platt,
adj. und adv. ,
mhd. (
md.) blat, plat
nur in blatevuoʒ, plathuof,
nhd. platt (
blatt th. 2, 76
und unten Kiechel 98. Elis. Charl. 1874
s. 330),
zunächst am Niederrhein aufgenommen aus franz. plat,
das auch ins nd. und von da im 16.
jahrh. weiter ins hochd. gedrungen ist; es geht zurück auf mlat. platus (
die voll erhaltene form, während im lat. latus
das anlautende p
abgefallen ist. Du Cange 3, 1, 308),
griech. πλατύς,
womit auch lit.-slav. platu, plat
übereinstimmt, s. Haupt in der
zeitschr. f. d. alt. 7, 290. Diez
4 245. Miklosich 570
a.
das gleichbed. ahd. flaz (
wovon fletz
th. 3, 1171)
ist aber regelrecht verschoben aus urverwandtem plad-,
griech. πλαδ-
in πλαθάνη (
platte, brett)
für πλαδάνη,
s. theil 3, 1698
und Fick
3 3, 194.
vergl. das ältere platte
f. II.
adjectiv. I@11)
ohne hervortretende erhöhung oder wölbung in die länge und breite sich erstreckend, flach. I@1@aa) plattes land,
planities, locus planus aequus Stieler 187,
im gegensatze zu berg
und gebirge,
aber auch zu den mit hohen mauern versehenen städten und festungen, als inbegriff der dorfschaften: hatten gueten weeg, dann es aller blatt landt ... wahr. Kiechel
reisen 98; kolonisten auf dem platten lande. Möser 2, 30; zugleich wurden in der nähe dieser städte, und gleichsam an den thoren derselben spanische besatzungen einquartiert, welche das platte land verwüsteten. Schiller 9, 33. I@1@bb) der platte (
durch nichts bedeckte, blosze) boden, die platte erde: sich auf den platten boden, die platte erde legen
u. dergl.; bildlich: wir waren, wie aus einem feenschlosz, auf die platte erde (
in die gemeine wirklichkeit) gesetzt. Göthe 19, 348,
vergl. 2,
b. I@1@cc)
nicht (
spitz, eckicht oder rund)
erhöht, abgeplattet, ein-, zusammengedrückt, flach: plattes abplatten (
bildlich) J. Paul
dämmer. 141; rund und halbrund, platt und eckicht. Heinse
Ardingh. 2, 169; die platten pole Lessing 1, 177, hügel Scheffel
Ekk. 113, dächer Freytag
ahnen 3, 222; plattes gestein Bettine
tageb. 41; ein platter teller, eine platte schüssel
u. dergl.; platter spiegel Jacobsson 3, 265
a; platte arbeit des stickers. 263
b; bischof, der blatte (
glatt gestrichene), gar geschleckte haar getragen. Elis. Charl. (1874) 303; platte wangen, stirne
u. s. w.: platte wangen, die .. herab hängen wollen. Hermes (1776) 1, 184; indem sie sich mit der flachen hand über ihre platten stirnen fuhren. Wieland 20, 178; eine platte nase. Herder
ideen 1, 163; (
die dame würde) knirschend sich den platten busen schlagen. Hölty 180
Halm; allein der platte nacken seines sohnes der schüttelt gleich sich. H. v. Kleist 5, 50
H.. etwas platt machen, schlagen, drücken
u. s. w., figürlich unterdrücken, vernichten: (
sie haben) mein vaterlandt auch gantz zu nicht und plat gemacht. D. v.
d. Werder
Ariost 9, 32, 4; geld platt schlagen,
unterschlagen Kehrein
volksspr. in Nassau 1, 308, platt machen,
veruntreuen Pfister
nachtr. zu Vilmar 207;
nautisch den wind platt (
flach) vor dem laken haben. Bobrik 531
a. I@22)
ohne erhabenheit, nicht hervorragend, sich nicht über das gemeine erhebend, in mehrfacher sinnlicher und abstracter beziehung. I@2@aa) platte figuren
eines gemäldes oder einer schilderung, die nicht abgerundet, plastisch hervortreten. Jacobsson 3, 263
a; die platten nymphen von Dieterich.
d. j. Göthe 1, 61 (
vom j. 1769); ein platter kupferstich (
bildlich). J. Paul
Tit. 3, 174. I@2@bb)
sonst von mündlicher oder schriftlicher ausdrucksweise und form (
vergl. e): dasz er mich erstlich lehret, ob die rede platt oder rund wäre. Hofmannswaldau
sterb. Socrates 88; ich schrieb sehr gern die siegeslieder ab, und fast noch lieber die spottlieder auf die gegenpartei, so platt die reime auch sein mochten. Göthe 24, 71; (
ein mahl,) das uns mit platten .. sechsfüszlern jüngst herr Voss beschrieb. Seume 4, 139
Zimmermann. I@2@cc)
von sachen und abstractionen, einfach und alltäglich, gewöhnlich, eintönig, unbedeutend, abgeschmackt, gemein (
vgl. e): es ist ein plattes, unschädliches und ganz gesundes essen. Tieck 10, 186; dasz es in einer stadt einen mittwoch, einen sonnabend und andere platten bauerntage gebe. J. Paul
flegelj. 1, 123; das platte leben.
Titan 2, 122; so platt sie (
die formen einer uralten gewohnheit) uns jetzt vorkommen. Wieland 5, 27; platter geschmack. Schiller 3, 104; die platte freude der jämmerlichen menschen. Tieck 7, 197. I@2@dd)
von personen, die zur ungebildeten, niedrigen menge gehören oder sonst dumm, flach, seicht, witz- und geistlos sind: erzogen wie ein platter bawernbub. Elis. Charl. (1879) 64; dasz die platte menge sich aufrichten, sich ausbilden könne. Göthe 60, 287; menschen, wo nicht vom rohsten doch vom plattsten schlage. 19, 299; (
ein mädchen) an leib und seele rund ... (
nur) ein wenig zu platt (
in der 1.
ausg. ein wenig zu dumm). Wieland
der neue Amadis 1, 11; die scherze platter zeitvertreiber.
werke 18, 135; wie sich die platten bursche freuen! Göthe 12, 107; wohin wenden wir uns? sind wir natürlich, so sind wir platt, und genieren wir uns, nennt man uns abgeschmackt gar. Schiller 11, 139. I@2@ee)
besonders von flachen, seichten, unedlen, gedanken- und geistlosen worten, reden, einfällen u. s. w.: die simpelsten, gemeinsten, plattesten worte und redensarten. Lessing 7, 265; platte und frostige einfälle. Wieland 3, 24, gedanken 6, 17; das platte geschreibsel des neuen Eulenspiegels.
an Merck 1, 198; was im Homer das recht uns zu gefallen hat, wird in der neuern mund oft schwülstig, öfter platt.
Idris 1, 2; die jungen herrn ersannen sich allerlei platte späsze. Göthe 18, 263; wo das gedankenloseste, platteste ... die abgespannten nerven unterhält. Platen 3, 252; die reichen leute, die gewinnt man nur durch platte schmeichelein. H. Heine 18, 163. I@33)
geradezu erscheinend, klar, rein, entschieden: vilmahls aber beschicht das platte widerspil (
gegentheil). Albertinus
der welt schaw- u. tummelplatz 466; das klare platte gegentheil. Lessing 8, 513; wenn es nicht ein platter widerspruch werden soll. Kant 4, 142; die platte wirklichkeit. Göthe 44, 326; das plattere oder gröszere masz der deutlichkeit. Böttiger
lit. zustände 1, 40. I@44)
dem platten lande (1,
a)
angehörig, in ihm üblich, namentlich in bezug auf die bewohner und die volkssprache des norddeutschen flachlandes (
vgl.plattdeutsch): ein platter Teutscher,
inferioris Saxoniae incola Stieler 187; ein platter Hamburger, Pommer, Meklenburger. Richey xxx; die platte sprache, das platte deutsch
auch mit dem nebenbegriffe des breiten, groben und rauhen: bei dem gemeinen mann in Niedersachsen ist offenbar nicht blosz die sprache platt, seine philosophie ist es auch. Lichtenberg 4, 216; soll aber der ausdrückliche begriff eines fehlers mit dem sogenannten 'platten' verbunden sein, so wird derselbe entweder in einer gar zu weichen und vollmündigen dehnung der lautenden und doppellautenden buchstaben, oder in einer gar zu kurtzen, harten und gepresseten aussprache bestehen. ist das erste, so sind gewisz die Österreicher, Baiern, Schweitzer und andere Ober-länder mit ihrem ai, au oder oa platter als wir; ist hingegen das letzte, so dürfte wol das platteste teutsch in Obersachsen gesprochen werden. allein ich besorge, dasz man in dem worte 'platt' die begriffe des wörtlichen und sittlichen durcheinander wirft, und mit der eigentlichen sprache eine grobe art zu denken und sich auszudrücken vermenget. Richey xxxi.
vergl. Börne 2, 456 ein plattdeutscher,
wortspielend mit ein platter (2,
d) Deutscher. IIII.
adverb. II@11)
flach, glatt: sich platt hinlegen
u. s. w.; da sie ihn (
schimpf) aber ganz platt auf die erde fallen lieszen, so ward er kraftlos. Klinger 3, 71; platt gequetschte seide. Jacobsson 3, 265
b; das leder platt stoszen 268
b, das tuch platt walken 269
a; platt scheren, drücken, schlagen
u. s. w., s. I, 1,
c, da die unflectierten prädicativen adjectiva im nhd. adverbialen anschein genommen haben; s. plattgedrückt, -getreten
u. s. w. II@22)
auf flache, kleinliche, seichte, unedle, gemeine weise: so klein und platt von gott zu denken. Klopstock 7, 61; sich so platt zu prostituiren. Göthe 16, 95; meinen herrn so abscheulich und so platt zu verleumden. Schiller 4, 344; platt schmeicheln H. Heine 18, 163. II@33)
ohne weiteres, geradezu, durchaus, ganz und gar, platterdings Schmidt
westerw. idiot. 141. Kehrein
volksspr. in Nassau 1, 308. Pfister
nachtr. zu Vilmar 207.
s.blatt th. 2, 76
und vergl. plan adv., glatt: platt heraus reden,
plane, aperte loqui Stieler 187; schlug er ihms rundt, pladt und kahl ab. Albertinus
hauspolizei 2, 140
a; so bald der kaiser nun den Rodomont erkante, legt' er ein seine lantz' und plat auf ihn zurante. D. v.
d. Werder
Ariost 17, 10, 2; drumb habe ich auch meinem beichtsvatter blatt herausgesagt, dasz, was zu Luneville vorgeht, nicht kann entschuldigt werden. Elis. Charl. (1877) 70; dasz die krämer, welche bessere und wohlfeilere waare .. anschaffen können, den handwerker platt niederdrücken müssen. Möser 1, 188; es sei ihm platt unmöglich. Tieck 9, 303;
in verbindung mit plan: (
epigrammdichtung,) die ohne weitere bindung der exposition des gegenstandes seine anwendung platt und plan hinzufügt. Herder
zur griech. litt. 183.