schmal,
adj. nicht breit, klein, gering, knapp. ein gemeingermanisches wort, in den ältern dialekten in der allgemeineren bedeutung '
klein',
so goth. smals,
belegt im superl. smalista,
ἐλάχιστος; altn. smalr
sehr selten, s. Fritzner
2 3, 442
a (
aus norw. urkunden),
doch dazu smalmenni,
geringe leute, und smalvamm,
kleiner fehler, letzteres schon im Stockh. homilienb.; dän. schwed. smal;
ags. smæl,
klein, schmal, schlank, dünn, fein Bosworth-Toller 886
b,
daraus engl. small;
altfries. smel Richthofen 1038
a,
neufries. smel, smol, smeal ten Doornkaat Koolman 3, 223
a;
alts. smal,
ebenso mnd. Schiller-Lübben 4, 257,
mnl. holl. ahd. Graff 6, 828
f., mhd. s. Lexer
handwb. 2, 999
f. auszerhalb des german. vergleicht sich altslav. malŭ,
klein, das nur durch die länge des vocals abweicht; ferner mit k-
ableitung lett. smálks,
zart, fein, höflich, lit. smulkùs,
zart, fein. vielleicht gehört zu derselben wurzel auch ahd. smâh (
mhd. smæhe,
vgl.schmähe),
altn. smár,
dän. schwed. sm,
und eventuell lat. macer,
griech. (
σ)
μικρός? vgl. Schade 2, 830
b f. dagegen ist eine gruppe wol fernzuhalten, die in der bedeutung '
kleinvieh, vieh'
vorkommt. sie erscheint in altn. smali,
m., dazu smalamaþr,
schäfer u. s. w. smali, smale
auch in neuern norw. und schwed. mundarten Rietz 632
a;
aus dem nord. ist das wort auch ins lapp. eingedrungen: smalla,
schaf, s. J. K. Qvigstad
nord. lehenw. im lapp. (
Christ. 1893)
s. 304.
ferner in griech. μῆλον und kelt. míl,
aus *mêlon,
thier (
glossiert mit bestia, animal irrationale
und angewandt auf läuse, hasen, walfische, hunde, s. Fick4 2, 213).
sie zu der ersten zu stellen, verbietet vor allem die bedeutung. es ist doch kaum verständlich, das schaf schlechthin als '
der kleine'
oder '
der schmale'
zu bezeichnen, auszerdem ist die bedeutung der zweiten sippe im altn. durchaus nicht auf sog. kleinvieh beschränkt, sondern steht viel häufiger für vieh überhaupt, s. Fritzner
2 3, 441
f., noch allgemeiner für alle thiere im keltischen (
sogar der walfisch heiszt míl mora '
thier des meeres').
auszerdem reicht der unterschied ins indogerm. hinauf, und hier sind beide gruppen nach verbreitung und form durchaus geschieden. man hat also wol zwei getrennte wortclassen anzunehmen, die nur im german. zusammengefallen sind. die etymologie der letzteren ist unklar; die bei Fick
4 1, 519
versuchte ableitung von mâ '
blöken'
ist wegen des anleitenden sm
im german. unhaltbar. vgl. zum ganzen ferner Wachter 1438
f. Kluge
5 329
a. Weigand 2, 599. Grimm
gramm. 2, 701. Noreen
urgerman. lautlehre 208. Feist
goth. etymol. 104. Skeat 565
a. Franck 904.
für smali
erscheint im ahd. die umschreibung smaliʒ feho
und die zusammensetzung smalenôʒʒer;
ferner mhd. smalvihe, smalhirte,
vgl. schmalthier, -vieh.
wenn wir jetzt darin das adj. schmal
empfinden und daher auch kleinvieh
sagen, so ist dabei wol eine falsche volksetymologie im spiel; dasz diese schon in ahd. zeit bestand, zeigt smaliʒ feho.
vgl. zu den ahd. compositen Grimm
gramm. 2, 639.
die form bietet wenig abweichungen. frühmhd. begegnet vereinzelt vocaleinschub zwischen s
und m: wir haben noch zuwaigere wege gewalt .. der eine ist brait unt wît .. der ander enge unt semal. Diemer
deutsche ged. s. 372, 18 (
Jerusalem 462).
auch neuere mundarten bieten durchweg die form schmal
oder schml (Schöpf 627. Lexer 221); Albrecht 203
a hat auch schmall.
ebenso wechselt nd. small Schütze 4, 127. Dähnert 433. Mi 81
b bez. smal,
flectiert smallen ten Doornkaat Koolman 3, 222
b f., mit smal
brem. wb. 4, 858. Schambach 197
a, smâl Woeste 243
a.
die steigerungsformen werden in der ältern sprache durchaus mit umlaut gebildet: ahd. belegt smelerûn
Is. 41, 19; Maaler 358
a gibt an: der underist und schmelest teil desz schattens,
angustissimum umbrae imum; schmal — schmäler — am schmälsten Steinbach;
ebenso Adelung. Campe.
erst neuerdings begegnen umlautlose formen, z. b.: auch ihre stirn schien mir merklich breiter, als sie seyn müszte .. und ihre lippen länger und schmaler. Wieland 25, 326.
die mundarten bewahren hier das alte: schmeler,
auch schmeller — schmelist Schm. 2, 548. Hunziker 225.
nd. gewöhnlich ebenfalls mit umlaut: smelder
und smeler — smelste Schambach 197
a;
doch führt ten Doornkaat Koolman
auch den superl. smalste
an. bedeutung. 11)
in allgemeinerem sinne: klein überhaupt; so besonders in der ältern sprache. goth. ik auk im sa smalista (
ὁ ἐλάχιστος) apaustaule.
1 Cor. 15, 9.
ahd. wird smal
mit minutus, mimimus, exilis, exiguus glossiert, s. Graff 6, 829;
so im einzelnen 1@aa)
von thieren, vergl. schmalente, schmalreh, schmalthier, schmalvieh, schmalvogel, schmalwildpret
und die etymologie oben sowie J. Grimm 6, 309. smaliʒ feho,
pecus (
bei Notker)
s. Graff
a. a. o.; illic passeres nidificabunt, under diên nistent smaliû gefugele. Notker
ps. 103, 17;
so noch nhd.: schmal tier,
cerva, hinnulus cervinus Stieler 1861; alle herden des groszen und kleinen oder schmalen viehes.
a. weisheit lustg. 15.
doch werden gewöhnlich die zusammensetzungen bevorzugt. 1@bb)
von menschen, meist in übertragenem sinne: daʒ smala liut,
mobile vulgus; daʒ smala firihi,
vulgus Graff
a. a. o.; fona smalero manno mezsse (
de populari ordine).
Is. 41, 9
Hench; huuanda dhea hêrôstun mit dheru smelerun dheodu (
principes cum subjectis plebibus) eigun dhâr chimeine lêrunga. 19; ak was thâr werodes sô filu umbi, erl-skepiantlangana dag, habda ina thiu smala thiodthurh is swôtiun word werodu biworpan.
Heliand 4228.
anders gewendet, klein, schwach: der (
meiner sünde) ist sovil on zal, die ze erzelen, ist ze schmal mein leib, der sy begangen hatt. Cl. Hätzlerin 2, 82, 5;
mit bezug auf den besitz: smale ionckers, smale heeren,
tenuis fortunae domini, beneficiarij et nobiles ministri Kilian;
ähnlich mnd.: id was en luttik koningh, des sone seek was to Capharnaum .. desse smale koning
u. s. w. quelle bei Schiller-Lübben 4, 257
a; ok secht men hir, dat de Holsten unde Lubeschen und veil ander smale heren deme koninge entsecht hebben.
livl. urk. von 1405
s. ebenda. 1@cc)
von pflanzen: operuit montes umbra eius. et arbusta eius cedros dei, sîn scato .. bedahte diê berga .. unde sîniu smaleholz .. diê got machota sîne cedrôs (hôhpôuma). Notker
ps. 79, 11,
vgl.schmalholz. schmale saat,
kleinere feldfrüchte, besonders hülsenfrüchte, s. schmalsaat: weins wirt vil und smaler sat.
quelle bei Schm. 2, 548; smaleu sat und all garten sat geræt wol.
ebenda. 1@dd)
von flächen u. ähnl.: sô smales teiles,
puncti; deru smalûn erdo; in demo smalen anasidele,
brevi habitaculo; smalen spraten,
atomis Graff 6, 829; smale steden,
minores civitates Kilian; und staphten stillich ûʒ den herbergen dan über den smalen plâ
n. Ottokar
reimchron. 72557; sie solden kêren ûf den plâ
n. er was in doch ein teil zû smal, daʒ sie vor drange ûf dem wal mochten sich nicht wol gescharn.
livländ. reimchron. 10615; undir disin landin al was dikeiniʒ alsô smal, iʒ leiste in allin zîten wol zweitûsint rîten. Nic. v. Jeroschin 3800. 22)
in neuerer sprache hat sich schmal
in sinnlicher bedeutung meist als gegensatz zu breit
entwickelt: schmal, nicht breit,
angustus, exiguae latitudinis, nicht dick,
tenuis. als zusammen gezogen,
contractus. als zusammen geschoben,
arctus, arctatus Frisch 2, 204
c. 2@aa) schmal
und breit
sind ausdrücklich in gegensatz gestellt: Aristoteles spricht, daʒ diu zung diu pest sei, die weder ze prait noch ze smal sei. Megenberg 14, 30; als aber der acervus tritici nidana breit ist unte obana smal. Williram 114, 11; diu ist glîch dero palmon, diu der nidana smal unte rûch ist unte ab obana grôʒ unte scône ist. 121, 5; es stet ein lind in jenem tal, ist oben breit und unden schmal. Uhland
volksl.2 37 (15
A, 1); weder ze smal noch ze breit.
Tristan 10930; sô ist er (
der himmel) tûsent klâfter breit .. welt ir si rehte zellen .. sô sult ir die sunnen und ouch den mânen nemen abe .. und rücket in dann über al zesamen: er wirt alsô smal.
pfaffe Amis 178.
bildlich: peide smal unde preit maʒ er im die slege. Heinr. v. Neustadt
Apoll. 9326; het nit ain prait: am praitisten ist's gewesen anderthalbhundert geschnüerter meil prait, am schmelisten vierzig. Aventin
chron. 1, 665, 4.
man unterscheidet bei flächen eine schmale
und eine breite seite;
vgl. i. 2@bb)
von menschen, schlank, dünn: schmal, schlank, nicht fleischig,
gracilis Frisch 2, 204
c;
cinguli, dünne schmale leut, wie die edel jungfern. Corvinus
fons latinit. 151
b; nach dem eusserlichen ansehen sind etliche dickleibig, feist und was füllig; etliche schmal (dünne) mager und straubicht (
alii graciles, macilenti et strigosi). Comenius
sprachenthür 278; sie sint zô deme gurtele alsô smal.
Rother 1371; lanc, ûf gewollen unde smal.
Tristan 10898; dô was sie umbe ir gürtel smal. Heinzelin v. Konstanz
d. minne lehre 665; ze den sîten was diu liebe smal.
ges. abent. 3, 113, 63; en mitten was sy smal.
Karlmeinet A. 418, 17.
so auch: ihr breiten angesesznen, schmalen gebildten herren. Werner
weihe der unkraft v. 158.
jetzt selten; nach Adelung
sagt man noch zuweilen im gewöhnlichen leben jemand sey schmahl von leibe. 2@cc)
von den einzelnen gliedmaszen, dünne, mager: ir snêwîʒe smale hant. Berthold v. Holle
Crane 3904; zwei blanke ärmlein, die sind schmal. Gödeke-Tittmann
liederb. aus dem 16. jh. s. 25; mein feins lieb hiesz mich nidersitzen an ire schmale seiten. 46; der bauch war warlich schmertzens voll .. er ward bald schmal, und sehr gering. Alberus
fabeln 10, 69; eʒ spricht Aristotiles, daʒ der mensch hab ain milz sam ain swein, lang und smal. Megenberg 30, 27; dʒ das fleisch gerottet abnemen, und das die hendlyn gerotten mager, schmal und clein werden. Keisersberg
bilger 159
c; auf den schmalen wangen wallte ein erröten über das andere hin. Keller 1, 210. 2@dd)
jetzt noch in der jägersprache üblich vom wilde: gering oder schmal, nicht aber dürr oder mager, wird gesagt, wenn das wild schmal von leibe ist. Heppe
wohlred. jäger 146
a;
mager, klein, schlecht bei leibe Behlen 5, 503.
im sinne von '
schlank': noch vele sneller is dit dêr (
der panther) den jenich re, smal unde fêr. Gerh. v. Minden 71, 12. 2@ee)
von pflanzen, schlank gewachsen, lang und dünn: dâr af (
aus den 3
kernen) quâmen drê rôden lank unde smal.
van deme holte des hill. cruzes 299. 2@ff)
heute gewöhnlich von gegenständen, in hinsicht auf flächenausdehnung; besonders von wegen: schmaler wAeg,
semita Maaler 357
d;
semita, ein schmaler weg, ein fuszsteig. Corvinus
fons latinit. 586
b; schmale weege,
viae angustae Frisch 2, 205
a;
in der gaunersprache wird sogar schmal
allein für den weg gesagt im gegensatz zum freien felde, das breithart
heiszt Avé-Lallemant 4, 601: dîne uuega dîe grehten zeîge mir, unde dîniû smalen phad (
semitas tuas) kelêre mih kâ
n. Notker
ps. 24, 4; ein stec smaler denne ein hant. Heinr. v.
d. Türlin
crone 12848; von dem wege einen smalen pfat sie beide mit einander riten. 15936; ein ængistlich stec dar ûf lint unt gêt uber daʒ selbe tal. er ist eines fûʒʒes smal. Hahn
ged. des 12. und 13. jahrh. 48, 56; ende recht als ic hem liden soude in enen smalen nauwen pat.
Reinaert 3527; er kârte hin mit mancher schar bôse wege und smalen stîc.
livl. reimchron. 6899; de wech, de to dem ewigen levende geit, is gans smâl unde enge, alse in dem hilgen ewangelio geschreven steit.
des dodes danz 1650
Bäthcke; er hilt sich eben auff einem schmalen steig.
bergreihen s. 31, 15
neudr. (13, 4); und die pforte ist enge, und der weg ist schmalh, der zum leben füret.
Matth. 7, 14; nicht jedem ziemt's, auf seiner schmalen bahn den hohen, fernen Arktur zu befragen. Schiller
bei Hoffmeister
nachlese 3, 226.
bildlich: mit festem heldenschritte wandelt sie die schmale mittelbahn des schicklichen.
don Carlos 2, 15; der hunger aber bringt zu weg, dasz sich ein weib zum frembden leg, und steth die ehr auff schmahlem steg. Kirchhof
wendunm. 3, 98
Österley (4, 91).
hierbei ist wol an einen steg (
holzplanke)
über ein wasser zu denken, von dem man, wenn er schmal und unfest ist, leicht fallen kann. ebenso schmale brücke: doe daden sie enen wederkeer over ene smale brugghe.
Reinaert 1723;
bildlich: eine unmerkliche wahrnehmung des gegenwärtigen .., die den spieler eben so leicht an dem überspannten und unanständigen vorbei über die schmale brücke der wahrheit und schönheit führt? Schiller 2, 346;
auch sonst von örtlichkeiten: schmaler strich landes,
tractus regionis exiguus Stieler 1861; da es (
das meer) das erdreich endet, da sind ... vorgebirge und enge (schmale) zwischen zweyen meeren ingelegene landschafften (
isthmi). Comenius
sprachenth. 74; item dat smale deep (
fahrwasser) unde Hilligelant de liggen oesten suden unde westen norden.
seebuch xi, 2
Koppmann; an diesem ort ist der bach am allerschmälesten.
hist. von Lazarillo de Tormes 35; denn Thyrsis warf, und kam bis an den schmalen graben. Rost
versuch von schäferged. 124;
so in flusznamen: Smalanaha, Smalenbach, Smalacalta
Schmalkalden, Scmalonfleet
Schmalenfleet an d. Weser u. s. w. Förstemann
namenb. 2
2, 1350; schmal, setzte man vor alters zu den flüssen, wann einer kleiner als der andre war, als der flusz Nuste, und die schmale Nuste, Sinna und die schmale Sinna. Frisch 2, 205
a.
im bilde: o mein gemahl! sie bauen immer, bauen bis in die wolken, bauen fort und fort und denken nicht dran, dasz der schmale grund das schwindelnd schwanke werk nicht tragen kann. Schiller
Wallensteins tod 3, 4; krieg führt der mensch, er liegt zu feld, musz um des daseyns schmalen boden fechten. 4, 8
var.; ähnlich auch: jezt brauche ich einen guten menschen — brauch ihn mehr und drängender als alles glük das du in meines lebens schmales bette presztest.
dom Karlos 3, 7. 2@gg)
daher auch für '
enge'
von einer thür, einem durchgange: ein schmaler pasz,
angustae fauces Steinbach 2, 458.
überhaupt für enge: schmal, eng, eingezogen,
angustus, coactus Maaler 357
d; schmal,
angustus, arctus, etroict. nicht breit, enge Schottel 1403.
doch läszt sich diese bedeutung von der vorigen nicht scharf trennen: die zugenge seiner habe werden schmal werden.
Hiob 18, 7.
von räumen, vgl. 1,
d: schmahler raum,
arctatum spatium Frisch 2, 205
a.
so auch: der (
gott) sorget für uns, kan und wil mehr und gröszers geben, denn unser schmal und enge hertz wündschen oder gedencken mag. Luther 8, 205
b.
ferner schmal (
enge) liegen: sein fusz hat nirgends raum, bisz er im grabe steht, denn lehret ihn die noth schmal und gedrenge liegen. Günther 671. schmal (
dicht, nahe) bei einander: zween berg bey einander schmal, darzwischen sey kein thal (
sind unfindbar). Fischart
groszm. 53 (
kloster 8, 586). 2@hh)
von andern gegenständen, gerätschaften, zeugstücken u. s. w.: schmal tuch,
pannus angustus Stieler 1861; schmale bänder,
ligamenta arctiora. ebenda; schmahles tuch,
brevis mensurae pannus Frisch 2, 205
a; schmahle leinwand
im gegensatz zur breiten; der rand ist sehr schmal. Adelung; mit eime schiltveʒʒel,daʒ was ein borte smal.
Nib. 1505, 1; smal unde cleine zene blanc dar ûʒ vil schône lûhten.
troj. krieg 19970: die tanden die daer aen staen sijn nauwe te maten ende smal.
Reinaert 5491; ihr hendle weis, ihr schülein schmal, damit sie ihr füslein bedeckt, ihr pörtlein (
borten) schmal
u. s. w. bergreihen s. 40
f. neudruck (20, 4); komisch war es zwar, dasz er zu dieser kleidung sich hinten einen schmalen unbeholfenen mantel .. angehängt .. hatte. Hoffmann 1, 206. 2@ii)
so in technischen ausdrücken: schmale seite
bei bauholz: hierbey ist aber auch zu consideriren, dasz die zimmer- oder bau-höltzer nicht eben just im quadrate gehauen werden, sondern die eine breite auf 1½ auch zwey zoll breiter ist. als gesetzt, die breite seite ist 12 zoll; so ist die schmale (oder, wie man sie sonst nennet, die starcke seite) 10 zoll. Döbel 3, 129
a.
in der tuchmanufaktur heiszen schmale tücher
solche, die auf einem einmännigen stuhle gewebt werden, 1—2
ellen breit. Jacobsson 4, 2;
in bergwerken schmale gänge
im gegensatze zu den mächtigen,
wie besonders solche, die edles erz führen. ebenda; ebenso schmale
oder niedere flötze
bis zu einer dicke von 12
zoll, s. 1, 763
a; schmaler
oder kurzer weg
bei den maurern, wenn die steine der länge nach gelegt werden, sodasz ihre breite der dicke der mauer entspricht. 4, 2; schmaler bruch
bei den glasern, die glatten und ungereifelten scheiben der ziehmaschine. ebenda; schmale hacke
bei den gärtnern, zum jäten gebraucht, deren eisen nur 2
zoll breit und 6
zoll lang ist. 7, 245
a; schmaler krystall.
ebenda; schmaler schrot
in eisenhämmern, eine art beileisen. ebenda, vgl. 1, 167
a. 33)
sehr gern steht schmal
in der neuern sprache in freierer verwendung für '
nicht reichlich, knapp, karg bemessen'
u. ähnl., wobei die bedeutung 1
zu grunde liegt. 3@aa)
zunächst von kost, nahrung u. dergl.: schmale biszlein,
victus tenuis, coena pauperrima Stieler 1861; er hat eine schmale küche,
angusta mensa cibum capit Steinbach 2, 458; schmale suppen, schmale bissen
voc. von 1618
bei Schm. 2, 548,
vgl. auch Schöpf 627; der herre sol ouch in des vogtes hofe essen einen smalen ymbis und sol denne varen gen Haselache sin gerihte besitzen.
quelle bei Haltaus 1637; sie hetten gnug zu essen, aber uber den xvi. tag begunde die kuchen smale zu werden.
quelle des 15.
jh. bei Lexer
handwb. 2, 1000; im war aber kein andere narung, denn der wurtzeln und kreutter erlaubt .. wiewol im bey solcher schmalen küchen das greinen ja solt vergangen seyn. Kirchhof
wendunm. 1, 277
Österley (1, 225); ein planet heyszt der Elsesser, macht einem offt das köpflin schwer, den beutel ler, und schmal das schmer.
Garg. 50
b; aus dem, was du gelesen hast, darf ich wohl voraussetzen, dasz dir morgen das schmalste mittagsbrot anderwärts schmackhafter dünken wird, als das prächtigste fest unter dem mastbaume der Vengeance. Thümmel
reise 7, 426; einige schmale portionen aus dem gasthaus. Schiller 3, 544; in duchte wesen alzu smal daʒ trinken und daʒ eʒʒen.
pass. 228, 54
Köpke; zu lon wirt mir schmal suppen geben.
sat. u. pasqu. 1, 149, 128; allein, weil wirth und gast längst gute freunde waren, und sie, bey schmaler kost, doch gästen reichlich gab, so gieng auch diesesmal nichts der bewirthung ab. Hagedorn 1, 25; die (36
meilen) fahr' ich und mein kober voll schmaler reisekost. Göckingk 1, 292; der brand, der unsre speicher aufgezehrt, und schnell vernichtete den schmalen vorrath. Tieck 3, 444; sie schnitt und asz ihr ränftlein brot, ihr schmales. Rückert (1882) 2, 140;
als adverb: schmal leben,
tenui victitare salino Steinbach 2, 458. Hunziker 225; schml abbeiszen müssen Schöpf 627; wer in dem künfftigen jahre wolle in den krieg ziehen, der müsse sich gewöhnen, dasz er schmal und übel esse. Schuppius 578; es gehet schmal zu,
vivitur parco Stieler 1861; es gehet hier schmal her. Adelung; es geht schmal daher, hat der fuchs gesagt, er hat nur eine mücke gefangen. Schmid 623,
vergl. Wander 4, 254;
coena passerina, da es kleine biszlein gibt, und schmal hergehet, wo nicht viel zum besten ist. Corvinus
fons latinit. 459
a; es soll auch künftig keinem fehlen; zwar ist's diese tage schmal geworden — Göthe 10, 224; einen schmal bewirten, abspeisen: wie der wirt .. versprach, hinfürter wolt er keinen armen mehr .. so schmal abspeisen und hunger leiden lassen. Kirchhof
wendunm. 1, 242
Österley (1, 197); werhalben seine (desz doctors) tischgenger offtmals sich hörn lieszen, dasz sie kurtz und schmal abgespeiszt würden. 150 (1, 118); mit speisz und tranck, auch allen andern angenehmen leibes verpflegungen tractire ich die wohlhabige viel schmäler, als andere dürfftigste zugenieszen pflegen.
Simpl. 2, 141, 5; es war noch immer genug, dasz .. auch wir .. immer wieder gedeckte tafeln und bänke und stühle fanden. doch wollte uns bedünken, dasz wir gar zu schmal abgefunden würden. Göthe 30, 103;
Egmont. ihr gebt mir doch ein nachtessen? ..
Clärchen. freilich! .. ich habe etwas zubereitet. verrathet mich nicht, mutter.
mutter. schmal genug. 8, 233; umsorgt von ernsten hirten, die gern und schmal bewirthen. 5, 93;
ähnlich: gut getrieben land kann man nur höchstens 2 jahre schmal halten, aber bereits abgeschleiftes musz ... radical ausgesogen werden. Gotthelf
schuldenbauer 70. 3@bb) schmales vermögen, schmaler lohn, schmaler gewinn
u. ähnl.: eine schmahle (
schlechte) ärnde, weinlese, messe; eine schmahle (
geringe) besoldung. Adelung; ich habe mussen den zehent .. den merer teil abthuen, so wil das einkomen e. l. und mein schmal werden.
herzog Johann von Sachsen an kurf. Friedrich von Sachsen um den 30.
april 1525,
im Weim. Ernst. ges.-archiv; das in andern landszorten, die ernd der früchten so reichlich sich nit erzaigt, zum thail die früchten vor ungewitter schmal und gering inkommen.
quelle vom jahre 1530
bei Haltaus 1637; schmale und langsame oder wol gar keine bezahlung. Kirchhof
discipl. milit. vorr.; jrer gethanen trew schmale belohnung. 63; hör, Fürwitz, in eim handel ich bin, der tregt mir sehr ein schmalen gwin. H. Sachs
fastn. sp. 1, 110
neudruck; mich dünckt, sein opfer wert gleich schmal. 6, 33.
übertragen: für den schmalen gehalt von glückseligkeit, den sie ihm auswirft, macht der geist den pünktlichen hausverwalter der natur. Schiller 10, 90. schmal werden,
deteriorari, minoris pretii .. fieri Scherz-Oberlin 1420; wann ein gut schmal wurde und die zinse nit ertragen kunt.
quelle s. ebenda. 3@cc)
vom gelde u. s. w.: schmale groschen (
dünnere und daher minderwertige), den groschen für 6½ pf. gerechnet,
grossi tenuiores, minoris pretii Frisch 2, 205
a;
dagegen heiszen die böhm. groschen breite groschen,
s. 1, 375
b und Schiller-Lübben 4, 257;
nd. smal geld: unde het geclaget up
N. up eyn schok smales geldes.
quelle s. daselbst; acht end twintich smale grossen.
ebenda; so auch: schmale pächt,
vectigalia tenuiora, von bienen, gänsen, flachs. Frisch 2, 205
a; von sechs hoefen einen schmalen vierding.
qu. bei Scherz-Oberlin 1420; zwey schmale schogk geldes jerlicher zinsse. 1421,
vgl. 1512. 3@dd)
ärmlich, dürftig (
vgl. 1,
b): er hete pürge unde lant, doch was dâ smal sîn gewant, er hete niht mê zuo der zît danne ein roc und ein cursît. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 6751. 3@ee)
anders gewendet wird schmal
auch von dem, der wenig gibt, gesagt, karg: der niedrigen stands geschickte reden opffern den göttern mit schmaler hand mehr, als die gottlosen, so gantz ochsenopffer opffern. Lehmann 2, 4;
so auch: die gulden (
goldne) zahl, erzeigt sich disz und alle jahr bey den armen schmal. Fischart
groszm. 19 (
kloster 4, 557). 3@ff)
von abstrakten, gering; schmale ehre, schmale hoffnung;
so besonders in der ältern sprache (
mhd. mnd.): sîn riwe smal, sîn vreude breit wart dô: sus swant im al sîn leit.
Parz. 640, 9; der jungen ritter zuht ist smal. Walther v.
d. Vogelweide 24, 4; winter, dîn gewalt ist worden smal.
minnes. 1, 24
b Hagen; dîn genâde niender ist sô smal.
lobges. 68, 9 (
zeitschr. für d. alterth. 4, 538); sîn danken gein ir was niht smal.
Lohengr. 3728; des treuwe gen im was leider smal.
renner 14172; do stund Lubeke in smalen eren.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 257
a.
ebenso im ältern nhd.: eine schmale hoffnung haben,
in arcto spem ponere Maaler 357
d; schmales lob,
laus parca Stieler 1861; o wie ein geringe, schmal, und schwach gebet war das für gott. Luther 4, 204
b; aber wens nicht S. Paulus were, sollts billich verdrieszlich seyn, das er den theuren edlen stand der jungfrawschafft so kercklich lobet und schmalen preysz gibt. 12, 133, 24
Weim. ausgabe; zaygt an gar schmale eer der let. Schwartzenberg
d. teutsch Cicero 159
b; unnd het ain halb verlorens spil, sein landt und er ain schmales zil. Soltau
volksl. 365 (59, 18,
vom j. 1547). 3@gg)
zuweilen geht schmal
geradezu in die bedeutung '
wenig'
über: do was der synen (
gottes) zal gar smal. Hugo v. Trimberg
renner, bei Haltaus 1637; allen zungen ist zû smal zû sprechen von des wunders zal, daʒ got die menscheit an sich nam.
livländ. reimchron. 15;
von der zeit: in so schmaler zeit wäre ohnehin von der flinkesten putz - bauherrin kein hut zu machen gewesen. J. Paul
Hesp. 3, 113;
vgl. auch: waʒ eren hat ditz iamer tal, denne ein blicklein kurtz und smal, und niemant weiʒ, wie lang eʒ wert. Hugo v. Trimrerg
renner 897.