fünfte ,
die ordinalzahl von fünf.
goth. nicht erhalten, es wird fimfta
gesagt worden sein; ahd. finfto, fimfto,
bei Notker
einmal auch schon funfto (Graff 3, 543),
mhd. vünfte, vunfte, fünfte,
auch fümfte (Ben. 3, 436
b),
alts. fîfto,
nnl. vijfde,
nd. fofte, föfte,
ags. und altfries. fîfta,
engl. fifth,
altn. fimti
für früheres fimfti,
weil sonst fimði
oder mindestens fimdi
stehn würde (
gramm. 3, 637),
schw. und dän. femte,
zu welchen formen die gleichbedeutenden gr. πέμπτος,
lat. quintus (
für quinctus),
litth. penktas,
slav. pjatyi (
dessen t
auch die grundzahl pjat',
fünf, eingenommen hat)
stimmen. sanskr. pantschamas (pańćamás),
neben welchem freilich auch ein den vorigen formen entsprechendes vêdisches pantschathas (pańćáas)
vorkommt, weicht in seiner endung ab; ihm würde ein goth. fimfuma
entsprechen, von welchem aber nicht das geringste zu spüren ist. s. gramm. 3, 642.
übrigens gehört zu jenen bildungen mit t
noch der samnitische eigenname Πόμπτιες,
der lat. zu Pontius
wird, welches eins ist mit Quinctius, Quintius.
Eine eigenthümliche form ist mhd. viunfte (daʒ viunfte gebëte.
spec. eccles. 181,
dagegen 42 diu vunfte tugent; nâch dëm fiunften tage.
Meinauer naturl. 19), fiumfte,
welches letzte die unter 3)
angeführten stellen aus Grieshabers
predigten zeigen, nhd. feunfte: die feünft feder an dysem wadel ist, das (
dasz) ain mensch häfftigklichenn anschlah und den anschlag oder fürsatz offt ernewere und steiff für sich setz. Keisersberg
mucken des mundes 130
a,
wo aber gleich vorher, nemlich 129
d das fünft capitel, 128
a die fünft frucht ist redmässigkeit.
die form entspricht übrigens ganz mhd. fiumf,
nhd. feunf
oben sp. 548.
Das wort steht 11)
seiner natur nach adjectivisch. mhd. dën vinften (
chor der engel) namete ër gewalte.
Gen. 11, 7; diu vierd natûre endet dâ, diu vümfte diu beginnet sâ. dër himel und die stërne siben sint an dër vümftn natûre belîben.
welsch. gast. 2354. 2356; geheiʒen ist Vênus dër vumft (
stern). 2371.
nhd. der fünfft marckt das ist die hell. Keisersberg
geistl. märkte 47
c; die fünffte schnuor an dem sail ... ist: wirckung verschmächter demtiger werck. 77
b; das fünfft reisz (
am besen) ist beicht. 80
b; da ward aus abend und morgen der funffte tag.
1 Mos. 1, 23; im fünfften monden.
Jer. 1, 3; und da es das fünffte siegel aufthet.
offenb. 6, 9; dasz die stücke niemals ganz, sondern meistentheils nur die fünften acte, wo es an ein todtstechen gieng, aufgeführt wurden. Göthe 18, 27; weisz sei der blumen jegliche fünfte, dann die zehnte dunkel. Herder
Terps. 1, 149; oft glaubte sie, dasz Mars vom fünften himmel sich selbst hinabgestürzt ins kampfgewimmel. Gries
Ariost 26, 20. er hat den fünften platz,
in der reihe, wobei zu vergleichen unter 2)
a) er ist der fünfte. mein sohn geht ins fünfte jahr,
ist vier jahre alt, hat aber das fünfte noch nicht vollendet. er kam in der fünften stunde. er legt jährlich den fünften theil seiner einkünfte zurück.
mhd. sînes chornes daʒ finfte teil, trage iʒ zuo frôneme stadile.
gen. 60, 35,
vgl. hernach unter 2)
d)
die stelle 1 Mos. 41, 35,
aus welcher hier der dichter schöpfte. dem quinta pars nectaris
des Horaz od. 1, 13, 16
aber entnommen ist, wenn das aus fünfte theil
zusammengesetzte und, zumal wegen des anlautes von theil,
durch ausstoszung des te
gekürzte fünftheil
in der bedeutung das ausgesuchte, das unübertroffene, der ausbund gebraucht wird. s. fünftheil 2).
doch für quintessenz, d. i. die durch chemische kunst fünfmal ausgezogene kraft eines stoffes, die kraft oder der geist desselben in vollster reinheit, welche bedeutung auch mit fünftheil
sich verbindet, hat man verschiedene andere ausdrücke als übersetzung des bei diesem quintessenz zu grunde liegenden lat. quinta essentia,
das selbst wieder übersetzung des den äther bezeichnenden pythagorischen πέμπτη οὐσία ist, versucht, ohne dasz einer derselben allgemein geworden wäre. am treusten dem lat. blieben fünfte essenz, fünftes wesen: wans also versotten, distillieren sie es durch eyn glock oder theologantische doctoreskapp, so lang unnd vil, bisz die natürlich substantz gar hinweg ist und sie quintam essentiam darausz gezogen haben. dise fünfft essentz vermengen sie mit eym artzeneyküglein oder küchlein, welchs sie also bereyten. Fischart
bienenk. 241
a (1588 266
b); ich bin die liebe selbst, ihr kern, ihr fünfftes wesen, was schönheit machet kranck, das musz durch mich genesen. Lohenstein
rosen (1733) 84; es schwand des wassers mänge, die wurzeln zogen es durch ihre kleinen gänge, gehöhlten teicheln gleich und sogen seine kraft, sein fünfftes wesen, aus zu ihrem nahrungssaft. Drollinger 67.
auch Sperander 545
a verdeutscht quintessenz
durch das fünffte wesen.
ein anderer ausdruck ist fünfte kraft: der balsam, welchen sie (
die blumen) aus ihren höhlen düften, ist selbst die fünfte kraft aus reinen himmelslüften. Drollinger 71.
endlich wird die quintessenz noch als fünftes element
bezeichnet: das element der himmelskörper aber ist der ewige, unveränderliche äther, das unvergängliche licht und feuer, welches aber nicht wie das irdische verlöschen und wieder entbrennen kann. es gehört darum nicht zu den elementen unserer erde, sondern ist ein fünftes element, die quinta essentia, woher noch unser ausdruck quintessenz stammt, womit wir das allerfeinste bezeichnen. Wieland (1853) 25, 382.
Weidmännisch wird ein zehnender auch ein hirsch vom fünften kopfe, ein hirsch vom fünften gehörn
genannt. Wilckens
anfangsgründe der weidmännischen sprache (
Braunschweig 1801) 49 §. 215.
diese benennung geht darauf, dasz jede stange des geweihes fünf enden hat. Volksüblich hört man zu fünft theilen, zu fünft sein, zu fünft spielen
u. s. w. für zu fünfen;
aber die schriftsprache meidet dies zu fünft.
dagegen ist in ihr selbfünft
geläufig: er theilt selbfünft, er war selbfünft hier, er kam selbfünft an
u. s. w., er mit vieren als der fünfte. vgl. selb.
nicht eben richtig hat Göthe 22, 199 selbfünfe.
s.selbfünf
und vgl. oben sp. 554.
Besonders zu erwähnen ist, dasz mhd. beim substantiven verbum dem auf ein männliches oder weibliches subst. sich beziehenden fünfte, vünfte
das neutrum des demonstrativs vorgesetzt werden kann: Karrîax daʒ fümfte was.
Willeh. 32, 14, = dër fümfte.
diese verbindung aber mit dem unbestimmt stehenden daʒ
kann mhd. wie ahd., wie die belege gramm. 4, 277
zeigen, bei jeder ordinalzahl vorkommen. nhd. ist sie erloschen und die schriftsprache setzt stets die bestimmten der
und die.
Vgl. fünftest. 22)
substantivisch. 2@aa)
der übergang zu dieser stellung bahnt sich an, wenn fünfte
ohne zugehöriges subst. erscheint: wir haben heute den fünften,
den fünften tag des monates. er ist den fünften
oder am fünften abgereist,
des gegenwärtigen monats. es trägt sich hier die bedeutung des subst. gleichsam auf das adj. über, das sie dann wie von selbst verständlich einschlieszt: er ist der fünfte,
hat in der reihe den fünften platz (
vgl. oben).
doch kann dies auch überhaupt bei jedem zählen gesagt werden. nun wird der grosze wundarzt auftreten, diesem ein schmerzlinderndes tränklein verordnen, jenem öl und balsam in die wunden gieszen, dem das schadhaffte glied ablösen, einem andern das gelähmte wieder erstärken, einem dritten das fieber wegseegnen, einem vierten, der sich auf hartem boden durchlag, ein weiches polsterbette geben, einem fünften zur völligen genesung nahrhaffte speisen, einem sechsten erwärmenden wein mittheilen. Veit Weber
sagen der vorzeit 5, 25.
sogar in dem falle, wenn das subst. vorausgeht, sehen manche die sich auf dieses beziehende ordinalzahl als substantivisch an, was sich deutlich daran erkennen läszt, dasz sie, wenn sie bei den substantiven einen groszen anfangsbuchstaben gebrauchen, diesen auch jenem zahlworte geben: wir, deine thronvasallen, verlieszen, zwei und dreiszig stark, den strand. zähl ich uns jetzt: kaum ist von diesen allen der dritte da, den rest schlug feindeshand. gott gebe nur, dasz ihrer mehr nicht fallen, allein ich fürchte, hältst du länger stand, so wird man kaum den vierten, fünften finden, und dein unselig volk wird ganz verschwinden. Gries
Ar. Rol. 38, 53,
wo sämmtliche ordinalzahlen groszen anfangsbuchstaben haben. stärker aber tritt die substantivische stellung in den folgenden b) —
d)
hervor. 2@bb)
regenten gleiches namens in einem lande werden nach ihrer folge durch die hinter jenen gesetzte ordinalzahl unterschieden, die dann, zumal da sie den artikel vor sich hat, als substantivisch angesehen wird. so, was fünfte
anlangt, kaiser Heinrich der fünfte, kaiser Karl der fünfte, kurfürst Friedrich der fünfte von der pfalz, burggraf Friedrich der fünfte von Nürnberg.
Bei einwohnern éines ortes dagegen, die gleichen familiennamen führen, pflegt zur unterscheidung hinter diesen der starke nom. sg. masc. der ordnungszahl gesetzt zu werden: Wilhelm Kratz fünfter.
in dieser bezeichnung hört man sogar unter dem volke die witwe von Johannes Hesz fünfter
statt Johannes Hesz fünftem. 2@cc)
im früheren deutschen rechte bedeutet das blosze der fünfte
oder ein fünfter
dén richter, der, wenn vier richter unter sich im urtheile derart zwiespältig sind, dasz bei diesem je zwei übereinstimmen, also stimmengleichheit herscht, durch beitritt zu dem einen oder dem andern paare die entscheidung herbeiführt. Simler
de rep. Helvet. 141. Haltaus 547
f. Scherz 450.
dieser fünfte,
der obmann beim finden des urtheils, konnte nun als solcher für immer bestimmt sein oder auch von den vieren bei jeder vorkommenden zwiespältigkeit besonders erwählt werden, in welchem letzten falle sich in den der stadt Eichstädt 1307
vom bischof Philipp ertheilten privilegien festgesetzt findet, dasz sie, wenn sie sich binnen drei tagen auf den fünften nicht geeinigt hatten, so lange in éiner herberge bei dem wirthe auf ihre eignen kosten verweilen müsten, bis die einigung stattgefunden. s. Haltaus
ebenda. weil dieser fünfte
aber von beiden seiten als unparteiische person erwählt war, hiesz er auch ein gemeiner fünfter,
d. h. ein unparteiischer fünfter richter. übrigens kommt auszerdem für fünfter
die benennung fünfmann
vor. s. fünfmann 1). 2@dd)
entschieden aber substantiv geworden ist der fünfte
in der bedeutung: eine ständige, pflichtige abgabe des fünften theiles von naturerzeugnissen: das (
dasz) er amptleute verordne im lande und neme den fünfften in Egyptenlande in den sieben reichen jaren.
1 Mos. 41, 35,
vgl. hierbei oben unter 1)
die stelle aus der gen. 60, 35; von dem getreide solt jr den fünfften Pharao geben, vier theil sollen ewr sein, zu beseen das feld, zu ewr speise und fur ewr haus und kinder.
1 Mos. 47, 24.
vgl.fünftengeben.
die gewöhnlichste solcher abgaben ist der zehnte (
s. d.),
seltener der dreiunddreiszigste,
der z. b. zu Staden in der Wetterau von dem auf althessischem gebiete rechts der Nidda liegenden gelände entrichtet wurde. vgl. auch fünfzehnte. 33)
adverbialisch, in verschiedener verbindung des adj. 3@aa) zum fünften,
welches wie fünftens
gebraucht wird: ich sprich zum fünfften, ist es sach, das du ettwas haben wiltt, als bcher, der leer halb, oder schreibgezüg, so samel sollicher ding, nit ainen überflusz. Keisersberg
Zacheusbaum 145
a; zuom fünfften, wa muosz man mer demtiger werk ben, dann im clauster. 77
d.
aber auch mit dem hervortretenden sinne: zum fünftenmal. nachdem ich ihn viermal vergeblich gewarnt hatte, ermahnte ich ihn auch noch zum fünften, aber alles half nichts. 3@bb) das fünftemal, zum fünftenmal
oder fünftenmale, ein fünftesmal.
mhd. zem vünften mâle,
zum fünften, fünftens: zem viumften mâle sô hât ër (
Christus) gehailet dien waʒʒersühtigen, von dëm uns hiut daʒ hailige êwangêlium saget. Grieshabers
pred. 1, 116; zem viumften mâl, sô wirt diu minne unsers hêrren bewêret von dër widersagunge aller irdescher dinge. 122; zem fiumften mâl dô wolter ir (
Maria Magdalena) darumbe zem êrsten erschînen
u. s. w. 2, 140.
in dem sinne der wiederholung einer begebenheit, dasz sie die fünfte ist, wie wir heute zum fünftenmal
gebrauchen: nu sage an wenne sprancter (
Christus) sîn hailiges bluot zem fiumften mâle für dich? 121; zem fiumften mâle, als hiute ist, dô erschain ër dën jungern dô si wâren bescloʒʒen in dëm hûse bî ainander. 141.
nhd. er macht die reise jetzt zum fünftenmal. wir sahen heute das schauspiel zum fünftenmale. das ist das fünftemal, dasz ich diesen vormittag bei meiner arbeit unterbrochen werde. er ist schon viermal wegen seines leichtsinnes bestraft worden und es wird auch noch ein fünftesmal geschehen. 44)
in sprichwörtlichen redensarten. das fünfte
rad am wagen,
ursprünglich etwas das falsche richtung gibt, störend wirkt: mhd. dër wagen hât deheine stat, dâ wol stê daʒ fünfte rat. Freidank 127, 13; ein klôsterlugner bœser ist und arger denn dës tiuvels list: ër verirt daʒ klôster, hœr ich sagen, rëht als daʒ vünfte rat dën wagen. Bon. 84, 86.
dann aber deutet, von dem störenden ausgehend, nhd. das fünfte rad
auf etwas unnützes, überflüssiges: baweten unnd zimmerten viel kleine sinnreiche automata, das ist, selbst bewegliche kunstwercklin, newe bratspiszwerck ..., das fünfft rad am karren, stockfischmülen, darauff man die stockfisch pläwet. Fischart
Garg. (1608) Z iiij
b.
so auch in das fünfte rad am wagen sein (Simrock (8071),
überflüssig bei etwas sein, bei etwas ohne alle thätigkeit sein. er ist in dem vorstande das fünfte rad am wagen,
ohne alle thätigkeit und geltung, völlig überflüssig. vgl. rad. den fünften zipfel am sack haben wollen (Schottelius 1117
a)
oder den fünften zipfel am sacke suchen,
in einer sache mehr sein wollen als ein anderer, dem das nemliche recht zusteht: man solle die rechte unterscheiden und lencken nach der zeit. also thut hertzog Georg auch, er suchet den fünfften zipffel am sacke, er wil den vorzug und prerogative haben, da doch unser churfürst gleich recht und gerechtigkeit mit ihm hat. Luther
tischr. 337
b.