fünf ,
quinque, die erste aus zwei ungleichen mehrfachen zahlen (3 + 2)
sich bildende einfache zahl, die zugleich bei der zehnerrechnung (
dekadik)
endzahl der ersten hälfte ist und die eigenthümlichkeit besitzt, dasz sie mit einer ungeraden zahl vervielfacht (
multipliciert)
im product immer sich selbst zur zahl der letzten stelle, der sogenannten stelle der einer, hat. 11)
formen, urverwandtschaft, zusammenhang mit den fingern. goth. fimf,
ahd. finf, fimf,
dann bei Notker
mit freilich sehr seltenem übergange des i
in u (
s. gramm. 1
3, 86
und I, U) funf,
mhd. vünf,
auch hie und da vunf, vumf (
pass. K. 48, 94),
selbst auffälliger weise mit dem diphthong iu fiumf (Grieshabers
pred. 2, 138. Haupt 8, 149, 149), fiunf (
sum. 40, 64,
vgl.fünfblatt), viunf (
weisth. 4, 264),
welche form noch gegen ende des 15.
jh. in feünf (feünf schilling.
weisth. 4, 102)
und selbst heute in oberschwäb., allgäuisch fainf (Delling 1, 169)
fortdauert. vgl. auch feünfte
unter fünfte.
auszerdem noch mhd. dem ahd. gemäsz einmal vinf (Leysers
pred. 15, 12).
alts. ags. altfr. fîf,
nd. fîf, vîf,
mnl. vîf,
nnl. vijf,
mittel-, neuengl. five,
neufries. fîf,
altn. fimm,
schw. dän. fem.
mit diesen deutschen formen stimmen dann die sämmtlicher übrigen sprachen des indogermanischen sprachstammes, wie denn überhaupt in diesem einstimmung der zehn ersten grundzahlen sich ergibt, der sicherste beweis zugleich für die in ihm liegende urverwandtschaft: skr. pantschan (páńćan),
zend. pantschan (panćan),
pers. pandsch, pendsch,
gr. πέντε,
aeol. πέμπε,
lat. quinque,
oskisch pomtis,
litth. penki (
nom. masc.),
lett. peezi,
altsl. u. russ. pjat' (
s.fünfte),
poln. pić,
böhm. pět,
ir. cuig,
welsch pump,
armor. pemp.
s. GDS. 239
f. auffallend ist, dasz das im sanskrit und zend auslautende n
oder ein mit diesem stimmender buchstab in keiner der andern sprachen sich findet (
s. Bopps
vergl. gramm. § 313);
doch scheint es Jacob Grimm
GDS. 243
zulässig, auf ein älteres gr. πεντάμ zu schlieszen. zu der wurzel des wortes vorzudringen, ist wol versucht worden, hat aber nur zu unsicheren vermuthungen geführt (
vgl. GDS. 244
und Bopps
vergl. gramm. a. a. o.).
auch die zusammenstellung von pers. pandsch
und pandschah
faust (Vullers
lex. pers. 1, 376)
fördert nicht, denn das zahlwort läszt sich nicht aus dem substantiv erklären, sondern dieses ist durch die endung -ah
von jenem abgeleitet, so dasz sich als grundbegrif von pandschah
die zusammenballung der fünf finger ergibt, nicht aber eine fünftheilung, an der gezählt werden kann. mit pandschah
übrigens und dessen grundbegriffe werden russ. pjast,
poln. piść.
böhm. pěst, =
faust, stimmen, insofern diese von russ. pjat',
poln. pić,
böhm. pět,
fünf, gebildet sind, und es dürfte überhaupt bei den hier zu vergleichenden benennungen der faust in den übrigen indogermanischen sprachen, also bei faust
selbst, falls dieses, wie unter dem worte mit fug vermathet wurde, aus einer gothischen form fauhstus
hervorgieng, die in jenem grundbegriffe enthaltene anschauung als die ursprüngliche gelten. wenn nun auch jenes persönliche pandschah
für den ursprung des zahlwortes fünf
keinen anhalt bietet, so erscheint gleichwol unzweifelhaft, dasz die durch dieses bezeichnete zahl selbst von den fingern der hand, d. h. der hand in ihrer fünftheilung, ausgeht, wie die zahl zehn
von den fingern beider hände. was dieses angeht, so wird davon weiter unter zehn
geredet werden; jenes aber erweist sich schlagend schon aus dem von der oben aus dem aeolischen angeführten form πέμπε fünf abgeleiteten gr. πεμπάζειν,
welches überhaupt zählen, zuerst aber an den fünf fingern abzählen, zu je fünfen zählen bedeutet. so i. d. Odyssee 4, 412,
wo vom Proteus gesagt wird: φώκας μέν τοι πρῶτον ἀριθμήσει καὶ ἔπεισιν
! atàr ĕpn pásaw pempássetai dè ἴdhtai,
λέξεται ἐν μέσσησι, νομεὺς ὣς πώεσι μήλων erstlich zählt er die robben umher, die reihen umwandelnd: aber nachdem er alle bei fünfen gezählt und gemustert, legt er sich mitten hinein, wie ein hirt in die heerde der schafe (Voss).
gleicher weise bei Aeschylus Eumenid. 748
πεμπάζετ' ὀρθῶς ἐκβολὰς ψήφων, ξένοι
. je fünf und fünf zählt ihr die steinchen, gäste! (Fr. L. Stolberg
Aeschyl. s. 282).
zugleich zeigt sich an diesem verbum, wie an ἐπὶ δακτύλων συμβάλλεσθαι,
an den fingern berechnen, bei Herodot 4, 63,
worauf Jacob Grimm
unter finger 1)
hinweist, dasz überhaupt alles zählen von den fingern der hände ausgeht (
vgl. Plutarch de defectu oracul. 36),
und als weiterer beweis dafür wird GDS. 239
mit recht angeführt, dasz es völker gibt, die, sich mit einer hand begnügend, nur bis zu fünf
zählen und dann von sechs
bis zehn
die nemlichen wörter mit einem beisatze wiederholen, auch dasz völker, denen lebhaftes geberdenspiel eigen ist, namentlich Italiener, um zu zählen die finger auszustrecken pflegen. bei uns Deutschen beweisen für das zählen an der hand allgemein geläufige redensarten, die davon ihren ursprung haben. so wenn wir sagen an den fünf fingern abzählen,
bestimmt und sicher herzählen. ich wollt einen folioband mit den beweisen davon vollbringen: Viktor zählte sie an seinen fünf fingern ab. J. Paul
Hesperus 2, 238.
auch etwas an den fünf fingern abzählen können
und dann überhaupt an den fingern abzählen können,
es leicht herzählen können, es leicht darthun können, es leicht wissen können. eine andere hierher gehörige redensart ist nicht fünf zählen können, nicht auf (
bis zu) fünf zählen können,
auch nicht fünf zu zählen wissen,
oder keine fünf zählen können
und keine fünf zu zählen wissen, =
geistesarm sein, einfältig sein, beschränkt sein. mit können
gebildet kommt sie, wie sich an den von Jacob Grimm
unter finger 1)
aus den gedichten Oswalds von Wolkenstein
und dem Soester Daniel beigebrachten stellen zeigt, schon um 1400
und im 16.
jh. vor; aus späterer zeit läszt sich anführen: er stellt sich als könnte er nicht auf fünf zählen. Steinbach 1, 527; an den Reiger (
name eines advocaten) haben Sie sich gewandt? an den rabulisten, der nicht fünfe zu zählen, geschweige denn einen procesz zu gewinnen weisz? Engel
die apotheke 30; die stille frau, die hier sasz, als könnte sie nicht fünf zählen und zu allem lächelte, sagte Bartusch, hat einen anfall von leidenschaft gehabt und sehr geweint. Gutzkow
ritter v. g. bch. 1
cap. 11; der herr justizrath hätten, erzählte sie, dem heidekrüger gestern nacht diese börse mit all dem gelde drin geben wollen, der hätte aber wie immer gethan, als könnte er blank nicht fünf zählen.
cap. 7. die Fischerin ist ein stolzes mensch, die so jüngferlich thut, als ob sie nicht fünfe zählen könnte, und einen ehrlichen kerl über die achsel ansieht. J.
M. Miller
Siegwart 2, 487.
wie aber hochdeutsch, so hört man auch nd. de kann nig fîwe tellen,
der kann nicht fünfe zählen, =
der ist gar zu einfältig (Dähnert 121
a), nich bet fîwe tellen können (Schambach 269
a),
nicht bis fünfe zählen können, =
zu dumm sein, auf welches letzte gern von kindern, denen dieser vorwurf gemacht wird, die erwiderung folgt hunger un dost (
durst), hitte (
hitze) un frost, nits in'n iîwe (
nichts in dem leibe), dat sint fîwe. Schambach 269
b.
damit stimmt dann, einige abweichungen bei der aufzählung ausgenommen, das sprichwort frost, hunger, durst, arm und ohn gelt in frembden landen, das haiszt recht fünf gezehlt. Henisch 1290, 37.
beide aber, dieses sprichwort wie jene erwiderung, scheinen den übergang zu bilden von der ursprünglichen, verneinenden redensart nicht fünf zählen können
u. s. w. zu der entgegengesetzten bejahenden fünf zählen können,
witzig sein, beiszenden witz besitzen, mit schlagendem witze bei der hand sein, schlau sein. er kan wol fünf zehlen,
acetum habet in pectore. Henisch 1289, 40.
eben so er kan fünfe zehlen
bei Dentzler 2, 117
a,
doch umfassender kurz vor diesem bei Stieler 581 er kan noch wol fünfe zehlen,
adeo vecors non est, ut quinque numerare nesciat, proverbialiter acetum habet in pectore. übrigens scheint diese redensart keine überall verbreitete zu sein. Weiter kommt hier in betrachtung die eine grosze schnelligkeit ausdrückende redensart eh man fünf zählt,
so viel nemlich, als man an der hand abzählen kann: leicht ist das lästige gewicht von waffen und geschütz. wir laden, eh man fünfe zählt, und schieszen dasz es wiedergellt, auf éinmal, wie éin mann. Lavater
Schweizerlieder 301.
Wenn aber der Perser, wie vorhin angegeben, von seinem pandsch
fünf sein pandschah
faust ableitet, so verwendet dagegen der Deutsche sein fünf
oder vielmehr, durch vorgesetztes alle
verstärkt, ein alle fünf
für faust,
indem er nach der zahl der finger umschreibt: Pentz. du narr do du ursach hetest mit feusten darein zu greiffen, warumb hastu mit zwain spitzigen vingern darein gegriffen. weissestu nit das (
dasz) der bischof nit allwegen weihet.
Entz. du pist nit recht auff dem weg.
Pentz. und du pist nit recht darauf gewesen do du nit darein griffest mitt allen fünffen. Plauti
com., Bacchis 182
a.
hier stimmen mit fäusten darein greifen
und mit allen fünfen darein greifen
genau überein und werden eins wie das andere gesetzt. doch noch mehr dient der ausdruck zur umschreibung von hand,
die in einem an diesen rührenden hübschen bilde bei Weckherlin der fünf gezinket ast (
s. fünfgezinket)
genannt wird. aber auch hier begegnet, wie vorhin, mit allen fünfen drein greifen,
tüchtig an- oder zugreifen. so in einem oberschwäbischen liede, das mit einem andern 1633
als flugblatt gedruckt ist: nah dam geala brey haet man uff schultsa tisch traga uff onar blatta zwölff raoszwürst (
rösel- d. i. blutwürste) und oan saubmaga (
sausack) dear schultas haet mit älla fainfa drein griffa. Frommann 4, 94, 55.
vgl. s. 111.
daneben erscheint mit allen fünfen drein kneten,
mit sämmtlichen fingern der hand, mit der ganzen hand hinein greifen: (
nachbar Regnolt) hat mir in meinn guten rubacker geschissen. do wolt mein frau die ruben geten und hat mit allen fünfen drinn kneten.
fastnachtsp. 2, 609, 22.
dann osnabrück. mit fîven tasten,
mit der hand tasten um fortzukommen: ick will di slaun (
schlagen), du sast (
sollst) mit fîven darnâ tasten,
ich will dich prügeln, dasz du auf dem boden kriechen sollst. Strodtmann 55.
aber noch in andern verbindungen wird der ausdruck gebraucht. so in nd. twê ût fîven tên (
brem. wb. 1, 400. Dähnert 121
a),
oder osnabrück. twê ût fîven trecken (Strodtmann 55),
zwei (
finger)
aus fünfen ziehen, =
einen körperlichen eid (
mit ausstrecken zweier finger)
vor gericht schwören. auch drei aus fünfen ziehen,
weil beim schwur mit erhobener hand auszer dem zeige- und dem mittelfinger meist noch der daumen ausgestreckt zu werden pflegt. das wars all, 'r gnadn, drauf kann ich drei aus fünfen ziehn, sonst besinn ich mir nichts mehr. Bode,
Fieldings Thomas Jones (
Leipzig 1786
ff.) 2, 174,
im engl. texte steht I will be sworn. die fünf
oder fünfe drauf geben,
die hand: wann ihr dann ainig seit, so gebt einander eure fünfe drauf.
ein new nützlich und lustigs anticolloquium von etlichen reichstagspuncten (1653),
am schlusse. mit allen fünfen reiben
oder wischen,
mit der ganzen hand: zu ihrem (
Lisettens) glücke aber begegnete sie ihrem herrn in dem vorzimmer, der ihre glüende wangen bemerkte und sahe, wie sie eine bittere thräne mit allen fünfen aus den augen rieb. Möser
patriot. phant. 3, 46 =
werke 3, 48.
schwäb., westerwäldisch einem fünfe
oder fünf austhun,
eine maulschelle, eine ohrfeige geben. Schmid 209. Kehrein 1, 146. mit allen fünfen eine auswischen,
mit der ganzen hand eine ohrfeige geben, eine tüchtige ohrfeige geben. in dieser besondern auf den schlag mit der flachen hand an backen oder kopf gehende anwendung läszt sich auch vergleichen, wenn im gemeinen leben hand und finger als eine grasblume mit fünf blättern bezeichnet werden, die sich, gleichsam wie die wirkliche durch ihren starken duft, in anderer weise empfindlich macht. so straszburgisch, wenn der aufgebrachte vater zur tochter spricht so muest nit redde, Lisz (
Liese).nimm di in âcht, sunst wisch i dir ains us.do sich (
sieh) die grasbluem mit fünf blättre (die hand aufhebend), mit dere wurr i di glîch delleren (
schlagen) und leddre (
gerben, durchklopfen) dasz derrs (
dirs) latädel (
köpfchen) do wurd turne (
sich herumdrehen). Arnold
pfingstmontag 131.
jenes alle fünfe
aber findet sich auch, nur mehr zählend, in der mit die fünf finger darnach lecken,
recht lüstern, recht begierig darnach sein, völlig übereinstimmenden redensart alle fünfe darnach lecken: wenn die umstände nicht so wären, dasz ich alle fünfe nach jedem wische, der von Dir kommt, lecke. Wieland
an Merck (1835)
s. 249.
nd. dâr schast du alle fîve na likken,
da sollst (=
wirst)
du die fünf finger nach lecken. brem. wb. 1, 400. wenn er die geringste stelle erhalten kann, so leckt er alle fünfe darnach.
vgl. auch alle zehn finger
oder alle finger darnach lecken
unter finger 1)
und s. zehen.
An die von der zahl der finger einer hand ausgehenden redensarten schlieszt sich dann an, wenn jene zusammen als masz gesetzt werden: echeneis, ὠδινολύοντες,
remora, remeligo, ein kleiner fisch, fünff finger dick. Alberus
dict. q ij
b. fünf finger breit,
handbreit. Sollte auf die hand nicht auch fünf
in der redensart die fünf worte geben
gehn, wenn Henisch 1289, 38
als sprichwörtlich anführt »die fünff wort geben, glatte wort schleiffen, speck durchs maul ziehen,
dare verba, os sublinere«
? denn sie bedeutet wol ursprünglich: mit der hand streicheln, dann gleichsam mit worten streicheln, durch schmeichelworte schön thun. verschieden hiervon ist der ausdruck fünf worte
in den weiter unten angezogenen stellen. Wie aber an der hand fünf finger
sind, so werden dem menschlichen körper überhaupt fünf sinne
beigelegt. ahd. aber alle lucchedâ (
lockungen) bôt iro Venus ze allen irô ûʒeren finf sinnen.
N. Mart. Cap. 13,
wo der lat. text blosz sensus cunctos
hat. mhd. si (
die seele) hëte ouch funf dienistman, die ir zallen zîten hulfen, daʒ wâren die funf sinne dës lîbes: daʒ gesûne, diu gehôrde, dër smac, dër waʒ (
geruch), diu berûrde (
das gefühl). Roths
pred. 45; funf sinne: sëhen, hôren, choren (
schmecken), smechen (
riechen), gerûren (
fühlen). Diemers
arzneibuch bei Ben. 2, 2, 418
a; ein voller mensch fünf sinne hât, als uns diu schrift bewîset und ir nam geschriben stât: sëhen, hœren, grîfen (
fühlen), riechen, smacken, sus sint sî genant.
MS. 2, 133
a (206
b, 164); sumerzît und wîbes minne mannen trœstet die fünf sinne. 242
b (393
a, 9, 2); dô dir got fünf sinne lêch (
verlieh).
Parz. 488, 26.
nhd. fünf sinne hat der mensch und jeder sinn ein glied, dadurch die seele fühlt, riecht, schmecket, hört und sieht. Lichtwer
recht der vernunft 57; bei seinen fünf bescheidnen sinnen ist man vergnügt. Klamer Schmidt
kom. dicht. 63; wie ich so auf dem sandhügel am flusz hintrolle, glitsch, so rutscht der plunder unter mir ab und ich zehn rheinländische schuh lang hinunter — da lag ich, und wie ich mir eben meine fünf sinne wieder zurecht setze, treff ich dir das klarste wasser im kies. Schiller 126
a (
räuber 3, 2); nun hab ich veranstaltet, dasz wir auf jedem thor wenigstens sechs kreaturen unter der wache haben, die genug sind, die andern zu beschwätzen, und ihre fünf sinne unter wein zu setzen. 163
a (
Fiesco 3, 4).
sprichwörtlich heiszt es die fünff sinne seindt der seelen kundschaffter. Henisch 1290, 12.
aber auch von den sinnen steht, wenn gleich seltener, bloszes fünf,
wie vorhin von den fingern angegeben wurde: ich hielt ihn schier für einen solchen, der seine fünfe nicht alle daheimen hatte. Pape
bettel- u. garteteufel K 4
b; meine fünfe versammelten sich. Broxtermann 129.
ostfries. he hett sîn fîve nich recht binander,
auch nur he hett se (
d. h. die fünfe) nich alle binander, =
er ist nicht recht bei troste, benimmt sich oder handelt unklug. Stürenburg 55
a. 18
a.
An diese bedeutung schlieszt sich dann, wenn seine fünf sinne haben
für »
klug sein, tüchtig sein«
gesagt wird: herzog Johanns Friedrich churfürst von Sachssen ... ist Teutschlandes heil, ein gottfürchtiger und verstendiger fürst, er hat seine fünff sinn, gott erhalte jn lange zeit. amen. Luther
tischr. (1568) 346
b.
Danach nun, d. h. nach diesen sinnen wie nach den fingern der hand schlieszt, sich die zahl fünf
für sich ab und gilt als eine heilige: zwölf zeichen hat der thierkreis, fünf und sieben, die heilgen zahlen liegen in der zwölfe. Schiller 337
b (
d. Piccol. 2, 1);
bedienter. warum nennt ihr die fünfe eine heilge zahl?
Seni. fünf ist des menschen seele. wie der mensch aus gutem und bösem ist gemischt, so ist die fünfe die erste zahl aus grad und ungerade.
ebenda. schon bei den Römern war die zahl fünf
der göttin Minerva geheiligt (
s. Servius zu Virg. georg. 1, 277)
und bei den Griechen der Δίκη,
der göttin der gerechtigkeit (
s. Hes. carm., rec. Göttling, zu op. 803).
auch den Muhamedanern scheint fünf
heilig, denn es ist die zahl ihrer täglichen gebete: nach Salamaleks meinung war der gröszte und beste aller sultanen derjenige, der seine fünf gebete und seine gesetzmäszigen waschungen mit der pünktlichsten genauigkeit verrichtete. Wieland 6, 188.
aber aus jenen beiden stellen von Schiller
geht zugleich hervor, dasz fünf
auch als geheimnisvolle zahl angesehen wird, was auf dem drudenfusz (
s. d.)
oder pentagramma (
s. fünfwinkelzeichen)
zu beruhen scheint, das die Pythagoreer als sinnbild der gesundheit hatten. Im zusammenhange mit der zahl der finger der hand oder von der zahl der sinne ausgehend steht oder mag doch stehn, dasz fünf
auch sonst als abschlieszende zahl erscheint. so erinnert an die fingerzahl der hand eben als abschlieszende zahl bei den Indiern, wenn sie aus fünf
bestandtheilen, nemlich rum, wasser, thee, zucker und citronen, ein mischgetränk bereiten, das nach hindostanisch pântsch,
sanskr. pantschan,
fünf, die Engländer punch
nennen, woher unser punsch (
s. d.)
entlehnt ist. ähnlich hatten die Griechen einen aus fünf
bestandtheilen gemischten stärkenden trank, aber diese waren pramnischer wein, gerstengraupen, honig, geriebener ziegenkäse und zwiebeln oder eine andere würzige pflanze. vgl. Odyssee 10, 234
ff. 290. 316.
Il. 11, 624. 641.
auch s. weinmus.
dann deutet auf die fingerzahl als abschlieszende zahl, wenn Homer Il. 12, 86
die vorstürmenden Trojaner sich in fünf
abtheilungen ordnen läszt: selber darauf sich theilend, in fünf heerschaaren geordnet, gingen sie wohlgereiht und folgeten ihren gebietern. Voss.
gleicher weise sind hier die bei den öffentlichen spielen der Griechen durchzukämpfenden fünf
leibesübungen, der fünfkampf (
s. d.),
und das bei den Griechen und Römern vorkommende zählen und bestimmen nach zeiträumen von fünf
jahren (
vgl.fünfjahr)
zu erwähnen. Der tiefsinnige Deutsche geht bei seinen abschlieszenden fünf
auch von den fünf
sinnen aus, und blosz auf diese gründet Otfried
die eintheilung seiner groszen evangelischen dichtung in fünf
bücher. vielleicht an die zahl der sinne oder der finger denkend verlangt dann Gottfried von Straszburg
in seinen minneliedern 3, 12
von der minne »fünf dinge«:
reinheit, keuschheit, milde, demuth, geduld, und legt ein anderer mhd. sänger, Barthel Regenboge,
den frauen fünf
tugenden bei, deren pflege er ihnen empfiehlt: fünf hande tugende sol eine reine vrouwe pflëgen, wil si behalten völleclîchen wîbes së
gen. MS. 2, 198
a.
sollte auch Freidank 27, 7
durch jene fünfzahl angeregt worden sein, gerade fünf
erträge als reine zu bezeichnen: fünf wuocher die sint reine und lützel mê deheine, vische, honc, holz unde gras: obeʒ ie reiniu spîse was.
eben so möchte von derselben ausgehn, wenn Henisch 1290, 14
anführt dise fünff stuck sind zu fliehen und meiden: nicht alle gedancken offentlich sagen, nicht all sein vermögen herfür zeigen, nicht alles liebs willen haben, nicht alles, was einer gesehen, sagen, nicht alles thun, was er kann.
aus dem deutschen volksleben weist auf die fingerzahl ein bei mädchen während ihrer kinderzeit beliebtes spiel mit fünf
steinchen, in der Wetterau tatschen genannt, hin, zumal da es mit der hand gespielt wird, und schon die griechischen frauen hatten ein wenigstens zu dem letzten theile des deutschen stimmendes spiel mit fünf
fangsteinen, τὰ πεντάλιθα (Pollux
onomast. 9, 126).
s.tatschen, tatschstein,
auch datschelspiel.
gleicher weise scheinen an die fingerzahl die fünf karten
zu erinnern, ein ehemaliges kartenspiel, von welchem Fleming 168
singt da gieng das schertzen
an. die spielten der fünff karten. die jagten fuchs ins loch in den beschneyden garten (
pl.).
es ist wol dasselbe mit fünffängeln (
s. d.), färbeln (
s. d.),
oder fünfkarte.
endlich dürfte an die fingerzahl noch das sprichwort anknüpfen kompt einmal glück, es kommen fünff sturmwind hernach (Henisch 1290, 25),
so viel sturmwinde oder so viel unglück als man an den fingern abzählen kann. Da aber die fingerzahl der hand keine hohe ist, so mischt sich fünf
als abschlieszender zahl der begrif von »
wol gering, geringfügig der zahl nach und doch nicht zu gering, wol wenig der zahl nach und doch nicht zu wenig«
bei: so thut ein altes leylach her tragen ... »ich hab kein schlechtes leylach nit, das aller schlechtest das ich hab, mein mutter mir zu auszstewr gab, dz ist auffs wengst fünff creutzer werth.« H. Sachs III (1588). 3, 60
c.
eben so wenn wir eine kurze, aber nicht allzu kurze zeit durch fünf minuten
bezeichnen: sie, die um ein gutes theil neugieriger war als ihr mann, und der das schnäbelchen nicht leicht fünf minuten still stand. J. G. Müller
Siegfried v. Lind. (1790) 1, 198; die frau lektorinn ... beliebten (
wegen eines ausgezogenen zahnes) auf anrathen des wundarztes alle fünf minuten weinessig in den mund zu nehmen. 221; heiligen abend vor pfingsten, da er auf fünf minuten in meine werkstatt kam, um sich, wie er sagte, eine eisenschiene ... wieder zusammenheften zu lassen. H. v. Kleist
Käthchen v. Heilbronn 11. in fünf minuten must du fertig sein.
danach geht dann fünf
überhaupt in die bedeutung »
wenige, einige«
über, und diese scheint sich schon, wenn auch nur als anflug, zu zeigen in mhd. und sprich ûʒ rôtem munde zuo mir niht wan eht fünf wort. diu hœhent mîner fröiden hort: »var hin ze guoter stunde!«
MS. 1, 15
a.
aber deutlich tritt sie hervor in nhd. aber ich wil in der gemeine lieber fünff wort reden mit meinem sinn, auff das ich auch andere unterweise, denn sonst zehen tausent wort mit zungen. 1
Cor. 14, 19; die fünff tage, die ich etwa noch zu leben habe. Olearius
pers. baumg. 1, 13; dencke dasz du nur noch fünff tage zu leben hast. 29; dencke, dasz diesz biethen und verbiethen vielleicht nicht länger als fünff tage währen möge. 28; ich darf mich ohnedem vorjetzo nicht beschwehren, als liessen tisch und schlaf mich wenig zeit entbehren: fünf bissen in den mund, so ist die tafel gar. Günther 412; sechs löcher in dem strumpf, fünf federn in den haaren, das hielt ich ebenfalls vor ehrlich und galant. 581; es blies sich einer auf und sprach: ich gehe der gelahrtheit nach, ein andrer rief: vernehmt, dasz ich nach weisheit reise. kaum hatten sie fünf schritt gethan, so schrien sie: menschen! seht uns an, ich bin gelehrt, und ich bin weise. Lichtwer
fab. b. 4
nr. 8; die herren Bouge und Caillot, an die ich von Wien aus wegen meiner fünf dreyer hier gewiesen bin. Seume
spaziergang 202. 22)
stellung als zahl überhaupt, flexion. Was fünf
überhaupt als zahl anlangt, so steht es als solche bestimmend bei dem substantiv, aber stets ohne flexion, die das goth. und altn. bei dieser zahl nicht einmal kennen. ahd. thû habêtôs finf gomman.
Tat. 87, 5 (
Joh. 4, 18); thû wis obar fimf burgî. 151, 6 (
Luc. 19, 19); thaʒ was finf dagon êr,êr ër thulti thaʒ sêr. O. IV. 4, 3.
mhd. fünf ors erwelt und erkant.
Parz. 10, 1; wiʒʒet ir daʒ vünf juncvrowen sich versûmten in dën ouwen unz der künc dën sal beslôʒ?
MSH. 3, 31
b (
Matth. 25, 11);
vgl. noch oben fünf dinge
bei Gottfried von Straszburg
und fünf wuocher
bei Freidank.
nhd. und sind noch fünff jar. 1
Mos. 45, 6; Benjamin gab er drey hundert silberling und fünff feierkleider. 22; und (
David) nam seinen stab in seine hand und erwelet funff glatte stein aus dem bach und thet sie in die hirtentassche, die er hatte, und in den sack.
1 Sam. 17, 40; fünff ellen hoch.
2 chron. 4, 2; verkeufft man nicht fünff sperlinge umb zween pfennige?
Luc. 12, 6; ich habe noch fünff brüder. 16, 28; ein teich, der heisset auff ebreisch Bethhesda und hat fünff halle.
Joh. 5, 2; deine neuen piaster, obgleich sie um fünf aspers zu leicht sind. J. G. Müller
Siegfr. v. L. (1790) 1, 39; freylich hatte man es in andern zeitungen schon fünf oder sechs wochen früher gelesen. 2, 397; fünf regimenter Terzky sind noch unser. Schiller 380
b; die Schweden stehn fünf meilen nur von hier. 389
b bei des herrn fünf wunden. Göthe 1, 361; (
wir fanden) eine schwache (
lave) von fünf tagen schon erkaltet. 28, 22. es waren fünf männer da. er sah fünf vögel sitzen.
doch findet sich fünf
in dieser stellung ahd. und mhd. auch flectiert, freilich sehr selten: ahd. nur in »kelëranêm fëorim
aut fimfim pletirun«,
nachdem vier oder fünf blätter gelesen sind, bei Kero 42
und zwar hier, wie es scheint, allein weil absoluter dativ gesetzt ist. nu hëlfet mir daʒ ich beherte mit bëte ir ze huotefumve junchfrouen guote. Wernhers
Maria 174, 13.
nhd. möchte in solchem falle ein fünfe,
d. h. flexion des fünf,
kaum nachzuweisen sein, wenigstens in der sprache des 18.
u. 19.
jh. wäre es unerhört. steht aber fünf
nach dem substantiv oder nur in beziehung auf dieses oder mit einem abhängigen genitiv oder für sich, und zwar mit wie ohne artikel, dann wird es ahd. flectiert: nom. u. acc. masc. u. fem. finfi, fimfi, fimvi,
später finfe, finve,
neutr. finfiu, finviu, funfiu, fimvu,
gen. durch alle geschlechter finfô, finvô,
dat. ebenfalls durch alle geschlechter fimfim,
später finven, funfen.
wann das wort ohne und mit flexion steht, zeigt sich schlagend in folgender stelle, in welcher fünf
in beziehung auf das subst. gesetzt ist: hêrro, funf phunt gâbe du mir, funfiu gewan ih in gesuoch (
zins).
N. ps. 111, 5 (
Matth. 25, 20).
nach dem subst. steht es in juhhidu ohsônô coufta ih fimvu.
Tat. 125, 4 (
Luc. 14, 19); thën (
teich) bifiangun umbiporzichâ finfi. O. III, 4, 7.
weitere stellen und dann belege, wenn fünf
für sich steht, s. bei Graff 5, 542.
in denselben fällen, wie ahd., wird das wort auch mhd. flectiert und zwar nom. u. acc. masc. u. fem. vünve,
neutr. vünviu,
gen. vünver,
dat. vünven
s. Ben. 3, 436
b.
auch nhd. flectiert fünf:
nom. u. acc. masc. u. fem. fünfe,
gen. fünfer,
aber mit vorgesetztem artikel wie der nom., dat. fünfen.
von diesen casusformen ist der gen. fünfer
längst erloschen und nur durch einzelne grammatiker erhalten worden, wie ihn denn Stieler
in seiner sprachkunst s. 97
ansetzt; dagegen kommen die übrigen vor: des mach er sich ye so hin an zuo seinem rechten haubtman, der hie fünfe schullen sein.
ring s. 217, 49
b, 8; ja fur fünffen werdet jr alle fliehen.
Jes. 30, 17; vier könige (
rüsteten sich zu streiten) mit fünffen.
1 Mos. 14, 9; einer von den fünffen, der reicheste. Philander (1650) 1, 615; einer hockte den mantelsack auf den rücken und nun ging der zug zu fünfen zum dorfe hinaus. Göthe 16, 286; ertrunken ist Adolph selbfünfe. 22, 199,
vgl. selbfünf; fünf dinge bringen fünfe nicht hervor. 5, 66. man zog aufs trockne die fünfe. 40, 28; die sämmtlichen fünfe, unter musikalischer begleitung, kehren sich um und gehen nach dem grunde. 13, 302.
weitere belege für die flexion von fünf
bieten die bereits oben spalte 549
ff. angeführten stellen. doch unterbleibt am liebsten dieselbe und das wort erscheint, wie in seiner stellung vor dem subst., flexionslos, bei Luther
selbst dicht neben dem flectierten fünf: es möchten vielleicht fünff weniger, denn funffzig gerechten drinnen sein, woltestu denn die gantze stad verderben umb der funffe willen?
1 Mos. 18, 28; und solt riegel machen von foern holtz, funffe zu den breten auff einer seiten der wonunge und funffe zu den breten auf der ander seiten der wonunge und funff zu den breten hinden an der wonunge gegen dem abend.
2 Mos. 26, 26
u. 27. und sollen ja fünff (
es ist von zehn teppichen die rede) zusamen gefüget sein, eine an die andern. 3; aber fünff unter jenen (
den zehn jungfrauen) waren töricht und fünff waren klug.
Matth. 25, 2; fünff (
es wird von königen geredet) sind gefallen.
offenb. 17, 10; und sieh! wir waren drey und vier und fünf und sechse. Göthe 1, 127,
wo hinter vier
und fünf
der apostroph, den die hier citierte ausgabe bietet, füglich wegbleiben kann, wie ihn denn der erste druck im taschenbuch auf das jahr 1804
s. 127
auch nicht hat. mit abhängigem genitiv: ahd. fimfi dërô danne wârun unwîsô enti fimfi snottrô.
fragm. theot. 18 (
Matth. 25, 2).
mhd. mîner rîtr im volgeten fünfe dar.
Parz. 618, 28; ir fünve dâ gelagen tôt. Heinr.
Trist. 6276.
nhd. flectiert wie flexionslos: ewer (
die Israeliten sind angeredet) fünffe sollen hundert jagen.
3 Mos. 26, 8; er machet eilff teppich von ziegenharen ... und füget jr funff zusamen auff ein teil.
2 Mos. 36, 16; ihrer waren fünffe. Philander (1650) 1, 590; es sind unsrer fünfe. Scheller
deutsch.-lat. lex. (1805) 1, 1024; es sind euer (eurer) nur fünfe.
ebenda; fünf der allerliebsten knaben gegen fünf geschwister streitend. Göthe 2, 108; fünf unsers ordens waren schon ... des kühnen muthes opfer worden. Schiller 65
b. fünf
oder fünfe der jahre brachte er auf seiner reise zu.
die niederdeutschen mundarten bewahren die flexion, aber merkwürdig erscheint, dasz in Süddeutschland an der obern Nab und zwischen Lech und Inn das volk nur in beziehung auf ein sächliches subst. fimfe,
d. i. unser hochd. fünfe,
festhält. s. Schmeller
mundarten Bayerns s. 55
nr. 231
u. 232.
das altsächsische, um dies hier nachträglich zu erwähnen, kannte blosz einen nom. u. acc. fîvi,
und ags. kommt ein seltner nom. fîfe (Grein
sprachsch. 1, 300)
vor. flexionslos bleibt fünf,
wenn es vor gröszeren zahlen, mit diesen durch und
verbunden, weiter zählt: fünf und zwanzig, fünf und dreiszig, hundert fünf und vierzig
u. s. w. übrigens rücken viele auch die wörter an einander, so dasz die ganze zahl in éins verbunden wird: fünfundzwanzig, fünfunddreiszig, hundertfünfundvierzig
u. s. w. ein solches aneinanderrücken findet mitunter bereits im 16.
jh. statt, wie z. b. des Marcus Cordelius
institutiones grammaticae latinogermanicae (
Basileae 1541) I 3
a ff. in ihrer schreibung fünffundfünffzig, fünffundsechzig, fünffundsiebenzig
u. s. w. zeigen, und wenn sich vorher I 2 fünff und zwentzig, fünff und dreissig, fünff und viertzig
findet, so läszt dies nur erkennen, dasz getrennte schreibung wie aneinanderrücken als gleichgültig angesehen wurde. Nun zu besonderen fällen. flectiert und flexionslos wird auch bloszes fünf
gesetzt, um fünf uhr,
also die fünfte stunde nach zwölf uhr kürzer zu bezeichnen: es ist halbweg fünfe,
sive halbfünfe. Stieler 582; obgleich der sonnenzeiger schon auf fünfe deutete. Musäus
Grand. 2, 327; morgen nach fünf erwarte ich Sie. Göthe
und Werther nr. 3; es ist halb zehn, und halb fünf ist der kaffe bestellt, damit wir um fünf fahren können. Voss
br. 2, 376; um fünf kamen die ärzte und fanden ihn zum verwundern heiter. Ernestine Voss
in Voss. br. 3, 2, 233. es geht auf fünf
oder fünfe (Scheller
deutsch.-lat. lex. 1, 1024),
es ist vier uhr vorüber; es hat fünf
oder fünfe (Scheller
a. a. o.) geschlagen, die glocke hat fünf
oder fünfe geschlagen. es ist fünf
oder fünfe vorbei.
aber auch bei vorausgehendem artikel so wie wenn das wort dem subst. uhr
nachgesetzt wird, kann es flexionslos wie flectiert stehn. so wenn man im gewöhnlichen leben sagt: die fünf
oder die fünfe sind noch nicht da. es ist ein uhrer fünf
oder fünfe,
d. i. ein uhr oder fünf, =
etwa fünf uhr (
vgl. das aus oder
gekürzte er 3, 693).
nd. (
göttingisch-grubenhagenisch) klocke fîwe,
daraus hochd. glock fünfe, glock fünf, =
auf den schlag fünf, z. b. in klocke fîwe sin ëck upestân,
auf den schlag fünf bin ich aufgestanden. Schambach 269
a.
vgl. auch glocke.
eben so wird fünf
flectiert wie flexionslos gesetzt, wenn durch dieses zahlwort ausgedrückt werden soll, dasz der gewinst oder zins von dargeliehenen hundert gulden oder thalern jährlich fünf gulden oder thaler beträgt. er erhält bei seinem darlehen vom hundert fünf
oder fünfe. seine ausgeliehenen capitalien ertragen fünf vom hundert
oder fünfe vom hundert. alle jar fünff zuo zinsz von hundert hauptguots. Frisius (1556) 1109
a und danach Maaler 146
a. zinsz fünff von hundert,
usura quincunx. Henisch 1289, 42.
auch mit bloszem fünf: man nemm fünff, vier auff wucher ein, man friszt daran der höllen pein. 43.
im gewöhnlichen leben hört man fünf
oder fünfe pro cent,
in Oesterreich per cent,
wogegen vor dem subst. procent (
s. d.)
das zahlwort flexionslos bleibt und nur fünf procent
geschrieben wird, niemals fünfe procent.
anders ist es, wenn fünf
blosz in beziehung auf dieses subst. gebraucht wird: Sie wissen, dasz ich starke capitale von meinem mündel, dem herrn Simon, in den händen habe. diese verleihe ich gegen acht und zehn procent und verrechne nach den landesgesetzen nur fünfe. Gellert
lustsp. (1748)
s. 253.
im dat. indessen hört man hier nicht fünfen,
sondern flexionslos fünf: ein capital zu fünf vom hundert
oder zu fünf pro cent ausleihen.
bei dem subst. procent
könnte es nach dem eben bemerkten ohnedies nicht anders als zu fünf procent
heiszen. auch beim würfelspiel wird fünf,
um zu bezeichnen, dasz die beim wurfe erscheinenden augen so viel zählen, flectiert wie flexionslos gesetzt: er hat fünfe
oder fünf geworfen.
endlich noch kann es gleicher weise stehn, wenn das fünfte jahr des jahrhunderts, in welchem man lebt, bezeichnet werden soll. Schiller starb im jahr fünf
oder fünfe, = 1805.
es erscheint hier wie eine durch auslassung des tausendes und des hundertes, die sich beide für die gegenwart gleichsam von selbst verstehn, entstandene kürzung, denn unser zahlwort kommt ebenso in der ganzen, vollen zahl vor: im jahr neünhundert dreyszig fünffe. Philander (1650) 2, 264.
distributiv, d. h. abtheilend nach fünfen, wird je fünf
und je fünfe, fünf und fünf
und fünfe und fünfe, je fünf und fünf
und je fünfe und fünfe,
aber stets flectiert bei fünfen (
s. oben die stelle Odyssee 4, 412)
gesagt. je fünfe,
quini. Stieler 582; je fünff. Dentzler 117
a. fünff und fünff,
quini. Weismann (1715) 2, 135
a; je fünff und fünff. 1, 451
a. ie fünf und fünf. Hederich
promt. (1753) 986.
s. auch die stelle oben aus Fr. L. Stolbergs
Aeschylus. 33)
Sprichwörtliche redensarten. Von den sprichwörtlichen redensarten geht von jenem wurfe von fünf
augen beim würfelspiel, in so fern sich derselbe unmittelbar wiederholt, die aus: auf
oder bei seinen fünf augen bleiben, auf
oder bei seinen fünf augen stehn bleiben,
nd. up sîne fîf ogen stân (
brem. wb. 1, 400)
d. i. auf seinen fünf augen stehn,
hartnäckig, widerspenstig, starrsinnig, rechthaberisch sein, unverrückt auf seiner meinung beharren: ein verläumbder schwätzet was jhm in das maul kommet, man sage jhm recht oder unrecht, so bleibet er auff seinen fünff augen, alles ist getadelt und gescholten, ob er schon weisz dasz er unrecht daran thut: alles musz heraus geplaudert seyn. Philander (1650) 1, 254; guter rath ist bei mir niemals theuer. bleiben Sie bei Ihren fünf augen, und wenn der papa zehnmal sagt, du sollst Reichardten nehmen oder Garben, so sagen Sie elfmal, ich mag weder den einen noch den andern. Kretschmann
der alte böse general 55; er bat, er flehete, er netzte ihre hände mit seinen thränen, er umarmte ihre knie, kurz, er stand so auf seinen fünf augen, dasz das mädchen nachgeben muszte. J. G. Müller
in den strauszfedern 3, 232. einen auf seinen fünf augen lassen,
auf seinem hartnäckigen, widerspenstigen, starren sinne, seiner rechthaberischen ansicht. man sagt aber, wie auf seinen fünf augen,
ebensowol auf seinen neun, seinen elf, seinen zwölf, seinen achtzehen augen.
s. 1, 800.
dies achtzehen
ist denn auch die höchste zahl, die mit den üblichen drei würfeln auf einmal geworfen werden kann, und wenn ihr nun gegenüber fünf
hier als niedrigste gilt, so mag das, da drei
der niedrigste wurf ist, wieder in der fingerzahl der hand seinen grund finden. gleichsam einen gegensatz gegen die bedeutung der vorigen redensart bildet die fünf fünf sein lassen
oder fünfe fünfe sein lassen,
es gehn lassen wie es geht, gegen vorkommendes gleichgültig sein: noch andre, die sich nicht bemühen, auch sich nichts zu gemüthe ziehen und fünffe lassen fünffe sein. Picander
ernstscherzh. u. sat. ged. (1727)
s. 140.
im grunde stärker noch ist fünf
oder fünfe gerade (grad) sein lassen,
es nicht genau nehmen, überaus nachsichtig sein, besserer einsicht entgegen nachgibig sein: fünfe gerade sein laszen. Schweinichen 1, 29; gaben wieder gute wort und lieszen fünfe grade sein. 2, 60; hab ich jemahlen mein weib den meister spielen oder in ambts- und oberkeitlichen geschäfften, jhr zu gefallen, fünffe grad seyn lassen. Philander (1650) 1, 218; man musz etwa fünff lassen gerad sein. Henisch 1290, 31; frau Venus und ihr völkchen läszt fünf gerade seyn. Bürger 17
b; auszer dem hause, halt ich dafür, musz einer nichts auf sich sitzen lassen, aber im hause musz er fünfe gerade seyn lassen. J. G. Müller
Siegfr. v. Lindenb. (1790) 1, 165; dasz ohne die freude, welche fünf gerade seyn läszt, es ein elendes wesen auf der welt ist.
Niebuhrs leben 3, 233; Stolberg ist persönlich noch jetzt proselytenmacher. hier ziemte, dasz unsere theologen redeten, aber ein theil von ihnen frömmelt, ein anderer theil läszt 5 grade sein. so musz denn von den laien reden, wen gott mit kraft gerüstet. H. Voss
br. 2, 85.
unterwaldnisch nid dem wald vom verlornen sohn in der fremde: doa lat er fîfi grad sî, lebt buschberä (
lustig) i suis und bruis, bis alls zsämmä fläts (
rein, völlig) verbutzt ischt. Stalder
dialektol. 297, 13.
tirol. alle fünf grad sein lassen,
sich wenig bekümmern, es bei der sache bewenden lassen. Schöpf 161.
pommerisch fîwe grâd gân laten,
fünfe gerade gehn lassen, =
offenbares unrecht übersehen. Dähnert 121.
auch in demselben sinne fünf
oder fünfe für gerade nehmen: auch als pension für nichtsthun betrachtet, hätten Sie (
Friedrich August Wolf ist angeredet) Ihr brot nicht mit freude genieszen können, oder Sie müszten anlage zu einem schmeerbauche haben und fünf für gerade nehmen. Voss
br. 2, 243.
endlich fünf
oder fünfe gerade machen,
unrecht zu recht machen: wir merckten, dasz man auch die allerbeste sache in rechten offters krum und fünff gerade mache. Günther 418.
Darauf aber, dasz fünf
die erste zahl aus einer geraden und einer ungeraden ist (
s. sp. 551
die zweite stelle von Schiller),
beruht: das ist ja alles so klar als drey und zwey fünfe macht. J. G. Müller
Siegfr. v. L. (1790) 4, 362.
Andere redensarten sind bereits unter 1
angegeben. Ein hinausgehen über das abschlieszende fünf
aber drückt die einen stillen wunsch enthaltende sprichwörtliche redensart aus segnet gott fünff, so segnet er auch wol sechs. Henisch 1290, 32.
eben so in fünff hinwerffen und sechs aufheben,
stehlen. Kramer
teutsch-ital. wb. (1678) 492
b.
dagegen ein zuviel der zahl fünf,
nemlich fünf,
wo nur vier
sein sollte, spricht sich aus in wenn der wagen fellt, so musz er fünff räder gehabt haben, das ist, so schlegt jederman dreck auff,
paupertas contemta et abjecta. 27.
das scheint ursprünglich so viel als hochmuth kommt vor dem fall, der hernach um so gröszere verachtung und niedrigkeit zur folge hat. dann ist noch zu erwähnen holstein. de sœcht fîf fœt up ên schâp,
der sucht fünf füsze auf ein schaf, =
der sucht seinen handel, seinen schnitt so zu machen, dasz er vortheil hat. Schütze 1, 313. ên weg up fîfvêrendêl,
ein weg auf fünf viertel, =
ein umweg in die kreuz und queere. ebenda u. s. 210.