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Schütten

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schütten

Bd. 3, Sp. 1693
Schütten, verb. reg. welches ein sehr altes Zeitwort von vielfacher Bedeutung ist. Das doppelte t in der Mitte zeiget schon an, daß es der Form nach ein Intensivum ist, dessen einfacheres Stammwort[] schaden, scheden, scheiden, schuden u. s. f. gelautet hat, und so wie alle Zeitwörter ursprünglich eine Nachahmung eines gewissen Lautes, wegen des vorgesetzten Zischlautes aber wiederum ein Intensivum von einem alten gaden, geden, (Nieders. geten, gießen,) u. s. f. war. Da einerley Laut oft mit sehr verschiedenen Handlungen verknüpft ist, so rühret es daher, daß dieses Zeitwort noch jetzt in manchen, der Bedeutung nach sehr weit von einander entfernten Fällen gebaucht wird, die man aber bey Bildung der Wörter unter einerley Laut empfunden hat. Ich will nur noch die jetzt gebräuchlichen anführen, denn der veralteten oder in andern Sprachen gangbaren ist eine große Menge. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum. 1. * Bedecken, und figürlich beschützen; eine jetzt veraltete Bedeutung, welche noch im Theuerdanke vorkommt: Der sy schirmet vnnd endt schüttet. Wir gebrauchen in diesem Verstande das neue davon gemachte Intensivum schützen, S. dasselbe. Verwandt sind damit, in Ansehung der ersten ursprünglichen Bedeutung, unser Scheide, Schatz, das Nieders. Schuut, die Haut, Griech. σκυτος, und ohne Zischlaut, Haut, Hütte, Kutte und hundert andere mehr. Eine Figur eben dieser Bedeutung ist das noch in Niederdeutschland gangbare schütten, pfänden, welches doch nur von dem Viehe gebraucht wird, wenn es auf eines andern Grunde Schaden gethan hat, und bis zur Ersetzung dieses Schadens von dem Eigenthümer eingesperret wird. Im Englischen ist to shut zuschließen, und im Nieders. Schott ein Riegel, und schotten riegeln, in welchem Falle es aber auch von schießen, Nieders. scheten, so fern es schnell schieben bedeutet, abstammen kann. Von diesem schütten oder pfänden wird ein vereidigter Feldwächter auch im Hochdeutschen ein Schütze genannt, S. dieses Wort. 2. Gerinnen, wo es als ein Reciprocum gebraucht wird. Die Milch hat sich geschüttet. Daher wird der geronnene Theil der Milch in der Schweiz Schotten (S. dieses Wort) und im Holländischen Hotte genannt. Es scheinet hier ein Intensivum von scheiden zu seyn, welches gleichfalls active für gerinnen machen gebraucht wird, die Milch mit Lab scheiden, geschiedene Milch. Indessen kommt auch das Schwed. skutta, laufen, mit in Betrachtung, welches so wohl zu scheiden, sich entfernen, als auch zu schießen, Nieders. scheten, sehr schnell den Ort verändern, gehöret. Man sagt in eben demselben Verstande, die Milch läuft zusammen. 3. * Heftig hin und her bewegen; eine jetzt veraltete Bedeutung, von welcher, doch mit verschiedenen Graden der Intension, jetzt schütteln und schüttern üblich sind. Kero gebraucht dafür scutan, erscutan, womit auch die Lat. quatere, cutere in concutere, das Ital. scuotere, das Wallach. skuturu und so ferner üblich sind. 4. In Menge und mit einer Art von Heftigkeit gießen. 1) Eigentlich, wo es im Deutschen so wohl von trocknen als flüssigen Körpern gebraucht wird. Von trocknen, wenn mehrere derselben auf Ein Mahl und mit Heftigkeit ausgeleeret werden. Das Korn aus dem Sacke schütten. Erde an die Bäume schütten. Die Steine in einen Winkel, auf einen Haufen schütten. Die Äpfel aus dem Korbe schütten. Der Brauer darf nicht mehr Malz schütten (zu einem Gebräude nehmen) als nöthig ist. S. Schutt. Man soll den abgeschabenen Leimen (abgeschabten Lehm) an einen unreinen Ort schütten, 3 Mos. 14, 41. Sie haben das Geld zu Hauf geschüttet, 2 Chron. 34, 17. Von flüssigen Körpern, wo es ein Intensivum von gießen, Nieders. geten, ist, und eine größere Menge, und größere Heftigkeit andeutet, als dieses, oft aber auch mit demselben als gleichbedeutend[] gebraucht wird. Öhl in das Feuer schütten. Du sollt das Salböhl auf sein Haupt schütten, 2 Mos. 29, 7. Alles andere Blut sollt du an des Altars Boden schütten, V. 12. Der das Wasser auf den Erdboden schüttet, Amos 5, 8. Schütte nicht, d. i. verschütte nichts von dem flüssigen Körper. 2) Figürlich. (a) In der Landwirthschaft wird es zuweilen absolute gebraucht, für, Getreide geben, entrichten. In Obersachsen muß ein jeder dem Huthmanne das Lohngetreide nach der Hufe schütten. Dem Hirten schütten, ihm sein bestimmtes Getreide geben oder entrichten. Das Vieh verschütten, das Hirtenlohn von dem Viehe an Getreide entrichten. Siehe Schutt. (b) Gebären, zur Welt bringen; eine bey den Jägern so wohl von den Hündinnen und Wölfinnen, als auch von dem Wildbret übliche Bedeutung, wo es das Ansehen eines Zeitwortes von der Mittelgattung hat, eigentlich aber ist der Accusativ nur verschwiegen. (c) In reichem Maße ertheilen, in der biblischen und höhern Schreibart. Gott schüttet seine Bramherzigkeit aus über sie, Sir. 18, 9. Da Verachtung auf die Fürsten geschüttet war, Ps. 107, 40. Schütte deinen Grimm auf die Heiden, Ps. 79, 6. Er wird Strahlen über sie schütten, Ps. 140, 11. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es doch nur in einigen Fällen für ergeben, ergiebig seyn, üblich ist, eigentlich aber auch einen verschwiegenen Accusativ voraus setzet. Drey Schock Garben schütteten drey Scheffel, gaben so viele Körner. Das Getreide schüttet dieses Jahr reichlich, gibt ein reichliches Maß von Körnern. Auf eben die Art gebraucht man es auch im Bergbaue, wo das Bergwerk, die Zeche schüttet, wenn viele und reiche Anbrüche in derselben vorhanden sind. So auch das Schütten. Anm. In der vierten Bedeutung des Activi, als der gewöhnlichsten, bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern scutan, im Nieders. schudden, im Engl. to shed, im Schwed. skudda, im Wallis. ysgyddio, im Chald. שדא und אשד, im Griech. σκεδαν. Ohne Zischlaut gehören auch theils gießen, Nieders. geten, theils das Nieders. keuten, gießen, theils aber auch das Griech. χεειν, χυειν, χυτος, dahin. Es ist hier eine unmittelbare Onomatopöie eines starken Gießens.
5922 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schüttenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    schüten , schütten stn. BMZ das schütteln Krone 25691 ; das schütten Tuch. 266,22 ;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ³schüttenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +2 Parallelbelege

    3* schütten , swv. , vereinzelt für schüdden = schütteln, schütten.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schütten

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schütten , verb. reg. welches ein sehr altes Zeitwort von vielfacher Bedeutung ist. Das doppelte t in der Mitte zeiget s…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schütten

    Goethe-Wörterbuch

    schütten etw (von einem (erhöhten) Ort/an einen anderen Ort) fallen, (herunter-, hinein-)rinnen lassen; auch in bildl Zs…

  5. modern
    Dialekt
    schütten

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schütte n [ìtə, etə allg.; Part. kìtə S. Obhergh. Katzent. , ket Co. Dü. U., kùt Lohr Wh. ] 1. schütten. Spw. M e r…

  6. Sprichwörter
    Schütten

    Wander (Sprichwörter)

    Schütten Er schütt wie aus dem Arbel (Aermel). ( Jüd.-deutsch. Warschau. ) D.h. er plaudert sehr viel.

  7. Spezial
    schütten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schüt|ten I vb.tr. (gießen) juté (jüta) II vb.intr. (ergiebig sein) inrede (inred, inredü), dé fora, dé ca. III vb.imper…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schuetten

79 Bildungen · 53 Erstglied · 20 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von schuetten 2 Komponenten

schu+etten

schuetten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schuetten‑ als Erstglied (30 von 53)

Schüttenbēr

WWB

schuetten·ber

Schütten-bēr n. [WMünsterl Stf Lhs sowie Lippe] 1. Schützenfest. — 2. auf dem Schützenfest getrunkenes Bier ( Stf Nw).

Schüttenfest

WWB

schuetten·fest

Schütten-fest n. [verstr.] Schützenfest (mit Königsschießen ( Wie Rö)). Schützenfest fiern ( WmWb ). — Ra.: Een Schützenfest is de wa’ bleww…

Schüttenfestbrūd

WWB

Schütten-fest-brūd f. Mädchen, das man auf dem Schützenfest kennengelernt hat. — Ra.: Schützenfestbrut, is en annern Dag wier ut ( Lhs Ve).

Schüttengelge

WWB

schuett·engelage

Schütten-ge-lage n. [ Sos Arn Mes Bri] 1. Schützenfest. — 2. Beitrag für das Schützenfest. ⟨ Grundwort: k - [Sos], g - [ Arn Sos], sonst ge …

Schüttengill'

MeckWB

schuetten·gill

Schüttengill' Pl. -n f. städtische Schützenzunft, die älteste, von 1410, war die Parchimer; 'Schuttengylde' (1516) Jb. 57, 173; 298; Bär. Ge…

schüttenhof

MNWB

schuetten·hof

schüttenhof , m. , 1. Schützenhaus. 2. Schützenfest , so das alljährlich in Hildesheim veranstaltete festliche Preisschießen, an dem auch di…

Schüttenhofen

Meyers

schuetten·hofen

Schüttenhofen (tschech. Sušice ), Stadt in Böhmen, an der Wotawa und der Staatsbahnlinie Iglau-Taus, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und e…

schütten II

RhWB

schütten II das Wort, auf schüdden zurückgehend, ist allg., u. zwar Rhfrk an der Nahe širə, –e-, n. davon (an der uNahe n. ausschl. Kreuzn-H…

schüttenkȫninc

MNWB

schüttenkȫninc , m. , der beim Wettschießen den besten Schuß tut, den Königsvogel abschießt, Schützenkönig.

schuetten als Zweitglied (20 von 20)

abschütten

DWB

abs·chuetten

abschütten , decutere, defundere, nnl. afschudden, niederschütten, oben wegschütten, abgieszen. das glas ist zu voll, schütte etwas davon ab…

anschütten

DWB

ans·chuetten

anschütten , affundere, aggerere: der strom schüttet erde an; mit dem eimer dem feuer wasser anschütten; korn auf dem boden anschütten; uns …

aufschütten

DWB

auf·schuetten

aufschütten , superfundere, aggerere, nnl. opschudden: das sie getreide aufschütten in Pharao kornhäuser. 1 Mos. 41, 35 ; also schüttet Jose…

ausschütten

DWB

aus·schuetten

ausschütten , effundere, nnl. uitschudden, 1 1) sinnlich, ich bin ausgeschütt wie wasser. ps. 22, 15 ; wein ausschütten; den samen ausschütt…

beschütten

DWB

beschuet·ten

beschütten , ahd. piscutan piscutita, mhd. beschüten beschutte, alts. biscuddian, zu folgern aus scuddian quatere, mnl. nnl. beschudden, obr…

Beyschütten

Adelung

bey·schuetten

Beyschütten , verb. reg. act. in dem Fränkischen Weinbaue, die im Räumen der Weinberge nur einiger Maßen herbey gezogene Erde bey dem Beschn…

einschütten

DWB

eins·chuetten

einschütten , mittere, infundere, nnl. inschudden. 1 1) dem vieh einschütten, vorschütten, futter in die krippe werfen; getraide einschütten…

entschütten

DWB

ent·schuetten

entschütten , excutere, ein vormals sehr gangbares, heute seltnes wort. 1 1) wasser der flasche entschütten, ausschütten, ausgieszen, effund…

erschütten

DWB

ers·chuetten

erschütten , dasselbe, ahd. arscuttan, mhd. erschütten, praet. erschutte. 1 1) tr. concutere, agitare: mhd. der ritte bald ûf sînen gwin zog…

hinschütten

DWB

hin·schuetten

hinschütten , verb. hinwärts schütten: an eine reine stete, da man die asschen hin schüttet. 3 Mos. 4, 11 ; die kräfte der schaffenden natur…

inschütten

MNWB

ins·chuetten

inschütten , swv. , herumstreifendes Vieh in Gewahrsam nehmen, als Pfand (für angerichteten Schaden) einbehalten, dat ingeschüttede vê.

ȫverschütten

MNWB

oever·schuetten

° ȫverschütten , ōver- (aver-) , swv. : c. A. p. jemdn. behelligen, aufhalten, wî willen sê ôk tô W. ofte in anderen unsen gebêden nâmals ni…

überschütten

DWB

ueber·schuetten

überschütten , v. I I. untrennb. verbindung. part. überschüttet, älter auch überschütt, überschutt, vereinzelt übergeschüttet ( Corvinus fon…

umschütten

DWB

umschütten , vb. 1 1) trennbar. 1@a a) umstoszen und verschütten; crateres proni umbkeert, umbgeschütt, verschütt Frisius (1556) 1075 a ; um…

upschütten

MNWB

upschuet·ten

upschütten , swv. : etw. hinausschieben, auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, „ zo wil ik umme bede willen der ersamen ... hovetlinge ,…

verschütten

DWB

vers·chuetten

verschütten , verb. , mhd. verschüten mhd. wb. 2, 2, 231 a . Lexer mhd. handwb. 3, 222 ; verschütten, auszschütten, profundere. Maaler 430 b…

vorschütten

DWB

vors·chuetten

vorschütten , verb. , s. fürschütten th. 4, 1, 1, sp. 804; vorschütten, sipare, cibum offundere Stieler 1944 ; vorschütten, buttare, gittare…

wegschütten

DWB

weg·schuetten

wegschütten , ausschüttend wegthun: wollen wir drumb den wein wegschütten Luther 10, iii, 33, 26 Weim. ausg.; lasz sie etliche tage davon ( …

zuschütten

DWB

zus·chuetten

zuschütten , v. , vgl. schütten th. 9, 2111. 1) etwas an etwas heranschütten affundere Frisius 61 a : den ... reben alten harn z., den schwa…

Ableitungen von schuetten (6 von 6)

beschütten

DWB

beschütten , ahd. piscutan piscutita, mhd. beschüten beschutte, alts. biscuddian, zu folgern aus scuddian quatere, mnl. nnl. beschudden, obr…

entschütten

DWB

entschütten , excutere, ein vormals sehr gangbares, heute seltnes wort. 1 1) wasser der flasche entschütten, ausschütten, ausgieszen, effund…

erschütten

DWB

erschütten , dasselbe, ahd. arscuttan, mhd. erschütten, praet. erschutte. 1 1) tr. concutere, agitare: mhd. der ritte bald ûf sînen gwin zog…

geschütten

Lexer

ge-schüten , ge-schütten swv. BMZ schütteln Gen. , erschüttern Mgb. ; schütten Berth.

verschütten

DWB

verschütten , verb. , mhd. verschüten mhd. wb. 2, 2, 231 a . Lexer mhd. handwb. 3, 222 ; verschütten, auszschütten, profundere. Maaler 430 b…

zerschütten

DWB

zerschütten , verb. , zu schütten ( th. 9, 2111), durch heftige bewegung aus dem gefüge bringen; 1) discutio z. Frisius 426 b ; conquassare …