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reue

nhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

reue f.

Bd. 14, Sp. 830
reue, f. dolor, poenitentia. Form und verwandtschaft (vgl.reuen, verb). ahd. hriuwa, riuwa, dem ags. hreów entspricht, ist starkes und schwaches fem. zu hriuwan: mit riuuo Notker ps. 33, 6: riuuûn ne habe Graff 4, 1145. seltener ein starkes fem. riuwî: in therera riuwi Otfrid 3, 10, 30. mhd. riuwe, md. rûwe, mnd. rûwe, rouwe ist starkes fem.; daneben kommt, oft bei demselben schriftsteller, ein schwaches masc. mhd. der riuwe, mnd. der rûwen vor: hie sulle wir prüeven, hân wir rehten riuwen umbe alle unser gebresten. myst. 2, 453, 7; dîn riuwe ist nû ze spâte komen, er mag dich nu gar klein gefromen. edelst. 22, 27. mnd. das swert des ruwen dorsnet ere herten. Schiller-Lübben 3, 538a. diese form, der reue, reuen, hat sich im schwäbisch-alemannischen bis auf unsere zeit gehalten, während sonst im schriftdeutschen die reue gilt: der reuen wird dich ankommen. Spreng idiot. raurac. 216; der reuen nach ihm ist nicht grosz. Stalder 2, 271; wo sie das nit thuen, wurde der rewen hernach, aber villeucht zu spat, volgen. Zimmer. chron. 3, 275, 4; das er zu ainem solchen groszen rewen und laidt so herzlichen ufgenomen. 2, 330, 10; kommt dich der reuen an? Wagner kindermörderin 3, 34 neudruck; das ist der rüw und d'orenbicht. Ruff Etter Heini 755; so vocht man dann den ruwen an. Brant narrensch. 110b, 92; so stoszt in dann der rüwen an, das er latinisch sprach nit kan. Murner narrenbeschw. 61, 24. ein starkes masc. scheint in folgenden beispielen vorzuliegen: darnach sie groszen rew und laid hett. Steinhöwel Bocc. 37a; so trag ich doch des rewes joch. alte cathol. geistl. kirchengesänge (Cölln 1610). wol mit anlehnung an das verb. rauen (s. unter reuen) ist das masc. der rauen gebildet: doch kumpt gar balt der rawen drein. narrensp. (Straszb. 1545) bei Zarncke Brant 51b; freuel unbedachte sachen offt eim den rauwen machen. Jephthes Ea. Bedeutung. 11) die ursprüngliche bedeutung ist gram, kummer, betrübnis, schmerz um etwas verlorenes, namentlich auch um einen verstorbenen. mnd. paves Lucius starf van ruwen umme dat eme quam de sware mere van over meer, dat do vorloren was dat hilge lant to Jherusalem. Lüb. chron. 1, 37 bei Schiller-Lübben 3, 538a; und starp mit groter ruwe des gantzen landes. Kantzow chron. von Pommern 152 bei Schiller-Lübben ebenda; mhd. do vant er daʒ gesinde gar in jæmerlîcher riuwe, ir klage diu was niuwe umbe den wirt, der was erslagen. Wigalois 7871; in fröuden noch in riuwen. Hadamar jagd 2; nhd. ist gleich, als wenn einr kaufft ein taschen, und braucht sie lang, bisz sie wirdt alt ... geht hin zum krämer, kaufft ein new: so ists auch umb der frawen rhew, wenn jn die männer sterben ab. B. Waldis Esopus 2, 45, 48 Kurz; ain sig behielt er (der sohn des T. Manlius) unerlaybt, darümb der vatter jn enthaybt. und setzt für vätterliche rew, gemeines nutzes, lieb und trew, das sölche straff durch härt und schwer, gehorsam ain exempel wer. Schwarzenberg 118a; und da der ain gefallen wolt, wie man das kindlin taylen solt, des doch die ander zayget rew (es ist von dem urtheil Salomos die rede). 108b; als wie ein edler löwe sich mit gerechter reue sehnt nach der jungen zucht, die man ihm auffgefangen, in dem er ist gegangen und essen hat gesucht. Opitz 2, 123; zweymahl hastu das schwere leidt gedultig müssen tragen, die dritte rew dich gäntzlich freyt von sorgen und von klagen. Lingelsheim bei Opitz (1624) 207; mein hausz, darin ich wohne, ist eine wüsteney, es misset seine krohne und führet darumb rew und groszes angst-geschrey. S. Dach in ged. des Königsb. dichterkr. 266. 22) aus dieser allgemeinen bedeutung entwickelt sich die eingeengte: schmerz über etwas, das durch eigene schuld geschehen ist und das man nun ungeschehen wünscht. diese bedeutung ist in der neueren zeit die allein übliche, während sie im mhd. und noch im älteren nhd. oft schwer von der vorigen zu scheiden ist: und werden (die gottlosen am tage der vergeltung) unternander reden mit rewe, und fur angst des geists seufftzen. weish. 5, 3; er starb auch in wenig tagen hernach mit groszer ruwe über seine begangne sünde, verhofenlich, er seie ain kind der ewigen selligkeit worden. Zimmer. chron. 2, 49, 21; sind sie (beschwerden oder übel) die traurige bürde, die wir durch versehen oder vergehungen uns selbst aufgelegt haben: so mindert die gelassenheit den gerechten widerwillen gegen uns selbst durch eine weise reue, die wir über unsere fehler fühlen, und die der bürge künftiger vorsichtigkeit und gröszerer mäszigung ist. Gellert 7, 74; zittern sie vor diesem ausspruche, vor später reue, vor den langsamen gerichten gottes. Gotter 3, 67; in diesem feierlichen augenblicke gebt mir das gelübde, dasz ihr dem armen, der sich verging, vor dessen reue die welt mit spott und kälte zurücktritt, dasz ihr ihm helfen wollt. Iffland 3, 318; ob sie (die frauen) diese wahre innere unschuld verloren haben, und jeden genusz mit reue erkaufen. Schlegel Lucinde 23. sprichwörtlich: zuviel frey, bringt reu. Schottel 1115b; gäher raht hat reu zum geferten. 1144a; späte reu ist selten treu. reu und guter rath sind unnütz nach geschehner that. späte reu macht schaden neu. Simrock 456; wie mac des iemer werden rât, der umbe sîne missetât niht herzelîcher riuwe hât? Walther 6, 9; zwen gsellen ... schwuren einander rechte trew mit eydes pflicht on alle rew, zu leiden beide tod und leben. Waldis Esopus 1, 94, 4 Kurz; wer falscher wollust nachgegangen trägt rew und unlust nur davon. J. P. Titz in den ged. des Königsb. dichterkr. 207; es wird einmahl doch kommen, dasz dir die grosze scheu zu halten wird benommen. was meinstu? tieffe reu wird dich alsdenn umfassen, wo du mir meine lust auch hast gelassen. Schwieger geharnschte Venus 125 neudruck; sih' zu, nicht alsobald im zorn zum schwert dich wende, sonst du hernach aus reu muszt beiszen in die hände. persian. rosenthal 5, 19; auf diesen fall kam grosze reu, er fieng an, da der hahne schrei, sehr bitterlich zu weinen (Petrus). P. Gerhardt 32 Gödeke; beklagen soll ich dich? mit thränen bittrer reue wird Hymens band von dir verflucht? Schiller 6, 28; der wahn ist kurz, die reu ist lang. 11, 308; zertreten sie die elende, die sich, zerknirscht von reue, scham und selbstverachtung, zu ihren füszen krümmt. don Carlos 4, 19; aber reue solle nicht deiner seele schönen frieden stören. Wallensteins tod 3, 21; nur wo die liebe blüht, da reift die wahre treue, sonst schlieszt der kurze traum mit einer langen reue. Körner (1858) 3, 20; da kniete gar in tiefer reu' ein mägdlein an der schwelle. Uhland ged. 208; du, mein gott, wirst gnädig richten und ein herz nicht ganz vernichten, das in angst und reue schlägt. Grillparzer 3, 80. ganz besonders häufig ist die verbindung reu und leid: ruw unnd leid solt Ulenspiegel haben umb sein sünd in seiner kranckheit. Eulenspiegel volksbuch v. 1515, 140 neudruck; denn das sacrament ist gesetzt zu der sünder trost, die jhre sünde von hertzen erkennen und bekennen, haben rew und leid darüber. Luther tischreden 573a; darnach sie groszen rew und laid hett, das sie Pericon ein sollichs so lang verzogen und versaget hett. Steinhöwel Bocc. 37a; und gebenedeyet sey der himmel welcher durch di verdienste der töchter den vater zu reu und leid über seine begangene sünden angeführet. Butschky kanz. 104; ich genosse und erndtete von dem ausgestreiten samen meiner dienste keine andere frucht, als reu und leid. 648; schweiz.: er fergot schier for reu und leid. Hunziker 204; jeder der grifft yetz mit der hant ob noch kaltt sy syn mur und want und gdenckt nit, das er vor lesch usz das für, ee es jm kum zuo husz. so kumbt jm dann ruw und leytt, zwytracht und ungehorsamkeit. Brant narrensch. 99, 83; als duot ouch der, der etwas guot durch gottes ere, und willen duot und hat doch ruw, und leidt dor von, wann gott jm nicht glich gibt den lon. 96, 9; hab rew und leydt, besser dein leben, stehe auff, dir sein dein sünd vergeben! Waldis Esopus 4, 1, 175 Kurz; tugend, er und erberkeit verkouft uns all die geistlicheit, rüw und leid um unser sünd das selbig als man kouflich findt. Murner narrenbeschw. 42, 25; nur reu und leid beschäfftigen mein herz. was ich verwirkt, bezeuget meine busze. Hagedorn 3, 161; dieser fühlt sich, wie begreiflich, ganz von reu und leid zerrissen. Platen 262. reue im bilde: rüw unnd clag sol disem billig über sin aigen houbt flieszen, so er das bösz erwelet und die guoten werck verschmähet. buch der beisp. 3, 30; darumb stand uff und far in das himmelsch Iherusalem. ja sprichstu, wa ist ein schiff in dem ich dar kum. es ist nit weit, vorsum es nit, daʒ bitter mOer ist dein bittere rew. Keisersberg narrensch. 75a. sprichwörtlich: reu des herzens arznei. Simrock 456; so trag ich doch des rewes joch und beger genad. alte cathol. geistl. kirchengesänge (1610) 168b; jede thräne der wachen reu ... wird ein teufel und geiszelt dich auf dem lager der angst. Hölty 68 Halm; die lust hat ihren tag, sowie die sonne, doch auch wie jene einen abend: reue. Grillparzer werke 6, 22; reue in besonderen verbindungen; reue wird jemandem: wan du zerbrychst, das ich dir buw, so würt uns beyden nüt dann ruw und das wir arbeit hant verlorn. Brant narrensch. 88, 14; reue stöszt jemanden an (vgl. reuelstosz): wann er (der faule schüler) die narrenschuoch zerbricht und sin groszen bresten sicht, das im zuo nuotz kum latin, dardurch der möcht ein herre sin, so stoszt in dann der rüwen an, das er latinisch sprach nit kan. Murner narrenbeschw. 61, 24; reue kommt jemandem ein: wolst du der sunden laszen nit und verzerst das gelt und die kleider dein, do mag eim reu kumen ein, das er im zu thun nimmer fursetzt. fastn. sp. 384, 5. reue kommt jemanden an: was zum kuckuck ist das vor eine sprache! kommt dich der reuen an? Wagner kindermörderin 34 neudr.; vgl. nd. eer (ihr) kmmt de rje in't hart. Dähnert 388b; in reue kommen: nur umb des einigen gefangnen und gestorbnen bruoders willen, bliben sy drey jar ausz, das sy keyn saltz mehr holten, auch keyn goldt meer legten, des die kauffleut in grosze nachtheyl und der künig in grosze rew kam. Franck weltb. 214a. reue gewinnen: doch fürht ich, herre, daʒ ich nie rehte riwe gewunne, als ich solte. d. mystiker 2, 453, 31; und ob Goffroy gesündiget und miszgethan hat an dem gotthausz, das er verbrennt und verderbt hat, gewinnt er recht rew, als ich hoff, so wisz ohn zweiffel, er möge es büszen. buch d. liebe 275, 4. reue empfangen: so er reuw unnd leid darüber empfahet. buch d. liebe 275, 4; bald fallen sy mit (dem christen verfolgenden) Domiciano, als er des ein rew entphieng, all widerumb, zuhand ist christen martern wider ein sünd bey jnen. Franck weltb. 39b; got wil dir vergeben die sünde din ob du bichtest und rüw enpfachst und von der sünde last. Germania 33, 282. reue kriegen: do he sach de groten truwe, he krech so grote ruwe, dat he en beyde gaf dat leuen. Schiller - Lübben 3, 538a. reue tragen: weil derowegen gott mehrers nicht begehret als ein zerknirschtes und zerschlagenes herze, so trage ich herzliche reu. Butschky Pathmos 81. reue haben: also daz si ümmer muosten leiden in dem vegfeur, wie grôz rew si hieten umb ir sünd. Megenberg 211, 12; fragten sie, ob er denn nicht gern wolte, das er rewe möcht haben. Luther 6, 517a; dann ich sterbe als .. ein guter christ, darumb dasz ich eine hertzliche reuwe habe. Faust 117 neudruck; es war ihm leid; er hatte reu. P. Gerhardt 34 Gödeke. reue zeigen: und so stand denn dieser mit seiner wahl zwischen den zwei gleich unangenehmen entschlüssen mitten inne: entweder reue zu zeigen ... Engel schriften (1806) 12, 133. reue empfinden: wenn wir auf die bisherige darstellung ... zurücksehen, können wir keine reue empfinden, weder dasz wir sie so umständlich abgehandelt, noch ... Göthe 52, 158; reue soll man doch einmal in der welt empfinden! so bekennt, vertraut und fromm, eure gröszten sünden! 1, 139. reue fühlen: menschenhasz? nein davon verspürt' ich beim heutigen stücke keine regung, jedoch reue, die hab ich gefühlt. Schiller 11, 133. reue mit dem gen. der sache, um, an, auf etwas; in neuerer sprache gewöhnlich reue über etwas. reue einer sache: und mir gäntzlich fürnemmen thet das ich die welt verlassen wet, und jren gschefften gantz empfliehen, hinaus in mein lustgarten ziehen, damit ich gott möcht dienen frey und meiner sünden haben rey. Wickram irreitender pilger 85a; man mercket in gemein, dasz disz die stärckste trew, die ein verbrecher würckt auff seines fehlers rew. Logau 1, 186, 83. reue um etwas: daz si des ruwen nit behilt umme ir missewende biz an ir jungest ende. leben der heil. Elisabeth 8984. reue an etwas: der graf hett ain solichen groszen rewen an seinem begangnen übergriff, das er dem lieben hailigen s. Ulrichen zu fueszen fiel. Zimmer. chron. 1, 343, 11; wer fleisch um einen geringen preis begehret, der hat reue an der suppe. Olearius sentenzen 112. reue auf etwas: du hast immer heute reue auf das, was du gestern gethan hast, und dann denkst du: o, ich unglückseliger. Auerbach edelweisz 253. reue über etwas: die rechte rew über die sünde sol in der liebe geschehen. Luther 1, 410b; reue über eine nicht begangene bosheit. Hagedorn 2, 151. 33) in besonderem kirchlichen sinne wird reue gebraucht als übersetzung des lat. contritio, des ersten theiles der poenitentia. sie steht der confessio (ahd. bigihti) und der satisfactio (ahd. buoza) gegenüber; daher die häufige verbindung reue, beichte und buoze (bei Luther reue, beichte und genugthuung); so schon seit der ahd. zeit: ih glouba an durnohtige becherda unde ana rehta riuwa unde an begiht allero sundono unde meintatun, vollen gewissen ioh waren dinen antlaz; ih glouba, ube mennisclih nah warere sinero bigiht die sunta niemer ne geaverit, noh er andere meintati furder ne gewurchet, ube er rehto riuwonte unte statliche buozet ... Wiener symbolum 7 bei Raumer einwirk. d. christenth. auf d. ahd. sprache 394; dâ hât uns got in disime lebene stat gebin ze riwe, ze bîhte, ze buoze. spec. eccl. 48; und zu solcher busze setzen sie drey teil, rew, beicht, gnugthun, mit solcher vertröstung und zusage, wo der mensch recht rewet, beichtet, gnugthet, so hette er damit vergebung verdienet, und die sünde für gott bezalet. Luther 6, 517a; wo aber der glaub nicht ist, da ist kein rew, beicht, gnugthuung gnugsam. 1, 66a; und ist numer geneigt sein sin weder zu rew peicht oder pusz (von einem spieler). fastn. sp. 1291; in meinem buoch es g'schriben stat wormitt man erlan get gottes gnadt: das ist der rüw und d'orenbicht, die dann der bapst hatt g'helget, g'wycht. Ruff Etter Heini 755. bei Luther häufig ist auch die die zeitliche aufeinanderfolge bezeichnende verbindung sünde, reue und gute werke oder nur reue und gute werke: sünde und rew und gute werck sol man in predigten handeln. 1, 66a; wiewol die rew und gute werck nicht nachzulassen sind, ist doch auff sie, keinerley weis zu bawen .. dein rew und werck mügen dich triegen, und der teufel wird sie gar bald umbstoszen im tod und in der anfechtung. 1, 64a. Meister Eckhardt gliedert die reue nach drei seiten: dû solt haben drîvaltige riuwe umbe dînen gebresten, daz dû ie wider dînen herren unde wider dînen got getête mit worten oder mit werken. diu ander riuwe soltû hân dar umbe, daz dû ie getête wider dînen ebenkristen .. der dritte riuwe ist, daz dû dich von herzen erbarmest über dich selber und besich die wünneclîche zît, die dir got gegeben hât, daz dû erkennen maht dîne êwige sêlikeit, und alle crêatûre hat geschaffen, daz sie dich wîsen zuo dînem besten guote. d. mystiker 2, 453, 14. es wird eine genugsame, rechte, wahre, gute, gnadenreiche und eine falsche, heuchlerische, erdichtete, judas- oder galgenreue (s.galgenreue 4, 1177) unterschieden: man sol und mus .. zweiveln, ob wir zu gnaden auffgenomen, und die sünde vergeben sind, darumb, das wir nicht wissen, ob die rew gnugsam sey. Luther 1, 64b; sie meinen denn, sie haben gnugsam rew und werck gethan. 1, 65a; welt ir wizzen, wie rehtiu riuwe geschaffen ist? diu sol sîn alsô grôz in dir, daz dû ê woldest tûsent tôde, ê dû immer gebresten woldist üeben. d. mystiker 2, 453, 8; der jenige aber hat rechte reu, der in beständig-guttem fürsatze nicht mehr thut was ihn gereuet. Butschky Pathmos 964; dâ schol er (der sünder) trinken des gesalzenn wazzers, daz ist wareu peiht und ganzeu rew. Megenberg 205, 3; und lasse für sich bitten umb eine rechte ware rewe, wie die kirche bittet, et cor poenitens tribue. Luther 1, 410b; wil man einen fragen in der beicht, oder selb sich seiner erforschen, ob er ware rew hab oder nicht. 1, 65b; ich aber hab darnach mit meiner lere geerbeitet, das die rechte gute gnadenreiche rew mehr und gemein würde, das wir nicht den allmechtigen gott mit den falschen leren und rewen mehr erzürneten, denn wir mit den sünden gethan haben. 1, 411a; solche falsche lerer der heuchelischen falschen rew hat s. Paulus verkündigt. 1, 410b; die ander (bosheit ist), das solch grundbosheit mit erzwungen gedancken und ertichten rew wird bedeckt und fürgewand als eine rechte rew und frömkeit. 1, 411a; on welchen glauben, so es müglich were, das du aller welt rewe hettest, so were es doch judasrewe. 1, 65a; denn der teufel und alle verdampten haben auch solche rew, die heiszet man auff deudsch, Judas rew und galgen rew. 1, 410b; ob jemand kOempt, der weder gleubet noch rewet, ob er schon kaum ein halb galgen rew habe, die sie nennen attritio, so kan er, durch krafft der schlüssel aus derselben galgen rew machen ein gantz, gute, grundgnadenreiche rew. 1, 412b; Judas rew Faust 117 neudruck. die wahre reue ist ein geschenk gottes (vgl. 2 Tim. 2, 25): gott läszt die sünder zu reue, zu reue und busze kommen; denn die göttliche trawrigkeit wircket zur seligkeit eine rewe, die niemand gerewet. 2 Cor. 7, 10; wie er im todtbett gelegen, hat er wainendt clagt, das er nit an den feinden umbkommen, sonder im bet sterben soll, so er doch dem allmechtigen got billich dank und lob sollt sagen, das er in begnadiget und zu ruw und buesz kommen lassen. Zimmer. chron. 1, 277, 30; nû ist uns riuwe tiure: si sende uns got ze stiure bî sînem minnefiure, sîn geist der vil gehiure der kan wol herten herzen geben wâre riuwe und lîhteʒ leben: dâ wider solte niemen streben. swâ er die riuwe gerne weiʒ, dâ machet er die riuwe heiʒ. Walther 6, 17; sundere enphiengen da zu hant ruwen, der in wart bekant, di selegen heilege andacht. leben der heil. Elisabeth 9458; gott weisz ... war umb er Nabuchodonosor, der vil gesündet hatt lang jor, strofft, und zuo ruw doch kumen lyesz und zuo sym rich, noch dem er büsszt. Brant narrensch. 57, 47. 44) reue personificiert. sprichwörtlich: reue ist ein fauler schelm. reue ist ein hinkender bote, sie kommt langsam aber gewisz. Simrock 450; du, reue, höllische Eumenide, grabende schlange, die ihren frasz wiederkäut und ihren eigenen koth wiederfriszt. Schiller räuber, schausp. 2, 1; sie kam zu spät — diese feige reue. mehr eine schwache tochter der unentschlossenheit als der überlegung ... werke 9, 375; doch, neben mir, zu meiner rechten hand, wohnt selbstbetrug, und zu der linken, reue. Hagedorn 2, 140; und aus den winkeln schleichen ihre gefährten, der zweifel und die reue leis' herbei. Göthe 9, 48; und zur sorge schleicht sich ein die reue. 40, 400; um die sünde flechten schlangenwirbel scham und reu, das Eumenidenpaar. Schiller 1, 211.
19422 Zeichen · 317 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Reue

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Reue , plur. car. 1) * Kummer, Gram, Betrübniß, und deren Ausbruch, eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Der b…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Reue

    Goethe-Wörterbuch

    Reue überwiegend in literar Werken, auch im Titel a tiefes, mit dem Wunsch um Ungeschehenseinlassen od Wiedergutmachung …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Reue

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Reue ( Poenitentia ), im kirchlich-dogmatischen Sinn s. Buße . Tätige R., die dann vorliegt, wenn jemand den schädlichen…

  4. modern
    Dialekt
    Reü

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Reü [Rei Steinb. Stossw. ; Rèi, Pl. Rèjər Mü. ; Rèì Str. ] f. Reue. D R. is t e Hund, d ass s i e nit früejer kummt Stei…

  5. Sprichwörter
    Reue

    Wander (Sprichwörter)

    Reue 1. Aufgeschobene Reu' ist kein Korn, ist eitel Spreu. It. : La penitenzia indugiata fina all' estrema vita della mo…

  6. Spezial
    Reue

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Reue f. (-) 1 (Bedauern) pentimënt (-nc) m. 2 möia (möies) f. 3 (Gewissensbisse, Gewissensnot) stleta cosciënza f. 4 sen…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit reue

62 Bildungen · 39 Erstglied · 21 Zweitglied · 2 Ableitungen

reue‑ als Erstglied (30 von 39)

Reueträne

SHW

Reue-träne Band 4, Spalte 1377-1378

reüen

ElsWB

reüe n , röue n [rejə Liebsd. Mü. Hlkr. Hf. ; ræjə Su. ; rojə Logelnh. Geberschw. Dü. Bf. ; rùiə M. ; rèjə Ruf. Bf. Barr Str. Betschd. ; røj…

reueer

KöblerMnd

reueer , N., M., F. Vw.: s. rivēr

Reuegeld

DERW

reue·geld

Reuegeld, N., ›vereinbarte Geldleistung von deren Bewirkung die Wirksamkeit eines Rücktritts abhängig gemacht sein kann‹, Lüt. lat. multa pa…

reüig

ElsWB

reüig [rèiχ Str. ; røjə K. Z. Han. ] Adj. präd. reuig: r. sin, r. wër d e n von einem Vorsatz od. Vorhaben abkommen, spez. vom Handel absteh…

reükäufig

ElsWB

reue·kaeufig

reükäufig Adj. nachträglich unzufrieden mit einem Tausch oder Kauf Su. †

reuekleid

DWB

reue·kleid

reuekleid , n. trauerkleid. reue erscheint hier noch in der alten bedeutung ' schmerz ', vergl. reue 1. Adelung und Campe führen das wort al…

reuel

FWB

1. ›Reue; Nachsehen; schlechtes Gewissen‹; stärker auch: ›Gewissensqual‹; überwiegend im Sinne einer Personifikation: ›Teufel, Quälgeist des…

reuelbad

DWB

reuel·bad

reuelbad , n. : das glück (spricht er) all menschen treibt zur hoffart und darinn verblent, das sich offt einer selb nit kent. drausz folgt …

reuelein

DWB

reue·lein

reuelein , n. demin. von reuel: es wird das böse hündelein genannt vor alters reuelein ... ihn hart .. verwunden. Brodtkorb teutsche wahrh. …

reuelied

DWB

reue·lied

reuelied , n. lied, welches äuszerungen der reue über etwas enthält, lied eines reuigen. Campe. gewöhnlich in der verbindung das reulied sin…

reuelig

RhWB

reuelig rø·y.əliχ Sülzt Adj.: des r. werde, sen überdrüssig einer Sache sein, z. B. des Verzällens.

reueln

DWB

reueln , verb. : reulen, permutare, troquer Schottel 1385 .

reuelstosz

DWB

reuel·stosz

reuelstosz , m. ( vgl. die reue stöszt jemanden an unter reue 2), als variante zu Brant narrensch. 67, 30 erscheinend, vgl. Zarnckes ausgabe…

reuemeer

DWB

reue·meer

reuemeer , n. die reue als meer gedacht: wie dürstet mich nach diesen freudenzähren, im bittern reuemeer, das mich musz nähren! Arnim 19, 10…

reuen

FWB

1. ›(um jn.) trauern‹; 2. ›Reue empfinden‹; ›sich mit etw. quälen‹; ›ein selbstverantwortetes Fehlhandeln bereuen, bedauern‹; ›etw. / jn. sc…

reuensvoll

DWB

reuen·s·voll

reuensvoll , adj. wie reuevoll: der wunderwasser-führer, der jüdische Jordan, lährt wol den siechen Syrer, wie got begnaden kan: ich hoff, d…

reuer

FWB

1. ›j., der Reue zeigt, zur Buße bereit ist‹; 2. Mitglied des Ordens der Reuerinnen (Ordo Sanctae Mariae Magdalenae de poenitentia); Spezial…

reuerfüllt

DWB

reuerfüllt , adj. von reue erfüllt: es überfällt ihn schon mit wütender gewalt der reuerfüllte schmerz, der scheinlust hinterhalt. Hagedorn …

reuerin

DWB

reue·rin

reuerin , f. nom. agent. fem. von reuen. 1 1) die bereuende, büszende: des antwort im gotes stimme also: dise gnade ist Thasis der ruwerinne…

Reuerinn

Adelung

reue·rinn

Die Reuerinn , plur. die -en, ein Nonnen-Orden in der Römischen Kirche, welcher jetzt unter dem Nahmen des Magdalenen-Ordens am bekanntesten…

Reuessen

RhWB

reus·sen

Reu-essen (s. S.) bis etwa 1880 allg., aber auch heute noch nach Wk V 8 in Aden-Insul , Ahrw-OWinter Remag , Schleid-Berg Gemünd Kall Kelden…

reüssieren

Pfeifer_etym

reuss·ieren

reüssieren Vb. ‘Erfolg haben, gelingen’, entlehnt (17. Jh.) aus gleichbed. frz. réussir, seinerseits entlehnt aus ital. riuscire, eigentlich…

reuesteccon

AWB

reuesteccon Gl 2,698,1 s. rebastecko.

reue als Zweitglied (21 von 21)

afterreue

DWB

after·reue

afterreue , f. nachreue, mhd. afterriuwe: sich mert von tag zu tagen mein stete lieb und treu gen dir an afterreu. volksl. des 16 jh.

Frauentreue

Wander

frau·n·treue

Frauentreue Frauentreu ist heute frisch und morgen Heu. Mhd. : Frawen treu der ist nicht vil. ( Ring. ) ( Zingerle, 194. )

galgenreue

DWB

galgen·reue

galgenreue , f. späte, durch todesangst erzwungene reue, die erst unter dem galgen sich einstellt, aber schon im anfang des 16. jh. für spät…

Gesellentreue

Wander

gesellen·treue

Gesellentreue Gesellentreue selten besteht, Ehweibstreu über alles geht. – Kirchhofer, 200; Simrock, 1791 u. 3510; Reinsberg I, 162; Körte, …

getreue

DWB

get·reue

getreue , f. fides. veraltete verstärkte bildung zum fem. treue ( s. d. ) ; althochdeutsch vereinzelt getriwa Graff 5, 468 . die mittelhochd…

handtreue

DWB

hand·treue

handtreue , f. 1 1) versprechen, bündnis durch handschlag ( vergl. handgebende treue sp. 388): streckte er mir die hand dar, und begerete, i…

Hoftreue

Wander

hoft·reue

Hoftreue Hofftrew ist ein seltzam Wildpret zu Hoff. – Fischer, Psalter, 320, 2.

hundetreue

DWB

hunde·treue

hundetreue , f. treue von hunden: der beste freund in unsrer welt, Mops, war mit Hector auferzogen, und blieb ihm immer unverstellt, mit wah…

Hurenreue

Wander

huren·reue

Hurenreue 1. Hurenreu und Schalksbuss sind nicht werth eine taube Nuss. Die Aegypter sagen: Eine Hure bekehrt sich nicht, und das Wasser im …

Judasreue

Wander

judas·reue

Judasreue Judasrew, Galgenrew. – Henisch, 1337, 7; Petri, II, 410.

Lehenstreue

Adelung

lehen·s·treue

Die Lehenstreue , oder Lehnstreue, plur. car. die Treue, welche der Lehenmann dem Lehenherren schuldig ist; ein Stück der Lehenspflicht.

Mißtreue

Adelung

miss·treue

* Die Mißtreue , plur. car. die Untreue, der Mangel der Treue; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch bey dem Opitz vorkommt…

Mißtreue

DRW

Mißtreue, f. I Mangel an Vertrauen, Argwohn vgl. Mißtrauen um 1180 Aneg.(Neuschäfer) V. 1638 es soll keiner aus mißtrü, so alp lär hat, so e…

Mönchsreue

Wander

moench·s·reue

Mönchsreue Es ist Mönchsrewe. – Mathesy, 108 b . Mathesy stellt sie mit Galgen- und Wolfsreue, wie mit Hurenreue in der Marterwoche zusammen…

nachreue

DWB

nach·reue

nachreue , nachreu , f. mhd. nâchriuwe, hinterher, zu spät empfundene reue ( vgl. afterreue): sy gewinnent anderst nüt dann die nachrüe, wan…

soldatentreue

DWB

soldaten·treue

soldatentreue , f. : dem kriegsherrn die soldatentreue bis in den tod bewähren. in der liebe: heut schwören wir der Hanne und morgen der Sus…

ungetreue

DWB

ung·e·treue

ungetreue , f. , gth. des subst. getreue, f. mhd. ungetriuwe; mnl. ongetrouwe: Teuerdank 24, 73; Tieck 16, 397 . unüblich s. untreue . —

untreue

DWB

unt·reue

untreue , f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriu…

weiberreue

DWB

weib·er·reue

weiberreue , f. immer nur im gleichen sprichwort von: narouwe is wyverou Tunnicius (1514) 790 Hoffmann bis: nachreue weiberreue Schellhorn (…

weibertreue

DWB

weib·er·treue

weibertreue , f. seit Maaler 490 c weyber treüw muliebris fides und fast bei ihm allein ernsthaft bejaht, sonst gilt vom deutschen schriftth…

Ableitungen von reue (2 von 2)

bereüen

ElsWB

bereüe n , beröue n bereuen, Du mues t ’s b. du wirst es schon noch b. Winzenh. Bedënk dich gutt, eb d ass d u ja sa g s t , schuns t beröus…

unreue

DWB

unreue , f. , mangel an reue, impoenitentia, unbuszfertigkeit: so die unrew dy sünd ist, durch die allein der mensch verdampt wird schatzbeh…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „reue". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/reue/dwb?formid=R04816
MLA
Cotta, Marcel. „reue". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/reue/dwb?formid=R04816. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „reue". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/reue/dwb?formid=R04816.
BibTeX
@misc{lautwandel_reue_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„reue"},
  year         = {2026},
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  urldate      = {2026-05-12},
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