funfzehen,
fünfzehen,
fünf und zehn zusammengenommen, quindecim. zusammengezogen funfzehn, fünfzehn.
goth. fimftaíhun,
ahd. finfzëhan, vinfzëhan,
zusammengezogen finfzên,
mhd. vünfzëhen, fünfzëhen,
auch mit dem diphthong iu (
s.fünf sp. 548) fiunfzëhen (
Meinauer naturl. 13,
wo fiunfzëhin),
zusammengezogen fünfzên,
alts. fîftein (Heynes
altnd. denkm. 2, 114
a),
die volle form würde fîftëhan
sein, nd. foftein,
nl. vijftien,
ags. fîftene, fîftyne,
engl. fifteen,
altfr. fîftêne, fîftine,
altn. fimtân,
schw. femton,
dän. femten,
von welchen die goth., mhd. und ags. formen flectiert vorkommen, die ahd. flectiert werden könnte, sich aber keine belege vorfinden. nhd. herscht schwanken zwischen fünfzehn
und der umlautlosen form funfzehn,
welche beiden formen selbst bei einem und demselben schriftsteller sich finden. fünffzehen. Alberus
dict. a 1
a. fünffzähen. Frisius (1556) 1109
a und danach Maaler 146
a. fünffzehen. Henisch. Rädlein 311
a. fünfftzehen sekel. Mathesius
Sarepta (1562) 238
a; ich hab dem frommen gesellen auff borg geben fünffzehen elen. H. Sachs II (1591). 2, 27
a.
daneben aber erscheint, wol mundartlich, bei demselben dichter auch ein verkürztes und abgeschwächtes fünfze: wie ich (
Arsinoe spricht) das jetzt erfahr mit schmertz, das du (
Lysimachus) mit fünffze söne mehr, darzu dein gantz gerüstes heer sambt dir ligt auff den tag erschlagen. III (1588). 2, 214
d; kein jungfraw ward nie so rein, ist (
iszt) sie drey nespeln, gibt sie von jr fünffzehen stein. Lonicerus
kräuterb. 28
a,
eine sprichwörtliche redensart, die daher rührt, dasz die mispel meistentheils fünf steine hat, seht! fünfzehn jahr schon brennt die kriegesfackel. Schiller
Wallenst. tod 3, 2 (
erster dr. s. 127); es steht der rheingraf nur vier tagemärsche von hier, mit funfzehn tausend mann. 1, 5 (
s. 23); ein fräulein neben ihr noch kaum von funfzehn jahren. v. Nicolay (1792) 5, 85; funfzehn sommer schon zurücke reichet ihr besinnen zwar. 8, 77.
dieses umlautlose zusammengezogene funfzehn
ist heute die überwiegende form, die auch bereits Stieler, Steinbach
und Gottsched
ohne eine weitere angeben. Luther
dagegen schrieb die volle form funffzehen,
und Schottelius
wie Frisch
hielten an funfzehen
fest. Adelung, Voigtel
und Campe
haben beide formen, diese volle wie jene zusammengezogene. alle aber erwähnen nicht einmal die formen mit ü, fünfzehen
und fünfzehn,
ja Heynatz in seinem
orthograph. wb. 270
spricht sich mit verwerfung dieses fünfzehn
entschieden für funfzehn
aus. wirklich ist süddeutsch wie norddeutsch in der volkssprache hier u
herschend und man hört auch mit ausstoszung des n
nach u
fufzehen, fufzehn,
selbst noch weiter in einigen südlichen mundarten mit wechsel von f
und ch fuchzehn.
s.fufzehen,
wo aus verschiedenen gegenden die mundartlichen formen angegeben sind, denen hier noch aus Butzbach und zumal der gegend bei dieser stadt in der Wetterau foffzehe,
henneberg. fauchze (Reinwald 2, 18),
sonnebergisch fuchza (Schleicher 34)
zugefügt werden können. doch die schule wahrt in rücksicht auf fünf
nicht ohne pedanterie fünfzehn.
Was die flexion anlangt, die in denselben fällen, wie bei fünf (
s. spalte 553),
stattfinden kann, so flectiert funfzehn, fünfzehn
natürlich wie zehn:
nom. u. acc. funfzehne, fünfzehne,
dat. funfzehnen, fünfzehnen;
ein gen. funfzehner, fünfzehner
läszt sich nicht nachweisen. überhaupt aber steht das wort fast immer flexionslos. mhd. erscheint der dat. fünfzëhenen: unde teile danne die gotes jâr zuo fiunfzëhinen.
Meinauer naturl. 13.
Diese stelle führt auf die besondere bedeutung der zahl funfzehn
zunächst als zeitbestimmung, denn es ist in der theilung der jahre die mit 313
n. Chr. geb. beginnende römische indictio, der Römer zinszahl, gemeint, die je fünfzehn jahre umfaszt. bei den Deutschen waren fünfzehn tage
gerichtsfrist, die dadurch entstand, dasz der ursprünglichen von vierzehn nächten (
s. vierzehen
u. Haltaus 1398),
die in der zahl der nächte zwischen vollmond und neulicht ihren grund hat, noch der tag, mit dessen eintritt der termin zu ende gieng, zugegeben und dann neben den nächten auch nach eben so viel tagen mit diesem zugabetage gezählt wurde, wodurch sich die formel einen tag und vierzehn nacht
in jene fünfzehn tage
wandelte. vgl. RA. 221.
diese frist verdreifacht, d. h. dreimal vierzehn tage mit drei zugabetagen, also fünfundvierzig tage,
ist die sächsische frist. RA. 220. 222.
die einfache aber, die auch das franz. quinze jours
ausdrückt, wird selbst zur allgemeineren zeitbestimmung. mhd. sus was ër dâ fünfzëhen tage.
Parz. 501, 11.
nhd. findet sich dann auch funfzehn nächte
als festgesetzte zeit, freilich alterthümlich: nach funfzehn nächten komm ich, dich heimzusuchen, dann sag ich dir mehr. Veit Weber
sagen der vorzeit 2 (1790), 373.
vgl.funfzehnte.
endlich wird funfzehn
noch allgemeiner als bestimmende zahl gesetzt. so wenn fünfzehn,
nemlich vierzehen schöffen und ein schultheisz oder stabhalter,
ein gericht bilden (
RA. 218)
und mhd. einem ungetreuen weibe gedroht wird ich wil dich lërnen fliegen in dëm luft muostu hangen fünfzên schuo von dër ërden.
Morolf 2844,
d. h. so hoch, dasz der wind unter dir her und über dir zusammenschlagen kann. RA. 42.
Auch in sprichwörtlichen redensarten tritt die zahl hervor: fünffzehen handwerck, das sechzehend betteln. Henisch 1290, 9, =
wer zu vielerlei treibt, kommt an den bettelstab. hatte funfzehen Salomon im munde und einen ganzen schwarm narren im herzen. Luther
bei Schottelius 230. er wird seine funfzehn heller schon kriegen. Simrock 2919. funfzehn, halt den sack auf. 2920
a. funfzehen batzen für einen gulden. 2920. funfzehn aufs dutzend. Wander 1, 1269, =
es kommt auf etwas mehr oder weniger nicht an. eine sehr geläufige redensart ist mit jemand, mit etwas kurze funfzehn machen,
mit jemand rasch verfahren, es mit einer sache schnell fertig machen, sie rasch beendigen, womit übereinstimmt lippisch davan willt wi korte fifteggen maken (Wander
a. a. o.).
endlich sagt man in der Eifler mundart von einem gefallenen mädchen sie hat funfzehn gezählt.
Knüpft sich an diese letzte redensart das substantivisch gesetzte funfzehn, fünfzehn
in die alte mutter funfzehn,
einem, wie es scheint, dem volksleben norddeutscher gegenden angehörenden ausdrucke? er will erzählen, wie die alte mutter funfzehn gemorfisiret (
metamorphosieret) ist. J. G. Müller
Siegfr. v. Lindenb. (1790) 2, 326.
diese alte mutter funfzehn
wird aber vorher s. 312
eine alte schachtel
genannt. oder soll der ausdruck verhüllend eine alte, sittlich herabgekommene und verworfene person bezeichnen, die sich für fünfzehn pfennige hingibt, wie es in einem volksliede heiszt: ihr herz ist wie ein taubenhaus, fliegt einer nein, der ander fliegt aus, für funfzehn pfennige.
knab. wunderh. (1845) 1, 282.
man hört aber auch die alte mutter
funfzig.
s. funfzig.
In der folgenden mit funfzehen, fünfzehen
beginnenden wörtern, den abgeleiteten wie zusammengesetzten, ist die zusammengezogene form funfzehn
als die heute geläufigste eingehalten.