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Zunge

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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22 in 20 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Zunge Die

Bd. 5, Sp. 908b
Die Zunge, Mz. — n; Vw. Zünglein, Х Züngel, davon ein neues Vw. Х Züngelchen. 1) Ein platter, vorn dünnerer und schmaler Fleischkörper, welcher in der Mundhöhle liegt, und das eigentliche Werkzeug des Geschmacks ist. Bei den Menschen ist es auch das vorzüglichste Werkzeug der Sprache, daher mehrere eigentliche und uneigentliche Ausdrücke. Einem Kinde die Zunge lösen, ihm das Zungenband, wenn es zu kurz ist, durchschneiden, damit es die Zunge freier bewegen und dann besser sprechen kann. Daher einem die Zunge lösen auch uneigentlich gebraucht wird, für, ihn veranlassen ohne Rückhalt zu sprechen, zum Sprechen nöthigen, und auch, Erlaubniß zum Sprechen geben. Eine schwere Zunge haben, eine dicke, welche das Sprechen erschwert. Eine beredte Zunge haben. Mit geläufiger Zunge sprechen. Mit doppelter Zunge reden, nicht bei seiner Rede bleiben, einmahl so, ein anderes Mahl anders sprechen, so daß man sich nicht darauf verlassen kann. Sein Herz auf der Zunge haben, so reden, wie man im Herzen denkt. Es liegt oder schwebt mir auf der Zunge, sagt man, wenn uns ein Wort, welches man eben sagen wollte, dunkel vorschwebt, aber nicht sogleich einfällt. Seine Zunge im Zaume halten, sich im Reden mäßigen, im Reden vorsichtig sein. Mit der Zunge sündigen, Böses sprechen. Х Einen über die Zunge springen lassen, nach Ähnlichkeit des Ausdrucks, über die Klinge springen lassen, ihn in seinen Reden hart mitnehmen, Nachtheiliges über ihn reden. Eine böse Zunge haben, Böses und Nachtheiliges von Andern sprechen, wo man dann unter bösen Zungen auch wol die Personen selbst versteht, welchen sie gehört. »— daß der Mann — doch bei weiten so unklug nicht ist, als böse Zungen ihm nachsagen.« Wieland. I noch weiterer uneigentlicher Bedeutung wird unter Zunge, dem Werkzeuge des Sprechens, auch die Sprache selbst verstanden. Mit fremden oder in fremden Zungen sprechen, fremde Sprachen sprechen. Die Sprache welche dein ist, welche nicht Sich mit dem Raube fremder Zungen brüstet. I A. Cramer. Die Bibel in mehrere Zungen übersetzt. Daher auch zuweilen Zunge für diejenigen, welche Eine Sprache sprechen und Eines Volkes sind, gebraucht wird, z. B. ehemahls beim Maltheserorden, wo die deutschen Ritter die deutsche, die französischen die französische Zunge hießen. 2) I weiterer und uneigentlicher Bedeutung, ein der Zunge in Ansehung der Gestalt, der Beweglichkeit  ähnlicher Körper, oder Theil an einem Dinge. So heißt ein langes schmales Stück flachen Landes, welches sich ins Wasser hinein erstreckt, eine Zunge, bestimmter Landzunge, Erdzunge. Die Zunge eines Holzes, im Schiffbaue, jedes kleilförmige, von beiden Seiten gleich spitz zulaufende Ende eines Holzes. Die Zunge eines Segels ist ein schmal zulaufender Theil an jeder Seite des Segels. An Flaggen mit zwei Ausschnitten, wodurch drei Spitzen entstehen, wird der mittle von beiden Seiten auf gleiche Weise in eine Spitze auslaufende Theil, die Zunge und solche Flaggen selbst, Flaggen mit einer Zunge genannt. Der Begriff der Mitte liegt auch in der Benennung zu Grunde, wenn man das mittelste Stück eines aus mehrern Stücken zusammengesetzten Mastes, die Zunge desselben nennt. An einem Hebel heißt der kürzere Theil, woran die Last angebracht wird, die Zunge, zum Unterschiede von dem längern Theile, dem Kopfe. An den Wagen ist die Zunge, der dünne senkrecht mitten auf dem Wagebalken befindliche Theil, welcher sich in der Schere, so lange die Wage schwankt, nach der einen und der andern Seite neigt, dann aber ruhig mitten zwischen derselben steht, sobald beide Wagschalen im Gleichgewichte sind. An den Schnallen ist die Zunge, der an dem Stifte derselben bewegliche spitzige Theil, welcher in das durchgezogene Band einsticht und dasselbe steif hält. An den Brummeisen ist die Zunge die dünne Stahlfeder, deren Schwingungen die Töne hervorbringen. An den Mundstücken der Pfeifen  ist sie ebenfalls ein wesentlicher Theil. Die Maurer nennen den Unterschied zwischen den zwei Röhren eines Schorsteines auch eine Zunge; die Kürschner aber das Mittelstück einer Wolfs= oder Fuchsscheide. Bei den Töpfern ist die Zunge ein gespaltenes Holz, über welchem sich die Scheibe mit dem Thone wagerecht herumdrehet. Bei den Tuchscherern werden darunter die fehlerhaften längern Haare verstanden, welche beim Scheren stehen geblieben sind. I der Landwirthschaft heißt die Zunge das schmale Stück Holz am Pfluge, woran die Pflugwage gehängt wird. I Bergbaue aber versteht man unter Zunge ein eisernes Werkzeug, die abgebrochenen Stücke eines Bohrers aus dem Bohrloche zu ziehen, wo es wahrscheinlich aus Zange verderbt ist. I der Naturbeschreibung endlich führt sowol ein ganzer Fisch, wegen der Ähnlichkeit seines Körpers mit einer Zunge, eine Art Schollen oder Platteißen, den Namen Zunge oder Zungenfisch (Pleuronectes solea L.), als auch eine Art Napfmuscheln, sonst der Daumennagel genannt (Patella unguis L.). — I N. D. lautet dies Wort Tunge.
4923 Zeichen · 51 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZUNGEswf. stf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ZUNGE swf. zunge. goth. tuggô , ahd. zunka , lat. lingua Gr. 2,61. 3,400. gesch. d. d. spr. 353. Ulfil. wb. 179. Graff 5…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    zungeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    zunge , F. Vw.: s. tunge

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zunge

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Zunge , plur. die -n, Diminut. das Zünglein, das bewegliche Stück Fleisch im Munde, welches das vornehmste Werkzeug …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zunge

    Goethe-Wörterbuch

    Zunge [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zunge

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Zunge , lat. lingua , bekanntes Organ des Geschmackssinnes, trägt besonders auch bei zur Bildung der Sprache, indem durc…

  6. modern
    Dialekt
    Zung(e)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Zung(e) [Tsùə Hi. ; Tsù O. U. W.; Pl. –ə; Demin. Tsìl, Tsel U. W. ] f. 1. Zunge. ‘De Zung ist e klèn Glid, kann awer…

  7. Sprichwörter
    Zunge

    Wander (Sprichwörter)

    Zunge 1. An der Zunge des Bewerbes hüpft der Name des Geliebten. 2. An der Zunge erkennt man den Kopf (Menschen). 3. Auf…

  8. Spezial
    Zungef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Zunge , f язык , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zunge

607 Bildungen · 325 Erstglied · 281 Zweitglied · 1 Ableitungen

zunge‑ als Erstglied (30 von 325)

Zunge(n)brësten

Idiotikon

Zunge(n)brësten Band 5, Spalte 846 Zunge(n)brësten 5,846

Zunge(n)chnopf

Idiotikon

Zunge(n)chnopf Band 3, Spalte 753 Zunge(n)chnopf 3,753

Zunge(n)mumpfel

Idiotikon

Zunge(n)mumpfel Band 4, Spalte 233 Zunge(n)mumpfel 4,233

Zunge(n)rīter

Idiotikon

Zunge(n)rīter Band 6, Spalte 1705 Zunge(n)rīter 6,1705

Zunge(n)schaber

Idiotikon

Zunge(n)schaber Band 8, Spalte 19 Zunge(n)schaber 8,19

Zunge(n)schlag

Idiotikon

Zunge(n)schlag Band 9, Spalte 252 Zunge(n)schlag 9,252

Zunge(n)schlagen

Idiotikon

Zunge(n)schlagen Band 9, Spalte 327 Zunge(n)schlagen 9,327

Zunge(n)schlitzeⁿ

Idiotikon

Zunge(n)schlitzeⁿ Band 9, Spalte 817 Zunge(n)schlitzeⁿ 9,817

Zunge(n)schëlten

Idiotikon

Zunge(n)schëlten Band 8, Spalte 723 Zunge(n)schëlten 8,723

Zunge(n)seckel

Idiotikon

Zunge(n)seckel Band 7, Spalte 674 Zunge(n)seckel 7,674

Zunge(n)spitz

Idiotikon

Zunge(n)spitz Band 10, Spalte 698 Zunge(n)spitz 10,698

zunge als Zweitglied (30 von 281)

blatzunge

KöblerMhd

*blatzunge , st. F. Vw.: s. wazzer- E.: s. blatzen (1)

blœzunge

KöblerMhd

*blœzunge , st. F. nhd. „Blößung“, Entblößung Vw.: s. en-, ent- E.: s. blœzen, unge W.: nhd. DW-

getzunge

KöblerMhd

*getzunge , st. F. Vw.: s. er- E.: s. getzen W.: nhd. DW-

giezunge

KöblerMhd

*giezunge , st. F. nhd. „Gießung“ Vw.: s. be-, ent-, haven-, in-, ūz- Hw.: vgl. mnl. gietinge E.: s. giezen W.: nhd. (ält.) Gießung, F., Gie…

kreizunge

KöblerMhd

*kreizunge , st. F. Vw.: s. ver- E.: s. kreizen (2) W.: nhd. (ält.) Kreisung, F., Kreisung, Kreisbewegung, DW 11, 2163

meizunge

KöblerMhd

*meizunge , st. F. nhd. „Meißung“, Hauung Vw.: s. abe- E.: s. meizen W.: nhd. DW- L.: Benecke/Müller/Zarncke II/1, 132b (meizunge)

schiezunge

KöblerMhd

*schiezunge , st. F. Vw.: s. ver- E.: s. schiezen (1)

smitzunge

KöblerMhd

*smitzunge , st. F. Vw.: s. be- E.: s. smitzen

snitzunge

KöblerMhd

*snitzunge , st. F. nhd. Schnitzung Vw.: s. be- E.: s. snitzen

striuzunge

KöblerMhd

*striuzunge , st. F. Vw.: s. ge- E.: s. striuzen

stürzunge

KöblerMhd

*stürzunge , st. F. Vw.: s. bluot-, über-, ūz- Hw.: vgl. mnd. störtinge E.: s. sturzen, stürzen W.: nhd. (ält.) Stürzung, F., Stürzung, DW 2…

welzunge

KöblerMhd

*welzunge , st. F. nhd. „Wälzung“ Vw.: s. abe- E.: s. welzen W.: s. nhd. Wälzung, F., Wälzung, Wälzen, DW 27, 1441

wāzunge

KöblerMhd

*wāzunge , st. F. Vw.: s. ver- E.: s. wāzen?

Engelszunge

RDWB1

Engelszunge f mit ~ reden, mit ~ auf j-n einreden - терпеливо убеждать кого-л. в чем-л.

abelāzunge

KöblerMhd

abelāzunge , st. F. nhd. „Ablassung“, Erlass (von Abgaben) ÜG.: lat. remissio STheol Hw.: vgl. mnl. aflātinge, mnd. aflātinge Q.: STheol, Ev…

abesetzunge

KöblerMhd

abe·setzunge

abesetzunge , st. F. nhd. Absetzung, Entsetzung Hw.: vgl. mnl. afsettinge, mnd. afsettinge Q.: Rcsp (1409) E.: s. abe, setzunge W.: nhd. Abs…

abewelzunge

Lexer

abe-welzunge stf. devolutio Dfg. 178 a .

anereizunge

KöblerMhd

ane·reizunge

anereizunge , st. F. nhd. Anreizung Hw.: vgl. mnd. anerēssinge* Q.: Narr, Wyle (um 1410-1479) E.: s. anereizen, *unge? W.: nhd. Anreizung, F…

anreizunge

KöblerMhd

anreizunge , st. F. Vw.: s. anereizunge

atzunge

Lexer

atzunge stf. BMZ kost, speisung Ls. Chr. 2. 235,13. 499,21 ( für pferde ). Chr. 1. 171, 38 ; das dafür zu entrichtende geld ib. 2. 264,18. 2…

barmherzunge

KöblerMhd

barmherzunge , st. F. nhd. Mitleid, Barmherzigkeit E.: s. barmherzen, unge W.: nhd. DW- L.: Lexer 368c (barmherzunge), Hennig (barmherzunge)

begieʒunge

Lexer

be-gieʒunge stf. temelentia Voc. 1482.

beholzunge

Lexer

be-holzunge stf. beholzung Gr.w. 3,331.

beizunge

KöblerMhd

bei·zunge

beizunge , st. F. nhd. „Beizung“, Beizjagd Q.: MarcoPolo (2. Hälfte 14. Jh.) E.: s. beizen W.: nhd. (ält.) Beizung, F., Beizung, Beizjagd, D…

belzunge

KöblerMhd

bel·zunge

belzunge , st. F. nhd. „Pelzung“, Pfropfen (N.) Q.: Barth (Ende 12. Jh.) E.: s. belzen W.: nhd. Pelzung, F., Pelzen, Pfropfen, DW 13, 1539 L…

ber(e)nzunge

AWB

beren·zunge

ber ( e ) nzunge mhd. sw. f. ; vgl. mhd. berenbunge. beren-zunge: nom. sg. Gl 3,536,32 ( Wien 2524, 13. Jh. ). Bachbungen-Ehrenpreis, Veroni…

besatzunge

Lexer

besat·zunge

be-satzunge stf. befestigung. die tæber und besatzung Mh. 2,32. 39. 46. 47. 268. 274 etc. besetzung ib. 2,75. die vestigung oder besetzung b…

Ableitungen von zunge (1 von 1)

gezunge

BMZ

gezunge stn. sprache. ahd. gazungi Graff 5,683. Schmeller 4,271. ouch gibt des gezunge (: junge) gibt davon zeugnis Johannes der Kencelêr, d…