wünschen,
vb. nord- und westgerm. bezeugtes jan-
verb; zur herkunft s. wunsch,
m. ahd. wunscen,
mnd. wunschen,
mhd. nhd. wünschen;
mnl. wenscen,
nnl. wens(ch)en
neben ostmnl. wonscen, wunscen;
ags. wȳscan,
engl. wish;
anord. ȳskja
und (
analogisch nach ōsk) øskja;
unter nd. einflusz schwed. önska,
dän. ønske,
norw. ynskja (
literatur s. unter wunsch). — wünschen
gehört zur ersten schwachen verbalklasse. abweichend von der normalen flexion zeigt das part. prät., bes. obd., gelegentlich die starke form gewunschen,
z. b. Abraham a
s. Clara
Judas 2 (1690) 96; Brunner
erz. u. schr. (1864) 2, 109;
vgl. Fischer schwäb. 6, 980; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 841
b; Schmeller-Fr.
bair. 2, 961. —
lautliche besonderheiten: im ahd. und mhd. fällt im prät. und im flektierten part. prät. -k-
bzw. -ch-
vor folgendem konsonanten gelegentlich aus: wunste, gewunster.
einschub eines d, wundschen,
seltener eines t, wüntschen,
seit dem 15.,
häufiger im 16./17.
jh. —
in den mundarten scheint das vb. gebräuchlicher zu sein als das subst., die bedeutung II A 2
herrscht hier vor. II.
in mittelalterlicher sprache bezeichnet wünschen
vorwiegend eine in objektivierender form sich vollziehende geistige tätigkeit (A).
einer zweiten, von dieser abgeleiteten bedeutung (B)
fehlt das charakteristikum der form, sie zielt auf das blosz subjektive begehren. I@AA. wünschen
bezeichnet diejenige geistige tätigkeit, die etwas (
noch)
nicht wirkliches, aber zu erwartendes oder zu erstrebendes, voraussehen oder realisieren soll und die sich, als voraussetzung der wirklichkeitsmächtigen wirkung, in einer objektivierenden form vollzieht, etwa als ein bitten, verkünden, aussprechen oder auch lautloses formulieren; in anderer weise unter 5. I@A@11)
der gebrauch im älteren ahd. ist nur in diesem allgemeinen sinn zu bestimmen, der wahrscheinlich auch für ältere glossen in anspruch zu nehmen ist: optat uuunskit, uunskit, uunscit (8.—10.
jh.)
ahd. gl. 1, 162, 35
f. St.-S.; obtantis (
uox optantis)
est uunkentes ist (8.
jh.)
ebda 1, 269, 7;
optare keuuellan kiuunscan (9.
jh.)
ebda 4, 10, 22 (
die lat. vorlage glossiert: obtare elegere, corp. gloss. lat. 4, 543, 21).
bei den einzigen literarischen belegen des älteren ahd. scheint vor allem die form des gebets eine rolle zu spielen: sun bar si tho zeizan, ther uuas uns io giheizan; sin uuas man allo uuorolti zi gote uuunsgenti Otfrid I 11, 32; ist sin (
Christi) guati ubar al, so in kinde zeizemo scal, then fater einigan in not drutlicho minnot; follan gotes ensti selb so iz man giwunsgti, wares inti guates joh druhtines gimuotes
ebda II 2, 37. I@A@22)
das wünschen soll sich an einer andern person in dem sinne verwirklichen, dasz dieser etwas gutes, seltener etwas böses zufällt. so wohl schon in einer älteren glosse: extudio obtande (
non ex studio optandae ejusdem salutis, Gregor homil. 1, 17,
zu Luk. 10, 4) fona zilu za uuunscanne (8./9.
jh.)
ahd. gl. 2, 312, 22
St.-S. sonst seit Notker. I@A@2@aa)
gegenstand des wünschens ist gewöhnlich etwas positives, gutes, der betroffenen person angenehmes. I@A@2@a@aα)
mit dem dativ der person, der etwas zugesprochen wird. der gegenstand des wünschens steht zunächst im gen.: sô gebe in got târmite taz sie diu uuâren bechennên, tes uuunsco ih in, tes bito ih in Notker 1, 168, 15
P.; niene phlach er (
Bileam) fluoches, er begunde in wnschen guotes
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 85, 3
Diemer; doch solten nu getriuwiu wîp heiles wünschen disem knaben Wolfram v. Eschenbach
Parzival 129, 3; ich enkan noch enmag nút anders, ich msse mime nehesten himelriches me wúnschen und wellen in begerender wisen danne mir selber: dis hies ich minne Tauler
pred. 410, 30
Vetter. mit dem akk. der sache vor allem im späteren mittelalter: dem wolt ich gern wúnschen heil schweizer Wernher
Marienleben 67
P.-H.; ik Engelbrecht van Tyzenhusen, ritter, wunsche allen cristenlouighen luden, to den desse breff komende werd ..., ewyghen heyl in gode (1423)
urkundenb. d. st. Lübeck 6, 512; die gancz geselschafft ir gelücke wünschet Arigo
decameron 52
lit. ver. mit abhängigem satz: Êrecke wunschte ze lône diu vrouwe mit der krône, diu vil edel künegîn, daz er sælic müeste sîn Hartmann v. Aue
Erec 5706
L.; ich
wunsch der rainen, das sy vf erd an allem dem gefrät werd, das ir ye gefüget laid,
liederbuch d. Hätzlerin 248
a Haltaus. mit dem reflexiven dativ der person: ich wolte gern wunschen mir das ich doch nie were geborn Heinrich v. Neustadt
visio Philiberti 62
Singer. objektlos, im sinne von '
segnen': daz Ysaak zuo beden siten wúnschete sinen kinden
dt. historienbibeln 664
Merzdorf. I@A@2@a@bβ)
ohne persönliches dativobjekt: got gesegen iuch alle: wünschet noch daz mir ein heil gevalle Walther v.
d. Vogelweide 115, 5
Kraus; nicht mê dâ von ich sagen mac, wen got der gebe in allen gût, die dâ guzzen ir blût durch in und ouch die mûter sî
n. ir tôt stê vor ir helle pîn, des wunschet in gotes namen und sprechet alle âmen!
livländ. reimchron. 8509
Meyer; da sie yn gesahen, da wúnschten alle die in der stat waren das er die burg múst gewinnen
Lancelot 1, 160
Kluge. I@A@2@a@gγ)
substantiviert: vriunt, an dînes kampfes zît dâ neme ein wîp vür dich den strît ... mîn wünschen sus an dir geschehe Wolfram v. Eschenbach
Parzival 332, 16;
ebda 742, 15
var. I@A@2@bb)
der gegenstand des wünschens ist etwas negatives, unangenehmes, böses: manic wunschit siner ammen 'muste si eine sucht ligen daz ich dir doch so muse wisen di sucht wolde ich vmmer prisen' (
illi enim amice sue optant ... morbum ut assideant) Wernher v. Elmendorf 445
in: zeitschr. f. dt. altert. 4, 296; dâ von müeze er unsælic sîn des wünschet im der wille mîn swer den wîben leide tuot Hartmann v. Aue
Erec 5771
L.; wan daz er übel gedîhe, des wünsch ich im von herzen Ottokar
österr. reimchron. 1149
Seemüller; du solt dynen fynden wünschen laid und ungemach Steinhöwel
Äsop 69
lit. ver. I@A@33)
spätahd. und frühmhd. vollzieht sich das wünschen im hinblick auf zukünftiges, kommendes, das vorausgesehen wird, in der form des verkündens: in finem psalmus David. finis ist Christus ze demo sprichet der propheta, unde sament imo ze sînero cclesia, uuunschendo dero chumftigon dingo. diû er foresah (
zu ps. 19, 1) Notker 2, 61, 4
P.; wir habin virnomin von deme heilige geiste, wie er kôsete durch den wîsin Salomônem, dâ er wunste einis starkin wîbis (
Maria). darnâch begund er singin cantica canticorum
d. St. Trudperter hohe lied 6, 3
Menhardt; die alten vater din (
Marias) e wunscten vnd die wissagen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 384, 12
Diemer. I@A@44)
in höfischer und nachhöfischer zeit richtet sich das wünschen vor allem auf erstrebenswertes, auszerordentliches, dessen verwirklichung durch eine objektivierende sprachliche oder nur vorstellende form erreicht werden soll. I@A@4@aa)
der gegenstand des wünschens ist eine sache, ein zustand, ein ereignis o. ä.; er steht im gen., im akk. oder in einem abhängigen satz: sî wunschten vlîzeclîchen daz sî des beidiu zæme daz in (
Iwein) ir vrouwe næme Hartmann v. Aue
Iwein 3756; ez wær ein vil hovelîcher muot, des ich iemer gerne wünschen sol: frowen unde hêrren zæme ez wol: owê daz ez nieman tuot! Walther v.
d. Vogelweide 65, 6
Kraus; und (
der vom tode erweckte St. Maternus) bleif buschof veirzich jair na sime dode, dat is wair, want sins levens wunschden gemeine de van Colne grois und cleine (
Köln, ende d. 13. jhs.)
städtechron. 12, 26; se sprak: nu wünsche ik, leve man, dat du krigest enen snavel Gerhard v. Minden
fabeln 163
Leitzmann; sô wil ich wünschen zehant vol goldes einen grôzen berc
altdt. lesebuch 2571, 14
Wackernagel. in absolutem gebrauch: du west wal, dat ik wünschen kan vele bat dan jümmer du: twier wünsche günne mi nu Gerhard v. Minden
fabeln 163
Leitzmann. I@A@4@bb)
objekt des wünschens ist eine person. die anwesenheit der person soll erreicht werden: an den des landes êre stât, die wünschent iuwer (
Flores) ... ir hânt getwelt ze lange hie Konrad Fleck
Flore u. Blanscheflur 7667
Sommer; wir haben (
in der hölle) dîn lange gebiten und nâh dir gesûftet vil manich zît. sô wir di hende muosten winten von criscrammen, sô gedâhten wir, herre, an dich und wunschten dî
n. nu ist unser gedinge an dir ervollet (
hs. d. 13./14.
jhs.)
altdt. pred. 76, 28
Jeitteles. mit adverbialer ortsbestimmung, jemanden an einen ort wünschen: Liupolt ûz Ôsterrîche, lâ mich bî den liuten, wünsche mîn ze selde, niht ze walde: ichn kan niht riuten ... wünsches dû mir von in, sô tuost dû mir leide Walther v.
d. Vogelweide 35, 20
Kraus; swie verre ich sî, ich wünsche ir dar
dt. liederdichter d. 12.—14.
jhs. 4261
Bartsch. I@A@4@cc)
mit präpositionatem ausdruck: sus wil ich immer wünschende sîn nâch dem gewinne der uns beiden hôhe fröude erwerbe Wolfram v. Eschenbach
Titurel 77, 2; swenn du einest wünschest nâch mir (
einer fee), sô bin ich endelich bî dir und leiste swes dîn herze gert
ritter v. Staufenberg 473
Jaenicke; min vrowe wunschet vmb din leben dv bist ir genesen unde ir trôst, mit dir wirt sorgen sî erlôst
die heidin 1292
Henschel-Pretzel. I@A@4@dd)
zur kennzeichnung von ausgezeichnetem, gutem oder vollkommenen. I@A@4@d@aα)
in umschreibender formelhafter wendung: sô wâren diz die ræte (
des fischers, der Gregorius an den felsen schmiedet) rehte als er (
Gregorius) wünschen wolde, ob er wünschen solde Hartmann v. Aue
Gregorius 3017
Paul; ich het ie gedâht wie ein wîp wesen solde, ob ich müese wünschen ir lîp und ir site, daz ich si danne mir selbeme wolde daz ich mîne wunne het iemer dâ mite
dt. liederdichter d. 12.—14.
jhs. 491
Bartsch. archaisierend: die schultern und die brust stunden im als wol als ob man sie wunschen solt
Lancelot 1, 26
Kluge. I@A@4@d@bβ)
als attributives part. prät., ausgezeichnet, vollkommen (
anders unter 6
und B 2): ein gewunschet kleine kindelîn Berthold v. Holle
Crane 3719
Bartsch; vil zarte sueze und ie mer wol gewünschet wip Wenzel v. Beheim
in: minnesinger 1, 9
b v. d. Hagen. I@A@55)
in einem seltenen spätmittelhochdeutschen gebrauch mehr konkretisiert, wunsch I A 4
entsprechend, als objektiver vorgang schlechthin, zur vollkommenheit gestalten: zwen gesellen wolten gan in ain stat, dw waz getan, sam sew wAer gewunschet vier mit so maniger slaht zier Heinrich
d. Teichner
ged. nr. 319, 91
Niewöhner; ez (
das minnekind) waz schon gewunscht nach lobe. sin sin waz clug und nindert grob. die sterke waz sin gemahel
d. minneburg 315
Pyritz. I@A@66)
eine besondere anwendung findet wünschen
als lehnübersetzung von adoptare '
an kindes statt annehmen'
; vgl. adoptare wünschen (
md. 1440)
u. ä. Diefenbach
gl. 13
c;
adoptatus gewonschet (15.
jh.)
ebda; adoptiuus gewonschte (
md. 15.
jh.)
ebda: sie wunscte ir (
die aufgefundenen kinder) ze kinden, ir erbes hiez si si sih underwinden, als noh der sit ze Chriechen ist
kaiserchronik 1462
Schröder; wan nu sölich nôt Dioclecianum den kaiser angieng, dô nam er Maximianum, der zuo nauchnamen hiez Hercules, zuo ainem gewünsten son und machte in ouch ze kaiser (13./14.
jh.)
die beiden ält. dt. jahrbb. d. st. Zürich 42
Ettmüller. im hinblick auf die gotteskindschaft: da sunt he (
gott) uns und gebirt uns, daz wir sine kint sin van genaden, sine liebe gewünschte kint (
anf. d. 14.
jhs.)
bei Preger
gesch. d. dt. mystik (1874) 2, 438. I@BB.
subjektiver und formloser, begehren, ersehnen. I@B@11)
begehren, erstreben, ersehnen; wie unter A
mit gen., akk., abhängigem satz oder auch absolut: dû hiezze dîniu gebot kenôto behuoten, kenôto uuerên ... (
vtinam dirigantur ui me ad custodiendes iustificationes tuas) sid du siû hiêzzist kenôto uuerên, so uuunsco ih daz mîna uuega rehto gechêret uuerden iro zehûotenne (
ps. 118, 5) Notker 2, 500, 28
P.; nim die gerten in die hant wrche zeichen manichualt, ze allen dingen ist si guot swes wnschet din muot: du tuost zeichen uil, wndirs alles daz du wil (
gott zu Moses).
genesis und exodus 135, 23
Diemer; vnz ich (
Christus) vleischlichen mit iv (
den jüngern) bin, sone wnschit ir niht wâr mine gesprâche vnde wanit des niht, daz ir iht bedurfit ân der geistlicher gêbe, der iv durft wâre
speculum eccl. 68, 4
Mellbourn; swer dâ werder minne pflac, der wunschet der naht vür den tac Wolfram v. Eschenbach
Parzival 731, 12; daz in (
törichten mädchen) mit werken verseit ist, daz niessent sú mit worten, und daz unmuglich ist ze geschenne, daz habent sú mit gedenken. sú versendent sich mit wúnschene und einredent mit den inren bilden reht als ein túrstiger mensche, dem von kalten wasser trǒmet Seuse
dt. schr. 411, 24
Bihlm.; so hette er sy lieb gewunnen vnd tete sy eeren, nützit schantlichs von ir begerende oder ützit wunschende, daz jren lümden in dhain weg sölt oder möcht verletzen Niclas v. Wyle
translat. 36
Keller. im spätmhd. auch förmlicher, erbitten, verlangen: ewigú wisheit, und hetti ich wunsches gewalt, ich enwiste nit, daz ich in zit icht anders von lere wúnschen sOelte, denn daz ich mir und allen dingen kOende sterben und dir alleine leben Seuse
dt. schr. 279, 17
Bihlm.; Plinius spricht, daz man der rehten hant wünsch in angsten und in nœten und daz man si raich in trewen Konrad v. Megenberg
buch. d. natur 21, 1
Pf.; wiszheyt ist besser dann all welt vnd alles das man wünschen mag Seb. Brant
narrenschiff 24
Zarncke. reflexiv: mein kurzweil die ist mangerlai, neur eselgsang und pfawengschrai wunscht ich mir nicht mer umb ain ai Oswald v. Wolkenstein
ged. 107, 63
Schatz; de weren in nod; se wunscheden syk suluen vaken den dod
Reinke de vos 2776
Prien. I@B@22)
als attributives part. prät., anders als unter A 4 d
β u. 6,
ersehnt, begehrt: daz ym (
dem menschen) kum der gewunschte tac, des er hy beitet durch diz lon daz er hat irarnet schon
md. Hiob 5380
Karsten; up disse twistinge und irrunge einen guden und wunscheden ende van beiden sieden tho erlangen (
exoptatus finis) (
mitte d. 15.
jhs.)
bei Westphalen
mon. ined. rer. Germ. (1739) 3, 153. IIII.
in neuhochdeutscher sprache bedeutet wünschen
vorwiegend das subjektive begehren, verlangen, ersehnen einer sache (A);
dies zwar im anschlusz an die im ahd. und mhd. zunächst nur spärlich bezeugte und sich erst im spätmhd. stärker entwickelnde bedeutung I B,
aber im gegensatz zu dieser jetzt selbständig und frei von dem einflusz der im mhd. vorherrschenden objektiven bedeutung I A.
von der bedeutung A
wird im nhd. eine objektive bedeutung neu abgeleitet (B). II@AA.
der akt des verlangens nach etwas im eigenen oder fremden interesse oder das vorstellen einer sache als einer erstrebenswerten, und zwar stets in dem sinne, dasz die befriedigung des verlangens nicht vom eigenen bemühen abhängt. im gegensatz zum mhd. gebrauch steht der gegenstand des wünschens meist im akk.; die aus dem mhd. überlieferten konstruktionen mit abhängigem satz (
vor allem dasz-
satz)
werden im laufe der zeit immer seltener, konstruktion mit infinitiv oder infinitivsatz dagegen wird zunehmend häufiger; konstruktion mit dem gen. der sache ist für das 16.
jh. noch mehrmals bezeugt, später begegnet sie nur noch vereinzelt in poetischem gebrauch. II@A@11)
etwas im eigenen interesse erhoffen, begehren, verlangen, ersehnen. lexikalisch: optare wunczen
u. ä. (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gloss. 398
b (
wenn nicht noch zu I);
optare, affectare, desiderare wünschen oder begeren
gemma gemm. (1508) r 6
d; wndsch
opto Er. Alberus
dict. (1540) p 4
b;
aueo begAeren, wünschen Frisius
dict. (1556) 138
b;
ebenso unter appeto ebda 106
a;
cupio 353
a;
desydero 401
b. II@A@1@aa)
in der form eines beschwörenden vorstellens oder aussprechens dessen, was erhofft wird. nur im älteren nhd. und noch an die mhd. objektive bedeutung I A
anklingend: du spricht was sol ich abber wünschen, das wunsch das Iuuenal sagt, das ein gesunt gemüt sy in einem gesunden leib Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 68
a; und wenn wndschen hulffe, wer keyn bessers tzu wundschen, denn das schlecht alle bucher abthan weren unnd nichts bliebe bey aller welt, zuuor bey den christen, denn die blosse lautter schrifft oder biblie (1522) Luther 10, 1, 1, 627
W.; wann ich wünschen solt, und das es war würde, so wolt ich wünschen, das ich ein pfebe oder ein melon were Jac. Frey
gartenges. 95
lit. ver.; die fraw wnscht jr ein lang gelbes har, vnd newe prsten, der mann wnscht im zorn, das sie jr, ich weisz nich wohin fre Mathesius
Sarepta (1571) 14
a; ehe aber ich disz hOeren solt, desz todts ich lieber sterben wolt, vnd wnschen dasz mich in den tagen, hett der erdboden nie getragen Spreng
Ilias (1610) 43
a. II@A@1@bb)
affektbetont, verlangen, ersehnen: wer viel gibt, erlanget viel: was sein hertze wündscht und wil, das wird gott mit gutem willen schon zu rechter zeit erfüllen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 367
b; ein weib, das nicht regi ert rath, kirchen und gemein, das lieber koch zuhaus als kantzler wundscht zu seyn Rachel
satyr. ged. 39
ndr.; o liebliche stunden, o ssses ergetzen, euch wnsch ich allein B. Neukirch
ged. (1744) 283.
entsprechend: wünschende (
zwischenwörter), wollte gott, hilf lieber gott Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 329. II@A@1@cc)
etwas vorstellen in dem sinne, dasz man das blosz vorgestellte gern verwirklicht sehen möchte. II@A@1@c@aα)
als vorwiegend seelischer vorgang, wobei es gleichgültig ist, ob und in welcher form dem auf verwirklichung des vorgestellten gerichteten verlangen ausdruck gegeben wird: er hat mir darauf geantwortet, dass ihn dieser entschluss sehr befremde, und dass er im stande zu sein wünsche, ihn hintertreiben zu können Lessing 18, 160
L.-M.; schon lange habe ich gewünscht, ihnen einen vorschlag näher legen zu können, dem zeit und umstände allein bisher nicht haben zulächeln wollen Lenz
ges. schr. 2, 318
Tieck; wer, der Winckelmann und das alterthum liebt, wünschte nicht etwas der art von dessen eigener hand geschrieben? Göthe I 46, 84
W.; bleiben sie ruhig, ich wünsche, ich hoffe nichts mehr, es ist der letzte athemzug einer liebe, die für sie künftig todt ist Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 453; es ist glaube ich das erste mal dasz ich frostwetter wünsche Bismarck
br. an s. braut u. gattin 6
H. v. Bism.; heisz wünschte sie, es möge endlich einer der ihren sein Feuchtwanger
Simone (1950) 213.
so auch im hinblick auf personen, deren anwesenheit man gern sehen würde: ich (
Adam) habe lange geseufzet darnach, ich habe sie (
Eva) lange gewünscht, diese, diese lange getragen unter schmerzen an meinem herzen maler Müller
w. (1811) 1, 89; diesen mittag gehe ich nach Tiefurt, heute abend wünscht mich Herder sehr Göthe IV 9, 1
W. II@A@1@c@bβ)
das auf verwirklichung des vorgestellten gerichtete verlangen wird deutlicher zum ausdruck gebracht, manchmal nahezu im sinne von '
fordern': vielleicht wünscht mancher auch den boden zu sehen, der den baum trug,
d. i. einige umstände bemerkt zu finden, unter denen die sprache solcher bilder und empfindungen fähig ward Herder 12, 27
S.; hier liegt auch ein brief von meiner mutter bey den du wünschtest Göthe IV 38, 12
W.; Pompeius gab sehr deutlich zu verstehen, dasz er diesen auftrag wünsche Mommsen
röm. gesch. 43, 26; der herr wünscht zu speisen? hiesz es, gleich wird serviert werden, es ist eben gekocht G. Keller
ges. w. (1889) 5, 13; herr von Vieth, bitte, machen sie es so, wie es seine majestät wünscht Renn
adel i. untergang (1947) 20.
schärfer im hinblick auf eine person: man verlangt nach ihnen, monsieur Xavier, ... und sie werden auch gewünscht, mademoiselle Feuchtwanger
Simone (1950) 292.
die schärfe einer forderung bzw. einer ablehnung kann in verbindung mit einer negation besonders deutlich werden: seine hochgräflichen gnaden ... wünsche sich das nicht wieder zu erleben Brentano
ges. schr. (1852) 5, 107; mein sohn wünscht nicht, dasz du dich in den nächsten tagen im ort zeigst Feuchtwanger
Simone (1950) 189. II@A@1@dd)
in der verbindung mit präpositionalem ausdruck, wünschen nach etwas,
bis zum ende des 17.
jhs. bezeugt (
ein entsprechender mhd. gebrauch unter I A 4 c). II@A@1@d@aα)
im 16.
und frühen 17.
jh. im sinne eines beschwörenden vorstellens oder rufens, a
entsprechend: solch wellt (
der begierde) macht denn disz leben enge und vordrieszlich, das der mensch wunscht, schreyet und rufft nach dem tod unnd iungsten tag (1522) Luther 10, 1, 1, 41
W.; wir wundschten nach dir viel und offt: itzt kombstu, auff den wir gehofft
dt. lieder auf d. winterkönig 3
Wolkan. II@A@1@d@bβ)
dann mehr im sinne von b,
ersehnen, verlangen: ein guter frst ist was nach dem wir wnschen sollen Opitz
poemata (1646) 1, 366; man wnscht lang nach ostern, wenn sie kommen so vergehen sie in einem tag Lehman
floril. polit. (1662) 1, 234; inmaszen mir ... kund geworden, dasz hochgelehrte leute anderer nationen sehr darnach (
nach einem deutschen wörterbuch) wündschen, und wohl erkennen, was ihnen selbst zu erleuchtung ihrer alterthümer daran gelegen Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 466. II@A@22)
für eine andere person etwas erhoffen, erbitten, ihr etwas zuwünschen. II@A@2@aa)
zu jemandes segen und wohl etwas gutes beschwören, wollen oder es erbitten, 1 a
sehr nahe stehend: nun das die stat gotes des herren, nyenen anderst ist, dann in dem frid, mögen wir darausz mercken, das der herr Cristus Jesus seinen iungern, alltzeit friden gewünscht hatt Keisersberg
pred. teütsch (1508) 99
c; allein sehet zu, dasz ihr gottes segen auch suchet, dasz nicht eitel liebesbrunst, sondern auch seiner gnaden gunst dabei sei, den ich euch wünsch gnädig zu sein mit eurem lieben buhlen (1523) Luther
br. 3, 204
W.; mein arm pater noster wünsche ich und alles guts meinem gnädigen herrn (1537)
ebda 8, 110; ein gute nacht wünscht euch Hans Sachs Hans Sachs 21, 48
lit. ver.; vnd wünsche euch beyde ein friedsames ... leben
schausp. engl. comöd. 20, 27
Creizenach. II@A@2@bb)
einem andern etwas gutes zuwünschen; manchmal verblaszt und nahezu formelhaft. II@A@2@b@aα)
das verlangen äuszern, dasz einem andern etwas gutes zukommen möge: durch die liebe wOellen vnd wnschen wir jhme alles guts Spee
güld. tugendbuch (1649) 5
a; ieder frst streuete eine handvoll blumen auf die leiche, wntschte ihr eine sanfte ruhe Lohenstein
Arminius (1689) 1, 17
a; vormals pflegte, wie bewuszt, kaisern diesz gewünscht zu werden: herrsche weiter, als August B. Neukirch
ged. (1744) 5. II@A@2@b@bβ)
mehr in dem sinne, dasz dem andern das vorgestellte gut direkt zugewünscht wird: er gieng mit mir hart bis ans haus des kranken und wünschte mir gute verrichtung Lavater
verm. schr. (1774) 2, 25; schöne zofe! — einen guten morgen wünscht euch Konrad, der knappe Meisl
theatral. quodlibet (1820) 1, 217; so nahm er alsbald seinen urlaub, der dame angenehme kurzweil wünschend Th. Storm
s. w. (1900) 3, 233; ich wünsche dir ein gutes jahresende (1947) Gottfr. Benn
ausgew. br. (1957) 120. II@A@2@cc)
sehr häufig in der verbindung jemandem glück wünschen;
vgl. unter glück II D 1 a
teil 4, 1, 5,
sp. 255.
nur selten und meist älter im wortsinn des beschwörenden zuwünschens und des erhoffens eines glücklichen geschicks für die angesprochene person: wndschet Jerusalem glck, es msse wolgehen denen, die dich lieben
ps. 122, 6; dem auffrichtigen leser wndschet glck vnd heyl
d. Joannes Georg Godelman Nigrinus
von zäuberern (1592) 140; womit ihme glück auf die reise gewündschet wird (1649)
d. fruchtbring. ges. ältester ertzschrein 425
Krause; junge, du bist der beste von allen lebenden Halderns ... ich wünsche dir jedes erdenkliche glück Fontane
ges. w. (1905) I 5, 76.
häufiger in dem sinne, dasz man jemanden zu einem bestimmten ereignis beglückwünscht, ihm seine befriedigung und mitfreude zum ausdruck bringt: und Achior und Nabath, Tobie vettern kamen zu jm, und wndscheten jm glck, freweten sich mit jm alles des glcks, das jm gott gegeben hatte
Tob. 11, 19; gleich wie man einem glck und heil wndscht, wenn er was newes anfehet odder etwas guts uberkomen hat (1530) Luther 31, 1, 177
W.; vnd wnschet jhm gelck gar fein, zu dem gewunnen kleinot fein Spreng
Ilias (1610) 328
a; auch Denis übersetzung verräth so viel fleisz und geschmack ..., dasz ich ... Deutschland zu einem barden glück gewünscht, den der schottische barde (
Ossian) nur gewecket Herder 5, 159
S.; ich wünsche dir zu einem sohne glück Göthe I 21, 66
W.; sie sandten also eine gesandtschaft nach Afrika, wünschten glück zur eroberung G. Freytag
ges. w. 17 (1910) 66. II@A@2@dd)
mit ersparung des dativs der person, besonders in formelhafter verwendung: er wolt das seine iunger friden wunstent, wa sie in die hüsser giengen, da er von inen gieng Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 98
b; das sein güt über uns erwachs hie und dort ewig, wünscht Hans Sachs Hans Sachs 1, 51
lit. ver.; ich wndsche glk, ich wndsche seegen, zu dieser ehrenzier! Zesen
helikon. rosentahl (1669) 115; ich wünsche, meine herren, dasz das souper nach ihrem geschmacke war Klinger
w. (1809) 1, 145; aufrichtigst wünschend verehrend unterthänigst Goethe Göthe IV 29, 93
W.; ich wünsche guten morgen, werte damen Schnitzler
d. grüne kakadu (1899) 7. II@A@2@ee)
jemandem etwas böses zuwünschen, ihm fluchen; verwünschen; vgl. glossierungen von imprecari (15./16.
jh.) Diefenbach
gl. 289
c;
gemma gemm. (1508) m 3
c; Calepinus
undec. ling. (1598) 691
a: ich möcht eim kein grösser vnlück wünschen, dann dz er emtper vberkem Keisersberg
brösamlin (1512) 1, 14
a; sie mssen zu rck keren vnd gehOenet werden, die mir vbels wndschen
psalm 70, 3; wenn mir schon ein wndschet, dass mein pferdt hincket werde. derhalben wirdt es nicht also Nigrinus
von zäuberern (1592) 73; dann mir so viel teuffel von einem jeden in den leib gewnscht Zinkgref-Weidner
teutscher nation weish. 3 (1653) 45; sie klagt, sie heult, sie donnert, sie wünscht jhm vier und zwantzig tausend teuffel Abr. a
s. Clara
Judas 2 (1690) 99; dasz deine ungeduld wohl gereitzt werden dürfte, mir hagel und frost auf den hals zu wünschen Thümmel
reise (1794) 3, 72; übles wollen wir ihr auch nicht wünschen A. v. Droste-Hülshoff
an Levin Schücking (1893) 140; wenn die frau da, die jetzt so fühllos schnarchte, während sie sich in pein verzehrte, ihr auch den tod wünschte Clara Viebig
die vor d. toren (1949) 118.
in objektlosem gebrauch '
fluchen, verwünschen',
meist substantiviert und mit kennzeichnendem attribut. nur bis ins frühe 18.
jh. hinein bezeugt: da erhebt sich als denn ein solches erschrecklich fluchen vnd wnschen, dass sich die sonn dafr entferben mOechte
theatrum diab. (1569) 318
b; unter solchem zOernen ist das verfluchte und bOese wnschen begriffen Hartmann
fluchspiegel (1672) 167; es lehret auch die erfahrung, dasz auff das erschreckliche wndschen und abscheuliche fluchen die leibliche besitzung erfolget J. D. Ernst
fastnachtswoche (1703) 112. II@A@33)
konjunktivischer modus, umschreibungen und feste wendungen akzentuieren die bedeutungen 1
und 2
in bestimmtem sinne. II@A@3@aa) wünschen
im konjunktiv oder mit konjunktivischer umschreibung. schon hier und da im späteren mhd. in den bedeutungen I A
oder B: Heinrich v. Neustadt
visio Philiberti 62
Singer; Oswald v. Wolkenstein 68, 23
Schatz; ebda 107, 63; Niclas v. Wyle
translat. 292, 19
Keller. die konjunktivformen unterstreichen den optativischen sinn des wortes. im älteren nhd. selten: Paulus aber sprach, ich wndschet fur gott, es feilet an viel oder an wenig, das nicht alleine du, sondern alle, die mich heute hOeren, solche wrden, wie ich bin
apostelgesch. 26, 29; inzwischen wolte ich wnschen, euren nahmen zu wissen Ziegler
asiat. Banise (1689) 17; wer wnschte nicht Damoet zu sein? Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 12.
nach der mitte des 18.
jhs. in diesen formen, bes. im einfachen konjunktiv, häufiger, nicht selten mit resignierendem unterton: verläszt man denn die, die man liebt? so musz ich sie wohl nicht lieben, denn ich wünschte, sie nie zu verlassen Lessing 2, 289
L.-M.; wie hätt ich nicht gewünscht, so schönem leben die minder würdge hälfte zu ersparen Schiller 15, 1, 20
G.; ich wünschte, er (
Mozart) wäre nicht so verschwenderisch (
mit seinen melodien)
bei O. Jahn
Mozart (1856) 14, 25; sie lachen. ich wünschte, ich könnte es auch A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 31.
mehr die bedeutung '
fordern' (1 c
β)
abschwächend und höflich umschreibend: es ist vornehmlich der charakter des Richards, worüber ich mir die erklärung des dichters wünschte Lessing 10, 97
L.-M.; ich wünschte recht gelehrt zu werden, und möchte gern was auf der erden und in dem himmel ist erfassen Göthe I 14, 90
W.; besitzen sie nicht die Seckendorfischen lieder? ... ich wünschte mir sie auf kurze zeit
ders. IV 23, 230; in solcher stimmung sind deine überfeurigen briefe, närrische Bettina, grade recht, nur wünschte ich, du begnügtest dich mir dergleichen blosz zu schreiben, und erzähltest nicht so viel an andere davon (1832) Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 100. II@A@3@bb)
in der unpersönlichen wendung etwas ist
oder wäre zu wünschen
kommt nicht so sehr das bewusztsein der unwirksamkeit und irrealität des wunsches, als vielmehr die betonung seiner dringlichkeit zum ausdruck: darumb zu wunschen, das frome teutsche fursten nichts mit seinen (
des kaisers) vntrewen practiken zu thun haben (1539)
bei Luther
br. 8, 643
W.; es wer auch gut vnd zu wnschen, dasz diese ordination verbessert vnd etwas geendert wrdt Schweigger
reyszbeschr. (1619) 303; derentwegen sehr zu wünschen wäre, dasz eine rechte physic und metaphysic an den tag käme J. J. Becher
psychosophie (
31707) 81; es ist also zu wünschen, dasz seine schriften von einem sachkundigen manne gesammelt werden Schubart
leben 1 (1791) 19; dürfte ... dein guter verstand eingesehen haben, dasz auf erwiderung niemals zu hoffen, ja, dasz eine solche niemals zu wünschen war
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 86. II@A@3@cc) nichts
oder etwas zu wünschen (übrig) lassen,
die vollkommenheit bzw. unvollkommenheit einer sache umschreibend: weil wir bereits journale besitzen, welche dem liebhaber und selbst dem kenner wenig zu wünschen übrig lassen
d. dt. Merkur (1773) 1, 7; wir wollen hingegen auch nicht bergen, dasz ... uns diese copien manches zu wünschen übrig lassen Göthe I 47, 293
W.; die betten aber seien ausgezeichnet und lieszen nichts zu wünschen übrig Raabe
s. w. I 6, 269; und sagte: sie gehen mit mir, George! in einem ton, der an selbstverständlichkeit nichts zu wünschen übrig liesz Ina Seidel
labyrinth (1922) 139; die beziehungen des rektors zu oberlehrer Vogelsang lieszen zu wünschen übrig Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 124. II@A@44)
der reflexive gebrauch, der im mhd. nur sehr schwach ausgebildet ist (
vgl. unter I A 2 a
α und I B 1),
nimmt im verhältnis zum gesamtgebrauch des wortes seit dem 16.
jh. langsam zu. er entspricht in seiner syntaktischen struktur dem allmählich seltener werdenden gebrauch von 2
mit der bedeutung '
jemandem etwas wünschen'. II@A@4@aa)
der ältere nhd. gebrauch deckt sich in der bedeutung mit dem von 1 a
und 2 a.
er beschränkt die fügungsweise mit dem dativ der person, die dem gebrauch von 2 a
eignet, auf eine solche mit dem reflexiven dativ: ich wolt mir wundschen, das ich nur drei tag ein engelchen were, da wolt ich allen bawren ihre schetze stelen (1531) Luther
tischr. 2, 410
W.; die historien lernen vns, das wir vns des lands Palestina nit wündschen solten, ... wann wir nit alle land bisz dahin vnderwegen gewinnen Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 137
b; (
Leonhardus:) ach unglückseeliger Leonhardus! du hast in kurzer zeit einen vater und schwester verlohren! wohin will doch das unglück dich leiten! ich wünsche mir selbsten vor betrübnisz den tod
schausp. engl. comöd. 184, 13
Creizenach. II@A@4@bb)
seit dem 17.
jh. selbständiger und deutlich reflexiv in dem sinne, dasz jemand etwas für sich, in seinem eigenen interesse oder zu seinem eigenen besitz ersehnt oder verlangt: der sechste wnschet ihme bald disz und das, er strebet nach, und suchet, ich weisz nicht was Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 158; liebe seele, gleichwie du dir aus ungeduld nicht selber solt den tod anthun, also solt du auch aus ungedult den tod nicht selber dir wünschen Qvirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 888; im sechzigsten jahre wünscht sich alle welt ein landgut Hippel
über d. ehe (1774) 21; (
ich) wünsche mir, dasz ich dem mächtigen, was ihm gefällt, mit wahrheit sagen möge Göthe I 10, 12
W.; und die menschen, die mich dann nach meines lieben vaters tode zu sich nahmen — bessere konnte kein kind sich wünschen Th. Storm
s. w. (1900) 5, 164; ich wünschte mir, ihn eines tages von angesicht zu angesicht zu sehen Carossa
d. tag d. jungen arztes (1955) 44. II@A@55)
als part. perf. im sinne von '
erhofft, erwartet, begehrt, verlangt'.
anders unter B 2. II@A@5@aa)
sehr häufig attributiv: bisher, da noch ymer sunde ist blieben, hat yderman friede gesucht, aber die sunde hats nicht leiden wOellen, es ist mehr gewndschter friede denn gehabter friede gewesen Luther 23, 557
W.; damit ... die bergkleut ... frölich vnd seligklich sterben, vnnd des gewnschten jngsten tages in jren grebern erwarten Mathesius
Sarepta (1571) )( 4
b; gleichwohl aber der gewnschte bescheid dermal eins nicht kommen wollte Grimmelshausen
Springinsfeld 6
Scholte; eben jetzt ist ihr lieber, sehnlich gewünschter vater wieder gekommen Lessing 2, 168
L.-M.; und im nächsten augenblick trat der musikant aus dem gebüsch hervor und spielte unter lautem zuruf die gewünschte melodie W. Raabe
s. w. I 6, 182; ohne säumen verbürgte Diederich sich für alle gewünschten reparaturen H. Mann
d. untertan (1949) 390. II@A@5@bb)
substantiviert, etwas gewünschtes, das gewünschte: ist nichts gewnschters jhm gewesen, weder die reuter ausz erlesen, vnd die artzneykunst zu ergrnden Spreng
Äneis (1610) 252
b; die hagere frau brachte das gewünschte und verschwand wieder O.
M. Graf
unruhe (1948) 138. II@A@66)
im substantivierten infinitiv; anders unter B 3: vnd ist das wunschen, begeren, klagen vnd bitten dem menschen angeporen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 238
ndr.; vnnd ein grosse torheit were es, wann einer sitzendt oder mit dem blossen wnschen, vermeinte den feindt zuschlagen Albertinus
der kriegsleut weckuhr (1601) 2, 37
a; sollt wollen und wünschen wirklich werden, es ritten die narren wohl all auf pferden maler Müller
w. (1811) 1, 281; die nebel, welche fühlen, wünschen, wollen um die dinge gelegt hatten, waren fort Feuchtwanger
Simone (1950) 303.
so nur selten im sinne des zuwunsches (
s. unter 2): ich stell es, lieber freund, nun deiner meinung frei, was doch auf solchen trost mein gröstes wnschen sei Grob
dichter. versuchgabe (1678) 28; sie nieste abermals, er wünschte von neuem; das niesen und wünschen hörte auch nicht auf Brentano
ges. schr. (1852) 5, 415. II@A@77)
redensartlich, in die (eine) hand wünschen,
zur umschreibung der nichtigkeit des wünschens: aber ich tröst mich dessen, ist es nicht hie, so ist es dort, vnnd villeicht mehr als ich mir inn ein hand wnschen solt. auff solche oder auch ein bessere weisz solt jhr allzeyt ewerm vnglück mit trost wissen zubegegnen, dasz noch morgen taler könten regnen Fischart
Garg. 37
ndr.; meine groszmutter pflegte zu sagen: wer in die eine hand wünscht und in die andere pfeift, der hat in einer so viel als in der andern Platen
w. 2, 187
Redlich. entsprechend: o sterblicher, was sorgest du, und wünschest in den wind? R.
Z. Becker
mildh. liederbuch (1799) 70. II@BB.
in seiner von A
abgeleiteten objektiven bedeutung richtet sich wünschen
in der weise auf einen gegenstand, der auch eine person sein kann, dasz der eindruck entsteht, als könne sich an diesem gegenstand ein dem wünschen entsprechender und durch dieses bewirkter tatsächlicher vorgang vollziehen oder als habe er sich vollzogen, während die wirklichkeit sich dem wünschen gegenüber tatsächlich und auch für das bewusztsein des sprechers gleichgültig verhält. II@B@11) sich, jemanden
oder etwas an einen ort
oder in einen zustand wünschen;
lediglich den eindruck erweckend, als eigne dem wünschen eine wirksamkeit und eine mächtigkeit über die wirklichkeit. auch dort, wo der zusammenhang die erfüllung des wünschens wahrscheinlich macht (
z. b. Fortunatus und Gryphius
unter a),
ist diese erfüllung in erster linie durch die an das wünschen gebundenen besonderen umstände bedingt. konjunktivischer modus oder umschreibungen sind, wie unter A 3,
möglich. ein ähnlicher gebrauch unter anderen voraussetzungen unter I A 4 b. II@B@1@aa)
allgemein: wenn ich meine diener auff das geiAeg send vnd mich verlangt, das ich geren bey yn wolt sein, so setz ich mein htlin auff vnd wünsch mich zu jn, so bin ich bey jn (1509)
Fortunatus 87
ndr.; mein herr Käte grüsset euch und wünscht euch bald gesund und bei uns (1534) Luther
br. 7, 118
W.; entweiche! ruffe du die sänger vor die thür! wir wünschen uns allein Gryphius
trauersp. 72
lit. ver.; ich ... wolte lieber in die stelle jener hirten, die da vor uns weiden, mich wnschen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 157; auch deines vaters wegen wünsch ich dich (
in der todesstunde) standhaft Gerstenberg
Ugolino 259
H.; wenn wir geneigt sind, etwas zu tadeln und besser zu wünschen, so sinds meistens die zeiten und umstände unsrer erziehung Herder 31, 309
S.; talentreiche leute, die der könig in seinen dienst wünschte Göthe I 43, 301
W.; ich wünschte den privatsekretär Pinnemann trotz aller seiner liebenswürdigkeit an irgendeinen angenehmen, aber fernen ort der erde W. Raabe
s. w. I 6, 55; der mann, ... der nichts ungetan wünschte, was er getan, und nichts getan wünschte, was er gelassen hatte, bereute nun in kurzer frist zum zweitenmal Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 274. II@B@1@bb)
erst jünger bezeugt ist der typus jemanden zum teufel wünschen: machen musz er, dasz das mädel lieber vater und mutter zum teufel wünscht Schiller 3, 365
G.; er wäre zum henker gegangen, wohin ich euch wünsche Göthe I 43, 248
W.; Reichmeyer stimmte ... bei und wünschte die kritik zu allen tausend teufeln Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 297; der handwerker wünscht die fabriken dahin, wo der pfeffer wächst Riehl
die dt. arbeit (1861) 70; und dabei verklagte sie Dörr, ... der immer zu hause sei, wenn sie ihn zum kuckuk wünsche Fontane
ges. w. (1905) I 5, 262. II@B@1@cc)
wendungen nach dem typus wie man etwas nur wünschen kann
bewerten eine sache positiv: da ward es jhm so wol erbotten vnd auch gedienet, dass er es ihm nicht besser hette wndschen mOegen
buch d. liebe (1587) 387
b; zumahlen den gemähten weizen, den man nicht besser wünschen kann Brockes
ird. vergnügen 7 (1743) 243; sie betrug sich gegen mich, wie ich es nicht besser wünschen konnte Göthe I 23, 35
W.; sein name ist für zwei von ihnen (
den kreuzigungsgruppen) urkundlich gesichert, für die beiden anderen spricht die stilistische übereinstimmung so deutlich als irgend gewünscht werden kann Dehio
kunsthist. aufs. (1914) 133. II@B@1@dd)
das ziel des wünschens ist ein bestimmter persönlicher status, jemanden zum freund wünschen
u. ä.: das yn landfrembden ... mann die künigkliche tochter Nausikaa zuo einem gesponsz, der künig Alcinous sampt der künigin zuo ainem ayden vnd mitregenten jres künigreichs samentlich wünschten vnd begerten Schaidenreisser
Odyssea 3
Weidling; ein armer der reich ist worden, vnd ein bawer der edel worden, sol man nicht zu freunden wnschen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 705; viel ritten der freier nach Taubenhain, und wünschten Rosetten zum weibchen Bürger
s. w. 60
b Bohtz; dasz man die Römer wohl zu freunden aber nicht zu herren wünsche Mommsen
röm. gesch. 42, 46. II@B@22)
als part. perf. im sinne von '
wunschgemäsz, trefflich, richtig, passend'
nicht über das 18.
jh. hinaus nachzuweisen. anders unter A 5: ein sehr hüpscher, wolgewachsener fürst ..., also das die alten sagen, das er ein gewunscht mensch sey gewest und viel besserer eintracht ... in seiner ehe were wirdig gewest Kantzow
chron. v. Pommern 314
Gaebel; du komst jetzt zu gewünschter zeit Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 57
lit. ver.; Phyllis, mein gewünschtes gut, meine zier und krone, du, in derer milch und blut ich am meisten wohne Simon Dach
ged. 417
lit. ver.; die gewnschte hauszmutter (
überschrift) Rachel
satyr. ged. 36
ndr.; den abend umb 9 uhr, als der wind aus sd-west uns gewnschet kam, giengen wir ... zu seegel Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 3
b; und da ihn so gewünscht das glück hieher geführt König
ged. (1745) 542; so lagen sie ihm (
ihrem gastgeber) doch beständig an, für sie posten zu finden, in denen sie ihren unterhalt erwerben könnten. kurz darauf fand sich eine gewünschte stelle für Marianen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 74. II@B@33)
nur spärlich bezeugt in einem von A 6
verschiedenen substantivierten gebrauch zur kennzeichnung dessen, was begehrt wird oder werden könnte. im ersten beleg im anschlusz an wunsch II B 1: disz sollent jhr billig dem groszmechtigsten künig Dario, von vns rümen vnnd anzeigen, das jhr von vnns zu peht vnnd tisch nach allem wünschen, so wol gehalten seyt Boner
Herodot (1535) 65
b; du gldne freiheit du, mein wnschen vnd begehren Opitz
buch v. d. dt. poeterei 16
ndr.; und warum schämst du dich, bist du einmal gefangen, durch deine bande selbst dein wünschen zu erlangen? J. E. Schlegel
w. (1761) 1, 52; besorgen sie nur erst einen liebsten nach dero verlangen, vor das andere wünschen will ich sorgen
Holston u. Augusta (1780) 53.