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Gegenwart

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GWB
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Eintrag · Goethe-Wörterbuch

Gegenwart

Bd. 3, Sp. 1259
Gegenwartvereinzelt -th; rund 1700 Belege, davon etwa 250 in der temporalen Bed B (im individuellen Reflex auf den sich auch allgemein erst ab 1750 durchsetzenden zeitl Gebrauch), iUz Adjektiv mit seinen überwiegend zeitl Bezügen (sd)1); einmal pl ‘G-en’. Weiter Bedeutungsumfang u prägnante Verwendung vornehml in A, in früher Ausprägung u im Beharren auf einem ‘Eros der Nähe’, kennzeichnend für die partiell emphatische, wesenerschließende u wesenergreifende Qualität des Begriffs, in der leibhaften, sinnlichen Präsenz von Personen ebenso wie in der von Gegenständen der Natur u der Kunst. Deren Distinktion, Nähe, Wirklichkeit, Unmittelbarkeit, Ausstrahlung werden bezeichnet, wobei Erfahrungen der Reise nach Ital diesen Prozeß wachsenden Vertrauens in die Dignität der Erscheinungswelt klären helfen. Ergebnis ist eine Sicht, die der ‘Physis’, dem Wirkend-Realen des Seienden wie dem Sich-selbst-zur-Erscheinung-Bringen des Kunstwerks höchsten Rang zumißt, in persönl Aussagen erst spät durchbrochen in einzelnen Bekundungen, die dem Gegenpol, dem Abwesenden, Fernen (der Imagination, dem Ideellen) Priorität einräumen2). — Übertragen auf die zeitl Dimension meint das: Zentrierung auf das Heute als Quelle der Daseinsgewißheit, als Schauplatz menschl Verhaltens u Handelns, Verwurzelung in der hist Epoche (wobei Gegenwart sich für G auch konstituiert als Verschränkung der Zeiten, als Vergegenwärtigung des Vergangenen u Antizipation des Zukünftigen) wie, im Bereich der Kunst, Überführung des Jetzt in ein seinem Wesen nach Bleibendes.  A als umfassender Begriff sinnlich-geistiger Präsenz   1 die physische od, vereinzelt, geistige Gegenwärtigkeit von jdm, etw; sehr oft in der präpositionalen Fügung ‘in (der) G. (von jdm)’, vereinzelt ‘bei (der) G.’   a die Anwesenheit eines (bedeutenden, dominanten) Menschen in Person od in effigie, seltener eines Numinosen, eines sinnl Gegebenen bei jdm, an einem best Ort (als Teil gesellschaftl Lebens, sozialer Beziehungen); auch hyperbol-personifiziert  α als wirkungsmächtiges, wohltätiges, inspiratives Ereignis, bedeutungshafte Gegebenheit (in Spiegelung der Persönlichkeit, im Impuls von Geben u Nehmen, beim Gegenüber von Mensch zu Mensch), mit Charakterisierungen wie ‘erwünscht, willkommen, unterrichtend, lieb, lebendig, teuer, unschätzbar’; auch ‘bildliche G.’  [Jarno zu Wilh:] Lernen Sie .. einsehen .. wie er [Lothario] immer im Fortschreiten ist, wie er sich ausbreitet und jeden mit fortreißt. Er führt, wo er auch sei, eine Welt mit sich, seine G. belebt und feuert an GWB23,218,24 Lj VIII 5  zutraulich, schonend, segnend, erhebend, anders konnte man sich seine [Lavaters] G. nicht denken GWB29,103,19 DuW 18  [Prometh zu Epimeth:] Ein Brand in deinen Wäldern, deinen Wohnungen | Scheint aufzuflammen. Eile! G. des Herrn | Mehrt jedes Gute, steuert möglichem Verlust GWBPand 823  [mBez auf den Leichenzug Ottilies] niemand wollte vorausgehen, niemand folgen, jedermann sie umgeben, jedermann noch zum letztenmale ihre G. genießen GWB20,409,3 Wv II 18  Der Recktor bringt eine Serenade, das Volck jauchzt über seines Landesherrn [Carl Augusts] G., und alle alte Übel werden .. in unzähligen Supplicken lebendig GWBB4,297,7 ChStein 21. [9.80]  die Sonne .. die .. unserm Fest [Lilis 17, Geburtstag] ihre frohe glänzende G. versprach GWB29,50,7 DuW 17 GWBB41,115,24 Zelter 5.8.26 GWBIph2 1024 ~ GWB39,361,1 Iph1 III 1 GWB8,203,20 Egm II GWBB5,308,28 ChStein 12.4.[82] in (wertender) Gegenüberstellung zu ‘Abschied, Abwesenheit’, zur ‘Wirkung in die Ferne’ uä; ‘in G.’ auch iSv anwesend (iGz ‘abwesend’)  [Tasso zu Antonio:] Sie [Mitglieder des Hofes von Ferrara] gehn hinweg .. Dort fahren sie, | .. Ich will ja gehn! Laßt mich nur Abschied nehmen, | Nur Abschied nehmen! Gebt, o gebt mir nur | Auf einen Augenblick die G. | Zurück! Vielleicht genes’ ich wieder Tasso 3397  [Antonio zu Tasso:] Ein Tag der Gunst ist wie ein Tag der Ernte: | Man muß geschäftig sein sobald sie reift. | Entfernst du dich [vom Hof], so wirst du nichts gewinnen, | Vielleicht verlieren was du schon gewannst. | Die G. ist eine mächt’ge Göttin; | Lern’ ihren Einfluß kennen, bleibe hier! Tasso 2613  [mBez auf eine Büste Jacobis] So ein Kunstwerck wenn auch die G. [des Porträtierten] und der ganz delikate Kunstsinn manches daran vermisst, bleibt doch für den Abwesenden sehr viel werth GWBB6,387,24 Jacobi 12.11.84  Die Freundinnen, sagte er [G], theilen sich in 2 Classen, solche die actio in distans haben, und solche die nur durch G. etwas sind. Mit jenen unterhalte ich mich oft lange im Geiste, diese sind mir rein Nichts, wenn ich sie nicht vor mir sehe Gespr Kanzl Müller 25.9.23 GWBPand 781 GWB33,222,9 Camp  β im Anklang an Vorstellungen von Parusie u Epiphanie, auch in panegyrischem Zshg  erscheint jene [Helena] im höchsten Glanze .. was sie verbrach, wird durch ihre G. ausgelöscht GWB48,108,17 Polygnot  aber doch ist nichts wie eine Göttererscheinung über mich herabgestiegen, hat mein Herz und Sinn mit warmer heiliger G. durch und durch belebt, als das wie Gedanck und Empfindung den Ausdruck bildet3) GWBB2,18,5 Herder [etwa 10.7.72 Korr DjG32,256,21]  Gegenwart. Alles kündet dich an! | Erscheinet die herrliche Sonne, | Folgst du, so hoff’ ich es, bald. | Trittst du im Garten hervor, | So bist du die Rose der Rosen, | Lilie der Lilien zugleich .. GWB1,59 Titel  Doch jenem hochverehrten Lichte [dem Polarlicht] | Raubt deine [der regierenden Hzgin] G. die Pracht GWB16,190 Maskenz 30.1.81 Vs 22  [mBez auf winterl Tafelschmuck] Und wie Höchstderoselben gnädig freundliche G. dem böhmischen Winter Blumen zu erschaffen wußte; also möge dieselbige Sonne ferner immerfort meinen Winter mit wohlthätiger Einwirckung beleben! GWBB36,312,19 Maria Paulowna 16.2.[23]  Ew. Königlichen Majestät heilbringende G. [Besuch des Königs in Weim am 28./29.8.27] GWBB44,123,7 Ludw I vBayern 27.5.28 K GWB40,266,1 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] GWB53,370,2 Faust II Plp GWBB26,55,13 Metternich 4.8.15 K  γ als Moment der Irritation, Verstörung, des Zwangs, mit Charakterisierungen wie ‘unerträglich, unbequem, unangenehm, störend’; auch als geahnte od bewußt angesprochene Präsenz des Teufels  [Ottilie:] Ein seltsam unglücklicher Mensch, und wenn er auch schuldlos wäre, ist auf eine fürchterliche Weise gezeichnet. Seine G. erregt in allen die ihn sehen, die ihn gewahr werden, eine Art von Entsetzen GWB20,375,15 Wv II 15  [Harfner zu Wilh:] Sie wissen nicht, wen Sie in Ihrer Nähe hegen. Ich bin schuldig, aber unglücklicher als schuldig. Meine G. verscheucht das Glück, und die gute That wird ohnmächtig, wenn ich dazu trete GWB22,12,5 Lj IV 1  [Gretchen zu Faust:] Der Mensch, den du da bei dir hast [Meph], | Ist mir in tiefer innrer Seele verhaßt; | .. Seine G. bewegt mir das Blut. | .. Und seine G. schnürt mir das Innre zu GWBFaust I 3477u3493  [Lila zu den Gefangenen:] Eure G. ängstigt mich, eure Liebe! GWB12,72,23 Lila III GWB28,68,18 DuW 11 GWBFaust I TrübTag 12 GWB22,121,6 Lj IV 19 GWB44,338,20 CellAnh X  δ als einfaches, zufälliges, passives Zugegensein, auch mit Hervorhebung der persönl Wirkung, Ausstrahlung; mehrf ‘bloße G.’, auch ‘neueste G.’, einmal ‘in der G.’ iSv vor Ort  Schon als stummes Kind mußte er [Serlo] durch seine bloße G. die Zuschauer rühren GWB22,112,8 Lj IV 18  [Tasso zu Leonore:] Hat er [der Fürst] von seinem Staate je ein Wort, | Ein ernstes Wort mit mir gesprochen? Kam | Ein eigner Fall, worüber er sogar | In meiner G. mit seiner Schwester, | Mit andern sich berieth, mich fragt’ er nie Tasso 2370  Wie gern werde ich im Herbst einige Zeit mit Ihnen in Ilmenau zubringen, wenn gleich meine G. nur etwas an der Form supplirt GWBB10,95,16 Voigt 10.7.93  Auch kann eine Seele auf die andere durch bloße stille G. entschieden einwirken .. Es ist möglich .. daß wenn ein junges Mädchen in einem dunkelen Zimmer sich, ohne es zu wissen, mit einem Manne befände, der die Absicht hätte sie zu ermorden, sie von seiner ihr unbewußten G. ein unheimliches Gefühl hätte Gespr Eckerm 7.10.27 GWBB36,26,9 Rochlitz 22.4.22 GWB21,306,11 Lj III 10 GWB21,134,7 Lj II 2 GWB31,42,6 ItR in Reflexion auf die Subjekt-/Objektdichotomie  [von Nose] wird .. die Anmaßlichkeit derer abgelehnt, welche verlangen, daß man dasjenige worüber man urtheilen wolle, selbst müsse gesehen haben. Diese bedenken nicht, daß sie doch immer dem Object als Subject, als Individuum entgegen stehen und trotz ihrer G. nur mit ihren eigenen Augen und nicht mit dem allgemeinen menschlichen Blick, die Gegenstände sowohl, als den besonderen Zustand beschauen GWBN9,194,18 Üb:KWNose  ε als jur relevantes Faktum  übergebe der Richter ihn [den Büßenden] dem Beichtvater, dieser vermahne ihn in G. zweier Zeugen A1,117,12 Votum 14.12.80 GWB11,70,25 Clav II DjG32,245,5 RAnw [3.2.72]   b der längere Aufenthalt, die (temporäre) Niederlassung, das Ausharren an einem Ort, häufig in Artikulierung des inspirierenden Einflusses, der Resonanz, Aufnahmebereitschaft, des wechselseitigen Verstehens, der Anteilnahme an den jeweiligen Interessen, Zielen u Produktionen, selten in Hervorhebung negativer Faktoren, Auswirkungen  Alexander von Humboldts Einwirkungen verlangen besonders behandelt zu werden. Seine G. in Jena fördert die vergleichende Anatomie GWB35,46,2 TuJ  Lassen Sie uns nur im herannahenden Frühjahr nicht umsonst auf Ihre G. hoffen GWBB45,208,7 Rauch 23.3.29 K  Lips ist angekommen, seine G. wird viel gutes und erwünschtes stiften. Wir arbeiten uns nun sachte zusammen ein GWBB9,163,13 CarlAug 20.11.89  Die G. dieses vortrefflichen Mannes [ChGore] ist unter die bedeutenden Vortheile zu rechnen, welche diese Stadt [Weim] in den letzten Jahren genossen GWB46,337,10 HackertNachtr  [G vor dem Aufbruch nach Weim] sie [Mlle Delph] .. brachte künstlich genug die Argumente der G. alle vor GWB29,192,11 DuW 20  [Laertes zu Philine:] hier stand vor kurzem noch ein schönes Lager .. nun ist alles auf einmal verschwunden .. und die G. so vieler tausend rüstiger Menschen in dieser Gegend wird nur noch in den Köpfen einiger alten Leute spuken GWB22,3,15 Lj IV 1 A1,76,12 Ausarbeitg übSteuereinziehg [11.6./3.7.79] GWB26,135,21 DuW 3 GWBB33,173,10 Schultz 27.8.20 GWBB23,379,6 Christiane 26.6.13   c der unmittelbare Kontakt, Umgang mit jdm, auch in positiver bzw negativer Abhebung von vermittelteren Formen der Kommunikation  α die persönl Begegnung, Aussprache, das gesellige Beisammensein  [Werner rät Wilh zur Reise:] man wird leichter mit den Leuten fertig, als man denkt. Ich halte sehr viel auf die G., man kommt viel schneller mit seinen Schuldnern aus einander GWB51,184,1 ThS II 8  Tischbein lebte so lange hier [in Rom] als mein herzlicher Freund .. unser Verhältniß ist alt durch Briefe, neu durch G. GWB30,210,19 ItR  Es thut mir recht leid, daß ich Voß nicht sehe; gute persönliche Verhältnisse sollte man ja nicht versäumen von Zeit zu Zeit durch die G. wieder zu erneuern GWBB11,98,22 Schiller 18.6.96  Bescheidenheit gehört eigentlich nur für persönliche G. In guter Gesellschaft ist es billig, daß niemand vorlaut werde GWB40,363,27 Üb:BildnisseGelehrtenBln  [Tasso zu Leonore:] Du glaubst, ich soll hinweg; ich glaub’ es selbst - | .. [Leonore:] Auch in der Ferne zeigt sich alles reiner, | Was in der G. uns nur verwirrt Tasso 2403  Es kommt nicht darauf an, daß die Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen. Die G. hat etwas beengendes, beschränkendes, oft verletzendes, die Abwesenheit hingegen macht frey, unbefangen, weißt jeden auf sich selbst zurück Gespr Kanzl Müller 24.4.30 GWB18,243,10 Märchen GWBB38,185,21 Reinhard 5.7.24 GWBB23,175,1 Eskeles [26.11.12] K Tasso 2602 GWBB32,237,1 Reinhard 12.4.20 GWB20,109,13 Wv I 10 idVbdg ‘in (der) G.’ iSv unter vier Augen (auch iGz ‘in effigie’)  [iZshg mit einer Anfrage Carl Augusts über Probleme der Farbenlehre] Soviel wüßte schwarz auf weiß von dieser Angelegenheit vorzutragen .. würde, wenn noch eine Dunkelheit übrig bleiben sollte, dieselbige nur in G. mündlich beseitigen können GWBB39,250,7 CarlAug 15.7.25 K GWBB24,121,13 ChStein 23.1.14  β iSv Besuch (in jds Haus)  Ihro Maj. der König von Württemberg beehren mich in Begleitung unserer jungen Herrschaften mit Ihro G. GWB36,180,28 TuJ  erbitte mir die Ehre Ihrer G. morgen GWBB50,52,15 Riemer 22.6.[24] GWBB3,244,2 Einsiedel [Anf Sept 78] GWBB6,130,18 Fritsch [Feb 83] GWBB32,236,27 Reinhard 12.4.20 GWBB36,286,10 Froriep [27.?1.23] K  γ jds Gesellschaft, sowohl für die okkasionelle Aufwartung, Begleitung, Unterhaltung als auch für die längerfristige, stabile Gemeinschaft, den längerwährenden gesellschaftl Verkehr; in der Zauberwelt des ‘Märchens’ idVbdg ‘vor jdm in getrennter G. leben’ zur Bezeichnung versch Ebenen; mehrf ‘in persönlicher G.’  Mögen Ew. Hochwohlgeb. uns heute Mittag Ihre G. schencken? GWBB30,84,11 Gerning 30.1.05  bitte mir .. morgen Mittag uns das Vergnügen Ihrer G. zu gönnen GWBB43,170,3 Meyer [14.?11.27] K  In Hoffnung mich Ihro G. bald zu erfreuen GWBB27,15,7 CarlAug 11.5.16  ich fand mich dadurch [beim Lesen des Familienbriefes] oft unter Ihnen .. und wiederholte das Erfreuliche was mir drey Sommer in Ihrer G. und Umgebung zu Theil geworden GWBB39,101,10 ALevetzow 3.2.25  Freund Meyer, der seit 1792 .. als Haus- und Tischgenosse, mich durch belehrende, unterrichtende, berathende G. erfreute, verließ mein Haus GWB35,144,8 TuJ GWB18,253,6 Märchen GWBB34,102,4 Blumenbach 15.1.21 GWBB9,255,14 Knebel 31.3.91 ‘in, an jds G.’ zur Bezeichnung eines Einflusses  [Wilh:] mich dünkt der Sohn entwickele sich nirgends besser als in G. des Vaters GWB24,215,8 Wj I 11 GWBB46,84,10 Münchhsn 23.9.29 K GWB20,287,9 Wv II 7   d die Teilnahme an einem Geschehen, die tätige Mitwirkung an einer Arbeit, einem Unternehmen uä, der Beistand in einer prekären Lage, mehrf ‘außer, ohne (jds) G.’ iSv in Abwesenheit; auch ‘G. bei etw’  Achill rüstet sich .. Durch die G. Achills war das Treffen völlig ungleich, durch Einwirkung der Götter schwankt es wieder GWB411,314,3 Ilias Ausz 20  [G leidet an einer Erkältung] Hier war die G. des heldenmüthigen Arztes [Hofarzt Rehbein] höchst erwünscht und tröstlich GWBB29,276,19 August uOttilie 4.9.18 K  [mBez auf den desolaten Zustand der Büttnerschen Bibliothek nach dessen Tod] Wie nöthig in solchem Falle eine persönlich entscheidende G. sei, überzeugt man sich leicht GWB35,132,2 TuJ  seine [des jugendl Dietrich] G. sagte mir zu, da ein offner freier Charakter aus Wesen und Thun hervorleuchtete GWBN6,106,5 BotanStudien [1831] GWBB40,151,14 AVoigt [4.12.25] K GWB40,267,26 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] GWBB34,256,17 Boisserée 24.5.21 GWBB42,351,23 CarlAug [28.4.27] K GWBB9,11,8 Voigt 16.8.88   e die spürbare Nähe, das innige, vertraute Miteinander; mehrf in der Dialektik von Nähe u Ferne (bes in Altersreflexionen), auch personifiziert  α als Bedingung, wesentliches Moment von Liebe u Freundschaft  Alle Liebe bezieht sich auf G.; was mir in der G. angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den Wunsch des erneuerten Gegenwärtigseins immerfort erregt .. das eigentlich lieben wir, und hieraus folgt, daß wir alles lieben können, was zu unserer G. gelangen kann; ja, um das Letzte auszusprechen: die Liebe des Göttlichen strebt immer darnach, sich das Höchste zu vergegenwärtigen. Ganz nahe daran steht die Neigung, aus der nicht selten Liebe sich entwickelt. Sie bezieht sich auf ein reines Verhältniß, das in allem der Liebe gleicht, nur nicht in der nothwendigen Forderung einer fortgesetzten G. GWB422,163,16f u 164,2u9 MuR(388u389)  [Hzg:] Der Liebe Sehnsucht fordert G.; | Doch Zukunft ist des Vaters Eigenthum GWBNatT 1307  Glücklich, den ein leerer Traum beschäftigt, | Glücklich, dem die Ahnung eitel wär’! | Jede G. und jeder Blick bekräftigt | Traum und Ahnung leider uns noch mehr GWB4,97 Warum gabst du uns 23  Er [Eduard] findet sich in seinem eigenen Hause nicht mehr. Ottiliens G. verschlingt ihm alles: er ist ganz in ihr versunken; keine andre Betrachtung steigt vor ihm auf, kein Gewissen spricht ihm zu; alles was in seiner Natur gebändigt war bricht los, sein ganzes Wesen strömt gegen Ottilien GWB20,143,4 Wv I 13  Dem Frieden Gottes .. | Vergleich’ ich wohl der Liebe heitern Frieden | In G. des allgeliebten Wesens; | Da ruht das Herz und nichts vermag zu stören | Den tiefsten Sinn, den Sinn ihr zu gehören GWB3,23 TrilogLeid Eleg 76  Sie [Lotte] ist mir heilig. Alle Begier schweigt in ihrer G. AA43,10 Werth I GWB422,164,17 MuR(390) GWB21,110,18 Lj I 17 ~ GWB51,91,9 ThS I 23 GWBB4,275,24 Branconi 28.8.80 GWB3,384 Äolsharfen Var nach 34 mehrf in Br an Frau von Stein, einmal (aus Ital) in relativierender Gewichtung  Die Gegenwart im Augenblike des Bedürfnisses entscheidet alles, lindert alles, kräfftiget alles. Der Abwesende kommt mit seiner Sprüzze wenn das Feuer nieder ist GWBB3,70,25 Ch Stein 24.5.76  Es ist und bleibt G. alles! - Was hilft mich’s dass Sie in der Welt sind, dass Sie an mich dencken. Sie fehlen mir an allen Ecken, ich schleiche meinen Tag herum und es ist mir eben weh bey der Sache GWBB3,83,20 ChStein 2.7.76  Ich zähle die Stunden bis Donnerstags Abends, nicht mit Ungeduld .. sondern mit der stille der gewissen Liebe und des festen Zutrauens daß ich nicht von Ihnen entfernt bin und daß mich zur gesezten Stunde die G. meines Glückes empfangen wird als wenn ichs nie verlassen hätte GWBB5,78,15 ChStein 11.3.[81] GWBB3,77,7 ChStein 22.6.76 GWBB6,302,9 ChStein 17.6.84 GWBB8,23,11 ChStein 18.9.86  β gelegentlich als Moment der Beunruhigung, Verstörung, den Blick einengende, destruktive Macht  [Weisl mBez auf Götz:] Wohin ist der Hass gegen diesen Mann? .. Solang ich fern war konnt ich Anschläge machen. Seine G. bändigt mich, fesselt mich GWB39,27,14 Götz1 I  [nach Zelters Abreise] Die G. hat wirklich etwas Absurdes; man meint das wär’ es nun, man sehe, man fühle sich, darauf ruht man; was aber aus solchen Augenblicken zu gewinnen sey, darüber kommt man nicht zur Besinnung. Wir wollen uns hierüber so ausdrücken: der Abwesende ist eine ideale Person; die Gegenwärtigen kommen sich einander ganz trivial vor GWBB46,110,1 Zelter 19.10.29 GWBB46,127,8 Zelter 1.11.29 GWB28,81,18 DuW 11 uö(selten)   f für die Wirkungsmächtigkeit des aktualiter erlebten Bühnengeschehens, bes in Reflexion auf Gattungsspezifika des Dramatischen, meist ‘sinnliche G.’; einmal mBez auf das Theatralisch-Szenische im alltägl Gebaren der Italiener  [Wilh zu Philine:] Haben Sie bemerkt, wie richtig der dramatische Ausdruck seiner [des Harfners] Romanzen war? .. man sollte die Aufführung mancher [Theater-] Stücke eher für eine Erzählung halten und diesen musikalischen Erzählungen eine sinnliche G. zuschreiben GWB21,208,17 Lj II 11 ~ GWB52,67,27 ThS IV 13  er [der Schauspieler] kann viel lebhaftere Wirkungen [als der Rhapsode in seiner Erzählerfunktion] wagen, weil bei sinnlicher G. auch sogar der stärkere Eindruck durch einen schwächern vertilgt werden kann GWB412,223,27 Epische u dramat Dichtg  ich kann wohl sagen, daß ich es mit Rührung vernehme, wenn ich höre, daß die Mitschuldigen, die ich vor beynahe 40 Jahren in Leipzig schrieb .. in sinnlicher G. auf ein größeres Publicum wirksam gewesen GWBB19,380,27 Rochlitz 27.7.07 GWB342, 225,14 VorbereitgItal 1795/96 GWB47,300,38 ÜbDilettantism Schema 1799 [G/Schiller] GWBB22,163,12 Rochlitz 11.9.11   2 für die sinnl-geistige Aura, die Sphäre, den Bannkreis, die nähere Umgebung (eines geliebten, geschätzten Menschen), den vertrauten Gesichtskreis, (sozialen) Umkreis, auch: eine best Gruppe von Personen (im Anklang an ältere Begrifflichkeit)4)  [Stella:] Wie ganz füllt das unser Herz, wenn wir, beleidigt, den Gegenstand unsrer Liebe zu verlassen bei uns sehr eifrig festsetzen; mit welchen Verzerrungen von Seelenstärke treten wir wieder in seine G.! GWB11,148,1 Stella II  [Eduard zu Charlotte:] Wenn wir nur etwas das uns Sorge macht aus unserer G. verbannen können, da glauben wir schon, nun sei es abgethan GWB20,19,3 Wv I 2  [Ottilie an die Freunde:] Duldet mich in eurer G., erfreut mich durch eure Liebe, belehrt mich durch eure Unterhaltung! aber mein Innres überlaßt mir selbst GWB20,395,2 Wv II 17  Schaffen Sie [Boisserée] sich .. eine hohle Glaskugel .. Diese Kugel entfernen Sie nicht aus Ihrer G. GWBN51,437, 18 Regenbog  [iZshg mit G-s Ernennung zum Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Wiss] Meiner, an einem solchen Tage, in solcher G., unter solchen Umständen gedacht zu wissen würde mich beschämen, wenn .. GWBB42,205,7 Uwarow [3.6.27] GWB35,105,12 TuJ GWB40,269,27 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] GWBB43,43,22 Begas [1.9.27]   3 die Wirklichkeit, die physische u geistige Umwelt als Gesamtheit od Qualität des anschaulich Gegebenen u Begegnenden   a für das unmittelbar vor Augen Liegende, sinnlich Gegebene, Greifbare, das deutlich Erkennbare (in seiner Faktizität, seiner Evidenz), auch ‘die (wirkliche) G. (er)fassen, von der G. leben’ (in partieller Überschneidung mit dem Zeitbegriff)  müßte man keine der menschlichen Kräfte bei wissenschaftlicher Thätigkeit ausschließen. Die Abgründe der Ahndung, ein sicheres Anschauen der G., mathematische Tiefe, physische Genauigkeit, Höhe der Vernunft, Schärfe des Verstandes, bewegliche sehnsuchtsvolle Phantasie, liebevolle Freude am Sinnlichen, nichts kann entbehrt werden zum lebhaften fruchtbaren Ergreifen des Augenblicks, wodurch ganz allein ein Kunstwerk, von welchem Gehalt es auch sei, entstehen kann GWBN3,121,21 FlH II  Die Griechen, welche zu ihren Naturbetrachtungen aus den Regionen der Poesie herüberkamen, erhielten sich dabei noch dichterische Eigenschaften. Sie schauten die Gegenstände tüchtig und lebendig und fühlten sich gedrungen, die G. lebendig auszusprechen GWBN3,109,21 FlH II  Der Mensch versteht nichts als was ihm gemäß ist. Die Kinder an der G. festzuhalten, ihnen eine Benennung, eine Bezeichnung zu überliefern, ist das Beste was man thun kann GWB24,43,17 Wj I 3  Mir ward bei diesem Umgang [durch Rom] das Gefühl, der Begriff, die Anschauung dessen, was man im höchsten Sinne die G. des classischen Bodens nennen dürfte GWB32,176,8 ItR  [Prinzessin mBez auf das Scheiden Tassos:] Welch eine Dämmrung fällt nun vor mir ein! | Der Sonne Pracht, das fröhliche Gefühl | Des hohen Tags, der tausendfachen Welt | Glanzreiche G. ist öd’ und tief | Im Nebel eingehüllt, der mich umgibt Tasso 1872 GWB33,188,4 Camp GWBT8,284,18 v 3.8.22 GWB46,67,19 Winckelm GWBN52,267,10 FlH V Plp GWBB44,214,13 Ottilie 18.7.28 K metonym für den Realitätsbezug des Künstlers GWB411,58,6 Shakesp u kein Ende   b qualitativ iSv Anschaulichkeit, Lebendigkeit, Gegenwärtigkeit  α im (impliziten) Gegensatz zum Vorgestellten, Ideellen, Allgemeinen, überwiegend ‘in der G.’, ‘etw in die G. rufen’ iSv zur Anschauung bringen  Tausendmal habe ich klagen hören, daß ein durch Erzählung gekannter Gegenstand in der G. nicht mehr befriedige .. Einbildung und G. verhalten sich wie Poesie und Prosa GWB31,222,28 u 223,2 ItR  Wie durch ein Wunder seit meinem Geburtstag in eine frische G. der Dinge versezt, und nur den Wunsch dass es halten möge GWBT1,97,5 v 2.9.79  Sprichst du von Natur und Kunst, | Habe beide stets vor Augen: | Denn was will die Rede taugen | Ohne G. und Gunst! GWB3,147 Grundbedingung 4  [mBez auf HPaulus u dessen ‘Philolog-krit Komm üb das NT’] Er ist in diesem Wesen so von Grund aus unterrichtet .. daß so vieles der heiligen Schriften, was man sonst in idealer Allgemeinheit anzustaunen gewohnt ist, nun in einer specifischen und individuellen G. begreiflich scheint GWBB16,43,15 Schiller 19.2.02  Ew. Excell. verzeihen, wenn ich nicht persönlich aufwarte, aber ein Abschied in dieser Zeit ist schon peinigend im Begriff, geschweige in der G. GWBB23,314,2 Voigt 16.4.13 GWBB16,264,11 Zelter 28.7.03 Beilage GWB35,41,10 TuJ GWB32,170,21 ItR GWBB39,288 Sternbg 14.12.24 K GWBN11,127,20 MuR(560)  β psychisch-geistig als Qualität eines Erinnerungsbildes u (in Fortsetzung u Überhöhung bzw ‘Spiegelung’) Wesenselement einer unvergänglichen Person (in der spannungsreichen Einheit des Erinnerten als zugleich gegenwärtig u vergangen); idVbdg ‘eine innere G. gewinnen’ für das Gegenwärtigsein vor dem inneren Auge  [mBez auf die durch DuW in jdm erweckte liebende Erinnerung an Friederike] Möglichkeit, ein Wahrhaftes wiederherzustellen, aus Trümmern von Dasein und Überlieferung sich eine zweite G. zu verschaffen und Friederiken von ehmals in ihrer ganzen Liebenswürdigkeit zu lieben .. So kann sie [Friederike] nun .. sich auch wieder in der Seele des alten Liebhabers nochmals abspiegeln und demselben eine holde, werthe, belebende G. lieblich erneuen GWB422,57,10u16 WiederhSpiegelgn GWB29,133,16 DuW 19  γ im ästhet Bereich für die Plastizität, Greifbarkeit, die sinnl Aussagekraft eines (dargestellten) künstlerischen Gegenstandes, eines Kunstwerks  Die vorspringende G. dieses herrlichen Architekturgebildes [Gebälk vom Faustinatempel in Rom] erinnerte mich an das Capitäl des Pantheon in Mannheim GWB30,135,7 ItR ~ GWBT1,261,19 v 4.10.86  Zimmer .. wo er [Wilh] köstliche Bilder bedeutender Männer des sechzehnten Jahrhunderts sah, in vollständiger G., wie sie für sich leibten und lebten GWB24,117,15 Wj I 7  die Einbildungskraft sei ohnehin ein vages, unstätes Vermögen, während das ganze Verdienst des bildenden Künstlers darin bestehe, daß er sie immer mehr bestimmen, festhalten, ja endlich bis zur G. erhöhen lerne GWB251,9,14 Wj II 8  wie er [Palladio] das [Arrangement von Säule u Mauer] unter einander gearbeitet hat, wie er durch die G. seiner Werke imponirt GWB30,77,22 ItR ~ GWBT1,214,8 v 19.9.86  Der zerbrochene Krug [Kleists] .. die ganze Darstellung dringt sich mit gewaltsamer G. auf. Nur schade, daß das Stück auch wieder dem unsichtbaren Theater angehört GWBB19,402,22 Adam Müller 28.8.07 GWBB47,84,24 Meyer 1.6.30 GWBT1,236,25 v 26.9.86 iSv (geistiger) Verfügbarkeit Gespr Eckerm 21.3.31   4 die physische Erscheinung, anschauliche Gestalt, die konkrete Manifestation (mit ihrer Ausstrahlung, Aura)   a das in die Sinne fallende, sich den Sinnen darbietende Phänomen, der Anblick  In Schriften über solche [künstlerische] Gegenstände muß der Verstand sprechen, damit der Verständige auch ohne die Gegenstände zu sehen, sich daraus was abnehmen könne. Die G. ist es alsdann, die zu den Sinnen spricht, die Einbildungskraft erregt, das Gemüth rührt, den Enthusiasmus entflammt GWBB27,171,12 Boisserée 27.9.16  ich .. schaue diese Wunder [der Schweizer Bergwelt] .. Diese herrliche G. regt mein Innerstes auf, fordert mich zur Thätigkeit auf GWB19,197,12 BrSchweiz I  man kann wohl behaupten, daß eine Tapete von einem ganz reinen gesättigten Blauroth eine Art von unerträglicher G. sein müsse GWBN1,317,5 FlD 790  [mBez auf den Kolossalkopf der Juno Ludovisi] Stünd ich nur schon mit dir davor. Ich werde ihn gewiß nach Deutschland schaffen und wie wollen wir uns einer solchen G. erfreuen GWBB8,117,18 ChStein 6.1.[87] GWB48,23,26 Kunst inDeutschld GWBT1,200,5 v 16.9.86 GWBB40,256,21 Zelter 21.1.26 GWBN6,341,24 Bignonia radicans Gespr Eckerm 18.4.27   b bezogen auf den Menschen, sowohl seine körperl Gestalt wie seine Persönlichkeit, die Individualität (in ihrem Wesen, ihrer Zuständlichkeit, ihrem Schein iGz Sein), mit Charakterisierungen wie ‘angenehm, schön, majestätisch, liebenswürdig, anmutig, heiter’, einmal ‘geistige G.’; auch in respekt-, demutsvoller Umschreibung der Identität fürstl Personen  [mBez auf Rameau] Die vollkommenste, liebevollste Harmonie hat diese Gestalt ausgebildet .. Diese G. wirkt auf die Seele, wie ein genialisches Tonstück GWB37,341,7 PhysiognFragm  Eleonore .. eine schlanke zarte Gestalt, eine reine Bildung, ein heiteres Auge .. im Ganzen eine unglaublich angenehme G. GWB19,207,5 BrSchweiz I  [Iph zu Thoas:] Ein König, der Unmenschliches verlangt, | Find’t Diener g’nug, die gegen Gnad’ und Lohn | Den halben Fluch der That begierig fassen; | Doch seine G. bleibt unbefleckt GWBIph2 1815  Ihre [Mme de Staëls] G. hatte wie in geistigem so in körperlichem Sinne etwas Reizendes GWB36,261,16 BiogrEinzh  [Gelehrter üb die sich nahende Helena:] Ich seh’ sie deutlich, doch gesteh’ ich frei, | Zu zweiflen ist, ob sie die rechte sei. | Die G. verführt in’s Übertriebne, | Ich halte mich vor allem an’s Geschriebne GWBFaust II 6535  [Prinz im Angesicht Mandandanes:] Diese G. umfängt mich nicht mehr mit dem unendlichen Zauber, der mich sonst vor ihr mit himmlischen Nebeln bedeckte! GWB17,68,22 TriumphEmpfindsamk VI  immer noch begreiff ich nicht wie Töpliz nur da seyn kann ohne durch Jene G. [Maria Ludovica, Kaiserin von Österr] eigentlich aufgebaut zu werden GWBB23,410,6 J O’Donell 24.7.13 [für: un dehors] GWB9,314 Mahomet 855 GWBB9,4,5 Jacobi 21.7.88 GWBB34,91,6 Heß 11.1.21 GWB33,133,14 Camp GWBB37,245,20 Frick 22.10.23 K (zugl) für das Auftreten (u Wirken) in der Öffentlichkeit, auf der Bühne, mehrf ‘persönliche G.’  [Fernando nach der Begegnung mit Stella:] Engel des Himmels! Wie vor ihrer G. alles heiter wird, alles frei! GWB11,159,24 Stella III  Wie ich [G] überhaupt ziemlich unbewußt lebte .. In eben dem Sinne war ich auch niemals aufmerksam, was meine persönliche G. und Geistesstimmung auf die Menschen wirke GWB33,186,20 Camp  zwei Frauen .. die eine unter dem Namen Astarte, die andere ohne Gestalt und G., bloß eine Stimme GWB411,190,11 Üb:Byron,Manfr  ihre [Mme Unzelmanns] durchaus schickliche und anständige G. auf den Brettern GWB40,75,28 WeimHoftheat GWB28,332,22 DuW 15 GWBFaust II 9184 GWBB43,70,21 Gf Brühl 18.9.27 ‘bewegte G.’ für die dynam Leiblichkeit des Körpers beim Tanz GWB491,177,20 Üb:Zahn,Pompeji einmal pl: ‘geistig-sinnliche G-en’ für phantasmagorische Erscheinungen GWB44,357,20 CellAnh XII   c Vergegenwärtigung in der Kunst, Darstellung konkreter Wirklichkeit, zugl für die im Kunstwerk dargestellte Wirklichkeit, die Gegenständlichkeit, auch mBez auf die Repräsentation ideeller Bedeutung in der ästhet Erscheinung  Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen G. beruht .. so ruht der Stil auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntniß, auf dem Wesen der Dinge GWB47,80,11 Nachahmg,Manier,Stil  Boners Fabeln .. Ein klarer wohlwollender Menschenverstand, sittliche Ansicht der irdischen Dinge. Klare G., und in der Darstellung eine Facundia, die sich in geistreichen Tautologien gefällt GWBTgb 28.2.28  [mBez auf die Eremitanifresken Mantegnas] Was in diesen Bildern für eine scharfe sichere G. dasteht! Von dieser ganz wahren .. derben, reinen, lichten, ausführlichen, gewissenhaften, zarten, umschriebenen G., die zugleich etwas Strenges, Emsiges, Mühsames hatte, gingen die folgenden Mahler aus GWB30,92,12u16 ItR ~ GWBT1,240,3u7 v 27.9.86  Das Gedicht [‘Klage der Ceres’] ist gar schön gerathen, die G. und die Allegorie, die Einbildungskraft und Empfindung, das Bedeutende und die Deutung schlingen sich gar schön in einander GWBB11,94,13 Schiller 14.6.96 GWB40,353,16 Üb:Wunderhorn GWB491,382,23 Blumenmalerei   5 die Existenz, Gegebenheit, das Vorhandensein, bes hinsichtl der Auswirkung auf eine auffassende Subjektivität   a das Dasein, In-der-Welt-Sein, der Lebensgang u die Lebensweise, mit näheren Bestimmungen wie ‘einfach, eigentümlich, fortdauernd’; auch als Vorwurf u Gegenstand künstlerischer Gestaltung  der Häßlichste wie der Schönste hat das Recht sich seiner G. zu freuen GWB27,24,26 DuW 6  So angenehm uns der Anblick eines wohlgestalteten Menschen ist, so angenehm ist uns eine ganze Einrichtung, aus der uns die G. eines verständigen vernünftigen Wesens fühlbar wird [im Schloß des Oheims] GWB22,330,15 Lj VI  [Lothario zu Jarno:] Zu einer gewissen gleichen fortdauernden G. brauchen wir nur Verstand, und wir werden auch nur zu Verstand, so daß wir das Außerordentliche, was jeder gleichgültige Tag von uns fordert, nicht mehr sehen GWB23,21,4 Lj VII 3  [mBez auf Karikaturzeichnungen von Rudolf Töpffer] Die kleine Wallfahrt mit jungen Männern gibt Zeugniß, daß der Künstler eigenthümliche G. mit Geist aufzufassen weiß GWBB48,81,9 Soret 10.1.31  [Gemälde in einem verfallenden Gartenpavillon] Familienbilder, die ohne gut gemahlt zu sein, doch die G. der Persönlichkeiten aussprechen, das Andenken einer früheren blühenden Zeit GWB341,52,16 RheingauHerbsttage  [mBez auf antike Grabdenkmäler] Der Künstler hat .. nur die einfache G. der Menschen hingestellt, ihre Existenz dadurch fortgesetzt und bleibend gemacht GWB30,63,18 ItR ~ GWBT1,200,10 v 16.9.86 GWB33,9,22 Camp GWB252, 46 Wj Var   b Gegebensein, potentielles od anschaulich-wirkliches Vorhandensein  α von Hervorbringungen der Natur u Kultur  [nach dem Weggang aus Wetzlar] ich .. wanderte nun diesen schönen .. Fluß [die Lahn] hinunter, dem Entschluß nach frei, dem Gefühle nach befangen, in einem Zustande, in welchem uns die G. der stummlebendigen Natur so wohlthätig ist GWB28,175,10 DuW 13  Ich kehre von jeder schweifenden Betrachtung [vergangener Erdzustände] zurück und sehe die [Granit-] Felsen selbst an, deren G. meine Seele erhebt und sicher macht GWBN9,176,5 ÜbGranit  Beständigkeit der Knochenabtheilungen am Kopfe. G. derselben auch wenn sie versteckt sind LA II 9A,166,2 Morph Plp  Jeder Künstler der eine Zeit lang in Italien gelebt hat, frage sich: ob nicht die G. der besten Werke alter und neuer Kunst in ihm das unablässige Streben erregt habe, die menschliche Gestalt in ihren Proportionen, Formen, Charakteren zu studiren und nachzubilden GWB47,21,4 PropylEinl GWBB3,184,2 ChStein 8.11.77 GWB27,231,22 DuW 9 GWB22,49,25 Lj IV 7 iSv (u im Wechsel mit) Vorkommen  Kalk und Eisen, deren G. wir oben in dem Muttergestein [Hornstein] dargethan haben GWBN9,20,2 JMüllerSammlg GWBN10,33,11 Granit GWBN13,273,7 JMüllerSammlg  β von seelischen, intellektuellen, ideellen Kräften, Vermögen, Erscheinungen  Seit Donnerstag Abends .. bin ich nicht einen Augenblick von Ihnen gewichen. Gestern und vorgestern hab ich meine Pflicht gethan, aber was ist Pflicht ohne die G. der Liebe GWBB5,15,16 ChStein 10.12.80  Freilich wenn ihr [Cornelias] Äußeres einigermaßen abstoßend war, so wirkte das Innere, das hindurchblickte, mehr ablehnend als anziehend: denn die G. einer jeden Würde weis’t den andern auf sich selbst zurück GWB27,25,21 DuW 6  [mBez auf Filippo Neris außerordentliche psychische Begabungen] die ununterbrochene G. solcher Fähigkeiten, die in jedem Falle bereite Ausübung einer so staunenswürdigen Wirksamkeit GWB32,200,18 ItR GWB422,422,25 Volksb histInh Schema   6 metaphysische Präsenz (iS eines lebenspendenden, Schöpfung bewahrenden u erneuernden Prinzips)  Wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten .. näher an meinem Herzen fühle, und fühle die G. des Allmächtigen, der uns all nach seinem Bilde schuf AA5,26 Werth1 I  [Pater Seraphicus zu den seligen Knaben:] Steigt hinan zu höherm Kreise, | Wachset immer unvermerkt, | Wie, nach ewig reiner Weise, | Gottes G. verstärkt GWBFaust II 11921 GWB44,358,14 CellAnh XII GWB6,223 Vs 2 DivSchenk GWBN10,256 MinGeol Plp   7 als Eigenschaft des menschl Geistes   a iSv Geistesgegenwart; überwiegend idVbdg ‘G. des Geist(e)s’  [Lotte berichtet Werther von ihrer Verlobung] ich verwirrte mich, vergaß mich, und kam zwischen das unrechte Paar hinein, daß alles drunter und drüber gieng, und Lottens ganze G. und Zerren und Ziehen nöthig war, um’s schnell wieder in Ordnung zu bringen AA26,23 Werth1 I  Das Tagewerck das mir aufgetragen ist, das mir täglich leichter und schweerer wird, erfordert wachend und träumend meine G. diese Pflicht wird mir täglich theurer GWBB4,299,6 Lavater [etwa 20.9.80]  Viel Rettungsmittel bietest du! was heißt’s? | Die beste Rettung, G. des Geists! GWB2,232 Sprichw 192 GWB51,232,2 ThS III 8 GWBB11,280,14 Schiller 7.12.96 GWB411,187,8 HörSchreibDruckf   b iSv Bewußtsein, auch ‘etw zur G. bringen’  er [der Arzt] würde .. einen Anatomen in Sold nehmen, der, nach seiner Anleitung .. gleichsam in G. aller Verwicklungen des verflochtensten Lebens, auf die schwierigsten Fragen sogleich zu antworten verstände GWB251,97,2 Wj III 3 GWB16,238,22 Maskenz 1818 Progr   B als Zeitbegriff   1 das Hier u Jetzt, das Heute, die aktuelle Situation (eines Individuums, eines Subjekts), der (erfüllte, daseinsgesättigte, unvergängliche) Lebensmoment   a als Dimension, Objekt, Potential des Erlebens, Wirkens, Genießens, bedeutungsträchtiges Medium (auch in Opposition zu ‘Gedächtnis’, ‘Erinnerung’, zT im Spiel mit Doppelbed), mehrf in emphat Wertung u hyperbol-personifiziert  Ernsthafter jedoch und herzerhebender war der Genuß der Tags- und Jahreszeiten in diesem herrlichen Lande [Elsaß]. Man durfte sich nur der G. hingeben, um diese Klarheit des reinen Himmels, diesen Glanz der reichen Erde, diese lauen Abende, diese warmen Nächte an der Seite der Geliebten oder in ihrer Nähe zu genießen GWB28,30,27 DuW 11  Auch von dieser Abtheilung [der Ausg.l.H.] fällt gar manches in die Zeit, wo wir, jung genug, der G. das Möglichste abzugewinnen trachteten, arbeiteten und genossen, erreichten und hofften. Es war eine schöne Zeit GWBB48,176,8 Loder 7.4.31  bedenke derselbe [an der Wirkung gesprochenen Wortes Zweifelnde], daß der Mensch eigentlich nur berufen ist, in der G. zu wirken. Schreiben ist ein Mißbrauch der Sprache, stille für sich lesen ein trauriges Surrogat der Rede GWB27,373,9 DuW 10  [Leonore:] Erwach’! Erwache! Laß uns nicht empfinden, | Daß du das Gegenwärt’ge ganz verkennst. [Tasso:] Es ist die G., die mich erhöht; | Abwesend schein’ ich nur, ich bin entzückt! Tasso 560  [Faust:] Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück, | Die G. allein — [Helena:] Ist unser Glück GWBFaust II 9382  In der Lampendämmerung sogleich behauptete die innre Neigung, behauptete die Einbildungskraft ihre Rechte über das Wirkliche. Eduard hielt nur Ottilien in seinen Armen; Charlotten schwebte der Hauptmann näher oder ferner vor der Seele, und so verwebten, wundersam genug, sich Abwesendes und Gegenwärtiges reizend und wonnevoll durch einander. Und doch läßt sich die G. ihr ungeheures Recht nicht rauben. Sie brachten einen Theil der Nacht unter allerlei Gesprächen .. zu GWB20,131,27 Wv I 11  sein [G-s] Wegwerfen der Erinnerung, “die G. ist die einzige Göttin, die ich anbete”, sagte er Gespr(He1,606) Brun 7.-9.7.95 GWB6,71 Vs 8 DivBetrachtg GWB7,53,17 DivNot GWB6,214 Vs 22 DivSchenk GWB20,202,27 Wv II 1 GWBN9,235,4 GestaltgAnorgMassen GWB422,224,17 MuR(892) GWBB23,50,15 CGKörner 4.8.12 GWB412,92,4 Sicherg literarNachl II GWB33,185,16 Camp in Anspielung auf die antike Vorstellung vom Kairos, idVbgn ‘die G. (be)nutzen, ergreifen’  Amerika, du hast es besser | .. Dich stört nicht im Innern, | Zu lebendiger Zeit, | Unnützes Erinnern | Und vergeblicher Streit. | Benutzt die G. mit Glück! | Und wenn nun eure Kinder dichten, | Bewahre sie ein gut Geschick | Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten GWB51,137 ZXenNachl IX 750 GWB20,43,13 Wv I 4 GWBB49,202,2 Marianne 13.1.32 im Kontinuum von Gegenwart/Vergangenheit (u/od Zukunft)  Und so wollen wir beständig, | Wettzueifern mit Hafisen, | Uns der G. erfreuen, | Das Vergangne mitgenießen GWB6,278 Vs 15 DivNachl  O wäre doch das rechte Maß getroffen! | Was bleibt mir nun, als, eingehüllt, | Von holder Lebenskraft erfüllt, | In stiller G. die Zukunft zu erhoffen! GWB1,102 Einschränkung 11  Höhere Absichten und ihre Folgen drückt wohl die Poesie am besten aus; sie darf in der G. die Zukunft sehen, lebhafter als dem Verstande geziemt, und eine begonnene That ermuntern, deren glücklichen Erfolg sie weissagt GWBB36,246,14 CarlAug 26.12.22  Ich habe mich seit jenen Festlichkeiten [zu Carl Augusts Regierungsjubiläum] ziemlich wieder in’s Gleichgewicht gestellt, gebe mich mit der Vergangenheit ab, suche der G. etwas abzugewinnen und lausche der Zukunft GWBB40,106,5 Sartorius 8.10.25 K  Endlich fühlte er [Wilh] die ganze Stärke seiner Jugend, schüttelte sich und trat mit einem freien muthigen Blick vor die G., hinter welche sich fröhliche Bilder der Zukunft drängten GWB52,281,18 ThS VI 14 GWBFaust II 8900 Pand 4 GWB491,321,19 TischbeinsIdyllen GWBB12,99,25 FStein 26.4.97 GWB2,284 Lebensregel 4 Gespr Kanzl Müller 7.9.27 in Artikulierung eines zeitentrückten Moments, des Ineinanderfließens von Jetzt u Einst (als ästhet-kontemplative Aufhebung zeitl Dimensionierung, vornehml im Bereich der Kunst)  [der gefangene Weisl in Rückerinnerung an alte Zeiten:] Glückselige Zeiten .. da wir [Götz u Weisl] hier in der Capelle neben einander knieten .. Wie seltsam drängt sich hier G. und Vergangenheit durcheinander! GWB131,213,10 Götz3 I  [iZshg mit der Betrachtung eines Familiengemäldes] Ein Gefühl aber, das bei mir gewaltig überhand nahm .. war die Empfindung der Vergangenheit und G. in Eins: eine Anschauung, die etwas Gespenstermäßiges in die G. brachte. Sie ist in vielen meiner größern und kleinern Arbeiten ausgedrückt GWB28,284,16u18 DuW 14  In saubern Räumen zeigten sich überall Geräthschaften, die schon einigen Generationen mochten gedient haben .. was umherstand erinnerte, daß Vergangenheit auch in die G. übergehen könne GWB24,221,20 Wj I 12  Soll man den allgemeinsten Eindruck aussprechen, so ist hier [im Igeler Monument] Leben dem Tod, G. der Zukunft entgegengestellt und beide unter einander im ästhetischen Sinne aufgehoben GWB33,151,10 Camp  [mBez auf Ruisdaels Gemälde ‘Das Kloster’] im Vordergrunde, uns den Rücken zukehrend, der zeichnende Künstler selbst .. als Betrachter, als Repräsentant von allen .. welche sich mit ihm in die Betrachtung der Vergangenheit und G., die sich so lieblich durcheinander webt, gern vertiefen mögen GWB48,166,19 Ruisdael als Dichter  Ist es [das Kunstwerk] einmal hervorgebracht, steht es in seiner idealen Wirklichkeit vor der Welt, so bringt es eine dauernde Wirkung, es bringt die höchste hervor .. es .. vergöttert ihn [den Menschen] für die G., in der das Vergangene und Künftige begriffen ist GWB46,29,21 Winckelm GWBN11,9,8 Natur [Tobler?] GWBB27,157,8 WHumboldt 1.9.16 K GWBB40,155,10 TheolFak Jena 24.11.25 GWB23,83,16 Lj VII 7 GWB23,199,10 Lj VIII 5 Gespr Eckerm 16.11. 23   b als Bedingendes, Bedrängendes, auch neutraler: der gegebene Zustand, die obwaltenden Umstände; ‘in (der) G.’ iSv momentan  [Prinzessin:] Die Hoffnung ihn [Tasso] zu sehen füllt nicht mehr | Den kaum erwachten Geist mit froher Sehnsucht; | .. Nun überfällt in trüber G. | Der Zukunft Schrecken heimlich meine Brust Tasso 1878  Ihn [Schiller], wenn er vom zerrüttenden Gewühle | Des bittern Schmerzes wieder aufgeblickt, | Ihn haben wir dem lästigen Gefühle | Der G., der stockenden, entrückt GWB16,167 EpilSchillersGlocke 76  [G kommentiert die Strophe ‘Nöthigung’ der ‘Urworte’] niemand ist, dem nicht Erfahrung genugsame Noten zu einem solchen Text darreichte, niemand, der sich nicht peinlich gezwängt fühlte .. gar mancher, der verzweifeln möchte, wenn ihn die G. also gefangen hält GWB411,221,17 ÜbUrworte  Ach, was ist die Nacht der Ferne | Für ein Abgrund, für ein Schmerz! | Ja du bist es! meiner Freuden | Süßer, lieber Widerpart; | Eingedenk vergangner Leiden | Schaudr’ ich vor der G. GWB6,188 Div Wiederfinden 8  Lucidor .. hatte meist etwas anders im Sinn, als was die G. erheischte GWB24,134,18 Wj I 8  [mBez auf G-s Wetzlarer Zeit] Müßig und träumerisch, weil ihm keine G. genügte, fand er das was ihm abging in einer Freundin, die, indem sie für’s ganze Jahr lebte, nur für den Augenblick zu leben schien GWB28,154,9 DuW 12 GWB28,309,25 DuW 15 GWBB29,205,2 Ottilie 21.6.18 GWBB38,3,11 Maria Paulowna 1.1.24 GWBB26,276,28 Voigt 27.2.16 GWB19,215,26 BrSchweiz I   2 das gegenwärtige Zeitalter, die gerade durchlebte Epoche, hist Wirklichkeit, polit, gesellschaftl Situation einer Zeit   a als Element u Objekt des (eigenen) Handelns u Reflektierens, Träger geschichtl Entwicklungen; ‘uralte G.’ für eine weit zurückliegende (u fortwirkende) hist Realität  Warum sind ihre [der Antike] Dichter und Geschichtschreiber die Bewunderung des Einsichtigen, die Verzweiflung des Nacheifernden, als weil jene handelnden Personen, die aufgeführt werden, an ihrem eigenen Selbst, an dem engen Kreise ihres Vaterlandes, an der bezeichneten Bahn des eigenen sowohl als des mitbürgerlichen Lebens einen so tiefen Antheil nahmen, mit allem Sinn, aller Neigung, aller Kraft auf die G. wirkten; daher es einem gleichgesinnten Darsteller nicht schwer fallen konnte, eine solche G. zu verewigen GWB46,23,6u8 Winckelm  Pflicht des Historikers: das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden. — Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die G. wichtig ist GWB422,149,7 MuR(295u296)  Wenn der Mensch daran denken soll von Ereignissen, die ihn zunächst betreffen, künftigen Geschlechtern Nachricht zu hinterlassen, so gehört dazu ein gewisses Behagen an der G., ein Gefühl von dem hohen Werthe derselben GWB7,48,5 DivNot  Sein [Baco von Verulams] Conflict mit der G. Er kommt in eine noch halb dunkle Zeit, wo die Medicin, die Alchimie, die Magie, selbst die Technik sich noch gern ins Geheimniß hüllt, in welchem Sinne denn sein entgegengesetztes Bestreben aus dem Augenblicke zu erklären ist GWBN52,260,36 FlH IV Plp  Schon im Jahre 1785 erschreckte mich die Halsbandsgeschichte wie das Haupt der Gorgone .. Glücklicherweise ward mein Tasso noch abgeschlossen, aber alsdann nahm die weltgeschichtliche G. [Frz Revolution] meinen Geist völlig ein GWB33,262,1 Camp  Dieses Unheil [des verlorenen menschl Ebenmaßes] wird sich in der neuern Zeit noch öfter hervorthun; denn wer wird wohl den Forderungen einer durchaus gesteigerten G. und zwar in schnellster Bewegung genugthun können? GWB422,170,15 MuR(474) GWB28,145,16 DuW 12 GWB412,310,18 NationDichtk Serb I GWB36,25,19 TuJ GWB40,89,22 Üb dtTheat GWBB19,127,6 Cotta 27.4.06 GWB422,344 Plp Überschr ‘junge G.’ in Charakterisierung der allegor Figur der Äonis (mBez auf das neue Jh) GWB16,238,14 Maskenz 1818 Progr in Einbeziehung von Vergangenheit (bzw ‘Altertum’, ‘Vorzeit’) u/od Zukunft (bzw ‘Nachzeit’), bes im Hinblick auf Kohärenz, Kontinuität, Entwicklung  ganz allein durch Aufklärung der Vergangenheit läßt sich die G. begreifen GWB36,67,15 TuJ  diese [die Nationalität] ruhet auf der Poesie, die uns älteste Geschichte in fabelhaften Bildern überliefert, nach und nach sodann in’s Klare hervortritt und ohne Sprung die Vergangenheit an die G. heranführt GWB7,45,1 DivNot  Er [Winckelmann] fühlte und kannte das Alterthum, so wie das Würdige der G., des Lebens und des Charakters, selbst in seinem tiefgedrückten Zustande GWB46,51,15 Winckelm  Auch jene sind noch unvergessen, die | Von dieser Bühne schon seit langer Zeit | Natur und Kunst verbindend herrlich wirkten. | Gleicht jener Vorzeit nicht die G.? GWB131,170 ProlLpz 1807 Vs 39  Man darf .. nur eine Zeitlang ruhig in einer Galerie verweilen, und beobachten, nach welchen Kunstwerken sich die Menge zieht .. so hat man wenig Lust an der G., und für die Zukunft wenig Hoffnung GWB23,250,12 Lj VIII 7 GWB35,104,18 TuJ GWB16,339 Epimen 92 GWBB32,102,20 DFParthey 24.11.19 GWBB29,99,13 Carus 23.3.18 GWB491, 308,2 TischbeinsIdyllen GWB28,45,19 DuW 11 GWB48,247,7 Vorschlag,Künstlern Arb zu verschaffen im Topos der Unerkennbarkeit der Gegenwart aus ihr selbst heraus  Selten erscheint uns die G. als das was sie ist, manchmal setzt sie der Parteigeist zu hoch, aber noch öfters viel zu tief herab GWB53,187,9 Üb verschZweige hiesigerTätigk [1795]  Unbekannt mit der nächsten Umgebung lebt die Jugend immerfort entweder zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder mit Gedanken und Bestrebungen in die Ferne gerichtet; nur die Folgezeit klärt uns über die vergangene G. auf GWB412,115,18 Üb:Rochlitz,Tonkunst GWB52,407 Das Leben ist 8 Übs Gespr(He31,838) EJFörster 6.11.25 [veröff 1887]   b als (widriges, bedrängendes) Tagesgeschehen, in das Leben des Individuums eingreifende weltpolit Aktualität, bes mBez auf die Zeitläufte der napoleonischen Kriege  Wenn ich mich der Zeit erinnere, da ich Sie einlud .. so wird mir der schwankende Zustand recht gegenwärtig, in dem wir uns damals befanden, jenes Vorgefühl das sich nun endlich in die traurige G. aufgelöst hat GWBB51,210 Sartorius 26.12.06  [Schlegel hatte Exemplare der Zs ‘Deutsches Museum’ übersandt] Ich mag wohl gerne in der Zeit leben, weiß es aber nicht recht anzugreifen, wenn ich mit ihr leben soll, daher finden Sie mich auch selten oder gar nicht in solchen Schriften auftreten, die der G. gewidmet sind GWBB22,327,4 FSchlegel 8.4.12  Wer es jetzt möglich machen kann, soll sich ja aus der G. retten, weil es unmöglich ist, in der Nähe von so manchen Ereignissen .. zu leben GWBB23,403,15 Meyer 21.7.13 GWB51,83,10 ThS I 21 Gespr(He2,127) Luden [19.8.06] GWB36,282,6 BiogrEinzh GWBB19,474,20 Zelter 16.12.07 GWB421,292 NationDichtk Litt grecque mod Var   c für die Mitwelt, die Zeitgenossen, das Publikum, die Menge  es ist uns kein Denkmal bekannt, worin gewagt wäre, einen so widersprechenden Reichthum mit solcher Kühnheit und Großheit der betrachtenden G. und Zukunft vor die Augen zu stellen GWB492,45,9 Igeler Monument  [mBez auf das zeremonielle Mahl im Römersaal] Viele Betrachtungen anzustellen erlaubten mir weder meine Jahre noch das Gedräng der G. GWB26,328 15 DuW 5  Meine Arbeiten gehen ganz sachte fort .. Die G. stimmt selten zum Gegenwärtigen. Was neben einander existirt, scheint nur zum Streite berufen zu seyn GWBB19,461,16 ChStein 19.11.07  Was aber der lebendigen G. interessant sein könnte, darüber hat eine gebildete Jugend am ersten zu entscheiden GWB412,199,12 Vorw zEckerm,G-s Rez in FGA  beide [die Naturphilosophen Thales u Anaxagoras] führen den Homer an und jeder ruft Vergangenheit und G. zu Zeugen GWB152,207 Helena Plp 1,186 GWB20,206,23 Wv II 1 GWBB34,280,20 Knebel 13.6.21   3 das irdische Leben, das zeitliche Dasein (iUz Jenseitsvorstellungen)  ihm [dem Landgeistlichen] ist übergeben, die Menschen .. zu trösten, und, wenn der Trost für die G. nicht ausreicht, die Hoffnung einer glücklicheren Zukunft heranzurufen und zu verbürgen GWB27,342,11 DuW 10 AA102,15 Werth II   GWBAllgegenwart GWBGeistesgegenwart GWBHalbgegenwart GWBLebensgegenwart GWBMutter- GWBZwiespalts-Syn zu A 1 a GWBAnwesenheit GWBBeisein zu A 1 b GWBAufenthalt zu A 1 c GWBGesellschaft GWBKontakt GWBUmgang GWBVerbindung zu A 1 d Beteiligung GWBEinwirkung GWBMitarbeit GWBMitwirkung GWBTeilnahme zu A 1 e GWBNähe zu A 2 GWBNähe GWBUmgebung GWBUmkreis zu A 3 a GWBRealität GWBWirklichkeit zu A 4 GWBErscheinung zu A 5 GWBDasein GWBExistenz zu B 1 GWBgegenwärtig(das G-e) GWBheute(das H.) zu B 2 GWBJetztwelt Mitzeit Zeit(en) (gegenwärtige Z.) GWBZeit(neuere, unsere Z.) zu B 2 b GWBTageslauf GWBZeitlauf zu B 2 c GWBMitwelt GWBZeitgenosse 1) vgl DWb4.1.2,2291 u, für den früh einsetzenden zeitl Gebrauch von ‘gegenwärtig’, 2296; ferner HistWbPhilos 3,136 sowie zum Gesamtkomplex JKraus, Wort u Begriff ‘Gegenwart’ bei G, Diss. Berlin 1962 [Masch.] 2) angemerkt schon von RMMeyer, Studien zu G-s Wortgebrauch. Archiv für das Studium der neueren Sprachen u Litteraturen 96, 1896,20—25 3) Bezug auf eine Passage in Herders Fragmenten ‘Ueber die neuere deutsche Litteratur’: “daß Gedanke und Wort, Empfindung und Ausdruck sich zu einander verhalten wie Platons Seele zum Körper”. Sämtl Werke, ed Suphan, 1,397 4) vgl DWb4.1.2,2287 sowie Adelung 2,483 mit seiner Definition des Begriffs im Hinblick auf die unmittelbare persönl WirkungArmin Giese A. G.
50254 Zeichen · 663 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gegenwartstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +13 Parallelbelege

    gegenwart stm. widerwart. daʒ er niht underbrêche deme gegenwarte sîne wort Pass. K. 73,89.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gêgenwart

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Gêgenwart , plur. car. 1) Der Zustand, da man durch seine eigene Substanz ohne moralische Mittelursachen, ja ohne al…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gegenwart

    Goethe-Wörterbuch

    Gegenwart vereinzelt -th; rund 1700 Belege, davon etwa 250 in der temporalen Bed B (im individuellen Reflex auf den sich…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gegenwart

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gegenwart , Die, Titel einer in Berlin erscheinenden Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst und öffentliches Leben,…

  5. modern
    Dialekt
    Gegenwart

    Mecklenburgisches Wb.

    Gegenwart nur in der Zs. Geistesgegenwart ( s. d. ).

  6. Sprichwörter
    Gegenwart

    Wander (Sprichwörter)

    Gegenwart 1. Dessen gegenwarth viel nutzt, dessen abwesenheit thut desto grössern Schaden. – Lehmann, 247, 30. 2. Die Ge…

  7. Spezial
    Gegenwartf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Gegenwart , f время , ср , настоящее

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gegenwart

15 Bildungen · 11 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von gegenwart 2 Komponenten

gegen+wart

gegenwart setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gegenwart‑ als Erstglied (11 von 11)

gegenwartic

KöblerMhd

gegenwartic , Adv. nhd. gegenwärtig, vorliegend, anwesend, derzeit Hw.: vgl. mnd. gēgenwārdich (2), tēgenwārdich Q.: Urk (1263) E.: s. gegen…

gegenwarts

FWB

1. lokale Präp. mit Dat.: ›gegenüber von‹.; 2. lokales Adv.: ›gegenüber‹.

gegenwartsbezogen

LDWB2

ge|gen|warts|be|zo|gen adj. referí al pre-sënt, atual (-ai, -a).

gegenwart als Zweitglied (2 von 2)

allgegenwart

DWB

allgegen·wart

allgegenwart , f. , franz. omniprésence, das überallsein der gottheit: allgegenwart göttlicher liebe. Göthe 23, 174 .

engegenwart

KöblerMhd

engegen·wart

engegenwart , Adj. nhd. gegenwärtig, zugegen, anwesend Hw.: s. engegenwert (1), engegenwurt Q.: LvReg, Roth (3. Viertel 12. Jh.) E.: s. enge…

Ableitungen von gegenwart (2 von 2)

gegenwarte

KöblerMhd

gegenwarte , st. M. nhd. Gegner, Feind Q.: PassIII (Ende 13. Jh.) E.: s. gegen, warte W.: nhd. DW- L.: Hennig (gegenwart), MWB 2, 246 (gegen…

ungegenwart

DWB

ungegenwart , f. , des geistes Hegel 7, 2, 215 , gegentheil von gegenwart II 6 f. vereinzelt für geistesabwesenheit. —