ander ,
ahd. andar,
mhd. ander,
goth. anþar,
alts. ôdar,
mnl. nnl. ander,
ags. oðor, oðer,
engl. other,
fries. other,
altn. annar,
schw. annan,
dän. anden;
litt. antras,
lett. ohtrs,
skr. anjatara,
lat. alter,
it. altro,
prov. altre, autre,
sp. otro,
franz. autre,
gr. ἕτερος,
sl. vʾʾtorʾʾi,
russ. vtoroi,
poln. wtóry,
böhm. wterý.
um sich von diesem wort eine richtige vorstellung zu machen, musz man einsehn, dasz es mit der comparativischen bildung tar
aus dem einfachen positiv hervorgieng, welcher skr. anja
lautete, lat. alius,
gr. ἄλλος für ἄλιος,
goth. alis,
ahd. ali, eli (Graff 1, 223);
wie anja
zu anjatara,
verhält sich alius
zu alter,
das n
war in l
übergetreten. dem anjatara
entspricht antras
und anþar, andar,
obgleich der positiv schon alis, ali
zeigt, das n
in anþar, andar
musz älter sein als das l
in alis, ali.
ἕτερος,
mit unorganischem spir. asp., äol. noch ἔτερος setzt ein ἔντερος voraus, dem wiederum ἄλλος zur seite steht, die gr. lat. und deutsche sprache legten dem positiv l
für n
bei, als sie noch in näherer gemeinschaft standen, dem comp. lieszen Griechen, Deutsche, Littauer das n,
während die Lateiner auch ihm l
gestatteten. auch die Kelten geben dem positiv l:
armor. all,
welsch all,
ir. gal. eile, aile = alius;
den begrif alter
zeugt die welsche sprache durch bloszen umlaut ail,
die armor. eil (
zweisilbig auszusprechen e-il),
ir. und gal. gilt aber dara,
welches durch aphaeresis aus andara, adara
erklärt werden darf. denn gerade so scheinen die sl. sprachen aus ihrem positiv in ʾʾ,
russ. inoi,
poln. inny,
böhm. giný =
skr. anja,
den comparativ einmal drugi, drugoi, druhý
aus andrugi, indrugi,
dann aber [] vʾʾtorʾʾi, vtoroi, wtóry
zu entfalten. beide formen drugi
und wtóry
drücken alter aus, neben drugi
steht der begrif drug,
gleichsam alter ego, d. i. freund. wtóry
musz aber älter sein als drugi,
weil es noch das t, tar, ter
von anjatara
und ἕτερος an sich trägt, das im kelt. dara
und sl. drugi,
mit ausfall des anlauts, zu d
wurde. heute überwiegt drugi
dem wtóry
im gebrauch, ja den Serben und Slovenen ist letzteres ausgestorben. die Griechen, obschon ἕτερος behaltend und mehr auf den begrif ἄλλος zurückleitend, führten für die ordinalzahl ein schärferes δεύτερος ein; wir hingegen, alis
und ali
bald fahren lassend, haben dem ander
die bedeutung von alius
und alter
überwiesen und endlich auch ander
aus der ordinalzahl durch zweite
zu drängen gesucht. Solche beschaffenheit hat es um eins der ältesten wörter unserer sprache und ohne sich dessen geschichte zu vergegenwärtigen würde die folgende, wieder in die schranke des nhd. ander
zurücktretende darstellung nichts ausrichten. II.
Flexion. So sehr scheint von altersher unser ander
seiner ursprünglichen comparativnatur entfremdet, dasz es die allen comparativen sonst zuständige schwache form (
gramm. 4, 519)
gerade von sich abweist. näher zugesehn ist aber der comparativ auf goth. -za,
ahd. -ro
jenem skr. -tar
unvergleichbar, und das zu ihm stimmende goth. -þar,
ahd. -dar
in anþar, andar
darf seinen eignen weg gehn. organischerweise gestattete es bei uns nur starke form, mit völligem ausschlusz der schwachen (
gramm. 4, 514. 515),
auszerdem legt das goth. männliche und neutrale anþar
im nom. alles kennzeichen ab, es gilt nur anþar,
nie anþars,
noch anþarata (
gramm. 4, 468. 469);
ahd. wird andaraʒ
zulässig und allmälich reiszt auch schwache flexion ein, so dasz mhd. und nhd. beide in gewöhnlicher art stattfinden: ein anderer, der andere.
Nach alle (
omnes)
schwankt uns heute starke und schwache form, wie für andere adj. (
s.all);
doch könnte ein längeres übergewicht der starken noch auf rechnung jener alten abwesenheit der schwachen bei ander
geschrieben werden: alle andere. Wieland 1, 52. 8, 386; alle andre sinnen. 1, 233; alle andre mittel. 2, 142.
hier, wie viele thun, alle andern
zu setzen, ist aber kein fehler. man hört: ein jeder anderer
und jeder andere,
doch nur: ein anderer, kein anderer,
im pl. keine andere
und keine andern.
Für ein anderes, andres
ist statthaft zu sagen ein ander: ein ander mal (andermal), ein ander lied, ein ander beispiel; wenn sie kein ander bedenken haben. Gellert; ich habe ganz ander wildpret auf der spur. Lessing; kein ander bild. Göthe 10, 158.
wie es auch heiszt: ein schöner bild ist nicht zu sehn, ein edler herze gab es nicht,
obgleich die prosa vorzieht: ein anderes mal, ein anderes lied, ein edleres herz. Luther
hat beinahe immer ein ander.
Schwerer unterdrücken läszt sich die männliche flexion, wie gleichfalls bei Luther
geschieht: ein ander weihe es ein.
5 Mos. 20, 5; ein ander mache es in gemeine. 20, 6; ein ander hole sie heim. 20, 7; kein ander sol es essen.
2 Mos. 29, 33; kein ander sol von dem heiligen essen.
3 Mos. 22, 10
und an viel stellen mehr. ein ander sagte.
pers. rosenth. 1, 35; ein ander prediger. 4, 12.
die heutige sprache fordert: ein anderer, andrer.
Noch häufiger gebrauchen Luther
und seine zeitgenossen unflectiertes ander
im articulierten nom. sg. aller geschlechter: der ander, die ander, das ander;
wofür sich belege auf jedem blatt der bibel und sonst darbieten. auch dies versagen wir uns heut und gestatten blosz: der andere, die andere, das andere;
selbst dichter, wo sie zweier silben bedürfen, ziehen der andre, die andre, das andre
dem weicheren ander
vor. wenigstens für den reim sollten sie sichs erlauben. die obliquen casus fordern stets, auch bei Luther,
flexion. Kürzungen der flexion erfolgen nicht gleichförmig. für anderer, andere
kann nur mit tilgung des ersten e
gesagt werden andrer, andre.
bei anderes, anderem, anderen
ist aber die tilgung des zweiten e
bräuchlicher: anders, anderm, andern
und wo nicht andres,
doch andrem, andren
unüblich, wie wir sondern, wandern, wandeln
und nicht sondren, wandren, wandlen
sagen. doch würde den umständen nach auch andrem, andren
gestattet sein. vgl. anders. IIII.
Bedeutung. Hauptregel ist: nach dem bestimmten artikel hat ander
noch den sinn von alter,
ohne artikel den von alius. II@11)
ander =
alter. die comparativeigenheit des ander
bricht noch darin durch, dasz hinter ihm die nach comparativen [] überhaupt geltende partikel eintritt. ein anderer als ich wird kommen; keinen andern als dich soll ich nennen,
wie die Griechen schon hinter ἄλλος ἤ,
ja den gen. gestatten, ἄλλος ἐμοῦ,
ein andrer als ich, lat. alius quam ego
oder auch alius me.
ob wol gothisch noch ein anþar mis
oder anþar þau ik
galt? Unser ander,
gleich dem lat. alter,
war die organische ordinalzahl der zweiheit und erst nachdem es diese bestimmtheit verlor und für alius
mit galt, muste der sprachgeist auf neue ausdrücke bedacht sein. secundus
bezeichnet eigentlich jeden folgenden, nicht allein den zweiten; wie aber franz. second
und deuxième
das autre,
ja engl. second
das other
zurückdrängten, wich auch unser ander
allgemach dem zweite,
nnl. ander
dem tweede.
besser haben Schweden und Dänen ihr ordinales andre
und anden
gewahrt. Im 16. 17
jh. aber galt es noch zu zählen: der erste, der ander, der dritte (
Garg. 58
a)
und nicht der zweite; zum ersten, zum andern, zum dritten; fürs erste, fürs ander (
Garg. 154
a), fürs dritte; der ander und dritte rückknochel (
Garg. 256
a). Luther
sagt überall: da ward am abend und morgen der ander tag,
ἡμέρα δευτέρα.
1 Mos. 1, 8; das ander wasser heiszt Gihon. 2, 13; eine hiesz Ada, die ander Zilla. 4, 19;
und er setzte das ander buch Mose, das ander buch Samuel, das ander buch der könige,
in welchen stellen Bindseil
und Niemeyer
sich tadelhaft gestatten das zweite buch.
ebenso: das ander buch vom alten wendischen Pommerlande. Micrälius 2, 129; des persianischen rosenthals anderes buch; ander buch der poetischen wälder. Opitz; poetischer wälder anderes buch. seind auch den andern decembris allda glücklich angelanget.
pers. reiseb. 68; mein Deutschland hat in dem weit eine beszre sitte, nimmt auf den andern tag auch noch den dritten mitte. Fleming 173.
lange war in deutscher geschichte nur von Conrad, Heinrich, Friedrich dem andern,
und nie dem zweiten,
die rede. wenn man das ander lied anstimmen wird. Gryphius 1, 68;
hin und wieder noch bei späteren: ach gott! wie doch mein erster war, find ich nicht leicht auf dieser welt den andern. Göthe 12, 155.
bei einzelnen wörtern hat sich ander
nicht von zweite
verdrängen lassen, man sagt das andere geschlecht,
wie das schöne geschlecht
für die frauen, nicht das zweite; andere geschwisterkinder
meint die sobrini, deren groszeltern geschwister waren; auch im zählen ist anderthalb
noch nicht dem zweithalb
gewichen; im andern leben, in einem andern leben werden wir uns wieder sehn; in einer anderen welt,
dans un autre monde. Fest auch haftete ander,
wenn ein ebenbild, ein gegenstück von nur als zwein gedachten dingen, ausgedrückt werden soll: alsus het ich beseʒʒen daʒ ander pardîse.
Iw. 687; wir haben hie beseʒʒen daʒ ander paradîse.
Er. 9541; nimm hier mein ander ich! Günther 1027; du bleibst mein ander ich, bis mir der tod das treue herze bricht. Menantes 1, 178; nimm mich, mein ander ich! 193; sie (
die kinder) sind die andren wir, wir leben nach dem leben in ihnen. Logau 1, 8, 98; ach megdlein, ander wonne, wie selwet euch die sonne. Uhland
volksl. 185; so kam die schöne pilgramin, der schönheit andre sonn und pracht. Hoffmannswaldau
getr. sch. 37; ach Amaryllis, die mein hochgeneigter geist, stets die seele meiner seele und mein ander auge heiszt. 57; dein ander leben kommt itzt auf dich zugegangen, entrück ihm nicht den mund, entzeuch ihm nicht die wangen.
hochzeitg. 23; meine andere seele!
irrgarten s. 9; in dieser gegend, die ein andres Pafos schien. Wieland 10, 85, ein zweites Paphos
würde man heute sagen, meine zweite seele!
ja Göthe
unterscheidet das zweite
von dem andern: er sah zum erstenmal sein bild auszer sich, zwar nicht, wie im spiegel ein zweites selbst, sondern wie im porträt ein anderes selbst, man bekennt sich zwar nicht zu allen zü
gen. 20, 142.
der spiegel gibt ganz gleich, das bild nur ähnlich wieder, und [] alter est Tiro
oder imago est Tironis
besagen dasselbe. ein andrer Schiller müste unsrer bühne auferstehn.
auch den Franzosen hat sich hier autre
erhalten, un autre Hercule,
lat. alter Verres, alter Orcus, alter idem, alter ego,
von einem freunde, der meine seele ist, vgl. jenes sl. drugi
und drug
freund. In allen sätzen, wo eins
daneben steht, behauptet das darauf bezügliche ander
noch die bedeutung von alter, unus et alter, unus alterve. eine hand wäscht die andere; einer hilft dem andern; er mengt eins in das andere; schlug einen streich in den andern auf in.
Pontus 26; der eine will das, der andere jenes; eins thun, das andre nicht lassen; der eine spricht deutsch, der andere französisch; ein tag ist des andern schulmeister; ist das eine wahr, so musz das andere falsch sein; eins kommt zum andern; eins ins andere gerechnet; eins ins andere mengen; einmal über das andere; einen boten über den andern senden; ein jahr um das an dere; einer langt an nach dem andern; der (
horum) eins wer on das ander schad. Schwarzenberg 129, 2; so einer pett (
betet), der ander schilt.
das. da ihm immer ein exempel übers andere vorlaufen wird. Kirchhof
mil. disc. 5; die ein und andre war auszbündig schön und zart. Werders
Ariost 6, 69; die ein und andre fort auf diese weise rücket. 6, 70; den ein und andern tag. 8, 56; müssen wir ein und ander trinkgeld dagegen erstatten. Weise
kl. leute 270; so muste, wie gesagt, ein wort das andre geben. Gellert 3, 388; um ein oder anderes griechisches willkürliches versgebäude aufzuführen. Bürger 176
b; ihm begegnet ein unglück nach dem andern. Göthe 25, 37; der einmal über das andere ein groszer mann gescholten wird. 33, 63. der andere
von zweien ist auch den man durch dieser (
hic),
der vorausgehende eine,
den man durch jener (
ille)
kennzeichnet. Minder gesichert war ander,
wo ein bezügliches erste
vorausgeht, weil wir zählend jetzt dem zweite
den vorzug geben: der erste redete, der zweite folgte nach; von der ersten stufe auf die zweite und dritte schreiten. II@22)
ander =
alius. ein andrer,
ἄλλος τις,
alius quis; unter anderm,
inter alia; ein anderes ist es,
aliud est; das mag ein anderer thun, glauben; das sollte ein anderer gesagt, gethan haben; ein anderer ist froh, wenn er nur ein stück brot hat; wer anderes nicht hat, gibt äpfel und birnen; jetzt spricht er ganz anders.
so stehn sich auch gern in sprüchen zwei ander
zur seite: ander jahr, ander haar; ander mann, ander glück; andere zeit, anderes leid; andere zeiten, andere sitten; ander städtchen, ander mädchen; anderes ist versprechen, anderes halten. schauen, ob dir sei als andern frauen.
fastn. sp. 573, 3; gott hat mir einen andern samen gesetzt,
σπέρμα ἕτερον. 1
Mos. 4, 25; da harret er noch ander sieben tage,
ἡμέρας ἑπτὰ ἑτέρας. 8, 10; dem könige und andern landen. Luther 6, 510
a; etliche die von Dietrich von Bern und andern riesen lieder gemacht haben. 6, 532
a; da etwa ein ander sie auf seine seiten beugen möchte. Kirchhof
mil. disc. 8; ob ihm ein ander einen verächtlichen titel anhängt. Weise
erzn. 43; damit ist es freilich ein anderes. Wieland 8, 287; mit den göttlichen (dingen) ists ein anderes. 19, 7; in dem neuen eckhause da unten wohnt jemand ganz anders. Lessing 1, 501; thue dir selber genug! im misurteilenden volke wird dich ein anderer schlecht nennen, ein anderer gut. Voss; ich that euch sächelchen hinein um eine andre zu gewinnen. Göthe 12, 141; wenn einer sorgt und redlich denkt, kommt andrer wol und heiter und schenkt. 4, 331; ich allegorisch? das sagt mir ein andrer nach. 11, 306.
Dies ander
drückt gern neue zustände aus: ich bin anderes sinnes geworden, habe mich eines andern besonnen; es ist recht schön, dasz sie sich auch verheiraten, man wird ganz ein anderer mensch. Göthe 14, 256; er fühlte dasz er ein anderer mensch zu werden beginne. 18, 44; suchen sie ein ander quartier, nehmen sie meinen dank. 19, 56.
[] II@33)
wie die niederländische sprache dem pluralis des pronomens erster und zweiter person, dem wij, gij,
oblique ons, u
ein lieden
anhängen (
wovon auch bei uns spuren erscheinen, s. leute);
so pflegen die italienische, spanische und französische in demselben fall ein verstärkendes altri, otros
und autres
beizufügen, um dadurch redende und angeredete, im gegensatz aller übrigen, als volk, stand, geschlecht hervorzuheben. eine ähnliche anfügung von andern
zu wir ihr, uns euch,
wie sie dem mhd. völlig fremd war, scheint nhd. erst im vorigen jh. um sich zu greifen und dem franz. brauche nachgeahmt. was wolltet denn ihr beginnen, ihr andern weltbekehrer, wenns anders wäre? Wieland 21, 70; soll denn ein verliebter, wie ihr andern vernünftigen leute, vom gedanken zum entschlusz, und vom entschlusz zur that tagereisen hinken? Leisewitz.
Jul. von Tarent 2, 5; drum wühle du, ein andres schwein, nur immer den rüssel in den boden hinein. Göthe 3, 200; nun er ist ein mann, er hat gelernt sich eine freude zu versagen; doch wir, wir andren mädchen, möchten gern uns eurer gegenwart noch lange freuen. 10, 213; ihr andern liebt meistentheils an den männern, was männer an sich unter einander nicht leiden können. 14, 13; aber in den höhern ständen ist die aufgabe sehr verwickelt, wir andern sollen daher unsre zöglinge nach auszen bilden. 17, 283; wir andern junggesellen, die wir nachts meist allein sind und uns doch wie andre menschen fürchten, wir finden es gar tröstlich. 19, 169; uns andern kleinen menschen ist dies wol als eine tugend anzurechnen. 21, 227; versäumt ist nichts, erwiderte jener, wenn ihr andern ernsthaften herren nur nicht so starr und steif wäret. 22, 41; so wurden wir anderen deutschen gesellen denn immer verdrieszlicher. 26, 63; leider haben wir andern in unserer jugend nur die familienmünzen besessen. 28, 123; die fremden sehen die sache für allzuleicht an, wir andern nachbarn des berges sind schon zufrieden. 28, 195; mit diesem hatte uns andre das studium des bergwesens verbunden. 31, 227; wir andern städtebewohner erblicken seltner die kuh mit dem kalbe. 39, 286; so seid ihr nun, ihr andern! 36, 54; tadelt ihr mich, ihr andern weisen, so wird die menge mich lossprechen. 36, 127; aber sie (
die geistlichen) schonen uns nicht, uns andre laien. 40, 135; wir andern müssen oft genug aus der hand speisen. 42, 374; da wir andern vorher uns von den popularphilosophen gar unwürdig musten behandeln lassen. 50, 55. II@44)
ähnlich diesem wir andern, ihr andern,
jedoch weit älter im gebrauch, und der heutigen sprache wieder fremd geworden ist ein überflüssig scheinendes ander
im geleite von substantiven. das war schon homerisch: οὐδ' ἄλλαι δμωαί.
Od. 2, 412;
ἀμφίπολοι ἄλλαι. 6, 84;
οἱ ἄλλοι σκηπτοῦχοι βασιλῆες. 8, 40.
doch die deutsche sprache setzt ein solches ander
im sg. und pl. bei vergleichungen. mhd. reht als ein ander gänsterlîn, swarz als ein ander brant, er sweic als ein ander stein (Ben. 1, 36
a), hôhes muotes als ein ander wîp.
MS. 1, 81
b; sô lebe ich als ein ander man. 1, 82
b.
nhd. beispiele: warum der meszpfaf wie ein anderer dieb, den man zum galgen fürt, mit eim strick um den leib gebunden seie. Fischart
bienenk. 157
b; wie ein anderer landstreifer.
Garg. 68
a; ihr mein andere kuttenhämmel. 79
a; wie ein anderer närrischer Schwab. 129
a; wie ein anderer reuter. 230
b; blieb am baum henken wie ein anderer dannzapf. 251
b; des wird er müd wie ander leut. H. Sachs I, 531
c; lebt als ein ander trunkener man. Justinger 195; da lag ich wie ein anderer bärenhäuter.
Simplic. 337; fluchen wie ein ander soldat.
Simpl. 2, 122; wie ein anderer schmarotzer. 2, 274; da lag er wie ein ander schwein.
Grobianus 1572, 97
a; die falschen heiligen sind der gerechtigkeit so vol, das sie die andern armen sünder anköken. Luther 5, 355
a; dasz ihr euch wie ein anderer grober unflat verhaltet.
franz. Simpl. 1, 64; wie ein anderes schwein. 1, 65; springen herum wie die andere narren. 1, 60.
vgl. gramm. 4, 456.
Reinhart cclvii.
ebenso hiesz es altn. sem Vanir aðrir.
Sœm. 72
a; liotr sem aðrir þrælar.
Ol. Tr. 3, 107; vaxa sem annat hâr.
Sn. 130;
und altfranz. en bois estes com autre serve petit trovez.
Tristan 2170,
weil es eine menge knechte, eine menge haare, narren, diebe und soldaten gibt. mit diesem ander =
ἄλλος ist das unter 1)
behandelte ander =
δεύτερος nicht zu vermengen, wie es bei Benecke
geschieht. II@55)
zuweilen geht ander
in den begrif des linken
über. das ufer des flusses, wo wir stehn, heiszt uns das rechte,
das [] gegenüberliegende das andere
oder linke.
den Griechen war ἡ ἑτέρα die linke hand und ἐπὶ θάτερα ist gegensatz von ἐν δεξιοῖς.
so sagt Walther 124, 6 daʒ mir hie vor was kündic als mîn ander hant,
bekannt wie meine hand, wie meine linke hand; do het er der andern hant auch nicht.
gesta Rom. ed. Keller
s. 137;
der Ssp. 1, 63
fordert für den kämpfer: en blot svert in der hant, enen senewolden schilt in der anderen hant,
d. i. in der rechten das schwert, in der linken den runden schild, und die variante gibt linken, lerzen; podegram am andern fusz. Fischart
Garg. 151
b. II@66)
endlich trift auch unsere sprache mit der griechischen darin zusammen, dasz sie ihr ander
euphemistisch setzt für das, was man sich scheut in den mund zu nehmen, sei es etwas schlechtes, böses, oder verbiete scham und anstand es auszusprechen; gerade so verhüllte der Grieche mit seinem ἕτερος und ἄλλος das böse oder unziemende. ich hätte bald was anders gesagt
heiszt, ich halte das schimpfwort, die schelte zurück, die mir schon im munde liegt, ich will dir das noch anders weisen,
dich schonungslos behandeln. er hat an mir gehandelt wie ein andrer
d. h. schuft oder schelm, was dem unter 4)
besprochnen wie ein andrer schelm oder dieb
begegnet. Hierher gehört nun auch, dasz man sagt mir wird anders
f. übel, die frau ist in andern umständen,
um dem wort schwanger
auszuweichen, das ander
bezeichnet die menstruation, vgl. Schmid
schw. id. 21. Schm. 1, 65. 75.
Den ältesten beleg gewährt schon Otfried,
im gedicht an Hartmut und Werinbert Abels todschlag erzählend meidet er den namen Cain
auszusprechen und nennt ihn v. 31. 35
nur ther ander, 39 ther anderer,
hinterher v. 43
folgt dennoch das wort Cain.