seit,
präp. und conj. II.
mhd. sît
mhd. wb. 2, 2, 320
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 941,
ahd. sîd Graff 6, 155;
mhd. sît,
ahd. sîd
bedeutet als adverb '
später'
; mit dem dativ verbunden '
nach' (
eigentlich '
später als etwas'),
als conj. '
nachdem'
oder '
weil'.
der comparative sinn des wortes tritt besonders in der präpositionalen verwendung hervor, daher ist es zu verbinden mit got. seiþs
in þanaseiþs,
weiter, noch, das ein comparativ-adverbium ist zu seiþus
spät. im altnord. entspricht dem got. seiþs
das adverb. síðr,
das die bedeutung '
weniger, minder'
angenommen hat oder als conj. im sinne von quominus gebraucht wird. daneben findet sich ein adverb. síð
im sinne von '
spät' (
compar. síðarr,
superl. síðast);
dieses síð
ist das als adverb. fungierende altn. neutrum des adjectivs, dessen positiv im altn. untergegangen ist (
compar. síðari,
superl. síðastr,
auch im ags. fehlt die positive form des adj., comp. síþra,
superl. síþest, síþmest,
im hochd. ist nur der comp. belegt, ahd. sîdero Graff 6, 157),
vgl. got. seiþu.
der form nach könnte auch mhd. sît
als ein acc. neutrius aufgefaszt (
wie vruo,
früh, forn,
ehemals)
und mit got. seiþu,
altn. síð
verbunden werden, jedenfalls ist die möglichkeit nicht abzuweisen, dasz im westgermanischen comparativ und positiv zusammengefallen sind. die verwendung als präposition weist auf den comparativ, ebenso die conjunction. ags. síþ
erscheint wie nord. síð
im sinne von '
spät' (tó síþ,
zu spät),
daneben aber wird es wie ahd. sîd,
mhd. sît
gebraucht; als präposition mit dem instrumentalis in sioððan, seoððan, sieððan, siððan, syððan,
postea, postquam (
aus síððon
mit verkürzung des í;
vgl. Sievers
ags. gramm. § 107,
anm. 5),
vereinzelt mit dem dativ in síþþam (Guthlac 107)
und als conjunct. (Bosworth-Toller
s. v.).
alts. sîð
ist nur als adv. belegt. ahd. sîd,
das nicht mehr als comparativ gefühlt wird, wird selbst wieder gesteigert: sîdor,
posterius, mhd. sider Graff 6, 157.
mhd. wb. 2, 2, 322
a. Lexer
mhd. hdwb. 2, 906;
für das mhd. ist durch reichliche reime kürze des stammvocals gesichert; das in späteren zeugnissen auftretende seider
könnte an sich eine von seit
beeinfluszte neubildung sein (
vgl. seint neben sint);
beachtenswert sind aber die mundartlich bewahrten formen mit î;
die kürzung ist wol so zu erklären, dasz -der
wie eine doppelconsonanz wirkte (
etwa wie -ter
in blatter, futter, natter, ritter
und ähnliches);
alts. engl. sîðor,
fries. sether (Richthofen 1008
a).
mnd. seder, sedder, sedert, sodder, sudder Schiller-Lübben 4, 165
a,
nld. sedert.
während die neuere schriftsprache den comp. aufgegeben hat, bewahren ihn hoch- und nd. mundarten z. th. erweitert oder entstellt oder in composition, in manchen gegenden ist er völlig an die stelle von seit
getreten: sĭder Schm. 2, 338; deseider, seiderher 337, sider Schmid 494; sider, sitter, sidig, siderie Stalder 2, 373; sĭder, sĭdert, sĭderie Hunziker 241; sider, sidert, siderta, sederther, sebert, seberther, siderthe Tobler 423
b; sîder, sîderie Seiler 268
b; sittar Bühler
Davos 1, 154; sîder, zitter (
Elsasz) Frommanns
zeitschrift 5, 117, 35; sîder, sîdert, dersîder, dersîdert, seider, derseider, seiderher Schöpf 672,
vgl. Schm. 2, 337. 338; sedar
cimbr. wb. 230
b; sîder, seider, dersîder, derseider Lexer 233; sida Castelli 255; sider (
Tirol) Frommanns
zeitschrift 3, 90; jesider (
unterdessen) Schmid 494; sida, dasida, daseida Neubauer
Egerl. mundart 101
b; sieder Vilmar 383; sitter Reinwald 1, 151; sidder (
Fichtelgebirge) Frommanns
zeitschr. 2, 554. Keller
idiot. des thür. waldgebirges 42; sieder Berndt 286; sîder, dersîder Schröer 206
b; sedert, seder Strodtmann 209; seder, sedert, sēr, sider
brem. wb. 4, 731; sedder Dähnert 419
a, sider 423
b; sedder, süder, södert Schütze 4, 88; sîer, sîr Schambach 191
b; sidder, sodder Woeste 236
a; sedert, szört Stürenburg 242
b; sēdert ten Doornkaat Koolman 3, 168
a; sedder her Dähnert 419
a.
ein superl. seiderst
ist belegt d. städtechr. 5, 396,
anmerk. 1.
vom comparativ sider
aus ist der kurze stammvocal in einigen mundarten auch auf den positiv übertragen worden, vgl. Schm. 2, 338. Hunziker 241. Stalder 2, 373. Tobler 423
b.
dagegen sîd Schöpf 672,
ebenso nd. sǐd, sît
oder st ten Doornkaat Koolman 3, 179
b. Schambach 191
b.
über die nebenformen sint (
so in Luthers
bibelübersetzung), seint
neben seit, sinter
neben sider, seider, seiter
s. unten sint. IIII.
gebrauch. II@11) seit
als adverbium und präposition. II@1@aa)
das adverbium ist von der schriftsprache aufgegeben, mundartlich aber hier und da erhalten. es bedeutet sowol '
später'
wie '
von einem in der vergangenheit liegenden zeitpunkte ab continuirlich' (seitdem,
seither): that thu nio sîð aftar thiussô sundig ni werðes.
Heliand 3895; zi wihtu iʒ sid ni hilfit. Otfrid 2, 17, 9; sît sturbens jâmerlîchevon zweier edelen frouwen nît.
Nibel. 6, 4; ich lobet eʒ und leisteʒ sît.
Iwein 382; got schuof ein engel, der sît wart ein tiuvel. Freidank 6, 3; ich bin der si meinet mit triuwen — mirʒ nieman verkêre — sît von mînen kintlîchen jâren. Marner IV, 36; der vor des vil wînes hate der muste waʒʒer koufen sît.
pass. 3, 33; der bischof wart bâbest sît. Lamprecht v. Regensburg
s. Franc. 3573; doch das sie seidt bleib unverheyrat mitler zeidt (
hier '
von einem in der gegenwart liegenden zeitpuncte ab'). H. Sachs 14, 189, 27
Keller-Götze; ich hab aber seit nie erfahrn, ob er leb, und wie es ihm geht. 16, 66, 27; das mich seyt keynes mans gelüst. 4, 364, 15; desz schwancks lacht noch seid jederman.
fabeln u. schwänke 280, 136
neudr.; nu haben wir ewern botten seid (
seither, bis jetzt) bey uns aufgehalten.
d. städtechron. 2, 36, 15; auch sagt
man bey uns, daʒ sich derselb gefangen etliche seid awszgeteydingt und schaczen haben lassen. 51, 4; doch hat man groszen arkwon auf ainen weber, der ist seit nimmer in die stat kommen. 5, 71, 1; dasselb unser vaters haus hat seit kauft ain huefschmit. 122, 12; des wart sit nieme gedaht. 8, 40, 14;
vereinzelt so in neuerer sprache: (
Amor) warf den zaum mir zierlich ums genicke, daran ich seit, wohin er lenkt, gegangen. Rückert
ges. ged. 2, 319 (1839);
mundartlich: segentach sait,
segnet euch dem nach. cimbr. wörterb. 225
a.
formelhafte gegenüberstellung: êr enti sîd Graff 6, 155 (
vgl. sîth noch êr
Heliand 734
und die von Sievers
s. 438
gegebenen stellen aus der ags. poesie; altn. síð ok snemma, ár ok síð); beidiu dô unde sît.
Iwein 3916; weder dâ vor noch sît. 1139; sît noch ê. 6514; weder ê noch sît, vor unde nâch, zu keiner zît. H. v. Freiberg
Tristan 1287; ich gehôrt nie mê weder sît noch ê. Ottokar
reimchron. 17336. II@1@bb) seit
als präposition; in der ausgebildeten nhd. schriftsprache der regel nach mit dem dativ. II@1@b@aα)
mit dem dativ (
vergl. seitdem, seit dem male, seitemal, seitmal): syd dem anfang der wält. Maaler 379
a; sid Romuli zeyten. 373
b; seit der zeit. Schottel 765; seit dem friedensschlusz. Stieler 2622; seit menschen gedäncken. Steinbach 2, 575; seit dem letzten krieg. Frisch 2, 261
b; sid der zit. Hunziker 241; sîd drê mânden. ten Doornkaat Koolman 3, 179
a; seit meinen kinderjahren; seit kurzem, langem; seit ostern; sid tho thesen thingonfuar krist zen heimingon. Otfrid 2, 14, 1; kein ouge mich dâ nie gesach sîd denselben ziten.
Parz. 461, 7; sît keiser Fridrichs zîten. Ottokar
reimchr. 38; seit lieben langen jahren. Hölty 23
Halm; seit jener stunde verzehrt sich mein leib. Heine 1, 103
Elster; in besonderer anwendung: nun sollt' ich, seit so manchen jahren, die wirkung frohen thuns erfahren (
nach so vielen jahren). Göthe 41, 276; seit eilf monathen so gut als verbannt. Schiller
räuber 2, 1;
freierer gebrauch: ist die tragödie bey den Franzosen seit ihrem groszen Corneille so viel vollkommener geworden. Lessing 7, 205; das werk war auf- und ausgebaut, und die kranzrede auf dem dachsattel hatte Fibel schon seit der ersten mauer an, mehrmals an sich gehalten. J. Paul
leben Fibels 90; der glückliche, dem, seit dem flügelkleide, kein seufzer aus dem busen drang. Gotter 1, 323 (1787). II@1@b@bβ)
vereinzelt mit dem acc.: seine person ist melancholisch schon seit drey tage. Klinger
theater 4, 163; sid drei tage. Hunziker 241. II@1@b@gγ)
mit dem genitiv, in jetziger sprache wol nur in den wendungen: seit alters, seit morgens; sît des tages daʒ ich sach die hant von der diu schrift geschach.
Parz. 645, 5; seit dessen das jhr fürst Archombrotus ausz Sicilien anheime gelanget. Opitz
Argenis 2, 180; seit des ungewitters. Opitz
bei Adelung. seit meines hierseyns (
wenn es sich um einen terminus a quo handelt, zeit meines hierseyns,
wenn die länge der dauer bestimmt werden soll). Adelung. II@1@b@dδ)
mhd. mit dem instrumental: dâ sol ich mîme hêrrenwerben ein ander wîp, sîd diu ist derstorbender schœnen Helchen lîp.
Nibel. 1109, 2. II@1@b@eε)
mit zeitadverbien verbunden: seit vorgestern. Frisch 2, 261
b; wie nüchtern! wie nüchtern! werden mir die exegeten seit heute und gestern zurufen. Lessing 10, 111; seit lange;
für uns ungewöhnlich: seit ziemlich lange. Hugo
beytr. z. kenntnisz civilistischer bücher 3, xiii; seit wann,
bei Adelung
und Campe seit wenn,
ebenso: Schwarz. Roller ist gehangen, noch vier andere mit, —
Razmann. Roller? schwere noth! seit wenn (
später geändert in wann), — woher weist dus? Schiller
räuber 2, 3. II@1@cc) seit
als conjunction; in der neueren sprache ist der gebrauch verkümmert, da er sich fast stets auf zeitliche anwendung beschränkt; in älterer sprache jedoch kann sît
auch causale bedeutung (
die freilich nicht überall von der zeitlichen sich scheiden läszt)
haben, sogar im sinne von '
wenn auch, obgleich'
stehen; in neuerer sprache steht nach seit
stets der indicativ (
bei umschriebenen formen fehlt oft das verb. finitum),
in älterer auch der conjunctiv. II@1@c@aα)
zeitlich: seit ich in diese stadt kommen. Kramer
deutschit. dict. (1702) 2, 761
a; sid er ghort het. Hunziker 241. Adelung
kennt diesen gebrauch nur in der '
höhern schreibart',
sonst soll seit dem
oder seit dem dasz
üblich sein; ähnliche bemerkung bei Campe.
jetzt ist uns seit
auch in der umgangssprache in diesem sinne durchaus geläufig: ther touf uns allen thihit;thaʒ waʒar theist giwihit, sid druhtin krist quam uns heiminti iʒ mit sinen liden rein. Otfrid 1, 26, 2; doch solt dû gedenken wol obe ich ie getræte fuoʒ von miner stæte, sît dû mich dir dienen bæte. Walther 60, 12; recht streichmasz wöll wir trincken ab, lang ich dich nit gesehen hab. seyt wir am nächsten wasen vol, was weins wir öszten waistu wol. Schwartzenberg (1535) 144
d; bin auch nit frölich worden sider, seit er ist zogen an Reinstram. H. Sachs 16, 62, 16
Keller-Götze; wie mir, seit ich dich gefunden, Lina, meine zeit entschlüpft. Gotter 1, 164 (1787); denn seit ich nicht dich mehr habe, losch die freud' ihr lämpchen aus. Göckingk 3, 188 (1782); seit du mir die bibel gegeben, les' ich so häufig darin. Hölty 41
Halm; seit ich ihn gesehen, glaub' ich blind zu sein. Chamisso 1, 191
Koch; dasz mich, seyt es zu regnen angefangen, noch niemand zur herberg eingenommen.
Simplic. 2, 201, 15
Kurz; ich bin ein bischen vorlaut gewesen seit du weg bist. Schiller
räuber 4, 5; ich habe mich selbst verloren, seit ich dort war.
ebenda. II@1@c@bβ)
in causaler anwendung, mit dem ind. präs. oder umschriebenem perf. (
doch s. unten Notker
ps. 90, 14): 'sît du niht wilt erwinden',sprach frou Siglint, 'sô hilf ich dir der reise'.
Nibel. 64, 1; wer mac ir danne widerstân, sît ir got selb ist undertân? L. von Regensburg
tochter Syon 3183; sidt wir die warheit mercken und die listigkeit, die dw falschlich fur nimbst, seidt dw uns in gespotte stimst, daʒ die ding war sind.
Salomon und Markolf 1572 (Bobertag
narrenb.); der student sprach: das sol do sein, seidt du mich nit will lassen ein.
pfarrer von Kalenberg 104; und seit ir mich tut fragen, so will ich euch auch sagen.
Teuerdank 25, 47; seit du die bist, gen der ich list nit brauchen sol. Gödeke-Tittmann
liederb. s. 21, 23; jr sprecht, die lieb sey leides vol. das selbig glaub ich nit gar wol, seit thurnieren, tantzen und sprîngen, all seitenspiel, hoffieren, singen und was man kürtzweil mag gepflegen, geschicht als von der liebe wegen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 4, 97
neudr.; bawer was hilfft dein fliehen dich, seidt mein pfeil ist so schnelliglich? 16, 86; seyt ich bin gleich als guot, als du. 24, 80; was einem solcher böser stück zustehnt, heiszen sies grosz gelück, seid es nicht erger worden ist. 17, 254, 5
Keller - Götze; sîd du god mîn starchi bist. Notker
ps. 42, 2; sid er mir getrueta, ih lôso in. 90, 14; daʒ uns von dir sere wundert sunderlich seit du daʒ on unsern willen und gehaisze getan hast.
d. städtechr. 1, 144, 9; (
es) si eine üppige froge ob men froget, warumb es got wolte also haben, sit er alleine sol wissen umb sine heimelichen wunder. 8, 239, 12; doch seid ir nit anders wölt. 15, 465, 31; sid da ain bistumb ist und dem rich zu gehörtt. Richental
concil 19; sid ich der bin, der das weltlich schwert innhaltet. 80; das will ich gar gern thon, seit es dir lieb ist.
Tristrant u. Isalde 42, 7.
vgl. Frommanns
zeitschrift 6, 255, 76 (
Vorarlberg). II@1@c@gγ)
mit dem conjunctiv: sîd daʒ sô sî, daʒ ih ze ubelen mih nehafta. Notker
ps. 25, 9; wir suln den kochen râten, sît eʒ in alsô hôhe stê daʒ si sich niht versûmen. Walther 17, 12; sît eʒ dir aber sî geseit, so tuoʒ durch dîne sælekeit. K. von Würzburg
Engelh. 6043. II@1@c@dδ)
oft wird auch der nachsatz in älterer sprache mit sît
eingeleitet, wenn der zugehörige nebensatz mit sît
beginnt (
vergl. unten ε): sid er tharinne badota,then brunnen reinota: sid wacheta allen mannonthiu salida in then undon. Otfrid 1, 26, 3; wand sît man si gevangen nam, sît het man si âne zart. Ottokar
reimchr. 4692.
ähnlich ist es, wenn in neuerer sprache ein seitdem
am beginn des nachsatzes das seit
des vorhergehenden nebensatzes aufnimmt (
vgl. auch unten 2,
b): seit du auf dem steine beym brunnen mir das frühlingslied sangest, seitdem habe ich dich nicht gesehn. Geszner
bei Adelung. seit
nur im nachsatze: ista roch, sait ista veur.
cimbr. wb. 225
a. II@1@c@eε)
sehr gewöhnlich ist in älterer sprache die jetzt aufgegebene verbindung seit dasz (
zeitlich oder causal): das ist yetz der sibend monat syd das sy zuo dir kommen ist. Maaler 397
a; seit dasz menschen gewesen. Frisch 2, 261
b; sit daʒ Kriemhildeze wîbe gewan Sîfrit mîn sune.
Nibel. 698, 2; sît daʒ nieman âne fröide touc, sô wolte ouch ich vil gerne fröide hâ
n. Walther 99, 13; sît daʒ diu wunne âne endes zît wert in dem himelrîche. L. v. Regensburg
tochter Syon 662; sît daʒ in der bâbest luot, daʒ er der goteshiuser guot het beroubet und verbrant. Ottokar
reimchr. 5531; seid dasz die seeschlacht ward bei Actium verspielt. Lohenstein
Cleop. 51 (2, 623). seit
im nachsatze wiederholt (
vgl. δ): sît daʒ diu minneclîche minne alsô verdarp, sît sanc ouch ich ein teil unminneclîche. Walther 48, 14; seit dasz die liebliche Korelle nicht hier gewesen ist zur stelle, seit hat man gantz von keiner lust ... in dieser gegend nichts gewust. Fleming 444 (1666). II@22)
zusammenrückungen. II@2@aa) seitdem
als adverbium und als conjunction functionierend (
ein ags. síþ ðam
ist unter I
erwähnt).
nd. sîd-dêm ten Doornkaat Koolman 3, 179
a. II@2@a@aα)
als adverbium: seitdem hab ich ihn nicht mehr gesehen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 760
c; seitdem ungehemmet ging meines seufzers odemzug. Rückert
poet. werke (1882) 11, 412. II@2@a@bβ)
als conjunction; Adelung
meint, dasz seitdem
oder seitdem dasz
die gewöhnliche ausdrucksweise sei: '
wenn der zeitpunct, auf welchen sich seit
beziehet, ein ganzer satz ist, so wird dem nebenworte noch das fürwort dem
zugesellet, so dasz dasz
ausdrücklich folgt, oder auch wegbleibt, welches letztere oft der wohlklang erfordert .. das dem
wird von der höheren schreibart oft mit nachdruck weggelassen'. er ist mein freund, seit dem dasz ich ihn kenne, '
oder besser', seit dem ich ihn kenne.
ebenda; seit dem sie ins land kommen. Steinbach 2, 575. II@2@bb) seither, seithero; sidhär,
post illa Maaler 373
c; sidher Hunziker 241;
nd. sîd - her ten Doornkaat Koolman 3, 179
b;
es findet vielfache berührung von seither
und dem comparativ seiter (seider)
statt, vgl. unten 3. sieder,
quod nihil aliud est, quam seither,
sive seiter. Stieler 2622; 'seiter,
ist zusammengesetzt von seit her': ich hab ihn seither, oder seiter nicht gesehen. Frisch 2, 261
b; '
um einiges nachdrucks willen sprechen es einige als seither,
oder seithero
aus, für bisher, bishero,
und formiren ein neues adj. daraus, seitherig,
wie bisherig,
welches aber vielen nicht ansteht'.
ebenda; Adelung (
unter seither)
bezweifelt überhaupt die zusammensetzung mit seit
und nimmt entstellung aus zeither
an, ebenso sei besser zeitherig
zu schreiben. deutlich ist seither
für seiter
eingetreten, wenn es als proposition gebraucht wird: seither einigen tagen. Adelung (
als ungewöhnlich bezeichnet). seither, seithero,
sive zeither,
hactenus Stieler 828.
in älterer sprache ist nicht überall zu entscheiden, ob seither
oder der comparativ gemeint ist, deshalb vergleiche man unten 3: bin sidhar inn Brettannia gewessen die zyt vertriben.
Morgant der riese 133, 15
Bachmann; also das es forthin da weder holtz noch roszmucken hat, sonder die gantze gegene ist seyther zu einer feinen ebene worden. Fischart
Garg. 147
b (1594, seidher 1590); des wâren sîd her, daʒ ist wâr, diu vrouwe und ir geselle, und al diu welt vünf tûsent jâr mit jâmer in der helle.
minnes. 1, 85
a Hagen; da ist mein Sophroni erfrorn und ist seidther aussetzig worn. H. Sachs 14, 193, 8
Keller - Götze. als conjunction (
wol ebenfalls für seiter, seider
eingetreten),
allein oder mit dasz,
im nachsatze wird bisweilen seither
wieder aufgenommen (
vgl. oben 1,
c, δ): du bist zwar aus England kommen wie ein schaf, aber seither dich der geitz besessen in Franckreich zu einem fuchs, ja gar zu einem wolff worden.
Simpl. 2, 158, 28
Kurz; seither dasz unser stadt verschantzet und bewehret, seither ist unser land verwüstet und verheret. Logau 1, 23, 75; seither wir haben disz, was gott kan, künnen wollen, ... seither ist unser frey in dienstbarkeit verkehret. 41, 57; seither desz krieges arg, das gute fast vertrieben, so ist uns, wahrer freund, disz einig überblieben. 189, 98; seither der geilheit nest ward so mit band verbunden, seither ward arge brunst nie frey- und offner funden. 3, 165, 59; der falschheit ist gelegt der lauff, seither politisch-seyn kam auff. 200, 53. seithero: er hat noch seithero nichts gegessen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 760
c; darvor und seithero.
tirol. weisth. 1, 25, 2; die weil sich aber seithero darinnen allerlei ir- und unainigkait zwischen inen den älblern zuegetragen.
steir. und kärnt. taidinge 13, 21; ich habe seithero der sache vielmal nachgedacht.
Simpl. 1, 35, 23
Kurz; auffallend als präposition (
unter einwirkung des comp. seiter, seider): ungeferlich seidhero absterben desz in gott ruchenten gefürsten alten grafengeschlechtes.
steir. u. kärnt. taid. 10, 7;
vgl.: seithero wan gehestu mit um? Philander 2, 878 (1650). II@2@cc) seitmal, seitemal (
vergl. mhd. wb. 2, 22
a. Dief.-Wülcker 852);
zusammengerückt aus seit dem male, seitmals
aus seit des males (
vgl. oben 1,
b, γ); sintemal, seintmal
u. s. w. s. unter sint; seit dem mal, seittemal, seitmal,
exquo, quando quidem Schm. 2, 337;
für die in älterer sprache vielfach schwankenden formen sind im folgenden belege gegeben. die neuere entwickelte sprache kennt wol seit ein mal,
aber nicht mehr die conj. seitmal, seitemal, seite malen (
doch s. unten die stelle aus Tieck),
während sintemal, sintemalen
wenigstens in alterthümelnder rede noch gebraucht werden. II@2@c@aα)
adverbia: sit mal sîe (
die kost) wol fugete dem lantgrauen.
Ludwigs kreuzf. 6079; swie grôʒen schaden daʒ bistum sît der mâl (mâlen
var.) enphie dâvon. Ottokar
reimchron. 8414; Johannes von Lichtenberg der sitmols bischof wart.
d. städtechron. 8, 138, 8; wie nichts weniger seitsmalen nun lang her so vilfältige nit allain ordinarj, sondern extraordinarj über topplsteuren und anlagen und noch unaufherlich condinuiren.
tirol. weisth. 3, 319, 13; sein doch seitmals allerlai mengl für und eingefallen. 4, 458, 7;
ebenso seitermals,
s. unten 3,
b. II@2@c@bβ)
gebrauch der conjunctionen, ursprünglich zeitlich, später überwiegend in causaler bedeutung, wie die conj. seit
auch durch dasz
oder und
verstärkt: sît dem mâle, sprach der ander, ich der lieben stæte ervant an dem minneclîchen wîbe, dô gienc mîner sælden schibe, rehte als ich eʒ wünschen wolt.
minnes. 3, 441
a Hagen; wer sol auch für uns wicken mäen, seit mal daʒ mir alle auf stelzen gen?
fastn. sp. 420, 20; seit ain mal das ich köden schol. 610, 11; seit ain mal das ich aich sol kallen. 612, 2; seytmal doch nu selberst er vor uns allen hat verjechen.
tirol. passionssp. 393, 1524; seidtmalln ir mich weldt greiffen ann, so last meine junger unbelaidigt gan. 383, 1190; ach got! was sol ich singe heur seitmal es ist worden so teur? Uhland
volksl.2 559 (279, 1); dan seitenmahl jhr stoltz und boszheit all-vermessen (verwerfend alle klag), dein armes volck, o herr, numehr gantz auffgefressen. Weckherlin
ged. 326 (1648); seitenmahl wan die mayestet der gravitetischen geberden, die frey auff deiner stirnen steht, solt nu von mir gesungen werden. 374; seitdemmol dasz der torwarter fur in gesworn hab.
d. städtechr. 9, 1041, 34; sit dem mal dasz min muter bi uch wonent wasz und noch bi uch wonent ist. 1043, 41; seytemal es ausz verhencknus gottes layder dohin kommen. 22, 428, 32; seitemallen man die obrigkait nit jedes orts sogleich in eil gehaben oder erlangen kann.
tirol. weisth. 1, 23, 32; seit mallen niemant da wär. 138, 16; seitemallen ich den stab mit recht und urtheil diss land- und nachrecht zu besizen bekommen.
Salzb. taid. 10, 21; seidmal und jr euch gericht habend auf die fart.
Wilhelm von Österreich (1481) 3
b; seydtenmal das man hierzuo bedarf aines ledigen gemtes. Tauler
pred. (1508) 19
b; seittenmal nuon schwer unnd kummerlich ist zuo entscheiden zwüschen lasteren und tugenden. Keisersberg
seelenp. (1510)
vorr. 5
a; sittenmAel nuon alle ding gott gehorsam sind. 19
c; seiten mal so es mir durch gottes weg durch die beicht ist für kumen. Pauli
schimpf u. ernst 195
Österley; seydten male das jr gott Machmet jr so vil hett lassen tödten.
Pontus u. Sidonia g 6
a (1498); seitmal wir wissen, dasz .. Luther
briefe 2, 546; won sy meinttend, seitmals und Renwartt den allersterckosten überwunden hatt, so möcht ir keiner genesen.
volksbücher 189, 5
Bachmann-Singer; sitmals die töchtern Zion hochmtig sind worden.
Züricher bibel (1531)
Jes. cap. 3; seitmals er ein grosz und mächtigs volck sol werden.
Gen. 18; sitmal iez zuo unsern ziten solich vil trüg und verkleidet wölf umb laufen. Schade
sat. u. pasqu. 3, 4, 35; seitenmal alles was dem menschen angeboren unnd nitt new geboren ist, muosz vertilcket unnd getödt werden. Franck
chronica (1531) 463
b; seitenmal ich wol weysz dʒ man in disen alten schlauch, den newen wein nit fasset.
weltb. 155
a (1542); seytenmal alweg Josephus under allen history-schreibern ein grosz auctoritet unnd glauben gehapt. Hedio
übers. des Josephus (1531)
vorr.; sitmals aber sie anderer gestalt erlaubtnus nit bekomen, muesten sie damit benüegig und zufriden sein.
Zimm. chron.2 1, 492, 31; seitemal du eben das selbs tuost. Sachs
dial. 68, 4
Köhler; seitenmal er im dritten monat nach der empfängnusz das blut .. subtilichiert und vercondensirt. Fischart
groszm. (
kloster 8, 605); seit einmal der mensch sonderlich zu eim geselligen, leutseligen, selhafften lebwesen ist geschaffen.
Garg. 65
a; seitemal die sünd im gerechten urtheil gottes so greulich ist.
bienenk. 95
a; nur vergönnt mir, mich ebenfalls niederzulassen, seitemalen einen weiten weg a cavallo zu pferde, wie man sagt, hieher gemacht. Tieck
novellenkr. 1, 34. II@33)
der comparativ, mhd. sîder, sider,
nhd. seider, seiter, sider
wird wie seit
als adverbium, präposition und conjunction gebraucht. während die schriftsprache den comparativ aufgegeben hat, lebt er in den mundarten fort (
die belege sind oben unter dem formalen gegeben).
schon oben ist bemerkt, dasz seiter
und seither
sich vielfach berührten, zum theil sogar identificirt wurden. neben sîder, sider
steht sinder
wie sint
neben sît (
vgl. Weinhold 90
a). II@3@aa)
als adverbium, später, darauf oder auch bisher, seitdem; in älterer nhd. sprache ist nicht überall zu entscheiden, ob der comparativ oder seither
anzusetzen ist: ni wirdit thing, ih sagen thir thaʒ,êr noch sidor sulichaz. Otfrid 5, 20, 16 (
u. öfters. vgl. Graff 6, 157); er was ir vil vremde,dem si wart sider undertâ
n. Nibel. 47, 4; si wart dâ vil gewalticund sider verre bekant.
Gudrun 14, 4; beidiu vor des und ouch sider.
Wigalois 9172; dô ditz alleʒ geschach, ein rîcher burger sider sprach.
Wiener meerf. 157; daʒ nie dehein vogelîn baʒ würde vergolten vor noch sider.
sperwœre 211; nu wer dich paʒ denne sider (
als bisher). H. v. Neustadt
Apoll. 7552; den geruoret nimmer sider diu hitze noch daʒ kalte. H. v. Krolewitz
vaterunser 770; daʒ in ouch geschach sedir an ire kunfte zite.
Brun v. Schonebeck 420; dô vôrde he de rôden sodder (: nedder) tô Môab in dat kôninkrîke.
von dem holte des h. cruzes 400; leven gesellen, nu kome ik wedder unde hebbe in deme paradiso sedder (
seit ich euch zuletzt ansprach) ein spêl gemaket, dat nicht en docht.
sündenf. 1021 (
vgl. unten H. Sachs 14, 134, 1); des wurden eme die cardinale so gram, dat hei nei seder under si weder endorste kumen noch enquam.
d. städtechron. 12, 198, 6223 (Hagen
chron. von Köln); seder bleif zo Colne sent Peters staf. 26, 150; ouch beval her mir da weder dich zcue eynem kinde sedir. Mone
altd. schauspiele 1, 1260, das beschach in der alten e und sider seltan me.
teufels netz 12526; seider (
von da ab, in folge dessen) ich kain lieb zu im trug.
fastn. sp. 737, 7; ich hab weder vor noch sider nie wirs zeit gehet.
Zimm. chron.2 1, 604, 28; dürchleuchtiger könig, ich kumb wider, bin auff der genszbruck gwesen sieder (
seitdem er zuletzt mit dem könige gesprochen). H. Sachs 14, 134, 1
Keller-Götze; mein freundt, wo bist du gewest sider so lang? 166, 1; bin auch nie frölich worden sider, seit er ist zogen an Reinstram. 16, 62, 15; des künigs fürschlag der ward sider der statt Mileto kunth gethan worden. 342, 2; ich bin nicht frölich worden sider. 17, 20, 2; wil uber ein stund zwo kommen wider, ob leibeigen knecht kömen sider (
verblaszt: mehr, noch, vgl. die folgende stelle). 20, 118, 27; so ich desz fuchsz thu recht bedencken, ist er nicht gröszer gewesen sider, dann bey uns hie ist ein schafwider. 21, 214, 24; so wart die stat gepawet wider teglichen und gemeret sider. 22, 483, 2; es hat mich wol geantet sider, der Reichhart wert nit warten lenger. 23, 94, 2; von der zeit an und sider, das jr mir habt die gülden geben. B. Waldis
Esop 4, 82, 104
Kurz; wir armen können doch nicht weiter, ich hab alles einbüszet seyder.
Bayerns mundarten 1, 174
a; echte kindere ne mach de unechte man seder mer nicht gewinnen.
Sachsensp. 1, 38, 3; sedder quam her zu strite wedder graven Karle.
deutsche chron. 2, 1, 284, 20; se wart sodder heten Kolne. 89, 2; ee daʒ der pund gemaht ward und auch syder.
d. städtechron. 1, 161, 33; sie haben uns und die unsern darüber mit raub, mord und prand sidher mer und mer beschedigt. 2, 73, 17; den ich seider gezogen han und gen schuel han laszen gan. 5, 140, 11; ist seider auch ain pfeifer worden. 126, 19; es wuechs sider groszer unrat und grosze unfreuntschaft darausz. 201, 18; de synd sodder betalet. 6, 145, 6; wu se sedder vorghan is unde vorgheyt. 364, 18; herr ir wissent wol, dasz ich iemer sider hie obenan bi uch bin gesin. 9, 1041, 27; seider gat man alle jar auf den tag mit ainer procesz umb die kirchen. 22, 459, 5; von den grafen von Escheloch und von allen herrn, die seider gewesen seind zu Tyrol.
tirol. weisth. 2, 177, 13; so hat auch der Teuchler und sider ettlicher hamermeister mer einem erbergen ratte mussen sweren. Tucher
baumeisterb. 216, 33; kain nation, kain herr, kain fürst künig kaiser under der sonnen hat sider nie bei einander so vil tapfer ernstlich leut gehabt. Aventin
chron. 1, 338, 23; hab jhn seider offtmals mahnen lassen. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 82.
durch her (hero)
verstärkt (
vgl. seither): seider-, siderher Schm. 2, 337. 338; das er (
der ölberg) also verfallen, verwildet oder verwachsen ist, von regen und ungewitter syderhar. Keisersberg
post. 1, 3
a; es ist dir auch seiter hero so gnueg gesagt.
Villinger chron. 137; es sind sider her erst grosze feulen und schedliche löcher in sie gefallen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 255, 34; also hat siderher immer der Schweitzer nam und macht aufgenomen. Aventin
bair. chron. 2, 435, 8;
diese zusammenrückung wird auch wie eine conj. gebraucht, s. unten c. II@3@bb)
im präpositionalen verhältnis, in gleicher weise wie seit (
s. oben 1,
b),
gewöhnlich mit dem dativ, vereinzelt mit dem genitiv oder acc., auch in verbindung mit zeitadverbien: sieder Martini. Schottel 765; sieder mehr als sechs monaten. Stieler 2622; seiter den letzten kriegen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 760
c; seiter einigen tagen. Campe (
unter seither); sider des kriegs. Schm. 2, 338; sida drai schdundn. Castelli 255; sîder göster. Lexer 233; sider wann. Schmid 494; sedar benne (
seit wann).
cimbr. wb. 230
a; sider den,
seit denn, sintemal Schm. 2, 338 (
vgl. unter c); sidern sunntag. Hügel 149
a; sida da letztn zeit. Neubauer
Egerl. mundart 101
b; seder pinxsten, seer der tied.
brem. wb. 4, 731; sedert de leste acht dagen. ten Doornkaat Koolman 3, 168
a; ik hebbe ût gewesen sedder der tît, dattu my sendest ût.
sündenfall 1531, wir suchten sieder dem uns willigst einzustellen. A. Gryphius (1698) 1, 558; binnen vierteinnachten seder der tiet, dat he komen is to lande.
Sachsensp. 3, 34, 1; koninge waren under den Joden sider Saule want an des templis testorunge vifhundert unde vier unde negentich jar.
d. chron. 2, 1, 76, 10; sider dem mâle, daʒ unser herre .. sie erlôste. Leyser
pred. 71, 36 (
vgl. oben sît dem mâle),
ebenso mit dem genitiv (
vgl. ebenda): nu haben dy fursten unde herrn sedirmols ire stete unde undirsessene zcu Magdeburg rechte uszgesaczt.
Magdeburger fragen 1, 1, 1
Behrend; seider der nehsten rechnung.
d. städtechr. 1, 128, 19; seider des aufpruchs. 2, 49, 24; seider keyser Ludwigs zeiten. 3, 305, 6; seider der niderlag. 5, 192, 1; sodder der schicht. 6, 148, 5; sedder der tied. 7, 42, 7; sider dem dage und der zit, daʒ schöffel und amman überein koment. 9, 940, 7; sodder der veide. 16, 544, 28; sider sant Endris tag. 25, 123, 20;
anders: sider a die 17. nofember. 183, 20 (
vgl.: sider von Christi geburt her. Aventinus
bair. chron. 1, 26, 8); seider anegang.
bibel von 1483 (
Joh. 6, 65); seydher der welt anfang. Franck
weltb. 225
b; seider der zeit hatt er eyn gehorsam weib gehabt. Agricola
sprichw. (1534) 457; sider Arrius zeiten. Sachs 22, 25, 26
Keller-Götze; seither der zeit der sindflusz. Fischart
groszm. (
kloster 8, 579); seyter Christi unsers herrn. Albertinus
seelengejaidt 21, 14
Liliencron; was ich seyter demselben verabsaumt hatte.
Simpl. 4, 22, 9
Kurz; sider foosznach seens zwee johre. A. Gryphius
Dornrose 75
Palm; seyder gestern. El. Charlotte v. Orleans 21.
apr. 1707 (
nr. 358
Holland); seiter wenn denn? Lenz 1, 305. II@3@cc)
wie seit
wird auch der comparativ als conj. gebraucht, zunächst zeitlich, dann auch causal (
beachtenswert ist die ausgebildete verwendung von sîðor
im Heliand): seiter ich hier bin. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761
a; than wârun wit nû atsamnaantsiBunta wintrô gibenkeon endi gibeddeon,sîðor ik sie mi te brûdi gekô
s. Hel. 147; seider ich nu erchenne wol die armuet und die trüebsal, so lob ich mer die toten chint, wann die, die do lebentig sint. Vintler
bl. der tugent 413; sie haben gar viel unglück, sidr ihr orden gewährt, hin und widr angerichtet. Opel - Cohn 16, 23; wer aber her kommen ist, seider die zunfft angevangen sind.
d. städtechron. 4, 147, 3; item nun will ich schreiben ain tail der geschicht, die beschechen sind hie in diser stat Augspurg, seider ich her kommen pin. 5, 144, 2; 300 M fl, die der kaiser dem kunig von Franckreich schuldig ist gewesen, sider sie vor Paden in dem nächsten krieg send gelegen. 25, 69, 2; sider das concilium in ir land und gewalt wär gelait, das sy dann die wal in kain weg nit iren wöltind. Richental
const. conc. 121
Buck; mir zweifelt auch nit, du werdest noch ein weis man, seider yetz so vil verstandes in dir ist.
Tristrant u. Isalde 184, 14
Pfaff; sider herr Hanns Coler paumeister gewest ist. Tucher
baumeisterb. 47, 4; sider sich die pebst mit iren anhengern von der gehorsam der kaiser .. underzogen. Aventinus
werke 1, 213, 6; ich pin sider auf dem Narka gewesen und zue Salzpurg, auch in disen vier jaren her, sider ich im latein die chronica verfertigt hab, der kriechischen und hebreischen sprach pas erinnert worden.
bair. chron. 1, 222, 2; dasz seidher man auff die gutschen gefallen, man keine rechte reutpferd mehr inn Teutschland ziehe. Fischart
Garg. 178
a; dasz seiter die räusch und das äquivociern entstanden, finde man kein vollsüffer und lügner mehr. Opel-Cohn 383; sedar so vel zait, sedar ich pin kent,
da che son venuto. cimbr. wb. 230
a.
seiderher: seyderher sie auffkommen, entsteht ein grosze glockenverfolgung. Fischart
Garg. 154
a.
seidher der zeit: seidher der zeit ich deinen sohn Gabriotten zu ritter geschlagen.
buch d. liebe 245
d.
seidher und: seidher und sie gestorben sind. Ayrer 519, 7
Keller. seider dem: seyder dem aber die inspectores nur dem nach gehen, was sie contentiret.
unw. doctor 559.
seider dasz: wente sodder dat de konnynk synen vrede kundygen unde uthropen dede.
Reinke de Vos 275; o weh, o weh mir armen seither dasz gott mich schuf.
wunderhorn 1, 302
Boxberger; sodder dat de rad anhoff sek to arbeydende ut oren schaden unde schulden.
d. städtechr. 6, 134, 10; seder dat se sek mit os sönden to dem ersten male. 296,
anm. 1; sedder dat de hilge likam sunte Viti van Franken to Sassen quam, sedder der tid. 7, 42, 6; seiter dasz solches geschehen. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 760
c; dasida, dasz si g'heirat hobm. Neubauer
Egerl. mundart 101
b.