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befehlen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB2
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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

BEFEHLEN vb.

Bd. 4, Sp. 484
DWB2BEFEHLEN vb.  DWB2bis ins 17. jh. auch befelchen, befelhen. ahd. bifel(a)han, mhd. bevelhen, as. bifelhan, mnd. bevēlen, be- vālen, mnl. bevēlen, nnl. bevelen, afrs. bifela, ae. befēolan, me. befēlen. die präfixbildung geht auf ein simplex germ. *felh-a- ‘eindringen; verbergen, begraben’ zurück, das auch in ahd. fel(a)han ‘zurechtlegen, besäen, aufbewahren, anvertrauen(nur in gl. seit d. 8./9. jh.), ae. fēolan ‘eindringen’, an. fela ‘verbergen’ , got. filhan ‘begraben, verbergen’ sowie in nhd. empfehlen (s. 2DWB 7,1264) enthalten ist. die weitere etymologie ist unsicher die mögliche zugrundelegung einer k-erweiterung zur wz. idg. *pel- ‘bedecken, verhüllen’ umstritten (zu neueren herleitungsversuchen s. Seebold germ. st. verben [1970]191 ff., Lloyd/S. et. wb. ahd. 3,126-131 u. Rix lex. idg. verben 2471). –das stark flektierte vb. befehlen zeigt in den präteritalformen bis ins 17. jh. schwankenden ablaut von -a-, -o- bzw. -u- des stammvokals im 17. jh. selten auch schw. part. prät. (vgl. ferner frnhd. wb. 3,462 f.).das wort wird zunächst vor allem in religiösem kontext verwendet. an die frühe bed.anvertrauen, übergeben’, speziell mit bezug auf ein amt oder einen auftrag (1 b), schließt die bed.gebieten’ (2 a) an, die im nhd. zur gebräuchlichsten wird, währendanvertrauen’ nur noch in religiösem zusammenhang u. in abl. oder zuss. wie anbefehlen, pflegebefohlene erhalten ist (et. wb. dt. 5110b f. dtv). älter häufig bezeugt auch in []rechtssprl. texten (vgl. DRW 1,1374 ff.). DWB2 DWB21 anvertrauen, übergeben, überlassen. ausgehend von a in unterschiedl. bedeutungsspezifizierungen. DWB2a jmdn., sich, etwas einer person, macht, institution, speziell der gnade gottes (zum schutz, zur fürsorge bzw. zur aufbewahrung) anvertrauen, in die obhut geben, etwas hinterlegen; geläufig auch jmdn., etwas (sich) befohlen sein lassen. hauptgebrauch bis ende d. 16. jhs. (zur verwendung in abschiedsformeln s. unter g): E8.jh. creditum pifolahan ahd. gl. 1,93,39 S./S. ⟨800/10⟩ gilampf thir zi bifelahanne minan scaz munizzerin (committere pecuniam meam numulariis), Tatian 2149,7 S. 863/71 thuru thio sino guati tho in therera noti / bifalah ther sun guater themo sina muater, / thaz er sia zi imo nami Otfrid IV 32,8 E./S. 10.jh. depositis piuolahanen ahd. gl. 1,699,41 S./S. ⟨v1022⟩ vuanda du mîn schirm bist . dir (gott) beuilo (commendabo) ih mîn sêla (vgl. ps. 30,6) Notker 2,97,3 P. u1060 alla die. die sih in min gibet haban biuolohon Otloh 67 W. ⟨u1120/30⟩ er beuulhe im daz chint ze sinen triwen milst. genesis 93,1 D. ⟨1150/60⟩ der kuninc heiz iz (schätze) abe tragen. / vnde beval iz sime kamerare. / daz er is also plege könig Rother 412 F./K. ⟨n1240⟩ nû dô er wart gâr so siech, / vier brüedern bevalh er sich / daz si sîn huoten unde warten Lamprecht v. Regensburg st. Franziskus 3627 W. 1286 swe gvͦter dinge bî vnseren zîten geschiht der man gedenchen sol, dc man div der schrift bevæle corp. altdt. originalurk. 2,188 W. ⟨1331/5⟩ sprach Crist: ‘vater, den geist min / dinen henden laz ich sin / bevolen in dirre not!’ Daniel 5255 DTM. 1361/6 der (meister Albrant) hat dyse const gar und gancz worsucht an den yrbaryn rossen, dy ym der keysir bewolen hatte Albrants roßarzneib. 115 E. u1425 was yn (den pförtnern) der gefangen gelts oder teschen .. zu behalten gebe und befele, das sie auch getruwelich behuden und bewaren sullen frankf. amtsurk. 200 B. u1477 da mit befilhe ich dir myne zehen vas vol öles und gibi sie in dyne huot Steinhöwel Äsop 307 LV. 1524 weyl der gantzen stad gutt, ehr, leyb und leben yhn zu trewer hand befolhen ist Luther w. 15,34 W. 1539 Galmy, der ritter, .. seinen lieben gsellen Friderichen suͦchet, im die (heimliche) bottschafft zuͦ befehlen Wickram 1,58 LV. 1561 span auff deinen segel du! / bevilch dich Boreas, dem wind! Sachs 12,82 LV. u1566 (verhüllend ) der pfaff .. het ainer magt im schloss ain kindt, wie man sagt, bevolchen (‘gezeugt), zimmer. chr. 22,606 B. 1574 sie befehlē dieselben (kinder zum unterricht) allein geitzs halben, nicht gelehrten vnnd fuͤrtreffenlichen maͤnnern Höniger narrenschiff 22b. ⟨1625⟩ dem günstigen leser ich dich (das werk) befehle Opitz op. [1689]1,205. 1648 sie möchten der krancken .. sich annehmen, vnd sie ihnen bester massen befohlen sein lassen Chemnitz schwed. krieg 1,341a. 1669 das beste war, daß ich mich gott befahl und mein vertrauen allein auff ihn zu setzen wuste Grimmelshausen Simplicissimus 43 Sch. 1700 da dieser Andreas zu schiffe gegangen und die seegel dem winde befohlen Ettner apotecker 475. 1788 befehlen sie mir geradezu, was sie sich vertrauet wünschen! J. G. Müller Emmerich (1786)5/6,468. 1838 bis dahin (zu meiner rückkehr) .. befehle ich meine angelegenheiten in ihre (anrede) hände Hebbel III 1,311 W. 1876 den unfall des ihm (dem magister) zu erziehung und schutz befohlenen unschuldigen knäbleins C. F. Meyer 10,125 Z./Z. 1913 der bergmann, der .. täglich seine seele gott befehlen würde in: S. Zweig brw. (1951)51. 1997 (der orchester)intendant .. schmeißt weder den (musik)brocken hin noch konzentriert er sich .. auf drei oder vier absolute leckereien und läßt den rest gott befohlen sein salzb. nachrichten (11.6.), IdS-arch. 2008 in der südostecke des raums kniet ein moslem auf einem gebetsteppich und befiehlt sich dem schutze allahs nürnb. ztg. (29.2.)10. DWB2b jmdm. etwas (ein amt, eine würde eine herrschaft oder gerichtsbarkeit, ein land u. dgl.) übertragen überantworten, zuteilen, ihm jmdn. unterstellen: ⟨790/802⟩ er .. erfulle ambahti imu pifolahanaz (commissum), benediktinerregel 237,29 S. 10.jh. conferre piuelahan (die bischofswürde vgl. ahd. wb. 3,705), ahd. gl. 2,130,7 S./S. 11.jh. deligauit pivalah (land; vgl. ahd. wb. 3,705), ebd. 1,439,24. ⟨u1120/5⟩ do giengen si in daz templum, da vunden si den gotesun. / ze des (ehebrecherischen) wibes gesihte befulhen si im (Jesus) daz gerihte Ava leben Jesu 112,2 M. ⟨u1200⟩ er bevalch im (Siegfried) sîne krône, gerihte und ouch daz lant nibelungenlied 18714,1 B./B. 1348 daz wir dieselben lantfodie .. dem erwirdigen B. .. han bevolen in: L. E. Schmitt urkundenspr Karls IV. (1936)145. ⟨1362⟩ daz sü (die stadtmeister) []in (den bürgern) die stat befulhent und in schlüßel und insigel und banern gebent Klosener in: (Straßb.) chr. dt. städte 8,122. 1453 dyjene, den sy ere macht haben befolen in: Ziesemer preuß. wb. (1939)1,458a. 1472 vnd worden beide kuͦnigreich demselben bischoff .. zuuerwesen vnd regiren befolhen Eyb dt. schr. 1,96 H. ⟨1503⟩ ich schwere .., den edlen .. Rohrn .. und iren .. vorwesern und ambtleuten, den ich unterworffen und befholen wurden, getreue .. zu sein brand. schöppenstuhlsakten 1,51 S. ⟨1521⟩ der fiscal sol geloben .., daß er alle vnnd jede sachen vnd hendel, so jm beuolhen .. werdē: oder die jm .. ampts halben zu handeln gebüren, .. mit fleiß fürbringen vnd handeln (wird), hl.m. reichs ordn. (1539)195b. 1517/50 (den landpflegern) ein nemlicher und gemessener gewalt bevolhen ist, also das sie alle ding im namen und an stat eins erbarn raths handeln (Nürnb.) chr. dt. städte 11,798. ⟨16.jh.⟩ der hauptmann .. sprach: ihm wehre das heere befohlen und nicht dem borgemeister geschichtsqu. erzstift Bremen 173 L. ⟨A17.jh.⟩ edler junckher, / diss ist ietzundt mein beger, / dass ihr solt nemen disen (gerichts)stab, / welchen ich euch befohlen hab endinger judensp. 72 HND. ⟨v1624⟩ daß sie sollen in ihrem befohlenen amte alda zu gott .. beten, und sein wort lehren Böhme theosophia (1730)17,521 faks. 1742 daß .. die provintzen Elsaß und .. Schwabenland einem hertzoge ist befohlen gewesen, welcher dann seine gewisse .. gerichte im nahmen der könige von Franckreich zu halten gehabt Bürckhle process 1,312. DWB2c jmdn., etwas einer person (über-, mit-, bei)geben; jmdn. einer person, einem gericht u. ä. überstellen; vgl. früh in gl.als opfer darbringen, weihen’: E8.jh. uictimo pifilahu ahd. gl. 1,181,28 S./S. 10.jh. deuouet bifal ebd. 2,719,3. ⟨u1160⟩ daz obiz si (Eva) ezzen began, si befalcte ez dem man. / da zebrachen si daz gebot, daz in getan ⟨h⟩et⟨e⟩ got hochzeit 74,4 M. ⟨n1210⟩ der herzoge liez in (den riesen) dô leben / und bevalh in sînen mannen. / die fuorten in dô dannen / mit freuden heim ze lande herzog Ernst B 5253 B. ⟨u1362⟩ min geselle .. dem hat der orden bevoln giftseklú, die sol er in die brunnen versenken Seuse 75 B. 1391/9 deme bodel bevelet man dy gefangen, slote und helden (‘fußeisen), berl. stadtb. (1883)3. A15.jh. eine gude salbe .., / die er (der bischof) gab und befale / dem vorgenanten officiale pilgerfahrt d. mönchs 389 DTM. M15.jh. dar zu wart iem (dem ratsherrn) ein eigener schriber .. zu sinen handen beschieden bevolhen und gegeben (Mainz) chr. dt. städte 17,154. ⟨u1460⟩ der selb (mönch) hett under andern tyern, die im zu seiner arbait bevolhen warn, einen ochsen Hartlieb dialogus 83 DTM. u1482 ich hab im sust auch ain brieff bevolchen, gehort gen Wirzburg dem Berbelin privatbr. d. ma. 2,86 S. ⟨1537⟩ da ward .. magister Johannes Huß .. dem weltlichen richter befolhen Luther tischreden 3,385 W. ⟨1538⟩ zur gastung .., inn woͤlcher er (Christus) seins leybs vnd bluͦts figur seinen jungern darraychet vnd befalhe Franck arch (1539)58a. 1615 6 arme hexen persohnen .. dem nachrichter .. bevolchen in: DRW 1,1377. 1712 der gruß, welcher einem solchen wegreisenden handwercks-gesellen mit gegeben wird, .. (wird) bey ankunfft in eine andere stadt .. folgender gestalt abgefraget, .. wäre ihm von meister und gesellen ein freundlicher gruß befohlen worden, so richte ers aus Marperger natur-lex. 1444. DWB2d jmdn., sich, etwas einer person zur (wohlwollenden) beachtung, erinnerung u. ä. nahebringen, empfehlen; geläufig sich etwas befohlen sein lassen (zur verwendung in abschiedsformeln s. unter g); noch mdal.: 863/71 nu bifilu ih mih hiar then beziron allen in war, / allen gotes theganon mit selben Kristes seganon Otfrid V 25,87 E./S. hs.A11.jh. saligiu uuituuua, du uone gote in allen dingen so piuolehen uuirdest (commendaris) ahd. sprachdenkm. 156 S. ⟨n1180⟩ den (mund) bat ich zeiner stunt, / daz er mich ze dienste ir bevêle / und daz er mir stêle / von ir ein senftez küssen Heinrich v. Morungen 38142,6 MF. ⟨u1217⟩ der uns ime toufe wart / und Jêsus an der süezen vart / ime Jordân wart genennet Krist, / der nam uns noch bevolhen ist, / den die der touf bedecket hât Wolfram Willehalm 648,18 L. ⟨1314⟩ also laz dir min ere / bevolhen sin zu aller zit / daz under vriunden werd kain strit Johann v. Würzburg 6337 DTM. 2.h15.jh. (sie .. suchte erfuͤr die kleyder, die ir ir vater enpfoln) var.: bevolhen (hatte alz eyn wolbewarten schilt wyder die hoffart) Grosz Grisardis 59 ATB. 1505 euer fürstliche gnade wolle solichs .. ym bestenn von mir (dem autor) .. annemen, der ich mich in aller vndertänikeyt .. hiemit demütiglich befolhenn habenn will (widmung) Emser satyra 20 TSM. ⟨1529⟩ darumb ich etliche bücher de ulceribus []geschriben hab, dieselbigen zu lesen euch befile Paracelsus I 7,335 S. 1556 darumb ertzhertzog gieng / zu koͤnigklicher mayestet / nam vrlaub, sich befelhen thet, / sprach .. Schmeltzl zug A 1b. 1643 ich hab euch, meinen lieben kindern, dieses (gebet) newlich zur gedächtnuß vnd der ehre gottes gemacht, daß lasset euch auch befohlen sein Moscherosch cura 98 HND. 1761 andere rathen, daß man mit einer .. zange die knochen brechen und herausziehen soll. so hat es schon Hippocrates befohlen Henckel geburtshuͤlfe 223. 1851 daß ich .. bei meiner ängstlich abgemessenen diät mir eher mäßigung in dem genusse des vorhandenen .. muß befohlen sein lassen Mörike br. 2,217 F./K. 1965 sick befualen sin lauten ns. wb. 1,801. DWB2e einen leichnam der erde, dem feuer u. ä. übergeben, jmdn. begraben, bestatten: 10.jh. creditur beuolen . uuirdit ahd. gl. 2,489,3 S./S. hs.A11.jh. peuelehet den toten, helfet demo nothaften, trostet den chlagenten ahd. sprachdenkm. 162 S. ⟨1060/5⟩ er hiez sich peuelhin / zuͦ sinen uorderen wiener genesis 5934 ATB. ⟨u1120/30⟩ do er daz uol redete niht langir er lebete. / man chlagete in sere unde beualch in der erde milst. genesis 116,20 D. ⟨u1250⟩ dez richen mannez lichame wart .. mit grozen eren zu der erden bewolen hl. regel 41 DTM. ⟨1420⟩ wenn .. der tote man der erd befolchen wirt weist. 4,390 G. 1523 ob schon die abgestorbnen coͤrper der fliessende Thonaw beuolchen weren Eberlin 3,119 HND. ⟨v1601⟩ auch jhre todten allesamen / befehlen sie deß fewers flamen Spreng ilias (1610)92a. 1624 der samen zu der feulung werd / fleissig befohlen nur der erd. / im grab vnser leiber (ohn sorgn.) / daß sie widrkommen, liegn verborgn Meiszner Stoltzius, lustgärtlein 15b faks. DWB2f jmdn., sich, etwas einer person, sache überlassen, anheimgeben, ausliefern etwas jmdm. (zur entscheidung, handhabung) anheimstellen vereinzelt noch jünger: ⟨v1022⟩ tû beuulehe dih For- tunę . daz si dîn flâge Notker 1,57,1 P. ⟨u1240/50⟩ swaz du woͤllest, daz shribe dar; / daz si dir bevolhen gar Ulrich v. Türheim Rennewart 6844 DTM. ⟨u1350⟩ das (den möglichen ärger der menschen) bevilch gotte des es oͮch ist, und stant du in keiner forhte Merswin neunfelsenb. 131 ATB. 1472 wann er wirt gezwungen, freuenlich zuantworten vnd sein rede, ob er recht oder vnrecht sage, dem gluͦcke zu befelhen Eyb dt. schr. 1,72 H. 1473 das ander (spezielle fragen der arzneikunst) wil ich dienen befelhen, die .. sÿnn vnd muͦt dar vff gelegt haben, ze ergruͤnden die sach der pestilencz Steinhöwel ordn. 5 S. 1583 (die diener) füren die arm .. jungfrauw in den wald, .. befehlen sie den wilden thieren Wetzel reise 38 LV. 1628 ritt (‘riet’) uns der capitein, das wier mit im .. reisen wolten, es solte uns nicht viel kosten; wier solten im alles befehlen Lubenau reisen 2,324 S. 1697 wir müßens aber dem herren überlaßen und befehlen Spener in: Kramer beitr. Francke (1861)368. 1734 befehlen .. heimstellen, einem etwas, referre ad arbitrium J. A. Weber wb. 2,106b. 1962 was der arge meiner erhabenen frau mutter .. getan, sei der barmherzigen rache gottes befohlen Marg Demetrius 2,29. DWB2g phraseol. zur darstellung oder zum vollzug von verabschiedungen. anknüpfend an a in der wendung jmdn., sich gott befehlen u. ä. ‘jmdn., sich (dem schutz gottes anvertrauend) verabschiedensowie formelhaft gott befohlen (sein); mit gleicher funktion, doch auch anzuschließen an d ‘empfehlen’ sich (jmdm.) befehlen, befohlen sein lassen u. ä.; zunächst: ⟨u1147⟩ nû weset gote bevolhen / unt weset wol gesunde! kaiserchr. 13624 MGH. hs.13.jh. er (st. Nikolaus) bivalch si (die boten) gote unt si vûrin wider zû deme kunige md. pred. 346 J. 1397 syd godde bevalen. .. (briefunterschrift) consules Hildensemenses urkb. Hildesh. 2,556 D. hs.u1430 ir yetwedder bevalh den andern gott und schieden Lancelot 1,39 DTM. ⟨1472⟩ vnd beuilhe mich damit ewrn k. gnaden als meinem gnedigsten hern. datum Newenangermunde am sontag trinitatis Albrecht Achilles merck. buech 130 B. 1506 hiemit lasst mich euch befohlen sein (briefschluß) Dürer nachlass 24 L./F. 1521 hy mit got beuoelenn Luther brw. 12,25 W. 1685 gott beifohlen vnt ich uerbleibe meines herren hofrahtz sein unterdehnichter dihner (briefschluß), in: Leibniz I 4,188 ak. 1765 geht der herr schon fort, ich befehl mich gar schön Hafner 2,74 WLV. 1843 nun, allertheuerste Elise, befehle ich dich gott und schließe diesen brief Hebbel III 2,308 W. 1916 dank euch, ihr lieben eltern! gott befohlen. Hans kriegsbr. gefall. studenten (München o. j.)165 W. 2003 mit „gott befohlen“ verabschiedete B. den zuverlässigen mitarbeiter (der evangelischen kirche), Rhein-ztg. (3.9.), IdS-arch. DWB22 auferlegen, gebieten, (be)ordern. ausgehend von a in unterschiedl. []bedeutungsspezifizierungen. DWB2a DWB2 etwas (jmdm.) zu tun auferlegen, auftragen, etwas gebieten, anordnen; älter auch in weniger forderndem sinn; seit dem frnhd. meist(jmdm. aufgrund von autorität, rang, macht mit der forderung von gehorsam) verbindlich anweisung erteilen, etwas zu tun’, bes. militärisch ohne akk. d. sache i. s. v.anweisung(en) geben’; part.adj. befehlend auch ‘gebieterisch (im ton)’. hauptgebrauch seit d. 18. jh.: E8.jh. imponatur pifolan vuerda in: Mayer ahd. gl. (1974)98. ⟨790/802⟩ managem ist pifolahan .. ubarmuateo (committitur unus [non] superbiat; vgl. ahd. wb. 3,705), benediktinerregel 279,4 S. 9.jh. de lege et prophetis et de diuinis preceptis the themo folka bifolana uuarun ahd. gl. 4,298,16 S./S. 10.jh. datur piuolhan vuard ebd. 1,741,17. ⟨v1022⟩ got peuile demo chuninge des chuninges sune . din gerihte zetuônne Notker 2,282,18 P. ⟨u1120/30⟩ do beualch got dem manne .. daz er sin oͮge cherte uon einem boͮme, / noch ze niezzen niht gedæhte des wͦcheres des der bom bræhte milst. genesis 10,26 D. 1272 daz guͦt .. daz han ich lidicke gelassen den siechen luͥten .. an dem velde. alse mir min bruͦder .. an sime tode bevalhe corp. altdt. originalurk. 1,190 W. ⟨u1280⟩ Adam, bevilch ich (gott) dir: / den einen boum lâ mir .. / dô sprach Adam: ‘.. ich leist geren dîn gebot ..’ Jansen Enikel weltchr. 639 MGH. ⟨M14.jh.⟩ daz etliche van uns uzgegangen sint, den wir is nicht bevolen noch geboten hatten ostdt. apostelgesch. 67 ATB. ⟨1362⟩ anderre, .. den die porte befolhen waz zu behuͤtende Klosener in: (Straßb.) chr. dt. städte 8,75. 1422 dem romischin konige, der mir ernstlichin befull euwern gnodin seynen briff zu schikken an seumunge script. rer. siles. 6,21. 1466 also bevelhint die gesellen dem genanten Hannsen Waldman, mit dem genanten Hassen ze redent qu. schweiz. gesch., n. f. II 1,64. ⟨v1510⟩ wē einer eim ein dīg befilht, so gebrucht er sich keyner stoltzheyt noch ōberkeyt, aber er gebrucht sich neyßwo eyner demuͦt vn̄ einer früntlicheit gegē gynnen Geiler bilgerschafft (1512)154a. 1510 das ist ware gehorsam, wenn der vnderton zuͦ allen zeitten .. thuͦt, was jm befolhenn würt ders., paradiß 16d. ⟨1510/30⟩ der Moscowitter sahe ein kleinen (gegnerischen) haufen, ehr bepfull den seinen, das sie aus solten (aus dem sumpf, in dem sie lagen) Grunau preuss. chr. 2,465 P. 1530 da befalh der konig .., das man Jeremia ym vorhofe des gefengnis behalten solt Luther bibel 2,119 W. 1646 als wann das gesatz der natur vnd die vernunfft den menschen beuelchen vnnd aufftragen thätte, den priestern .. eben den zehenden thail .. zu raichen Werndle zehend recht 15. 1669 (der offizier) befahl darauff zweyen soldaten, mich zum gubernator zu führen Grimmelshausen Simplicissimus 55 Sch. 1744 ich .. waiß auch, daß ich mich nit an soliche narrensatzungen zu keren hab .., und habn sie mir ein dreck zu befelen n. crit. sack-allm. 14 faks. ⟨v1799⟩ als befehlen, ordnen und wollen wir hiemit, daß .. in: Berg hdb. policeyrecht (1799)5,206. ⟨1840⟩ „ich verlange von euch meine gemahlin“, sagte er im befehlenden ton Tieck Vittoria Accorombona, in: dig. bibl. 125,544872. u1860 was befohlen wird, muß ausgeführt werden Moltke militär w. (1892)2,2,226. 1886 sie gestand mir, daß .. die verwandten ihr zuredeten, daß sie sich aber nicht befehlen ließe, von keinem menschen auf der welt Stinde Wilhelmine 42. 1968 zur befohlenen zeit war die kompanie .. vollzählig auf dem bahnhofsvorplatz angetreten Winzer soldat 97. 2004 ich bin kein kind mehr. .. du kannst mir nichts befehlen Schroeder mutter 148. DWB2– auch: 1999 redaktions-vize J. .. befiehlt seinem computer, unsere manuskripte auszudrucken Rhein-ztg. (29.6.), IdS-arch. DWB2b jmdn. (zu einem geschehen, in ein amt, an einen ort u. ä.) beordern, schicken, kommen lassen, jmdn. beauftragen. deutlich faßbar erst seit d. 16. jh.; auch in höflichkeitsformeln: ⟨u1240⟩ der aber mich eʒ lêrte, dar umbe wære ich hie / bevollen ze einem jâre, daʒ ich eʒ rehte kunde Kudrun 5,358 M./Sch. 1444 an gericht befallen (‘vorgeladen), in: DRW 1,1378. ⟨1530⟩ alle kunig, alle keiser, alle duces, alle richter seindt aus got befolchen Paracelsus II 4,6 S. 1554 ob er gleich wol im sein son in strenge straff befolen het Wickram 2,28 LV. 1645 mein herr hat mich befehlt, .. ihn bey dem H. zu entschuldigen Harsdörffer gesprächsp. (1641)5,167. ⟨1792⟩ ew. gnaden haben die hofjuweliere befohlen. sie sind vor der thüre Goethe I 17,171 W. 1846 ich bin für nächsten freitag nach Berlin „befohlen“ (wie sich jeder gebildete deutsche hofmann ausdrückt) Mendelssohn-B. brw. 317 K. 1866 ich .. bin von der .. frau markgräfin befohlen, euch .. in eure herberge .. zu geleiten Stifter 10,243 S. ⟨1928⟩ er (der herzog) []befiehlt mich mit seiner eigenartigen handbewegung zu sich Weisz Boëtius (1969)120. 2004 und er (der mann) kam, wie an ihren tisch befohlen Handke don Juan 116. DWB2c etwas (jmdm.) in auftrag geben, anfordern, bestellen, wünschen; bes. zum (formelhaften) ausdruck von höflichkeit, dienstfertigkeit gegenüber einem (potentiellen) auftraggeber. vgl. zunächst vereinzelt: ⟨1331/5⟩ sie sprach zu iren meiden: / ‘holet mir die salbe nu / und daz ol! ..’ / .. do si die dinc bevolen / hatte sust durch ir gemach, .. Daniel 7526 DTM. 1690 der Genueser beklaget sich, daß er so viel (affen beim kaufmann) nicht befohlen, sondern nur einen oder zween haben wolle Happel academ. rom. 664. 1772 (Conti, ein maler:) ich bringe das porträtt, welches sie (anrede) mir befohlen haben, gnädiger herr. .. (der prinz:) der auftrag ist nur ein wenig von lange her Lessing 2,380 L./M. 1774 befehlen .. in der sprache der höflichkeit wird dieses zeitwort oft für verlangen, belieben, neigung zu etwas haben gebraucht. was befehlen sie? wie sie befehlen Adelung wb. 1,703. 1778 (Greif, ein weinschenk:) befehlen sie (anrede) nicht noch eine flasche? Gotter jahrmarkt 64. ⟨1838/9⟩ mein vater .. fuhr den lügnerischen lakaien, der draußen im vorgemache ihn verschmitzt lächelnd befragte, ob er nun die pferde befehle? barsch an Immermann 1,172 B. ⟨1874⟩ der herr mögen den tischwein nicht, befehlen sie (anrede) vielleicht ein glas guten bordeaux, den ich bestens empfehlen kann? Keller (1894)5,17. ⟨1916⟩ befehlen frau baronin das frühstück vielleicht ans bett? Halbe [1917]7,141. ⟨1922⟩ (kellner:) schon befohlen bitte? (herr:) nein, die karte Kraus w. [1952]5,275 F. ⟨1946⟩ er hielt ihn (den kellner) an .. und befahl mit lebemännischem lächeln flasche und gläser zu sich heraus Langgässer siegel (1953)229. DWB2d (über jmdn.) die herrschaft, entscheidungs- insbes. die militär. kommandogewalt haben, jmdn. anführen befehligen. oft substantiviert; in der wendung zu befehlen haben in semant. nähe zu a; älter befehlen sie (anrede) über mich u. ä. auch zum höflichen ausdruck von ergebenheit: 1669 daß du gubernator in Hanau .. bist, .. du hast .. zu befehlen, und wer dir unter augen kompt, muß dir gehorsamen Grimmelshausen Simplicissimus 124 Sch. 1734 er hat über viele völcker zu befehlen Steinbach wb. 1,478. 1769 da ruhet der befehlende monarch, und hundert sklaven warten auf den wink seines haupts in stiller ehrfurcht! Herder 6,55 S. 1791 (Marie trocken:) mein herr, ich diene in diesem hause. (Moritz:) und ich befehle in diesem hause Kotzebue Moritz 101. 1828 befehlen sie (anrede) ferner über mich, und lassen sie sich bald bei uns sehen. ihre ergebene dienerin P. in: Börne 4,940 R. 1847 wenn sie (die frau) nur regieren und befehlen könne, so sei sie lange zufrieden Gotthelf Käthi 2,144. 1851 weil er in dem zahlreichen .. adel seines landes das material fand, einen in sich geschlossenen und geordneten stand von befehlenden .. zu gründen Droysen York 1,5. 1965 der befehlende offizier und sein begleitkommando strafdivision 999 9. 2003 zwischen befehlenden und gehorchenden kann es keinen echten dialog geben Rhein-ztg. (31.3.), IdS-arch.Schrader
23470 Zeichen · 740 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Befêhlen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Befêhlen , verb. irreg. act. Ich befehle, du befiehlst, er befiehlt, wir befehlen, u. s. f. Imperf. Ich befahl, Conj. be…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    befehlen

    Goethe-Wörterbuch

    befehlen Großschreibung GWB 38,58 Vs 98 Imperativ Sg auch ‘befehle’ GWB 5 2 ,400 Konjunktiv II neben ‘beföhle(n)’ einmal…

  3. modern
    Dialekt
    befëhlen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    befë h le n [pəfálə Ingenh. ] befehlen, vorschreiben. Du hes t m i r nix ze b. Ganz bekannt ist die Verbindung hoch b., …

  4. Sprichwörter
    Befehlen

    Wander (Sprichwörter)

    Befehlen 1. Befehlen ist leicht gethan, aber 's fällt davon kein Span. 2. Befehlen, stehlen und hehlen sind drei Diebe. …

  5. Spezial
    befehlen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    be|feh|len (befiehlt, befahl, befohlen) vb.tr. 1 (anordnen) comané (-na), ordiné (-nëia) 2 (wünschen) orëi (ó, orü) , de…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit befehlen

5 Bildungen · 0 Erstglied · 5 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von befehlen

be- + fehlen

befehlen leitet sich vom Lemma fehlen ab mit Präfix be-.

befehlen als Zweitglied (5 von 5)

abbefehlen

DWB

abbe·fehlen

abbefehlen , franz. contremander, den befehl zurücknehmen: die angesagte jagd ist abbefohlen worden.

anbefehlen

DWB

anbefehlen , imperare, mandare, commendare, gleichviel mit befehlen, nnl. aanbevelen: der könig hat uns anbefehlen lassen. vorr. zur lat. gr…

voranbefehlen

DWB

voran·befehlen

-befehlen : alles fleiszes voranbefohlener maszen zu inquirieren verh. schles. fürsten u. stände 8, 278, s. oben unter 4. —

Zurückbefehlen

Campe

zurueck·befehlen

○ Zurückbefehlen , v. intrs . u. trs . unregelm. ( s. Campe Befehlen ). 1) Einen Befehl an den Ort, von wo eine Anfrage  gekommen ist, zurü…