken und licht (
der schwerterkampf macht alles gut).
V. Weber
sagen 3 (1792), 606.
die ähnlichkeit des blitzes mit einem funken legt es nahe, auch das gewitter aus einem zusammenschlagen von stahl und stein
zu erklären, vgl.: durchsichtig erscheint die luft so rein und trägt im busen stahl und stein. entzündet werden sie sich begegnen; da wird's metall und steine regnen. Göthe 2, 229;
so scheint auch stal
geradezu für gewitter gesagt zu werden, s. Kirchhof
wendunm. 3, 28
unter I, 5.
andrerseits sind stahl
und stein
der zerstörenden gewalt des blitzes (
nach der redeweise des volkes)
am meisten ausgesetzt, s. Megenberg
unter 1,
g und 2,
a: lieb ist ein solch gefehrlich gifft, ... das sie brennet durch marck und bein, wie der donner durch stahl und stein.
froschm. F 5
a.
dichterisch begegnet stahl
vereinzelt geradezu für feuer(?): und um die verwirrte, verzerrte carrikatur zu vollenden, muszte Prometheus den gestohlnen stahl der gottheit einigen in die seele giessen und diese zugleich zu den seeligsten und unseeligsten geschöpfen machen, da sie ... entweder gekreuzigt werden, oder sich selbst in ihrem feuer aufbrennen müssen. Klinger
theater 3, 405 (
der verbannte göttersohn; vielleicht ist strahl
zu lesen, denn es geht weiter: und die, deren geist den feuerstrahl ganz auffaszte ...). II@3@gg)
im bair.-österr. nennt man stahl (stahel, stahhəl, stchl, stagl
u. s. w.)
den eisernen bolzen, der glühend in die plätt- oder bügeleisen gesteckt wird. Adelung. Klein 2, 167. Schm.
2 2, 744.
Bayerns mundarten 2, 258 (
bair. wald). Hügel 154
b. Schöpf 696. Unger-Khull 568
b. II@3@hh)
der poetischen sprache des 18.
jahrh. gehört stahl
für schlittschuh an. so im sing., einfach den stoff bezeichnend, schon 1744
bei Ramler: dann schwimmt der jüngling nicht mehr durch reissende fluthen, dann schweift er auf harten wassern laut jauchzend umher, die füsse beschuhet mit stahl. 1, 13.
besonders ist indessen dieser gebrauch des wortes durch Klopstock
in aufnahme gekommen: an den beyden ufern eilten um sie die begleitenden, und wogen sich leicht auf der schärfe des stahls. 1, 235; noch sangen wir vom ersten tritte, mit dem auf den teich Ida zitterte. klein war ihr fusz, und blinkend ihr stahl. sie hatte des stahles band mit silberbereiftem laube, und röthlich gesprengten fliehenden fischen gestickt. 237; voller gefühl des jünglings, weil' ich tage auf dem rosz', und dem stahl'. 2, 94 (
der frohsinn); also musz ich auf immer, kristall der ströme, dich meiden? darf nie wieder am fusz schwingen die flügel des stahls? 243 (
winterfreuden). Klopstock
gebraucht indessen stahl
auch im vereinzelnden plural, den er ohne umlaut bildet: an des schwatzenden stahlen naget indesz der rost. 1, 260 (
d. kamin).
vereinzelt von den stählernen läufern des stuhlschlittens: viel sind der schweber um den leichten stuhl, der auf stahlen wie von selber schlüpft. und sie, die, in hermeline gehüllt, auf dem eilenden stuhle ruht, und dem jüngling horcht, der hinter ihr den stahlen der ruhenden flügel giebt? 233 (
die kunst Tialfs).
dagegen bildet Göthe
den plural mit umlaut (
wie die ältere sprache, s. b und I, 5): er (
Klopstock) wollte von den hohen hohlgeschliffenen schrittschuhen nichts wissen, sondern empfahl die niedrigen breiten flachgeschliffenen Friesländischen stähle, als welche zum schnelllaufen die dienlichsten seyen. 26, 336.
später ist der plural wieder erloschen, während der collective singular in dichterischer sprache noch immer vorkommt: froher (
bedünkte uns) im sommer das bad im blau hinwallenden strome, oder im winter der lauf auf dem beflügelten stahl. Geibel
nachl. 147. II@3@ii) '
bey den drechslern werden die dreheisen zu bein und andern harten körpern nur stähle
genannt, dagegen die zum holze eisen
heiszen. daher der schlichtstahl (
th. 9, 674), stechstahl, häkelstahl, schraubenstahl (
th. 9, 1657), polierstahl, gärbstahl (
s.gerbstahl 2,
theil 4, 1, 3592)
u. s. f.' Adelung.
vgl. Krünitz 168, 639
f. ähnlich bair.: 'stàhhel,
plur. stáhhel,
heiszen verschiedne, besonders stechende, werkzeuge von eisen beym dreher und andern handwerkern.' Schm.
2 2, 744.
dagegen bildet Bobrik
den plur. stahlen und setzt stahl
gleich mit dem betel,
d. h. stemmeisen oder meiszel der blockdreher, einem eisernen werkzeug mit unten verstahlter klinge, s. 107
b f.; im einzelnen unterscheidet er den schrotstahl (
theil 9, 1796),
den schlicht-
oder rundstahl (
theil 8, 1516),
den spitz-
oder stechstahl (
s. theil 10, 1, 2648
und unten),
den ausdreh-
oder halbdickstahl
und den breit-
oder flachstahl (
theil 2, 361. 3, 1704). '
alle diese stahlen
sind schärfer und feiner als die gewöhnlichen betel.'
s. 657
b f. II@3@kk) stahl
dichterisch für die nadel des kompasses, vgl. Campe: bald am ruder, und bald lothwerfend, und bald in dem vorschiff sorrend ein los, bald forschend des stahls abweichen und neigung. Baggesen 2, 349 (
Oceania 4).