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schimpfen

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schimpfen

Bd. 3, Sp. 1471
Schimpfen, verb. reg. act. aus dessen intensiven pf bereits erhellet, daß es ein Intensivum von einem veralteten schimen ist, von welchem unter andern Formen auch schimmern, schämen, schäumen u. s. f. abstammen. Da dieses seinem Ursprunge nach sehr vieler Bedeutungen fähig ist, so finden selbige auch bey diesem abgeleiteten Worte Statt, welches ursprünglich die Nachahmung eines Lautes ist, und hernach von allen denjenigen Veränderungen gebraucht wurde, welche mit diesem Laute verbunden waren, oder unter demselben gedacht wurden. 1. * Scherzen; ohne Zweifel eigentlich, scherzhafte Bewegungen machen, welches die erste Bedeutung aller ähnlichen Wörter ist. Im Hochdeutschen ist diese Bedeutung veraltet, ob sie gleich in den ältern Mundarten sehr[] gangbar war, und es zum Theil noch ist. Niedersächs. schimpen, Schwed. skymfa. Und sah ihn schimpfen mit Rebecca seiner Hausfrau, 1 Mos. 26, 8, in einer alten 1466 zu Straßburg gedruckten Deutschen Bibel. Grob schimpfen, höflich schimpfen, noch in einigen Gegenden. Zu der Bedeutung der Bewegung überhaupt gehöret noch das Isländ. skima, hin und wieder laufen. Nieders. schummeln. (Siehe Schämen Anm.) 2. * Verspotten, verhöhnen, als eine Onomatopöie des Tones, des Lautes, der Stimme; vielleicht aber auch als eine Figur der Verletzung der Ehre. Schwed. skämma. Es ist auch in dieser Bedeutung veraltet, aber bey den Schwäbischen Dichtern kommt Schimpfer noch mehrmahls für Spötter, so wie im Tatian schimphan für verspotten, vor. 3. Mit ehrenrührigen Worten beleidigen; eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, in welcher es auch im Hochdeutschen noch gangbar ist. Jemanden schimpfen. Er hat mich geschimpft, meine Ehre mit Worten beleidiget. Das ist nicht geschimpft. Auf jemanden schimpfen. In den niedrigen Sprecharten lautet dieses Wort mit der fremden Endung -ieren auch schimpfieren, Nieders. schimpieren, Schwed. skymfera, welche Form sehr alt ist, indem enschumpfieren für beschimpfen schon bey dem Hornegk vorkommt. Man könnte auch diese Bedeutung als eine engere Einschränkung der folgenden der Verunehrung ansehen; allein es wird aus verschiedenen Umständen warscheinlicher, daß es davon getrennet werden muß. Es scheinet überhaupt, seinen Zorn durch heftige Worte auslassen, bedeutet zu haben, und so gebraucht der große Haufe es noch jetzt, dem schimpfen, schänden und schelten oft gleichbedeutend sind; das Hebr. זעם, zürnen, kommt demselben nahe. Vermuthlich rühret die eingeschränkte Hochdeutsche Bedeutung daher, weil der große Haufe nicht anders als schimpfend schelten kann. 4. Verstümmeln, und durch Verstümmelung verunstalten. 1) * Eigentlich; welche Bedeutung im Hochdeutschen aber auch veraltet ist, außer daß verschimpfen noch im gemeinen Leben, für auf solche Art verunstalten, üblich ist. Das verschimpft das Gesicht, verstellet dasselbe. Noch bey dem Kero ist skemman stutzen, verkürzen, und Skemmi die Kürze. Auch im Schwed. ist skåmma abkürzen, stutzen, und figürlich, so verkürzen, daß ein Ding dadurch seine gehörige Gestalt verliere, Ital. und im mittlern Lat. scemare, wo Scematio auch Verstümmelung ist. Von dieser Form ist schimpfen das Intensivum. (S. Schämen Anm.) 2) * Figürlich, jemandes Ehre verletzen, Unehre zufügen; schon im Tatian scimfan. Es ist auch hier im Hochdeutschen veraltet, indem dafür beschimpfen eingeführet ist, man müßte denn die vorige dritte Bedeutung als eine Einschränkung davon ansehen wollen. Schande, schänden, Laster u. a. m. gründen sich in ihren gangbarsten Bedeutungen auf eben dieselben Begriffe der Verstümmelung und Verunstaltung, und Hornegk gebraucht noch das jetzt veraltete stumpfieren, d. i. stümmeln, verstümmeln, als gleichbedeutend mit beschimpfen. Wäre diese Figur nicht überwiegend wahrscheinlich, so könnte man schimpfen in dieser Bedeutung sehr bequem als ein intensives Factitivum von schamen ansehen, und da würde es schämen machen bedeuten. So auch das Schimpfen, weil Schimpfung nur in dem zusammen gesetzten Beschimpfung üblich ist.
3983 Zeichen · 62 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schimpfenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    schimpfen stn. das scherzen, spotten. ir klagendiu stæte was sô ganz, sine kêrten sich an schimpfen niht Parz. 242,7. lâ…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schimpfen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schimpfen , verb. reg. act. aus dessen intensiven pf bereits erhellet, daß es ein Intensivum von einem veralteten schime…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schimpfen

    Goethe-Wörterbuch

    schimpfen -pff- GWB DjG³2,247,10 ; auch subst Inf (in Kleinschr GWB B1,201,9) a (jdn) durch eine Äußerung ehrverletzend …

  4. modern
    Dialekt
    schimpfen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    PfWB RhWB schimpfe n [emfə Co. Henry; empfə Ingenh. ; ìmpə Dehli. ] wie hochd. Rda. ‘Der kann schimpe wie e Rohrspatz…

  5. Sprichwörter
    Schimpfen

    Wander (Sprichwörter)

    Schimpfen 1. De êne schömpt en Glûpôg, de andre Kûlpôg. ( Königsberg. ) 2. 'S Schimpf'n ist keine Kunst, aber's Besserma…

  6. Spezial
    schimpfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schimp|fen I vb.tr. (schelten, beschimpfen) bruntoré (-ra), slomené (slomëna) cospeté (-tëia) II vb.intr. 1 (schelten) b…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schimpfen

27 Bildungen · 2 Erstglied · 21 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von schimpfen 2 Komponenten

sch+impfen

schimpfen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schimpfen‑ als Erstglied (2 von 2)

schimpfentur

DWB

schimpfen·tur

schimpfentur , f. verunglimpfung, in älterer sprache an schimpfen angelehnte umbildung von franz. desconfiture, déconfiture. Wackernagel kl.…

schimpfen als Zweitglied (21 von 21)

abe schimpfen

MWB

abe schimpfen swV. ‘scherzhaft ablocken’? waz ist daz liehte, daz lûzet hervür / ûz dem jungen, grüenen gras, als ob ez smiere, / und es uns…

Anschimpfen

Campe

≠ Anschimpfen , v. trs. mit Schimpfworten anreden. Z. Das Anschimpfen. Die Anschimpfung.

ausschimpfen

DWB

aus·schimpfen

ausschimpfen , probris afficere: er hat ihn tüchtig ausgeschimpft. auch wol desinere proscindere: hast du endlich ausgeschimpft?

b(e)schimpfen

Idiotikon

b(e)schimpfen Band 8, Spalte 790 b(e)schimpfen 8,790

beschimpfen

DWB

beschimpfen , contumelia, ignominia afficere, nnl. beschimpen, einen schimpf anthun, mehr als beleidigen, kränken, bespotten, weniger als en…

erschimpfen

DWB

ersch·impfen

erschimpfen , conviciis obtinere: gelang es hr. Klotzen, sich einen anhang zu erschimpfen, und einen noch gröszern sich zu erloben. Lessing …

geschimpfen

Lexer

ge-schimpfen swv. BMZ scherzen Reinh.

herschimpfen

KöblerMhd

hersch·impfen

herschimpfen , sw. V. nhd. „herschimpfen“ Q.: HTrist (1285-1290) (FB her schimphen) E.: s. her, schimpfen W.: nhd. DW-

leckerschimpfen

KöblerMhd

lecker·schimpfen

leckerschimpfen , st. N. nhd. „Leckerschimpfen“ Q.: Renner (1290-1300) E.: s. lecker (1), schimpfen W.: nhd. DW- L.: MHDBDB (leckerschimpfen…

verschimpfen

DWB

versch·impfen

verschimpfen , verb. beleidigen mit worten, mhd. verschimpfen, ahd. ferscimfende, despiciens Graff 6, 497 . während das einfache wort die al…

vollschimpfen

DWB

voll·schimpfen

vollschimpfen , trennbar: wenn er sich von mir die jacke nicht will v. lassen Gökingk an Bürger br. 2, 41 Str.; ungewöhnlich: da sie ihn vol…

vorschimpfen

DWB

vorsch·impfen

vorschimpfen , verb. , vor jemandem schimpfen, mit dem dat.: ob nicht einer des einsamen weges käme, dem er vorschimpfen und klagen könnte F…

Wegschimpfen

Campe

weg·schimpfen

Х Wegschimpfen , v. trs . durch Schimpfen wegzugehen, sich zu entfernen nöthigen. D. Wegschimpfen .

Zuschimpfen

Campe

Х Zuschimpfen , v. intrs . Х Zuschinden , v. intrs . unregelm. ( s. Schinden ) und Zu 2. 2).

Ableitungen von schimpfen (4 von 4)

beschimpfen

DWB

beschimpfen , contumelia, ignominia afficere, nnl. beschimpen, einen schimpf anthun, mehr als beleidigen, kränken, bespotten, weniger als en…

erschimpfen

DWB

erschimpfen , conviciis obtinere: gelang es hr. Klotzen, sich einen anhang zu erschimpfen, und einen noch gröszern sich zu erloben. Lessing …

geschimpfen

Lexer

ge-schimpfen swv. BMZ scherzen Reinh.

verschimpfen

DWB

verschimpfen , verb. beleidigen mit worten, mhd. verschimpfen, ahd. ferscimfende, despiciens Graff 6, 497 . während das einfache wort die al…