glücken,
vb. verbreitung. mhd. gelücken,
mnd. lucken '
glücken', sich lucken '
sich zufällig ereignen',
mnl. ghelucken,
seltener lucken,
mnl. lukken, gelukken,
aus dem mnl. mittelengl. lukken,
engl. dialekt. luck Wright 3, 682
b;
aus dem mnd. dän. lykkes,
schwed. lyckas.
die ableitung von gelücke
ist wohl schon auf ndfrk. boden erfolgt, ehe die sippe ins hd. einwanderte; immerhin bleibt es auffällig, dasz zu derselben zeit, wo sich am Rhein die ersten spuren des eindringens des substantivs zeigen (
Straszburger Alexander, um 1160),
sich das verbum bereits in einem österreichischen denkmal (
dem anegenge, um 1160,
s. u.)
findet. es bleibt vor dem 16.
jh. sehr selten, ist jedoch nicht auf bestimmte mundartgebiete beschränkt und gelangt im 16.
jh. zu groszer beliebtheit. es ist heute den meisten mundarten geläufig, vgl. glücken,
daneben veraltend rip.-ndfrk. løkə
rhein. wb. 2, 1215; jlocke, löcke Rovenhagen
Aachen 45
u. 80; glöcken Laven
ged. in Trierer ma. 233; gleken
luxemb. ma. 148; Kisch
vergleichend. wb. d. Nösner u. moselfrk. ma. 93; glegən Hofmann
ndhess. 108; Martin
Waldeck 219; Bauer-Collitz 40; glikken Damköhler
nordharz. 62; Lambert
pennsylvan. 66 (
rheinpfälz.); gelicken Müller-Fraureuth 1, 427; Martin-Lienhart 2, 941; Staub-Tobler 2, 623; Tschumpert
Bündner id. 608; Tobler
Appenzell 225 (
nur partiz.); Hunziker
Aargau 108; Frederking
Hahlen 12; lukken
brem. wb. 3, 96; glücken, lücken Mensing 2, 403; Dähnert
pomm.-rügen. ma. 154; glücken, lükken Berghaus 1, 580; 2, 434;
Fischer samländ. 141.
nicht populär und anscheinend der schriftsprache entlehnt ist glücken
im schwäb., s. Fischer 3, 714.
nicht verzeichnet bei Schmeller-Fr.
form. für die synkopierung des präfixvokales gilt entsprechend das über glück
gesagte. nicht synkopierte formen begegnen noch über das 17.
jh. hinaus, im anfang des 18.
allerdings wohl nur in versdichtungen und somit durch rhythmische gründe veranlaszt: und musz ihr (
der liebe) doch dabey, so kauderwelsch sie
auch die sachen spielt, gelücken Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 333; und wird euch (
dem arzte) euer fleisz in dieser cur gelücken v. Canitz
ged. (1727) 86;
vereinzelt sogar noch am ende des 18.
jh., doch wohl bewuszt antiquierend zur erzielung komischer wirkung: gelückte eine heilung unter seinen händen, so war ein posaunen hier und an allen enden Kortum
Jobsiade (1799) 2, 36.
im partizipium herrscht zunächst gelücket, glücket,
das noch im 17.
jh. begegnet: gelücket Niclas v. Wyle
translationen 44
Keller; Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 74; gelucket Liliencron
hist. volkslieder 1, 230
b (
von 1418); gelückt
sprichw. sch. w. klugr. (1548) 46
b; J. Ayrer
dramen 4, 2281
lit. ver.; A. Gryphius
Peter Squenz 23
ndr.; Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 365
a; Neumark
s. u. sp. 286; glücket J. Sleidanus
reden 77
lit. ver.; Luther
post. (1528) 233
a (Dietz
Lutherwb. 2, 140
a); glucket Luther 10, 1, 1, 663
W.; daneben infolge der verschmelzung des präfixes mit dem stamm früh die durch erneute präfixzufügung gebildete form geglückt: Eck
bibel (1537) 1.
Mos. 24, 56; E. Hennenberger
erclärung d. preusz. landtaffel (1595) 49;
vgl. zeitschr. f. dt. wortforsch. 1, 299
f. —
als hilfsverb tritt dazu, besonders in älterer zeit, sowohl sein
als auch haben;
während sein
vom anfang an überwiegt (
so schon im anegenge, s. u., bei Luther
u. s. w.),
dringt im 17.
und 18.
jh. haben
so weit vor, dasz es sich mit sein
fast die waage hält; Adelung
bemerkt ausdrücklich '
auch mit haben',
ebenso Campe '
mit haben
und sein';
im 19.
jh. tritt haben
sehr stark zurück, heute gilt sein
wohl fast uneingeschränkt, vgl. Paul
abhdl. d. bayr. akad. d. wiss. I.
kl., bd. XXII,
abhdl. 1,
s. 168;
belege mit haben,
auszer den obigen partizipialbelegen, von denen nur Luther sein
hat, z. b. Stolle
thür. chron. 58
lit. ver.; Boltz
Terenz (1539) 109
b; H. Kellner
chronica (1574) 93
a; Neumark
poet. u. mus. lustw. (1652) 51; Prätorius
glückstopf (1669)
vorr. 2; J. v. Besser
schr. (1732) 1, 305
König; Triller
poet. betracht. (1750) 2, 280; Gottsched
ged. (1751) 1, 211; Wieland
auswahl denkw. briefe (1815) 1, 58;
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtsch. (1778) 1, 218;
häufig bei Göthe,
z. b. I 38, 115
W.; III 12, 123; IV 42, 163; Kortum
Jobsiade (1799) 1, 158; Görres
ges. br. (1858) 2, 227; Bettine
Günderode (1840) 1, 65.
bedeutung und gebrauch. im mhd. ist das verb noch äuszerst selten, dabei zeigen die wenigen belege vor 1500
grosze verschiedenheiten in gebrauch und konstruktion, ohne dasz sich aus alter oder häufigkeit der belege eine klare entwicklungslinie ergäbe. II.
mit unpersönlicher, intransitiver konstruktion. I@11)
geht man von dem zugrundeliegenden glück
aus, so wären zunächst anwendungen mit anlehnung an glück I '
schicksal, das günstig oder ungünstig sein kann'
zu erwarten; die wenigen belege für glücken
im sinne von neutralem '
sich ereignen, sich treffen, ausschlagen'
sind aber mehr oder weniger spät wohl durch ironischen oder abgeschwächten gebrauch entstanden: wann dann der herr sieht, wie dirs (
dem Grobianer) glückt, vnd wie du bist so vngeschickt, so wird er eh selbs thon ein ding, dann dasz er dich darzuo bezwing Scheit
Grobianus v. 1412
ndr.; man könnte nicht wissen, wie das umwerffen allemahl gelückte (
ausginge) Chr. Reuter
Schelmuffsky 100
ndr.; gelückts (
trifft es sich, will es der zufall), so musz der könig fort (
d. h. sterben), der eseltreiber bleibt P. Fleming
teütsche poemata (1642) 313; ein mund, wie ihrer ist, darf, wie es glücket, sprechen J. E. Schlegel
in: samml. v. schauspielen (1764) 2, 32; wie aber gar oft in bedeutenden, ja schrecklichen momenten etwas heiteres, auch wohl lächerliches sich zu ereignen pflegt, so glückte es auch hier Göthe I 24, 323
W.; darüber ist es wohl geglückt (
geschehen), dasz ich ein wenig eingenickt Mörike
w. 1, 104
Göschen. I@22)
ohne ausdrückliche beziehung auf ein bestimmtes ziel, eine bestimmte unternehmung, mit dativ der person, '
glück haben, vom glück begleitet werden, gute fortschritte, günstigen erfolg haben'
; steht bei dem vielfach verwandten gelingen
absicht und eigenes bestreben im vordergrund, so liegt bei glücken
der nachdruck mehr auf dem zufälligen glück. I@2@aa)
ohne pronominelles subjekt wie bei gelingen
in ursprünglicher konstruktion (mir gelingt,
vgl. oben gelingen 2 a,
teil 4, 1, 2, 3031). glücken
tritt mit gelingen
früh in parallele; die belege können nicht erweisen, dasz dies auch für glücken
die älteste konstruktion ist; eher scheint direkter einflusz von gelingen
vorzuliegen. die belege sind spärlich (
vgl. auch unten I 4): und ist yhm durch hulff des teuffels glucket Luther 10, 11, 663
W.; und wer ime das inn sein (
l. sin) gefallenn, das er gegen uns ein standt must thun, er hette sein leudt inn den krieg nit gefürt; aber er hat gemeint im solt glucken an eym zulaufft, des ist er betrogen wordenn Reuchlin
erste olynth. rede 28
Poland; dieweil (
wenn du hustest) kanst du dein lügen schmücken, vnd wird dir zu dem reden glücken Scheit
Grobianus v. 315
ndr.; und hat zwar Josua hoffnung, weil ihm da glücket (
siegte), er würde andern stätten auch mögen ansiegen J. J. Gugger
christl. hauspredigten (1590) 2, 68. I@2@bb)
mit es
als subjekt. I@2@b@aα)
allgemein: es wird dir glücken wie den Schwaben bei Lücken (
schlacht bei Lucka)
bei Binder
sprichwörterschatz 177; glücket es einem, so glücket es hunderten nicht J. Agricola 750
t. sprichw. (1534) n 3
b; du bist heüt fein herfür komen. es hat dir heüt fein geglücket Boltz
Terenz (1539) 109
b; halt yhm (
gott) nur still, leydt was er will, erzürn dich nicht, ob es dem bösen glücket P. Speratus
bei Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 38; das hat er ... gewisst, ... das es im in wenig jaren gewaltig glücken werd J. Nas
antipap. eins vnd hundert (1565) 5, 306
a; ihr seht wies steht, wie alls nach seinem wündschen geht, es glückt ihm, wie er selber wil
M. Hayneccius
Hans Pfriem 81
ndr.; wenns einem glücken musz, dem musz der bleystock kalbern Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 156; es hat nicht vielen so gelükket, wie gott es hat mit mir geschikket Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 174; es glückte mir ziemlich auff dem weg, weil ich treuhertzige leute fand, die mir ... herberge und nahrung gern mittheileten Grimmelshausen
Simpl. 531
K.; es sol mir noch gelükken, so ferne mier den rükken des himmels gunst wird halten Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 60; es glückt uns beyden auf einerley weise
fortuna mihi cum eo communis est Stieler (1691) 675; es hat mir geglückt
favit mihi fortuna Aler
dict. (1727) 1, 959
a; Sachsen würd es schwerlich so unter andern fürsten glücken v. Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 54; war er doch von dir empfohlen, gut aufgenommen, und, was mehr ist, es hat ihm geglückt Göthe IV 42, 163
W. auch mit adverb der dauer: denn wenn es einem auf seinem gange auch noch so lang glückt, fällt er doch endlich, und offt im angesicht des gehofften zwecks, in eine grube Göthe I 37, 129
W. I@2@b@bβ)
gern auf kriegerischen erfolg, sieg angewandt: vnd schlug Odaren ... vnd die kinder Phaseron inn iren hütten. die weil es im aber also glückt, lieffen mehr leute zu im 1.
Macc. 9, 66; er griff sie mit gesamletem heer noch ein mal an, da glücket es im Seb. Franck
chron. Germaniae (1538) 38
a; könig Matthias versuchte sich an den Walachen, aber es wolt im nicht glücken H. Rätel
Curäi chronica d. herzogth. Schlesien (1607) 176; hast du (
der bote) die schlacht erblicket? weiszt du, wo Cyrus kämpft? wo es Hyaspen glücket? Gottschedin
br. 3, 254
v. Runkel; sie weichen! sie fliehn! ... lasz blitze zücken, wirf donner von oben, — solln wir dich loben, so lasz es uns glücken! Tieck
Genoveva (1820) 49. I@2@b@gγ)
wie glücken
überhaupt, so wird es besonders gern in dieser verwendung bei negation mit wollen
verbunden: seine knecht trurig waren, die weil es inen nit wolt glücken C. Hedio
chron. Germ. (1530) 148
b; vnd hetts ihr nicht wollen glükken, hett sie müszen gar erstikken
Reinicke fuchs (1650) 301; es hat ihm nicht glücken wollen Widerhold (1669) 148
a; es will mir wirklich noch nicht glücken A. v. Arnim
s. w. 6, 36
Grimm. I@2@b@dδ)
zur verstärkung, vielleicht aber auch im hinblick auf glück I
und den entsprechenden neutralen sinn von glücken (
s. o. I 1)
werden gern kennzeichnende adverbien wie wohl, sehr, gut, ganz
oder adverbielle bestimmungen wie nach wunsch
dazu gesetzt: so mag es dir noch wol gelücken H. Sachs 12, 189
K.-G.; das es ihnen erst so wol geglücket hett Xylander
Polybius (1574) 93; förchtet gott in all eweren handlungen, so wird es euch besser glücken als biszhero geschehen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 821; es glückte ihm nach wunsch A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 135; selbst ein erster miszgriff ist in der folge zu verbessern, und wem es zuerst nicht ganz geglückt, kann sich durch fortdauerndes bestreben in gunst setzen Göthe I 45, 179
W.; nachdem ich so das interessante und den spleen weg hatte, glückte es mir überall recht sehr Immermann 1, 14
Boxberger. I@33)
wie 2
ohne ausdrückliche beziehung auf ein ziel u. dgl., aber ohne dativ der person '
es trifft sich gut, es paszt, es gerät, das glück ist günstig'
; wohl stets mit es
als subjekt: gibt gott, das es gluocket zu diesem male, so soll mein schiffen damit ein ende nemen Albrecht v. Eyb
dt. schr. 1, 60
Herrmann; gerhäts, so gerhäts; glückts, so glückts Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. (1618) 155
Huser; gelückts, so seins gottes woltaten; sonst ist wolgmeint, vbel gerathen Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 2
a; kurz! hier glückte es auch nicht Knigge
roman meines lebens (1781) 3, 32.
besonders im konditionalsatz: vnd wann es würde glükken, so solten sie sich all mit einem fetbespikten schmaus aufs allerbest erquikken
Reinicke fuchs (1650) 224; ... sonder schuld den sieg, dafern es glückt, erworben A. Gryphius
teutsche gedichte (1698) 1, 58; und weiterhin im mal, wenns glückt, hat dich wieder ein mädchen berückt Göthe I 3, 148
W. seltener in der bedeutung '
es bringt glück' (
vgl. II 3): es gar selten glückt, wenn man seines gleichen nicht heiratt
Simplicissimi albern. briefsteller (1725) 14. I@44)
durch einen präpositionellen ausdruck wird eine spezielle bezogenheit des verbs ausgedrückt; es steht aber wie bei 2
und 3
zunächst der verlauf, nicht das resultat einer handlung im mittelpunkt '
glück haben bei oder mit etwas'
; in der regel mit es
als subjekt und dativ der person; so schon mhd. (
mit an,
doch ohne es): mîn herze sol ez immer klagen daz in so früeje bî den tagen ir wunne wart enzücket. daz in niht ist gelücket an ir freuden einen tac (
dasz sie nicht einen tag lang ungestörte freude, liebesglück genieszen konnten), daz ist ein dinc dâ von ich mac sorgen unde leides pflegen Konrad v. Würzburg
Engelhard 3198
H.; auch personell: gelingen vnd geluckhen (
glück haben im kampf, siegen) mag dem künig an in (
seinen gegnern) wol (14.
jh.)
rer. austriac. scriptores 2, 306
Rauch; es glückt manchem in bösen sachen, aber es gedeiet im zum verderben
Sir. 20, 9; deme es in vielen streichen ziemlich glückete und ihm allein genug zu thun machete Prätorius
zodiacus mercur. (1667) 65; auch siehet man, dasz es den künstlern in der einen art weit leichter glückt, als in der andern Ramler
einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 89.
die konstruktionen mit der präpos. mit
nähern sich der auf ein resultat gerichteten zielstrebigkeit: so ist es auch nicht möglich, das sich eyn landgut möge bereichen, ... wo es ime nicht mit öle glücket Sebiz
feldbau (1579) 384; dann (
der Gargantuwalt) muszt gespilt haben: kart war sein morgengab, wie den augspurgischen weiber: wan es im mit eim buch der könig nicht wolt glücken, oho ein andere her Fischart
geschichtklitt. 258
ndr.; meine gedanken waren noch ganz nicht in Holland zu bleiben, ob es schohn mit meiner reise nahch Frankreich so bald, als ich wohl gemeinet hätte, nicht glükken wolte (
d. h. die reise kommt nicht zustande) Zesen
adriat. Rosemund 40
ndr.; sein verlangen, den sänger in der nähe zu sehen und zu sprechen, war brennend; es wollte ihm aber nicht damit glücken Heinse
w. 6, 122
Sch.; besser glückte es mir mit dem bau einer unterirdischen höhle Storm
w. (1899) 4, 71; aber nicht immer ist es dem groszen dichter mit diesen wirkungen geglückt G. Freytag
ges. w. (1886) 14, 74.
auch mit beziehung auf eine person: (
Hersilie zu dem für sie begeisterten knaben) mit meinen zeitbürtigen verehrern hat es mir niemals recht glücken wollen, es scheint, dasz die folgende generation mich nächstens entschädigen will Göthe I 24, 119
W.; dasz es diesem (
stattlichen jungen krieger) auch bei frauen wohl geglückt sein müsse G. Freytag
ges. w. (1886) 13, 53;
dazu mit erläuterndem dasz-
satz: nachdem es also uns mit euch geglückt, dasz ihr bestanden in den prüfungsstunden, so ward mein herz von reiner freud entzückt
Z. Werner
söhne d. thales (1803) 1, 257.
ohne dativobjekt mit auf, '
glücklich ausreichen zu': wenn es zwei (
auerhähne) wären, so wäre einer für euch. da es aber auf zwei nicht geglückt hat (
bei der jagd) ... Scheffel
ges. w. (1907) 1, 226
Proelsz. I@55)
die bezogenheit auf ein bestimmtes (
gewöhnlich mit schwierigkeiten verbundenes)
ziel oder vorhaben wird grammatisch nicht ausgedrückt, ergibt sich aber aus dem zusammenhange; das subjekts-es
nähert sich dabei vielfach einem vor- oder zurückweisenden dies
oder das (
vgl. u. sp. 291). I@5@aa)
mit dat. der person; die bedeutung läszt sich in der regel durch '
dabei glück, erfolg haben'
am besten umschreiben: weil alle seine gedancken auff gold ... stunden, gelückt es im, trifft einen ... gang J. Mathesius
Sarepta (1571) 14
a; daselbst hielten ... sie etliche pferde ..., den hirschen nachzurennen, sie zu ereilen ... und also zu fangen, und war, dem es glücket, eine grosze ehre Kirchhof
wendunmuth 2, 75
Österley; es hat ... einer ... sich für einen neuen schich ... auffgeworffen ... und etliche verneuerung in der religion einführen wollen, in meynung, dasz es ihm auch wie schich Sefi glücken und zu so hohen ehren gedeyen würde A. Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 255; wenn es mir glückt, so wird er mein Gleim
briefw. 1, 203
Körte; es glückte ihm aber nicht (
in ein gespräch zu kommen) Heinse
w. 5, 276
Sch.; wem es glücket, wer dich hört und sieht — dem gram entflieht maler Müller
w. (1811) 1, 330; die nachricht ..., es sey ihr doch geglückt (
ein staatsamt zu verschaffen) Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 96; ein wilds blut hab ich ghabt ... und deine reden habens geweckt! da hat kein wehren geholfen ... ich habs probieren müssen! es ist mir glückt aufs erstemal Ganghofer
almer u. jägerleut (
41900) 55. I@5@bb)
ohne dativ der person '
es hat erfolg, der erfolg bleibt nicht aus' (
beträchtlich seltener als a): Cupido zielte nechst und meint, es würde glücken, auff Polla hertze zu Logau
s. sinnged. 215
Eitner; als hunderte zu deinen sohlen ihr stolzes haupt zum staub gebückt, hab ich die rache mir befohlen, und wunderbarlich ists geglückt Strachwitz
ged. (1850) 213.
von künstlerischem: (
er) zeigte dazwischen dieser und jener stimme verbesserungen, machte sie ihnen vor, liesz sie einzeln nachsingen; und zum fünftenmal glückte es fast zur vollkommenheit Heinse 5, 15
Sch. I@66)
das ziel, das erwünschte ergebnis wird durch einen satz mit dasz
ausgedrückt; das pronominelle subjekt fehlt nur selten, ebenso ist der personelle dativ fast stets die regel. I@6@aa)
mit personellem dativ '
es gelingt mir, dasz ..., bzw. zu ..., ich habe den schwierigkeiten zum trotz glück, erfolg, so dasz ...'
; seit dem spätmhd. bezeugt: glucket es uch, dasz er en moget finden, so sollet er en gar feste binden
Alsfelder passionssp. v. 768
Grein; nu wil ich dir sagen, do ich vernam dese da dem konynge de ere aff quam, dachte ich, off mirt kunde gelucken dat ich sij eme woulde untrucken
pilgerfahrt d. träum. mönchs 9306
Meijboom; vnnd glückte doch deme keyser, das er den herzogen von Burgundien vndir sich warf K. Stolle
thüring. chron. 58
lit. ver.; dem ersten jungen ist es aber wol geglücket, dasz er nicht in dem fall ihm hatt den halsz zerknicket D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 258; nachdem es ... etlich soldaten geglücket, dasz sie über den eussersten graben kommen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 200; es hat ihm auch geglücket, dasz er, nach seinem wunsch, die fremde welt erblicket Triller
poet. betracht. (1750) 2, 280; indessen hat es ihr doch geglücket, dasz sie meinen vater bestricket Kortum
Jobsiade (1799) 1, 158; o freier schütze, dir ist es geglückt, dasz du die büchse hast abgedrückt Fr. Rückert
w. (1867) 1, 59;
die konstruktion ist heute nicht mehr beliebt. —
an die stelle des personellen dativs kann eine persönlich gedachte sache oder eigenschaft treten: idoch glückt es ihm (
dem schiff), dasz es wiederumb herausz kam und in Portugall anlendet Aug. Cassiodorus
regnum Congo (1597) 2, 7; und da die lust dazu (
zur musik) grosz war, so muszte es nothwendig der aufmerksamkeit glücken, dasz wir zusammen eines spielen konnten
Holston u. Augusta (1780) 49. I@6@bb)
ohne dativ '
es gelingt, dasz ..., bzw. zu ..., das glück, der zufall fügt es trotz vorhandener schwierigkeiten günstig, dasz ...'
; nur selten: wenn ... die armen unterthanen klagen wollen, können sie nicht für den herrn kommen, vnd wenn es etwa glücket, dasz einer befehl auszbringet, spottet seiner die ritterschaft hinterwerts Binhardus
thür. chron. (1613) 134; und ob es glükken möcht, dass er in einem streite sich wol und tapfer hielt, und machte frische beute, wie lange wehret das? Rachel
satyr. ged. 48
ndr.; und es glückte, dasz er die feinde abhielt und ihnen hernach entrann brüder Grimm
dt. sagen (1891) 2, 186. I@77)
das vorhaben, das erstrebte ziel oder erwünschte resultat wird durch einen infinitiv mit zu
ausgedrückt; diese heute überwiegende konstruktion läszt sich nicht vor dem späten 17.
jh. nachweisen; als ein vorläufer ist allerdings vielleicht folgende wohl durch konstruktionsmischung entstandene fügung anzusehen: van nyete hait he (
gott) dich gemacht ind na syns selfs gelijchnis volbracht, geyn edelre geschefte mochte dir gelucken van yme zo geven of in zo drucken, (
façon plus noble toi donner ne te pouoit ne emprimer) he hait dich geschaffen schoen ind claer
pilgerfahrt d. träum. mönchs 5975
Meijboom. anders ist folgender infinitiv aufzufassen: ohne degen im finstern auff händel auszugehen, glückt (
geht gut aus, bringt glück) auch nicht allemahl Chr. Reuter
Schelmuffsky 90
ndr. I@7@aa)
überwiegend mit persönlichem dativ: ihr (
der menschen) etlich wil es nicht wol glücken die haut geschwind von der gansz zu zücken
grillenvertreiber (1670) 3, 165; hat mir es, in der that, zu leisten nicht geglücket: so weiss ich, dass zur qual ich aufgehoben bin J. Besser
schr. (1732) 1, 305; uns ruft zwar die natur; doch ist ihr ruf zu schwach, und endlich musz es uns, nach langer arbeit, glücken, die zärtlichkeit in uns hochmüthig zu ersticken
N. D. Giseke
poet. w. 52
Gärtner; dem kaiser Justinian hatte es bereits geglückt, durch den tapfern Belisar ... dem vandalischen reich ... ein ende zu machen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 218; sollte es ihnen glücken, nur einmal diese (
die urschönheit) zu sehen, so ... Herder 17, 157
S.; es glückt ihm nicht nur, seine wünsche erfüllt zu sehen, sondern auch ... auf den beschneiten Brockengipfel zu gelangen Göthe I 41, 1, 338
W.; es ist euch mit eurer gesichtsfarbe geglückt, diesen ungeheuren weg, mitten durch ein in empörung begriffenes mohrenland, zurückzulegen? H. v. Kleist 3, 318
E. Schm.; wenn es mir glückte, in seine spur zu treten Chamisso
w. (1836) 4, 287; manchem glückt es, überall ein idyll zu finden Fontane
ges. w. I 4, 333.
mit abstraktem dativ: der milde glückts vielleicht, sie zu gewinnen Göthe I, 9, 184
W.; in scherzhafter anwendung, wo von einem vorhaben nicht die rede sein kann: es wird unter unsern himmelsstrichen nur verhältnismäszig wenigen glücken, etwa in einem planwagen zur welt zu kommen R. A. Schröder
aus kindheit u. jugend (1935) 7.
mit vorangestelltem infinitiv ohne es: wenig ist nur des wahren, das mir zu ergründen glückte Klopstock
oden 2, 33
M.-P.; betrachtend scharf das fahrzeug, ward ich bleich, noch muszte mir bemerkt zu werden glücken Chamisso
w. (1836) 4, 159.
sonst nur selten: wenigen glückt, was schön, was gut ist, mehren, das grosze wenigsten nur Gregorovius
Euphorion (1858) 25. I@7@bb)
seltener und nicht vor dem 19.
jh. ohne dativ: es hat endlich geglückt, das Göttinger Schach Nameh ms. für sie auszumachen Görres
ges. br. (1858) 2, 227; selbst in Ägypten ist es nicht völlig geglückt, einen verlässigen zeitausdruck für ... zu finden Peschel
völkerkunde (1874) 46; glückte es am Rheine, die auswanderer (
aus Germanien) abzuwehren, so stieszen sie an der Donau gegen die grenzen G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 48. IIII.
intransitiv mit sachlichem subjekt. diese konstruktion ist mit dem beleg des anegenge (
um 1160)
die frühest bezeugte des verbs überhaupt, sie bleibt aber vor 1500
noch äuszerst selten und steht auch im 16.
jh. stark hinter der unpersönlichen zurück; es ist daher sehr zweifelhaft, ob diese konstruktion den ausgang des verbs bildet: von der gothæît was daz vor bisehen swaz vns solde geschehen oder swie wir giraten wolden, daz wir daz dulten solden. daz was michel grozer reht. denn daz div gvte vorbesicht da gelvkket wære
anegenge 12, 47
Hahn. II@11)
mit dativ. II@1@aa)
ein plan, eine unternehmung, ein vorhaben gelingt, führt zum erfolg, erreicht glücklich sein ziel; ein tun ist von glück begleitet, verläuft günstig, überwindet dank günstiger umstände die schwierigkeiten: hette om dieselbige varth gegluckett (15.
jh.)
bei Mone
anzeiger für kunde d. dt. vorzeit 2, 222; und fuoren in Accium, zeversuochen, ob in der meres stryt itt bas gelüken wölte Stainhöwel
de claris mulieribus 266
lit. ver.; so wirt uns unser anschlag nit glücken Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 86
a; demnach die Gallier alle ding versuchten unnd inen keyns glücken wolt Ringmann
Cäsar (1560) 70
a; also glücket in ir rathschlag Herold
Diodorus (1534) 138; sein tuon glükket ym ider zeit Schede Melissus
psalmen 41
ndr.; endlich gelückte dem Deutschen ein heftiger streich des Römers pferd an hals Lohenstein
Arminius (1689) 1, 33
b; glückt' Agamemnon doch so gegen jeden die rache Bürger
w. 214
Bohtz (
Ilias ges. 4,
v. 178); (
wir) haben uns das (
dichten) schon so lange ... erkünstelt, dasz uns freilich jetzt kaum eine freie ausbildung mehr glücken würde Herder 5, 183
S.; ihre gesellschaftlichen speculationen sind ihnen wohl geglückt Göthe I 21, 105
W.; der hofschulze, dem im laufe einer stunde ... jegliches vornehmen geglückt war Immermann 1, 139
Boxberger; wehe der hand, die dich (
die lieblingsbuche) zu schädigen waget; ihr glücke nimmer, in feld und haus, nimmer ein friedliches werk Mörike
w. 1, 78
Maync; vielleicht war es die einzige prophezeiung, die dir glückte (
d. h. die sich als wahr erwies) E. Colerus
Tiberius auf Capri (1927) 129.
öfter wird durch das subst. nicht das vorhaben oder die auf das ziel gerichtete handlung, sondern das als ergebnis erwartete oder bereits erreichte bezeichnet: wenn ihr die schelmerey so glücket Gotter
ged. (1787) 1, 17; dem jungen manne wollte in diesem augenblick weder ein herzliches wort von den lippen noch eine phrase glücken Göthe I 24, 323
W.; gebt ihr ein stück, so gebt es gleich in stücken! solch ein ragout es musz euch glücken
ders. I 14, 11
W.; die genesung dieses mannes ist uns durch den sonderbarsten zufall geglückt
ders. I 23, 288
W. gelegentlich wird glücken
auf organisches bezogen, '
gedeihen': einem neidigen menschen glückt kein baum (
den er pflanzt) H. Watzlik
der alp (1923) 131.
gern treten zu glücken
einschränkende oder steigernde adverbia, auch übel, schlecht: nachdem der erste kampff so übel ihm geglücket A. Gryphius
ged. 538
lit. ver.; (
der) prozesz, sich zu verjüngen, welcher dem rätselhaften grafen Cagliostro, der sage nach, besser geglückt hat Musäus
volksm. (1826) 4, 127; das erste ist mir ziemlich, das letzte ganz geglückt Göthe IV 8, 327
W.; die tanz- und fechtstunden ... wollten nicht zum besten glücken
ders. I 21, 186
W.; doch schlecht ist schlechte list euch hier geglückt Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 6, 105; was ihm jedoch ... weniger glücken konnte Ritter
erdkunde (1822) 3, 625.
neben das logische subjekt tritt gelegentlich es,
besonders wenn jenes nicht durch ein subst., sondern durch ein pron. (
gern mit relativsatz)
ausgedrückt ist: es glückte ihm bald danach ein entscheidender sieg; es glückt mir alles, was ich nur angreife Göthe III 1, 115
W.; auch im plural: und es glücken der heilenden kriegskunst nie der vernünftigen stunden genug Klopstock
oden 2, 93
M.-P. II@1@bb)
gern von kunstfertigkeit, von künstlerischen und wissenschaftlichen leistungen: weil dir nit gleich gerath vnd glückt dein allererstes meisterstück Fischart 2, 41
Hauffen; du pflegst mir allezeit die trägheit auf zu rüken, weil dir in kurzer zeit so lange lieder glücken J. Grob
epigramme 143
lit. ver.; mit mehrerm entzücken, als je ein maler fühlt, wenn ihm ein schönes gemälde geglückt ist A. G. Meissner
skizzen (1778) 2, 76; Nikandern glückte jüngst ein trefflich epigramm, so fein, so scharf, als je von Kästnern eines kam Lessing 1, 4
M.; überhaupt aber ist diese gattung den französischen dichtern minder als die meisten andern geglückt Eschenburg
entwurf e. theorie (1783) 72; von so zarten miniaturen, wie der schönen hand sie glücken Göthe I 4, 38
W.; freiheiten, welche ich mir mit den begebenheiten herausnahm, wird der Hamburger dramaturgist entschuldigen, wenn sie mir geglückt sind Schiller 3, 5
G.; psychologie war das feld, wo ihm die zerlegung der begriffe am meisten glückte Herder 15, 52
S. II@1@cc)
in freierer verwendung, z. t. dem begriff '
zuteil werden'
nahe kommend (
vgl. auch 4): so wenn den sterblichen der freudenanfang glückt, musz offt das ende nichts als schwere thränen bringen J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 77; Oesterreich vergalt die müh der erhabenen poesie, als dem Celtes kränze glückten Gottsched
n. ged. (1750) 50; o solche lust mag doch nicht blumen glücken, wie heisz sie auch in liebesodem glimmen Fr. Rückert
w. (1867) 3, 183; weib, der erde verschworen, und mann, die stufen fügend hinan in göttlich fernes: so glücke grosz dem zwiespalt die mitte, dauernd das unsre, der mensch! J. Weinheber
späte krone (1936) 48. II@22) II@2@aa)
viel weniger häufig ist die konstruktion ohne dativ, durch die der gesichtspunkt der persönlichen einwirkung stärker zugunsten der schicksalsfügung zurückgedrängt wird: das es also gehet ynn der gantzen welt, was wir nicht mit gott anfahen, das das mus zerfallen und wird nicht glücken Luther 19, 302
W.; sein anschlag gar nit wolt gelücken H. Sachs 2, 315
K.; wie hat das wäidwerck wol gelückt J. Ayrer
dramen 4, 2281
lit. ver.; frisch auszgezückt, ist halb geglückt Eyering
proverb. copia (1601) 2, 633; glückte der entwurf, so gewann er unendlich Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 258; diese erfahrung glückt bei bedecktem himmel Göthe II 1, 25
W.; ich habe mich höchlich gefreut, ein so bedeutendes über zwanzigjähriges unternehmen endlich noch glücken zu sehen
ders. IV 20, 347
W.; durch rasche that nur kann er (
ein solcher schritt) glücken Schiller 12, 225
G.; dergleichen kleinliche machinationen glücken wohl eine kurze zeit
briefe von u. an Herwegh (1896) 138; es wollte auch innerhalb Deutschlands gar nichts von den bewegungen der untern stände glücken Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 169; erst in unsern tagen ist die herstellung von 998 bis 999 tausendteile feinem ... reinem silber ... geglückt Luschin v. Ebengreuth
münzkde u. geldgesch. (1904) 33; man kann nie sagen, ob so ein abenteuer glückt P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 37.
mit präpositionalem zu
in der bedeutung '
gedeihen, gelangen zu': voll röselein hänget der kirschbaum; neune gehören dem wind, das zehente glücket zur frucht nur Mörike
w. 21, 375
Maync. II@2@bb)
gern wird das partizip geglückt
attributiv gebraucht; dabei bleibt z. t. enger anschlusz an das finite verb: noch nicht ganz geglückter versuch, die streifen im spectrum zu finden Göthe III 6, 79
W.; sie ... nehmen theil (
anteil) an diesem geglückten unternehmein (
dem waiseninstitut, das 50
jahre besteht)
ders. IV 42, 34
W.; (
die) stelle, wo der ... bannerherr über der geglückten rettung des banners gefallen G. Keller
ges. w. (1889) 6, 407.
daneben entwickelt sich ein rein adjektivischer gebrauch, der sich über die bedeutung '
gut gelungen'
zu der auch von gelungen (
s. teil 4, 1, 2, 3035 e)
erreichten bedeutung '
gut, vollkommen, den (
höchsten)
anforderungen entsprechend' (
vgl. auch oben II 1 b)
entwickelt: im geglückteren griff (
auf einer leier, bildlich) v. Hippel
s. w. (1828) 7, 303; der dichter (
des j. Titurel) wiederholt selbst seine eigenen gedanken, wo sie ihm einmal geglückt scheinen Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 43; (
die engel werden angeredet) frühe geglückte, ihr verwöhnte der schöpfung, höhenzüge, morgenrötliche grate aller erschaffung R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 3, 264. II@33)
mit oder ohne dativ hat glücken,
besonders in älterer sprache, öfter die bedeutung '
glück bringen, zum guten ausschlagen, förderlich sein' (
vgl. I 3): das berckwerk thut mir wol gelücken H. Sachs 1, 439
K.; hauszartzney glückt offt am besten Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, H h 6
b; die verschlagenheit glückt nicht allezeit Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 125; vor diesem glückete mir meines vaters salzbixle auff meinem tisch J. B. Schupp
schr. (1663) 734; verdienste mangeln ihm; der stolz hat ihm geglückt J. Fr. Löwen
schr. (1765) 1, 42; noch immer scheint der vorsatz wohl erwogen, dasz wir, in diesz gelegene thal, das ganze heer gedrängt zurückgezogen; ich hoffe fest, uns glückt die wahl Göthe I 15, 1, 259
W.; die kriecherische klugheit mag lange zeit glücken, aber wird das grosze nie gewinnen H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 100. II@44)
vereinzelt steht glücken,
z. t. wortspielend, z. t. wohl unter einflusz von gelingen (
s. teil 4, 1, 2, 3034, 3 a),
mit glück
oder schanz (
glücksfall)
als subjekt: das Pfriemers kopff der beste sey, weil ihm die letzte schantz gelückt, das er die kindlein so berückt
M. Hayneccius
Hans Pfriem 80
ndr.; sie sind ja zwar getreu, so lang das glükk wil glükken, kehrt sich es aber um und zeiget uns den rükken, so gehn sie auch mit durch Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 209.
mit volksetymologischer anspielung auf glucke: daher haben sie es glück genennet, das offt einem glücke oder zufalle, wie einer blinden henne J. Mathesius
Sarepta (1571) 197
a. IIIIII.
vorzugsweise auf alemannischem, besonders schweizerischem boden erscheint glücken
mit sachlichem wie mit unpersönlichem subjekt auch reflexiv, stets ohne dativ, aber auch ohne infinitiv. die belege reichen vom 14.
bis ins 18.
jh.; die bedeutung entspricht der entsprechenden nichtreflexiven. III@aa)
mit sachlichem subjekt: als gelukt sich alle sein sach sicherlich daz im daz lant Persla ward undertenig sa
der grosze Alexander 2753
Guth; ich mein, min sach wel sich glücken
bei Mone
schausp. d. mittelalters 2, 381; sich hat die sach also gelucket, dasz got kunic Sigmund hat erkucket und liesz in uns geboren werden, dasz er mach ainikait auf erden (1418)
bei Liliencron
hist. volksl. 1, 230
b; in hoffnung die kunftig ee solte sich mit gottes gnad desto besser glücken Stumpf
Schweizer chron. (1606) 78
a; die sach glücket sich, es gehet glücklich
res negotium feliciter, prospere succedit, belle cadit Dentzler (1716) 137
b. III@bb)
mit es
als subjekt: es hAvt sich nit gelücket disen wege, darumb gangen wir ainen andern
N. v. Wyle
transl. 44
Keller; (
ich) lasz nit ab, bisz es sich glickht und also schickht, dasz ich mein tag verstreckhen mag mit dir allein
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 32
Kopp; darumb ich mein, es werd sich glücken (1488)
bei Liliencron
hist. volksl. 2, 237; es will sich nit gelücken mehr Spreng
Ilias (1610) 148
b.
weitere belege s. Staub-Tobler 2, 623;
so noch heute mundartlich, s. ebda und Tschumpert
Bündner id. 609. IVIV.
vereinzelt begegnet mhd. und frühnhd. (
besonders in Bayern und Böhmen)
persönliche intransitive konstruktion '
glück haben, zu erfolg gelangen, vom glück begünstigt sein',
auch ironisch bzw. neutral '
ein geschick haben': unser (
der verstümmelten) keiner mac verwîzen dem andern niht umb ein hâr: wir sîn gelîch gelücket gar (
wir sind vom gleichen geschick, d. h. unglück betroffen). jâ wie frœlich unser wîp sehen, sô wir bestümelten lîp heim ze den schœnen brengen! Ulrich von Eschenbach
Alexander 15596
Toischer; der valk hub sich von dannen und uberkam den arn ... dem arn mocht nicht gelingen, wie wol er auf der erde haide het gelücket
der minnefalkner v. 115
Schmeller; einen man, der in seinen tagen nicht wirt gelücken (
qui non prosperabitur)
Wenzelbibel, Jer. 22, 30
bei Jelinek
mhd. wb. 278; daher werden wir nach Aristotelis meinung wol geglücket und wolgeborn genennt
M. Pegius
geburtsstundenbuch (1570) X x
a. VV.
alemannisch, vor allem schweizerisch begegnet transitive konstruktion mit persönlichem subjekt, '
glück verleihen, gelingen lassen, fördern'.
das subjekt ist stets gott;
die literarischen belege gehen bis ins späte 18.
jh.; mundartlich z. t. noch heute üblich. V@11)
selten mit persönlichem objekt: die gott mit sölichen fürgängen (
erfolgen) well glücken (1476) Staub-Tobler 2, 623; glücken
prospero, secundo, das ist glücklich machen Calepinus
XI ling. (1598) 1178
b;
vgl. auch 1319
a; glücken, glücklich machen
aliquem beare, fortunare, prosperare, beatum facere Aler
dict. (1727) 1, 959
a. V@22)
mit sachlichem oder unpersönlichem objekt: der herr hätte dein reich glücket über Israel für und für
Züricher bibel (1531)
1. Sam. 13, 13;
vgl. ebda 1. Mos. 24, 40; ir solt mich nit aufhalten; dann der herr hat mein weg geglückt Eck
bibel (1558) 1.
Mos. 24, 56; glücken, glückhaftig machen, ein guten auszgang oder ausztrag gäben
fortunare, prosperare, secundare Maaler (1561) 186
c; so wil ich (
gott) auch Agars sohn reichlich begaben zu aller frist, auch glücken all seine sachen H. Haberer
Abraham (1592) f 4
b; glücken, glück darzu geben ...
aliquid fortunare, prosperare; aliquid feliciter vertere Aler
dict. (1727) 1, 958
a; die unsern züchent harheim, gott wöll es glücken
abschied (1530)
bei Staub-Tobler 2, 623.
auch mit persönlichem dativ: gott wöll vns glücken sin guot jar Jac. Ruof
Tellenspiel 127
Bächtold; disen glücket gott ir fürnemen Wurstisen (1765)
bei Staub-Tobler 2, 623;
vgl. auch Tschumpert
Bündner id. 609. V@33)
mit fortlassung des unbestimmten objekts es: ein bapst ist erwelt, dem gott glücke H. Keller (1545-50) bei Staub-Tobler 2, 623.