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närrisch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

närrisch adj. und adv.

Bd. 13, Sp. 389
närrisch, adj. und adv. mhd. nerrisch Lexer 2, 57; synkop. närrsch (Albrecht Leipz. mundart 174b), närsch, sup. neben närrischt, närrist auch närrst, narrst (hieher gehört narr 11). II. adjectiv, einem narren ähnlich oder angemessen. I@11) zu narr 1, verrückt, oder wie verrückt, toll: der närriste Nero. Schuppius 768; im narrenhause sehen wir, dasz der mensch andern aufs wort glaubt, er sei närrisch (anm. denn man könnte einen menschen durch die versicherung närrisch machen, er sei närrisch). J. Paul uns. loge 3, 8; ich bilde mir ein, don Sylvio könnte .. ein wenig närrisch sein, ohne dasz er gerade das sein müszte, was man verrückt heiszt. Wieland 11, 289; so bin ich ausgelassen närrisch und fange viel verrücktes zeug an. Göthe 16, 60; es ist wirklich zum närrisch werden, wenn. 29, 61; ich möchte närrisch werden, dasz. Lessing 12, 106; sich bis zum närrisch werden verlieben. Campe 5, 338a; von thieren: dieweil die pferde, so damit (mit dem katzenkopf) behaftet sind, fast toll, närrisch und schwindelecht werden. Uffenbach rossbuch 2, 44; der geschlechtstrieb ist bei den hunden sehr ausgeprägt .. und macht sie mehr oder weniger närrisch. Brehm thierl. 1, 338. I@22) zu narr 3. I@2@aa) lachen erregend, possenhaft, possierlich, drollig: nar, disen kolben gib niemans, er sei dan nerrischer dan du bist. Pauli schimpf u. ernst 41 Öst.; munter musz ich sein, ungezwungen, neckisch, närrisch. Göthe 36, 61; aber der närrische gast (vorher der drollige mann) verscheuchte sie gleich. 17, 22; die närrischen gesichter! ich muszte lachen. Lessing 11, 2, 644 H.; von thieren: ein nerrischer hund. Pauli schimpf u. ernst 29 Öst.; närrischer als affen. Simpl. 1, 214, 11; ein närisch kalb. 225, 21; sie hätten ihre mutter um zwei sous gebeten, um sich vom kleinen Savoyarden die närrischen thierchen zeigen zu lassen. Göthe 44, 67. I@2@bb) allgemeiner (auch ohne bezug auf lebende wesen), eigenthümlich, sonderbar, wunderlich, seltsam, lächerlich, komisch: du bist ein närrischer kauz, du hast närrische einfälle u. dgl.; ich murmelte unterschiedliche närrische wörter. Simplic. 2, 316, 21; diesz buch hat einen närrischen titel. Weise erzn. 1 neudruck; (ich) lasse meinen reim ein wenig närrisch sein. Ch. Knorr schles. Helikon 1, 270; närrische schreibart. Schiller an Göthe 9 (1, 34); was ist denn das für ein närrisches lichtchen dort, das ich bald über uns, bald unter uns sehe? Göthe 27, 285; das närrischste ist, dasz jeder glaubt überliefern zu müssen was man gewuszt zu haben glaubt. 22, 253; und machten eine närrische musik mit misztönenden instrumenten. Freytag ahnen 4, 9; nürnbergisch. denn dâu passêirn in gscheidstn oft die allernärrschtn strâch (streiche). Frommann mundarten 6, 260. I@33) zu narr 4 und 5, der weisheit und klugheit zuwider handelnd oder zuwider laufend, thöricht, unklug, verkehrt, einfältig, albern, dumm (oft mehr scherzhaft wie bei narr 8). I@3@aa) von personen: den halt ich für ein nAerschen gouch. Brant narrensch. 10, 27. 34, 31; sunst find ich närrscher narren vil, die all ir freud hant inn dem spil. 77, 1; stultiloquus, ein nerrischer reder. gemma gemm. (1508) A 4b; der närrisch, der thor. Maaler 301d; ein weiser son erfrewet den vater, und ein nerrischer mensch ist seiner mutter schande. spr. Sal. 15, 20; ein nerrischer son ist seines vaters hertzenleid. 19, 13; denn ich bin der aller nerrischt, und menschen verstand ist nicht bei mir. 30, 2; du redest wie die nerrischen weiber reden. Hiob 2, 10; die närrische welt will betrogen sein. Simplic. 1, 219, 12; ein närrischer liebhaber. buch d. liebe 235, 4; närrische (vorher thörichte) leute. Weise erzn. 223 neudruck; ja, närrisches ding (mädchen), du bists nicht werth, was der liebe herr für dich thut. Weisze kom. opern 3, 226; närrisches mädchen! Schiller 3, 396 (kabale 2, 2); was habt ihr, närrische kinder! was zittert ihr? Lenz 1, 13; närrisch sein, werden wie ein narr sein, werden. Stieler 1331 (s.narr 7, a. c); wie nerrisch bistu doch, dasz du dir unnotig zuo schaffen machest. Kirchhof wendunm. 1, 408 Öst.; närrisch sein, sei das angenehmste leben. Erasmus lob der narrheit, deutsch 24; entweder ist ein weib verständig oder närrisch. Albertinus guld. sendschr. (1625) 1, 116a; wol dem der also närrisch ist, dasz er noch kan weise werden! .. wol dem der also weise ist, dasz er nicht kan närrisch werden. Philander (1644) 88; doch ein verliebter .. .. pflegt viel närrischer als jenes volk (die Indianer) zu sein. Ch. Knorr schles. Helikon 1, 271; ei! du bist närrisch. Lessing 2, 392 (die alte jungfer 1, 4); dasz wir statt treu zu sein, von herzen närrisch waren. Göthe 7, 17; wie leicht war es da .. nicht mehr dumm zu sein, ein wenig närrisch zu werden! Wieland 6, 256; den tag war ich doch das närrischte von uns beiden. Lenz 2, 306. I@3@bb) von gedanken und gesinnung, von rede und handlung: der hat wol ain närrischen muet, der do gelaubt, das gelük geb übel und guet. Vintler 2584; was meinst mit deiner narrischen sag? fastn. sp. 338, 28; nerrisch ding die redt der tor. 12, 15; als ir in zeicht solicher nerrischer weis. 56, 34; die buolschaft ist eim ieden stand gantz spötlich, närrisch und ein schand. Brant narrensch. 13, 84; da bschend (geschehen) vil närrscher stucken. H. R. Manuel weinspiel 30; er gab die närrische und lecherliche meinung für. Micyllus Tacitus 100a; doch ist es mir ein grosser schad, das ihr so eim närrischen raht so unbesunnen habt nachgsetzt. J. Ayrer 2114, 18 K.; närrischer weisz, stulte, stolide Maaler 301d. Denzler 209b; närrische anschläge, närrische frage. Stieler 1331; närrische liebe. 1156; ein närrischer fund. Heuslin vogelb. 204; närrische grillen. Simplic. 1, 180, 10; närrische einbildung. Weise erzn. 123 neudruck; deine schwester hatte so eine närrische furcht. Weisze kom. opern 3, 90; kein ehemals ausgesprochenes wort soll gelten, alles was weise war, soll närrisch erkannt werden. Göthe 53, 90; manchmal fällt mirs ein, dasz es doch ein närrscher streich wäre, wenn ich trutz meiner schönen projeckten vor ostern stürbe. an Käthchen Schönkopf (d. junge Göthe 1, 41); mystisch heiszest du ihnen, weil sie närrisches bei dir denken. 5, 39; die reverenz zu machen einem hut, es ist doch traun ein närrischer befehl! Schiller 14, 350 (Tell 3, 3); was schwatzt der da für närrisches zeug? 14, 150 (der neffe als onkel 1, 15); närrisch genug, dasz ich in meinem kopfe hatte, du müsztest nothwendig .. mit brandblasen überdeckt .. sein. Wieland 27, 30; sprichwort: närrische frage, närrische antwort. Simrock 400. I@3@cc) von sachen und verhältnissen: närrische tracht gleich narrentracht. Stieler 2307; närrisches kleid. Simplic. 1, 25, 8; es ist ein unterschied unter erbaren und närrischen kleidern. Weise erzn. 33 neudruck; närrisches ding. Wieland 11, 289; ein närrisch ding um uns menschen, wie ich in munterer gesellschafft war, war ich verdrüsslich, jetzt binn ich von aller welt verlassen, und binn lustig. Göthe an Käthchen Schönkopf (d. j. Göthe 1, 40). IIII. adverb, wie ein narr, einem narren gemäsz, thöricht, unklug, verkehrt, albern, wunderlich, seltsam: mhd. du habe tœrische site und rede nerrische hie mite. H. v. Freiberg Tristan 5118; dô er in die stat alsô tœrischen trat und alsô nerrisch was gestalt. 5155; nhd. iederman spottet des jungeling, das er als närrisch het getan. Vintler 883; wer nerrisch tut, das helt man im heut als vergut. fastn. sp. 91, 21; duo (thu) nersch, recht wie ein dorecht man. 843, 3; und welcher hab nerrischer getan, dem gib ich den apfel zu lan (lohn). 121, 23; nerrisch (gedr. nereisch) reden blaterare, nerrischthun stultisare. voc. 1482 x 3b; der narr woltt sich gern närrisch stellen. Brant narrensch. 67, 45; herr, las die sunde nicht auff uns bleiben, da mit wir nerrisch gethan und uns versündiget haben. 4 Mos. 12, 11; ein ungedültiger thut nerrisch, aber ein bedechtiger hasset es. spr. Sal. 14, 17; ein kluges hertz handelt bedechtiglich, aber die knen narren regieren nerrisch. 15, 14; es ist besser, man halte hertzog Georgen, das er nerrisch mit solchem eide fare, denn das er böslich und mördisch handelen solt. Luther 6, 8a; denn gott hat sich wol mehr mal so nerrisch und schwach gestellet, als solt sein wort und thun untergehen. 3, 60a; närrisch gebaren. Kirchhof wendunm. 1, 139 (1, 170) Öst.; ir habt nersch her. Zimmer. chron. 2, 600, 10; er kunte lassen nicht, im hertzen mit zu tragen den lieben freund, den er so (indem er ihn für einen andern hielt) närrisch hatt erschlagen. D. v. d. Werder Ariost 21, 54, 2; das sol mich billich trOesten, ob es ioch schon gat närrisch zuo. H. R. Manuel weinspiel 33; hte dich vor den exempeln und schicke dich nicht närrisch zu anderer nachfolg. Schuppius 765; närrisch thät ich .., wann ich mein geld ... in ein closter oder spital steckte. Simplic. 2, 58, 13; sie stellten sich auch nicht so närrisch (ungeberdig). 1, 556, 31; ein David zeigt den witz auch wenn er närrisch thut. Ch. Knorr schles. Helikon 1, 270; er muszte redlich dafür büszen, dasz er sein schönes geld so närrisch weggeschmissen. Stoppe neue fabeln 1, 129; hör auf, dich närrisch zu beklagen. 2, 111; sollten sie sich es wohl so närrisch träumen lassen. Rabener (1771) 3, 73; hört nachbar, musz euch närrisch fragen. Schiller 1, 243. II@aa) verstärkend vor adjectiven: närrisch verliebt, närrisch lustig. Frommann mundarten 5, 184; närrisch stolz. Gökingk 2, 118. II@bb) als interjection im sinne von narr 8, b: närrisch, närrisch! Klinger Otto 10, 12 neudruck; narrisch, was du für ein saubers sacktüchel da hast! Rosegger die dorfschöne (deutsche revue 7, 4, 47); vgl. Schm. 1, 1752 Fromm.; Lexer kärnt. wb. 196.
9715 Zeichen · 217 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Närrisch

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Närrisch , -er, -te, adj. et adv. 1) In der ersten Bedeutung des Hauptwortes Narr, einem solchen Narren ähnlich, in dess…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    närrisch

    Goethe-Wörterbuch

    närrisch Kleinschr als Subst B1,147,6 ; auch ‘närrsch’ T1,100,16 u ‘narrisch’ 1 geistig verwirrt, irrsinnig, verrückt; a…

  3. Sprichwörter
    Närrisch

    Wander (Sprichwörter)

    Närrisch 1. Alleweil narrischer het der Hirtenbua g'sagt: vern is der Bummel g'verrekt, heun de Voda. ( Amberg. ) 2. Der…

  4. Spezial
    närrisch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    när|risch adj. 1 (töricht) mat (mac, mata) 2 (lustig) da rí, da matades 3 (sonderbar) stravagant (-nc, -a), demorvëia. ▬…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit naerrisch

6 Bildungen · 5 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von naerrisch

narr + -isch

naerrisch leitet sich vom Lemma narr ab mit Suffix -isch, mit Umlaut-Wechsel.

naerrisch‑ als Erstglied (5 von 5)

närrischen

DWB

narri·schen

närrischen , verb. närrisch thun; leipzigerisch närrschen, ausgelassen toben, unfug treiben, auch übermäszig eilen. Albrecht 174 b .

Närrisches

Wander

narri·sches

Närrisches Es ist entweder was Närrisches oder was Herrisches. – Simrock, 7416; Körte, 4486. Wenn jemand stark anläutet.

närrischheit

DWB

naerrisch·heit

närrischheit , f. , leipzigerisch närrschheit, närrscht, narrheit, verrücktheit, albernheit. Albrecht 174 b .

Närrischkeit

Wander

naerrisch·keit

Närrischkeit A Narreschkeit 1 gedenkt sich. ( Jüd.-deutsch. Warschau. ) 1 ) Eine Dummheit. – Als Einschaltung bei sehr ausführlicher Erzählu…

Närrischwerden

GWB

naerrisch·werden

Närrischwerden vor Sonnenaufgang nach Acqua acetosa; es ist wirklich zum närrisch werden, wenn man die Klarheit, die Mannichfaltigkeit..und …

naerrisch als Zweitglied (1 von 1)

pudelnärrisch

DWB

pudel·naerrisch

pudelnärrisch , adj. und adv. als ein oder wie ein pudel possierlich, drollig, närrisch ( vgl. kälber-, geisznärrisch): es ist ein pudelnärr…