ERLAUBEN vb. ahd. ar-, irlouben,
mhd. erlouben.
mnd. erlȫven;
ae. ālȳfan,
me. alȳfen;
got. uslaubjan.
präfixbildung zu einem im dt. nicht nachweisbaren verb, das sich ablautend zu lieb
adj., zur idg. wz. *leubh- ‘
gern haben, begehren; lieb’,
stellt und auch in glauben
vb. enthalten ist. vgl. auch urlaub
m. und urlauben
vb. sowie verlaub
m. 1
gestatten, zulassen. a
zustimmen, genehmigen, zugestehen hauptgebrauch: ⟨790/802⟩ daz niuuellant daz uuannant nalles erlaubpan
quod noluerint! hoc putant non licere benediktinerregel 197,10 S. ⟨u1060⟩ ih habo uernomen, daz mîn sponsus erlôibet habet sînen unte mînen uîenton, daz sîe mih besûochen Williram
73,3 S. ⟨u1147⟩ do reloupt er ir die clûse/ .. sît wart hailich daz wîp
kaiserchr. 12799 MGH. ⟨A13.jh.⟩ so sal he sinin herrin biti, daz he un lazi cumi vur gerichte .. . inwil iz umi dan sien herri nicht irloibi, so sal heiz din lutin kundigi
mühlhäuser reichsrechtsb. 3150 M. 1290 daz wir in
(den juden) erlovbten ein badhovs ze machen
corp. altdt. originalurk. 2,569 W. ⟨1328⟩ got erlaubt recht aide und verpot unrecht aide Ruprecht v. Freising
rechtsb. 248 C. 1378 so hat der vorgenant her Peter dem egenanten Chunrat dem Reschenrieder daz egenenat drittail zehentes erlaubt in ze nemen
ndöst. urkb. (1891)2,206. hs. 1481/96 herr Pilate, ich pit dich,/ des soltu geweren mich:/ erlawb den leychnam Jhesu mir
passionssp. Tirol 167 W. 1536 da hat man im die stat 1 jar verbotten; aber über kurtz hernach ist im die stat wider erlaupt worden
(Augsb.) chr. dt. städte 23,155. 1596 so soll auch gleicher gestaltt den unzunfftigen maistern, einigen lehrjungen anzunehmen noch denselben das hanndtwerck zu lehren
(nicht) erlaubt, sondern austrucklich verpotten sein
frankf. zunfturk. 1,120 Sch. 1657 worauf das gantze schloß zu plündern wurd’ erlaubt Greflinger
dreyßigj. krieg C7a. 1711 es hat der himmel mir sie
(geliebte) doch zu seh’n erlaubet Reinbaben
übersetzungen 219. 1771 erlauben ihro gnaden, daß ich hier abräumen darf Stephanie
lustsp. 1,141. 1829 nur gegen mittag erlaubte der arzt einen kurzen besuch Goethe
I 24,318 W. ⟨1904⟩ der Prantl ist bekannt als bauernbündler, wenn herr bezirksamtmann erlauben Thoma
ges. w. 6,131 K. 1978 wollte man allen erlauben, an bord zu kommen, so wären die boote überlastet
Schneider, klima 72. –
nicht verboten, zulässig, genehm(igt); partizipial, auch adjektivisch, im übergang zur lexikalisierung. verbreitet bezeugt: ⟨790/802⟩ untar so situlicha fona frihalse erlaupta .. entrahhon
sub tam morosam deliberationem licuit ei excusare benediktinerregel 265,14 S. u830 oba iz arloubit si in sambaztag uuola tuon oda ubilo
si licet sabbato bene facere an male Tatian 269,4 S. ⟨u1160⟩ der scate des heiligen geistes, ../ den leit er almitten uf sinen houbet, niht verrer ist ime erloubet
deutung d. meßgebräuche 17,4 M. ⟨u1231⟩ dô ir daz was erloubet, daz si daz gewant,/ diu freuden was beroubet, mit ir ûf den sant/ ze waschen tragen müese
Kudrun 51068,1 B./S. ⟨1293⟩ als megden ist irlovbit/ schappel vf blozis hovbit Hugo v. Langenstein
Martina 219,5 LV. ⟨u1310/30⟩ swie si mich hât beroubet muotes und der sinnen gar,/ ich nîg aldar: daz muoz mir sîn erloubet,/ swie verre ich von den landen var
schweiz. minnesänger 279 B. ⟨2.h14.jh.⟩ hette Adam gessen die fruht die ime erloͮbet waz
b. v. geistl. armuth 97 D. 1460 als du uber die erleubte zyt ußgewest bist
frankf. amtsurk 153 B. ⟨v1510⟩ so moͤgent sy
(gelehrte und hohe geistliche) vor anndern billicher vnd mer erlaubter brauchen solcher kostlicher guͦter spysen die zuͦ gesundtheit des lybes dienet vnnd vffenthalt, weder ander grob layen Geiler
pater noster (1515)J6d. 1593 da doch keim christ/ ein eyd zuthun erlaͤubet ist Glaser
phasma D5a. 1678 die grosse macht eines fürsten, welche offtermahln durch gerechte vnd erlaubte mittel gewaltig wachset vnd zunimmt Teutoburg
hahn 37. ⟨1747⟩ ein gewisser prinz .., der .. unstreitig nicht die erlaubtesten absichten gegen mich hatte Gellert
(1769) 4,268. 1847 welche widerstandsmittel lassen sich nun dagegen als die zweckmäßigsten und moralisch erlaubtesten in anwendung bringen? Florencourt
zeitbilder 1,29. 1886 dieser hergebrachten freiheit sich zu bedienen, schien bei einem werke Raphael’s nun gar das erlaubteste H. Grimm
Raphael 331. 1924 zur verteidigung des eigenen landes hielt er das schwert zu ziehen für erlaubt und gerecht Meinecke
staatsräson 371. 1975 erlaubt, oder deutlicher gesagt, moralisch statthaft sind aber nur solche therapien, die .. Cramer
fortschritt 198. b
jmdn. anzugreifen gestatten feindseligkeiten zulassen: ⟨u1147⟩ wie gerne si den haiden uber di cristen erloubte
kaiserchr. 10071 MGH. ⟨u1230/40⟩ nu erloubet mir über Ruolanden Stricker
Karl 4410 B. ⟨2.h13.jh.⟩ daz er erloubete über in/ daz was ein sündeclîcher sin
spital v. Jerusalem 889 K. ⟨n1427⟩ die ritter .. paten in
(den kaiser) das er in erlaubt zu den veinden Schiltberger
109 LV. ⟨1461⟩ du bist in der aberaͤcht und ist mengclichem über dinen lib erlobet Steinhöwel
Apollonius 97 Sch. ⟨1567⟩ solt er nicht jhme auch erlauben doͤrffen, über das teutsch keiserthumb daß ers verderbe Andreae
planeten (1568)72. c
etwas ermöglichen, zulassen, die voraussetzung für etwas schaffen; mit nichtpersönlichem subjekt: ⟨u1194⟩ ob dîn genâde mirz erloubet Ulrich v. Zazikhoven
1830 H. ⟨1255⟩ und daz ich ûf ir gnâden gwin/ ir ritter immer gerne bin./ daz mac ir güet erlouben wol Ulrich v. Lichtenstein
46 L. ⟨u1300⟩ Octauianus der keiser groz/ .. der wolde samnen einen schatz/ als im gewalt erloubete
passional 17,36 H. ⟨u1400⟩ daß gesetze erlewbet auch, daß man sich an den feynden rechen mag der Franckforter
30 U. ⟨1593⟩ wie ist so gar verschmecht/ das alter bey dem boͤsen gschlecht,/ so doch die schrifft das nicht erlaubt Birck
ehespiegel (1598)96. ⟨u1648⟩ ich wolte brust u[nd] haupt,/ wenn es sach u[nd] ort erlaubt,/ selber in den küraß mauren Czepko
weltl. dicht. 129 M. 1666 daß unsere heutige gesetz iederman erlauben und zulassen zu contrahiren oder einen handel zu treffen, wie ihm gefaͤllet Helmont
Pisani, gesetze 6. 1777 wie wenig erlauben mir meine unvollkommenheiten, mich mit diesen süssesten hoffnungen zu beruhigen Haller
tgb. beob. 2,307 H. 1866 die kleinheit und gebrechlichkeit des nestes erlaubt dem brütenden vogel nicht, sich auf dasselbe selbst zu setzen Brehm
thierleben (1864)3,648. 1914 suchen wir, soweit die spärlichen zeugnisse es erlauben und die tatsachen sie ergänzen, uns ein bild von seiner persönlichkeit zu machen Haller
reden (1934)49. 1976 wasserstoffbomben .., die ungeschützt im freien stehende menschen noch in etwa dreißig kilometer entfernung zu verbrennen erlaubten Herbig
kettenreaktion 457. d
sich unbekümmert etwas herausnehmen, sich etwas besonderes zukommen lassen. seit dem 17. jh. verbreitet bezeugt, meist floskelhaft: ⟨A/M14.jh.⟩ bistu ietze bestetet, daz du dir selber alle ding erloͮbest? Seuse
457 B. 1612 ich .. welle mir erluoben die reiß durch Tolosen, Paris und Franckrich zenemmen
F. Platter
251 B. 1677 daß seine Sulpitia einem hitzigen könig war in die hände gerahten, der ihm selbst alles erlauben dorfte und es durchtreiben konte Anton U. v. Braunschweig
Octavia 1,63. 1791 der papst .. erlaubte zur zeit der karlingischen, fränkischen und schwäbischen kaiser sich anmaaßungen, die ein laye sich nur mit allgemeiner mißbilligung hätte erlauben mögen Herder
14,412 S. 1834 der zigeuner .. verkündet, daß er der kunst zu liebe nun um anderthalb kreuzer einlassen werde ..; die großen des dorfes erlauben sich diese ausgabe Zoller
bilder 12. ⟨1887⟩ ich erlaube mir, den sinn dieser abstracten sätze an einigen bekannten beispielen zu erläutern Helmholtz
wiss. abh. (1882)3,377. 1976 was erlauben sie sich! Richartz
bürorom. 196. 2
entlassen, sich frei machen. a
jmdn. beurlauben, gehen lassen: ⟨1060/5⟩ wole inphieng er die boten,/ .. er irloupte in minneklîchen,/ hiez si widere zuo sînem bruodere strîchen
wiener genesis 1496 S. ⟨u1170⟩ Oliuir iagete im nach:/ ‘war ist dir’, sprach er, ‘so gach?/ wer hat dir noch erloubet?’ Konrad
rolandslied 5567 W. ⟨2.h13.jh.?⟩ die wurme .. lâgen ../ sam sie tôt wæren./ unz in der wirt erloubte,/ von leger sich dô stroubte,/ maneger hant kunder Konrad v. Stoffeln
3650 K. 1380 so sol ich in virczehen meilen wegs vmb Kadolspurck .. nicht kumen, ez derlawb vnd heisse mich denn, daz mein herre graue Johans der lantgraue .. mit seinen brief
mon. zoller. 5,63. ⟨v1458⟩ sy es din guter will,/ so thu erlauben mir/ ich muz ein wil von dir/ dort einhalb ich in ein gaden/ zu einer beschlossen laden Hermann v. Sachsenheim
schleiertüchlein 215 LV. 1523 ßo hatt man ern Sebastian anheim erleubt Planitz
ber. 449 W./ V. 1566 uf solichs der Jacob den gaist auch nit weiter ufhalten wellen, sonder ime wider erlaubt
zimmer. chr. 24,85 B. 1622 wann sie nun alle beysammen seynd, so wird dem rath erlaubet Neumayr
reise durch Welschland 51. b
sich entledigen sich frei machen von etwas, aufhören mit etwas: ⟨u1170⟩ Wasconie vn̄ Engellant/ stet an siner gewalt,/ .. swanne ers sich wil erlovben Konrad
rolandslied S 1780 W. ⟨1250/4⟩ der degin .. sazte sih unwerde/ in das pulvir uf die erde/ .. allir hohfart sih irloubinde Rudolf v. Ems
weltchr. 31143 DTM.hs. 15.jh. (daz hân ich doch schiere erwert,/ daz er sich ir geloubet)
var. hs. H: erloͮbet (:/ ich wil ir abe slahen daz houbet) Fleck
Flore 1453 S. ⟨1462⟩ es sey den sach, das einer dauon lieffe oder auffsagete oder im erlaubete
in: Heideloff
bauhütte (1844)50. c
entheben, entfernen, lösen: ⟨1180/90⟩ ich begundin der rede vragen:/ wes gewalt oder wes herschaft/ erlöset hete so manigen haft/ der, die waren in des chæisers æhte./ er sprach, daz ich gedæhte,/ nach wem geworht wurde daz haubet:/ ‘der hat uns erlaubet.’
obd. Servatius 2732 W. ⟨u1600⟩ da werden .. die zwei praedicanten .. ihres dienstes erlaubet Wedel
hausb. 339 LV. ⟨u1600⟩ auch ist .. der cantzler Caspar vom Wolde, mit dem die landschafft nicht am besten zufrieden, erlaubet
ebd. 450.Rahnenführer