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ander

ahd. bis spez. · 28 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ander

Bd. 1, Sp. 305
ander , ahd. andar, mhd. ander, goth. anþar, alts. ôdar, mnl. nnl. ander, ags. oðor, oðer, engl. other, fries. other, altn. annar, schw. annan, n. anden; litt. antras, lett. ohtrs, skr. anjatara, lat. alter, it. altro, prov. altre, autre, sp. otro, franz. autre, gr. ἕτερος, sl. vʾʾtorʾʾi, russ. vtoroi, poln. wtóry, böhm. wterý. um sich von diesem wort eine richtige vorstellung zu machen, musz man einsehn, dasz es mit der comparativischen bildung tar aus dem einfachen positiv hervorgieng, welcher skr. anja lautete, lat. alius, gr. ἄλλος für ἄλιος, goth. alis, ahd. ali, eli (Graff 1, 223); wie anja zu anjatara, verhält sich alius zu alter, das n war in l übergetreten. dem anjatara entspricht antras und anþar, andar, obgleich der positiv schon alis, ali zeigt, das n in anþar, andar musz älter sein als das l in alis, ali. ἕτερος, mit unorganischem spir. asp., äol. noch ἔτερος setzt ein ἔντερος voraus, dem wiederum ἄλλος zur seite steht, die gr. lat. und deutsche sprache legten dem positiv l für n bei, als sie noch in näherer gemeinschaft standen, dem comp. lieszen Griechen, Deutsche, Littauer das n, während die Lateiner auch ihm l gestatteten. auch die Kelten geben dem positiv l: armor. all, welsch all, ir. gal. eile, aile = alius; den begrif alter zeugt die welsche sprache durch bloszen umlaut ail, die armor. eil (zweisilbig auszusprechen e-il), ir. und gal. gilt aber dara, welches durch aphaeresis aus andara, adara erklärt werden darf. denn gerade so scheinen die sl. sprachen aus ihrem positiv in ʾʾ, russ. inoi, poln. inny, böhm. giný = skr. anja, den comparativ einmal drugi, drugoi, druhý aus andrugi, indrugi, dann aber [] vʾʾtorʾʾi, vtoroi, wtóry zu entfalten. beide formen drugi und wtóry drücken alter aus, neben drugi steht der begrif drug, gleichsam alter ego, d. i. freund. wtóry musz aber älter sein als drugi, weil es noch das t, tar, ter von anjatara und ἕτερος an sich trägt, das im kelt. dara und sl. drugi, mit ausfall des anlauts, zu d wurde. heute überwiegt drugi dem wtóry im gebrauch, ja den Serben und Slovenen ist letzteres ausgestorben. die Griechen, obschon ἕτερος behaltend und mehr auf den begrif ἄλλος zurückleitend, führten für die ordinalzahl ein schärferes δεύτερος ein; wir hingegen, alis und ali bald fahren lassend, haben dem ander die bedeutung von alius und alter überwiesen und endlich auch ander aus der ordinalzahl durch zweite zu drängen gesucht. Solche beschaffenheit hat es um eins der ältesten wörter unserer sprache und ohne sich dessen geschichte zu vergegenwärtigen würde die folgende, wieder in die schranke des nhd. ander zurücktretende darstellung nichts ausrichten. II. Flexion. So sehr scheint von altersher unser ander seiner ursprünglichen comparativnatur entfremdet, dasz es die allen comparativen sonst zuständige schwache form (gramm. 4, 519) gerade von sich abweist. näher zugesehn ist aber der comparativ auf goth. -za, ahd. -ro jenem skr. -tar unvergleichbar, und das zu ihm stimmende goth. -þar, ahd. -dar in anþar, andar darf seinen eignen weg gehn. organischerweise gestattete es bei uns nur starke form, mit völligem ausschlusz der schwachen (gramm. 4, 514. 515), auszerdem legt das goth. männliche und neutrale anþar im nom. alles kennzeichen ab, es gilt nur anþar, nie anþars, noch anþarata (gramm. 4, 468. 469); ahd. wird andaraʒ zulässig und allmälich reiszt auch schwache flexion ein, so dasz mhd. und nhd. beide in gewöhnlicher art stattfinden: ein anderer, der andere. Nach alle (omnes) schwankt uns heute starke und schwache form, wie für andere adj. (s.all); doch könnte ein längeres übergewicht der starken noch auf rechnung jener alten abwesenheit der schwachen bei ander geschrieben werden: alle andere. Wieland 1, 52. 8, 386; alle andre sinnen. 1, 233; alle andre mittel. 2, 142. hier, wie viele thun, alle andern zu setzen, ist aber kein fehler. man hört: ein jeder anderer und jeder andere, doch nur: ein anderer, kein anderer, im pl. keine andere und keine andern. Für ein anderes, andres ist statthaft zu sagen ein ander: ein ander mal (andermal), ein ander lied, ein ander beispiel; wenn sie kein ander bedenken haben. Gellert; ich habe ganz ander wildpret auf der spur. Lessing; kein ander bild. Göthe 10, 158. wie es auch heiszt: ein schöner bild ist nicht zu sehn, ein edler herze gab es nicht, obgleich die prosa vorzieht: ein anderes mal, ein anderes lied, ein edleres herz. Luther hat beinahe immer ein ander. Schwerer unterdrücken läszt sich die männliche flexion, wie gleichfalls bei Luther geschieht: ein ander weihe es ein. 5 Mos. 20, 5; ein ander mache es in gemeine. 20, 6; ein ander hole sie heim. 20, 7; kein ander sol es essen. 2 Mos. 29, 33; kein ander sol von dem heiligen essen. 3 Mos. 22, 10 und an viel stellen mehr. ein ander sagte. pers. rosenth. 1, 35; ein ander prediger. 4, 12. die heutige sprache fordert: ein anderer, andrer. Noch häufiger gebrauchen Luther und seine zeitgenossen unflectiertes ander im articulierten nom. sg. aller geschlechter: der ander, die ander, das ander; wofür sich belege auf jedem blatt der bibel und sonst darbieten. auch dies versagen wir uns heut und gestatten blosz: der andere, die andere, das andere; selbst dichter, wo sie zweier silben bedürfen, ziehen der andre, die andre, das andre dem weicheren ander vor. wenigstens für den reim sollten sie sichs erlauben. die obliquen casus fordern stets, auch bei Luther, flexion. Kürzungen der flexion erfolgen nicht gleichförmig. für anderer, andere kann nur mit tilgung des ersten e gesagt werden andrer, andre. bei anderes, anderem, anderen ist aber die tilgung des zweiten e bräuchlicher: anders, anderm, andern und wo nicht andres, doch andrem, andren unüblich, wie wir sondern, wandern, wandeln und nicht sondren, wandren, wandlen sagen. doch würde den umständen nach auch andrem, andren gestattet sein. vgl. anders. IIII. Bedeutung. Hauptregel ist: nach dem bestimmten artikel hat ander noch den sinn von alter, ohne artikel den von alius. II@11) ander = alter. die comparativeigenheit des ander bricht noch darin durch, dasz hinter ihm die nach comparativen [] überhaupt geltende partikel eintritt. ein anderer als ich wird kommen; keinen andern als dich soll ich nennen, wie die Griechen schon hinter ἄλλος, ja den gen. gestatten, ἄλλος ἐμοῦ, ein andrer als ich, lat. alius quam ego oder auch alius me. ob wol gothisch noch ein anþar mis oder anþar þau ik galt? Unser ander, gleich dem lat. alter, war die organische ordinalzahl der zweiheit und erst nachdem es diese bestimmtheit verlor und für alius mit galt, muste der sprachgeist auf neue ausdrücke bedacht sein. secundus bezeichnet eigentlich jeden folgenden, nicht allein den zweiten; wie aber franz. second und deuxième das autre, ja engl. second das other zurückdrängten, wich auch unser ander allgemach dem zweite, nnl. ander dem tweede. besser haben Schweden und Dänen ihr ordinales andre und anden gewahrt. Im 16. 17 jh. aber galt es noch zu zählen: der erste, der ander, der dritte (Garg. 58a) und nicht der zweite; zum ersten, zum andern, zum dritten; fürs erste, fürs ander (Garg. 154a), fürs dritte; der ander und dritte rückknochel (Garg. 256a). Luther sagt überall: da ward am abend und morgen der ander tag, ἡμέρα δευτέρα. 1 Mos. 1, 8; das ander wasser heiszt Gihon. 2, 13; eine hiesz Ada, die ander Zilla. 4, 19; und er setzte das ander buch Mose, das ander buch Samuel, das ander buch der könige, in welchen stellen Bindseil und Niemeyer sich tadelhaft gestatten das zweite buch. ebenso: das ander buch vom alten wendischen Pommerlande. Micrälius 2, 129; des persianischen rosenthals anderes buch; ander buch der poetischen wälder. Opitz; poetischer wälder anderes buch. seind auch den andern decembris allda glücklich angelanget. pers. reiseb. 68; mein Deutschland hat in dem weit eine beszre sitte, nimmt auf den andern tag auch noch den dritten mitte. Fleming 173. lange war in deutscher geschichte nur von Conrad, Heinrich, Friedrich dem andern, und nie dem zweiten, die rede. wenn man das ander lied anstimmen wird. Gryphius 1, 68; hin und wieder noch bei späteren: ach gott! wie doch mein erster war, find ich nicht leicht auf dieser welt den andern. Göthe 12, 155. bei einzelnen wörtern hat sich ander nicht von zweite verdrängen lassen, man sagt das andere geschlecht, wie das schöne geschlecht für die frauen, nicht das zweite; andere geschwisterkinder meint die sobrini, deren groszeltern geschwister waren; auch im zählen ist anderthalb noch nicht dem zweithalb gewichen; im andern leben, in einem andern leben werden wir uns wieder sehn; in einer anderen welt, dans un autre monde. Fest auch haftete ander, wenn ein ebenbild, ein gegenstück von nur als zwein gedachten dingen, ausgedrückt werden soll: alsus het ich beseʒʒen daʒ ander pardîse. Iw. 687; wir haben hie beseʒʒen daʒ ander paradîse. Er. 9541; nimm hier mein ander ich! Günther 1027; du bleibst mein ander ich, bis mir der tod das treue herze bricht. Menantes 1, 178; nimm mich, mein ander ich! 193; sie (die kinder) sind die andren wir, wir leben nach dem leben in ihnen. Logau 1, 8, 98; ach megdlein, ander wonne, wie selwet euch die sonne. Uhland volksl. 185; so kam die schöne pilgramin, der schönheit andre sonn und pracht. Hoffmannswaldau getr. sch. 37; ach Amaryllis, die mein hochgeneigter geist, stets die seele meiner seele und mein ander auge heiszt. 57; dein ander leben kommt itzt auf dich zugegangen, entrück ihm nicht den mund, entzeuch ihm nicht die wangen. hochzeitg. 23; meine andere seele! irrgarten s. 9; in dieser gegend, die ein andres Pafos schien. Wieland 10, 85, ein zweites Paphos würde man heute sagen, meine zweite seele! ja Göthe unterscheidet das zweite von dem andern: er sah zum erstenmal sein bild auszer sich, zwar nicht, wie im spiegel ein zweites selbst, sondern wie im porträt ein anderes selbst, man bekennt sich zwar nicht zu allen zügen. 20, 142. der spiegel gibt ganz gleich, das bild nur ähnlich wieder, und [] alter est Tiro oder imago est Tironis besagen dasselbe. ein andrer Schiller müste unsrer bühne auferstehn. auch den Franzosen hat sich hier autre erhalten, un autre Hercule, lat. alter Verres, alter Orcus, alter idem, alter ego, von einem freunde, der meine seele ist, vgl. jenes sl. drugi und drug freund. In allen sätzen, wo eins daneben steht, behauptet das darauf bezügliche ander noch die bedeutung von alter, unus et alter, unus alterve. eine hand wäscht die andere; einer hilft dem andern; er mengt eins in das andere; schlug einen streich in den andern auf in. Pontus 26; der eine will das, der andere jenes; eins thun, das andre nicht lassen; der eine spricht deutsch, der andere französisch; ein tag ist des andern schulmeister; ist das eine wahr, so musz das andere falsch sein; eins kommt zum andern; eins ins andere gerechnet; eins ins andere mengen; einmal über das andere; einen boten über den andern senden; ein jahr um das an dere; einer langt an nach dem andern; der (horum) eins wer on das ander schad. Schwarzenberg 129, 2; so einer pett (betet), der ander schilt. das. da ihm immer ein exempel übers andere vorlaufen wird. Kirchhof mil. disc. 5; die ein und andre war auszbündig schön und zart. Werders Ariost 6, 69; die ein und andre fort auf diese weise rücket. 6, 70; den ein und andern tag. 8, 56; müssen wir ein und ander trinkgeld dagegen erstatten. Weise kl. leute 270; so muste, wie gesagt, ein wort das andre geben. Gellert 3, 388; um ein oder anderes griechisches willkürliches versgebäude aufzuführen. Bürger 176b; ihm begegnet ein unglück nach dem andern. Göthe 25, 37; der einmal über das andere ein groszer mann gescholten wird. 33, 63. der andere von zweien ist auch den man durch dieser (hic), der vorausgehende eine, den man durch jener (ille) kennzeichnet. Minder gesichert war ander, wo ein bezügliches erste vorausgeht, weil wir zählend jetzt dem zweite den vorzug geben: der erste redete, der zweite folgte nach; von der ersten stufe auf die zweite und dritte schreiten. II@22) ander = alius. ein andrer, ἄλλος τις, alius quis; unter anderm, inter alia; ein anderes ist es, aliud est; das mag ein anderer thun, glauben; das sollte ein anderer gesagt, gethan haben; ein anderer ist froh, wenn er nur ein stück brot hat; wer anderes nicht hat, gibt äpfel und birnen; jetzt spricht er ganz anders. so stehn sich auch gern in sprüchen zwei ander zur seite: ander jahr, ander haar; ander mann, ander glück; andere zeit, anderes leid; andere zeiten, andere sitten; ander städtchen, ander mädchen; anderes ist versprechen, anderes halten. schauen, ob dir sei als andern frauen. fastn. sp. 573, 3; gott hat mir einen andern samen gesetzt, σπέρμα ἕτερον. 1 Mos. 4, 25; da harret er noch ander sieben tage, ἡμέρας ἑπτὰ ἑτέρας. 8, 10; dem könige und andern landen. Luther 6, 510a; etliche die von Dietrich von Bern und andern riesen lieder gemacht haben. 6, 532a; da etwa ein ander sie auf seine seiten beugen möchte. Kirchhof mil. disc. 8; ob ihm ein ander einen verächtlichen titel anhängt. Weise erzn. 43; damit ist es freilich ein anderes. Wieland 8, 287; mit den göttlichen (dingen) ists ein anderes. 19, 7; in dem neuen eckhause da unten wohnt jemand ganz anders. Lessing 1, 501; thue dir selber genug! im misurteilenden volke wird dich ein anderer schlecht nennen, ein anderer gut. Voss; ich that euch sächelchen hinein um eine andre zu gewinnen. Göthe 12, 141; wenn einer sorgt und redlich denkt, kommt andrer wol und heiter und schenkt. 4, 331; ich allegorisch? das sagt mir ein andrer nach. 11, 306. Dies ander drückt gern neue zustände aus: ich bin anderes sinnes geworden, habe mich eines andern besonnen; es ist recht schön, dasz sie sich auch verheiraten, man wird ganz ein anderer mensch. Göthe 14, 256; er fühlte dasz er ein anderer mensch zu werden beginne. 18, 44; suchen sie ein ander quartier, nehmen sie meinen dank. 19, 56. [] II@33) wie die niederländische sprache dem pluralis des pronomens erster und zweiter person, dem wij, gij, oblique ons, u ein lieden anhängen (wovon auch bei uns spuren erscheinen, s. leute); so pflegen die italienische, spanische und französische in demselben fall ein verstärkendes altri, otros und autres beizufügen, um dadurch redende und angeredete, im gegensatz aller übrigen, als volk, stand, geschlecht hervorzuheben. eine ähnliche anfügung von andern zu wir ihr, uns euch, wie sie dem mhd. völlig fremd war, scheint nhd. erst im vorigen jh. um sich zu greifen und dem franz. brauche nachgeahmt. was wolltet denn ihr beginnen, ihr andern weltbekehrer, wenns anders wäre? Wieland 21, 70; soll denn ein verliebter, wie ihr andern vernünftigen leute, vom gedanken zum entschlusz, und vom entschlusz zur that tagereisen hinken? Leisewitz. Jul. von Tarent 2, 5; drum wühle du, ein andres schwein, nur immer den rüssel in den boden hinein. Göthe 3, 200; nun er ist ein mann, er hat gelernt sich eine freude zu versagen; doch wir, wir andren mädchen, möchten gern uns eurer gegenwart noch lange freuen. 10, 213; ihr andern liebt meistentheils an den männern, was männer an sich unter einander nicht leiden können. 14, 13; aber in den höhern ständen ist die aufgabe sehr verwickelt, wir andern sollen daher unsre zöglinge nach auszen bilden. 17, 283; wir andern junggesellen, die wir nachts meist allein sind und uns doch wie andre menschen fürchten, wir finden es gar tröstlich. 19, 169; uns andern kleinen menschen ist dies wol als eine tugend anzurechnen. 21, 227; versäumt ist nichts, erwiderte jener, wenn ihr andern ernsthaften herren nur nicht so starr und steif wäret. 22, 41; so wurden wir anderen deutschen gesellen denn immer verdrieszlicher. 26, 63; leider haben wir andern in unserer jugend nur die familienmünzen besessen. 28, 123; die fremden sehen die sache für allzuleicht an, wir andern nachbarn des berges sind schon zufrieden. 28, 195; mit diesem hatte uns andre das studium des bergwesens verbunden. 31, 227; wir andern städtebewohner erblicken seltner die kuh mit dem kalbe. 39, 286; so seid ihr nun, ihr andern! 36, 54; tadelt ihr mich, ihr andern weisen, so wird die menge mich lossprechen. 36, 127; aber sie (die geistlichen) schonen uns nicht, uns andre laien. 40, 135; wir andern müssen oft genug aus der hand speisen. 42, 374; da wir andern vorher uns von den popularphilosophen gar unwürdig musten behandeln lassen. 50, 55. II@44) ähnlich diesem wir andern, ihr andern, jedoch weit älter im gebrauch, und der heutigen sprache wieder fremd geworden ist ein überflüssig scheinendes ander im geleite von substantiven. das war schon homerisch: οὐδ' ἄλλαι δμωαί. Od. 2, 412; ἀμφίπολοι ἄλλαι. 6, 84; οἱ ἄλλοι σκηπτοῦχοι βασιλῆες. 8, 40. doch die deutsche sprache setzt ein solches ander im sg. und pl. bei vergleichungen. mhd. reht als ein ander gänsterlîn, swarz als ein ander brant, er sweic als ein ander stein (Ben. 1, 36a), hôhes muotes als ein ander wîp. MS. 1, 81b; sô lebe ich als ein ander man. 1, 82b. nhd. beispiele: warum der meszpfaf wie ein anderer dieb, den man zum galgen fürt, mit eim strick um den leib gebunden seie. Fischart bienenk. 157b; wie ein anderer landstreifer. Garg. 68a; ihr mein andere kuttenhämmel. 79a; wie ein anderer närrischer Schwab. 129a; wie ein anderer reuter. 230b; blieb am baum henken wie ein anderer dannzapf. 251b; des wird er müd wie ander leut. H. Sachs I, 531c; lebt als ein ander trunkener man. Justinger 195; da lag ich wie ein anderer bärenhäuter. Simplic. 337; fluchen wie ein ander soldat. Simpl. 2, 122; wie ein anderer schmarotzer. 2, 274; da lag er wie ein ander schwein. Grobianus 1572, 97a; die falschen heiligen sind der gerechtigkeit so vol, das sie die andern armen sünder anköken. Luther 5, 355a; dasz ihr euch wie ein anderer grober unflat verhaltet. franz. Simpl. 1, 64; wie ein anderes schwein. 1, 65; springen herum wie die andere narren. 1, 60. vgl. gramm. 4, 456. Reinhart cclvii. ebenso hiesz es altn. sem Vanir aðrir. m. 72a; liotr sem aðrir þrælar. Ol. Tr. 3, 107; vaxa sem annat hâr. Sn. 130; und altfranz. en bois estes com autre serve petit trovez. Tristan 2170, weil es eine menge knechte, eine menge haare, narren, diebe und soldaten gibt. mit diesem ander = ἄλλος ist das unter 1) behandelte ander = δεύτερος nicht zu vermengen, wie es bei Benecke geschieht. II@55) zuweilen geht ander in den begrif des linken über. das ufer des flusses, wo wir stehn, heiszt uns das rechte, das [] gegenüberliegende das andere oder linke. den Griechen war ἑτέρα die linke hand und ἐπὶ θάτερα ist gegensatz von ἐν δεξιοῖς. so sagt Walther 124, 6 daʒ mir hie vor was kündic als mîn ander hant, bekannt wie meine hand, wie meine linke hand; do het er der andern hant auch nicht. gesta Rom. ed. Keller s. 137; der Ssp. 1, 63 fordert für den kämpfer: en blot svert in der hant, enen senewolden schilt in der anderen hant, d. i. in der rechten das schwert, in der linken den runden schild, und die variante gibt linken, lerzen; podegram am andern fusz. Fischart Garg. 151b. II@66) endlich trift auch unsere sprache mit der griechischen darin zusammen, dasz sie ihr ander euphemistisch setzt für das, was man sich scheut in den mund zu nehmen, sei es etwas schlechtes, böses, oder verbiete scham und anstand es auszusprechen; gerade so verhüllte der Grieche mit seinem ἕτερος und ἄλλος das böse oder unziemende. ich hätte bald was anders gesagt heiszt, ich halte das schimpfwort, die schelte zurück, die mir schon im munde liegt, ich will dir das noch anders weisen, dich schonungslos behandeln. er hat an mir gehandelt wie ein andrer d. h. schuft oder schelm, was dem unter 4) besprochnen wie ein andrer schelm oder dieb begegnet. Hierher gehört nun auch, dasz man sagt mir wird anders f. übel, die frau ist in andern umständen, um dem wort schwanger auszuweichen, das ander bezeichnet die menstruation, vgl. Schmid schw. id. 21. Schm. 1, 65. 75. Den ältesten beleg gewährt schon Otfried, im gedicht an Hartmut und Werinbert Abels todschlag erzählend meidet er den namen Cain auszusprechen und nennt ihn v. 31. 35 nur ther ander, 39 ther anderer, hinterher v. 43 folgt dennoch das wort Cain.
20099 Zeichen · 349 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    andernum. ord., pron.-adj.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    ander num. ord., pron.-adj. , mhd. nhd. ander; as. ôđar, mnd. mnl. ander; afries. other; ae. óđer; an. annarr; got. anþa…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ANDERadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    ANDER adj. der umlaut des a, endriu, den die hs. D. Parz. 313,27 zeigt, ist verwerflich. häufig steht unflectiertes so w…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    anderNum. Ord.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    ander , Num. Ord. nhd. andere (von beiden), zweite, einer von beiden Vw.: s. elk-, malk-, under- Hw.: vgl. mhd. andere (…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ander

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Ander . Der, die, das andere, ein Wort, welches überhaupt genommen, alsdann gebraucht wird, wenn nur von zwey Dingen die…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ander

    Goethe-Wörterbuch

    ander überwiegend alleinstehend; häufig verkürzt ‘andre’, ‘andern’; auch ‘anders’, zB Von Was a-s .. ihr Herren GWB 39,3…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ander

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Ander , Aloys , Tenorist, geb. 13. Okt. 1817 zu Liebnitz in Böhmen, gest. 11. Dez. 1864 im Badeort Wartenberg, ein wenig…

  7. modern
    Dialekt
    ander

    Bayerisches Wörterbuch · +9 Parallelbelege

    ander Band 1, Spalte 1,394–396

  8. Spezial
    ander

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    ander [ạn·der] m. (andri) 1 Höhle f., Höhlung f., Grotte f. ( → LDWB1 caverna, LDWB1 büsc) 2 (fossé, sfossé) Graben m . …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ander

724 Bildungen · 367 Erstglied · 353 Zweitglied · 4 Ableitungen

ander‑ als Erstglied (30 von 367)

ander(e

RDWB1

ander(-e, -er, -es) другой, иной Er war alles ~ als vernünftig. - Уж чего-чего, а разума в его поступках было мало.; Уж что-что, но его пост…

ander(i)sch

Idiotikon

ander(i)sch Band 1, Spalte 311 ander(i)sch 1,311

ander(t)halb

Idiotikon

ander(t)halb Band 2, Spalte 1163 ander(t)halb 2,1163 o.

anderwerbe

SHW

ander-werbe Band 1, Spalte 233-234

anderano

AWB

ander·ano

anderano sw.m. ander-ane: nom. sg. Gl 3,65,20 ( SH A, Graz 859, 13. Jh. ). Urgroßvater: proavus ( 7 Hss. alterano).

anderartig

DWB

ander·artig

anderartig , diversus, verschiedenartig, besser anderlei. s. andersartig.

anderastunt

KöblerAhd

anderastunt , Adv. nhd. zum zweiten Mal, abermals, wieder, wiederum ne. for the second time, once again, again ÜG.: lat. denuo B, vice alter…

anderbar

KöblerMhd

ander·bar

anderbar , Adv. nhd. gemeinsam, wir zwei gemeinsam Q.: LexerHW (1345), Urk E.: s. andere (1), bare, bære L.: MWB 1, 210 (anderbar)

Anderbergmeister

DRW

ander·bergmeister

Anderbergmeister zweiter Bergmeister was aber weiter vor befehlshaber, als ander- und unterbergmeister von nöthen 1564 TrierBO./Wagner,CJMet…

anderbest

DRW

ander·best

anderbest zweitbest anderbest kleid als Todfallsabgabe 1555 BadW. 64 Faksimile

Anderbuhlchenkind

DRW

Anderbuhlchenkind nd. annerbölkenkind Adoptivkind 18. Jh. SchleswHWB. I 136 Faksimile

anderch

MNWB

and·erch

voranderich (-anderch) „ v. maken alternare” .

anderdages

LW

anderdages, adv. jüngst, neulich, franz. l’autre jour.

anderddēd

KöblerAfries

anderddēd , st. F. (i) Vw.: s. andworddēd*?

anderde

KöblerMnd

and·erde

anderde , M. nhd. Andere (M.) E.: s. ander L.: Lü 15b (anderde)

anderdeils

KöblerMnd

anderdeils , Adv. Vw.: s. anderdēles*

Anderdö

RhWB

Anderdö andərd:  Trier f.: Spitzchen.

anderdāges

KöblerMnd

anderdāges , Adv. nhd. „andertags“, jüngst, neulich E.: s. ander, dāges W.: vgl. nhd. anderntags, Adv., anderntags, DW2 2, 807? L.: MndHwb 1…

anderdēles

KöblerMnd

anderdēles , Adv. nhd. „anderteils“, auf der anderen Seite, als Gegenpart Hw.: s. anderhalf, anderhant E.: s. ander, dēl, dēles W.: s. nhd. …

anderdēls

KöblerMnd

anderdēls , Adv. Vw.: s. anderdēles*

anderdēs

Idiotikon

anderdēs Band 13, Spalte 1103 anderdēs 13,1103

anderebus

DRW

ande·rebus

anderebus Handfesselung; malb. Glosse zu LSal. 32: si quis hominem ligaverit si quis hominem ingenuum sine causa ligauerit, mal. anderebus h…

ander als Zweitglied (30 von 353)

*einander?

KöblerMhd

*einander? , Adv. nhd. einander Vw.: s. bī-, durch- E.: s. einander (1), ein, ander W.: nhd. DW2-

Durcheinander

RDWB1

Durcheinander n беспорядок, хаос, ералаш, неразбериха, свистопляска, вещи валяются как попало da lag ein ~ von Papieren - бумаги лежали как …

Miteinander

RDWB1

Miteinander n (Lakune) контакт, диалог, общение, необходимость общаться, сосуществование, взаимопонимание ein tägliches ~ - ежедневный конта…

A(n)wander

Idiotikon

A(n)wander Band 16, Spalte 402 A(n)wander -ä- 16,402

ABEINANDER

DWB2

abein·ander

DWB2 ABEINANDER adv. DWB2 voneinander, entzwei ( noch mdal. im schweiz. und südwestdt. ) DWB2 z.j.1491 einer zug ein meßer auß und hieb die …

ab enander

ElsWB

aben·ander

PfWB ab enander , ab elander [àp anàntr Steinb. Dü. Bf. ; àp nàntr Banzenh. Hlkr. ; àpəlàntr Lutterb. ] Adv. entzwei, aus einander, zerbroch…

Achterânander

Wander

achter·anander

Achterânander Achterânander her de klen tander Gise. So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander herg…

achtereinander

RhWB

achter·einander

achter-einander ętərəna·n.ər Malm ; ōăxtərenā : nər Bitb-Speicher ; ęterna·n.ər Merz : hintereinander. — In Merz-Saarhölzb die Verb. äternen…

achtermalkander

RhWB

achter·malkander

achter-malkander axtərmaləkandərə, măkāre, –məkāre, –əlkandər, –ənkandər Klev , Rees (aber nicht allg., nach dem Ndl.): hintereinander, ohne…

Achternander

Wander

achter·nander

Achternander Achternanner as de Eilanders un de Gansen (Gänse). – Kern, 20; Hauskalender, III. Unter den Eilanders sind die Bewohner der ost…

AGESANDER

Hederich

age·sander

AGESANDER , i, Gr . Ἀγεσανδρος, ου, ein Beynamen des Pluto, und auf seine Art einerley mit dem folgenden Agesilaus . Hesych. in Ἀγήσανδρος .

ALCANDER

Hederich

ALCANDER , dri, Gr . Ἀλκάνδρος, ου, des Munichus und der Lelanta Sohn, ein guter Wahrsager und frommer Mann, wurde mit seinem Geschwister de…

Aleander

Herder

ale·ander

Aleander , Sohn des armen Grafen von Leandro, erwarb sich schon als Jüngling den Ruhm ausgebreiteter Gelehrsamkeit, wurde Lehrer der Philolo…

allander

ElsWB

all·ander

allander [àl àntr Dü. Z. ] jeder zweite. Alle-n-andere n Ta g einen Tag um den andern Z. , all ander Jo h r je in zwei Jahren; all ander Hus…

alleminzigeinander

RhWB

alle-minzigeinander aləmintsĭχenanər und alminĭtsĭχ- Saarbr ; alməninsiχ- Simm-Horn Adv.: alle miteinander.

allemiteinander

PfWB

alle·miteinander

alle-miteinander Adv. : wie schd. [verbr.]; vgl. allemiteinzigeinander . — F.: almiˈnandər [ PS-Erfw ], almiˈnand [LA-Venn BZ-Dernb GH-Kand …

allemiteinzigeinander

PfWB

alle-mit-einzig-einander Adv. : ' alle miteinander, ohne Ausnahme ', alminindsiχəˈnanəʳ [ Schandein Bav. IV, 2 NPf (PfId. 11) SOPf KB-Kerzh]…

allgewander

DWB

all·gewander

allgewander , m. praefectus vestiario: seckelmeister, keller, münzstempfel, allgewander. Fischart groszm. 89 .

Alliwander

Idiotikon

Alliwander Band 1, Spalte 172 Alliwander 1,172

allmitninzigeinander

PfWB

allminzigeinander , allmitminzigeinander , allmitninigeinander , allmitninzigeinander s. allemiteinzigeinander .

anander

Lexer

anan·der

an-ander statt einander BMZ Dsp. 1,84. Chr. 4. 251,9. 258,37; 5. 358,9. 364,12 ; statt an einander BMZ Bit. 11220 ; eine übergangsform dazu …

Anaximander

GWB

Anaximander griech Naturphilosoph [ Notiz aus Entwurf einer Vorrede zu Knebels Lukrez-Übs ] Gegen A. GWB 42 2 ,450 Plp Maria Erxleben M. E.

Anderumander

Campe

○ Anderumander , adv. wechselsweise, einer um den andern. Diese neue Zusammensetzung rührt von dem Dichter Voß her, der das Griechische ἀλλο…

Ableitungen von ander (4 von 4)

andere

BMZ

andere swv. ergibt sich aus anderunge und verandere.

Unander

Idiotikon

Unander Band 1, Spalte 350 Unander 1,350

verandere

BMZ

verandere swv. dô er sich veranderte zuo himele von der erden ( starb ) Pass. 282,3. sît daʒ er sich veranderte in daʒ niuwe gewæte ebd. 102…

veranderen

KöblerMhd

veranderen , sw. V. nhd. sich aufmachen, sich begeben (V.), sich abwenden, entfernen, zurückziehen, ändern, verändern, wechseln, verwandeln,…