närrisch,
adj. und adv. mhd. nerrisch Lexer 2, 57;
synkop. närrsch (Albrecht
Leipz. mundart 174
b), närsch,
sup. neben närrischt, närrist
auch närrst, narrst (
hieher gehört narr 11). II.
adjectiv, einem narren
ähnlich oder angemessen. I@11)
zu narr 1,
verrückt, oder wie verrückt, toll: der närriste Nero. Schuppius 768; im narrenhause sehen wir, dasz der mensch andern aufs wort glaubt, er sei närrisch (
anm. denn man könnte einen menschen durch die versicherung närrisch machen, er sei närrisch). J. Paul
uns. loge 3, 8; ich bilde mir ein, don Sylvio könnte .. ein wenig närrisch sein, ohne dasz er gerade das sein müszte, was man verrückt heiszt. Wieland 11, 289; so bin ich ausgelassen närrisch und fange viel verrücktes zeug
an. Göthe 16, 60; es ist wirklich zum närrisch werden, wenn. 29, 61; ich möchte närrisch werden, dasz. Lessing 12, 106; sich bis zum närrisch werden verlieben. Campe 5, 338
a;
von thieren: dieweil die pferde, so damit (
mit dem katzenkopf) behaftet sind, fast toll, närrisch und schwindelecht werden. Uffenbach
rossbuch 2, 44; der geschlechtstrieb ist bei den hunden sehr ausgeprägt .. und macht sie mehr oder weniger närrisch. Brehm
thierl. 1, 338. I@22)
zu narr 3. I@2@aa)
lachen erregend, possenhaft, possierlich, drollig: nar, disen kolben gib niemans, er sei dan nerrischer dan du bist. Pauli
schimpf u. ernst 41
Öst.; munter musz ich sein, ungezwungen, neckisch, närrisch. Göthe 36, 61; aber der närrische gast (
vorher der drollige mann) verscheuchte sie gleich. 17, 22; die närrischen gesichter! ich muszte lachen. Lessing 11, 2, 644
H.; von thieren: ein nerrischer hund. Pauli
schimpf u. ernst 29
Öst.; närrischer als affen.
Simpl. 1, 214, 11; ein närisch kalb. 225, 21; sie hätten ihre mutter um zwei sous gebeten, um sich vom kleinen Savoyarden die närrischen thierchen zeigen zu lassen. Göthe 44, 67. I@2@bb)
allgemeiner (
auch ohne bezug auf lebende wesen),
eigenthümlich, sonderbar, wunderlich, seltsam, lächerlich, komisch: du bist ein närrischer kauz, du hast närrische einfälle
u. dgl.; ich murmelte unterschiedliche närrische wörter.
Simplic. 2, 316, 21; diesz buch hat einen närrischen titel. Weise
erzn. 1
neudruck; (
ich) lasse meinen reim ein wenig närrisch sein. Ch. Knorr
schles. Helikon 1, 270; närrische schreibart. Schiller
an Göthe 9 (1, 34); was ist denn das für ein närrisches lichtchen dort, das ich bald über uns, bald unter uns sehe? Göthe 27, 285; das närrischste ist, dasz jeder glaubt überliefern zu müssen was man gewuszt zu haben glaubt. 22, 253; und machten eine närrische musik mit misztönenden instrumenten. Freytag
ahnen 4, 9;
nürnbergisch. denn dâu passêirn in gscheidstn oft die allernärrschtn strâch (
streiche). Frommann
mundarten 6, 260. I@33)
zu narr 4
und 5,
der weisheit und klugheit zuwider handelnd oder zuwider laufend, thöricht, unklug, verkehrt, einfältig, albern, dumm (
oft mehr scherzhaft wie bei narr 8). I@3@aa)
von personen: den halt ich für ein nAerschen gouch. Brant
narrensch. 10, 27. 34, 31; sunst find ich närrscher narren vil, die all ir freud hant inn dem spil. 77, 1;
stultiloquus, ein nerrischer reder.
gemma gemm. (1508) A 4
b; der närrisch, der thor. Maaler 301
d; ein weiser son erfrewet den vater, und ein nerrischer mensch ist seiner mutter schande.
spr. Sal. 15, 20; ein nerrischer son ist seines vaters hertzenleid. 19, 13; denn ich bin der aller nerrischt, und menschen verstand ist nicht bei mir. 30, 2; du redest wie die nerrischen weiber reden.
Hiob 2, 10; die närrische welt will betrogen sein.
Simplic. 1, 219, 12; ein närrischer liebhaber.
buch d. liebe 235, 4; närrische (
vorher thörichte) leute. Weise
erzn. 223
neudruck; ja, närrisches ding (
mädchen), du bists nicht werth, was der liebe herr für dich thut. Weisze
kom. opern 3, 226; närrisches mädchen! Schiller 3, 396 (
kabale 2, 2); was habt ihr, närrische kinder! was zittert ihr? Lenz 1, 13; närrisch sein, werden
wie ein narr sein, werden. Stieler 1331 (
s.narr 7,
a. c); wie nerrisch bistu doch, dasz du dir unnotig zuo schaffen machest. Kirchhof
wendunm. 1, 408
Öst.; närrisch sein, sei das angenehmste leben. Erasmus
lob der narrheit, deutsch 24; entweder ist ein weib verständig oder närrisch. Albertinus
guld. sendschr. (1625) 1, 116
a; wol dem der also närrisch ist, dasz er noch kan weise werden! .. wol dem der also weise ist, dasz er nicht kan närrisch werden. Philander (1644) 88; doch ein verliebter .. .. pflegt viel närrischer als jenes volk (
die Indianer) zu sein. Ch. Knorr
schles. Helikon 1, 271; ei! du bist närrisch. Lessing 2, 392 (
die alte jungfer 1, 4); dasz wir statt treu zu sein, von herzen närrisch waren. Göthe 7, 17; wie leicht war es da .. nicht mehr dumm zu sein, ein wenig närrisch zu werden! Wieland 6, 256; den tag war ich doch das närrischte von uns beiden. Lenz 2, 306. I@3@bb)
von gedanken und gesinnung, von rede und handlung: der hat wol ain närrischen muet, der do gelaubt, das gelük geb übel und guet. Vintler 2584; was meinst mit deiner narrischen sag?
fastn. sp. 338, 28; nerrisch ding die redt der tor. 12, 15; als ir in zeicht solicher nerrischer weis. 56, 34; die buolschaft ist eim ieden stand gantz spötlich, närrisch und ein schand. Brant
narrensch. 13, 84; da bschend (
geschehen) vil närrscher stucken. H. R. Manuel
weinspiel 30; er gab die närrische und lecherliche meinung für. Micyllus
Tacitus 100
a; doch ist es mir ein grosser schad, das ihr so eim närrischen raht so unbesunnen habt nachgsetzt. J. Ayrer 2114, 18
K.; närrischer weisz,
stulte, stolide Maaler 301
d. Denzler 209
b; närrische anschläge, närrische frage. Stieler 1331; närrische liebe. 1156; ein närrischer fund. Heuslin
vogelb. 204; närrische grillen.
Simplic. 1, 180, 10; närrische einbildung. Weise
erzn. 123
neudruck; deine schwester hatte so eine närrische furcht. Weisze
kom. opern 3, 90; kein ehemals ausgesprochenes wort soll gelten, alles was weise war, soll närrisch erkannt werden. Göthe 53, 90; manchmal fällt mirs ein, dasz es doch ein närrscher streich wäre, wenn ich trutz meiner schönen projeckten vor ostern stürbe.
an Käthchen Schönkopf (
d. junge Göthe 1, 41); mystisch heiszest du ihnen, weil sie närrisches bei dir denken. 5, 39; die reverenz zu machen einem hut, es ist doch traun ein närrischer befehl! Schiller 14, 350 (
Tell 3, 3); was schwatzt der da für närrisches zeug? 14, 150 (
der neffe als onkel 1, 15); närrisch genug, dasz ich in meinem kopfe hatte, du müsztest nothwendig .. mit brandblasen überdeckt .. sein. Wieland 27, 30;
sprichwort: närrische frage, närrische antwort. Simrock 400. I@3@cc)
von sachen und verhältnissen: närrische tracht
gleich narrentracht. Stieler 2307; närrisches kleid.
Simplic. 1, 25, 8; es ist ein unterschied unter erbaren und närrischen kleidern. Weise
erzn. 33
neudruck; närrisches ding. Wieland 11, 289; ein närrisch ding um uns menschen, wie ich in munterer gesellschafft war, war ich verdrüsslich, jetzt binn ich von aller welt verlassen, und binn lustig. Göthe
an Käthchen Schönkopf (
d. j. Göthe 1, 40). IIII.
adverb, wie ein narr, einem narren gemäsz, thöricht, unklug, verkehrt, albern, wunderlich, seltsam: mhd. du habe tœrische site und rede nerrische hie mite. H. v. Freiberg
Tristan 5118; dô er in die stat alsô tœrischen trat und alsô nerrisch was gestalt. 5155;
nhd. iederman spottet des jungeling, das er als närrisch het getan. Vintler 883; wer nerrisch tut, das helt man im heut als vergut.
fastn. sp. 91, 21; duo (
thu) nersch, recht wie ein dorecht man. 843, 3; und welcher hab nerrischer getan, dem gib ich den apfel zu lan (
lohn). 121, 23; nerrisch (
gedr. nereisch) reden
blaterare, nerrischthun
stultisare. voc. 1482 x 3
b; der narr woltt sich gern närrisch stellen. Brant
narrensch. 67, 45; herr, las die sunde nicht auff uns bleiben, da mit wir nerrisch gethan und uns versündiget haben.
4 Mos. 12, 11; ein ungedültiger thut nerrisch, aber ein bedechtiger hasset es.
spr. Sal. 14, 17; ein kluges hertz handelt bedechtiglich, aber die knen narren regieren nerrisch. 15, 14; es ist besser, man halte hertzog Georgen, das er nerrisch mit solchem eide fare, denn das er böslich und mördisch handelen solt. Luther 6, 8
a; denn gott hat sich wol mehr mal so nerrisch und schwach gestellet, als solt sein wort und thun untergehen. 3, 60
a; närrisch gebaren. Kirchhof
wendunm. 1, 139 (1, 170)
Öst.; ir habt nersch her.
Zimmer. chron. 2, 600, 10; er kunte lassen nicht, im hertzen mit zu tragen den lieben freund, den er so (
indem er ihn für einen andern hielt) närrisch hatt erschlagen. D. v.
d. Werder
Ariost 21, 54, 2; das sol mich billich trOesten, ob es ioch schon gat närrisch zuo. H. R. Manuel
weinspiel 33; hte dich vor den exempeln und schicke dich nicht närrisch zu anderer nachfolg. Schuppius 765; närrisch thät ich .., wann ich mein geld ... in ein closter oder spital steckte.
Simplic. 2, 58, 13; sie stellten sich auch nicht so närrisch (
ungeberdig). 1, 556, 31; ein David zeigt den witz auch wenn er närrisch thut. Ch. Knorr
schles. Helikon 1, 270; er muszte redlich dafür büszen, dasz er sein schönes geld so närrisch weggeschmissen. Stoppe
neue fabeln 1, 129; hör auf, dich närrisch zu beklagen. 2, 111; sollten sie sich es wohl so närrisch träumen lassen. Rabener (1771) 3, 73; hört nachbar, musz euch närrisch fragen. Schiller 1, 243. II@aa)
verstärkend vor adjectiven: närrisch verliebt, närrisch lustig. Frommann
mundarten 5, 184; närrisch stolz. Gökingk 2, 118. II@bb)
als interjection im sinne von narr 8,
b: närrisch, närrisch! Klinger
Otto 10, 12
neudruck; narrisch, was du für ein saubers sacktüchel da hast! Rosegger
die dorfschöne (
deutsche revue 7, 4, 47);
vgl. Schm. 1, 1752
Fromm.; Lexer
kärnt. wb. 196.