Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
joch stN.
2 übertr. auf etwas Belastendes/ Beschwerendes, das man zu (er-)tragen hat
2.1 ‘Bürde, Last’ (nicht immer deutlich von 2.2 zu trennen)
2.2 ‘(auferzwungene) Herrschaft, Tyrannei; Macht’ (nicht immer deutlich von 2.1 zu trennen)
3 übertr. auf ein Bauelement (aufrechtstehende Bauteile verbunden mit einem horizontalen Bauteil)
3.1 beim Brückenbau ‘Brückenjoch’
3.2 im Bergbau als Teil des Schachtausbaus
4 übertr. auf geograf. Gegebenheiten ‘Gebirgsjoch’
5 das Acker- bzw. Feldmaß ‘Joch’ jiuch
1 Geschirr bei Zugtieren: iugum: ioch Gl 3:652,25 (BStK926); ochsen, die waren wilde / und so geil, daz sie niman / mochte an ein joch gevan Pass I/II (HSW) 25300. 25302; das ysz [das verwaldete Stück Land] tzwene ochsen mit eyme joche nit nyder mogen gedrucken WeistGr 1,502 (a. 1338); der ohse treit ungerne sîn joch Renner 22951; Helmbr 825. – der hunde bint man vj an eynen carren mit jochin MarcoPolo 75,5. – got und dy welt ziehent ungleich, / in zimet peiden nicht ein joch HvBurg 3671. – meton. ‘Gespann’ er hiet fuͤmf joch rinder gechaufet PrOberalt 121,11 u. ö.; hin ging Helias zu hant. / Elizeum er ackern vant / mit zwelf iochen der ochsen sin HistAE 3031; ich hân gekoufet vünf joch ohsen Eckh 1:350,7 u. ö.; – im Gleichnis (vgl. Lc 14,19): der ochz der ziuhet daz joch und bezeichent daz juͤdisch liut, der hals daz joch der e verdrukchet hat PrOberalt 165,17; Parad 59,11; diu fuͤmf joch bezeichent die fuͤmf sinne des menschen die den menschen zuͦ den auzzeren dingen und zue wertlichen dingen leitent PrOberalt 122,9; Eckh 1:350,8 2 übertr. auf etwas Belastendes/ Beschwerendes, das man zu (er-)tragen hat 2.1 ‘Bürde, Last’ (nicht immer deutlich von 2.2 zu trennen): ouch wi swerlich des kummers joch / daz leben drucke al gereit / in der unsalden stetekeit Hiob 3982; das in das joch der arbeit / so dienstlich wart uf geleit RvEWchr 17886; der sorgen joch / sînem gemûte was gebunden uf Kreuzf 3808; deß jamers purd und ir joch / prechte im laydes schmertzen / mit jamer zu dem hertzen HvNstAp 7126; wer mohte tragen des zornes ioch / âne got aleine? Kröllwitz 2556; ob du noch / von dir suntlichez joch / wilt losen und des vri wesen Pass I/II (HSW) 15442; GenM 52,18; Warnung 1099. – im christl. Kontext, v. a. in Bezug auf das "milde Joch" Christi (vgl. Mt 11,29-30): [Jesus spricht:] wen myn joch ist senfte unde myne burde lichte EvBerl 14,26; wa gescach imen ze dirre werlt ie baz? / want siu ellu laster an in erslugen / unt Christes ioch uf in truͦgen Rol 5964; de guͦt wirt hat si so wal behuͦt, / des joch senft is ind licht sin bürden MarlbRh 101,27; Litan 1264; EvAug 24,14; Tauler 25,7 u. ö.; Seuse 216,6 u. ö.; bezogen auf Ordensregeln: old er sin hals schvtte von dem ioche dir regle [ de iugo regulae ] BrEng 58; BrZw 58; der ordenunge joch Daniel 2734; auch gotes ~ u.ä.: wir cristenen, die gotes joch / tragen mit waren ruwen HeslApk 3274; gotis joch / ist uf geleit der selen Daniel 5522; der gotes tugenliches joch / hete menliche getragen Vät 408; andirs diner knehte, / di mit der ware gotis crefte / undir siner meisterscefte / in der cristinen joh sint gewetet Litan 894; HvBurg 4803; hilf im in sînen kurzen tagen / daz joch gedulteclîche tragen / dînes gebotes, herre got RvEBarl 15620. – sonst positiv Konnotiertes, das auch als Bürde oder Last verstanden werden kann: sô hete si in der minne joch / diu minne sô krefticlîch geweten, / daz si niht mohten ûz getreten Mai 194,10; da von gewan er der eren joch, / das man von im liset noch HvNstAp 20565; daz er so menlichen tut / uf ritterlicher minne joch Frl 13:57,8 das Joch der Herrschaftspflicht: dâ si daz êren rîche joch / solden legen ûf sich. / daz selbe joch, sag ich, / daz ist zepter unde krône Ottok 12760; disse gewalt vil eben / wirt im alhie gegeben / uf zit, zite, ein halbe noch, / tragende des riches joch Daniel 5932 2.2 ‘(auferzwungene) Herrschaft, Tyrannei; Macht’ (nicht immer deutlich von 2.1 zu trennen): do der kúnig Pharao / die israhelschen diet also / in sinis jochis strengen haft / bant RvEWchr 8870; si [die Tugend der Mäßigung] zamet die vngeordenotten begirde vnd leit si vnder daz joch rechter vernunft RvBib 174,26; zebreche wir div bant ire unde werfen uon uns daz ioch ire [interl. zu dirumpamus uincula eorum; et proiciamus a nobis iugum ipsorum ] PsM 2,3; Rol 7719; Gen 1217; Konr 11,93; Ottok 66866. – im Gleichnis: diu eslinne diu bezaichent diu judenschaft diu mit dem joche der ê gezæmet waz PrOberalt 8,11. 76,17; daz si die stolen uf den nac legint, da mite betútent si, daz wir vnder Cristez ioche suln sin mit der gehorsami Lucid 88,17 3 übertr. auf ein Bauelement (aufrechtstehende Bauteile verbunden mit einem horizontalen Bauteil) 3.1 beim Brückenbau ‘Brückenjoch’ swer vier ross hat, der sol in dem jar fvͤren einen enspavm [Brückenbalken] zvͦ der prvk. swer drev ross hat ein joch, swer zwai hat einen stechen [Pfahl] UrbBayS 4,196; daz die enspaem zwischen der joch [Gen. Pl.] haben sechsunddreizzich schuͦch StRMünch 353,29 3.2 im Bergbau als Teil des Schachtausbaus: ist aber ein pau, das stempel und ioch hat UrkÖsterrErbl 171,31 (a. 1336 kopial) 4 übertr. auf geograf. Gegebenheiten ‘Gebirgsjoch’ uber der hohsten berge joch RvEWchr 787; dez berges joch ebd. 11816; dú joh der búhelen ebd. 14393 u. ö. – als Orts- bzw. Flurname: des gotzhus zwing vnd ban vahet an Rotenhalden vnd denne die roten bachtalen vf vnz an den grat, vnd den grât obnan hin ob Gruͦblen hin iemerme, vnz an Joch WeistGr 1,4 (Mitte 14. Jh.?) 5 das Acker- bzw. Feldmaß ‘Joch’ → jiuch
MWB 3,1 76,46; Bearbeiter: Luxner