schwätzen
das Wort ist im ganzen Geb. als
-ęts- verbr. (
-ts- auch Nfrk) [an der uSaar
n. einschl. Saarbg-Kreuzw Sinz Beuren Kelsen Serrig Greimerath, weiter den Hochw hinab, dann an der Mos in Trier-Ld, Wittl, Bitb, SPrüm, SWDaun
-E-; im Siegld neben
-ęts- auch
-adə (aus dem Prät.); Eup-Stdt
-atsə; Gummb-Derschlag
-atšən (<
schwätzen u.
klatschen)]; Prät. fehlt durchweg,
Part. gəšwęts(t) [doch
gəšwat in Merz bis zur oben angegebenen Linie von
-Etsən, n. dieser L.
-āt im Geb. von
-Etsən; weiterhin
gəšwat in Koch, NPrüm, Malm, Ahrw-N u ODürenb, MüEif (u.
-ęts), SOSieg Waldbr (in diesem Geb. auch Prät.
-at), Siegld (Prät. auch
-adə);
-šwEt Geld-Aldekerk; statt
er šwętst in May-Polch, Waldbr-Rossel
-at]
schw.: 1. von Menschen, reden, sprechen; im Rhfrk u. Mosfrk, wo
sprechen fehlt u.
reden mehr »prahlerisch sprechen« bedeutet, ist
schw. neben
sagen das einzige Zeitw. für den einfachen Begriff [
et es net, vor davan se schw. (redden), et es nuren vor ət se san eigentlich geht mich das Folgende nichts an, aber man kann es ja doch erwähnen Saarl]; im Rip dient
schw. gleichfalls für den einfachen Begriff; daneben steht
redden »die Kunst des Redens verstehen, Wichtiges sagen«,
kallen »sich gemütlich unterhalten« u.
sprechen »sich äussern« (doch als Lehnwort empfunden); im Nfrk gilt
kallen u.
spreəken für den einfachen Begriff, u.
schw. bedeutet »unerlaubt, lästig schwatzen, dummes Zeug reden, etwas übermässig herausstreichen«, diese verächtl. Bed. kann das
schw. aber überall im Zusammenhang der Rede annehmen, bes. in Vergleichen u. Wendungen (auch
babbeln, bäbbeln, bubbeln, protten, quatschen, rätschen, schnaddern, sprachen (-:-). a. absol. ohne Nennung des Inhaltes;
dat Kend kann at (schon)
schw.;
der (nach einem Schlagenfall)
kann net mih schw.;
schwätz doch (emol)! so rede doch;
he wiərd gearbet on net geschwätz;
schwätz (mer) net! Ausr. der Verwunderung beim Anhören einer schwer glaubhaften Erzählung [
schwätze (doch)! Siegld], bei Winkelzügen;
ech loss en schw.; den hürt sech gern schw.; der es net, wie er schwätz er ist falsch, ein Heuchler;
et es geschwätz nicht wahr Rip, Rhfrk, Mosfrk (bei den verächtl. Bed. Allg.). RA.:
Dat Kend kann schw. wie en Alen (Alter) Rip, Allg., —
schwätzt wie en alen Mönch altklug Bitb-Wissmannsd.
Mer mosse schw., wie enem de Mul (de Schnawel) gewassen es, — wie mer et gelihrt hät Sieg, Allg.
Der schwätzt grad wie en Kirchehelliger spricht das
R schnarrend Goar-Boppard, —
e Bouch (Buch) gelehrt Saarbg.
Der schwätzt wie e Reche immerfort Ottw-Schiffw, —
en al Kaffimill mahlt Goar-Boppard, —
en Elster Allg., —
dat hej schümmt (schäumt), —
dat öm de Schum för de Mul steht Mörs, Allg., —
do kinnt mer en Arsch in de Seit krieə Simm, —
wie e klän Kend kindisch, unvernünftig Nahe, Allg., —
e K. von drei Johren Saarbg, —
en Hosenbennel unglaublich dumm Trier, Bitb, Prüm, —
en Schlapp Trier-Stdt, —
en al Hot (ohne Bodem) (Rückentragkorb) Saarbg, —
e Kalf May-Hatzenport, —
en Sak voll Flih Saarbg-Serrig, —
as wie wann de Zehn (Zähne)
em rischt (erst)
kemen (wössen, däten wossen) so kindisch Mosfrk, —
wei de Wend geiht bald so, b. so Saarbg, —
de Sau pisst Siegld, —
en Peifendeckel prahlerisch Trier-Issel, —
geschmert (
gedrähnt »gedreht«) sehr geläufig Rip, —
os wonn hen de Mond voll Brei hätt so undeutlich Prüm-Ihren, Allg., —
e alt Fra, die kä Zähn meh hat Birkf, Allg., —
als wenn er's mit Dausenden ze duhn hätt so laut Ottw-Elversbg.
Schw. as kä Geld (sos hätten et de Fraen ömmer) Worte sind keine Taten Bitb, Prüm, Neuw, —
kost gen G. Mörs-Xanten.
Verspreche micht Schold, on Schw. as ke G. Prüm-Mürlenb.
Gihste, kuck fir deich;
schwätzte, bedenk deich! Trier-Stdt.
Schwätz oder scheiss Bochstowen! heraus mit der Sprache Saar, Hunsr, uMos, Eif, —
dar ich et lese kann Rhfrk.
Et irscht gebiət (gebetet),
da gess, da geschwatt! Prüm-Dahnen.
Wo Alde schw., do sei stell Birkf-Mackenr.
De Konner (Kinder)
sollen net schw., bos den Hond mot der Ax kennt, da s. se son: leg se nidder! Prüm-Ihren.
Dau schwätz, bei dem dau bas! redest nach dem Munde Prüm-Ringhuschd. — b. mit Bestimmungen des Inhaltes oder modaler Art, nur von der Art des Schw., nie von direkter Mitteilung einer Sache (dafür
sagen);
er schwätzt in't Hunnert enin (eren), bes et Dausend voll es hört nicht auf zu
schw. Rhfrk, Mosfrk, —
H. inein Rees-Bislich, —
H. för e Fettmännche (kleine Münze) Kref-Strümp;
er schwätzt met zwei Meiler (Mäulern) spricht bald so, b. so Mosfrk, Rip, —
met de Hänn (Händen) er gestikuliert Rhfrk, Mosfrk, Rip, —
met de Auen blinzelt einen an Wittl-Reil, —
met der Luicht (Luft) spricht mit sich selber Prüm-Daleiden, —
de Wännen (Wänden) Trier-Conz, Zell-Briedel, Aden-Virnebg, —
dem Düvel Sieg-Honnef, —
sech selwer Allg.; der Bestechliche, Nachgiebige
liesst mat sech schw. SPrüm, Allg.;
der schwätzt öm nom Bart ihm zu Gefallen Koch;
met enem üvver enen (jet), — van enem (jet) schw. Rip, Allg.;
sich zum Geck (af-) schw. viel
schw. Merz. RA.:
Die schw. vun Arsch un Friederich von allen möglichen u. unmöglichen Dingen Simm.
Der muss schw., un wenn's vun seim eiəne Arsch is Simm-Laub.
Wenn mer vom Wolf schwätzt, dann es er net mih weit (von der Heck), — es er en der nähster Heck May, Daun;
wemmer vom Honn (Hunde, Fuchs)
schwätzt, as de Schwanz net weit devon Wittl, Koch;
wa mer schwäzt vom Gek, setzt er hanner der nihster Hek Prüm-Kopp;
wovan mer schwätz, der os et iərscht bei der Heck Ahrw-Ramersb.
So lang se noch vun äm (einem)
schw., esse se noch nit vun äm Simm-Horn. — Viel
schw.;
der schwätzt vill, wann de Dag lang sein er nimmt's mit der Wahrheit nicht genau May, Allg., —
wan de Däg kurz sen, äwwer noch mih, wan se langk sen Bitb-Ehlenz;
de schwätzt esou vill vun sich wei zou sich Merz-Saarhölzb;
der schwätz sech am Dag jet (en Zeug, Dreck) zesammen, — ene Küvvel (Pott, Stivvel) (voll) z. Rip, Allg.;
en Kohhutt (Kuhhaut)
voll schw. Siegld-Netphen;
enem de Uhre (de Kopp) voll schw. Rip, Allg.;
winnig, neit, nicks schw. Rip, Allg. RA.:
Besser zovill gegessen wie z. geschwatt Waldbr, Neuw-Harschb.
Schwätz selwer wenig on hiər viel! Birkf-Mackenr. — Mit
Adv. u. präpos. Bestimmungen modaler Art;
hart (hell) schw. laut;
zort (höəsch) schw. leise;
fein (härsch, der Schreft no) schw. hochdeutsch;
platt schw. in der Mundart Allg. (
s. d. W.);
esu leierig schw. leiernd, langsam Bernk-Merschd;
so schmerig schw. dass. Gummb-Vollmerhsn;
klok (geschet) oder
domm (enfällig) schw. Rip, Allg.;
dau host gout schw.! gut reden, bist nicht in meiner Lage Birkf, Allg.;
enem got schw. ihn beruhigen Neuw (kurköln.), Sieg, Waldbr;
schen schw. schmeicheln Saargeb., Mosfrk;
fein schw. dass. Neuw-Lorschd;
blomig (blumig)
schw. dass. Saarbg-Wilting;
glätt schw. dass. Bitb;
so blimelig schw. mit schönen Redensarten, verblümt Simm-Laub;
fett schw. prahlen WBitb;
schwätz deitsch! deutlich Rhfrk;
eich schw. gleich d. met dir! mache dir den Standpunkt klar Rhfrk, Mosfrk;
äm schein äən't Gesicht schw. ihm schmeicheln Saar;
dreist vam Brostlappe schw. frei heraus May-Polch;
vun der Broscht ewegschw. Merz;
der kann stondenlang schw. Rip, Allg. RA.:
He schwätzt su hart (laut),
als wenn en un (in)
er Mill jungk gewes wär Daun.
Der schwätzt so ämfällig, dat mer stumpe Zihn (Zähne)
kriet Simm-Laub.
Der schwätzt eso domm, mer meint, mer misst sich de Kopp verbennen (-binden) Merz.
E ka got schw., awwer en liesst rauh leien (liegen) Bitb-Irrel. —
Op sengen Hof (Haufen)
schw. in seinem Interesse Rip;
der schwätzt der jet op en Mau (Ärmel) er flunkert Gummb-Nümbrecht;
us der Schull schw. ausplaudern Rip, Allg.;
he hät en der Sch. (en der Kirch) geschwätz Rip, Allg.;
on de Bart schw. undeutlich Prüm, Allg.
an de Wand (Wind)
schw. vergeblich Bitb, Allg.;
er schwätzt mih henner sech be (wie)
fir sech redet langweilig May-Saffig. —
Änem ebbes (aus dem Sak) erausschw. herauslocken, –schmeicheln Mosfrk, Siegld;
sich erausschw. aus einer misslichen Lage herausreden;
sech erenschw. Mosfrk, Allg.;
schwätz net lang hin on her! keine Winkelzüge Bitb, Allg., —
(mir) net hinne (hinten)
erum! Saargeb., Mosfrk;
de kann enem defir schw. einen bereden Prüm-Burb;
ebbes doherschw. dummes Zeug
schw. Mosfrk, Allg.;
un dodervun geschwätzt um dies zu erwähnen, zur Einführung eines Themas Simm;
de schwätzt drop los on derwidder ohne Überlegung Sieg, Allg.;
er schwätzt ganz dernewe irr Neuw-Datzeroth;
schwätz net dröm (öm de Brei) eröm! keine Winkelzüge Rip, Allg.;
sich losschw. bei äm durch vieles Geschwätz jede Zuneigung bei einem verlieren Merz. RA.:
Der schwätzt alles hinnerscht vererscht (vorderst) durcheinander Simm-Horn.
Mer schwäzt net onner dem Gedeks (Bettdecken)
eraus man soll private Angelegenheiten nicht ausplaudern WBitb.
De schwätz em Hohn drei Dag en Ei ze fröh erus Rheinb-Lüftelbg.
E schwätzt sich dem Schwernut dor er lügt Merz-Saarhölzb. — Mit Obj., stets tadelnd;
der schwätzt als ebbes redet daher Rhfrk, Mosfrk, —
nur su jet Rip, —
mar so wat Nfrk;
wat der schwätzt, kann er net verantworde Kobl, Allg., —
es so langk wie brät ist Unsinn Saarl;
der schwätzt alle drei Dag e Wort ist mundfaul Saarbr;
do drüvver schw. mir zwien och noch e Wörtche zesamme Rip, Allg.;
Blömches schw. fein reden Altk-Herdrf;
Blödsenn, domm (dorich) Gescherr, d. Zeug, d.ə Klaf, Dommerei, Blech, Dreck, Kappes, Klombatsch (Saarbr),
Käs, Strih (
s. d. W.)
schw. RA.:
De schwätzt e Gescherr, do kinnt mer stumpe Zihn (Zähne)
krieə Simm, —
e Zeig, mer kennt et käm Kind in de Hand gen Saarbr, —
do kinnt mer en Arsch (Loch) in die Seit krieə Simm.
Schwätz mer kä Blech, mer hon kä Mehl, vor Kuche ze backe (Wortsp. zwischen
Blech »dummes Gerede« u. »Kuchenblech«) Simm-Horn.
De (Wankelmütige)
schwätz ho (heute)
Höj (Heu)
on moərn Ströh Siegld-OSetzen. — Obj. ein Nebensatz;
der schw., wat e net verantworde kann, — wat em op de Zong lit, — wat et Züg hält usf. Rip, Allg. — c. prägnant;
der schwätzt sech noch de Maul franselig (fuselig) Mosfrk, Allg., —
sech krippelig (krüppelig) Goar-Weiler, —
sich kraus o klän Merz, —
enen dut on labendig Rip, Allg., —
e ganz Rad voll May-Galenbg, —
sech de Mul lahm (
wongk »wund«) Waldbr, Allg., —
sich de Hals wond Saarl, —
sech noch de Zong us dem Hals (Mond), — et Herz füər de Föss (Füsse), —
de Long us dem Lif Rip, Allg., —
et Hengesch (Gesäss)
wongk (wund) Sol, —
änem noch e Loch (
Hor »Horn«)
an (in)
de Kopp (on en Seit) Bitb, Allg., —
e Loch in't Ohr Wend-Heimb, —
en Uhr vum Kopp Bitb, Allg., —
dem Deiwel e Ohr eweg Rhfrk, —
äm dat Fett (de Aue) vun der Supp, — die Butter vum Brot Rhfrk, —
honnert Iəlen (Ellen)
van äm Steck Merz-Nunk. — 2. mit andern Subj; die Spatzen
schw. zwitschern Bitb;
der Buch (Bauch)
es am schw. er knurrt Rip, Allg.; die schlecht geschmierte Tür
schwäzt knarrt Prüm-Rommersh; der gärende Most
schwätzt Zell-Bullay. — Abl.:
die Schwätzerei, dat Geschwätz (
s. u.).