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ERLAUBEN

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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

ERLAUBEN vb.

Bd. 8, Sp. 1920
ERLAUBEN vb.ahd. ar-, irlouben, mhd. erlouben. mnd. erlȫven; ae. ālȳfan, me. alȳfen; got. uslaubjan. präfixbildung zu einem im dt. nicht nachweisbaren verb, das sich ablautend zu lieb adj., zur idg. wz. *leubh- ‘gern haben, begehren; lieb’, stellt und auch in glauben vb. enthalten ist. vgl. auch urlaub m. und urlauben vb. sowie verlaub m. 1 gestatten, zulassen. a zustimmen, genehmigen, zugestehen hauptgebrauch: ⟨790/802⟩ daz niuuellant daz uuannant nalles erlaubpan quod noluerint! hoc putant non licere benediktinerregel 197,10 S. ⟨u1060⟩ ih habo uernomen, daz mîn sponsus erlôibet habet sînen unte mînen uîenton, daz sîe mih besûochen Williram 73,3 S. ⟨u1147⟩ do reloupt er ir die clûse/ .. sît wart hailich daz wîp kaiserchr. 12799 MGH. ⟨A13.jh.⟩ so sal he sinin herrin biti, daz he un lazi cumi vur gerichte .. . inwil iz umi dan sien herri nicht irloibi, so sal heiz din lutin kundigi mühlhäuser reichsrechtsb. 3150 M. 1290 daz wir in (den juden) erlovbten ein badhovs ze machen corp. altdt. originalurk. 2,569 W. ⟨1328⟩ got erlaubt recht aide und verpot unrecht aide Ruprecht v. Freising rechtsb. 248 C. 1378 so hat der vorgenant her Peter dem egenanten Chunrat dem Reschenrieder daz egenenat drittail zehentes erlaubt in ze nemen ndöst. urkb. (1891)2,206. hs. 1481/96 herr Pilate, ich pit dich,/ des soltu geweren mich:/ erlawb den leychnam Jhesu mir passionssp. Tirol 167 W. 1536 da hat man im die stat 1 jar verbotten; aber über kurtz hernach ist im die stat wider erlaupt worden (Augsb.) chr. dt. städte 23,155. 1596 so soll auch gleicher gestaltt den unzunfftigen maistern, einigen lehrjungen anzunehmen noch denselben das hanndtwerck zu lehren (nicht) erlaubt, sondern austrucklich verpotten sein frankf. zunfturk. 1,120 Sch. 1657 worauf das gantze schloß zu plündern wurd’ erlaubt Greflinger dreyßigj. krieg C7a. 1711 es hat der himmel mir sie (geliebte) doch zu seh’n erlaubet Reinbaben übersetzungen 219. 1771 erlauben ihro gnaden, daß ich hier abräumen darf Stephanie lustsp. 1,141. 1829 nur gegen mittag erlaubte der arzt einen kurzen besuch Goethe I 24,318 W. ⟨1904⟩ der Prantl ist bekannt als bauernbündler, wenn herr bezirksamtmann erlauben Thoma ges. w. 6,131 K. 1978 wollte man allen erlauben, an bord zu kommen, so wären die boote überlastet Schneider, klima 72.nicht verboten, zulässig, genehm(igt); partizipial, auch adjektivisch, im übergang zur lexikalisierung. verbreitet bezeugt: ⟨790/802⟩ untar so situlicha fona frihalse erlaupta .. entrahhon sub tam morosam deliberationem licuit ei excusare benediktinerregel 265,14 S. u830 oba iz arloubit si in sambaztag uuola tuon oda ubilo si licet sabbato bene facere an male Tatian 269,4 S. ⟨u1160⟩ der scate des heiligen geistes, ../ den leit er almitten uf sinen houbet, niht verrer ist ime erloubet deutung d. meßgebräuche 17,4 M. ⟨u1231⟩ dô ir daz was erloubet, daz si daz gewant,/ diu freuden was beroubet, mit ir ûf den sant/ ze waschen tragen müese Kudrun 51068,1 B./S. ⟨1293⟩ als megden ist irlovbit/ schappel vf blozis hovbit Hugo v. Langenstein Martina 219,5 LV. ⟨u1310/30⟩ swie si mich hât beroubet muotes und der sinnen gar,/ ich nîg aldar: daz muoz mir sîn erloubet,/ swie verre ich von den landen var schweiz. minnesänger 279 B. ⟨2.h14.jh.⟩ hette Adam gessen die fruht die ime erloͮbet waz b. v. geistl. armuth 97 D. 1460 als du uber die erleubte zyt ußgewest bist frankf. amtsurk 153 B. ⟨v1510⟩ so moͤgent sy (gelehrte und hohe geistliche) vor anndern billicher vnd mer erlaubter brauchen solcher kostlicher guͦter spysen die zuͦ gesundtheit des lybes dienet vnnd vffenthalt, weder ander grob layen Geiler pater noster (1515)J6d. 1593 da doch keim christ/ ein eyd zuthun erlaͤubet ist Glaser phasma D5a. 1678 die grosse macht eines fürsten, welche offtermahln durch gerechte vnd erlaubte mittel gewaltig wachset vnd zunimmt Teutoburg hahn 37. ⟨1747⟩ ein gewisser prinz .., der .. unstreitig nicht die erlaubtesten absichten gegen mich hatte Gellert (1769) 4,268. 1847 welche widerstandsmittel lassen sich nun dagegen als die zweckmäßigsten und moralisch erlaubtesten in anwendung bringen? Florencourt zeitbilder 1,29. 1886 dieser hergebrachten freiheit sich zu bedienen, schien bei einem werke Raphael’s nun gar das erlaubteste H. Grimm Raphael 331. 1924 zur verteidigung des eigenen landes hielt er das schwert zu ziehen für erlaubt und gerecht Meinecke staatsräson 371. 1975 erlaubt, oder deutlicher gesagt, moralisch statthaft sind aber nur solche therapien, die .. Cramer fortschritt 198. b jmdn. anzugreifen gestatten feindseligkeiten zulassen: ⟨u1147⟩ wie gerne si den haiden uber di cristen erloubte kaiserchr. 10071 MGH. ⟨u1230/40⟩ nu erloubet mir über Ruolanden Stricker Karl 4410 B. ⟨2.h13.jh.⟩ daz er erloubete über in/ daz was ein sündeclîcher sin spital v. Jerusalem 889 K. ⟨n1427⟩ die ritter .. paten in (den kaiser) das er in erlaubt zu den veinden Schiltberger 109 LV. ⟨1461⟩ du bist in der aberaͤcht und ist mengclichem über dinen lib erlobet Steinhöwel Apollonius 97 Sch. ⟨1567⟩ solt er nicht jhme auch erlauben doͤrffen, über das teutsch keiserthumb daß ers verderbe Andreae planeten (1568)72. c etwas ermöglichen, zulassen, die voraussetzung für etwas schaffen; mit nichtpersönlichem subjekt: ⟨u1194⟩ ob dîn genâde mirz erloubet Ulrich v. Zazikhoven 1830 H. ⟨1255⟩ und daz ich ûf ir gnâden gwin/ ir ritter immer gerne bin./ daz mac ir güet erlouben wol Ulrich v. Lichtenstein 46 L. ⟨u1300⟩ Octauianus der keiser groz/ .. der wolde samnen einen schatz/ als im gewalt erloubete passional 17,36 H. ⟨u1400⟩ daß gesetze erlewbet auch, daß man sich an den feynden rechen mag der Franckforter 30 U. ⟨1593⟩ wie ist so gar verschmecht/ das alter bey dem boͤsen gschlecht,/ so doch die schrifft das nicht erlaubt Birck ehespiegel (1598)96. ⟨u1648⟩ ich wolte brust u[nd] haupt,/ wenn es sach u[nd] ort erlaubt,/ selber in den küraß mauren Czepko weltl. dicht. 129 M. 1666 daß unsere heutige gesetz iederman erlauben und zulassen zu contrahiren oder einen handel zu treffen, wie ihm gefaͤllet Helmont Pisani, gesetze 6. 1777 wie wenig erlauben mir meine unvollkommenheiten, mich mit diesen süssesten hoffnungen zu beruhigen Haller tgb. beob. 2,307 H. 1866 die kleinheit und gebrechlichkeit des nestes erlaubt dem brütenden vogel nicht, sich auf dasselbe selbst zu setzen Brehm thierleben (1864)3,648. 1914 suchen wir, soweit die spärlichen zeugnisse es erlauben und die tatsachen sie ergänzen, uns ein bild von seiner persönlichkeit zu machen Haller reden (1934)49. 1976 wasserstoffbomben .., die ungeschützt im freien stehende menschen noch in etwa dreißig kilometer entfernung zu verbrennen erlaubten Herbig kettenreaktion 457. d sich unbekümmert etwas herausnehmen, sich etwas besonderes zukommen lassen. seit dem 17. jh. verbreitet bezeugt, meist floskelhaft: ⟨A/M14.jh.⟩ bistu ietze bestetet, daz du dir selber alle ding erloͮbest? Seuse 457 B. 1612 ich .. welle mir erluoben die reiß durch Tolosen, Paris und Franckrich zenemmen F. Platter 251 B. 1677 daß seine Sulpitia einem hitzigen könig war in die hände gerahten, der ihm selbst alles erlauben dorfte und es durchtreiben konte Anton U. v. Braunschweig Octavia 1,63. 1791 der papst .. erlaubte zur zeit der karlingischen, fränkischen und schwäbischen kaiser sich anmaaßungen, die ein laye sich nur mit allgemeiner mißbilligung hätte erlauben mögen Herder 14,412 S. 1834 der zigeuner .. verkündet, daß er der kunst zu liebe nun um anderthalb kreuzer einlassen werde ..; die großen des dorfes erlauben sich diese ausgabe Zoller bilder 12. ⟨1887⟩ ich erlaube mir, den sinn dieser abstracten sätze an einigen bekannten beispielen zu erläutern Helmholtz wiss. abh. (1882)3,377. 1976 was erlauben sie sich! Richartz bürorom. 196. 2 entlassen, sich frei machen. a jmdn. beurlauben, gehen lassen: ⟨1060/5⟩ wole inphieng er die boten,/ .. er irloupte in minneklîchen,/ hiez si widere zuo sînem bruodere strîchen wiener genesis 1496 S. ⟨u1170⟩ Oliuir iagete im nach:/ ‘war ist dir’, sprach er, ‘so gach?/ wer hat dir noch erloubet?’ Konrad rolandslied 5567 W. ⟨2.h13.jh.?⟩ die wurme .. lâgen ../ sam sie tôt wæren./ unz in der wirt erloubte,/ von leger sich dô stroubte,/ maneger hant kunder Konrad v. Stoffeln 3650 K. 1380 so sol ich in virczehen meilen wegs vmb Kadolspurck .. nicht kumen, ez derlawb vnd heisse mich denn, daz mein herre graue Johans der lantgraue .. mit seinen brief mon. zoller. 5,63. ⟨v1458⟩ sy es din guter will,/ so thu erlauben mir/ ich muz ein wil von dir/ dort einhalb ich in ein gaden/ zu einer beschlossen laden Hermann v. Sachsenheim schleiertüchlein 215 LV. 1523 ßo hatt man ern Sebastian anheim erleubt Planitz ber. 449 W./ V. 1566 uf solichs der Jacob den gaist auch nit weiter ufhalten wellen, sonder ime wider erlaubt zimmer. chr. 24,85 B. 1622 wann sie nun alle beysammen seynd, so wird dem rath erlaubet Neumayr reise durch Welschland 51. b sich entledigen sich frei machen von etwas, aufhören mit etwas: ⟨u1170⟩ Wasconie vn̄ Engellant/ stet an siner gewalt,/ .. swanne ers sich wil erlovben Konrad rolandslied S 1780 W. ⟨1250/4⟩ der degin .. sazte sih unwerde/ in das pulvir uf die erde/ .. allir hohfart sih irloubinde Rudolf v. Ems weltchr. 31143 DTM.hs. 15.jh. (daz hân ich doch schiere erwert,/ daz er sich ir geloubet) var. hs. H: erloͮbet (:/ ich wil ir abe slahen daz houbet) Fleck Flore 1453 S. ⟨1462⟩ es sey den sach, das einer dauon lieffe oder auffsagete oder im erlaubete in: Heideloff bauhütte (1844)50. c entheben, entfernen, lösen: ⟨1180/90⟩ ich begundin der rede vragen:/ wes gewalt oder wes herschaft/ erlöset hete so manigen haft/ der, die waren in des chæisers æhte./ er sprach, daz ich gedæhte,/ nach wem geworht wurde daz haubet:/ ‘der hat uns erlaubet.’ obd. Servatius 2732 W. ⟨u1600⟩ da werden .. die zwei praedicanten .. ihres dienstes erlaubet Wedel hausb. 339 LV. ⟨u1600⟩ auch ist .. der cantzler Caspar vom Wolde, mit dem die landschafft nicht am besten zufrieden, erlaubet ebd. 450.Rahnenführer
9928 Zeichen · 227 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erlauben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Erlauben , verb. reg. act. 1) * Freyheit geben wegzugehen, ingleichen Freyheit geben, aus seinem Dienste zu gehen, beurl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erlauben

    Goethe-Wörterbuch

    erlauben auch subst; ca 90% der 1400 Belege in 1 1 ‘jdm etw e.’, ‘(jdm) erlaubt (sein)’ a mit pers Subj: (jdm) etw gesta…

  3. modern
    Dialekt
    erlauben

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    erlaube n [ərlàiwə Bf. ; ərlwə Barr ; ərlaùwə Str. Lohr ; ərlœywə Z. ] wie hochd. Wer het dir erlaubt, do Nusse n ze bë…

  4. Sprichwörter
    Erlauben

    Wander (Sprichwörter)

    Erlauben 1. Es ist jedem erlaubt nach Korinth zu gehen. 2. Was du erlaubest, das sollst du gewähren. – Graf, 105, 243; K…

  5. Spezial
    erlauben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    er|lau|ben I vb.tr. 1 (die Erlaubnis geben) conzede (-ed, conzedü) 2 (zugestehen) conzede (-ed, conzedü), dé pro, lascé …

Verweisungsnetz

58 Knoten, 57 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erlauben

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Ableitung von erlauben

er- + lauben

erlauben leitet sich vom Lemma lauben ab mit Präfix er-.

Zerlegung von erlauben 2 Komponenten

erlau+ben

erlauben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

erlauben als Zweitglied (1 von 1)

auserlauben

DRW

auser·lauben

auserlauben beurlauben, Ausstand geben 1360 BremGQ.(L.) 89 Faksimile ist er [der Bürger] auf seiner notfertt, get er zu dem kamrer oder zu s…