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reuen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

reuen verb.

Bd. 14, Sp. 836
reuen, verb. lugere, poenitere. Form und verwandtschaft. goth. hriggwan, wie bliggwan bläuen gebildet (vergl. Grimm kl. schriften 3, 129 ff.), fehlt; dafür ein anderes durchaus unverwandtes wort idreigon, wozu altn. iðraz stimmt. das altn. adj. hryggr maestus lehrt, dasz die wurzel auch im altn. vorhanden sei, hryggja bedeutet transitiv traurig machen. ahd. hriuwan, riuwan, welchem alts. hrewan, ags. hreóvan, fries. riowa, engl. rue (= rew) entsprechen, ist starkes verbum: prät. hrau Graff 4, 1143; rou Otfrid 4, 12, 3, ruwun 4, 34, 21. ebenso mhd. riuwen, md. rûwen, prät. rou, plur. ruwen. schon ahd. gehen zwei schwache verben riuwên und riuwôn nebenher (Otfrid 4, 30, 36. 1, 23, 43); sie haben ihre fortsetzung in dem schwachen verbum mhd. riuwen, md. rûwen. das nhd. wort ist ganz in die schwache flexion übergetreten, nur in der älteren sprache finden sich noch reste der starken formen: dan die lieb frow row mich gar übell. Th. Platter 30 Boos; es rauhe der jung mentsch iederman. Zimm. chron. 3, 12, 30. häufiger ist das particip, als geruwen: herrendienst hat manchen geruwen. Murner narrenbeschw. 55, 56 Gödeke; gerewen (mit angleichung an das präsens): unsere lere hab uns gerewen. Luther 7, 2b; die reysz mich schier gerewen hat. Waldis Esopus 4, 1, 75 Kurz; gerowen, gerawen (mit angleichung an den sing. präter.): erst hat es sein alten vatter gerowen. Zimm. chron. 4, 119, 2; hernach hat es bemelten herr Hannsen, truchseszen, hoch gerawen. 2, 282, 8; da hett es mich ser gerawen. d. städtechron. 5, 124, 13; es hat jhn gerauwen. Helber syllabierbüchlein 31, 10 Röthe durch angleichung an den sing. prät. ist auch ein neues präsens rauen gebildet, das im oberdeutschen, besonders im schwäbischen, häufig ist: bereuen, quod etiam dicunt berauen, sicut rauen. Stieler 1608; rauen, es hat im grauen. Schmid 426; fraw, ir wiszt wol, das ich nit sol mit untriu schaden pawen dem heren mein, ich käm in pein, es wurd euch selber rawen. Cl. Hätzlerin 1, 27, 78; sie sprach ich solt sie trawen, es sol mich nimmer rawen. Ambr. liederb. 247, 21; doch rawet jn die sünd im hertzen. Waldis Esopus 4, 14, 5 Kurz; der kauf wird sie nicht rauen. geistl. lied bei Mützell 271. verwandtschaft mit griech. κρούω, κροαίνω, lat. cruentus, cruor (Fick 3, 84) ist nicht sicher. Bedeutung. 11) schmerz, reue empfinden; stets in persönlicher construction. dieser gebrauch ist jetzt gänzlich veraltet und nur im älteren nhd. in wenigen beispielen erhalten. nur das particip reuend wird bis auf die neueste zeit gewahrt und in fast adjectivischem sinne, als reuig, reuevoll verwandt. 1@aa) schmerz empfinden: ahd. biginnent thanne riuan joh iro brusti bliuan. Otfrid 5, 6, 42; ich rew und klag, das ich meine tag nichts liebers habe verloren, nach dem ich mir, zu freude und gier ein lieb hab auszerkoren. Ambras. liederb. 74, 1. etwas reuen, über etwas schmerz empfinden: ich weisz, het Pontus seiner zeit gesehen dich dergleichen, Sidonia het müszen weit von seiner lieb entweichen, und ander vil darzu, ich wil ir aller keine reuen, mich freuen dein, dein wil ich sein, dieweil ich leb, in treuen. Gödeke - Tittmann liederbuch 27. 1@bb) schmerz über etwas selbstverschuldetes, reue empfinden: wer hüt nit gschickt zuo ruwen ist der fyndt morn me das jm gebrist. Brant narrensch. 31, 29; wahnwitziges gezücht, falsch-hertziges geschlecht, rew, schew, und scham dich doch. Weckherlin 239. bei Keisersberg und Luther häufig in besonderem kirchlichen sinne (vgl.reue unter 3): wen ein mensch hat gerüwet und gebeichtet und ein willen nit mee zuo sünden, so laszt im got ab sein sünd. Keisersberg emeis 63c; darnach hin rewe so viel mehr, und thu gnug, wie du kanst. Luther 1, 65a; wie vermisset sich denn nu diese ketzerische, lesterliche bullen, wider aller christen brauch und glauben zu leren, man dürffe nicht glauben, noch rewen, noch gutes gedencken. 1, 403a. im substantivisch gesetzten infinitiv: da meine geduld und erlitten unglück, dergestalt kund war, und dasz ich rewens (war), und nun zimblich gebüszt, auch mich theils gebessert hätte, wurde demselben nach dreyen wochen zu mir zu gehen vergönstiget. Philander 2, 776. etwas reuen: alle, die ir sünda riuwont und si gerne har nâ vermîdent. Wackernagel leseb.2 299, 14; es seint etlich die wol rüwen ir sünd, aber wen es an das beichten kumpt, so verziehen sie es. Keisersberg narrensch. 75a; wen du dein sünd rüwen woltest und beichten und got den herren anrüffen. emeis 43b; got wöll mich leben lan, bisz ich mein grosz sünd abthu und die rewen und püeszen müg, des helfen mir die hailigen drei namen. d. städtechron. 5, 312, 28. eines dinges reuen: und daneben denselben Luther, es sey denn das er innerhalb einer bestimpten zeit, nach eröffnung seiner heiligkeit decret, beweise, das er seiner irrsal rew, ... als einen son des ungehorsams und bosheit .. zu meiden. Luther 1, 457b. über etwas reuen: (die blindenleiter haben) die armen seelen so gar jemerlich betrogen, darüber sie doch noch nicht büszen oder rewen, sondern verstockte schützer bleiben wollen. 5, 166a; wenn sie jetzt über ir sünd reueten und sie darnach wider thäten, so weren ire sünd desto schwerer. Pauli schimpf u. ernst 82. particip reuend, reue empfindend, zeigend: nu wohlan, wir wollen beide unsere begangenes versehen und fehler inniglich reuend beseufzen. Butschky kanzl. 104, wann es mit buszfertigem reuendem hertzen geschieht. Albrecht fluchabc 24; dich deiner vermessenheit aber dann und wann reuend zu erinnern, so daure du fort, neues geschöpf. Lessing 1, 132; ich wollte den brief mit vergnügen von deinen händen nehmen, die stärke der väterlichen liebe darinn bewundern, und ohne sie zu miszbrauchen, mich als eine reuende und gehorsame tochter zu seinen füszen werfen. 2, 40; diese sittsame schönheit, im auge den feuchten schimmer einer reuenden thräne, furchtsam sich nähernd (von Helena). 6, 503; recht wie ein kleines kind, dasz, wan man es gestrichen, mit greünen und mit laid in winckel hin geschlichen, gleich, wan die räuend amm ihm wider freundlich winckt, mit schämendem gesicht in ihren gären sinckt, gantz eilend alles laid und weynen zu verschlukken versucht. Rompler 73; vom dürftigen verseufzt, mit thränenvollen blicken des reuenden verfolgt, zurückgewünscht vom thor (vom alten jahre). Lessing 1, 88; welch langsam phänomen durchstreicht des äthers wogen, dort wo Saturn gebeut? ist es? es ists, das jahr, das reuend uns entflogen, es fliegt zur ewigkeit. 1, 96; um meine schuld dir reuend zu gestehn, wählt' ich den langsameren weg zum grabe. Schiller Phädra 5, 7; wollt ihr nicht in euch gehn? euch nicht mit gott versöhnen — in den schoosz der heil'gen kirche reuend wiederkehren? jungfr. von Orl. 5, 4. besondere verbindung: reuende zeichen, signa poenitentiae vel contritionis in moribundis observanda, quae banni mortificant rigorem et beneficia impetrant absolutionis et ecclesiasticae sepulturae. Haltaus 1545. 22) schmerz, reue erregen. in dieser bedeutung wird reuen mit dem subject der sache oder der person und mit dem object der person oder unpersönlich construiert. 2@aa) schmerz erregen, betrüben, dauern, leidthun. diese bedeutung hat sich, namentlich im volksmunde, bis in die neueste zeit erhalten (vgl. Pfister nachtr. 232). Stalder 2, 271. 2@a@aα) etwas reut mich: es nemme alle Türcken grosz wunder, dasz die edlen Talliener so grosz narren und vermessen gewesen, dasz sie vor den vollen Deutschen den sturm angelauffen, derwegen so reuwen sie die Talliener von hertzen, welcher denn bisz in siben hundert darauff gangen. Fronsperger kriegsb. 1, 171a; so wollt ich ihne als übel schmieren, sein leib must ihn reuen. Berlichinger 85; es müsten mich aber rewen die schönen und züchtigen jungen ritter, so jn etwaz ubels zu handen gehen solt. buch der liebe 240b; ich habe bisher oft gesagt: diser freind werde mich reuen, wenn er stirbe: izzo bin ich wegen seines tödlichen abganges sehr betrübt! Butschky kanzl. 1659; nachdem er eine weile gejammert, nimmt er dann der Gertrud treuherzig die hand: o wie mich die mutter reut (wie mich ihr tod schmerzt). Pestalozzi Lienh. u. Gertrud 1, 93; sie (die kuh) reut mich übel (d. h. es thut mir leid, dasz ich sie verkaufen musz). Gotthelf Uli der knecht 194. mit einem infinitiv als subject: so mir nichts dir nichts, ehe man mehr zu klagen habe, ihn fortzuschicken, reue sie. ebenda 261; die werlt mac immer riuwen der schœnen Helchen tôt. Nib. 1137, 2; verloren hab ich mein schönes lieb, das reuet mich. Gödeke-Tittmann liederb. 70; sie griffen tückisch in die wer, sprachen 'hinaus bringet uns nit mer'. sant Peter reut der schimpf gar ser und disen hochmut tet dem herren klagen. H. Sachs meisterl. 4, 287, 33 Gödeke; mich rewen nur die erbarn leut, das ichs gemüt hab in den sachen. H. Sachs fastn. sp. 1, 94, 422 neudruck; o liebe tochter, wie reühst du mich! all mein hoffnung setzt ich in dich und dacht, ehr an dir zu erlebn. jetzund hab ich mich drein ergebn. wir kommen all ins Türken händ. J. Ayrer 151c (757, 13 Keller); mich reüt jhr herkommen und standt, dasz sie also soll kommen zu schandt. 92d (469, 17); nun du wirst dich noch besinnen, dasz ich bey dir gantz und gar fusz zu halten willens war, und auch kaum gesegnen können: räute Heidelberg mich sehr, du viel tausend mal noch mehr. Opitz 2, 184; in was vor stande wol der alte vater sei, den dieser mein verlust mehr als sonst alles reu. Fleming 229; der hat ein gut recept vor dich neu concipirt, es wird leichtlich dein kopf wider bringen zu recht, thu nur eins, und sei nicht so schlecht, dasz dich ein halber batzen reu, darum du kaufst solch arzenei. Opel - Cohn dreiszigjähr. krieg 3, 47; dasz ich zu Görliz hangen soll des lasz dich, gott, erbarmen! so reun mich nichts als meine stifel und sporn dazu meine guten gesellen. 'je! reun dich nichts als deine stifel und sporn dazu deine guten gesellen? reun dich nicht mer deine kleinen kind dazu deine schöne jungfrawe?' Uhland volksl. 357; mich sollt' es reun, wenn übles ihr erführt. Grillparzer 5, 38. 2@a@bβ) etwas reuet mir (vgl. dasselbe unter 2): die bücher, die sie fordern, sind alle fort, die letzten gab ich hier auf die bibliothek, so dasz ich doch durchaus keines jener bücher ganz aus Halle verloren habe, was mir auch sehr gereut haben würde. F. A. Wolf an C. G. Schütz, Halle 3. märz 1797. 2@a@gγ) es reut mich über etwas; nur in der älteren sprache im sinne von 'etwas erregt mir schmerz': und es rewete die kinder Israel uber Ben Jamin jre brüdere, und sprachen, heute ist ein stam von Israel abgebrochen. richter 21, 6; der begriff der reue tritt mehr hervor in folgendem beispiel: da der engel seine hand auszstrecket uber Jerusalem das er sie verderbete, rewete es den herren uber dem ubel und sprach: es ist genug, las nu deine hand abe. Luther tischr. 97a. 2@bb) schmerz über etwas selbstverschuldetes erregen, mit reue erfüllen. im nhd. ist diese verengte bedeutung die gewöhnliche, während im mhd. von einer solchen beschränkung noch keine spur vorhanden ist (vgl. Müller-Zarncke 21, 749). 2@b@aα) etwas reuet mich: eme beghunde ruen sin dat. Schiller-Lübben 3, 538b; de sunden min ruwent mich sere. d. städtechr. 12, 32; die xci histori sagt, wie Vlenspiegel sein sünd solt beruowen, da rüwet in dreierlei schalckeit die er nit gethon het. Eulenspiegel (1515) 140 neudr.; wo sichs (das volk) aber bekeret von seiner bosheit, da wider ich rede, so sol mich auch rewen das unglück, das ich jm gedacht zuthun. Jer. 18, 8; also gieng alle handlung zuruck, welches doch hernach Gebharten übel genug hat gerowen, dann es ime umb vil ain mehrers nit mer werden oder zu steen kan. Zimm. chr. 3, 101, 32; o bedächtestu jetzt, was dich hernach rewen werde, du wirdest dieses gefährlichen nachtrabs bald vergessen. Philander 1, 80; so gefällst du mir, Evchen! das war brav: es reut dich also? Wagner kindermörderin 30 neudr.; doch ist es den gar nutz und gut, die sunst die sund nit reuen tut, so reuet sie doch auf das minst ir gelt, das unter zweinzigen eim nit felt. fastn. sp. 383, 32; dennoch seins nachbarn weib begert. wiewol er des nicht ward gewert, doch rawet jn die sünd im hertzen. Waldis Esopus 4, 11, 5 Kurz; hört mir die beicht, mich reut mein sündt, ob ich auch gnad erlangen kündt. 4, 1, 179; ick hebbe gesundiget, ydt rouwet my sehr. Waldis verl. sohn 1342 neudruck; volg weiser lehr, poch nit zu sehr, der schimpff möchte dich sonst rawen. Ambras. liederb. 252, 16; mich reut mein fleisz, mein blut und schweisz, den ich darauf gewendet (auf das buhlen). Gödeke - Tittmann liederb. 36; habt freundlich dank der lieb und treue, wil wider schaun, dasz euch nicht reue. Rebhun Susanna 54 bei Tittmann schausp. 33; doch sag ich euch bei meinen trewen: es wirt euch noch von hertzen rewen, habt jr gefüret hin die fraw. H. Sachs fastn. sp. 1, 10, 312 neudruck; darum liebs freylin wölt jr sein im alter sunder schreckenpein, so volgten nach der meinen lehr. fürwar es rewt euch nimmer mehr. Wickram irreit. pilger 49a; meiner sünden grosze last drückt und reuet mich, drüm mein lieber frommer gott hilf mir gnädiglich. Schottel 881; wie blutschuld reuet frau Sibyllen ihr böser schwur. Gotter 1, 158; und als sie sich sträubte, und als er sie zog, vermasz er sich theuer, vermasz er sich hoch: 'lieb mädel, es soll dich nicht reuen!' Bürger 61a; und sollte dich die edle kühnheit reuen? Göthe 7, 260; jung Roland rief: wohlauf zum streit! dich reuet noch dein necken. Uhland ged. 341. sprichwörtlich: jung zum dienst, und jung gefreyt, hat niemand gereut. Pistorius thes. paroem. 10, 26. mit infinitiv als subject: bald reute es den kaiser Friedrich, den Mailändern vertraut zu haben; mit einem abhängigen satze als subject: und soll man wiszen, dasz es den bischoff und sein pfaffheit gar hart gerewen hatt, dasz er den burgern den gewalt hett geben. d. städtechron. 5, 67, 19; denn das ich euch durch den brieff hab trawrig gemacht, rewet mich nicht. 2 Cor. 7, 8; da aber der herr sahe, das der menschen bosheit gros war auf erden ..., da rewet es jn, das er die menschen gemacht hatte auff erden. 1 Mos. 6, 6; also hat die guet grevin geschwigen und hat sie übel gerawen, das sie so vil darzu geredt. Zimm. chr. 1, 330, 25; welche weibliche schwachheiten alle, dich also unverständig hienein zu plumpen, billich abhalten solten: unnd wird dich endlich rewen, das umb ein so unvollkommenes werck du dich doch so sehr bemühet habest. Philander 1, 64; unlängst gieng mein mann über etliche edelleute, und es soll mich mein lebetage reuen, dasz ich bin zu hause geblieben. Weise erznarren 196 neudr.; o mueter mein, es thuoet mich rewen, das ich im pey all meinem leben ein guetes wort ie hab gegeben. H. Sachs fastn. sp. 6, 18, 128 neudruck; du hast, nachdem ein weib dich in der eh' ergezet, mich deinen alten freund schier gar hindan gesezet, drum kehre wieder um, gieb mich nicht vollends hin, sonst reut mich, dasz ich dir zur hochzeit kommen bin. Grob versuchgabe 13. 2@b@bβ) etwas reut mir; die construction ist in früherer zeit besonders md. (vgl. Müller - Zarncke 21, 750a): wie groszmütig, ohne zweifel, schien sich der reiche mann zu seyn! einem ehrlichen manne sieben ganzer tage zu borgen! wo es ihm nur nicht bald reuet, so viel gewagt zu haben (mit infinitiv als subject). Lessing 3, 303; dem rittmeister schien sein versprechen, sich gesitteter gegen Florentin zu betragen, zu reuen. Schlegel Florentin 377; ach mutter zürne nicht; es ist mir mehr als leid, der vorwitz dieser muth hat mich zu sehr verblendet; nun hab' ich allzuweit von dir, trost, abgeländet, und kan es endern nicht, wie hoch es mir auch reut. Fleming 579; schimpff deinen fürsten nicht, wenn er jung, unrecht hat, er denckt einmahl daran, es reuet dir die that. persian. rosenthal 1, 44. 2@b@gγ) dem älteren nhd. gehört die construction an es reut mich eines dinges: da aber gott sahe jre werck, das sie sich bekereten von jrem bösen wege, rewete jn des ubels, das er geredt hatte jnen zu thun, und thets nicht. Jona 3, 10; denn er ist gnedig, barmhertzig, geduldig, und von groszer güte, und rewet jn bald der straffe. Joel 2, 13; und, ihr wiszt, sprach ich, o brüder, dasz vor zeiten gesagt worden: mundum universum regi aut falli opinionibus, die welt werde von meynungen regiert und betrogen. es reuet mich dieses spruchs noch nit. Schuppius 694. 33) reuen, verb. reflexiv. sich einer sache reuen, reue über eine sache empfinden: diu zuht ist blint, diu sich ir selber riuwet. Frauenlob 269, 19; wie? küssen dise hand so frech, so mein hertz dörffte mir auszreiszen? nein. es ist zeit dasz ich mich rech, darumb will ich sie vilmehr beiszen, dasz sie sich der untrew und boszheit nunmehr rew. Weckherlin 406. 44) besondere verbindung: sich etwas reuen lassen. hier steht reuen im sinne von verdrieszen, leid thun, mit reue erfüllen: ich wil nicht schonen, noch michs rewen lassen. Hesek. 24, 14; denn ich weis, das du gnedig, barmhertzig, langmütig und von groszer güte bist, und leszt dich des ubels rewen. Jona 4, 2; wenn man es sich nicht reuen läszt, solches (das objectivglas) aus der hülse, worein es der künstler eingenietet hat, herauszubrechen. Göthe 52, 154; verzeihen sie einer halb wahnsinnigen, rief sie aus, und lassen sie sich diese tropfen bluts nicht reuen. 19, 134; lasz dich die thränen nicht reun noch diese flüchtigen schmerzen. 40, 332; ihr werdet euch die stunde reuen lassen, da ihr mit solcher antwort mich entlieszt. Schiller Macb. 4, 1.
17505 Zeichen · 284 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    reuen

    Mittelniederdeutsches Wb.

    reuen licere relicere collicere Refelen jd.” (Voc. Strals. ed. Damme).

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Reuen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Reuen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung üblic…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    reuen

    Goethe-Wörterbuch

    reuen überwiegend in literar Werken u Briefen a jdn mit Betrübnis u (tiefem) Bedauern über eigenes Fehlverhalten, eigene…

  4. modern
    Dialekt
    reuen

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    reuen s. rüen .

  5. Sprichwörter
    Reuen

    Wander (Sprichwörter)

    Reuen 1. Es reuet zu spät die Maus, wenn die Katze sie hat bei der Kraus'. 2. Es rewet selten einen Mann, wann er was mi…

  6. Spezial
    reuen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    reu|en vb.impers. 1 moié (möia, moiü), inrové (inröia) 2 (bedauern, Leid tun) desplajëi (desplej, desplajü).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit reuen

30 Bildungen · 3 Erstglied · 23 Zweitglied · 4 Ableitungen

reuen‑ als Erstglied (3 von 3)

reuensvoll

DWB

reuen·s·voll

reuensvoll , adj. wie reuevoll: der wunderwasser-führer, der jüdische Jordan, lährt wol den siechen Syrer, wie got begnaden kan: ich hoff, d…

reuen als Zweitglied (23 von 23)

greuen

KöblerMnd

*greuen , Sb. nhd. Gewürz?, Gewürzmischung? Hw.: s. greuenbrōt E.: s. grēve (1)?

aufstreuen

DWB

auf·streuen

aufstreuen , aspergere, inspergere, nnl. opstrooijen: zucker aufstreuen, sand aufstreuen; punctum, streu sand auf! wenn man vogel fangen wil…

ausspreuen

DWB

aus·spreuen

ausspreuen , dispergere, ausstreuen, mhd. alleʒ sîn gederme ist ûʒ gesprewet. myst. 97, 3. vgl. zuspreuwen im pass. K. 397, 2. nhd. du hast …

ausstreuen

DWB

aus·streuen

ausstreuen , spargere, dispergere, nnl. uitstroojen: samen, blumen, federn, geld, asche ausstreuen; weistu, wie sich die wolken ausstrewen. …

befreuen

DWB

befreuen , sich, erfreuen?: so hat der spiritus salis sein zeug, in dem er sich befrewen mag ( doch nicht befreien, auflösen? ). Paracelsus …

bereuen

DWB

bereuen , poenitere, ahd. pihriuwên ( Graff 4, 1144 ), mhd. beriuwen, beklagen, betrauern. 1 1) transitiv, mit acc. der sache: ich bereue es…

bestreuen

DWB

best·reuen

bestreuen , conspergere, circumspergere, consternere, disperpere, umstreuen und umher streuen, mhd. ir türne und hiuser wâren ganz, die sint…

betreuen

Pfeifer_etym

bet·reuen

treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘tre…

Dúrchstreuen

Adelung

durch·streuen

Dúrchstreuen , verb. reg. act. Ich streue durch, durchgestreuet; durch eine Öffnung streuen.

einstreuen

DWB

einst·reuen

einstreuen , inspergere, interspergere, nnl. instrooijen, schw. inströ, dän. indströe. 1 1) samen einstreuen, sand einstreuen; dem vieh stro…

erfreuen

DWB

erf·reuen

erfreuen , exhilarare, ahd. irfrewan, mhd. erfrouwen. bei Maaler 110 a noch erfröuwen. 1 1) tr. froh machen, ergetzen, früher noch mit gen. …

gereuen

DWB

gereuen , verstärktes reuen, mhd. geriuwen, in reue versetzen, schmerzen, mit starker flexion, dagegen das intrans. und refl. geriuwen ' reu…

mankstreuen

MeckWBN

mank·streuen

Wossidia mankstreuen dazwischen streuen: streu dor Sand mank! Ro Rostock@Ribnitz Ribn .

streuen

DWB

streuen , vb. , ausbreiten; verteilen; auswerfen. als gemeingerm. ist zu erschlieszen * straujan, das mit lat. struere ' übereinander breite…

überstreuen

DWB

ueber·streuen

überstreuen , v. 1) in untrennb. verbindung: bestreuen, s. Frisius 992 a ; 1273 a s. vv. persterno, supersterno; etwas mit pulver, mit zucke…

umstreuen

DWB

umstreuen , vb. 1) trennbar. a) umher-, herumstreuen: ein saw, die alles umbstrewt und nichts findt, das ihr nützlich sey Paracelsus opera (…

unterstreuen

DWB

unterst·reuen

unterstreuen , v.; mhd. underströuwen; mnl. onderstrouwen; nl. onderstrooien; dän. strø under; schwed. strö under, underströ; engl. understr…

verstreuen

DWB

verst·reuen

verstreuen , verb. , vgl. Graff 6, 759 . I I. üblich nur als fra- type. mhd. verströuwen, verströun mhd. wb. 2, 2, 701 b ; Lexer 3, 255 ; ve…

veruntreuen

DWB

ver·untreuen

veruntreuen , v. , mhd. wb. 3, 109, Lexer 3, 281 , häufig in den frühnhd. wb. ( s. u. 2), Steinbach , Adelung, Campe ; schwäb. Fischer 2, 13…

vorstreuen

DWB

vorst·reuen

vorstreuen , verb. , fürstreuen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 896; im mhd., wie es scheint, zufällig nicht zu belegen, s. aber vorstreuer; mnld. v…

zerstreuen

DWB

zers·treuen

zerstreuen , verb. , mhd. zerströuwen, mnd. tostrouwen, mnld. testrooien; das partic. zeigt im nhd. bisweilen noch -au-, entrundung hat obd.…

zestreuen

KöblerMhd

zestreuen , sw. V. Vw.: s. zerströuwen

Ableitungen von reuen (4 von 4)

bereuen

DWB

bereuen , poenitere, ahd. pihriuwên ( Graff 4, 1144 ), mhd. beriuwen, beklagen, betrauern. 1 1) transitiv, mit acc. der sache: ich bereue es…

entreuen

RhWB

ent-reuen: sech entrǫ·u.ən sich grämen Malm-Vith .

gereuen

DWB

gereuen , verstärktes reuen, mhd. geriuwen, in reue versetzen, schmerzen, mit starker flexion, dagegen das intrans. und refl. geriuwen ' reu…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „reuen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/reuen/dwb?formid=R04827
MLA
Cotta, Marcel. „reuen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/reuen/dwb?formid=R04827. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „reuen". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/reuen/dwb?formid=R04827.
BibTeX
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