unschlitt,
n. (
m.),
thierisches fett, insbesondere '
arvina, quae operit vitalia' (
2 Mos. 29, 22, fett
am eingeweide Luther),
nicht so sehr zur nahrung als zu gewerblicher verwendung bestimmt. AA.
alter, verwandtschaft, formen, verbreitung, geschlecht. A@II.
nichtgermanische u. altgerm. entsprechungen fehlen; das ags. part.-adj. unsilt (unslit) = ungesilt (Bosworth-Toller 888
b, 1129
a, 1113
b)
hat nichts mit unserem worte zu thun; das ags. gehört zum ungel-
gebiete. unschlitt
ist eine deutsche bildung, im Keronisch - Hrabanischen glossar noch nicht vertreten, doch seit dem 9.
jh., nachdem der kienspahn durch die kerze verdrängt worden, (
wohl als fachwort der alten viehwirtschaft)
in den ahd. glossen reichlich bezeugt. A@IIII.
verwirrende formenfülle hat die erklärung des mehr gesprochenen als geschriebenen wortes erschwert. A@II@11) R. Hildebrand
bezeichnete u.
und inselt (inschlit)
als brüder (
sprachunterricht10 260),
und in der that kann die entwicklung von ingislahti (
ahd. gl. 4, 79, 10; 3, 613, 22) > ingeslehte (ingeslethe 4, 79, 12), inslahti (3, 613, 22) >
* inslehte, insleht, insliht, inslit (Philipp Lenz
d. Handschuhsheimer dialekt 1, 19
b)
keine andere sein als die von * ungislahti > ungeslehte, unslahti, -sle(h)t, -sli(h)t (unsled
ahd. gl. 3, 349, 16; unsliht 3, 615, 28 = unslith 3, 368, 33; 4, 208, 62; unslit 1, 332, 21; 324, 42
f.; 3, 290, 6; 294, 1; 311, 47; 356, 34; 613, 7
ff.; 615, 4; 616, 18; 4, 458, 25. unsilit 3, 676, 67). unschlitt
ist also eigentlich dasselbe wie das später (
nachdem die bed. von unschlitt
sich verengert hatte)
aufs neue gebildete ungeschlächte (
sp. 849, Staub-Tobler 9, 39). inschlitt
und u.
stehen unzählichemal das eine für das andere; doch ist, wie die ahd. glossen lehren, inschlitt
keineswegs nur eine durch ünslit
vermittelte form von u.,
sondern beide bildungen stehen von anfang selbständig nebeneinander: ingislahti
das eingeweide, '
die innerei' (
Wiesbadener fleischerwort),
intestina, minutal, minutium, minucia, ungislahti
das zum essen nicht verwendbare vom geschlachteten, als gs. zum fleisch, zu guot geslehte (
s.B I);
dann sind beide wörter verschmolzen und auf die bezeichnung des eingeweidefettes eingeengt. A@II@22)
auf die herausgestaltung des wortkörpers hat nichts so entscheidend gewirkt, wie der starke ton des präfixes (
sp. 29).
er verursachte die wortverkürzung (
vgl. micker),
die vereinfachung der consonantenverbindung im wortschlusse und drückte die stammsilbe fast zu suffixaler bedeutungslosigkeit (unschlt Fischer
schwäb. wb. 6, 215)
herab. A@II@2@aa)
das präfix. α)
schon im mhd. findet sich umlaut des präfixes: ünslit
mhd. wb. 2
2, 405
a; Lexer 2, 1938; Fischer 6, 215;
die mundarten zeigen ihn oft: Staub-Tobler 1, 348; Schöpf 623; Lexer
Kärnten 248; Ruckert 187; Hertel
Thüring. 250; Spiesz
Henneberg. 264; Follmann 520
b;
luxemb. 320
a; Kramer
idiot. d. Bistritzer dial. 5;
siebenb. wb. 1, lix, 71; Tonnar-Evers
Eupen 11
a; Müller-Weitz
Aachen 172.
schriftsprachlich ist er im nhd. selten und veraltet: nslicht
monumenta Boica 48, 1, 106 (1458,
Nürnberger burggrafentum); nszlat Ercker
beschreibung aller min. ertzt (1580) 20
a; nschilt, nschlit Corvinus
fons latinitatis (1646) 781, 869.
β) umstlit Fischer
schwäb. wb. 5, 995;
vgl.umbgeschlecht Staub - Tobler 9, 38.
γ) onslet Diefenbach
gl. 528
c.
δ) urnschlitt Fischer 6, 215; ur-, or-, ū-
u. v. a. mundartliche formen bei Staub - Tobler 1, 348; Fischer 6, 215
f.; siebenb. wb. 1, lix.
ε) in-
s. unten B II 1
und oben A II 1. A@II@2@bb)
zwischen präfix und stammsilbe wird t
eingefügt: untschlit S. Güthen
beschreibung d. st. Meiningen (1676) 237; z: unzschlot
obers. wb. 2, 600
a; Lexer 2, 1938. A@II@2@cc)
anlaut der stammsilbe ist gewöhnlich: sl,
jünger schl;
älteres scl: Lexer 2, 1938. ünstlit Mynsinger
von falken 28; unstlyt Eberlin v. Günzburg 2, 10
ndr.; Diefenbach
gl. 528
c; unsztzlet Fr. Wilhelm
sprichw. reg. f 1
a.
irrationales i
oder e
tritt zwischen sl: unsilit
ahd. gl. 3, 676, 67; unselit Fischer
schwäb. wb. 6, 216; Diefenbach
gl. 528
c.
umstellung des l (unschelt Staub-Tobler 1, 348;
els. wb. 1, 56
a; Follmann 520
b;
obers. wb. 2, 600
a; unschilt Diefenbach
gl. 520
c; Dentzler 2, 329
b; nschilt Corvinus
fons latinitatis 781, 869; unschuld Diefenbach
gl. 12
b u. mit ausfall des l onschət Follmann 520
b; unscht Mathesius
Sarepta 325, 8
ndr.; Agricola-Bech 72)
ergab die md. formgruppe unselt (Diefenbach
gl. 528
c;
n. gl. 336
a; Schweinichen
merkbuch 5; Minerophilus
bergwerkslex. 679; Herttwig
bergbuch 339
b; 171
a; öntselt Follmann 520
b; önzelt, enzelt
lux. wb. 320;
siebenb. wb. 1, lix, 71; Kramer
Bistritz 5; enseld Hertel
Thüring. 250;
vgl. inselt
th. 4
2, 2141; Kretschmer
wortgeogr. 513), unsel (
arvina vett off unsel
vocab. s. a. [J. H. Voss]; untzel Diefenbach
gl. 528
c; Schottel
haubtspr. 1438; unschel Follmann 520
b; önzel Müller-Weitz
Aachen 172; äuszel Tonnar-Evers
Eupen 11
a; unselgrubet
für unschlachtgrubet '
blatternarbig' Unger-Khull 611
a nach unsel = urschel = urschlächt;
wo die gebiete von unsel
und ungel
zusammenstoszen, tritt vermischung ein: ndrhein. üngsel
Eupen 11
a; ünksels Hönig
Köln 158). A@II@2@dd)
der stammsilbenvocal durchläuft die reihe a, e, i, o, u,
ohne dasz diese reihenfolge die zeitfolge der entwicklung verbürgte: unslat Diefenbach
gl. 528
c;
Pfeiffers Germania 9, 192; Sanders 2, 1413
a; unschlat J. Albrecht
rechenbüchlein (1534) d 2
a; H. Denck
vom gsatz gottes d 2
b; Bühler
Davos 1, 184; Staub-Tobler 1, 348; Fischer 6, 216; Lexer
Kärnten 248;
vgl. inslat
Frommanns zeitschr. 3, 114
a (
durchweg als reducierter vocal, ohne grammatischen wert). unschlAet Forer
fischb. 87
b. unsled
ahd. gl. 3, 349, 16; unslet, -schlet, -sleed (ee
wohl ohne lautwert) Diefenbach
gl. 528
c; Lexer 2, 1938;
mnd. unslet, unselt Lübben-Walther 442
b; unslecht
Frankf. archiv, Elsen v. Holzhusen inventar 1410; unsleth (1519)
cod. dipl. Silesiae 20, 212; unszlet, unschlet
d. hofordnung. 2, 61; 98
Kern; Luther 8, 316
b (1562); Schade
satiren 2, 261, 30; Braunschweig
chirurgia 15
a; Parac. 2, 27 c, 465; Mathesius
Sarepta 110
b; Hake
bergchronik 82; Ercker
beschr. aller min. ertzt 20
a. Albinus
bergkchronica 140;
viehbüchlein 7; 31;
fischbüchl. 28; 163; Alberus, Siber, Saurus-Melanchthon;
obers. wb. 2, 600
a; Autenrieth 144;
mit buntem wechsel der consonantischen silbenbestandtheile Staub-Tobler 1, 348; Fischer 6, 215
f. unslit, unschlitt
erscheint seit ältester zeit am häufigsten, so dasz es besonderer belege dafür nicht bedarf; kürze des vocals ist regel, der schreibungen wie unslieht, -schliet, nsliet (
monum. Boica 43, 533); unslijt, -sleit, -schleyt Lexer 2, 1938; Diefenbach
gl. 528
c;
österr. weist. 11, 722
nur scheinbar widersprechen. die schriftsprachliche schreibung tt,
die schon früh auftritt (Zingerle
mittelalterliche inventare 1, 25, 30; Keisersberg
evangelibuch [1515] 33
b;
städtechron. 23, 327, 20; Wickram 3, 9, 17)
und etwa vom 17.
jh. ab regelmäszig wird (
vereinzelt bleiben unschlit Lohenstein
Arm. 1, 1104
a; Rädlein 989
a; Bahrdt
leben 2, 342; unschlith
esels adel 118; unschlid Schottel 295; unschlidt Hulsius-Ravellus 382
a)
kann man mit Paul (
gramm. 1, 167)
als ausgleich zu gunsten der kürze auffassen; assimilation (Wilmanns
gramm. 1
3, 124; Staub-Tobler 1, 348)
wird darin wenig mehr gefühlt. das i
der stammsilbe ist nicht eindeutig und im einzelnen falle schwer zu entscheiden, ob irrationaler vocal, assimilation oder umlautsbezeichnung vorliegt. übrigens sind a, e, i
bei geschlecht (
s. th. 4
1, 3903)
und seinen näheren oder entfernteren sippengenossen (
z. b. hagel-, hinderschlächtig;
vgl. besonders urschlächt)
regelmäszig entwickelt. selten kommen o
und u
vor: unslot Diefenbach
gl. 528
c; Pfolspeundt
bei Heyne
wb. 3, 1148;
obers. wb. 2, 600
a;
vgl. inslot. unslutlicht
Marienburg. treszlerbuch 55, 7
Joachim; vgl. oben unschuld, unschüt. A@II@2@ee) ht, cht
des auslauts ist ahd. und mhd. reichlich erhalten und lebt in der nhd. schriftsprache bis ins 18
jh. (Mathesius
Sarepta 60
b; Sebiz
feldbau 12; Fischart
bienenkorb 16
a; Lehmann
floril. 3, 213; El. Charlotte v. Orleans 3, 695; 6, 187; J. G. Schmidt
rockenphilosophia 1, 320; J. G. Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie 340; v. Fleming
soldat 362
b; Steinbach 2, 898),
in mundarten bis heute (Staub-Tobler 1, 348; Crecelius 849).
anderseits konnte der, wie ahd. schreibungen lehren, frühe ausfall des h
die umlauthindernde wirkung von ht
aufheben. durch abfall des t
kommen ch, g, k
an den silbenschlusz: Staub-Tobler 1, 348; Fischer 6, 215
f.; elsäss. wb. 1, 555
a; 2, 933; 2, 949; Lenz
zeitschrift für deutsche mundarten 10, 306; Gebhardt
Nürnberg 67; Spiesz
Henneb. 264; Baumann
quellen zur geschichte des bauernkrieges 1, 492; Bürster 203, 220.
auch ch, g, k
können abfallen: Staub - Tobler 1, 348; Fischer 6, 215
f. über tt
s. oben d. A@II@2@ff) unslechte
monumenta Boica 60, 583
a (
in den angeführten stellen kommt die form nicht vor)
hat vielleicht die früh eingebüszte dreisilbige form (
ahd. unslahti)
erhalten. A@IIIIII.
das verbreitungsgebiet von unschlitt
wird durch einige hauptsynonyma besonders eingeschränkt. zunächst im nordwesten durch ungel <
lat. * ungu(entu)lum,
das mit der kerzenfabrikation durch die Angelsachsen entlehnt ward u. sich über nl., nd. und md. gebiet verbreitete: ags. ungel,
m. Bosworth-Toller 1108
b;
mnl. ongel,
n., m., wb. 5, 578;
nl. ongel,
n. f., wb. 10, 1604; Molema
Groning. 303
b; ungel, unger Doornkaat - Koolman 3, 470
b; ungel
niederrhein. Diefenbach
gl. 528
c. Apherdianus
tyrocinium 95; ongel,
n., Leihener
Cronenberger wb. 89
a;
mnd. ungel,
n., wb. 5, 46; Strodtmann
Osnabrück 264; Bauer-Collitz 107, 179; Woeste
westfäl. 280
b;
im gebiete von Schwalenberg östlich bis an die Weser reichend, nd. jahrb. 32, 166; ungel,
f., n. Vilmar 424
aus Niederhessen, bes. der umgebung von Kassel; vgl. unguizol
ahd. gl. 3, 392, 39 (
lingua ignota der h. Hildegard)
; schriftsprachlich in der gemma Coloniae 1512
unter seuuum, bei Apherdianus
a. a. o., in hess. quellen bei Vilmar
a. a. o., als landschaftlich bei Campe
u. Hübner-Rüder
zeitungslex.31 4, 707
a bezeugt; in den nordwestlichen, ans nl. grenzenden gebieten gehört ungel
auch der gebildeten umgangssprache an. über contamination von unschlitt
und ungel
s. oben II c
ende. das seit dem 16.
jh. aus dem nd. vordringende syn. talg (
ags. tælg,
mengl. talgh,
engl. tallow,
mnd. nd. talch,
nl. talk,
dän. schwed. talg: Falk-Torp 1243),
bes. vom ungeschmelzten fett gesagt (Heynatz
antibarb. 2, 528)
hat schriftsprachlich den meisten boden gewonnen und ist in der umgangsspr. weit nach süden gewandert (Kretschmer
wortgeographie 512).
den umgekehrten weg hat unschlitt
genommen; es ist nicht nur oberdeutsch, sondern ebensogut (unselt)
md. und reicht ins nd. hinein (
mnd. unselt, unslet Diefenbach
n. gl. 336
a, untzel
kennt Schottel,
der nomenclator lat. germ. in usum schol. Hamburgensium [1634] 169
stellt unschlitt
vor tallig
und übersetzt sevum a renibus nierenunschlitt,
sevum liquefactum geschmaltzen unschlitt;
für die Berliner umgangsspr. Brendicke 187
a),
die schriftsprache verzichtet auch in md. und nd. gebieten auf unschlitt
nicht (Luther, Göthe, Holberg, B. Goltz),
sprichwörter, redensarten und zusammensetzungen erhalten das wort lebendig. weiteres bei erörterung der syn. unterschiede B II. A@IVIV.
das geschlecht ist in ä. spr. durchaus, in n. spr. meistens das n.; m. neben n. bieten von mundarten die schweizerische und elsässische, das m. allein die Kärntner, luxemburgische und Eupener. schriftsprachlich erscheint das m. z. b. bei J. Prätorius
glückstopf (1669) 293, Abr. a St. Clara
etwas für alle 2, 355; Schedel
waarenlex. (1834) 2, 565; Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 792;
erst in neueren wbb. ist das sich ausbreitende m. verzeichnet (Sachs - Villatte, Heyse). die unslit
a candela de seo aus altem sprachbuch (1424)
Bayerns mundarten 2, 386. A@VV.
der plur. fehlt (Schottel
haubtspr. 295)
und ist nur scheinbar in den formen unschlächten, -schlechten, -schlichtern
vorhanden, die für unschlacht, unschlächte (
s. d.) = urschlacht
stehen; Fischer
schwäb. wb. 6, 304; Pfister
ergänz. 1, 26.
vgl. Staub-Tobler 9, 26. BB.
bedeutung und gebrauch. B@II.
die eigentliche bed. ist in dem gs. zu gutem geschlächt,
den besten stücken des geschlachteten, begründet. s. guot geslehte
in der ersten th. 4
1, 3900
unter geschlächt
angeführten Hadloub
-stelle (
für die zweite weist das schweiz. id. 9, 38
eine andere bed. nach).
es sind also u.
geringere theile der schlachtung, von denen das fleisch ausdrücklich unterschieden wird: jeder verständige wisse, dasz sich das u. nach dem fleisch und das fleisch nicht nach dem u. richten müsse (1467) Fischer
schwäb. wb. 6, 215; des fleisches, auch unschlichts (1554)
ebda 216; fleisch und unszlit Eyering
proverb. copia 1, 210.
eingeengt: abdomen, adeps, arvina, auxugium, pinguedo, sebum (
ahd. gl. oben A II 1, Diefenbach
gl. 528
c;
am häufigsten sebum und arvina)
; nicht zum essen Staub-Tobler 1, 348 (
gs. schmalz, schmutz, feiszi). unschlitt, inschlitt, talch, also nennet man das fett, so in den thieren um die nieren und gedärme lieget, bey deren schlachtung oder auswürckung besonders ausgehalten, und so lange es nicht geschmoltzen ist, grünunschlitt genennet wird
allg. haushalt. lex. (1749) 3, 611.
ähnlich ungeschlächt Staub-Tobler 9, 39.
es handelt sich durchweg um das fett von thieren, bes. der rinder, schafe, ziegen, hirsche, esel. von pflanzenfett wird u.
bei dem erzeugnis des unschlittbaums
gebraucht; s. E.
auf den menschlichen körper wird u.
nur in den zss. unschlittbruch, -drüse, -geschwulst
angewandt. B@IIII.
synonyma. B@II@11) inschlitt,
ahd. ingislahti (
intestina th. 4
1, 3900; Diefenbach
gl. 305
b;
minutal ahd. glossen 4, 79, 10; 4, 151, 20), ingeslethe (
minutal 4, 79, 12), inslahti (
minucia 3, 613, 22)
fällt der bed. nach ursprünglich mit u.
nicht zusammen (
vgl. oben A II 1, ingesneiti
ahd. gl. 3, 615, 11; 4, 205, 46, gislaihte Diefenbach
glossar. 523
a),
wird seit ausgang des mittelalters (inslet 528
c; Lexer 2, 1938)
wie in mundarten damit vermengt. Fischer
schwäb. wb. 6, 215
f.; insləd, inschləd, inslt, inschlt Schmeller 1, 113;
Frommanns zs. 3, 114; 6, 172;
Bayerns mundarten 2, 119; Gebhard
Nürnberg 67; Lexer
Kärnten 249; Schöpf 623, 783; Lenz
Handschuhsheim 19
b; Schmitz
Eifel 1, 226; Askenasy 95, 115, 116; Kehrein
Nassau 208; Hommer
Westerwald 86; Crecelius 849; Hertel
Thüringen 250;
obers. wb. 2, 600
a;
cod. dipl. Silesiae 20, 160; Weinhold 38
b;
siebenbürg. wb. 1, lix.
vgl. th. 4
2, 2138; 2141.
die formen entsprechen in ihrer mannigfaltigkeit ganz den oben A II
aufgeführten von unschlitt;
wieder steht ein neues in-, în-, eingeschlecht
neben dem älteren wort (
th. 4
1, 3900; Staub-Tobler 9, 38; Fischer 2, 611).
in der bed. wird kein unterschied mehr gemacht: inslicht,
alii scribunt unschlit,
sebum Besold
thesaurus (1697) 1, 447
b; unschlitt, inschlitt, talch heiszet das ausgelassene fette, so bey den thieren um die nieren und gedärme gelegen Zinck
öconom. lex. (1744) 3021; Lessing 7, 382
über Logau
s. th. 4
2, 2141; 'unschlitt
nicht inselt,
besser talg' Braun
orthogr. gramm. wb. (1793) 271
b; 'unschlitt (
verderbt inschlitt
oder inselt)
ist zwar nicht allgemein bekannt, wird aber doch besonders von geschmelztem talge auch in hd. schriften, und zwar lieber als talg
selbst ... gebraucht' Heynatz
antibarb. (1797) 2, 528. B@II@22) talg (
vgl.A III)
wird als steif gestandenes, festes, hartes fett, von Weigand
syn. 3, 764
f. dem schmierfett (u.
arvina ahd. gl. 1, 332, 21; 324, 42; 3, 294, 1; 311, 47; 613, 9; 615, 4; 615, 28)
entgegengestellt (
vgl. th. 11
1, 98; Kretschmer
wortgeographie 512),
ein unterschied, der vielfach verwischt ist: mit dem talcke oder unsslit Thurneysser
m. alchymia (1583) 8; es wird aber bey uns das unschlit talck genennet Ettner
med. maulaffe (1719) 147; guten talch oder unszlet laden
fettwerden viehbüchlein 53; mitsamt dem talk und unschlitt (
dasselbe?) Heppe
lehrprinz (1751) 420; unschlitt
in d. weidmannsspr. '
nebenbenennung für den talg
des hirsches' Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 6, 111; palmitin und stearin sind feste fette, sie kommen vorzugsweise im talge (unschlitt) des rindes vor Schwerz
practischer ackerbau (1882) 739; talg oder u. G. Keller 5, 82.
sonst ist der unterschied vorzugsweise geographisch. vgl. die zusammensetzungen unschlitt-
und talg-baum, -drüse, -licht, -liesen
u. s. w., nierenunschlitt, -talg
u. s. w. B@II@33) spint,
feste, kernige fettmasse. s. th. 10
1, 2549 spint 1; a
o. 1311 wurde in R. der satz gemacht, dasz von unschlitt, schmeer, spint
etc. das pfund 9 vierding haben sollte Gemeiner
Regensb. chron. 1, 478; Höfler 663,
auch ohrspint.
veraltet und mundartlich. fett, speck, spint Weigand
syn. 1, 433. B@II@44) liesen,
plur., vgl. liese 2;
mnl. liese bauchfett von schweinen, adeps, abdomen Kilian; Franck-van Wijk 386;
eingeweidefett von gänsen, gänseliesen Kretschmer
wortgeographie 328,
wo die verbreitung des wortes im nd. angegeben ist; talgliesen, liesen
das zerschnittene fett bei der talggewinnung Meyer
conversationslex. 16
5, 661
a.
von Campe, Valentini, Mozin, Lucas, Sachs-Villatte
verzeichnet, aber sonst im nhd. noch wenig beachtet. lîsen, flîssen
fett des schweines am bauche =
schmer Frischbier 2, 31
a. fliesen
für flomen Heynatz
antibarb. 1, 414. B@II@55)
griebe als das noch nicht zerlassene fett, s. griebe
sp. 251
aus els. quelle des 16.
jhs. B@II@66) flom(en) (
vgl. flaum1 th. 3, 1735; fleme 1768; Kretschmer 328; Schade 207
b; Falk-Torp 240;
synonym fliesen
u. a.: siebenb. wb. 2, 392
b; 406
b)
bauch- u. nierenfett der schweine, gänse, fische. B@II@77) micker (
th. 6, 2170; 5, 1368)
das in der mitte des rindsgedärmes befindliche fett Höfler 423
a; Staub-Tobler 4, 123;
els. wb. 1, 661
a;
brustu., rückenu., herzschmalz Fischer
schwäb. wb. 4, 1659; Lenz
Handschuhsheim 31; Kretschmer 328. B@II@88) filz
unausgelassener speck Castelli 133;
ausgelassener schweinespeck Schranka (1905) 50; Kretschmer
a. a. o., wo auch kappelfett (
aus Olmütz)
angeführt wird. etwas ferner liegende wörter wie wamme
sollen nicht berücksichtigt werden. B@II@99) schmalz
wird ausdrücklich von unschlitt
unterschieden: wir aber machen ein underscheid zwischen der fettigkeit und nennen das zarte feiszt, so bald beim fewr zergehe ... schmaltz, als der gänsz, enten, hüner und schweinen schmaltz ... wir heiszen aber das hart feiszt von dem gehörnten vihe ... unschlitt H. Bock
kreuterbuch 438
b; schmaltz ist pinguedo und wirdt von dem unschlitt unterscheiden, welches adeps genennet wird. dann das schmaltz kompt von den thiern her, welche ein feuchte natur haben, als von schweinen, schmiltzt leichtlich und gestehet langsamb widerumb ... das unschlitt aber oder adeps kompt her von groben thiern, als von rindern, geyszen und dergleichen, und schmeltzt sich langsam, gestehet aber bald Lonicerus
kreuterb. 578.
daher: es sol kein metzger kein smaltz under unslit thun (1509)
els. wb. 2, 933
b.
feiszt, feiszte, feiszten: das feiszt
als übergeordneter begriff oben bei H. Bock;
ähnlich fett; feiszten
neben u. Megenberg
unter feisztin
th. 3, 1473 J. Dryander
der ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 14
a; die feyste und das unschlit
Züricher bibel (1531)
Sirach 47
a; die feyszte (
beim schwein), darausz unschlitt gemacht ist, ... würt leichtlich zerlassen Eppendorff
Plin. 218;
der 4
jährige hirsch leget aufs u. und feist und wächset in die breite Göchhausen
notabilia venatoris 33; rindfeiszte oder rinderin unschlit (1563) Staub - Tobler 1, 1074; stierefeiszte oder u. Zahler
krankheiten im volksglauben des Simmenthals 72
a.
schmer (
s. d. th. 9, 1030, 1)
unausgelassenes fett bes. vom schwein (Fischer 5, 994),
oft neben u.: Berthold v. Regensburg
unter schmer 1; Fischer
a. a. o.; Staub-Tobler 1, 348; Kretschmer
wortgeographie 328, 3; unschlit, schmAer und andere garstige feisztigkeit Stumpf
Schweizerchron. 276
b; schmaltz, u. und schmeer liefern Hohberg
georg. 1, 80.
schmutz (
s. d. 1),
als eszbares thierfett dem u.
entgegengesetzt Staub-Tobler 1, 348. B@II@1010) stearin
und paraffin
verdrängen seit dem 19.
jh. bes. in der kerzenherstellung den u. B@IIIIII.
verwendung. B@III@11)
als opfer: und sol ... opferen ... alles unschlit, das inwendig ist
Züricher bib. (1531)
3. Mos. 3, 3; Lohenstein
Arm. 2, 628
a; 2, 297
b. B@III@22)
als speise: die ganze gesellschaft frühstückt mit weintrauben, melonen, stinkendem, mit ochsenschmalz, vulgo u., bereitetem brot Grillparzer 20, 157 (
griech. reise); von u. und schimmelbrot will ich leben, wenn ich's dem kerl verzeih', dasz er mich belauert hat Fontane I 6, 12;
vgl.gemüse, welches wie pures u. roch K. Fr. Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 342. B@III@33)
heilkundlich: Ortolf v. Bayrland (1477) 31
b; H. Braunschweig
liber pestilentialis 33
c; holderbletter, in geyszen unschlit gerOest, ubergelegt, stillet desz podagrams schmertzen Lonicerus
kreuterb. 64
a; schäffin u. Gäbelkover 1, 163; hammelen u. Ryff
sp. d. gesundtheit 115
a; weinrauten mit ... rindern u. temperirt wie ein salbe heylet allerley grind Tabernämontanus 401; u. von eim stier ... heilet das ornickele Gesner-Herold-Forer 19; das u. von einem esel ... bringt die haar und farb (
an den wundmälern) wieder Heyden
Plinius 227;
vom hirsch Wickram 7, 319, 586; Kirchhof
wendunmuth 2, 230; das hirtzen marck und u. würd zu sälblin und pflaster gepraucht Sebiz
feldbau 588; Mart. Böhme
roszarzney 29; v. Fleming
t. jäger 94; Döbel
jägerpractica 1, 17; Kretschmer
wortgeographie 615.
vgl. hirschtalg. B@III@44)
im hausgebrauch (
vgl. 5):
als wagenschmiere Tucher
baumeisterb. 116;
zum überziehen der eier Gottsched
das neueste 5, 616;
als pomade allg. d. bibl. 89, 461;
als schuhschmiere Gotthelf 2, 103
u. s. w. B@III@55)
gewerblich: als unslit, daz von den rindern gesammet ward, daz musten die flaischhacker ausloszen
städtechron. 2, 314; Montanus
schwankb. 495, 17
B.; auszerhalb der stadt haben sie eigene gebäw .. zum u. schmeltzen H. Abermann
hist. beschreibung (1619) 3, 101;
zur herstellung von seife Mathesius
Sarepta 122
a;
um blei zu reinigen J.
F. Stahl
gewehrgerechter jäger 46;
in der gerberei Karmarsch-Heeren 5, 333,
bleistiftfabrication 1, 638
u. s. w. besonders in der kerzenbereitung (
die wie seifeherstellung auch hausgewerblich betrieben wurde; die weiber ziehen lichte, indem sie die dacht vermöge der darzu gehörigen lichtbreter mit warm zerlassenen u. überkleiden Amaranthes
frauenzimmerlex. 1158): Nicolai
reise 9, 91,
beylage 6, 3; Fischer 6, 215;
zur beleuchtung im bergwerk Lori
bergrecht 169, 432; Mathesius
Sarepta 60
b;
ausgew. werke 4, 325, 8; Agricola-Bech 73; 72; Herttwig
bergbuch 171
a; 399
b;
vgl. unschlittkerze, -licht, -stummel, -stumpf
u. s. w. und aus der literatur: unzählige illuminationsgerüste stehen fertig ... es ist kein u. mehr in der stadt aufzutreiben Caroline 2, 291
W.; J. D. Falk
satiren 1, 17; G. Keller 5, 82; Rosegger I 5, 108.
im gs. zu öl, anken
N. Manuel
krankheit der messe 229, 8
B.; das unschlith wird zu viel und mancherley dingen gebraucht; aber uber disz so werden auch an theil orten herrliche liechter darausz zubereitet .. und es ist viel besser als das öl; auch ist sein glanz oder schein viel heller und klarer dann der andern liechter
esels adel 118; reiche leute brennen wachs und u., aber der gemein hauff muosz sich mit öly beleuchten H. Bock
kreuterb. 427
b;
Fr. Alvares (1593) 416; B. hat ihnen (
Tiecks) oft die wachslichter ausgeputzt und gesagt, sie sollten u. brennen Wilh. Grimm
an Jacob 147; an stelle des (
bei grubenbeleuchtung) im gebrauch stehenden unschlitt hat man parafin einzuführen versucht Karmarsch - Heeren 1, 417. B@III@66)
als handelsartikel: handelsrechnungen d. d. ordens 122, 17
Sattler; Gargantua 298
neudr.; Rabener 3, 109; Zschokke 2, 20. B@III@77)
man miszt nach leib (unslitleip
ahd. gl. 3, 613, 7;
vgl. schmerleib 1, Staub-Tobler 3, 954 '
das in brotlaibform zusammengerollte fetteingeweide eines schweines'), kopf (vier kopfe unslits
monum. Boica 42, 7, 1352), stock (ain st. unslitt Zingerle
mittelalterl. inventare 25), stein (ein stein u. A. Riese
rechenbuch [1581] 22
a;
lapides unguenti Frisch 2, 409
b; eynen steyn licht von unslit
Marienburger treszlerb. 296, 22
Joachim), pfund, centner (Fischer 6, 215), gewicht (unschlittgewicht
klumpen u. von 5
bis 5½
pfund Schrader
d. franz. wb. 1, 1453). B@IVIV.
literarische belege im engeren sinne; u.
im bild, vergleich; sprichwörter, redensarten; personification: eben als da man unschlitt in ein form güszet, so nimmet das unschlit die selbig form an sich Keisersberg
evangelibuch 33
b; 168
c;
narrensch. 76
a; Luther
tischreden 43
b th. 6, 873, 16 b; die wisel ist des unschlits uber die masz begirig S. Franck
sprichw. (1541) 2, 18
a; ausz lieb gegen das unschlit leckt die katz den leuchter Petri k 2
a; Wander 4, 1474; ja der künstlich-kluge sinn ist von ihnen abgefaren schön in grünen jünglingsjaren, wie ein auszgelöschtes liecht, dem kein unschlit noch gebricht Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimgetichte 95;
ungeartete zärtlinge, derer leiber nach bisam rchen, die gemüther aber nach unschlit stincken Lohenstein
Arm. 1, 1104
a; das macht sein admirabler degen, der kann die feinde panzerfegen, dasz sie nach seines herzens wunsch zerschmelzen müssen wie das unschlitt, wann es nur das feuer riecht, sich bald in einen klump verkriecht Weichmann
poesie der Niedersachsen 6, 391; gefühllos ist ihr herz wie u.
M. Mendelssohn 6, 312;
nach Plautus capt. 2, 2, 39: reiche eltern, aus welchen er u. kochen könne Meyfart
christl. erinnerung (1636) 227
bei Windel
in Kluges zeitschr. f. d. wortf. 9, 288; Lessing 4, 96, 23
übersetzt die Plautusstelle wie steht es denn um seinen beutel? ist er fett? — er könnte u. daraus kochen; ein prophet gilt nichts in seinem vaterlande ... weil bei einer näheren bekanntschaft mit den herrn der nimbus von ehrwürdigkeit und heiligkeit wegschwindet, den uns eine neblichte ferne um sie herum lügt; und dann sind sie ganz kleine stümpfchen u. (
Liebetraut gegen Olearius) Göthe 8, 39, 9
W. (
Götz v. Berl.); von weiten sind se jrosze kirchenlichter un nahebei sind se nischt wie'n kleenet stimpken u. Brendicke 187
a; ein pfennigslicht, raisonirte man, von u. brennt gewöhnlicherweise nicht so hell als eine wachskerze, die ... auf einem schlosse wie Ferney aufgesteckt ist K. Fr. Cramer
Neseggab 3, 237; und dann schmolzen ihre herzen stracks in einander wie unschlitt und wachs Kortum
Jobsiade 3, 57. Hebbel
briefe 4, 281; mutter Unschlitt, des schlächters frau (
goodwife Keech) A. W. Schlegel
Shakesp. 6, 227 (
Heinr. IV. 2, 2, 1); aussehen (weisz sein, rote backen haben) wie das Gmünder (Ellwanger, Mengemer) u. Fischer
schwäb. wb. 6, 216;
vgl.am unschlittwagen verschrocken sein
unter unschlittgesicht. CC.
zusammensetzungen. die älteste ahd. unslitleip
unter B III 7: